Botschafter des Heils in Christo 1856

Betrachtung der beiden Briefe des Apostels Paulus an die Thessalonicher

Einleitung

Unser geliebter Herr fand auf dieser Erde nicht, wo Er sein Haupt hinlegte. „Die Welt ward durch Ihn und die Welt kannte Ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen Ihn nicht auf“ (Joh 1,10–11). Seine Ruhestätte konnte nicht da sein, wo der Satan sein Wesen hatte, und wo die Sünde herrschte. Er war hier der Einzige, der Gott völlig verherrlichte, und deshalb verstand niemand die Neigungen und Gefühle seines Herzens. Diese waren von oben und konnten nur vom Vater gekannt und in der rechten Weise gewürdigt werden. Er sagte deshalb auch zu seinen Jüngern: „Wenn ihr mich liebtet, so hättet ihr euch gefreut, dass ich zum Vater gehe, denn der Vater ist größer als ich“ (Joh 14,28). Er war nicht von der Welt. Er sagt aber auch von den Seinen, dass sie nicht von der Welt sind. Die Welt, welche Ihn nicht kannte, kennt auch sie nicht; und können diese jetzt wohl glücklicher und heimischer hienieden sein als Er? Sie, die nicht von der Welt sind, werden nur vom Vater und vom Sohn völlig erkannt und verstanden, und sind nur im Haus des Vaters heimisch und glücklich. Deshalb ist es ein süßer Trost, welchen der Herr den Seinen bei seinem Abschied aus der Welt zurückließ: „Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen, wenn es aber nicht so wäre, so würde ich es euch gesagt haben. Ich gehe hin, für euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingegangen bin und euch eine Stätte bereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, auf dass, wo ich bin, auch ihr seid“ (Joh 14,2–3).

Wie wenig aber die Jünger diese Worte verstanden, und wie gering ihr Trost für sie war, sagt uns die Entgegnung des Thomas: „Herr! wir wissen nicht, wo du hingehst, und wie können wir den Weg wissen“ (V 5). Hätte der Herr von irdischen Dingen mit ihnen geredet, sie würden ihn besser verstanden haben. Die Augen der Jünger waren auf diese Erde gerichtet; alle ihre Erwartungen der Zukunft knüpften sich an dieselbe; die Sehnsucht ihrer Herzen suchte die Verwirklichung des Reiches Gottes hienieden. Die beiden Jünger, welche nach Emmaus gingen, bekannten ihre enttäuschten Erwartungen in den Worten: „Wir aber hofften, dass Er der sei, der Israel erlösen sollte“ (Lk 24,21). Die himmlischen Wohnungen waren ihnen fremd, und der Weg dorthin unbekannt.

Der Herr kannte die Welt, wo Sünde und Tod regieren. Er selbst hatte den Satan als Fürst dieser Welt bezeichnet. Deshalb, so überschwänglich auch der Segen für uns ist, der sich an die Worte: „Ich gehe zum Vater,“ knüpft, so waren diese doch auch trostreich für sein eigenes Herz in einer Welt, wo Er keine bleibende Stätte hatte. Die Jünger, später die Kirche oder die Versammlung Gottes, mussten erst, und zwar auf eine traurige Weise, erfahren, dass sie hienieden keine Ruhestätte hatten, dass ihre Berufung himmlisch und nicht irdisch war. Wohl ist die Erwartung des Reiches Gottes auf der Erde, worin Christus als König regiert und völlig anerkannt wird, eine begründete; im tausendjährigen Reich wird die Erde und was darauf ist, sehr gesegnet und glücklich sein, – Satan ist gebunden, Sünde und Fluch herrschen nicht mehr, und alle Kreatur wird frei sein; – und es ist gewiss eine große Freude für uns, die Fülle der Segnungen dieses Reiches auf der Erde zu betrachten, allein die eigentliche Erwartung der Versammlung besteht nicht in diesem Reich und seinen Segnungen, sondern wir sind gesegnet mit aller geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus. Die Versammlung, d. i. der Leib Christi, kann nur da ihre Wohnung und ihr Teil haben, wo es auch ihr Haupt gefunden hat; und in dem Reich auf der Erde wird sie mit Christus priesterlich regieren. –

Die Versammlung wurde aber nicht eher wieder mit ihrer Aufnahme durch Christus und zu Ihm in die himmlischen Örter durch den Heiligen Geist getröstet, bis sie selbst die schmerzliche Erfahrung gemacht, dass für sie in der Gegenwart der Sünde und des Todes keine bleibende und glückliche Stätte war, bis sie ihre himmlische Berufung und ihre völlige Einheit mit dem verherrlichten Haupt Christi erkannt hatte.

Bei der Himmelfahrt des Herrn wurden die Ihm nachschauenden Jünger durch die Worte getröstet: „Dieser Jesus, der von euch in den Himmel aufgenommen ist, wird also kommen, wie ihr Ihn gen Himmel habt auffahren sehen“ (Apg 1,11). Hier lesen wir nichts von ihrer Aufnahme in die himmlischen Örter. Petrus ruft dem Volk Israel zu: „So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, dass Zeiten der Erquickung von dem Angesicht des Herrn kommen möchten, und dass Er euch den zuvor verordneten Jesus Christus senden möchte“ (Apg 8,19–20). Auch hier haben wir die Versicherung seiner Wiederkunft und des Segens, welchen seine persönliche Gegenwart auf diese Erde bringen wird, aber nicht die Aufnahme der Versammlung in seine Herrlichkeit.

Die Versammlung der Gläubigen auf der Erde stellte in ihrem ersten Entstehen gewissermaßen den Anfang des tausendjährigen Reiches dar. Der Heilige Geist der Verheißung war ausgegossen; die Gläubigen „verharrten in der Lehre der Apostel, und in der Gemeinschaft, und in dem Brechen des Brotes, und in den Gebeten;“ die Gläubigen alle waren zusammen, und hatten alles gemein; „täglich einmütig im Tempel verharrend, und zu Haus das Brot brechend, nahmen sie Speise mit Frohlocken und Einfalt des Herzens, und lobten Gott und hatten Gunst bei dem ganzen Volk“ (Apg 2). Es fehlte nur noch die persönliche Gegenwart des Herrn unter ihnen, dessen Rückkehr sie erwarteten. Doch diese Rückkehr auf diese Erde war von der Buße Israels abhängig, und Israel tat keine Buße. Jesus selbst versicherte diesem Volk: „Ihr werdet mich von jetzt an nicht mehr sehen, bis ihr sagt: Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn“ (Mt 23,39). Israel wird Buße tun unter großer Drangsal, und dann wird es durch die Rückkehr und persönliche Gegenwart des Herrn errettet und erquickt werden.

In der ersten Zeit verwirklichte die Versammlung auf der Erde ihre Einheit. Es war die Zahl der Männer bei fünftausend; „die Menge aber derer, die gläubig geworden waren, war ein Herz und eine Seele“ (Apg 4,4.32). So erfüllte sich die Bitte des Herrn: „ … auf dass sie alle eins seien, gleich wie du, Vater, in mir und ich in dir, auf dass auch sie in uns eins seien, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17,21). Und als der Heilige Geist uns in Apostelgeschichte 5,12 mitteilt, dass sie alle einmütig in der Säulenhalle Salomons waren, fügt Er in Vers 13 hinzu: „Von den Übrigen aber wagte es Keiner, sich ihnen anzuschließen, sondern das Volk erhob sie.“ Ihre Einheit war das große Zeugnis für die Übrigen.

Solange nun die Versammlung ein Herz und eine Seele auf der Erde war, hören wir nichts von ihrer Aufnahme in die himmlische Herrlichkeit, wohl aber, wie schon bemerkt, von der Wiederkunft Christi auf die Erde, von der Erquickung durch seine persönliche Gegenwart und von der Wiederherstellung aller Dinge durch Ihn. Diese so gesegnete Einheit dauerte aber leider nur sehr kurze Zeit. Die Sünde, welche durch die List des Satans in das Paradies, so wie unter Israel, dem irdischen Volk Gottes, Eingang gefunden hatte, fand auch in die Versammlung Gottes einen Weg, und störte das Glück ihrer gesegneten Einheit auf der Erde, Ananias mit Saphira, seinem Weibe, machten die erste Lücke. Beide wurden zwar durch den Heiligen Geist aus der in ihrer Einheit so glücklichen Versammlung getan, allein die Sünde fand trotz der großen Furcht, welche durch diese ernste Züchtigung des Geistes hervorgerufen war, neue Wege; nicht allein in der Versammlung zu Jerusalem, welche Stadt bald aufhörte der Mittelpunkt der Versammlung zu sein, sondern auch in den Versammlungen unter den Nationen; und nicht lange, so war die gesegnete Einheit der Versammlung auf der Erde dahin, zerstört für immer. Die späteren Kapitel der Apostelgeschichte, so wie die Briefe der Apostel, zeigen uns, wie sich das Geheimnis der Bosheit überall regte, wie die Sünde immer mächtiger eindrang. Wir hören bald von Irrlehrern, Widerchristen und Spaltungen. Die Versammlung Gottes auf der Erde befand sich im Abfall; und nirgends haben wir in der heiligen Schrift die Verheißung, dass ihre Einheit auf der Erde je wieder hergestellt werden wird. Es wird uns aber oftmals versichert, dass schreckliche Zeiten kommen, und dass die Verwirrung und der Abfall immer fortschreiten werden bis zu ihrer Vollendung; (1. Tim 4; 2. Tim 3; 2. Thes 2 usw.) und dann der Tag des Herrn, der auch über die verdorbene Kirche, wie ein Dieb in der Nacht kommt.

Ja, die Einheit der Versammlung auf der Erde ist für immer dahin, und wir sehen sie jetzt in unzähligen Sekten zertrennt. Ihr Glück und ihre Freude als eine Versammlung auf der Erde ist verloren, wenn auch einzelne Glieder in ihrer Gemeinschaft mit Gott und unter einander glücklich sind. Sie hat die erste Liebe verlassen und hat nicht bedacht, wovon sie gefallen, und hat weder Buße noch die ersten Werke getan. Ihr Leuchter kann nicht länger hienieden seine Stätte haben, weil sie als Versammlung aufgehört, in ihrer ersten Liebe und Einheit eine Zeugin der Liebe dessen zu sein, der sie bis zum Tod geliebt hat. O, trauriger Abfall! und doch finden die Seinen stets eine Zufluchtsstätte in seinem Herzen, dessen Liebe nimmer schwächer wird, und welche allein fähig ist, unsere Herzen zu erwärmen und unsere Liebe zu erfrischen und zu beleben.

So ist nun den Getreuen in Betreff der Versammlung auf der Erde nichts anders übrig geblieben, als ihre verlorene Einheit zu beweinen. Dank aber der nie fehlenden Fürsorge und Weisheit Gottes, der durch die Untreuen seiner Kinder Veranlassung nimmt, noch herrlichere Dinge zu offenbaren. Der Abfall war auf der Erde und dehnte sich immer weiter aus; aber die wahre Versammlung sollte ihren Ruhepunkt anderswo haben. Sie lernte jetzt erst durch die Offenbarung des Geistes Gottes verstehen, dass ihre Berufung himmlisch, und dass sie als Leib Christi unzertrennlich und eins mit ihrem verherrlichten Haupt im Himmel war. Für die Verwirklichung ihrer Einheit gab es jetzt einen neuen Sammelplatz, und zwar in den himmlischen Örtern, wo Satan und Sünde das selige Glück ihrer Einheit nie wieder stören werden. Dort werden die Worte des Herrn (Joh 17,22–23) erfüllt sein und bleiben: „Und ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, welche du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, gleich wie wir eins sind. Ich in ihnen und du in mir, auf dass sie in eins vollendet seien, und auf dass die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt, gleich wie du mich geliebt hast.“ Der Abfall aber war der traurige Weg, auf welchem die Versammlung erfuhr, dass sie in der Gegenwart der Sünde nicht glücklich sein konnte. Jetzt verstand sie die so trostreichen Worte des Herrn, welche die Jünger früher nicht verstanden hatten: „Ich komme wieder und werde euch zu mir nehmen, auf dass, wo ich bin, auch ihr seid;“ und der Heilige Geist stellte jetzt diese so gesegnete Wahrheit der Versammlung aufs Neue vor. Konnte es auch beim Anblick der Verwirrung und des Abfalls der Versammlung auf der Erde für die treuen Glieder etwas geben, was ihnen mehr Trost und Erquickung darbot? Gott offenbart der auf der Erde fremden und ihrer Spaltung wegen unglücklichen Versammlung ihre baldige Aufnahme in die himmlische Herrlichkeit durch Christus und zu Ihm. Dort, in der Gegenwart ihres geliebten Herrn, ist der Ort ihrer ewigen und seligen Ruhe.

Jetzt erkannte die Versammlung, dass ihr Teil nicht mehr auf dieser Erde war, dass ihr Blick, während sie hienieden nur durch eine Wüste ging, stets nach oben gerichtet bleiben musste. Ihre Erwartung knüpfte sich von jetzt an zunächst nur an einen wichtigen Augenblick, an welchem Jesus, ihr geliebter Bräutigam, ihr entgegen kommt, um sie zu sich in die himmlische Herrlichkeit aufzunehmen. Mögen sich die Dinge auf der Erde gestalten, wie sie wollen, – diese Dinge sind ihr Leitstern nicht. „Ich komme bald!“ ist der trostreiche Zuruf des Herrn, der das Herz seiner Glieder nur mit Sehnsucht und Freude erfüllen kann; und je mehr der Abfall und die Zersplitterung wächst, desto dringender möge der Ruf: „Komm, Herr Jesus!“ nach oben gehen. Sein Kommen zur Aufnahme seiner Versammlung beendigt ihre Verwirrung und verwirklicht für immer ihre Einheit in den himmlischen Örtern.

Es ist aber auch diese köstliche Wahrheit bald nach ihrer Offenbarung durch die List Satans wieder verdunkelt worden. Die Versammlung hörte nach und nach auf, Jesus zu ihrer Aufnahme vom Himmel zu erwarten und verlor sich in die Welt. „Als der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein“ (Mt 25,5). Die Versammlung verlor das Bewusstsein ihrer himmlischen Berufung, sie verkannte ihre Einheit als Leib mit dem verherrlichten Haupt im Himmel, und verlor die Seligkeit ihrer Erwartung. Ihre Hoffnung knüpfte sich wieder an diese Erde; die Christen nannten sich vielfach das geistliche Israel, und wenn man die Wiederkunft des Herrn erwartete, so war es zum Gericht der Welt, und zur Erfüllung der verheißenen, irdischen Segnungen. So wurde das Bewusstsein der Versammlung immer mehr ein jüdisches und nach und nach war nicht nur ihre Einheit auf der Erde verloren, sondern auch das Bewusstsein ihrer himmlischen Berufung und ihrer Einheit mit dem verherrlichten Haupt im Himmel, und die damit verbundene Erwartung auf Jesus zur Aufnahme in die himmlische Herrlichkeit, und endlich wurde sogar ihre Freiheit in Christus verdunkelt und geschwächt; – ja, die so gesegnete Versammlung ist tief gefallen.

Dazu hat es aber auch bis auf diese Stunde leider! nicht an menschlichen Anstrengungen gefehlt, das gesunkene Glück der Versammlung auf der Erde wieder herzustellen. Man sieht und erkennt, dass ihre Einheit verloren ist, und man gibt sich aus Unwissenheit oder Anmaßung dem Gedanken hin, diesen Schaden zu heilen. Bald sucht man das Bestehende zu verbessern, bald etwas Neues zu gründen. Bis jetzt aber hat man nur die Nutzlosigkeit aller menschlichen Anstrengungen gesehen, welche, statt zu heilen, die Verwirrung vergrößern und die Zahl der Sekten vermehren; und es hat sich stets aufs Neue die traurige Wahrheit bestätigt, dass der Mensch in diesen Dingen wohl verderben, aber nichts wieder gut machen kann. O, der treue Herr gebe doch den Seinen Einsicht und Demut.

Was wir jetzt zu tun haben, ist nicht, unsere Kraft oder vielmehr unsere Ohnmacht an den Tag zu legen, sondern in Demut den Verfall der Versammlung, und zwar durch eigene Untreue, anzuerkennen, und die Gedanken Gottes in der Schrift unter Leitung des Heiligen Geistes zu erforschen. Die Einfältigen und Aufrichtigen werden auf diese Weise gesegnet sein und den rechten Weg finden. Sie werden die Freiheit, womit uns Christus befreit hat, erkennen; sie werden wieder verstehen, dass die Berufung der Versammlung himmlisch ist, und dass sie als Leib Christi, verbunden mit Ihm, dem verherrlichten Haupt im Himmel, nur eine ist, und als Glieder der Versammlung, der Braut Christi, wird in ihnen wieder die Freude und die Sehnsucht nach der Rückkehr ihres geliebten Bräutigams erwachen, umso mehr, da hier alles verwirrt und zerstreut ist.

Diese Rückkehr der Gläubigen zu ihrer wahren Stellung hienieden wird einen lauteren Wandel in der Gemeinschaft mit Gott, als solche, die nicht von der Welt sind, zur Folge haben. Sie werden dann weder mit der Welt wandeln, und in ihrer Gemeinschaft Gott zu dienen versuchen, noch daran denken, etwas Neues zu bauen, sondern sie werden sich einfach als Christen versammeln im Vertrauen auf die Verheißung, dass, wo zwei oder drei in dem Namen Jesu versammelt sind, Er in ihrer Mitte ist, und werden in dem Bewusstsein, dass sie eins sind, als Brüder zusammen wandeln und Gott verherrlichen. Dies ist jetzt während des Abfalls der einzige Weg, der Gott wohlgefällig und von Ihm gesegnet ist. Doch der Raum gestattet nicht, hier noch weiter in diesen Gegenstand einzugehen, sondern uns zu unserer eigentlichen Aufgabe, der Betrachtung der beiden Briefe an die Thessalonicher, zu wenden.

Unter den Briefen der Apostel finden wir keinen, welcher sich so viel und so ausführlich mit der Zukunft Christi beschäftigt, als diese beiden Briefe an die Thessalonicher, und es ist auch wohl, so viel wir wissen, keine andere Versammlung, die so lebendig von der Wiederkunft Christi erfüllt war, als diese. Die Briefe selbst, namentlich der erste, geben hiervon das deutlichste Zeugnis.

Wir dürfen aber bei der Betrachtung dieser so gesegneten Wahrheit der Ankunft Christi nicht nur bei einer Seite derselben, etwa bei seinem Kommen zur Aufnahme der Versammlung stehen bleiben. Dies liegt uns zwar am nächsten, indem es allem anderen, was mit der Wiederkunft Christi in Beziehung steht, vorangeht, und es ist so sehr köstlich und trostreich für uns, weil es uns aus dieser elenden Wüste in unsere wahre Heimat führt, um den von Angesicht zu Angesicht zu sehen und für immer bei Ihm zu sein, den jetzt unsere Seele liebt. Doch ist dies nicht alles, was mit der Wiederkunft oder Ankunft Christi in Beziehung steht. Die beiden Briefe an die Thessalonicher beschäftigen sich nicht nur mit diesem einen herrlichen Augenblicke, der Aufnahme der Versammlung, die wir aber namentlich im vierten Kapitel finden, sondern sie betrachten seine Niederkunft in Verbindung mit den verschiedenen Segnungen, derer wir uns jetzt in Hoffnung erfreuen, so wie auch mit dem Gericht der Welt. Jedoch wollen wir hier in das Einzelne nicht weiter eingehen, sondern dies bei der Betrachtung der Briefe selbst näher ins Auge fassen.

Die Erkenntnis dieser Wahrheit, d. i. der unverwandte Blick auf die Zukunft des Herrn und das stete Harren seiner Ankunft übt einen großen Einfluss auf unseren Wandel durch diese Wüste aus, und deshalb benutzt sie auch der Heilige Geist, um die Thessalonicher zu trösten, zu ermuntern, zu stärken und zum Ausharren zu bewegen.– Bald standen aber auch Irrlehrer unter ihnen auf, welche die Versammlung gerade an ihrer stärksten Seite anfassten, an ihrem Ausharren bei Hoffnung unseres Herrn Jesus Christus. Sie waren eifrig bemüht, diese Hoffnung in ihnen zu verdunkeln, und sie darin zu schwächen und zu verwirren. Aber auch hier begegnen wir der Treue und Gnade unseres Gottes. Die Anstrengungen des Feindes haben dazu gedient, diese so köstliche Wahrheit von der Wiederkunft Christi, besonders was ihre Verbindung mit dem Gericht der Welt betrifft, uns umso klarer vorzustellen. Hiermit beschäftigt sich vorzugsweise der zweite Brief.

Der treue Herr gebe uns einen recht einfältigen Sinn, diese Briefe ohne irgend eine vorgefasste Meinung, wie es leider oft der Fall ist, zu betrachten. Er wolle uns bewahren, dass wir nicht einer allgemeinen, anerkannten Meinung darum huldigen, weil sie allgemein anerkannt ist, oder weil sie die Anerkennung gewisser Männer hat, die Ansehen hatten und in vieler Beziehung im Werk des Herrn gesegnet waren. Es steht geschrieben: „Prüft alles und behaltet das Gute.“ Wenn wir es auch stets dankbar anzuerkennen haben, wenn uns Gott durch gewisse Werkzeuge segnet, so darf doch die Autorität des Wortes nie darunter leiden, weil es das Wort unseres Gottes ist. Dies allein ist unser Leitstern und unsere Richtschnur, und ist geschrieben für die Einfältigen, welche der Heilige Geist durch das Wort lehrt und leitet.

Noch wollen wir hier daran erinnern, dass der Apostel und seine Mitarbeiter, wie wir in Apostelgeschichte 16 und 17 und 1. Thessalonicher 2 sehen, von Philippi, wo sie eine schwere Verfolgung, Schläge und Gefängnis erduldet hatten, nach Thessalonich kamen. Hier brach auch sehr bald durch die dort wohnenden Juden eine große Verfolgung aus, so dass sie dort nur kurze Zeit zubringen konnten. Wir lesen in Apostelgeschichte 17,1–6: „Als sie aber durch Amphipolis und Apollonia reisten, kamen sie nach Thessalonich, wo die Synagoge der Juden war. Nach seiner Gewohnheit aber ging Paulus zu ihnen hinein, und redete drei Sabbate nach einander zu ihnen aus den Schriften … Die ungläubigen Juden aber, voll von Neid, nahmen etliche böse Männer vom Gassenpöbel zu sich, machen einen Volksauflauf und brachten die Stadt in Verwirrung; und sie traten vor das Haus des Jason und trachteten sie unter das Volk zu führen. Als sie sie aber nicht fanden, schleppten sie den Jason und etliche Brüder vor die Obersten der Stadt, rufend: Die, welche den Erdkreis aufgewiegelt haben, diese sind auch hierher gekommen.“

Diese beiden Briefe an die Thessalonicher, welche die ältesten sind, wurden wahrscheinlich von Korinth aus geschrieben, wo sich der Apostel ein Jahr und sechs Monate aufhielt. Als er Thessalonich verlassen musste, kam er zunächst nach Athen, wo er eine Zeitlang blieb und das Evangelium verkündigte, weshalb auch andere der Meinung sind, dass er in Athen diese beiden Briefe geschrieben habe. Dies zu untersuchen ist jedoch nicht unsere Sache.

Der Heilige Geist leite denn unsere Herzen, damit wir die köstlichen Wahrheiten dieser Briefe recht verstehen, und zu einem treuen und freudigen Harren auf die Ankunft Christi zum Preist seines Namens ermuntert werden.

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