Die Briefe an Timotheus

2. Timotheus 3

Die Briefe an Timotheus

Zu Beginn des dritten Kapitels verläßt der Apostel die Unterweisungen, die die damals drohenden Gefahren betrafen, und sagt voraus, welche Umstände in den letzten Tagen vorherrschen werden. Das Bild, das er malt, ist sehr düster.

Im ersten Vers benennt er das allgemeine Kennzeichen der letzten Tage mit den beiden Worten „schwere Zeiten“. Wir tun gut daran, diese Warnung immer vor Augen zu haben, weil es kaum Zweifel daran gibt, daß wir jetzt in den letzten Tagen leben und geistliche Gefahren uns reichlich umgeben.

In den Versen 2–5 werden uns die Kennzeichen der Menschen in den letzten Tagen vorgestellt. Es ist eine schreckliche Liste, die es mit der in Römer 1,28–31 aufnehmen kann, in der uns die Sünden der alten heidnischen Welt beschrieben werden. Das schlimmste an der Liste in unserem Kapitel ist, daß all das Böse unter dem Deckmantel einer „Form der Gottseligkeit“ passiert, d. h., die Menschen, die so beschrieben werden, sind ihrem Anspruch und äußeren Anschein nach Christen. Die wirkliche Kraft des Christentums verleugnen sie völlig.

„Die Menschen werden selbstsüchtig sein“, so heißt der erste Punkt in dieser Liste. Der zweite heißt „geldliebend“. Die Liste endet mit „mehr das Vergnügen liebend als Gott“. Selbstsucht, Geldliebe, Vergnügungssucht kennzeichnen die religiösen Menschen der letzten Tage, und was all die bösen Dinge angeht, die dazwischen aufgezählt werden, so zeigen sie verschiedene Wege, in denen sich der stolze, unabhängige, gesetzlose Geist des gefallenen Menschen ausdrückt – und all das, so erinnern wir uns, bei Menschen, die sich Nachfolger des demütigen und bescheidenen Jesus nennen. Wenn wir nur etwas mit dem gegenwärtigen Zustand der sogenannten christlichen Völker vertraut sind, können wir wohl schließen, daß wir in den letzten Tagen angelangt sind.

Die Haltung des treuen Gläubigen solchen Menschen gegenüber ist sehr einfach, er soll sich von ihnen abwenden, anstatt mit ihnen zu gehen in der Hoffnung, sie zu gewinnen. Zum sechsten Mal wird in diesem kurzen Abschnitt Trennung verlangt. Die Ausdrücke sind: meiden, abstehen, sich reinigen, fliehen, abweisen und hier: sich abwenden. Weil die heutige Zeit Kompromisse liebt, ist das Wort Trennung natürlich gar nicht populär, doch darum geht es hier, und es ist ein Befehl des Herrn. Unsere Aufgabe ist nicht, darüber zu diskutieren, sondern zu gehorchen.

Die Beschreibung in den Versen 2–5 bezieht sich auf Menschen der letzten Tage allgemein. In Vers 6 kommen zwei besondere Gruppen ins Blickfeld. Erstens aktive Verführer und zweitens solche, die ihnen leicht zur Beute werden. Das Wort des Apostels deutet an, daß es damals beide Gruppen gab. Die Verführer, sagt er, sind „aus diesen“. Damit meint er die in den Versen 2–5 beschriebenen Personen. Ihr Wirken vollzieht sich im halbprivaten Rahmen, denn diese sind, „die sich in die Häuser schleichen“. Im Licht dieses inspirierten Wortes ist es bezeichnend, welche Menge von Haus-zu-Haus-Propaganda es gibt, die mit beträchtlichem Erfolg in die Häuser eindringt und unbefestigte Seelen verführt, durch Vertreter falscher religiöser Kulte wie die Mormonen, Adventisten, Jehovas Zeugen usw.

Die Verführten werden hier „Weiblein“ genannt, offensichtlich ein Ausdruck der Verachtung, der auf Personen anwendbar ist, die immer suchen und doch nie zu festen Überzeugungen kommen, ob Mann oder Frau. Der Grund für ihre Blindheit und für den daraus folgenden Mangel an Überzeugung liegt in ihren Sünden und den Lüsten, die zur Sünde führen. Es ist auffällig, daß diese Gruppe „Weiblein“ sich nicht nur aus den groben und ungebildeten Menschen zusammensetzt, sondern auch aus kultivierten und gebildeten. Der einfache Mann auf der Straße hat im allgemeinen ziemlich klare Ansichten – ob nun richtige oder falsche – und kann sie vehement ausdrücken. Häufig sind es die hochgebildeten, die sich in Irrgärten von Spekulationen verlieren und schließlich irgendeinen höheren Unsinn annehmen, der das genaue Gegenteil der Wahrheit ist. Die Christliche Wissenschaft beispielsweise findet ihre Opfer fast ausnahmslos bei den Reichen und Möchtegern-Intellektuellen.

Wir können allerdings bei all dem die Macht Satans nicht übersehen, wie uns die Verse 8 und 9 zeigen. Jannes und Jambres waren offensichtlich die Führer einer Gruppe Zauberer, die den Hof des Pharao beeinflußten und Mose widerstanden und ihre Wunder im Bund mit Dämonen vollbrachten. Die Verführer der letzten Tage werden ihnen gleichen und als Vertreter des Teufels der Wahrheit widerstehen. Gott hat ihrer Macht allerdings eine Grenze gesetzt, und ihr Unverstand wird für alle offensichtlich werden. Das heißt nicht, daß diese Art des Bösen unmittelbar bestraft werden wird, denn wie aus Vers 13 hervorgeht, werden böse Menschen und Verführer immer schlimmer bis zum Ende des Zeitalters fortschreiten. Wir brauchen uns keine Illusionen darüber zu machen, was wir zu erwarten haben.

Wir sind auch nicht angesichts dieses Bösen im Ungewissen über unsere Hilfsmittel. Sie werden uns in diesem Kapitel ab Vers 10 vorgestellt. Der Apostel wurde inspiriert, dem Charakter der Menschen der letzten Tage seinen eigenen gegenüberzustellen, den Timotheus sehr gut kannte. Welch außerordentlichen Gegensatz bilden die Verse 10 und 11 zu den Versen 2–5! Eigenliebe, Stolz, Widerstand gegen die Guten und deren Verfolgung auf der einen Seite, Glaube, Liebe, geduldiges Ausharren in Verfolgungen auf der anderen. Das eine ist der Geist der Welt in voller Blüte, das andere der Geist Christi; und schon immer war es so, daß „der nach dem Fleisch Geborene den nach dem Geist Geborenen verfolgte“ (Gal 4,29). Wer gottselig „in Christus Jesus“ leben will, muß also immer mit Verfolgung rechnen, obwohl die Art der Verfolgung nach Land und Zeit verschieden ausfallen kann. Die Art der Gottseligkeit, die vom Gesetz Moses hervorgebracht wird, erregt wahrscheinlich wenig oder keinen Widerstand, während Gottseligkeit „in Christus Jesus“ heftigen Widerspruch erfährt.

Paulus' Lebenswandel gründete sich auf seine Lehre. Er lebte sie in der Praxis aus, deshalb steht die Lehre in Vers 10 an erster Stelle. Mit dieser Lehre war Timotheus gut vertraut, und er brauchte nur der Wahrheit zu folgen, die er aus solch einer Quelle gelernt hatte. Es war auch sein unschätzbarer Vorteil, daß er die heiligen Schriften – natürlich das Alte Testament – schon als Kind kennengelernt hatte. Timotheus konnte sich auf diese beiden Quellen stützen.

Daraus können auch wir heute schöpfen. Für uns fließen sie allerdings praktisch zu einer Quelle zusammen. Timotheus hörte die Lehre aus Paulus' eigenem Mund, ausgedrückt im „Bild gesunder Worte“ (1,13), und sein Leben machte sie anschaulich und unterstrich sie in eindrucksvoller Weise. Wir kennen diese Lehre heutzutage aus seinen inspirierten Briefen, die uns im Neuen Testament erhalten sind, und kein „Bild gesunder Worte“ wäre verläßlicher. Im Neuen Testament haben wir zudem einen inspirierten Bericht über sein eindrucksvolles Leben und ebenfalls die anderen apostolischen Schriften. In dieser Hinsicht haben wir also mehr als Timotheus, und wir besitzen wie er das Alte Testament. Leider sind wir damit oder mit der Lehre des Paulus wahrscheinlich längst nicht so vertraut wie er. Für uns bildet also die ganze Heilige Schrift die große Hilfsquelle.

Weil das so ist, ergreift der Heilige Geist die Gelegenheit, uns der Inspiration der ganzen Heiligen Schrift zu versichern. Ihre Nützlichkeit für verschiedene Zwecke hängt ganz von dieser Tatsache ab. Wer kann vollkommen und absolut lehren oder überführen oder zurechtweisen oder unterweisen in der Gerechtigkeit, wenn nicht Gott? Der Grund dafür, daß die Schrift all das tun kann, liegt darin, daß sie von „Gott eingehaucht“ ist.

Hier wird unbezweifelbar behauptet, daß das Buch, das wir als die Bibel kennen, ein von Gott inspiriertes Buch ist. Was Timotheus brauchte, war die Versicherung, daß die Schrift von Gott kam und deshalb völlig vertrauenswürdig war – etwas, auf das er sich sicher stützen konnte, wenn er mit den Gefahren und Verführungen konfrontiert wurde, die in den letzten Tagen zu erwarten sind. Das ist genau das, was auch wir wollen, und Gott sei Dank besitzen wir es in der Bibel.

In der Schrift haben wir einen unfehlbaren Maßstab, weil sie von Gott eingegeben ist. An diesem Maßstab dürfen wir alles messen, was uns als Wahrheit angeboten wird, und alle Verführungen „böser Menschen ... und Betrüger“ entdecken und entlarven, obwohl sie „zu Schlimmerem fortschreiten“. In ihr haben wir allerdings mehr als das, wie die Verse 15 und 17 uns zeigen. Sie kann uns „weise machen zur Errettung“, auch wenn es nur um ein Kind gehen mag. Den Menschen Gottes kann sie vollkommen machen und zu jedem guten Werk befähigen.

Beim Lesen von Vers 15 dürfen wir unser Verständnis von Errettung nicht auf das beschränken, was wir bei unserer Bekehrung empfangen haben. Diese Errettung ist natürlich in diesem Satz eingeschlossen, aber sie reicht hier weiter und schließt die tägliche Errettung ein, die wir Christen in vieler Hinsicht brauchen. Die ganze Schrift – und besonders das Alte Testament, um das es hier vorwiegend geht – ist voll von Beispielen, wie es Netze und Fallen geben kann, in die wir geraten können, und was in unseren eigenen Herzen vorgeht. Sie zeigen uns auch Gottes gnädiges Handeln und Seine Herrschaft. Wenn wir durch den Glauben an Christus erleuchtet sind und diese Warnungen beachten, werden wir weise zur Errettung aus ähnlichen Fallen in unseren Tagen.

Vor Gefahren bewahrt zu werden, ist eine Sache. Eine andere ist es, gründlich in dem unterwiesen zu sein, was richtig ist. Der treueste Diener Gottes, der Mensch Gottes, wird in der Schrift das finden, was ihn dazu vollständig befähigt. Dadurch wird er „vollkommen“ gemacht und „völlig geschickt“ zu jedem guten Werk. Diese Aussagen stellen eine ungeheuer große Behauptung über die Schrift auf. Sie besagen klar, daß zwischen den Buchdeckeln Führung zu finden ist im Hinblick auf jedes Werk, das gut genannt werden kann, und daß der Mensch Gottes, der von allen Gläubigen am meisten Licht von oben braucht, kein Licht braucht außer dem, das die Schrift bietet.

Wir übersehen dabei nicht die Tatsache, daß wir die Belehrung und Erläuterung des Heiligen Geistes brauchen, wenn wir aus der Schrift Nutzen ziehen wollen. Das steht an anderen Stellen. Hier stehen die Natur der Schrift und ihre Kraft vor uns. Wir dürfen uns freuen und Gott danken, daß uns die Bibel erhalten geblieben ist und daß der Geist Gottes für immer bei uns bleibt. 

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