Ährenlese im Neuen Testament (Matthäus)

Kapitel 9-16

Ährenlese im Neuen Testament (Matthäus)

Matthäus 9, 1–17

Die verschiedenen Krankheiten, denen der Herr begegnet und die Er heilt, zeigen die verschiedenen Seiten der traurigen Lage, in der sein Geschöpf sich befindet. Der Aussatz betont die Unreinigkeit der Sünde, das Fieber die ständige Unruhe des Weltmenschen. Der Besessene ist unter der direkten Macht Satans, während der Stumme und der Taube (Vers 32; Kapitel 11,5) ihre Sinne dem Ruf des Herrn gegenüber verschlossen haben und nicht zu Ihm beten können. Der Gelähmte schliesslich, den man hier zum Herrn Jesus bringt, zeigt die gänzliche Unfähigkeit des Menschen, die kleinste Bewegung zu Gott hin zu machen (vergleiche Johannes 5,7). Er sagt nichts; er wartet, er hofft. Aber der göttliche Arzt (Vers 12) weiss, dass eine andere, noch schlimmere Krankheit an der Seele dieses Gelähmten nagt, und Er befreit ihn zuerst von dieser: «Deine Sünden sind vergeben». Was sollte uns mehr beunruhigen, sowohl bei uns wie bei den andern? Eine Krankheit oder eine Sünde?

Dann erzählt Matthäus, wie er selbst gerufen wurde. Er gehörte zu diesen Sündern, für die Christus gekommen war.

Schliesslich gibt die Frage der Jünger des Johannes Anlass zu einer neuen Belehrung: Die alten Schläuche der jüdischen Religion waren nicht mehr tauglich, um den neuen Wein des Evangeliums aufzunehmen.

Matthäus 9, 18–38

Die Evangelien berichten uns bei weitem nicht alle Wunder, die der Herr Jesus vollbracht hat (siehe Johannes 21,25). Gott hat uns in seinem Wort nur die erhalten, durch die Er uns eine besondere Belehrung geben will. So hat die Auferweckung des Töchterchens dieses Synagogenvorstehers unter anderem eine prophetische Anwendung. Der Herr wird als auf dem Weg gesehen, um seinem Volk Israel das Leben wiederzugeben. Während der dazwischenliegenden Zeit steht Er allen zur Verfügung, die sich Ihm im Glauben nahen, wie die Frau im 20. Vers es tut.

Der Herr Jesus hatte Macht genug, um «jede Krankheit und jedes Gebrechen» zu heilen (Vers 35). Und Er hatte Liebe genug in seinem Herzen, um als der wahre Hirte Israels sein ganzes Volk zu tragen (Vers 36). Aber ach, wenn Er da und dort Glauben fand, besonders bei diesen zwei Blinden (Verse 28,29), so stiess Er anderseits auch auf den schrecklichsten Unglauben (Vers 34).

Wir, die wir die gleiche Welt durchschreiten und den gleichen Bedürfnissen begegnen (aber manchmal mit so traurig gefühllosen Herzen; Jakobus 2,15.16), lasst uns den Herrn bitten, uns eine weitere und klarere Sicht seiner grossen Ernte zu geben (Johannes 4,35). Und lasst uns Ihn bitten, neue Arbeiter hinauszusenden.

Matthäus 10, 1–23

Die zwölf Jünger sind Apostel geworden (Vers 2). In der Aufzählung erwähnt Matthäus, der Zöllner, seine Herkunft (siehe Kapitel 21,31). Durch die Worte und das Beispiel des göttlichen Lehrers unterwiesen, kommt der Augenblick, da sie als Arbeiter in die Ernte ausgesandt werden (Apostel = Gesandte). Ein Kind geht nicht sein Leben lang zur Schule, das ist klar obwohl der Gläubige in gewissem Sinn immer in der Schule Gottes bleibt. Aber früher oder später müssen wir das Wesentlichste unserer Lektionen gelernt haben, und dazu gehört vor allem die Erkenntnis der gänzlichen Unfähigkeit unserer eigenen Natur. Erst dann wird der Herr uns brauchen können. Lasst uns einigen der wichtigsten Punkte besondere Beachtung schenken: Es ist der Herr, der seine Diener beruft, sie vorbereitet, aussendet, leitet, unterstützt, ermutigt und belohnt. Sie gehen nicht aus eigenem Antrieb oder als von Menschen gesandt. Sie erwarten von diesen keinen Lohn, sondern geben das umsonst weiter, was sie umsonst empfangen haben. Wie hat man doch in der Christenheit diese einfachen Wahrheiten aus den Augen verloren! In Form von Ausschüssen, Hierarchien und verschiedenen Organisationen haben sich oft Menschen, wenn auch wohlgemeint, zwischen den Herrn und seine Arbeiter gestellt, und das zum grössten Schaden der Diener und vor allem der Arbeit, die ihnen anvertraut wurde.

Matthäus 10, 24–42

Der Jünger steht nicht über seinem Lehrer (Vers 24); er kann nicht erwarten, besser behandelt zu werden als jener. Ob heute als Christ oder in der Drangsalszeit als Jude, der wahre Jünger muss sich also von seiten einer ungerechten und bösen Welt auf ähnlichen Widerstand gefasst machen, wie der Herr Jesus ihn erfahren hat (siehe Verse 17 und 18). Aber das wird ihm Gelegenheit geben, den Reichtum der Gnade zu geniessen, dieser unbegrenzten Gnade, die den Erlösten kennt und bewahrt und selbst dessen Haare zählt (Vers 30; siehe 2. Korinther 12,9).

Es ist nicht nur der Hass der Welt, der den treuen Gläubigen trifft, sondern er hat es oft auch mit der Feindschaft seiner eigenen Familie zu tun (Vers 36). Möge er sich nicht entmutigen lassen! Der Herr hat ausdrücklich angekündigt, dass es so sein werde, und hat ihm für diesen Fall auch Hilfe zugesagt.

Sein Kreuz aufnehmen bedeutet, das deutliche Zeichen der zum Tode Verurteilten tragen. Anders gesagt, man zeigt dadurch, dass man mit den Vergnügungen der Welt Schluss gemacht und seinen Eigenwillen aufgegeben hat. Aus menschlicher Sicht kommt das dem Verlieren des eigenen Lebens gleich. Nein, bekräftigt der Meister, das ist im Gegenteil die einzige Art und Weise, es zu gewinnen. Aber der Beweggrund dafür ist auch noch wichtig: «um meinetwillen», sagt der Herr Jesus ausdrücklich (siehe 2. Korinther 5,14.15).

Matthäus 11, 1–19

Der Herr begnügt sich nicht damit, Jünger auszusenden; Er fährt auch mit seinem eigenen Dienst fort. Dagegen hat der Dienst Johannes' des Täufers seit Kapitel 4,12 im Gefängnis des Herodes seinen Abschluss gefunden. Die Frage, mit der er seine Jünger zum Herrn Jesus sendet, zeigt seine Mutlosigkeit und seine Verwirrung: Der, dessen feuriger Vorbote er gewesen war, richtete sein Reich nicht auf und unternahm nichts zur Befreiung seines Herolds. War Er denn nicht der verheissene Messias? Der Herr antwortet ihm durch eine Botschaft, in der Er seine Niedergeschlagenheit sanft tadelt (Vers 6). Aber gegenüber den Volksmengen hält Er nicht zurück, dem grössten aller Propheten Zeugnis zu geben (Verse 7–15).

Wenn es um den Eingang in das Reich geht, dann wird die Gewalt zu einer unerlässlichen Eigenschaft (Vers 12). Gott öffnet uns alle Schätze, aber es braucht unsrerseits den brennenden Wunsch, das, was Er uns anbietet, zu besitzen; es braucht den heiligen Eifer des Glaubens, der freimütig von allen göttlichen Verheissungen Besitz ergreift. Aber wie viele junge Leute sind aus Mangel an Entschiedenheit und Willenskraft, aus Furcht vor Kampf und Selbstverleugnung, hinter der Tür stehengeblieben. Vergessen wir nicht, dass sich die Feigen in Gesellschaft der Ungläubigen, der Mörder und aller andern unbussfertigen Sünder befinden (Offenbarung 21,8).

Matthäus 11, 20–30

Der Herr Jesus hatte die meisten Wunder in den Städten von Galiläa vollbracht. Aber wie Jesaja es vorausgesagt hatte, waren die Herzen verschlossen geblieben: «Wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und wem ist der Arm Jehovas offenbar geworden?» (Jesaja 53,1). Auf diese Frage kann der Herr Jesus aber «zu jener Zeit» (Vers 25) doch eine Antwort geben und seinen Vater preisen: «Du hast dies vor Weisen und Verständigen verborgen und hast es Unmündigen geoffenbart.» Dann wendet Er sich an die Menschen und ruft ihnen zu: «Kommst her zu mir»; kommt mit diesem kindlichen Glauben. Kein anderer als ich kann euch den Vater offenbaren. Und lernet nicht nur von meinen Worten, sondern von mir, von meinem Beispiel, denn ich bin «sanftmütig und von Herzen demütig» (Epheser 4,20.21).

Beim Herrn Jesus finden wir zwei Dinge, die einander scheinbar entgegengesetzt sind: die Ruhe und das Joch. Das Joch ist ein schweres Stück Holz, das dazu dient, die Ochsen anzuspannen, ein Symbol des Gehorsams und des Dienstes. Aber das Joch des Herrn ist leicht: das Seine war der Wille seines Vaters, und diesen zu erfüllen war seine ganze Lust. Und so tauscht der Erlöste die Müdigkeit und die Bürde der Sünde (Vers 28) gegen die freudige Hingabe der Liebe ein (2. Korinther 8,3–5). «Glückselig die Sanftmütigen», hatte der Herr Jesus gesagt (Kapitel 5,5). Haben sie nicht das Vorrecht, Ihm zu gleichen?

Matthäus 12, 1–21

Nachdem der Herr Jesus die wahre Ruhe der Seele angeboten hat (Kapitel 11,28.29), gibt Er zu verstehen, dass die gesetzliche Ruhe des Sabbaths keine Daseinsberechtigung mehr hat. Mit dieser Frage des Sabbaths versuchen die Pharisäer zuerst die Jünger (Vers 2), dann den Meister selbst (Vers 10) bei einem Fehler zu ertappen. Aber Er benützt diese Gelegenheit, um ihnen zu erklären, dass durch sein Kommen in Gnade das ganze System, das sich auf das Gesetz und die Opfer gründete, beiseite gesetzt war. Er führte dazu zum zweitenmal Hosea 6,6 an (Vers 7; siehe Kapitel 9,13 und Micha 6,6–8). Was nützte es, das vierte Gebot des Gesetzes zu halten, wenn alle andern übertreten wurden? Die Barmherzigkeit forderte auch ihre Rechte. Und welche Anmassung, das Halten des Sabbaths Dem aufzuerlegen, der ihn eingesetzt hatte! In Wirklichkeit konnte, solange die Sünde herrschte, niemand zur Ruhe kommen. Weder der Mensch, der diese Last trug, noch Gott: der Vater und der Sohn, die miteinander am Werk waren, um sowohl das Böse als auch seine Folgen wegzunehmen (Johannes 5,16.17). Darum setzt der vollkommene Diener sein Werk fort, ohne sich durch die Beratungen der Gesetzlosen aufhalten zu lassen. Er erfüllt es im Geist der Demut, der Gnade und der Sanftmut, was nach Jesaja 42,1–4 ermöglichen sollte, Ihn zu erkennen, und was für das Herz Gottes immer so unendlich wertvoll ist (vergleiche 1. Petrus 3,4).

Matthäus 12, 22–37

Die Pharisäer hassen den Herrn Jesus, weil sie eifersüchtig sind auf seine Macht und auf seine Autorität über die Volksmengen. Sie fechten die Herkunft dieser Macht an, weil sie die Wunder selbst nicht bestreiten können. Wie sie es bereits getan haben (Kapitel 9,34; 10,25), schreiben sie die Macht des Heiligen Geistes, den Gott auf seinen Geliebten gelegt hatte (Vers 18; vergleiche Markus 3,29.30), dem Obersten der Dämonen zu. Das war die Lästerung des Heiligen Geistes, eine Sünde, die nicht vergeben werden konnte. Nein, das Werk des Herrn war im Gegenteil der Beweis seines Sieges über Satan, den Starken. Er hatte ihn in der Wüste mittels des Wortes «gebunden» (Kapitel 4,3–10), und jetzt entriss Er ihm seine Gefangenen (siehe Jesaja 49,24.25). Dann zeigt der Herr Jesus diesen Pharisäern, dass sie selbst unter der Macht Satans waren: faule Bäume bringen faule Früchte hervor.

«Aus der Fülle des Herzens redet der Mund» (Vers 34). Wenn unser Herz von Christus erfüllt ist, wird es uns unmöglich sein, nicht von Ihm zu reden. «Es wallt mein Herz», rufen die Söhne Korahs im 45. Psalm aus: «Ich sage: Meine Gedichte dem Köniq.» Umgekehrt werden die bösen Gedanken, die in unserem Innersten verborgen sind, früher oder später über unsere Lippen kommen. Und von jedem Wort, selbst wenn es nur unnütz war, wird jeder eines Tages Rechenschaft ablegen müssen.

Matthäus 12, 38–50

Mit dem 12. Kapitel endet der erste Teil dieses Evangeliums. Nachdem der Messias von denen, die Ihn als die ersten hätten aufnehmen sollen, verworfen wurde, beginnt der Herr Jesus von seinem Tod und seiner Auferstehung zu reden. Das war das grosse Wunder, das es noch zu erfüllen galt, und wovon die Juden schon ein Vorbild besassen: die Geschichte Jonas, als er im Bauch des Fisches war. Gleichzeitig zeigt der Herr diesen Schriftgelehrten und Pharisäern ihre übergrosse Verantwortung. Sie waren doch viel besser unterwiesen als einst die Heiden von Ninive oder die Königin von Scheba! Und wie übertraf Er doch Jona oder Salomon. Er war gekommen, um dieses Haus Israels zu bewohnen, indem Er die Dämonen austrieb und den Götzendienst beseitigte (vergleiche Kapitel 8,31 und 21,12.13). Aber Er war nicht aufgenommen worden, und das Haus blieb leer -bereit, eine noch viel schlimmere Macht als die erste zu beherbergen. Das ist es, was Israel unter der Herrschaft des Antichrists widerfahren wird.

Die Verse 46–50 zeigen uns, dass der Herr Jesus nicht einmal mehr seine Nächsten anerkennen kann. Er unterbricht fortan die irdischen und natürlichen Beziehungen mit seinem Volk und wird durch die Gleichnisse des 13. Kapitels erklären, was das Reich der Himmel bedeutet und wer dort aufgenommen wird.

Matthäus 13,1–17

Das Herz des Volkes war dick geworden. Es hatte absichtlich seine Augen und seine Ohren verschlossen (Vers 15). Daher spricht der Herr Jesus fortan in Gleichnissen, auf eine verborgene Weise, zu ihnen. Seine Belehrungen sind nur noch seinen Jüngern vorbehalten. Ja, die Verse 18 und 36,37 beweisen uns, dass der Herr immer bereit ist, den Seinen zu erklären, was sie zu verstehen begehren. Die Bibel enthält vieles, was für unseren begrenzten, natürlichen Verstand verborgen und schwer verständlich ist (5. Mose 29,29). Aber wenn wir wirklich eine Erklärung wünschen, wird sie uns im richtigen Augenblick gegeben werden (siehe Sprüche 28,5). Lassen wir uns deshalb durch Stellen oder Ausdrücke, die wir nicht sofort verstehen, nicht entmutigen. Bitten wir den Herrn, uns sein Wort zu erklären.

Die Verwerfung des Messias durch Israel hat noch etwas anderes zur Folge: Weil Er in der Mitte seines Volkes keine Frucht ernten konnte, geht der Herr jetzt in die ganze Welt, um den Samen seines Wortes, des Evangeliums, zu säen. Dieses wird übrigens «das eingepflanzte Wort» genannt, das die Macht hat, Seelen zu erretten (Jakobus 1,21). Es gibt nur eine Art von Samen, aber nicht alle nehmen das Wort in der gleichen Weise auf. Wie hast du es aufgenommen?

Matthäus 13, 18–30

Unter denen, die das Wort hören, unterscheidet der Herr in seiner vollkommenen Kenntnis des menschlichen Herzens vier Klassen von Personen. Die erste ist mit dem festgetretenen Weg zu vergleichen, der hart geworden ist, weil jedermann darauf tritt. Gleicht unser Herz diesem Weg, auf dem die Welt hin-und hergeht, so dass das Wort nicht eindringen kann?

Andere sind oberflächlich und gleichen dem steinigen Boden. Das Bewusstsein der Sünde ist nicht bis ins Innerste ihres Gewissens gedrungen. Darum ist die vorübergehende Gemütsbewegung beim Hören des Evangeliums nur Scheinglaube.

Wenn der wahre Glaube, wie es nicht anders sein kann, (unsichtbare) Wurzeln hat, so erkennt man ihn an seinen sichtbaren Früchten. Der Glaube ohne Werke ist tot, erstickt wie diese Samenkörner, die inmitten von Dornen aufgehen (Jakobus 2,17).

Aber der Same ist auch auf die gute Erde gefallen, wo die Ähren zu ihrer Zeit reifen können.

Das Gleichnis vom Unkraut lehrt uns, dass der Feind nicht nur, so oft er kann, den guten Samen raubt (Vers 19), sondern dass er auch, während die Menschen schlafen, Unkraut sät. Der geistliche Schlaf gibt uns allen schlechten Einflüssen preis. Darum werden wir aufgefordert, zu jeder Zeit wachsam zu sein (Markus 13,37; 1. Petrus 5,8 usw.).

Matthäus 13, 31–43

In den sechs «Gleichnissen des Reiches», die auf das Gleichnis des Sämanns folgen, zeigt der Herr, was das Ergebnis der Aussaat in dieser Welt sein wird. Das Gleichnis vom Senfkorn, das zu einem grossen Baum wächst, beschreibt die äussere Form, die das Reich der Himmel nach der Verwerfung des Königs angenommen hat, während das Gleichnis des im Mehl verborgenen Sauerteigs den Nachdruck auf ein heimliches Wirken legt, das den Charakter des Reiches verändert. Das ist die Zeit der verantwortlichen Kirche. Nach einem ganz kleinen Anfang (einige Jünger) hat das Christentum die grosse Ausweitung, die wir kennen, erlebt. Aber sein Erfolg und seine Ausdehnung in der ganzen Welt sind keineswegs der Beweis der Segnung und der Anerkennung Gottes und schützen es gar nicht vor den Angriffen Satans. Im Gegenteil! Das Böse ist schon früh eingedrungen (die Vögel, siehe Verse 4 und 19, und der Sauerteig).

Die Vermischung, die die bekennende Christenheit kennzeichnet, wird im Gleichnis vom Unkraut im Acker, das der Herr hier erklärt, auf eine andere Weise dargestellt. Wir wissen, dass sich heute alle, die getauft sind, Christen nennen, ob sie nun wahre Kinder Gottes sind oder nicht. Der Herr erträgt diesen Zustand der Dinge bis zum Tag der Ernte (Offenbarung 14, 15.16). Dann wird Er durch das endgültige Los der einen wie der andern zeigen, was Er von einem jeden dachte.

Matthäus 13, 44–58

Die kurzen Gleichnisse des Schatzes und der Perle heben zwei wunderbare Wahrheiten hervor: den überaus hohen Wert, den Christus seiner Versammlung beimisst, und den Er bezahlt hat, um sie zu erwerben: Er hat alles verkauft, was Er hatte; Er hat selbst sein Leben für sie hingegeben. Zweitens sehen wir die Freude, die Er an ihr hat. Im 47. Vers wird das Netz des Evangeliums in das Völkermeer geworfen. Der Herr hatte seinen Jüngern angekündigt, Er werde sie zu Menschenfischern machen. Hier sehen wir nun die Diener am Werk. Aber die Fische sind nicht alle gut ..., noch sind alle, die sich Christen nennen, wahre Gläubige! Durch das Wort kann man sie unterscheiden: Den guten Fisch erkennt man an seinen Schuppen und Flossen (3. Mose 11,9–11) und den wahren Christen an seiner moralischen Waffenrüstung, an seiner Fähigkeit, der Welt den Zutritt zu verwehren und sich von ihrem Strom nicht mitreissen zu lassen.

Neben dem Schatz, den der Herr in den Seinen gefunden hat (Vers 44), zeigt uns der 52. Vers den Schatz, den der Jünger in Seinem Wort besitzt. Ist es für uns alle der Schatz, aus dem wir «Neues und Altes» zu schöpfen wissen?

Leider endet dieses Kapitel, wie das vorangegangene, mit dem Unglauben der Volksmengen; sie sehen in Jesus nur «den Sohn des Zimmermanns». So kann Er ihnen seine Gnade nicht erweisen.

Matthäus 14, 1–21

Herodes (der Sohn desjenigen des 2. Kapitels) war es, der Johannes den Täufer ins Gefängnis geworfen hatte (Kap. 11,2). Und warum das? Johannes hatte sich nicht gefürchtet, ihn zurechtzuweisen, weil er die von seinem Bruder verstossene Frau geheiratet hatte. Jetzt bezahlt der treue Zeuge es mit seinem Leben, dass er den Mut gehabt hatte, dem König die Wahrheit zu sagen. Sein Tod erfolgte inmitten der Unterhaltung und der Festlichkeiten am königlichen Hof; er ist die schreckliche Belohnung des Vergnügens, das der Gottlose sich leistete (vgl. Jak 5,5.6). Wenn Herodes auch im Augenblick so tat, als betrübe ihn das, so hatte er doch schon lange den geheimen Wunsch gehegt, Johannes zu töten (V. 5), denn der Hass gegen die Wahrheit und gegen die, die sie verkündigen, geht immer Hand in Hand (Gal 4,16). Aus menschlicher Sicht gesehen, ist dieses Ende des Johannes tragisch und furchtbar; in den Augen Gottes ist es die triumphierende Vollendung «seines Laufs» Apg 13,25).

Zwischen den Zeilen kann man lesen, was die Nachricht vom Tod seines Vorläufers für den Herrn Jesus bedeutete. War das nicht schon die Ankündigung seiner eigenen Verwerfung und seines Kreuzes? Es scheint, dass Traurigkeit in Ihm das Bedürfnis weckte, allein zu sein (Vers 13). Aber schon folgen Ihm die Volksmengen und sein Herz, das nur an die andern denkt, empfindet Mitleid für sie. Er vollbringt zu ihren Gunsten dieses grosse Wunder der ersten Vermehrung der Brote.

Matthäus 14,2–36

Diese Szene des Schiffes inmitten des Sturms ist das Bild der gegenwärtigen Lage der Erlösten des Herrn. Während Er von ihnen abwesend im Himmel ist, aber dort für sie betet und sich für sie verwendet, haben sie mühsam das unruhige Meer dieser Welt zu überqueren. Da ist moralische Nacht: der Feind verursacht den Widerstand der Menschen und wirkt wie der Wind und die Wellen, die die Anstrengungen der Ruderer fast zunichte machen. Aber kommt der Herr Jesus den Seinen nicht entgegen? Seine wohlbekannte Stimme beruhigt die armen Jünger. Und der Glaube, der sich auf sein Wort stützt (Komm!), trägt Petrus Dem entgegen, der ihn liebt. Aber plötzlich wankt dieser Glaube, und er sinkt. Was ist geschehen? Petrus hat seine Augen von seinem Meister weggewandt, um auf die Höhe der Wellen und die Gewalt des Windes zu blicken. Wie wenn es leichter wäre auf ruhigem Wasser zu gehen als auf einem stürmischen Meer! Aber er ruft zum Herrn, der ihm sogleich zu Hilfe kommt.

Dann wird der Herr Jesus in der Gegend von Genezareth aufgenommen. Das ist ein Bild des Zeitpunkts, da sein Volk, das Ihn verworfen hat, Ihn erkennen und anbeten und durch Ihn befreit werden wird.

Matthäus 15, 1–20

Der religiöse Eifer der Pharisäer beschränkte sich darauf, eine gewisse Anzahl äusserer Formen und Überlieferungen streng zu beobachten. Und unter dem Deckmantel dieser Scheinfrömmigkeit (durch die man wohl Menschen, aber niemals Gott täuschen kann) folgten sie allen Neigungen ihres natürlichen Herzens. Ihr Geiz trieb sie sogar so weit, sich den elementarsten Pflichten, wie der Fürsorge für ihre Eltern, zu entziehen (Vers 5; vergleiche Sprüche 28,24). Die Frage des Herrn (Vers 3) ist eine schlagfertige Antwort auf die Frage der Pharisäer (Vers 2). Durch ihre Überlieferungen erklärten sie die Gebote Gottes für ungültig. Der Herr Jesus, der ja gerade an diesen Geboten seine Lust hatte, bringt diese Heuchler jetzt durch ihre eigenen Schriften in Verlegenheit. Selbst die Jünger sind durch seine Worte verwirrt. Aber da offenbart ihnen der Herr die Bosheit des menschlichen Herzens und zeigt ihnen, wie völlig verderbt es ist. Ja, die Hände können sorgfältig gewaschen sein -während das Herz voller Schmutz ist. Liebe Freunde, lasst uns zugeben, wie wahrheitsgetreu diese erschreckende Bestandsaufnahme von dem ist, was sich im Herzen der Menschen, in unserem eigenen Herzen befindet! Denn auch wir verstecken manches unter schmeichelhaftem und achtbarem Schein!

Matthäus 15,21–39

Der Herr Jesus besucht die Gegenden von Tyrus und Sidon. Er hatte erklärt, diese heidnischen Städte seien weniger schuldig als jene von Galiläa, wo Er die meisten Wunder vollbracht hatte (Kapitel 11,21.22). Aber sie hatten kein Teil an den Segnungen des «Sohnes Davids» (Vers 22); sie waren Fremde für die Bündnisse der Verheissung (Epheser 2,12). Zu Beginn seines Gesprächs mit der armen Kanaaniterin, die für ihre Tochter bittet, betont der Herr dies mit einem scheinbar strengen Wort. Und diese Frau anerkennt ihre ganze Unwürdigkeit. Wenn wir unsere Stellung vor Gott einnehmen, dann kann die Gnade in ihrem ganzen Glanz erstrahlen. In der Tat, wenn der Mensch das kleinste Anrecht oder Verdienst hätte, handelte es sich nicht mehr um Gnade, sondern um Schuldigkeit (Römer 4,4). Vergessen wir nie unser Elend und unsere Unwürdigkeit vor Gott, dann werden wir die Grösse dieser Gnade immer mehr zu schätzen wissen.

Nun wendet der Herr sich von neuem an sein Volk. Nach Psalm 132,15 will Er seine Speise reichlich segnen und seine Armen mit Brot sättigen. Und was Ihn zum Handeln veranlasst, das ist, bei diesem zweiten wie schon beim ersten Wunder, sein Herz voller Mitleid für diese Volksmengen (Vers 32; Kapitel 14,14).

Matthäus 16, 1–12

Wiederum verlangen die Pharisäer ein Zeichen (Kapitel 12,38ff.); und wiederum verweist der Herr Jesus sie auf das Zeichen Jonas, in Verbindung mit seinem Tod, den Er erfüllen würde. Die Christen, die jetzt am Vorabend der Wiederkunft des Herrn Jesus angelangt sind, haben keine weiteren Zeichen vor seinem Kommen zu erwarten. Ihr Glaube ruht auf seiner Verheissung, nicht auf sichtbaren Beweisen, sonst wäre es kein Glaube mehr. Und doch, wie viele Anzeichen deuten darauf hin, dass wir am Ende der Geschichte der Versammlung auf dieser Erde anlangen! Der Hochmut des Menschen steigert sich mehr als je; die christianisierte Welt offenbart die in 2. Timotheus 3,1–5 angekündigten Merkmale. Es gibt auch äussere Zeichen: das jüdische Volk kehrt in sein Land zurück; die Nationen suchen sich im Rahmen des einstigen römischen Reiches zu vereinen ... Öffnen wir unsere Augen, erheben wir sie zum Himmel: Der Herr Jesus kommt wieder.

Der Herr verlässt diese Ungläubigen und geht weg (Vers 4). Aber nun sind es seine eigenen Jünger, die Ihn durch ihren Mangel an Vertrauen und ihre Vergesslichkeit betrüben, wie Ihn vorher ihr Mangel an Verständnis geschmerzt hatte (Kapitel 15,16.17). Aber ach! gleichen wir ihnen nicht manchmal? Lasst uns die Ermahnung beherzigen, die Gott uns gerade durch den Mund des Petrus gibt, alle unsere Sorge auf Ihn zu werfen, denn Er ist besorgt für uns (1. Petrus 5,7).

Matthäus 16, 13–28

Die Frage, die der Herr seinen Jüngern stellt, beweist, dass die Meinungen über Ihn geteilt sind, und das ist heute noch der Fall. Und du, Leser, kannst du sagen, wer Er ist und was Er dir persönlich bedeutet? Der Vater gibt Simon das wunderbare Bekenntnis ein: «Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.» Das ist die unerschütterliche Grundlage, auf die der Herr seine Versammlung baut, und davon ist jeder Gläubige, wie Simon, ein lebendiger Stein. Wie könnten die Mächte des Bösen das, was Christus gehört und was Er selbst baut, überwältigen? Und der Herr will seinen Jünger mit einem besonderen Auftrag beehren: er soll sowohl den Juden wie auch den Nationen die Tore des Reiches öffnen (durch seine Predigt: Apostelgeschichte 2,36; 10,43).

«Von der Zeit an» muss der Herr Jesus, nachdem Er die Versammlung erwähnt hat, von dem Preis reden, den Er bezahlen würde, um sie zu erwerben: von seinen Leiden und seinem Tod. Und da wird der arme Petrus, der einen Augenblick zuvor «als Ausspruch Gottes» redete, ein Werkzeug Satans. Der Teufel versucht, Christus von seinem Weg des Gehorsams abzubringen, aber er wird alsbald erkannt und zurückgestossen.

Der Herr Jesus, der als erster auf dem Weg völliger Selbstverleugnung vorangeht, verheimlicht nicht, was es mit sich bringt, Ihm nachzufolgen (vergleiche Kapitel 10,38–40). Sind wir bereit, Ihm zu folgen, koste es was es wolle? (Philipper 3,8).

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