Botschafter des Heils in Christo 1856

Harre auf Gott

„Wie der Hirsch lechzt nach Wasserbächen, so lechzt meine Seele, o Gott, nach dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich hineingehen und vor Gottes Angesicht erscheinen? Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man den ganzen Tag zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott? Daran gedenke ich, und ergieße in mir mein Herz in Klagen, wie ich einherzog im Haufen, mit ihnen wallte zum Haus Gottes unter Jubel und Lobgesang in feiernder Menge. Warum bist du gebeugt, meine Seele, und bist unruhig in mir? Harre auf Gott! denn ich werde Ihm noch danken, dass Er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. Gebeugt ist meine Seele in mir, darum, dass ich an dich gedenke aus dem Land des Jordan, und des Hermon, von dem kleinen Berge. Flut ruft der Flut, beim Brausen deiner Wassergüsse; alle deine Wogen und Wellen gehen über mich. Des Tages gebot Jehova seiner Gnade und des Nachts war sein Loblied in mir, das Gebet zu Gott, meines Lebens (Nun). muss ich sprechen zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mein vergessen? Warum muss ich trauernd einhergehen unter des Feindes Druck? Mit Zermalmung meiner Gebeine schmähen mich meine Feinde, da sie den ganzen Tag zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott? Warum bist du gebeugt, meine Seele, und bist unruhig in mir? Harre auf Gott! denn ich werde Ihm noch danken, dass Er meines Angesichts Hilfe, und mein Gott ist.“

Es gibt für uns zur Betrachtung keinen Gegenstand gesegneter und köstlicher, als den Herrn selbst. Mögen wir Ihn in seinem Wandel auf der Erde, oder in seinem Tod am Kreuz, oder als wieder lebendig im Himmel betrachten, überall finden wir Segen und Freude. In Ihm findet das Herz sein volles Genüge. „Denn in Ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“ Glückselig, wer Ihn kennt und liebt, dessen Herz an Ihm hängt, und welcher immer sagen kann: Du bist mein Jesus! Wir sind reich gesegnet in und mit Ihm; aber der größte Segen für uns ist, dass Er selbst unser Teil ist. Gott hat uns das Beste geschenkt, seinen eingeborenen und geliebten Sohn, so dass wir jetzt stets sagen können: „Sollte Er uns mit Ihn: nicht alles schenken?“ Wer diese Gabe kennt, dessen Herz ist immer voll Zuversicht zu Gott und seiner Gnade und Liebe.

Wenn unsere Blicke dein Herrn bis in seine tiefste Erniedrigung und dann bis zu seiner Erhöhung zur Rechten der Majestät Gottes gläubig folgen, so können wir nur bewundern und anbeten. Wir sehen hier eine Höhe und Tiefe, eine Breite und Länge, die jede Grenze und alle Erkenntnis weit übertrifft. „Denn es war das Wohlgefallen der ganzen Fülle in Ihm zu wohnen.“ In Ihm ist ein Meer voll Herrlichkeit, und wir haben alle Fülle in Ihm; aber unser Auge ist viel zu schwach, um auch nur nach einer Seite hin weit hineinzudringen. „Denn wir erkennen stückweise und wir prophezeiten stückweise,“ sagt der Apostel. Doch gesegnet sind wir, wenn die Augen unserer Herzen durch den Heiligen Geist so viel erleuchtet sind, dass wir, seine Herrlichkeit anschauend, immer ausrufen müssen: „O, welch eine Tiefe des Reichtums!“ Wenn wir so viel davon zu erfassen vermögen, dass sich unsere Herzen mit seliger Freude erfüllen. Der Mittelpunkt aller seiner Herrlichkeit ist die Liebe. Und wenn auch die Liebe Christi alle Erkenntnis übertrifft, so ist sie doch unser Teil. Hier vermag unser Herz sich niederzulassen. Sie reicht uns das Vermögen dar, um Ihn und seine Fülle zu erkennen. „Jeder, welcher liebt, ist aus Gott geboren und kennt Gott; wer nicht liebt, kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.“ In seiner Liebe finden auch alle unsere Bedürfnisse ihre völligste Befriedigung.

Lesen wir die heilige Schrift, so finden wir überall Jesus als Gegenstand ihres Zeugnisses. Der Heilige Geist und auch das Wort zeugen von Ihm und seiner Fülle. Ohne Ihn wäre das Wort nur ein leerer Buchstabe und eine törichte Predigt. Mag auch der Eine hier eine schöne Moral finden, und der Andere aus Gewohnheit dem Wort eine gewisse Achtung zollen, so ist es doch in Wahrheit für die, welche es lesen und betrachten, ohne Ihn zu kennen, nur ein Buchstabe ohne Leben und Kraft. – Besonders aber bildet die Person Christi in den Psalmen den Mittelpunkt des Zeugnisses. Hier finden wir seine Erniedrigung bis zum Tod am Kreuze, seine Erhöhung zur Rechten Gottes und seine Herrlichkeit über die ganze Erde. Der oben mitgeteilte Psalm zeigt uns Ihn besonders in seinem Wandel und Leiden in dieser Welt, und es ist gesegnet für unsere Herzen, wenn wir Ihm hier auf der Erde von Schritt zu Schritt folgen. Wir sehen da, was Gott ist; wir lernen seine Gesinnung gegen uns kennen, und wir sehen die tiefste Demut und die völligste Hingebung des Menschensohnes an Gott. „Er machte sich selbst zu nichts und ward gehorsam bis zum Tod am Kreuz.“ In Ihm sehen wir die völlige Verherrlichung Gottes für uns, und dass jede Forderung der Gerechtigkeit Gottes für immer befriedigt ist.

„Unwidersprechlich groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit: Gott ist offenbart worden im Fleisch usw.“ Doch wie glücklich sind wir, geliebte Brüder, dass uns dies kein Geheimnis geblieben ist, dass wir einen so völligen und gesegneten Anteil daran haben. „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns – (und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit, als eines Eingeborenen von seinem Vater) – voller Gnade und Wahrheit.“ „Die Gnade und die Wahrheit sind durch Jesus Christus geworden.“ Sie machen sein Wesen aus, und wir besitzen Beides in Ihm. Die Gnade entspricht unserem Bedürfnis, und die Wahrheit dem Wesen Gottes. – Wir genießen von der Fülle Christi durch unsere Gemeinschaft mit Ihm durch den Heiligen Geist im Glauben, und das Bewusstsein seiner Gemeinschaft macht unsere Freude völlig. Besonders innig und lieblich wird sie uns in 1. Johannes 1,1–4 dargestellt: „Was von Anfang war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir betrachtet, und unsere Hände betastet haben von dem Wort des Lebens; (und das Leben ist offenbart worden, und wir haben gesehen und zeugen und verkündigen euch das ewige Leben, welches bei dem Vater, und uns offenbart worden ist;) was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir euch, auf dass eure Freude völlig sei.“ Diese Gemeinschaft ist eine vollkommene und bleibende. Glückselig ist, wer sie zu schätzen und zu benutzen weiß.

Wir betrachten jetzt die Person Christi mit anderen Gefühlen, als da, wo die Sünde uns niederbeugte. Doch ist es wahr, dass das Sünderherz, was sich nach Gnade sehnt, so sehr zu Ihm hingezogen wird. „Die Zöllner und Sünder nahten Ihm.“ Er ist voll Erbarmen, Milde und Huld, und bei Ihm ist viel Vergebung; Er kam nur, um das Verlorene zu suchen und selig zu machen. Doch jetzt ist es nicht mehr der erste Zug der Gnade, der uns zu Ihm zieht, sondern wir kennen Ihn und haben seine Freundlichkeit geschmeckt. Die befreite Seele betrachtet Ihn ohne Furcht, weil sie in seiner Liebe ruht. Er hat durch sein eigenes Blut ihre Sünden getilgt; durch Ihn ist sie dem Tod und dem Gericht entronnen; durch Ihn hat sie den Heiligen Geist empfangen, durch Ihn die Kindschaft, durch Ihn die Hoffnung der Herrlichkeit, durch Ihn wird sie im Heiligtum droben vertreten, durch Ihn genährt und gepflegt – kurz: die befreite Seele kennt Ihn als ihre Fülle und erfreut sich seiner seligen Gemeinschaft und Liebe. Sie schaut zurück auf seine Niedrigkeit, auf seinen Wandel, seine Leiden und sein Werk, und findet da nichts als Gnade und Liebe; und alles, was sie findet, erweckt Freude und Dank. Sie genießt die Früchte seines Werkes und freut sich auf sein Kommen. Hinter uns, geliebte Brüder, liegt Tod und Gericht; wir sind in Christus hindurchgegangen; unsere Sünden sind versöhnt, denn sein Blut ist im Heiligtum droben vor dem Angesicht Gottes; wir sind auferstanden mit Christus, und vor uns liegt eine Fülle von Segnungen und unaussprechlicher Freude. Dies alles erkennen wir, und sind gewiss darin, und dies Bewusstsein macht uns seine Person so köstlich und so wertvoll. Ja, es ist gewiss ein süßes Gefühl, versöhnt und befreit zu sein, und dann zurückzuschauen, und Jesus in seinem Wandel auf Erden und in seinem Tod am Kreuz zu betrachten, da wir wissen, dass alles Glück und alle Freude der Erlösung und der Hoffnung der Herrlichkeit nur durch Ihn ist.

Der obige Psalm führt uns besonders in die Leiden des Herrn ein. Als ein armer, verachteter Knecht wandelte Er durch diese Welt. „Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor Ihm verbarg.“ „Die Welt ward durch Ihn, aber sie kannte Ihn nicht.“ Die Sünde hatte alles verdorben, alles zu einer Wüste gemacht. Er ging durch diese Wüste, aber Er fand nirgends, wo Er sein Haupt hinlegen konnte; überall war nur dürres Land, und nirgends eine Erquickung für seine Seele. Dennoch ging Er hindurch ohne Murren und in der völligsten Ergebung. Er ging durch alle Umstände und Schwierigkeiten, welche uns auf dem Weg begegnen. „Denn wir haben nicht einen Hohepriester, der nicht mit unseren Schwachheiten Mitleid haben kann, sondern der in allem gleich wie wir versucht worden ist, ausgenommen die Sünde“ (Heb 4,15). „Und deswegen sollte er in allem den Brüdern gleich werden, auf dass er in den Sachen mit Gott ein barmherziger und treuer Hohepriester werden möchte, um die Sünden des Volkes zu versöhnen. Denn in dem er selbst gelitten hat, da er versucht ward, vermag er denen zu helfen, die versucht werden“ (Kap 2,17–18). Wie tröstet und beruhigt es unsere Herzen, wenn wir wissen, dass uns der Sohn Gottes als Hohepriester vertritt, der alle unsere Schwachheiten kennt, der voll Mitleiden gegen uns ist und der selbst in allen unseren Umständen und Schwierigkeiten hienieden war. Er versteht alle unsere Gefühle, und weiß, wie uns in den mannigfachen Versuchungen zu Mute ist. Unsere Seufzer treffen stets in Ihm ein Herz, welches selbst in allen den Versuchungen gelitten hat. Ja, meine Brüder, dass gerade Jesus uns versteht, ist stets ein lieblicher Gedanke für uns; wir wandeln umso getroster und freudiger auf seinem Pfad hienieden.

Jesus hatte die Herrlichkeit beim Vater verlassen, und war in Knechtsgestalt auf dieser armen, elenden Erde, wo für Ihn keine Labung, sondern nur Schmach, Hohn und Verfolgung war. Er trat in unsere Umstände ein, um ein Opfer für unsere Sünde zu werden, und um Gott für uns zu verehren, der durch uns so völlig entehrt war. In dieser Stellung war Er allein. Niemand ist Ihm hier gefolgt und nie wird noch kann Ihm jemand folgen; nicht einmal reicht unsere Erkenntnis soweit, da bis in die Tiefe hineinzuschauen. Allein das Wort, und besonders die Psalmen, sind so reich an Ausdrücken, die uns seine Leiden, seine Angst und seinen Jammer schildern, dass wir wenigstens verstehen, dass hier etwas ist, was über alle unsere Begriffe geht. Besonders entwirft uns der 22. Psalm ein Bild der tiefsten Not und Angst seiner Seele. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Und bleibst fern, mir zu helfen, bei den Worten meines Heulens? Mein Gott, des Tages rufe ich, so antwortest du nicht; und des Nachts wird mir keine Ruhe … Zu dir schrien unsere Väter; und da sie hofften, halfst du ihnen aus. Zu dir schrien sie und wurden errettet; auf dich hofften sie und wurden nicht zu Schanden. Aber ich bin ein Wurm und kein Mensch, ein Hohn der Leute und Verachtung des Volkes. Alle, die mich sehen, spotten mein; sperren das Maul auf und schütteln den Kopf. Er hat es dem Herrn befohlen, der helfe ihm aus, und errette ihn, hat Er Lust an ihm … Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer. Große Stiere haben mich umgeben, Stiere Basans haben mich umringt. Ihren Rachen sperren sie auf wider mich, wie ein reißender, brüllender Löwe. Ich bin ausgeschüttet, wie Wasser, alle meine Gebeine haben sich zertrennt; mein Herz ist wie zerschmolzenes Wachs in meinem Leib. Meine Kraft ist vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen; und in des Todes Staub legst du mich. Denn Hunde haben mich umgeben; der Bösen Rotte hat mich umzingelt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben … „ Welch ein Bild stellt uns hier der Heilige Geist von den Leiden des Herrn vor unsere Seele; und die Psalmen sind reich an solchen Bildern. Die menschliche Sprache aber ist viel zu arm, um seine Angst und seine Leiden in ihrer ganzen Tragweite darzustellen, und unsere Herzen sind viel zu schwach und zu unfähig, um in diese Tiefen weit hineinzuschauen. Doch eins wissen wir, dass dies alles für uns geschah. Jesus „ward für uns zur Sünde gemacht.“ „Alle unsere Sünden lagen auf Ihm,“ und „um unserer Sünden willen wurde Er dahingegeben.“ Richten wir unsere Blicke nach dem Kreuze, so finden wir hier das Lamm Gottes für unsere Sünden geschlachtet; hier begegnen sich Zorn und Liebe, Gerechtigkeit und Gnade; hier sehen wir was Gott, und was der Mensch ist; hier ist das Werk unserer Versöhnung und Erlösung für immer vollbracht. „Denn durch ein Opfer hat Er auf immerdar, Die, welche geheiligt werden, vollkommen gemacht.“ Das Werk Christi für uns gläubig anschauen, und dann noch vor Gott in Betreff unserer Sünden Furcht haben, beweist nur, wie wenig wir die Vollkommenheit dieses Werkes kennen, und wie klein unsere Gedanken von den Leiden Christi und der Angst seiner Seele sind. Doch was Er getan, das überströmt und bedeckt alle unsere Sünden.

„Wie der Hirsch lechzt nach Wasserbächen, so lechzt meine Seele, o Gott, nach dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich hineingehen und vor Gottes Angesicht erscheinen?“ – Hier haben wir ein Bild von seinen Leiden, welches etwas verschieden von dem oben angeführten ist, und dennoch eng damit verbunden. Es ist schon bemerkt worden, dass der Herr hier in einem dürren Land war, wo seine Seele nicht die geringste Erquickung fand. Es war weder Speise noch Trank hier und deshalb musste er hungern und dürsten. Er war fern von Gott in einer Wüste und darum lechzte oder dürstete seine Seele nach Gott. Und als am Kreuz die ganze Schwere unserer Sünden auf Ihm lag, (und Er doch selbst ohne Sünde war), als die Macht des Todes Ihn, den Fürsten des Lebens, umgab, da hören wir sein Geschrei: Mich dürstet! – Aber ach! die arme, elende Welt hatte für Ihn keine Erquickung; die Sünde hat alles unrein und bitter gemacht. Und wenn auch immer, so war es doch am Kreuz in besonderer Weise, dass seine Seele nach dem lebendigen Gott dürstete. Sein Verlangen war einzugehen, um vor Gott zu erscheinen. Nur Gott vermochte seine Seele zu erquicken, und Ihn durch seine Gegenwart zu er freuen. 1

„Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man den ganzen Tag zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?“ Wie sehr bezeichnen uns diese wenigen Worte den Kummer und den Schmerz unseres geliebten Herrn. Wir finden dasselbe in Heb 5,7 ausgedrückt: „Welcher (Jesus) in den Tagen seines Fleisches, da Er Bitten und Flehen zu dem, der Ihn aus dem Tod zu retten vermochte, mit starkem Geschrei und Tränen geopfert hat, und um seiner Furcht willen erhört ward, obgleich Er Sohn war, an dem, was Er litt, den Gehorsam lernte, und vollendet, allen, die Ihm gehorchen, der Urheber ewiges Heils ward.“ Wir sehen hier, welche Arbeit und Kämpfe seine Seele für uns hatte, und wie viel es Ihn gekostet, um uns aus dem Verderben der Sünde zu erlösen. Der Kaufpreis ist nicht gering, und wohl uns, dass er mehr gilt als alle unsere Sünden.

In einem anderen Verse des Psalms lesen wir: „Flut ruft der Flut, beim Brausen deiner Wassergüsse; alle deine Wogen und Wellen gehen über mich.“ Alle Pfeile des göttlichen Zornes trafen Ihn, die ganze Schwere des Gerichts über die Sünde fiel auf Ihn, ja alle Schrecken des Todes kamen über Ihn. Freiwillig stellte Er sich für uns; mit unseren Sünden ging Er Gott entgegen, und Er musste den bitteren Kelch bis auf den Grund trinken. Die Angst seiner Seele war groß; die göttliche Gerechtigkeit forderte auch den letzten Heller. O hier, geliebte Brüder, gibt es etwas, das wir nicht zu ergründen vermögen. In Gethsemane finden wir Ihn in ringendem Kampf, und sein Schweiß fiel zur Erde wie Blutstropfen; seine Seele war sehr betrübt bis zum Tod. Er betete: „Mein Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber!“ Er wusste wohl, wie so schrecklich er war. Doch Er musste ihn völlig trinken, weil Er an unserer Stelle dastand, und Er trank Ihn mit der freiwilligsten Unterwürfigkeit. Alle Wogen und Wellen gingen über Ihn; aber kein Murren kam über seine Lippen. – Welch ein Gräuel ist doch die Sünde vor dem gerechten und heiligen Angesicht Gottes. Selbst der Sohn, der für uns zur Sünde gemacht ward, und obwohl Er selbst ohne Sünde und der geliebte Sohn war, musste durch die Schrecken des Gerichts auf das völligste hindurchgehen; doch Dank, ewig Dank seiner göttlichen Gnade und Liebe, dass wir, die wir sein sind, die Gerechtigkeit Gottes unserer Sünde wegen nicht mehr zu fürchten haben. Wir sind völlig versöhnt, das Gericht Gottes über die Sünde liegt hinter uns, und wir sind angenehm gemacht in dem Geliebten.

Wir lesen in Vers 10–11: „Ich muss sprechen zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mein vergessen? Warum muss ich trauernd einhergehen unter des Feindes Druck? Mit Zermalmung meiner Gebeine schmähen mich meine Feinde, da sie den ganzen Tag zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott?“ – Welch ein schrecklicher Zustand! Unter dem Druck der Feinde von Gott vergessen zu sein; sich ringsumher in der größten Gefahr und Not zu befinden und nirgends einen Retter zu sehen, statt Hilfe und eine Zuflucht, Spott und Verachtung zu finden. Dies war die Stellung Jesu, als Opfer für unsere Sünden. Er war von Gott verlassen, wie schrecklich für seine Seele, und hörte um sich her nur den Hohn und das Gespött der Feinde: „Wo ist nun dein Gott?“ Dies sehen wir am Kreuz in seiner ganzen Schrecklichkeit erfüllt. Satan entfaltete hier alle seine Bosheit und Macht auf das völligste; allein der grausame Feind ist geschlagen durch den, der am Kreuz in einem so trostlosen, verlassenen und jammervollen Zustand war. Anstatt zu triumphieren, als Jesus am Kreuz hing und dem Tod in die Arme sank, ist über ihn triumphiert worden.. „und als Er (Jesus) die Fürstentümer und die Gewaltigen ausgezogen hatte, stellte Er sie öffentlich zur Schau, da Er an demselben über sie einen Triumph hielt“ (Kol 2.15). Ja, der gewaltige Feind ist geschlagen und geschlagen für immer. Wir sind aus seiner Gewalt befreit; unsere Sklaverei hat ein Ende. Trotz allen Versuchungen, womit uns Satan versucht, weiß er, dass er überwunden ist. „Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch;“ – weiter haben wir nichts nötig. Wo er die Kraft Christi findet, da flieht er.

Mit welcher Zuversicht und Freude können wir jetzt das Kreuz Christi anblicken. Wir sehen da unsere Versöhnung in Betreff unserer Sünden, die Erfüllung des Gerichts Gottes über uns in Christus, und den Triumph über Satan. So wenig wir aber die Liebe Christi zu erfassen vermögen, ebenso wenig fassen wir auch seine mannigfachen und schrecklichen Leiden für uns. Doch eins wissen wir, dass seine Liebe und sein Leiden uns unaussprechliche Segnungen bereitet haben. Die Schrecken des Kreuzes hat Jesus für sich genommen; die Segnungen sind für uns. In seinem vergossenen Blut haben wir Vergebung und Reinigung von allen unseren Sünden, und in seinem Tod haben wir das Leben gefunden. Das Blut Christi allein macht unsere Annahme bei Gott möglich; kraft dieses Blutes und dieses Opfers ist Gott für uns und mit uns. Die Wirksamkeit des Opfers Christi dauert immerwährend, und bildet die einzige Grundlage der Beziehungen zwischen Gott und uns. Sein Blut ist auf dem Gnadenthron, um ohne Aufhören vor den Augen Gottes zu sein, also dass wir jetzt stets mit dem Psalmisten singen können: „Heil dem, dem die Übertretung vergeben, dem die Sünde bedeckt ist! Heil dem Menschen, dem der Herr die Missetat nicht zurechnet und in dessen Geist kein Falsch ist!“ –

Wir finden noch einiges in diesem Psalm, was zu den Leiden unseres Herrn gehört, doch wollen wir darauf nachher zurückkommen. Aus dem bisher Gesagten werden wir ganz überzeugt sein, dass Jesus einen Weg ging, den wir nie zu gehen vermögen, und dank seiner Liebe, dass Er Ihn allein für uns gegangen ist. Doch gibt es auch ein Weg, wovon Er zu uns gesagt hat: „Folgt mir nach!“ und wovon Paulus sagt: „Seid meine Nachfolger, gleich wie ich Christi.“ Und sobald uns der Weg zum Kreuz Christi geführt hat, wo wir im Glauben unsere Versöhnung durch sein Blut gefunden, und mit Ihm durch Tod und Gericht gegangen und auferstanden sind, befinden wir uns auf diesem Weg. Dann gilt uns das Wort des Apostels: „ … deshalb litt auch Jesus, auf dass Er durch sein eigenes Blut das Volk heiligte, außerhalb des Tores. Darum lasst uns zu Ihm hinausgehen außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend“ (Heb 13,12–13). Unser Platz ist jetzt nicht mehr im Lager der Welt, sondern außerhalb desselben mit Jesu. Überall finden wir jetzt für uns eine Wüste mit mannigfachen Beschwerden und Versuchungen und Kämpfen; wir sind hienieden Pilger und Fremdlinge, und finden überall die Schmach Christi. Dennoch ist es ein gesegnetes Vorrecht für uns, auf dem Pfad Jesu mit Ihm wandeln zu können. Den Ausgang dieses Weges wissen wir schon, wenn wir Jesus zur Rechten Gottes anschauen. „Gott hat Ihn erhöht,“ und seine Auferstehung gibt unseren Herzen die Hoffnung der Herrlichkeit droben. Doch hier ist es auch für uns ein dürres Land, wo keine Quelle fließt, um den Durst unserer Seele zu stillen. Hienieden ist alles bitter. „Wer von diesem Wasser trinken wird, den wird wieder dürsten,“ sagt Jesus zu dem samaritischen Weib. Das gilt von allem, was hienieden ist. Wer hier trinkt, der wird immer wieder dürsten und dann sterben. In dieser Wüste fließen nur die Bäche des Todes. Jede Speise und jeder Trank ist vergänglich, und kann nicht das Unvergängliche stärken und erquicken. Jeder Trunk von den Dingen dieser Welt, macht uns nur matt und dürre. Wandeln wir aber auf dem Pfad Jesu, den der Herr selbst für uns durch die Wüste gebahnt hat, so finden wir die Bäche des Lebens. Christus ist die Quelle des Lebens, und alle Bäche, die zu unserer Erquickung auf diesem Weg dienen, fließen aus Ihm. „Jeder aber, der von dem Wasser trinken wird, was ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit, sondern das Wasser, welches ich ihm geben werde, wird in ihm ein Quell des Wassers werden, welcher in das ewige Leben quillt.“ Wo wir die Fußstapfen Jesu sehen, wo wir seinen Tritten folgen, da werden wir Segen die Fülle finden, da wird es uns an Erquickung nicht fehlen. In seiner Niedrigkeit ist Er unsere Speise, unser Manna in der Wüste. Sein Gehorsam, seine Demut, seine Liebe, sein Erbarmen, seine Milde, kurz alles ist Nahrung für unsere Seele. Außer Ihm aber finden wir nichts. Nur in Ihm, in dem lebendigen Gott ist die Quelle des Lebens, da findet jedes Bedürfnis der erneuerten Seele völlige Befriedigung. Der treue Herr bewahre uns, geliebte Brüder, dass Keiner von uns seinen Blick nach der Wüste wende, um sich einen Labetrunk zu suchen. Wir finden nichts, als höchstens eine Ergötzung für das Fleisch und eine Verunreinigung und Ermattung der Seele. Er wolle uns aber stets ermuntern und stärken, treu auf dem Pfad Jesu zu wandeln, und auf Ihm alle Erquickung und Stärkung aus seiner Fülle zu nehmen.

Wenn wir Jesus in den schwierigsten Umständen und in den schrecklichsten Leiden sehen, so finden wir Ihn stets geduldig und völlig ergeben an Gott. In der tiefsten Angst seiner Seele, in den schwersten Verfolgungen von Seiten seiner Feinde, wo Er nirgends Trost noch Hilfe sah, blieb dennoch Gott seine Zuflucht, und Er setzte stets sein Vertrauen auf Ihn. Ja, ruhig und besonnen finden wir Ihn in den schrecklichsten Stunden. Betrachten wir Ihn nur einen Augenblick in Gethsemane. In welcher Not und Angst befand sich seine Seele, in welch heißen Kämpfen rang Er, wie groß war der Hass der Welt, alle seine Feinde waren in wilder Aufregung und – wie so voll Schlafs waren seine Jünger! Allein betrachten wir den Herrn in dieser unaussprechlich schrecklichen Lage, so finden nur Ihn vollkommen ruhig. Oder sehen wir Ihn bei seiner Gefangennahme, vor Kaiphas, vor Pilatus, vor Herodes, oder auf seinem letzten und schwersten Gange hienieden nach Golgatha, oder am Kreuze, – welche göttliche Ruhe, welche Ergebung, welches geduldiges Ausharren! Er sprach stets zu seiner Seele: „Warum bist du gebeugt, meine Seele, und bist unruhig (oder jammerst) in mir? Harre auf Gott! denn ich werde Ihm noch danken, dass Er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ – Überall, wo wir auch den Herrn hienieden sehen mögen; tritt uns diese Sprache entgegen: „Harre auf Gott! denn ich werde Ihm noch danken, dass Er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ Er übergibt sich in allen Umständen Gott und vertraut Ihm völlig. Nichts kann Ihn in Furcht oder Verlegenheit bringen, weil Er sich nicht durch die Schwierigkeiten leiten lässt, sondern mit Gott durch alles hindurch geht. „Ich bin gekommen, deinen Willen, o Gott, zu tun.“ Dies tritt uns überall entgegen. Seine Speise war den Willen seines Vaters zu tun, und nicht seinen Willen. Diese völlige Hingebung stellt uns auch der Apostel vor, wenn er uns zu der Gesinnung ermuntert, die auch in Christus Jesus war. „Welcher, da Er in Gestalt Gottes war, es nicht für eine Beute hielt, Gott gleich zu sein, sondern sich selbst zu nichts machte, und Knechtsgestalt annahm, indem Er in Gleichheit der Menschen geworden ist, und in seiner Stellung wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigt hat, und bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz gehorsam ward“ (Phil 2,5–3). So wie es uns einerseits die Arbeit sehen lässt, welche wir mit unseren Sünden dem Herrn gemacht haben, so liegt andererseits gewiss etwas Beseligendes für uns darin, zu sehen, dass der Anführer unserer Errettung durch Leiden zur Vollkommenheit gebracht ist; dass Er fühlte und litt, wie wir fühlen und leiden, doch ohne Sünde; dass Er so freiwillig diese niedrige Stellung nahm, um uns in allem gleich zu werden; dass Er selbst sagen musste: „Was bist du gebeugt meine Seele und bist unruhig in mir …“ Ja, alles, was wir in Christus sehen, ist bewundernswert und anbetungswürdig, alles offenbart uns seine Vollkommenheit und ist so gesegnet für uns. Je mehr wir dies alles betrachten, desto mehr Freimütigkeit und Zuversicht bekommen wir, mit Ihm zu verkehren, und desto ruhiger und glücklicher macht uns seine Gemeinschaft.

„Harre auf Gott! denn ich werde Ihm noch danken, dass Er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ Unser Herr ist nicht zu Schanden geworden; seine Zuversicht hat eine große Belohnung gefunden. Er hat sein Werk vollbracht und seinen Lauf hienieden vollendet, vollendet für immer. Sein Weg ging durch die tiefste Tiefe und sein Ausgang zur höchsten Höhe. Gott erhöht die Demütigen. „Wir sehen aber den, der ein wenig unter die Engel erniedrigt war, Jesus, wegen des Leidens des Todes mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“ (Heb 2,9). Und in der vorhin angeführten Stelle des Philipperbriefes, wo uns der Apostel die Niedrigkeit und den willigen Gehorsam des Herrn zur Nachahmung vorstellt, fährt er weiter fort: „Deswegen hat Ihn Gott auch hoch erhoben, und Ihm einen Namen gegeben, der über jeden Namen ist, auf dass vor dem Namen Jesu sich jedes Knie der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen beuge, und auf dass jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus „Herr“ ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters.“ – Der Herr Jesus zur Rechten Gottes droben zeigt uns den glückseligen Ausgang der Wege Gottes; und dies ist der Ausgang für alle, welche sich auf diesem Weg befinden. Zu allen heißt es: „ … von allem absehend auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, welcher für die Ihm vorliegende Freude das Kreuz erduldete, und der Schande nicht achtete, und sitzt zur Rechten auf dem Thron Gottes“ (Heb 12,2).

Was uns betrifft, geliebte Brüder, so ist es zunächst und vor allem nötig, zu wissen, in welcher Stellung wir uns hienieden befinden. Wir sind versöhnt und befreit, (gebe der Herr, dass wir alle unsere Freiheit recht verstehen und zu würdigen wissen); wir sind angenehm gemacht in dem Geliebten und sind Kinder Gottes; ja, „wie Er (Jesus) ist, so sind auch wir in dieser Welt.“ Was unsere Sünden und das Gericht über dieselben betrifft, so kann zwischen Gott und uns nicht mehr davon die Rede sein, weil das Werk Christi dies alles völlig beseitigt hat. Allein jetzt sind wir in einer Wüste und Gott will, dass wir darin sein sollen; wir treffen auf diesem Weg viele schwierige Umstände und Versuchungen, und Gott will, dass wir sie treffen, und es gibt viele Kämpfe für uns hienieden und Gott will, dass wir den guten Kampf des Glaubens kämpfen. Wäre es nicht völlig Gottes wohlgefälliger Wille, dass unsere Lage diese sei, worin wir uns befinden, so würde sie gewiss anders sein; denn Gott hat uns lieb und hat keinen Wohlgefallen an unseren Leiden. Wir sind also nach dem vollkommenen Willen Gottes auf diesem Weg; und das ist ein großer Trost für uns. „Denn euch ist es in Bezug auf Christus gegeben, nicht allein an Ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden,“ schreibt der Apostel den Philippern. Mein Weg ist also von Gott, es ist der Weg des Herrn Jesus; alle Umstände, Schwierigkeiten und Versuchungen sind für mich oder für jede andere gläubige Seele auf diesem Weg nach Gottes wohlgefälligem Willen, (obgleich Gott kein Versucher zum Bösen ist, so haben wir doch das Vorrecht, alles, was Er erlaubt, als ein Segen für uns zu betrachten, weil Er uns durch alles, was uns begegnet, stets zu segnen sucht). Mein Platz zu leiden, zu kämpfen und auszuharren ist gerade da, wo ich bin und nicht anderswo. Ich habe für mich hier nichts zu suchen, noch zu wählen, sondern nur da auszuharren und den guten Kampf zu und in dem zu kämpfen, worin ich mich befinde, und da ist der Platz für mich, um stets zu lernen und meiner Seele zuzurufen: Harre auf Gott!

Weiter ist es für uns nötig, zu verstehen, dass unsere Feinde hienieden voll List und Bosheit sind. „Denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern“ (Eph 6,12). In all den Umständen, durch welche wir gehen, sucht Satan immerfort auf unsere Seelen zu wirken: den Glauben zu schwächen, den Mut und das Vertrauen zu rauben, und den Frieden und die Freude des Herzens zu stören. Und was sind wir inmitten der Schwierigkeiten und Hindernisse? Was sind wir gegen Satans List und Bosheit? – es ist gut und nötig, dass wir uns dies nicht verhehlen, – ein irdenes Gefäß, ein schwaches Geschöpf voller Mängel und Gebrechen. Und wenn ich alle diese schwierigen Umstände sehe, wenn ich Satans List und Bosheit erkenne, und wenn ich von meiner Schwachheit und von meinen Mängeln völlig überzeugt bin, kann das für mich Trost, Freude und Friede sein? Gewiss nicht. Kann nicht dies in meinem Herzen Furcht, Angst, Sorgen und Unruhe erwecken? Gewiss; hier unten ist nichts für uns; hier findet unsere Seele keine Erquickung, keine Freude, und unser Fuß keine Ruhe. O, wie gut ist es, dies in Wahrheit zu erkennen, um immer zu lernen und zu sagen: „Harre auf Gott! denn ich werde Ihm noch danken, dass Er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ Ja, in Gott allein finde ich genug, um alles das, was mir begegnet, für nichts zu achten, um stets hindurchzugehen mit einem Herzen voll Ruhe, Trost, Freude und Kraft. Wir wollen uns nichts von dem verhehlen, was wir hier unten finden, noch von unseren Ernsten Kämpfen, noch von unserer Schwachheit, um ganz und gar zu fühlen, wie nötig wir haben, jede Stunde uns zuzurufen: „Harre auf Gott!“ Seelen, die hienieden in den Umständen ihre Ruhe und ihren Frieden suchen, bereiten sich selbst viele Schmerzen. Man findet aber aufrichtige Seelen, die sich Mühe geben, in den Umständen stille und glücklich zu sein, allein sie denken nicht daran, dass in den Schwierigkeiten und Versuchungen selbst nichts Liebliches für uns liegt, noch finden wir in uns Kraft zu widerstehen; wollen wir Ruhe, Freude und Kraft haben, so müssen wir dieses Wort: „Harre auf Gott!“ in jeder Lage recht kennen lernen. Unsere Stärke ist allein in dem Herrn, und nur seine Waffenrüstung kann die unsrige sein.

Wenn uns Gott in unserer Schwachheit durch diese Wüste und alle ihre Schwierigkeiten gehen lässt, so hat Er seine Verherrlichung und unsere Zubereitung zum Zweck. In unserer Schwachheit und in den schwierigen Umständen kann Er gerade seine Kraft offenbaren. Sind unsere Augen recht erleuchtet und unsere Herzen recht nüchtern, so werden wir überall die verborgene Hand Gottes wahrnehmen. Er offenbart an uns seine Treue, seine Liebe, seine Langmut, seinen Willen; er tröstet, stärkt und erquickt uns auf mannigfache Weise. Ja, in unserer Schwachheit und in den Umständen hienieden, lernen wir Gott in einer Weise kennen, wozu wir selbst in der Herrlichkeit keine Gelegenheit haben. Die Welt mag sich über das Ausharren der Heiligen in den Kämpfen und Versuchungen dieser Wüste wundern; allein sie kennt nicht das verborgene Manna, (die verborgene Speise und Kraft), welches uns fortwährend auf unserem Weg begleitet. Gott ist stets bereit, in allem seinen Namen zu verherrlichen, und wo die Schwachheit am größten und die Umstände am schwierigsten sind, da kann Er dies am meisten. Jede Selbsthilfe steht seiner Verherrlichung nur im Weg. Stets gilt der Zuruf: „Harre auf Gott! denn ich werde Ihm noch danken, dass Er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ Wenn wir recht verstehen, dass Gott es ist, der sich in unseren Umständen verherrlichen will, wenn seine Verherrlichung unsere Freude ist, so werden wir auch das Wort des Apostels beweisen: „ …daher will ich mich denn am allerliebsten meiner Schwachheit rühmen, auf dass die Kraft des Christus in mir wohne. Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Schmähungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Drangsalen, für Christus. Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich mächtig“ (2. Kor 12,9–10). Wenn wir vor den schwierigsten Umständen, ohne irgend einen Ausweg, stehen, wenn unsere Schwachheit in einer Lage völlig offenbart ist, da ist es Zeit zu sagen: „Harre auf Gott! denn ich werde Ihm noch danken, dass Er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ Haben wir nichts, dann haben wir genug, sind wir wirklich ohne Kraft, dann wird uns keine Kraft fehlen. „Harre auf Gott!“ das ist unsere Kraft und unser Ausweg. Doch ist dies etwas, was wir auf dem Weg durch die Umstände und Versuchungen lernen müssen. Wenn wir diesen Weg betreten, so wissen wir wohl, dass wir in Gott alles haben, aber wir lernen auf dem Weg selbst, dass wir in Ihm wirklich alles haben. Der Glaube geht durch die Proben; damit unser Bekenntnis sich auch im Wandel und in seiner Kraft offenbare. Wir lernen und lernen immer wieder, bis wir mit dem Apostel Paulus sagen können: „Denn ich habe gelernt, worin ich bin, mich zu begnügen. Ich weiß niedrig zu sein, ich weiß auch Überfluss zu haben, in jedem und in allem bin ich unterwiesen; sowohl gesättigt zu sein, als Hunger zu leiden, sowohl Überfluss, als Mangel zu haben.“ Und was der Apostel hier in Betreff der äußeren Notdurft von sich sagte, das müssen wir auch in allen Dingen lernen. Alle Heiligen sind hier in einer Schule, wo sie zu lernen haben; und sind in der Schule Gottes. So vollkommen auch unsere Stellung in Christus ist, so gibt es im praktischen Leben immer zu lernen und zuzunehmen, „bis wir alle hingelangen werden zu der Einheit des Glaubens, und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu einem vollkommenen Mann, zu dem Maß des vollen Wuchses der Fülle des Christus“ (Eph 4,13). Darum, meine Brüder, lasst uns nicht müde werden, zu lernen, bis wir in allen Dingen auf Gott harren, und in jeder Lage sagen können: „Ich habe gelernt, worin ich bin, mich zu begnügen.“

Verstehen wir unsere Beziehung, unser Verhältnis zu Gott in seiner ganzen Fülle und Tragweite, so wird es uns eine Freude sein, uns stets zuzurufen: „Harre auf Gott!“ „Wir sind angenehm gemacht in dem Geliebten,“ und verstehen wir, was es heißt: „der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus,“ so begreifen wir auch unsere gesegnete Stellung. Die Heiligen auf der Erde sind der Gegenstand der Pflege, der Fürsorge und Liebe Gottes, des Vaters. Wie früher sein Wohlgefallen auf dem Sohn hienieden ruhte, so ruht es jetzt auf den Söhnen. „Vater, ich will, dass du sie liebst, wie du mich liebst.“ Das Auge Gottes ist stets offen über uns; sein Herz strömt allezeit in Liebe und in Vatergefühlen gegen uns aus. Da findet kein Aufhören, kein Verändern statt; denn „wir sind angenehm gemacht in dein Geliebten.“

Auf der Erde hat Gott jetzt keinen anderen Gegenstand für seine Liebe und seine Sorgen, als seine Kinder, „Auserwählte Gottes, Heilige und Geliebte.“ Er ist stets um sie bemüht, sie zu segnen, und reichlicher zu erfüllen, und je mehr wir in allem Guten zunehmen, desto größer wird unsere Freude. Darum begegnet uns nichts auf unserem Weg, was Er nicht sieht, worin seine Liebe nicht für uns tätig ist. Keine Sache, kein Umstand ist für Ihn zu klein, oder zu geringfügig, dass Er sich nicht darum bekümmern sollte; alles sucht Er für uns zum Segen zu bereiten. Es ist unmöglich, dass uns etwas begegnen könnte, was Ihm gleichgültig wäre, oder worin Er uns unbeachtet ließe. „Er kann uns nicht verlassen, noch versäumen.“ Der Unglaube nur denkt das Gegenteil. Aber wie köstlich ist für uns, seine Liebe und Fürsorge zu erkennen, und zu verstehen, dass kein Haar ohne seinen Willen von unserem Haupt fällt. Gott will sich um unsere kleinsten und geringsten Umstände treu und völlig bekümmern. Haben wir nur Augen zu sehen, wir werden in allem seine liebende und segnende Hand wahrnehmen, so dass wir uns stets voll Mut und Zuversicht zurufen können: „Harre auf Gott!“ Selbst seine Züchtigungen sind nur ein Ausfluss seiner Liebe und väterlichen Fürsorge. Er will, dass wir seine Heiligkeit erlangen. Welch ein Segen, welch ein köstliches Vorrecht für uns! Ja, wenn wir uns selbst, durch Nachlässigkeit oder Selbsthilfe usw., was immer traurig ist, in verwickelte Umstände gebracht haben, so ist sein Herz dennoch stets bemüht, uns so heraus zu helfen, dass wir dadurch reichlich gesegnet werden. Er sucht alles für uns zum Segen zu bereiten, weil wir sein sind, und weil Er uns so völlig liebt. Darum auch, wenn wir gezüchtigt werden, wenn wir in gewissen Dingen unsere Nachlässigkeit fühlen müssen, so heißt es doch immer zu uns: „Harre auf Gott! denn ich werde Ihm noch danken, dass Er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ – Wenn wir dies alles erwägen, geliebte Brüder, wie viel Ursache finden wir dann, auf unserem Weg durch diese Wüste stets stille und getrost zu sein. Wir mögen Hinblicken oder hinkommen, wohin wir wollen, überall begegnet uns die zärtliche Liebe Gottes, des Vaters, überall seine segnende Hand. Dieses Bewusstsein macht unseren Weg sicher und unseren Gang gewiss. Doch nur der Glaube harrt auf Gott und versteht den gesegneten Ausweg; nur die Liebe erkennt Gott, und sieht überall seine Bemühung und seine Sorge um uns. Durch den Glauben allein erkennen wir seine Gegenwart hienieden und wandeln in seiner Gemeinschaft. O, es ist etwas überaus Herrliches, Ihn zu kennen, unsere Beziehung zu Ihm zu verstehen, und dann in seiner Gemeinschaft zu wandeln und sie zu genießen. Wir kennen auch schon unseren gesegneten und herrlichen Ausgang, wenn wir die Worte des Herrn verstanden haben: „ … auf dass ihr seid, wo ich bin.“ Bei Ihm ist unser Ruheort, bei Ihn: sind unsere Segnungen und alles werden wir in der Herrlichkeit droben mit Ihm genießen. O, wir sind reich gesegnet! Hier begleitet, nährt und pflegt uns seine Liebe, kräftigt und hilft uns seine starke Hand; dort erwarten unserer unaussprechliche Segnungen mit Ihm nach der Herrlichkeit seiner Gnade. Das Erbteil droben ist uns so gewiss, als wir jetzt auch seine Liebe haben, und in dieser Gewissheit können wir nicht anders, als uns stets zurufen: „Harre auf Gott!“

Es gibt noch etwas in diesem Psalm, was wir nicht übersehen dürfen. Wir lesen in Vers 3 und ferner: „Wann werde ich hineingehen, und vor Gottes Angesicht erscheinen … Daran gedenke ich, und ergieße in mir mein Herz in Klagen, wie ich einherzog im Haufen, mit ihnen wallte zum Haus Gottes unter Jubel und Lobgesang in feiernder Menge … Gebeugt ist meine Seele in mir, darum, dass ich an dich gedenke aus dem Land des Jordan und des Hermon von dem kleinen Berge.“ – Hier haben wir etwas, was uns die Leiden des Herrn, als Er auf Erden war, und auch der Seinen offenbart. Wir haben schon davon gesprochen, dass der Herr hienieden ganz und gar ein Fremdling war. Die Welt kannte Ihn nicht, und obwohl „Er in sein Eigentum kam, die Seinen nahmen Ihn nicht auf.“ Sein Eigentum war der Welt gleich geworden – eine Wüste. Jesus war hier völlig ein Fremdling, selbst mitten unter seinem Volk; niemand kannte, noch verstand Ihn. Er selbst sagte zu seinen Jüngern: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es allein“ (Joh 12,24). Er war der Einzige, der Gott wirklich kannte, und Ihn anbetete im Geist und in der Wahrheit; der Einzige, der Ihn durch gänzliche Hingabe und willigen Gehorsam völlig verherrlichte. Der Gottesdienst seines Volkes bestand in Buchstaben und in der äußeren Form; in diesem Dienst war ihre Herzenshärtigkeit auf das vollständigste offenbar geworden; stets hatte sich das Fleisch als Fleisch in seiner Feindschaft wider Gott völlig dargestellt. Deshalb, als Johannes, der Vorläufer des Herrn, in der Wüste (ein Bild Israels) auftrat, musste er predigen: „Alles Fleisch ist Gras und alle Herrlichkeit des Menschen, wie des Grases Blume“ (Jes 40). So groß die Sehnsucht des Herrn auch war, mit seinem Volk sich zu erfreuen und zu erquicken, so fand Er doch in dem jetzigen Zustand nicht „den Haufen, die feiernde Menge, in welcher er zum Haus Gottes unter Jubel und Lobgesang zu wallen wünschte.“ Das Haus Gottes war zu einer Räuberhöhle geworden, und das Volk, das sich dort befand, war voll Hass, Bitterkeit und Feindschaft wider den Herrn seines Hauses. In diesen Umständen befand sich der Herr hienieden, und wir verstehen seine Worte, die so voll des tiefsten Schmerzes sind: „Daran gedenke ich, und ergieße in mir mein Herz in Klagen.“ Jerusalem, die Stadt Gottes, Zion, der Berg seiner Heiligkeit, der Tempel, seine heilige Wohnung, das Volk, sein Eigentum – kurz alles, war jetzt nur eine Wüste. Unter seinem Volk, war Er fern von „der feiernden Menge, die mit Jubel und Lobgesang zum Haus Gottes wallte;“ ob in Jerusalem, oder im Tempel, es war immer in einer Wüste, in den Höhlen der Räuber und der wilden Tiere. Er drückte darüber seine tiefe Trauer in diesen Worten aus: „Gebeugt ist meine Seele in mir, darum dass ich an dich gedenke aus dem Land des Jordan und des Hermon von dem kleinen Berge.“ Was sein Inneres, sein Herz, seine Gefühle usw. betraf, so befand sich der Herr, wenn Er an Gott gedachte, nie auf Zion im Haus Gottes, sondern fern; Er gedachte an Ihn „aus dem Land des Jordan und des Hermon von dem kleinen Berge,“ – als Gegensatz von Zion.

Wenn sich hier auch die Gefühle Davids kund geben, da er diesen Psalm, wie man vermutet, auf der Flucht vor Absalom dichtete, so finden wir doch nur den vollkommenen Ausdruck desselben in dem Herrn Jesus selbst wieder. Vermögen wir einen Blick in seine unvergleichliche Liebe und sein herzliches Verlangen zu Gott und den Seinen zu werfen, so begreifen wir auch in etwa seine Leiden und seine Sehnsucht in dieser öden Wüste, wo Er in der schrecklichsten und bejammernswertesten Lage allein war, wo Er nur die Sünde und ihre mächtige Wirkung sah.

Wir wissen nun, dass ein Teil der Sehnsucht unseres geliebten Herrn erfüllt ist. Er ist droben in das Heiligtum hineingegangen und vor dem Angesicht Gottes erschienen. Er ist auch dort für uns, wir wissen es, doch davon wollen wir hier nicht reden. – Seine Sehnsucht war nach oben, weil Er hier nicht fand, wo Er sein Haupt hinlegen konnte; Er sagt selbst zu seinen Jüngern: „Wenn ihr mich liebtet, so hättet ihr euch gefreut, dass ich zum Vater gehe; denn mein Vater ist größer als ich.“ Nur dort war Er völlig verstanden, nur dort fand Er alles in voller Harmonie mit den Gefühlen und Neigungen seines Herzens. Doch sind die Seinen jetzt noch in der Wüste. Sein Herz ist voll Sehnsucht, mit ihnen völlig vereinigt zu werden. Wenn der Apostel im Gefängnis zu Rom, das Maß seiner Sehnsucht zu den Philippern kund geben will, so sagt er: „Denn Gott ist mein Zeuge, wie ich mich nach euch allen sehne mit dem Herzen Jesu Christi.“ Der Herr ist ganz eins mit den Seinen, und ihre Leiden auf dem Weg durch diese Wüste fühlt sein Herz mit ihnen, weil Er voll Liebe, voll der zärtlichsten Zuneigung, voll des tiefsten Mitleids für sie ist. Und gewiss ist dies für uns ein süßes Gefühl, voll Trost und Freude, völlig Überzeugt zu sein, dass wir stets in Ihm ein solches Herz gegen uns finden.

Wandeln wir hienieden mit dem Herrn, genießen wir durch den Glauben seine Gemeinschaft, so werden wir uns auch gewiss sehnen, droben zu sein, und sein Angesicht zu schauen. So groß auch unser Trost und unsere Freude im Herrn hienieden sein mag, so sind wir doch in dieser irdischen Hütte beschwert; wir sind in einem Land, wo die Sünde wohnt und der Fürst dieser Welt herrscht. Und wenn wir die Gefühle des Herrn zu den Seinen teilen, – und wie können wir anders, wenn seine Liebe in unsere Herzen durch den Heiligen Geist ausgegossen ist, als den innigsten Anteil an der Versammlung Gottes hienieden haben? – so werden wir im Hinblick auf die große Verwirrung und Erschlaffung seines Volkes, umso sehnlicher verlangen, dort zu sein, wo keine Sünde wohnt, wo Satan diejenigen nicht entzweit, die so völlig eins sind. Dort wird diese Einheit zu seines Namens Preis und Ruhm vollkommen verwirklicht und der Herr in der Mitte seiner Heiligen völlig verherrlicht sein; dort werden alle Heiligen in sichtbarer Einheit und Herrlichkeit Gott und das Lamm preisen ohne Aufhören.– Geliebte Brüder! ist das jetzt die Sehnsucht und die Freude unserer Herzen? – Ebenso werden wir wünschen, weil alles dem Sohn übergeben und weil seine Herrlichkeit die unsrige ist, dass sein Reich auf dieser Erde komme, wo Er als König über alles regieren, und auf Zion in der Mitte seines Volkes „unter Jubel und Lobgesang in feiernder Menge,“ sein wird. Ja, je inniger unsere Gemeinschaft hienieden mit dem Herrn verwirklicht ist, desto mehr wird unser Herz von alle dem erfüllt sein, womit sein Herz beschäftigt ist; sein Interesse wird das unsrige, und seine Freude unsere Freude sein.

Es gibt noch etwas in diesem Psalm, worauf ich zum Schluss mit wenigen Worten aufmerksam machen möchte. Wir finden darin die Ausdrücke: „Mein Gott!“ „Mein Fels!“ – In den schwierigsten Umständen, in den dunkelsten Wegen, selbst da, wo jede Hilfe fern ist, bleibt Gott für das Vertrauen und die Zuversicht des Herrn Jesus immer „Sein Gott und sein Fels!“ – Seitdem nun Jesus auferstanden ist, seitdem Er gesagt hat: „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott,“ dürfen auch wir zu jeder Zeit und in jeder Lage mit Zuversicht sprechen: „Mein Gott! Mein Fels!“ Wenn wir erkannt haben, wie das Vertrauen Jesu auf seinen Gott, als seinen Felsen, – obwohl Er durch die schwersten Umstände ohne irgendwelche Hilfe zu sehen, hindurchging ging, – so herrlich gekrönt worden ist, so gibt uns dies Zuversicht, in allen Umständen gläubig zu bekennen: „Mein Gott und mein Fels!“ Und wir werden gewiss ebenso erfahren, dass Gott „unseres Angesichts Hilfe und unser Gott ist!“ – Dann ist es aber auch so reich an Trost und Freude für uns, wenn wir erkennen, was Gott ist, wenn wir seine Liebe, Gnade und Geduld verstehen, wenn wir überall seine segnende Hand erblicken, und immer dabei sagen können: „Mein Gott und mein Fels!“

Der treue Herr wolle uns immer mehr die Fülle, die in Christus Jesus für uns ist, erkennen und genießen lassen, damit wir unsere Versöhnung und Befreiung recht verstehen, Ihn durch Wort und Wandel preisen, und auf die Erfüllung unserer Hoffnung mit Sehnsucht und Ausharren warten.

Fußnoten

  • 1 Hier mag die Bemerkung ihren Platz finden, dass David oder auch ein anderer Heiliger, wenn er einen Psalm sang oder niederschrieb, in ähnlichen Umständen war, wie sie der Psalm ausdrückte, allein der völlige Ausdruck, die gänzliche Erfüllung desselben, finden wir vornehmlich in der Person Christi, der aus den Lenden Davids kam, und auch wohl in den Drangsalen und in den Segnungen des treuen Überrestes von Israel kurz vor oder in dem tausendjährigen Reich.
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