Botschafter des Heils in Christo 1858

Du und Dein Haus, oder: Der Christ in seinem Haus

Es gibt zwei Häuser, welche einen wichtigen Platz im Wort Gottes einnehmen, nämlich das Haus Gottes und das Haus des Dieners Gottes. Gott legt eine unermessliche Wichtigkeit auf sein Haus, und zwar mit gutem Recht, weil es das Seinige ist. Seine Wahrheit, seine Ehre, sein Charakter, seine Herrlichkeit sind in dem Charakter seines Hauses entwickelt, so wie es auch sein Wunsch ist, dass der Ausdruck dessen, was Er ist, in hervorstechender Weise auf alles scheine, was Ihm gehört.

Hat Gott ein Haus, so soll es gewiss ein solches sein, wo die Gottesfurcht herrscht; es soll ein heiliges, ein geistliches, reines und himmlisches Haus sein, und soll alle diese Eigenschaften nicht nur in abstrakter Weise und als Grundsatz besitzen, sondern auch in der Praxis. Die Stellung des Hauses ist eine solche, wie Gott sie gemacht hat, aber sein praktischer Charakter ist das Resultat des praktischen Wandels derer, welche einen Teil davon ausmachen.

Viele Seelen können geneigt sein, die Wahrheit und die Wichtigkeit der auf das Haus Gottes bezüglichen Grundsätze zu verstehen; aber vergleichsweise gibt es wenige, welche ein angemessenes Maß von Aufmerksamkeit den Grundsätzen widmen, welche das Haus des Dieners Gottes beherrschen sollen. Wenn jedoch jemand die Frage erhöbe: „Welches Haus ist nach demjenigen Gottes das wichtigste?“ – so würde man ihm unvermeidlich antworten: „Es ist das Haus des Dieners Gottes!“

Da auf das Gewissen nichts mächtiger wirkt, als die heilige Autorität des Wortes Gottes, so wünsche ich einige Stellen der heiligen Schrift anzuführen, welche mit Kraft und Klarheit zu zeigen trachten, welches die Gedanken Gottes in Betreff dessen sind, was das Haus eines seiner Kinder sein soll.

Als die Gottlosigkeit der vorsintflutlichen Welt bis zu ihrem höchsten Gerade gestiegen und das Ende alles Fleisches vor einen gerechten Gott gekommen war, welcher die Fluten seines Gerichts über diesen ganzen Schauplatz der Verderbtheit empor schwellen zu lassen im Begriff war, da erklangen in das Ohr Noahs die süßen Worte: „Gehe du und dein ganzes Haus in den Kasten; denn dich habe ich gerecht ersehen vor mir zu dieser Zeit“ (1. Mo 7,1).

Man wird freilich und zwar mit Recht sagen, dass Noah hier ein Vorbild Christi, als des wahren Hauptes der ganzen Familie derer war, welche kraft ihrer Vereinigung mit Ihm errettet sind. Jedoch sehe ich in der Geschichte Noahs noch etwas anderes, als nur einen vorbildlichen Charakter; ich sehe hier und in anderen ähnlichen Stellen einen Grundsatz, den ich gleich zu Anfang dieser Zeilen klar ausdrücken werde; er heißt: Das Haus jedes Dieners Gottes ist, kraft seiner Verbindung mit Ihm, in eine Stellung des Vorrechts und folglich der Verantwortlichkeit gesetzt. 1

Dieser Grundsatz hat unermesslich praktische Folgen; und dieses durch das Wort Gottes zu beweisen, ist unsere Absicht. Wenn wir genötigt wären, durch einen Vergleich zu urteilen, so würde unsere Behauptung leicht begründet sein; denn welche Person, die den Charakter und die Wege Gottes kennt, würde glauben können, dass Gott ein außerordentliches Gewicht auf sein Haus lege, und nur ein geringes auf das seines Dieners? Eine Gleichgültigkeit gegen eines seiner Kinder würde gegen das Wesen Gottes sein; und Gott ist stets derselbe.

Jedoch sind wir nicht auf einen solchen Vergleich beschränkt, um die so ernste und so praktische Frage zu erörtern. Die von uns angeführte Stelle ist nicht nur der Anfang einer Reihe anderer Worte, welche bestimmte Beweise von dem sind, was ich verständlich zu machen wünsche. In 1. Mose 7,1 finden wir die bedeutungsvollen Worte: „du und dein Haus“ unzertrennlich vereinigt. Gott offenbart darin für Noah nicht ein Heil ohne Nutzen für dessen Haus. Nimmer hat Er dieses getan. Dieselbe Arche, welche für Noah geöffnet ist, ist es auch für die Seinen. Warum? Etwa deshalb, weil sie treu waren? – Nein, sondern weil Noah es war, und sie mit ihm vereinigt waren. Gott gibt ihm sozusagen einen Geleitsbrief für sich und seine Familie. Ich wiederhole es, dieses schwächt keineswegs den vorbildlichen Charakter Noahs. Ich sehe in ihm diesen Charakter; aber ich sehe auch darin den Grundsatz, dass man, welches auch die Umstände sein mögen, nicht einen Menschen von seinem Haus trennen darf; denn dieses würde mit einem Mal die wildeste Konfusion und die tiefste Sittenverderbnis hervorrufen. Das Haus Gottes ist in eine Stellung der Segnung und der Verantwortlichkeit gesetzt; weil es mit Ihm vereinigt ist; und mit gleichem Recht ist das Haus des Dieners Gottes in derselben Stellung. Dieses ist unsere Behauptung.

Die zweite Stelle, welche ich anführen werde, bezieht sich auf das Leben Abrahams: „Und Jehova sprach: Wie kann ich Abraham, verbergen, was ich tun will? – Denn ich kenne ihn, und er wird befehlen seinen Kindern, und seinem ganzen Haus nach ihm, dass sie die Wege Jehovas halten, und tun, was recht und gut ist; damit Jehova auf Abraham kommen lasse, alles, was Er ihm verheißen hat“ (1. Mo 18,17–19).

Hier finden wir nicht eine Heilsfrage, sondern eine Frage der Gemeinschaft mit den Gedanken und den Ratschlüssen Gottes. Möge es der christliche Vater merken und erwägen, dass, da Gott einen Menschen suchte, dem Er seine geheimen Ratschlüsse offenbarte, Er denjenigen auserwählte, welcher „seinen Kindern und seinem Haus befahl, die Wege des Herrn zu halten.“

Dieses kann nicht verfehlen, einen lebhaften Eindruck auf ein zartes Gewissen zu machen; denn wenn es eine Sache gibt, in Betreff welcher die Christen, mehr als in anderen Dingen gefehlt haben, so ist es in der Pflicht, ihren Kindern und ihrem Haus zu befehlen, dass sie dem Herrn dienen. Sie haben gewiss bei diesem Gegenstand Gott nicht vor ihren Augen gehabt; denn hätten sie auf die Wege Gottes, betreffs seines Hauses, geschaut, so würden sie dieselben beständig durch die Macht auf dem Grundsatz der Gerechtigkeit bezeichnet gesehen haben. Er hat seine heilige Autorität fest gegründet und unveränderlich aufrecht erhalten. „Deine Zeugnisse sind sehr gewiss. Die Heiligkeit ziert dein Haus, o Jehova! für die ganze Dauer der Tage.“ – Nun soll der Diener stets seinen Herrn zum Muster nehmen; und wenn Gott sein Haus mit einer in Gerechtigkeit ausgeübten Macht regiert, so soll auch ich das meinige also beherrschen; denn wenn ich in irgend einer Einzelheit von Gott in meinem Betragen abweiche, so habe ich in dieser Einzelheit offenbar Unrecht; dieses ist klar. Jedoch regiert nicht nur Gott, wie schon gesagt, sein Haus, sondern Er liebt es auch; Er lobt, Er beehrt mit seinem Vertrauen diejenigen, welche es nachahmen. In der angeführten Stelle hören wir Ihn sagen: „Ich kann meine Absichten dem Abraham nicht verbergen.“ Warum dieses? Einfach, weil „er seinen Kindern und seinem Haus befehlen wird, dem Herrn zu dienen.“ – Ein Mensch, welcher solches seinen Kindern zu befehlen versteht, ist des Vertrauens Gottes würdig. Dieses ist eine wunderbare Wahrheit, deren Schärfe, wie ich hoffe, das Gewissen von mehr als einem christlichen Elternpaar treffen wird. Ach, viele unter uns werden, indem sie 1. Mose 18,19 erwägen, wohl tun, sich vor dem zu demütigen, der diese Worte hat verkündigen und niederschreiben lassen, und vor Ihm ihre Nachlässigkeit und Untreue in dieser Beziehung zu bekennen.

Warum befinden wir uns in diesem Fall? Warum haben wir gefehlt in dieser feierlichen Verantwortlichkeit, welche uns bezüglich der Regierung unseres Hauses zu Teil geworden ist? Die einzige Antwort, welche man meines Erachtens auf diese Frage geben kann, ist, dass wir das Vorrecht, welches diesem Haus, kraft seiner Verbindung mit uns, verliehen ist, nicht durch den Glauben zu verwirklichen verstanden haben. Es ist bemerkenswert, dass unsere zwei ersten Beweise uns auf eine sehr genaue Art die beiden großen Abteilungen unseres Gegenstandes darstellen, nämlich das Vorrecht und die Verantwortlichkeit. In dem Fall Noahs finden wir das Wort: „du und dein Haus,“ und zwar in Beziehung zu dem Heil; in dem Fall Abrahams finden wir dasselbe Wort in Beziehung zu der Regierung. Die Verbindung ist zugleich bemerkenswert und schön; und dem Menschen, welchem Glauben mangelt, um sich das Vorrecht anzueignen, wird auch die moralische Macht fehlen, um gegenüber der Verantwortlichkeit treu zu sein.

Gott betrachtet das Haus eines Menschen als einen Teil desselben, und dieser kann auf keiner Stufe, weder im Grundsatz, noch in der Praxis, diese Verbindung vernachlässigen, ohne einen ernsten Schaden zu erleiden und ohne das Zeugnis aufs Spiel zu setzen.

Nun entsteht für das Gewissen christlicher Eltern die Frage: „Rechne ich denn auf Gott für mein Haus?“ und „Regiere ich mein Haus für Gott?“ – Dieses ist in Wahrheit eine feierliche Frage; allein zu fürchten ist, dass sehr wenige die Wichtigkeit und den Ernst derselben fühlen.

Vielleicht fühlt sich mein Leser geneigt, in Betreff unseres Rechts, auf Gott für unsere Häuser zu rechnen, noch andere schriftgemäße Beweise zu verlangen. Ich werde daher fortfahren, einige Schriftstellen anzuführen.

Zunächst hebe ich einen Zug aus der Geschichte Jakobs hervor. „Und Gott sprach zu Jakob, ziehe gen Bethel.“ – Dieses Wort scheint nur persönlich an Jakob gerichtet worden zu sein; allein er denkt davon nicht also; denn nie, selbst nicht für einen einzigen Moment, hatte er – weder in Betreff des Vorrechts, noch in Betreff der Verantwortlichkeit – den Gedanken, sich von seiner Familie abzusondern, weshalb auch unmittelbar hinzugefügt wird: „Da sprach Jakob zu seinem Haus und zu allen, die mit ihm waren: Entfernt die fremden Götter, so unter euch sind, und reinigt euch, und wechselt eure Kleider; und wir wollen uns aufmachen und gen Bethel ziehen“ (1. Mo 35,1–4). – Wir sehen daraus, dass ein an Jakob gerichteter Ruf das ganze Haus desselben unter eine Verantwortlichkeit stellt. Jakob war berufen in das Haus Gottes zu gehen, und sogleich entsteht in seinem Gewissen die Frage: „Ist mein Haus auch in einem passenden Zustand, um einem solchen Ruf zu entsprechen?“ –

Wir kommen jetzt zu den ersten Kapiteln des 2. Buches Mose, wo wir finden, dass eine der vier Einwendungen Pharaos, bei Weigerung des Auszuges Israels, sich speziell auf die kleinen Kinder bezieht (2. Mo 10,8–9): „Und man brachte Mose und Aaron zurück zu Pharao, und er sprach zu ihnen: Zieht hin, dient Jehova, eurem Gott! Wer alle sind es, die ziehen wollen? – Und Moses antwortete: Mit unseren Jungen und Alten wollen wir ziehen, mit unseren Söhnen und unseren Töchtern, mit unseren Schafen und mit unseren Rindern; denn wir haben ein Fest Jehovas.“ – Die Ursache, um welcher willen sie die Kleinen und die Alten mit sich nehmen mussten, war, dass sie ein Fest Jehovas zu feiern hatten. Die Vernunft würde sagen: „Wie aber können diese kleinen Geschöpfe ein solches Fest begreifen? Fürchtet ihr nicht, Förmlichkeitsmenschen aus ihnen zu machen?“ – Die Antwort Moses ist einfach und entscheidend: „Wir werden ziehen mit unseren Jungen usw. – denn wir haben ein Fest Jehovas!“

Die israelitischen Eltern hatten nicht den Gedanken, dass sie für sich selbst irgend eine Sache suchen sollten, und für ihre Kinder eine andere. Sie sehnten sich etwa nicht um ihrer selbst willen nach Kanaan, und um ihrer Kinder willen nach Ägypten. Wie hätten sie sich ernähren können von dem Manna der Wüste und dem Weizen des Landes der Verheißung, während ihre Kinder ernährt worden wären von den Zwiebeln und dem Knoblauch Ägyptens? Unmöglich. Weder. Moses noch Aaron hätten in solcher Weise zu handeln verstanden. Sie fühlten, dass ein von Gott an sie gerichteter Ruf auch ihren Kindern galt; und überdies würden sie, wenn sie nicht völlig davon überzeugt gewesen wären, nicht sobald von Ägypten auf dem einen Weg ausgezogen sein als auch schon ihre Kinder, sie wieder auf einem anderen Weg dahin zurückgezogen haben würden. Dass solches der Fall gewesen wäre, wusste Satan nur zu gut; er legte deshalb in den Mund Pharaos die Einwendung: „Nicht also, sondern ihr Männer zieht hin.“ – Dieses ist es, was mehrere bekennende Christen tun, oder vielmehr zu tun versuchen in unseren Tagen. Sie bekennen von Ägypten auszugehen, um dem Herrn zu dienen, und lassen ihre Kinder dort zurück; sie bekennen, „drei Tagereisen in die Wüste“ gemacht, oder – mit anderen Worten – die Welt verlassen zu haben, der Welt gestorben und mit Christus auferstanden zu sein, als solche, die ein himmlisches Leben besitzen, und die Erben einer himmlischen Herrlichkeit sind; aber ihre Kinder lassen sie zurück in den Händen Pharaos, in den Händen Satans. Sie haben auf die Welt verzichtet für sich selbst, und vermögen es nicht für ihre Kinder. Am Tag des Herrn hüllen sie sich in das Bekenntnis der Fremdlinge und der Pilger; sie singen geistliche Loblieder, sprechen Gebete aus, erbauen, belehren und scheinen zu denen zu gehören, welche in dem himmlischen Leben weit vorgerückt und welche, nach ihrer Erfahrung, den Grenzen Kanaans (im Geist sind sie schon da) nahe sind; aber ach! von dem Montagmorgen an, widerspricht jede ihrer Handlungen, jede ihrer wieder angenommenen Gewohnheiten ihrem Bekenntnis des vorigen Tages. Ihre Kinder werden für die Welt erzogen. Der Zweck, die Leitung und die Art der Erziehung, welche man ihnen gibt, die Wahl ihres künftigen Berufs, – alles dieses ist weltlich im wahrsten und strengsten Sinne des Wortes. Moses und Aaron würden eine solche Handlungsweise ebenso wenig gestattet haben, wie ein moralisch gerechtes und wahrhaft rechtschaffenes Herz sie nicht begreifen kann.

Ich soll für meine Kinder keinen anderen Grundsatz, keinen anderen Gegenstand zu verfolgen, keine andere Aussicht haben, als die, welche ich für mich selbst habe, und soll ihnen sogar nicht einmal gestatten, eine andere Meinung davon in ihrem Herzen zu unterhalten. Wenn Christus und die Herrlichkeit für mich hinreichend sind, so sind sie es auch für sie; aber es wird nötig sein, dass der Beweis, dass sie für mich hinreichend sind, nicht zweideutig sei. Der Charakter christlicher Eltern wird ein solcher sein müssen, dass in Hinsicht ihrer weltlichen Absicht und des ganz bestimmten Zweckes ihrer Seelen, nicht der geringste Zweifel obwaltet. Was wird mein Kind denken, wenn ich ihm meinen sehnlichen Wunsch ausdrücke, dass es Christi und des Himmels teilhaftig werden möge, und wenn ich es zu gleicher Zeit für die Welt erziehe? Was wird es glauben? Was wird den mächtigsten Einfluss auf sein Herz und auf sein Leben ausüben? Sind es meine Worte oder meine Handlungen? Möge das Gewissen antworten, und möge diese Antwort gerecht und aufrichtig sein; möge sie aus den geheimsten Tiefen der Seele entspringen und ohne Einrede zeigen, dass die Frage in dem, was sie Ernstes und Durchdringendes hat, verstanden worden ist.

Es muss jedem ernsten Menschen, der mit Sorgfalt den jetzigen Zustand des Christentums beobachtet, einleuchtend sein, dass derselbe sehr krank erscheint, dass sein Ton schrecklich tief herabgesunken ist und dass er, mit einem Wort, etwas durchaus Schlechtes in sich verbergen muss. Ach, wie wenig denkt man an das Zeugnis in Betreff des Sohnes Gottes! Die persönliche Seligkeit scheint bei neunundneunzig bekennenden Christen unter hundert, das Ganze zu bilden, was sie interessiert; als ob wir nur hienieden zurückgelassen seien, um errettet zu werden, und nicht als Errettete, Christus verherrlichen zu sollen. Nun aber möchte ich in Liebe und gleichwohl mit Wahrhaftigkeit meine Leser fragen, ob nicht größtenteils der Verfall, betreffs des Zeugnisses für Christus der Vernachlässigung des Grundsatzes beizumessen sei, welchen wir bezeichnet finden in den Worten: „du und dein Haus.“ Ich bin überzeugt, dass diese Vernachlässigung einen großen Anteil daran hat. Es ist gewiss, dass sich viel Weltlichkeit, viel Verwirrung, viel sittlich Böses in unsere Mitte eingeschlichen hat, weil unsere Kinder in Ägypten zurückgelassen sind. Mehrere nahmen vor zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren eine vorzügliche Stellung, in Betreff des Zeugnisses und des Dienstes in der Kirche ein, und schienen ihr ganzes Herz in dem Werk des Herrn zu haben; aber auf eine klägliche Weise sind sie zurückgekehrt und besitzen nicht die Kraft, um ihre Häupter über dem Wasser zu halten, und noch viel weniger die Kraft, um anderen zu helfen, sich aufrecht zu erhalten. Ruft nicht all dieses ganz laut den christlichen Eltern zu: „Hütet euch, eure Kinder in Ägypten zu lassen?“ – Mehr als ein Vaterherz ist gebrochen wegen Untreue in der Regierung seines Hauses. Er hat seine Kinder in Ägypten, in einer kläglichen Zeit grober Täuschungen zurückgelassen; und jetzt, wo er – vielleicht mit einer wirklichen Treue und einem liebevollen Ernst – es versucht, sie vor der Gefahr zu warnen, begegnet er mit seinen Warnungen nur verführten und unempfindlichen Herzen, welche entschieden und mit Stärke gebunden sind an dasjenige Ägypten, in welchem seine Unentschiedenheit und Schwäche sie zurückgelassen hat. Dieses ist eine ernste Tatsache, deren bloße Erwähnung mehr als ein Herz wird ängstigen können; allein die Wahrheit muss gesagt werden. Ist sie für einige verwundend, sie kann für andere eine heilsame Warnung sein. {Es ist, ich muss es sagen, eine große Unentschiedenheit in dem Betragen christlicher Eltern, welche die Erziehung ihrer Kinder unbekehrten Personen oder selbst solchen anvertrauen, die, obwohl sie Christen zu sein bekennen, doch nicht den Mut haben, sich von der Welt zu trennen. Es ist natürlich, dass das Kind auf den sieht, der es erzieht, und dass es geneigt ist, ihm nachzuahmen. Was für einen Antrieb kann nun aber derjenige dem Kind geben, der beauftragt ist, es zu leiten und zu unterweisen? Er strebt dahin, dass das Kind ihm folge und ihm nachahme, und dass aus ihm werde, was er selbst ist. Welche Grundsätze kann er einflößen, außer denen, welche seinen eigenen Geist beherrschen, und welche die Grundlage seines eigenen Charakters bilden? Wenn es also damit ist, darf ich dann einer unbekehrten, durch weltliche Grundsatz geleiteten Person die Sorge über meine Kinder, deren Erziehung und die Bildung ihres Charakters anvertrauen? Dieses hieße der Torheit und der Unentschiedenheit die Krone aufsetzen.

Dieselben Betrachtungen beziehen sich auf die Bücher, welche die Eltern ihre Kinder lesen lassen. Ein Buch ist unstreitig ein Lehrer, der, wenn auch schweigend, nicht weniger seinen Einfluss auf den Geist, auf das Herz und auf den Charakter des Kindes ausübt. –}

Ich komme zu den schriftgemäßen Beweisen zurück, welche ich zu liefern habe. Auch in dem 4. Mose sind uns die „kleinen Kinder“ vorgeführt. Wir haben schon gesehen, dass ein Gläubiger in Gemeinschaft mit Gott nie mit gutem Bedacht die Absicht haben kann, seine Kinder in Ägypten zurückzulassen. Sie müssen davon ausgehen, es koste, was es wolle; allein weder der Glaube, noch die Treue christlicher Eltern begnügen sich damit. Wir sollen nicht nur auf Gott rechnen bei ihrem Ausgang aus Ägypten, sondern auch bei ihrer Einführung in Kanaan. In dieser Beziehung fehlte Israel in auffallender Weise; denn als die Kundschafter aus Ägypten zurückkehrten, ließ das Volk, als es die niederschlagenden Berichte derselben hörte, die traurigen Worte entschlüpfen: „Warum führt uns Jehova in dieses Land, dass wir durchs Schwert fallen, unsere Weiber und unsere Kinder zur Beute werden? Ist es nicht besser für uns, zurückzukehren gen Ägypten?“ (4. Mo 14) Welch ein schrecklicher Zustand der Seele, welche, so viel an ihr war, jene listige und böswillige Drohung Pharaos verwirklichte: „ … als ich euch entlasse mit euren Kindern! Seht, dass ihr Böses vorhabt!“ (2. Mo 10,10) Der Unglaube rechtfertigt stets Satan und macht Gott zum Lügner, während im Gegenteil der Glaube immer Gott rechtfertigt und Satan zum Lügner macht; und da es unveränderlich wahr ist, dass uns nach unserem Glauben geschieht, so ist es auch immer wahr, dass der Unglaube erntet, was er sät. Daher war Israel unglücklich, weil es ungläubig war. „So wahr ich lebe, spricht Jehova, so wie ihr geredet vor meinen Ohren, also will ich euch tun. In dieser Wüste sollen eure Leiber fallen, alle, die ihr gemustert seid, nach eurer Zahl … Und eure Kinder, von denen ihr spracht: sie werden zur Beute werden, die bringe ich hin und sie sollen das Land kennen, das ihr verschmäht. Aber eure Leiber sollen fallen in der Wüste (4. Mo 11,36–22). In Betreff ihrer Kinder schränkten sie den Heiligen Israels ein. Dieses war eine ernste Sünde, und uns ist es zu unserer Belehrung mitgeteilt. Geschieht es nicht auch beständig, dass das Herz christlicher Eltern über die Weise nachdenkt, wie mit den Kindern zu verfahren sei, anstatt sie einfach auf das Terrain Gottes zu stellen? Man wird vielleicht sagen: „Wir vermögen keine Christen aus unseren Kindern zu machen;“ – aber dieses ist hier nicht die Frage. Wir sind nicht berufen, etwas aus ihnen zu machen; das ist Gottes Werk und nur sein Werk allein. Aber wenn Er uns sagt: „Führt eure Kinder mit euch her.“ – wollen wir Ihm denn nicht gehorchen? – Oder man könnte sagen: Ich mag von meinem Kind keinen Förmlichkeitsmenschen, und kann keinen wahren Christen aus ihm machen.“ – Wenn aber Gott in seiner unendlichen Gnade mir sagt: „Ich betrachte dein Haus als einen Teil von dir selbst, und ich segne es, indem ich dich segne,“ – soll ich dann aus Unglauben meines Herzens diese Segnung abweisen unter dem Vorwand der Furcht, des Formalismus oder vor meinem Unvermögen, die Wahrheit mitzuteilen? Gott bewahre uns vor solch einem Irrtum! Freuen wir uns vielmehr mit lebhaften Danksagung, dass Gott mit einer so überaus reichen Segnung gesegnet hat, die sich nicht nur auf uns, sondern auch auf alle unsere Angehörigen erstreckt. Und da die Gnade uns diese Segnung bewilligt hat, so muss der Glaube sie ergreifen und sie unserer Familie aneignen. 2

Erinnern wir uns, dass der Weg, um zu beweisen, dass wir eine Segnung zu genießen wissen, derjenige ist, dass wir treu in der Verantwortlichkeit sind, welche dieselbe auferlegt. Behaupten, dass ich, um meine Kinder nach Kanaan geleiten zu können, auf Gott rechne, und sie zugleich für Ägypten erziehen, ist eine verderbliche Täuschung. Mein Betragen verrät, dass mein Bekenntnis eine Lüge ist, und ich darf mich nicht wundern, wenn Gott in seinen gerechten Ausspendungen erlaubt, dass ich die bitteren Früchte meiner Wege ernte. Unser Betragen ist der beste Beweis von der Wirklichkeit unserer Überzeugungen, und in dieser wie in jeder Sache ist das Wort des Herrn ernst und wahr: „Wenn jemand will seinen Willen tun, der wird, von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist, oder ob ich von mir selber rede.“ Aber oft wollen wir die Lehre wissen, ehe wir den Willen tun, und die Folge ist, dass wir in der tiefsten Unwissenheit zurückbleiben. Den Willen Gottes in Betreff unserer Kinder tun, heißt, – wie Er es tut, – sie als einen Teil von uns selbst betrachten, und sie dem gemäß erziehen. Wir sollen nicht nur hoffen, dass sie später als Kinder Gottes offenbart sein werden, sondern sollen sie betrachten als solche, die schon unter der Segnung sind, und in allen Fällen mit ihnen nach diesem Grundsätze handeln. Man würde aus den Gedanken und Handlungen mehrerer Christen schließen können, dass ihre Kinder in ihren Augen nur Heiden seien, welche für die Gegenwart kein Interesse an Christus, und gar keine Verbindung mit Gott haben. Dieses heißt sicherlich sehr wenig Wert auf das göttliche Siegel legen. Es handelt sich hier keineswegs um die oft bestrittene Frage über die Taufe der Kinder oder der Erwachsenen. Es ist einfach und allein eine Glaubensfrage in der Macht und Ausdehnung des so ganz erbarmungsreichen Wortes: „Du und dein Haus;“ – eines Wortes, dessen Stärke und Schönheit uns immer besser einleuchten wird, je weiter wir in dieser kleinen Schrift vorwärts schreiten.

Auch in 4. Mose 16,26–27 finden wir die Kinder betrachtet als unzertrennlich, mit ihren Eltern vereinigt, und zwar in einem traurig feierlichen Augenblick. Und Moses redete zu der Versammlung und sprach: „Weicht von den Zelten dieser Frevler, und rührt nichts an, was ihnen gehört, dass ihr nicht weggerafft werdet durch all ihre Sünden. Und sie entfernten sich von der Wohnung Korahs, Dathans und Abirams ringsum. Und Dathan und Abiram gingen heraus, und traten in die Tür ihres Zeltes, und ihre Söhne und ihre Kinder.“ – Alle diese Kinder sanken lebendig in den Abgrund und wurden dort verschlungen, nicht, weil sie persönlich an der Empörung teilgenommen hatten, sondern wegen ihrer Identität (Gleichheit) mit ihren Eltern. Stets behandelt Gott, sei es in Segnung, sei es in Gericht die Kinder als verbunden mit ihren Eltern. Man könnte fragen, warum dieses? Gott antwortet in 2. Mose 34,6–7: Und da der Herr vor seinem Angesicht vorüberging, rief er: „Jehova, Jehova ist ein Gott, barmherzig und gnädig und geduldig, und von großer Gnade und Treue, der da bewahrt Gnade Tausenden, und vergibt Missetat und Übertretung und Sünde, und vor welchem niemand unschuldig ist; der die Missetat der Väter heimsucht auf Kinder und Kindeskinder, bis ins dritte und vierte Glied.“

Einige Personen können es schwer finden, diese Stelle mit derjenigen in Hesekiel 18,20 zu vereinigen, wo es heißt: „Die Seele, welche sündigt, selbige soll sterben. Ein Sohn soll nicht tragen die Missetat des Vaters, und ein Vater nicht tragen die Missetat des Sohnes; die Gerechtigkeit des Gerechten soll auf den Gerechten, und der Frevel des Frevlers soll auf den Frevler kommen.“ – In dieser Stelle sind der Vater und der Sohn in ihrer eigenen individuellen Fähigkeit betrachtet, und werden folglich einzeln gerichtet nach dem moralischen Zustand eines jeden von ihnen. Hier ist es also eine durchaus persönliche Frage.

In dem 5. Buch Mose von einem Ende bis zum anderen sind die Kinder Israel von Gott unterwiesen, die Gebote, die Satzungen, die Gerichte und die Vorschriften des Gesetzes vor ihre Kinder zu stellen; und diese sind als solche dargestellt, die sich in mehreren Umständen nach der Natur und dem Zweck der verschiedenen Anordnungen und Einrichtungen erkundigen.

Ich komme jetzt zu der schönen Darstellung Josuas: „Erwählt euch heute, wem ihr dienen wollt ... Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen“ (Jos 24,15). Bemerken wir uns, dass er nicht nur sagt: „Ich,“ – sondern: „Ich und mein Haus.“ Er verstand, dass es nicht hinreichend sei, dass er für sich von jeglicher Berührung mit dem Schmutz und den Gräueln der Abgötterei vollkommen rein wäre; und er fühlte daher, dass er über den moralischen Charakter und über die Handlungen seines ganzen Hauses zu wachen habe. Wenn auch Josua nicht selber die Götzen anbetete, wäre er darum nicht strafbar gewesen, wenn seine Kinder denselben gedient hätten? Ohne Zweifel wäre das Zeugnis für die Wahrheit durch die Abgötterei des Hauses Josua ebenso beschmutzt worden, als durch diejenige seiner eigenen Person, und das Gericht würde nicht ermangelt haben, zu folgen. Diese Wahrheit ist uns sehr ernst und feierlich im Anfang des ersten Buches Samuels vor Augen gestellt durch die Worte: „Und der Herr sprach zu Samuel: Siehe, ich tue ein Ding in Israel, dass, wer es hören wird, dem werden seine beiden Ohren gellen. An dem Tag will ich über Eli erwecken alles, was ich wider sein Haus geredet habe; ich will es anfangen und vollenden. Denn ich habe ihm angesagt, dass ich richten will sein Haus ewiglich um der Missetat willen, dass er wusste, wie seine Kinder sich schändlich hielten, und hat nicht einmal sauer dazu gesehen“ (1. Sam 3,11–13). In diesem Beispiel sehen wir, dass, welches auch der persönliche Charakter des Dieners Gottes sei, der Herr ihn nicht für unschuldig halten wird, wenn er nicht geziemend in seinem Haus die Ordnung aufrecht erhält. Eli hätte seinen Söhnen entgegen treten sollen. Es war sein Vorrecht, wie es auch das unsere ist, darauf rechnen zu können, dass die Macht Gottes mit ihm wirken würde, um jedes Element zu unterwerfen, welches sich von Natur in seinem Haus vorfand, um das Gott schuldige Zeugnis aufs Spiel zu setzen. Allein er handelte nicht in diesem Sinne, und wusste diese Macht nicht zu benutzen, um das Böse in den Seinen zu überwinden. Daher war das Ende Elis ein schreckliches Gericht. Weil sein Herz nicht gebrochen war wegen seines Hauses, wurde sein Genick gebrochen wegen des Hauses Gottes. Hätte er auf Gott gerechnet und treu mit Ihm gewirkt, um seinen strafbaren Söhnen entgegen zu treten, nach der heiligen Verantwortlichkeit, welche er besaß, um dieses zu tun, so würde das Haus Gottes nicht verunreinigt, und die Bundeslade Gottes nicht hinweggenommen worden sein. Mit einem Wort, wenn Eli seine Familie als einen Teil von sich betrachtet und sie als einen solchen behandelt hätte, dann würde er gewiss nicht das schreckliche Gericht dessen auf sich herabgezogen haben, welcher grundsätzlich nie die Wort trennt: „du und dein Haus.“

Ach, wie viele Eltern haben seit dieser Begebenheit in den Fußstapfen Elis gewandelt! Wie viele, indem sie sich eine total falsche Idee von dem Charakter ihres Verhältnisses zu ihren Kindern machen, handeln mit ihnen nach dem Grundsatz einer schrankenlosen Nachsicht, und lassen sie, von Kindheit an, nach ihrem eigenen Willen gehen. Weil sie sie nicht durch den Glauben auf das göttliche Terrain stellen, so haben diese Eltern sogar nicht die moralische Stärke, sich auf das menschliche Terrain zu stellen, um ihren Kindern Ehrfurcht und Gehorsam gegen sich einzuflößen. Und das Resultat von all diesem ist das traurigste Schauspiel von Zügellosigkeit, Ausschweifung und Verwirrung.

Der erste Zweck, den sich in der Regierung seines Hauses der Diener Gottes vorsetzen soll, ist, dass er im Haus ein Zeugnis habe, von der Herrlichkeit dessen abgelegt, dem er selbst angehört; und dieser wahre Grundsatz soll besonders in dem Herzen und in dem Betragen eines christlichen Vaters wirken. Er soll seine Kinder nicht darum in Ordnung halten, damit sie ihm weniger Mühe und mehr Ruhe verschaffen, sondern weil es sich um die Herrlichkeit Gottes bei der guten Ordnung der Häuser aller derer handelt, welche am Haus Gottes Teil haben.

Indes wird man vielleicht einwenden, dass alles dieses, was wir bisher über diesen Punkt, sei es als Grundsätze, sei es als Beweise, gesagt haben, nur die Atmosphäre des Alten Testaments atme, dem wir es entlehnt haben. „Jetzt,“ – wird man hinzufügen, – „handelt im Gegenteil Gott gegen uns nach dem Grundsatz der Wahl und der Gnade, welcher zu der besonderen Berufung leitet, ohne Rücksicht auf irgend ein Band, oder auf irgend eine häusliche Verbindung, so dass ein sehr gottseliger, ergebener und den Dingen von oben sehr zugeneigter Christ sich dennoch an der Spitze einer gottlosen, in Unordnung geratenen und weltlichen Familie befinden kann.“ – Im Widerspruch mit diesem Einwurf behaupte ich, dass die Grundsätze der moralischen Regierung Gottes ewig sind, und dass sie folglich dieselben sein, und ihre Anwendung in allen Zeitaltern finden müssen. Gott kann in einer Zeit nicht lehren, dass ein Mensch und sein Haus eins seien, und dass der Leiter es in angemessener Weise regieren soll, und zu einer anderen Zeit, dass der Vater und seine Familie nicht eins seien, und dass jener die Freiheit habe, dieselbe nach seinem Gutdünken zu leiten. Dieses ist unmöglich. Die Billigung oder Missbilligung Gottes in Betreff dieser oder jener Sache entspringt aus dem, was Er selbst ist; und da Gott sein Haus nach dem, was Er selbst ist, beherrscht, so gebietet Er seinen Dienern, ihre Häuser nach demselben Grundsatz zu leiten. Hat die Ausspendung der Gnade oder des Christentums diese schöne moralische Ordnung aufgehoben? O nein, ganz im Gegenteil; sie hat vielmehr, wenn möglich, noch neue Schönheitszüge hinzugefügt. Wenn das Haus eines Juden als ein Teil von ihm betrachtet ward, wird es denn dasjenige eines Christen weniger sein? Wahrlich nicht. Dieses hieße einen traurigen Missbrauch und eine falsche Anwendung von dem himmlischen Wort „Gnade“ machen; und dieses hieße sich darauf berufen, um die Unordnung und die Entsittlichung zu rechtfertigen, welche in unseren Tagen in den Häusern einer großen Zahl von Christen herrschen. Ist es wirklich die Gnade, welche macht, dass ein Vater dem Willen seiner Kinder den Zügel schießen lässt? Ist es die Gnade, sie allen Launen, allen Begierden, allen Leidenschaften einer verdorbenen Natur Preis zu geben? Ach, hütet euch, solches auf den Namen der Gnade zu setzen, damit ihr nicht vollends das Verständnis der wahren Bedeutung dieses Wortes verliert und endlich gar denkt, dass die Gnade der Grundsatz vieles Bösen sei! Setzt vielmehr diese Erscheinungen auf euren eigenen Namen; – das Gegenteil wäre ein entsetzlicher Missbrauch der Gnade, eine Verneinung Gottes, nicht nur als Regent seines eigenen Hauses, sondern auch als moralischer Verwalter des Weltalls, – und ein greller Widerspruch gegen alle, über diesen wichtigen Gegenstand gegebenen Vorschriften.

Verlassen wir daher das Alte Testament und sehen wir, ob wir nicht zum Beleg unserer Behauptung zahlreiche Beweise in dem Neuen finden werden. Trennt der Heilige Geist in dieser großen Abteilung seines Buches die Familie eines Menschen von den Vorrechten und von der Verantwortlichkeit, welche das Alte Testament daran knüpft? Wir werden uns leicht überzeugen, dass dieses nicht der Fall ist. Hier sind die Beweise. Als der Herr Jesus seine Jünger aussendet, sagt Er ihnen: „In welche Stadt aber, oder in welches Dorf ihr irgendwie kommt, so erforscht, wer darin würdig ist; und daselbst bleibt, bis ihr weggeht. Wenn ihr aber in das Haus eintretet, so grüßt es. Und wenn das Haus würdig ist, so komme euer Friede auf dasselbe; wenn es aber nicht würdig ist, so wende sich euer Friede auf euch zurück“ (Mt 10,11–13). – An einer anderen Stelle heißt es: „Jesus sprach zu ihm: Heute ist deinem Haus Heil widerfahren, sintemal auch er ein Sohn Abrahams ist. Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist“ (Lk 19,9–10). – Selbst in dem Fall mit Kornelius lesen wir: „Sende Männer nach Joppe, und lass Simon holen, der den Beinamen Petrus hat, der wird zu dir Worte reden, durch welche du errettet werden wirst und dein ganzes Haus“ (Apg 11,13–14). – Auch ward dem Kerkermeister zu Philippi gesagt: „Glaube an den Herrn Jesus Christus, und du wirst selig werden und dein Haus“; (Apg 16,31) – und wir finden dann davon das praktische Resultat: „Und er führte sie in sein Haus, und setzte ihnen einen Tisch vor; und an Gott glaubend, frohlockte er mit seinem ganzen Haus“ (V 34) – In demselben Kapitel, nachdem Lydia und ihr Haus getauft ist, sagt sie: „Wenn ihr mich für treu dem Herrn haltet, so kehrt in mein Haus ein und bleibt“ (V 15). – „Der Herr gebe dem Haus des Onesiphorus Barmherzigkeit!“ – und warum? Etwa wegen der guten Dienstleistungen dieses Hauses gegen den Apostel? Nein; sondern, sagt Paulus, weil „er, Onesiphorus, mich oft erquickt und sich meiner Ketten nicht geschämt hat“ (2. Tim 1,16).– „Der Aufseher muss untadelig sein, … der seinem eigenen Haus wohl vorsteht, der seine Kinder mit allem würdigen Ernst in Unterwürfigkeit hält (Wenn aber jemand seinem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie wird er Gottes Versammlung besorgen?).“ (1. Tim 3,4–5). In all diesen angeführten Stellen finden wir dieselbe große Wahrheit aufrecht erhalten, nämlich, dass, wenn Gott einen Menschen besucht, und ihm Segnung und Verantwortlichkeit zuteilwerden lässt. Er in derselben Weise auch das Haus desselben besucht. Wenn wir alle kanonischen Bücher der ganzen heiligen Schrift durchlaufen, so werden wir überall diesen praktischen Grundsatz sorgfältig eingeführt und aufbewahrt finden. Es ist Gottes würdig, uns damit bekannt zu machen. Aber ach! Brüder, Vielgeliebte des Herrn! wie untreu sind wir darin gewesen, und welchen Nachteil hat das Zeugnis für den Sohn Gottes durch unsere Mängel in dieser und anderer Hinsicht erlitten. Es ist wahr, das Böse hat sich in verschiedenen Formen offenbart. Da gibt es Hochmut, Eitelkeit, Weltlichkeit, fleischliche Gesinnung, traurig vermengte Motive; hier entfaltet sich auf gottlose Weise eine gänzlich fleischliche oder vernünftige Kraft, dort gebraucht man das köstliche Wort Gottes als Mittel unserer Selbsterhebung; hier zeigt sich ein elendes Hervortun in einer Stellung, in der Kirche oder in der Welt, und die Sucht nach Gaben, dort die treulose Darstellung solcher Grundsätze, deren Einfluss unsere Gewissen nie erfahren haben; bald bieten wir anderen eine Wage, in welcher wir nie uns selbst in der Gegenwart Gottes gewogen haben, und bald offenbaren wir den jämmerlichen Zustand eines Gewissens, das, wenn es in guter Ordnung gewesen, uns geleitet haben würde, die offenbare Unbeständigkeit zu sehen, welche in den Grundsätzen, die wir bekennen, und in unserer Handlungsweise ans Licht treten. In allen diesen und noch in vielen anderen Dingen hat sich die tiefste und auffallendste Versunkenheit gezeigt, eine Versunkenheit, die den Heiligen Geist Gottes, durch welchen wir versiegelt zu sein bekennen, betrübt, und den heiligen Namen entehrt hat, welchen wir über uns erflehen. Der Gedanke an diese Versunkenheit sollte uns antreiben, den Sack und die Asche zu nehmen, sollte unser Angesicht mit Scham und Schande bedecken und uns zur Demut und zum Geständnis führen, – nicht etwa für einen Augenblick, oder für einen Tag, oder für eine Woche, sondern für solange, bis Gott selbst uns wieder aufrichtet. Wir haben oft Gebetsversammlungen; aber ach, Brüder, kaum sind wir außerhalb derselben, als wir auch schon durch die verabscheuungswürdige Leichtfertigkeit unserer Gesinnung und unseres Wandels beweisen, wie wenig wir in Wahrheit unseren Zustand vor Gott gerichtet haben. Wie könnte auf diese Weise die so tiefe und ausgebreitete Wurzel der Krankheit unserer Herzen erreicht werden! Unser Gewissen muss sehr tief gepflügt werden, damit der Samen der göttlichen Wahrheit nicht umsonst gesät sei. Das Werkzeug, dessen sich Gott bedient, um zu pflügen und zugleich zu säen, ist die Wahrheit. Denn wir müssen uns unter die Wirkung dieser Wahrheit stellen; und unter ihren Einfluss müssen wir ein wahrhaftiges Herz, ein zartes Gewissen und eine aufrichtige Gesinnung bringen. Was wird nun aber die Wahrheit, wenn sie in dieser Weise auf unser Gewissen wirkt, uns offenbaren? Was ist unser Zustand? Was sind wir inmitten dieser Sphäre, in welcher der Herr uns geboten hat, „die Dinge zu verrichten, bis dass Er komme?“

Woher kommt es, dass unsere Versammlungen so oft ohne Macht und Wirkung sind? Die Verheißung Christi: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen,“ – ist und bleibt stets wahr. Wo aber seine Gegenwart verwirklicht ist, da muss Er auch in Macht und Segnung wirken; allein Er lässt seine Gegenwart nur insoweit fühlen, als unsere Herzen wahrhaftig und treu Ihn suchen, als den besonderen Gegenstand unserer Versammlung. Haben wir einen anderen Gegenstand im Auge, so können wir nicht mehr sagen, dass wir in seinem Namen versammelt sind; und folglich wird dann seine Gegenwart nicht verwirklicht sein.

Wie viele Christen gibt es nicht, welche den Versammlungen beiwohnen, ohne Christus als ihren ersten und unmittelbaren Gegenstand zu haben? Etliche gehen hin, um Reden zu ihrer Erbauung zu hören; es ist die Erbauung und nicht Christus, der sie versammelt. Sie können dort fromme Regungen, heilige Bestrebungen, viel religiöses Gefühl und ein lebhaftes, einsichtsvolles Interesse haben, indem sie sich mit dem Buchstaben der heiligen Schriften, oder mit gewissen Punkten der Wahrheit beschäftigen; aber all dieses kann stattfinden ohne die mindeste Verwirklichung der heiligen und heiligenden Gegenwart Christi nach der Verheißung in Matthäus 18,20.

Andere kommen in die Versammlung mit einem Herzen, das voll ist von dem, was sie zu sagen oder zu tun im Begriff sind. Sie haben ein Kapitel zu lesen, ein Lied vorzusagen, einige Bemerkungen zu machen, oder sie haben die Absicht zu beten, und lauern den günstigen Moment ab, um sich also vorzudrängen. Es ist leider nur zu sichtbar, dass nicht Christus der Hauptgegenstand dieser Christen ist, sondern einzig und allein das ich und seine armseligen Handlungen und elenden Worte. Diese Personen tragen dazu bei, die Versammlung ihres Charakters der Heiligkeit, der Macht und der wahren Erhebung zu berauben; denn ihretwegen ist es nicht Christus, der den Vorsitz führt, sondern das Fleisch, welches, und zwar in den ernstesten Umständen, den Platz einnimmt. Das Fleisch kann auf einem Theater oder auf einer politischen Tribüne seine Rolle spielen; aber in einer Versammlung von Heiligen sollte es als nicht existierend sein.

Ich bin durchaus nicht berechtigt, mich in einer Versammlung von Kindern Gottes vor dem Herrn darzustellen mit dem Vorsatz, dieses oder jenes Kapitel zu lesen, oder dieses oder jenes Lied vorzusagen, oder gar mit einer vorbereiteten Rede. Ich soll in die Mitte meiner Brüder kommen, um mich dort in die Gegenwart Gottes zu setzen, und mich seiner unumschränkten Leitung zu überlassen. Mit einem Wort, wenn ich im Namen Jesu hingehe, wird Er allein mein Gegenstand sein, und ich werde alles andere vergessen. Dieses will nicht sagen, dass, wenn ich Ihn zum Gegenstand habe, ich nicht erbaut werden, oder selbst zur Erbauung beitragen könne. Im Gegenteil; denn nur insoweit der Herr gleichsam vor mich gestellt ist, bin ich fähig, andere zu erbauen, oder selbst erbaut zu werden. Das Geringste ist immer im Größten enthalten. Wenn ich Christus habe, so kann mir die Erbauung nicht fehlen; aber wenn ich diese statt Christus suche und als mein Ziel verfolge, so verliere ich beides. –

Wie viele Christen gibt es außerdem noch, die in der Versammlung erscheinen, ohne das Gewissen gereinigt, das Herz gerichtet und das Fleisch gekreuzigt zu haben! Sie nehmen ihre Plätze ein auf den Bänken; aber sie sind kalt und dürr, ohne Gebet, ohne Glauben und ohne wirklichen Zweck. Sie kommen maschinenmäßig, weil es ihre Gewohnheit ist zu kommen; aber sie sind nicht beherrscht durch den Wunsch, dem Herrn zu begegnen. Sich zu versammeln, ist für sie nur eine religiöse Förmlichkeit, und für andere sind sie nur ein Hindernis der Segnung.

Wir sehen also, dass mehrere verschiedenartige Ursachen mitwirken, um die Quelle des Lebens und der Kraft in den Versammlungen zu verunreinigen, und deshalb ist auch im Allgemeinen das Zeugnis so arm und so matt in unserer Mitte. Diese kläglichen Ursachen bis auf den Grund zu untersuchen, ist eine gründliche Arbeit des Gewissens. Ach! möchten doch viele Herzen die Frage erheben: „Herr, bin ich es“? Es ist völlig unnütz, irgendwie eine bleibende Segnung oder eine wahre Stärkung zu erwarten, insoweit wir nicht ernstlich zu wahrhafter Demut und zu aufrichtigem Gericht über uns selbst geleitet sein werden. Wenn wir berufen sind, Zeugnis für Christus abzulegen, so ist es nötig, dass wir uns in der Stellung Jesu befinden, um erfahren zu haben, was wir sind und wie viel uns noch mangelt. Niemand hat das Recht, auf den Anderen den Stein zu werfen. Wir alle haben gesündigt; wir alle sind dem Zeugnis des Sohnes Gottes untreu gewesen; wir alle haben in irgend einer Weise zu der demütigenden Lage beigetragen, welche uns umgibt. Es handelt sich hier nicht nur um eine einfache Kirchenfrage, nicht nur um eine einfache Urteilsverschiedenheit über etliche Punkte der Wahrheit, so wichtig diese auch an und für sich sein mögen. Nein, meine Brüder; die Welt, das Fleisch und der Teufel befinden sich im Grunde unseres gegenwärtigen traurigen Zustandes; und alle Belege, die uns die Liebe Christi an die Hand gibt, vereinigen sich, um uns zu gründlichem Selbstgericht in der Gegenwart Gottes einzuladen. Nun aber bin ich überzeugt, dass, wenn dieses Gericht stattfindet, und alles ins Licht setzt, sich herausstellen wird, wie eine der größten Ursachen von so vielem Bösen, von so vieler Schwachheit und von einem so großen Verfall, in der Vernachlässigung dessen besteht, was der Ausdruck bezeichnet: „du und dein Haus!“ Für Beobachter sind die Kinder der Prüfstein von dem, was die Eltern sind; und das Haus offenbart den moralischen Zustand des Familienhauptes.

Ich kann mir nie eine klare Vorstellung von einem Menschen nach dem machen, was ich von ihm in einer Versammlung sehe oder höre. Dort kann er sehr geistlich erscheinen und sehr schöne und sehr wahre Dinge lehren; aber um über seine Person ein richtiges Urteil fällen zu können, – lasst mich in sein Haus eintreten, und ich werde erkennen können, wie es mit ihm steht. Mag er auch reden können wie ein Engel Gottes, so ist er dennoch kein treuer Zeuge Christi, wenn sein Haus nicht Gott gemäß regiert wird.

Unter dem Ausdruck „Haus“ sind dreierlei Dinge verstanden: Das Haus selbst, die Kinder und die Dienstboten. Diese drei Dinge, insgesamt oder einzeln betrachtet, sollen das Siegel von dem tragen, was Gott angehört. Das Haus eines Mannes Gottes soll für Gott, für seine Herrlichkeit und in seinem Namen regiert werden. Das christliche Familienhaupt soll in seinem Haus der Stellvertreter Gottes sein. Er ist, sei es als Vater oder als Herr, für alle, die unter seinem Haus sind, der Vertreter der Autorität Gottes, und darum verpflichtet, nach dem Verständnis und der praktischen Ausdehnung dieser Tatsachen zu handeln. Auf diesem Grundsatz soll er sein Haus leiten und für dasselbe Sorge tragen. Auch steht geschrieben: „Wenn aber jemand für seine Angehörigen, und besonders für seine Hausgenossen nicht sorgt, der hat den Glauben verleugnet, und ist schlechter als ein Ungläubiger.“ Indem er den Kreis vernachlässigt, in welchen ihn Gott gesetzt hat, so beweist er, dass er wenig denjenigen kennt, den zu repräsentieren er berufen ist, und dass er folglich Ihm wenig gleicht: Dieses ist sehr einfach. Wenn ich zu wissen wünsche, welche Sorge ich für die, welche unter meiner Verantwortlichkeit stehen, habe, und wie ich mein Haus regieren soll, so habe ich nur sorgfältig zu untersuchen, in welcher Weise Gott für die Seinen Sorge trägt und wie Er sein Haus regiert. Es ist nicht die Rede davon, zu wissen, ob die Personen, welche das Haus ausmachen, bekehrt sind oder nicht. Das, was ich mit Nachdruck auf das Gewissen aller Christen, aller Familienhäupter legen möchte, ist, dass alles, was sie während ihrer Pilgerschaft hienieden tun, sehr deutlich das Gepräge der Gegenwart und der Autorität Gottes tragen sollte. Der Einfluss des Familienvaters sollte ein solcher sein, dass, wo er sich zeigt, man denken möchte: „Gott ist da“: und zwar nicht, damit er wegen dieses seines moralischen Einflusses und seiner verständigen Verwaltung gepriesen, sondern einfach, damit Gott verherrlicht werde. Nur was diesen Zweck im Auge hat, sollte uns genügen. Das Haus eines jeden Christen sollte, was die moralische Ordnung und die gottselige Gesinnung betrifft, im Kleinen eine Darstellung des Hauses Gottes sein. Wohl mögen etliche den Kopf schütteln und sagen: „All dieses ist sehr schön; aber wo findet man es?“ Ich begnüge mich zu fragen: „Lehrt das Wort Gottes und schreibt es dem Christen vor, sein Haus auf solche Weise zu regieren?“ – Wenn es aber also ist, dann wehe mir, wenn ich mich zu gehorchen weigere, oder wenn es mir an der Treue im Gehorsam mangelt. Jede Person, deren Gewissen aufrichtig ist, wird anerkennen, dass sich Schäden und Mängel der ernstesten Art in der Leitung unseres Hauses gezeigt haben; aber nichts ist schamloser, als zu sehen, wenn ein Mensch ruhig für die Unordnung und Zuchtlosigkeit, welche in seinem Haus herrscht, Partei nimmt, und sich durch den Gedanken beruhigt, dass es ihm unmöglich sei, die vollkommene Vorschrift zu erreichen, die Gott ihm vorgelegt hat.

Der Leitung der heiligen Schrift zu folgen, ist alles, was wir zu tun haben; und früh oder spät wird die Segnung folgen; denn Gott kann sich selbst nicht verleugnen. Aber wenn aus Unglauben des Herzens ich mir einbilde, dass die Segnung zu erreichen, mir unmöglich sei, so ist es sicher, dass ich sie verfehlen werde. Jedes Vorrecht oder jede Segnung, welche Gott vor uns hinstellt, fordert eine Glaubenskraft, um sie zu ergreifen. Es verhält sich damit, wie mit Kanaan für die Kinder Israels. Dieses Land war vor ihnen; aber sie mussten hineintreten; denn Gott hatte gesagt: „Ich habe ihnen jede Stätte gegeben, wohin sie die Sohle ihres Fußes gesetzt haben.“ Es ist immer dasselbe; es ist der Glaube, welcher von dem, was Gott gibt, Besitz nimmt.

Den, der alles für uns gemacht hat, zu verherrlichen, sollte in jeder Sache unser einziger Zweck sein; und was ist mehr diesem Zweck entgegen, als wenn man sieht, dass das Haus eines Dieners Gottes gerade das Gegenteil von dem ist, wie Er wünscht, dass es sei? Wie muss das Auge Gottes diese oder jene Sache betrachten, wenn schon unser menschliches Auge davon geärgert wird. Nach dem, was man hier oder dort in den Häusern sieht, müsste man schließen, dass die Christen es sich nicht vorzustellen vermögen, dass zwischen der Führung ihres Hauses und ihrem Zeugnis nicht die geringste Übereinstimmung sei. Viele reden von einer Absonderung von der Welt; allein ihre Häuser bieten die traurigste Weltlichkeit dar. Sie behaupten, dass ihnen die Welt gekreuzigt ist und sie der Welt gekreuzigt sind; und dennoch findet sich überall das Gepräge der Welt bei ihnen wieder. Jedes Ding scheint dort bestimmt, der Lust ihrer Augen, der Lust des Fleisches und dem Hochmut des Lebens gewidmet zu sein. Man findet dort kostbare Spiegel, um das Fleisch zu beschauen, man findet Möbel, die wesentlich zur Befriedigung des Fleisches bestimmt sind, und andere Dinge zu demselben Zweck. Man wird vielleicht sagen, dass es höchst kindisch und gemein sei, dergleichen Einzelheiten zu erwähnen. Ich antworte darauf, dass die Töchter Zions ebenso viel auf die Worte hätten sagen können, welche Jehova an sie richtet in Jesaja 3,18–26: „An selbigem Tag entrückt der Herr den Schmuck der Fußstangen, und die Netze und die kleinen Monde, und die Ohrgehänge und die Armkettchen und die Schleier, die Kopfbunde und die Fußkettchen und die Gürtel und die Riechflaschen, und die Amulette, die Fingerringe und die Nasenringe, die Feierkleider und die Röcke und die Mäntel und die Taschen, die Spiegel und die Hemdchen usw. usw.“ War dieses nicht ein Herabsteigen bis in die kleinsten Einzelheiten? Handelt nicht von demselben auch die Stelle in Amos 6,1–6: „Wehe den Sorglosen zu Zion … die da schlafen auf Lagern von Elfenbein und sich strecken auf ihren Ruhebetten, und essen Lämmer von der Herde und Kälber aus den Ställen; die da spielen auf der Harfe und Lieber dichten wie David!“ Ja, der Christ Gottes kann herabsteigen bis in die kleinsten Einzelheiten, wenn es notwendig ist.

„Aber,“ – werden etliche sagen, – „unsere Häuser müssen mit dem Rang, den wir in der Gesellschaft einnehmen, in Harmonie stehen und demgemäß möbliert sein.“ Ein solcher Einwurf zeigt nur ganz deutlich die Weltlichkeit derer, welche ihn zu erheben wagen. „Ihr Rang in der Gesellschaft!“ Dieses Terrain ist ohne Widerspruch die Welt. Was aber haben solche Menschen mit derselben zu tun, die das Bekenntnis ablegen, der Welt gestorben zu sein. Von unserem Rang in der Gesellschaft zu reden, heißt die Elemente des Christentums verleugnen. Wenn wir einen Rang gemäß der Welt haben, so folgt daraus, dass wir leben müssen als Menschen im Fleisch oder als natürliche Menschen, und dann hat das Gesetz seine volle Herrschaft über uns; „denn das Gesetz herrscht über den Menschen, solange er lebt.“ dieser Rang im Leben wird daher eine ernste Angelegenheit. Wie können wir ihn erlangen? oder in welchem Leben befindet er sich? Wenn in diesem Leben, so sind wir Lügner, wenn wir sagen, dass wir „mit Christus gekreuzigt, gestorben, begraben und auferstanden“ sind, dass wir mit Ihm „außerhalb des Lagers“ hinausgegangen, dass wir „nicht im Fleisch“ und „nicht von dieser Welt“ sind. Alle diese Worte sind ebenso viele glänzende Lügen in dem Mund derer, welche vorgeben, einen Rang hienieden bewahren zu müssen.

Das ist die Wahrheit über diesen Gegenstand. Möge sie unser Gewissen erreichen, damit sie auch über unser praktisches Leben ihren Einfluss ausübe! Welches ist das einzige Leben, in dem wir einen Rang zu bewahren haben? Es ist das Auferstehungsleben Christi. Es ist das Leben, in welchem die Liebe des Erlösers uns einen Rang gegeben hat. Und gewiss, wir wissen wohl, dass weltliche Möblierungen, kostbare Gewänder, die Großtuerei und der Luxus, nichts mit dem Rang in diesem Leben zu schaffen haben. Ach nein. Die Heiligkeit des Charakters, die Reinheit des Wandels, die geistliche Macht, eine tiefe Demut, die Liebe, die Trennung von allem, was mit der Welt und dem Fleisch in Verbindung steht; diese Dinge allein sind es, die im Einklang stehen mit dem Leben, was Jesus uns erworben und mitgeteilt hat; diese allein sind die wahren Zierden, welche mit unserem himmlischen Rang zu harmonieren vermögen. Diejenigen, welche von ihrem Rang in dieser Welt reden, sind in ihren Herzen schon nach Ägypten zurückgekehrt. Ach! es ist sehr zu fürchten, dass der große Mühlstein in Offenbarung 18 uns ein zu treues Gemälde von dem Ende so vieler Elemente des hohlen und falschen Christentums unserer Tage liefern wird.

Und wenn man annimmt, dass das Christentum doch die Unordnung und Unreinlichkeit der Häuser nicht billigt, so werde ich sagen, dass das vollkommen wahr ist. Ich kenne sogar wenige Dinge, welche unleidlicher und entehrender sind, als der Schmutz und die Unordnung in dem Haus eines Christen. Solche Dinge werden sich nie bei einer wahrhaft geistlichen Gesinnung antreffen lassen; denn wenn sie sich irgendwo finden, so kann man versichert sein, dass sie die Folgen irgend eines moralischen Übels sind. Auch hier ist uns das Haus Gottes besonders als Muster vorgestellt. Sehen wir über der Pforte dieses Hauses nicht den köstlichen Wahlspruch geschrieben: „Lasst aber alles anständig und in Ordnung geschehen.“? (1. Kor 14,40) Folglich werden alle, welche Gott und sein Haus lieben, diesen Grundsatz in ihrer eigenen Wohnung angewandt zu sehen wünschen.

Das, was ich in den Ausdruck: „Du und dein Haus“ eingeschlossen sehe, ist die Regierung unserer Kinder. Ach! hier ist eine der größten und demütigendsten Wunde für viele, weil sie einen entsetzlichen Verfall anzeigen. Der Zustand der Kinder vermag mehr, als jede andere Sache, den moralischen Zustand der Eltern zu offenbaren. Das wirkliche Maß der Entsagung meiner selbst und der Welt wird sich stets zeigen in der Weise, in der ich gegen meine Kinder handle und in welcher ich sie leite. Ich bekenne, dass ich, was mich persönlich betrifft, der Welt entsagt habe; aber habe ich derselben auch für meine Kinder entsagt? „Aber,“ – werden etliche rufen, –„wie würde ich dieses können, da meine Kinder nicht bekehrt, mithin von der Welt sind?“ – Auch hier offenbart sich der wahre moralische Zustand des Herzens dessen, der also redet. Ist es nicht wahr, dass oft ein solcher nicht selbst wirklich der Welt entsagt hat, und dass ihm die Kinder zum Vorwand dienen, um davon wieder etwas zu ergreifen? Wenn seine Kinder, wie dieses in der Tat wirklich der Fall ist, ein Teil von ihm sind, und wenn er die Welt für sich selbst zurückgelassen zu haben bekennt, wiewohl er sie sucht für seine Kinder, würde er dann nicht einem Menschen gleichen, der sich zur Hälfte in Ägypten und zur Hälfte in Kanaan befindet? Der alleinige Wunsch, dass es sich damit also verhalten mochte, würde nur beweisen, dass ein solcher Mensch der Tat und dem Herzen nach in Ägypten ist. Jetzt, meine Brüder, beurteilen wir uns selbst. Die Leitung unserer Kinder zeugt gegen uns; sie ist nicht die, welche der Heilige Geist wählen würde, um sie zu Christus zu führen, und sie vereinigt sich keineswegs mit dem heiligen Stand eines Nasiräers, zu welchem wir berufen sind. Wenn ich sie lieber für die Welt, als für das Zeugnis Christi erziehe, so beweist dieses, dass letzteres nicht der Teil ist, den meine Seele als völlig genügend für mich gewählt hat, und den ich über alles andere hochschätze. Denn was ich für mich genügend halte, das halte ich auch für meine Kinder genügend, welche eins mit mir sind; und könnte ich so töricht sein, sie für diese Welt zu erziehen, ja, für Satan, der der Fürst darin ist? Würde ich die Neigungen des Fleisches in ihnen zu wecken streben, die ich in mir zu kreuzigen bekenne? Ach, welch eine gefährliche Verirrung des Verstandes würde dieses sein! Nein, wenn ich freiwillig meine Kinder in Ägypten zurücklasse, so beweise ich, dass ich selbst dort bin; wenn ich sie freiwillig in dem Genuss Babylons zurücklasse, so beweise ich, dass ich dort noch selbst die unechten Süßigkeiten liebe; wenn meine Kinder mit meinem völligen Willen einem verdorbenen, verweltlichten System angehören, so zeigt dieses nichts anders, als dass im Grundsatz ich noch selbst dorthin gehöre. „du und dein Haus“ seid eins; Gott hat ein Ganzes daraus gemacht, welches man nicht trennen kann; und was Er vereinigt hat, das möge der Mensch nicht trennen. Dieses ist eine feierliche und durchdringende Wahrheit, in deren Licht wir klar das Übel sehen können, wenn wir unsere Kinder einen Weg verfolgen lassen, dem wir, in dem festen Glauben, dass er bis zum Feuer der Hölle sich erstreckt, den Rücken gewendet zu haben, behaupten. Wir bekennen, die Ehre, die Reichtümer, die Vorzüge und Vergnügungen dieser Welt als Schaden und Dreck zu achten, und dennoch empfehlen wir alle diese Dinge, welche wir für Hindernisse unseres christlichen Wandels erklärt, und welche wir sozusagen für uns selbst verworfen haben, unseren Kindern als durchaus notwendig für ihr Fortkommen. In dieser Weise handelnd, vergessen wir gänzlich, dass dasjenige, was für uns hinderlich ist, durchaus nicht nützlich sein kann für unsere Kinder, wenn wir anders wünschen, dass sie wie wir dasselbe Ziel erreichen sollten. Es würde aufrichtiger sein, die Maske unserer eigenen Weltlichkeit fallen zu lassen und frei zu bekennen, dass wir keineswegs die Welt verlassen haben, wovon unsere Kinder der beste Beweis sind.

Durch den Zustand der Familien der Brüder zeigt, wie ich glaube, das gerechte Gericht des Herrn den wirklichen Zustand des Zeugnisses unter uns. Es ist wohl bekannt, dass leider in zu vielen Fällen die Kinder von Christen die ungezogensten und ruchlosesten in ihrer Umgebung sind. Sollte es sich also damit verhalten? Konnte Gott das Zeugnis der Eltern solcher Kinder gut heißen? Würden diese Kinder solche sein, wenn die Eltern betreffs ihrer Häuser treu vor Gott gewandelt hätten? – Auf alle diese Fragen muss man notwendig mit „Nein“ antworten. Ach! wenn nur die christlichen Väter den Grundsatz: „du und dein Haus“ festgehalten hätten, so würden sie verstanden haben, dass sie, sowohl wegen des Zeugnisses ihres Hauses als auch wegen ihres eigenen, auf Gott rechnen und zu Ihm schreien konnten; denn unmöglich können sie von ihren Häusern getrennt werden, was man auch dagegen tun oder sagen möchte.

Tut es nicht weh, sagen zu hören: „Dieser oder jener ist ein guter, ein sehr gottseliger, ein sehr ergebener Bruder; nur schade, dass seine Kinder so unverschämt und so ungezogen sind, und dass sein Haus ein so trauriges Gemisch von Unordnung und Verwirrung ist!“ – Ich frage, welch einen Wert das Zeugnis eines solchen Mannes vor Gott hat? Leider enthält es nur wenig Wahrheit. Er kann gerettet sein; aber ist die Seligkeit alles, was wir zu wünschen haben? Gibt es kein Zeugnis abzulegen? Und wenn es eins gibt, was für ein Zeugnis ist es, und wo soll es abgelegt werden? Soll es sich beschränken auf die Bänke eines Versammlungssaales, oder soll es auch in unserem Haus wahrgenommen werden? Möge das Herz antworten!

Man wird vielleicht sagen: „Unsere Kinder bedürfen etlicher Genüsse der Welt, und wir können sie ihnen nicht weigern; man kann alte Köpfe nicht auf junge Achseln setzen.“ – Auf dieses antworte ich, dass unsere Herzen auch oft weltliche Dinge verlangen; – bewilligen wir sie ihnen? Ich hoffe, nein; – nun, so lasst sie uns auch unseren Kindern nicht darbieten. Wenn ich sehe, dass meine Kinder nach der Welt trachten, so muss ich unmittelbar mich richten, und mich demütigen vor Gott, muss zu Ihm stehen, dass Er diese weltlichen Gedanken von ihnen wegnehme, auf dass das Zeugnis dadurch nicht leide. Es ist mir unmöglich, nicht zu glauben, dass, wenn das Herz der Eltern vom Zentrum bis zum Umfang, von der Welt, von ihren Grundsätzen und Begierden gereinigt ist, dieses auf ihr ganzes Haus einen mächtigen Einfluss ausüben wird.

Dieses ist es, was jene ganze Frage so wichtig und so praktisch macht. Ist mein Haus ein genauer Prüfstein meines wahren moralischen Zustandes? Ich glaube, dass die Belehrung der heiligen Schriften – und dieses macht unseren Gegenstand besonders wichtig, – zu Gunsten der Bejahung spricht. Wie wandle ich als Familienhaupt? Tritt es durch mein Betragen in allem ins Licht, dass Christus mein höchster und einziger Gegenstand ist, und dass ich ebenso wenig geneigt bin, meine Kinder für die Welt zu erziehen, oder die Welt für sie zu wünschen, als vor ihnen die Pforten der Hölle zu öffnen? – Ich scheine vielleicht die Prüfung eines in unseren Tagen so häufigen Nebels zu weit auszudehnen; allein, was mich betrifft, denke ich, dass es unsere Pflicht ist, diese Untersuchung bis zu ihren äußersten Grenzen zu verfolgen. Woher kommt in vielen Fällen diese entsetzliche Entweihung, dieser Widerwille an den christlichen Schriften und Gesellschaften, diese Neigung, die heiligsten Dinge lächerlich zu machen, und diese so erbärmlich hervortretende untreue und zweifelsüchtige Gesinnung bei den Kindern von Bekenntnis–Christen? Wird jemand es zu sagen wagen, dass nicht die Eltern die Schuld davon tragen? Kann man im Gegenteil nicht zu großem Teil jene traurigen Erscheinungen dem augenscheinlichen Widerspruch zuschreiben, der zwischen den laut bekannten Grundsätzen und dem sie begleitenden Wandel der Eltern besteht? Ja, ich glaube es. Die Kinder sind scharfsichtige Beobachter, und sie entdecken bald das, was ihre Eltern wirklich sind. Sie beurteilen dieselben nicht nach ihren vielen Gebeten und Worten, sondern nach ihren Handlungen, deren Grundsätze und Motive sie schnell zu unterscheiden wissen. Deshalb sind alle Unterweisungen der Eltern, dass die Welt und die Wege der Welt böse sind, und alle ihre Bitten, dass jedes Glied der Familie den Herrn kenne und Ihm diene, gänzlich wirkungslos, wenn sie ihre Kinder für die Welt erziehen, indem sie sorgfältig sie dort zu versorgen trachten und sich Glück wünschen, dieses gelingen zu sehen. „Ach,“ – werden die Kinder denken, – „die Welt ist vor allen Dingen ein guter Platz; denn meine Eltern danken Gott für mein Fortkommen in dieser Welt, welches sie als eine ausgezeichnete Gunst der Vorsehung ansehen. Alles, was sie daher sagen, wenn sie vorgeben, mit Christus gestorben und auferstanden zu sein, oder wenn sie behaupten, dass die Welt gerichtet sei, und dass sie Fremdlinge und Pilger seien, – alles dieses muss entweder als Unsinn oder die so genannten Christen müssen als Betrüger betrachtet werden.“ – Wer kann zweifeln, dass solche Gedanken nicht oft Anlass gehabt haben, in den Herzen der Kinder bekennender Eltern aufzusteigen! Die Gnade Gottes ist freilich unumschränkt, und vermag über alle unsere Widersprüche und über alle unsere Treulosigkeiten zu triumphieren. Aber ach! lasst uns an das Zeugnis denken, und lasst uns wachen, damit unsere Häuser wirklich für Gott geleitet werden, und nicht für Satan.

Vielleicht wird man fragen: „Was werden denn unsere Kinder machen? Wie werden sie sich heraushelfen? Muss man sie nicht in den Stand setzen, ihr Brot verdienen zu können?“ – Ohne Zweifel. Gott hat uns zur Arbeit bestimmt. Selbst die Tatsache, dass Er uns zwei Hände gegeben hat, beweist, dass wir keine Faullenzer sein sollen. Aber ich sehe nicht die Notwendigkeit, meinen Sohn, in der Absicht, ihm Mittel zur Arbeit zu geben, in eine Welt hinein zu treiben, von der ich mich getrennt habe. Der höchste Gott, der Besitzer der Himmel und der Erde, hatte einen Sohn, seinen eingeborenen Sohn, den Erben aller Dinge, durch welchen Er auch die Welten gemacht hat; und als Er diesen Sohn in die Welt sandte, übergab Er Ihn nicht dem Gelehrten–Stand, sondern Er war gekannt als der „Zimmermann“. – Sagt uns dieses nichts, lehrt es uns nichts?

Jetzt ist Christus aufgestiegen zur Höhe und hat seinen Platz genommen zur Rechten Gottes. In dieser Weise auferweckt, ist Er unser Haupt, unser Fürsprecher, unser Vorbild; aber Er hat uns ein Beispiel zurückgelassen, dass wir seinen Fußstapfen nachfolgen sollen. Folgen wir ihnen nach, wenn wir trachten, unsere Kinder glänzen zu lassen, in einer Welt, die Jesus gekreuzigt hat? Ach, sicher nicht! Wir tun vielmehr das Gegenteil, und das Resultat wird unserem Tun entsprechen; denn es steht geschrieben: „Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten; denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten.“ – Wenn wir in Beziehung auf unsere Kinder für das Fleisch und für die Welt säen, so wissen wir auch, was wir ernten werden.

Wir haben indes bezüglich des Gegenstands der Erziehung unserer Kinder nicht nur das Zeugnis verfehlt und beschmutzt, sondern wir haben auch viel gesündigt, indem wir sie im Allgemeinen nicht in der Unterwürfigkeit unter die väterliche Autorität hielten. In dieser Beziehung finden sich große Fehler bei christlichen Eltern. Der Geist des jetzigen Jahrhunderts ist ein Geist der Unabhängigkeit und der Widerspenstigkeit. „den Eltern ungehorsam“ – das ist einer der Züge des Abfalls vom Glauben in den letzten Tagen; (2. Tim 3,2) und wir haben persönlich zu seiner Entwicklung durch eine komplett falsche Anwendung des Grundsatzes der Gnade, so wie auch dadurch beigetragen, dass wir nicht sahen, dass das Vater– und Mutter–Verhältnis einen in Gerechtigkeit ausgeübten Grundsatz von Autorität in sich fasst, ohne welchen unsere Häuser den traurigen Anblick der Verwirrung, der Unordnung, der Zuchtlosigkeit darstellen müssen. Es ist nicht Gnade, einen nicht geheiligten Willen zu schonen. Es betrübt uns, einen nicht gebrochenen und unterworfenen Willen zu haben, und zu gleicher Zeit tragen wir dazu bei, den eigenen Willen unserer Kinder zu stärken. Es ist in meinen Augen immer ein Beweis der Schwäche in der Ausübung der väterlichen Autorität, so wie der Unkenntnis in der Art und Weise, in welcher ein Diener Gottes sein Haus regieren soll, wenn ihr die nämliche Sache hervorruft oder derselben dient, die ihr durch alle Mittel in eurer Macht zu unterwerfen trachten müsst, nämlich den eigenen Willen eures Kindes. Sagt ihm daher, was es tun soll, und gestattet ihm nie, eure Autorität in Frage zu stellen. Der Wille des Vaters muss von seinem Kind als der höchste betrachtet werden; denn der Vater erhält für das Kind den Platz von Gott. Alle Macht ist Gottes; und Er hat seinem Diener, sei es als dem Vater, sei es als dem Herrn, davon gegeben. Wenn daher das Kind oder der Dienstbote dieser Macht widerstrebt, so widerstrebt er Gott. { „Und ihr Väter reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn.“(Eph 6,4) Es gibt eine große Gefahr, unsere Kinder zu reizen, oder ihren Zorn zu erregen durch eine übertriebene Härte und eine willkürliche Behandlung. Wir sind beständig geneigt, unsere Kinder nach unserem eigenen Geschmack und nach unserer besonderen Ansicht zu bilden, und zu gestalten, und zwar weit eher, als sie zu erziehen „in der Zucht und Ermahnung des Herrn“, d. h. gemäß der Weise, in welcher der Herr seine Kinder erzieht und ermahnt. Dieses ist ein grober Irrtum, der mir Verwirrung und Verstöße herbeiführen kann. Wir haben betreffs des Zeugnisses Christi keine Aussicht, etwas zu erreichen, wenn wir die Natur zu den künstlichsten Gestalten modeln und formen. Außerdem fordert die Ausbildung und Unterweisung der Natur keinen Glauben; aber um Kinder in der Zucht und Ermahnung des Herrn zu erziehen, bedarf man des Glaubens.

Man wird vielleicht einwenden, dass der Apostel in dieser Stelle von bekehrten Kindern redet. Ich antworte darauf, dass dort nichts von Bekehrung gesagt ist. Es steht nicht geschrieben: „Zieht eure bekehrten Kinder“ usw.; sonst würde die Frage aufgehoben sein; sondern wir lesen einfach „eure Kinder“, worunter sicher alle verstanden sind. Wenn ich nun aber alle meine Kinder in der Zucht und Ermahnung des Herrn erziehen soll, wann muss ich es zu tun beginnen? Muss ich warten, bis sie beinahe Männer oder Frauen geworden sind, oder muss ich beginnen, wie alle vernünftigen Leute ihre Arbeit beginnen, d. h. im Anfang? Werde ich sie während der wichtigsten Periode ihrer Laufbahn, ihrer natürlichen Torheit überliefern, ohne, betreffs ihrer ernsten Verantwortlichkeit zu versuchen, ihr Gewissen in die Gegenwart Gottes zu stellen? Werde ich sie in einer totalen Sorglosigkeit diese Zeit ihres Lebens verschleudern lassen, während welcher sich die Elemente ihres künftigen Charakters erzeugen? Dieses würde das Übermaß von Grausamkeit sein. Was würdet ihr von einem Gärtner sagen, der die Zweige seiner Obstbäume jede Art von krummer und wunderlicher Form annehmen ließe, bevor er den Gedanken gehabt, sich geeigneter Mittel zu bedienen, um sie gerade zu ziehen? Ihr würdet sagen, dass er sehr töricht sei. Nun, er würde weise sein im Vergleich mit Eltern, welche die Zucht und Ermahnung des Herrn bis in die Zeit verschieben, wo ihre Kinder bereits offenbare Fortschritte in der Zucht und Ermahnung des Feindes gemacht haben werden.

„Aber“, – wird man vielleicht noch sagen, – „wir müssen Bekehrungsbeweise erwarten.“ – Ich erwidere, dass der Glaube nie auf die Beweise wartet, sondern dass er nach dem Wort Gottes handelt, und dass die Beweise unfehlbar folgen. Es ist stets offenbarer Unglaube, auf Zeichen zu warten, wenn Gott einen Befehl gegeben hat. Wenn die Kinder Israels ein Zeichen erwartet hätten, als Gott sagte: „Sie sollen ausgehen,“ so wäre dieses ein augenscheinlicher Ungehorsam gewesen. Wenn der Mann mit der verdorrten Hand erwartet hätte, dass irgend eine Kraft sich in ihm offenbarte, als Jesus ihm die Hand auszustrecken befahl, so würde er seine verdorrte Hand bis ins Grab getragen haben. Ebenso verhält es sich mit den Eltern. Wenn sie Zeichen und Beweise erwarten, ehe sie dem Wort Gottes in Epheser 6,4 gehorchen, so wandeln sie sicher nicht kraft des Glaubens, sondern des Schauens. Wenn wir überdies beginnen sollen, von Anfang an unsere Kinder zu erziehen, so folgt daraus, dass wir beginnen müssen, bevor sie im Stande sind, Beweise von Bekehrung geben zu können.

In diesen, wie in allen Dingen, ist unsere Aufgabe, zu gehorchen, und Gott die Resultate zu überlassen. Der moralische Zustand der Seele kann durch den Befehl auf die Probe gesetzt werden; aber wenn die Neigung zu gehorchen vorhanden ist, so wird die Macht, um es ausführen zu können, ohne Zweifel den Befehl begleiten, und die Früchte des Gehorsams werden nachfolgen „zu seiner Zeit, wenn wir nicht ermatten.“}

„Alle, welche Knechte unter dem Joch sind, sollen ihre Herren aller Ehre würdig achten, auf dass nicht der Name Gottes und die Lehre verlästert werde.“ – Bemerkt, was gesagt ist: „Gott und die Lehre“ – Warum?– Weil es sich hier um eine Macht handelt. Der Name Christi und seine Lehre würden den Herrn, wie den Diener, als Glieder desselben Leibes, auf gleiche Höhe stellen (in Christus Jesus gibt es keinen Unterschied); allein wenn ich mich zu den Verhältnissen hienieden wende, so begegne ich der Regierung Gottes, welcher den Einen zum Herrn, und den Anderen zum Diener macht; und jede Übertretung in der durch diese Regierung festgestellten Ordnung würde ein unfehlbares Gericht herbeiziehen.

Es ist von unermesslicher Wichtigkeit, ein klares Verständnis von der Lehre der moralischen Regierung Gottes zu haben; es ist das Mittel, viele Schwierigkeiten zu heben und viele Fragen aufzulösen. Diese Regierung wird mit einer Entschiedenheit und einer besonders feierlichen Gerechtigkeit in Ausübung gebracht. Wenn wir die heilige Schrift in Bezug auf diesen Gegenstand untersuchen, so werden wir finden, dass in jedem Fall, wo Irrtum und Sünde sich zeigen, unvermeidlich die Früchte davon hervorgebracht werden. Adam war ungehorsam, und wurde augenblicklich aus dem Garten in eine Welt geworfen, wo er unter der Schwere des durch seine Sünde verursachten Fluches seufzte und nie ward er wieder in das Paradies zurückversetzt. Freilich trat die Gnade dazwischen und gab ihm die Verheißung eines Befreiers auch bedecke sie seine Blöße; aber nichtsdestoweniger erzeugte die Sünde ihre Folgen; und Adam erlangte nie wieder, was er durch seine Schuld verloren hatte.

Mose redete an den Wassern zu Meriba leichtsinnig mit seinen Lippen, und die Folge davon war, dass Gott, welcher gerecht ist, ihm den Eintritt in Kanaan untersagte. Auch in diesem Fall brachte die Gnade etwas Besseres, als eingebüßt worden war; denn es ist besser, von dem Gipfel des Pisga aus in der Gesellschaft Jehovas die Ebenen Palästinas zu beschauen, als dieselben zu bewohnen mit Israel (5. Mo 31,1–5).

Auch in dem Fall mit David sehen wir sogleich die Folge des Bösen. David begeht einen Ehebruch, und sogleich wurde dieses feierliche Urteil gefällt: „Das Schwert soll von deinem Haus nicht weichen ewiglich.“ Doch auch hier war die Gnade überströmend; und David erfreute sich, als er mit nackten Füßen und bedecktem Haupt die Stufen des Ölbergs emporstieg, ihres Genusses mit einem weit tieferen Gefühl, als er davon genossen hatte inmitten des Glanzes des Thrones. Nichtsdestoweniger erzeugte die Sünde ihre Folgen.

Doch nicht allein im Alten Testament sehen wir die Sünde ihre Früchte tragen. In dem Neuen Testament sehen wir, wie Barnabas (Apg 15,37–41) den, dem Anschein nach geziemenden Wunsch ausdrückt, seinen Vetter Markus in seiner Gesellschaft zu haben. Von diesem Augenblick an verliert er den ehrenhaften Platz, welchen er in den Mitteilungen des Heiligen Geistes einnahm; denn es wird seiner fernerhin nicht mehr erwähnt. Von da an war sein Platz durch ein Herz eingenommen, welches weit ergebener und von rein natürlichen Gefühlen mehr befreit war, als dasjenige des Barnabas. In diesem war es die Natur, welche ihn trieb, die Begleitung dessen zu verlangen, der sich von Paulus und ihm von Pamphylien aus getrennt hatte, und nicht mit ihnen für dieses Werk ausgegangen war. Es war eine liebenswürdige Natur; aber es war eben die Natur, und sie siegte in Barnabas, weil er Markus mit sich nahm und weil sie sich zusammen nach der Insel Zypern, dem Geburtsort des Barnabas einschifften, wo dieser in der Zeit seiner ersten Liebe sein Eigentum verkauft hatte, um ungehinderter dem folgen zu können, der nicht hatte, wo Er sein Haupt hinlegen konnte (Apg 4,36–37). Ach, es ist nicht selten, dass das natürliche Herz wieder zu dem zurückkehrt, was es verlassen hat. Die Blüten des Baumes der christlichen Erkenntnis sind im Frühling schön und reich, und verbreiten einen süßen Duft; aber wie wenige schmackhafte Früchte findet man oft im Herbst! Es wehen die Einflüsse der Natur und der Welt, um die Seele zu entblättern, welche Früchte verspricht; und anstatt dieser Früchte, findet man oft nur Unfruchtbarkeit und Irrtümer. Dieses ist etwas gar Betrübendes und die traurigste moralische Wirkung auf das Zeugnis. Das Heil der Person, welche später solch getäuschte Hoffnungen gezeigt hat, steht hier durchaus nicht in Zweifel. Barnabas war gerettet; der Einfluss, den Markus und die Liebe zu seinem Vaterland ausübten, vermochten nicht, seinen Namen aus dem Lebensbuch des Lammes zu verwischen, wohl aber aus dem Register des Zeugnisses und des Dienstes hienieden. Und war dieses nicht beklagenswert genug? haben wir außer dem Verlust unseres Heiles nichts zu fürchten oder zu beklagen? Ach! dieses würde uns sehr selbstsüchtig und gegen die Herrlichkeit Gottes sehr gleichgültig erscheinen lassen! Zu welchem Zweck macht sich dieser gesegnete Gott so viele Mühe, seine Kirche hienieden zu erhalten? Deshalb, damit die Gläubigen gerettet und für die Herrlichkeit vorbereitet werden? Keineswegs: denn gerettet sind sie durch die vollkommene Erlösung Christi, und mithin zubereitet für die Herrlichkeit. Zwischen der Rechtfertigung und der Herrlichkeit besteht eine unzertrennbare Verbindung: „Welche Er aber gerechtfertigt hat, die hat Er auch verherrlicht.“ – Warum lässt uns denn Gott auf der Erde? Deshalb, damit wir ein Zeugnis für Christus sein sollen; denn ohne dieses hatte Er uns gleich nach unserer Bekehrung in den Himmel aufnehmen können. Möge es uns geschenkt werden, diese Wahrheit in ihrer ganzen Fülle und in ihrer praktischen Kraft zu verstehen!

Die moralische Regierung Gottes ist eine Wahrheit von ganzer Wichtigkeit; – wer Böses tut, wird unfehlbar die Früchte davon ernten; ob er ein Gläubiger oder Ungläubiger, ein Heiliger oder Sünder ist, das ändert die Sache nicht. Die Gnade Gottes kann dem Sünder verzeihen; und sie verzeiht jedes Mal, wenn die Sünde gerichtet und bekannt ist; aber da die Sünde einen Eingriff in die moralische Regierung Gottes getan hat, so ist es nötig, dass der Schuldige dahin gebracht wird, seine Fehler zu fühlen. Er hat gefehlt und er muss notwendig die Folgen davon erfahren. Dieses ist eine sehr feierliche, aber ganz besonders heilsame Wahrheit, deren Wirkung durch falsche Begriffe über die Gnade jämmerlich gehemmt worden ist. Nie erlaubt Gott in seiner Gnade, seine moralische Regierung zu schwächen; denn dieses würde nur Unordnung hervorrufen; und Gott ist nicht ein Gott der Unordnung. Wir haben vergessen, dass uns Gott in der Ausübung einer gerechten Regierung ein Beispiel gegeben hat. –

Man muss den Grundsatz der Regierung Gottes nicht mit seinem Charakter verwechseln. 3 Im Ersteren zeigt sich die Gerechtigkeit, im Anderen die Gnade. Das, was ich jetzt hervorzuheben suche, ist die Tatsache, dass das Verhältnis als Vater und Herr einen Grundsatz von Gerechtigkeit in sich fasst, und dass, wenn dieser Grundsatz keine geziemende Anwendung in der Regierung der Familie findet, sich dort bald die größte Unordnung zeigen muss. Wenn ich ein mir fremdes Kind böse handeln sehe, so bin ich nicht mit irgend einer göttlichen Autorität bekleidet, um in Betreff desselben eine gerechte Zucht auszuüben; allein sobald als ich mein eigenes Kind Böses verrichten sehe, muss ich es züchtigen, weil ich sein Vater bin.

„Aber“, – wird man vielleicht sagen, – „das Vater–Verhältnis zum Sohn ist ein Verhältnis der Liebe.“ Das ist die Wahrheit; denn es steht geschrieben: „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater gegeben, dass wir Gottes Kinder heißen sollen!“ (1. Joh 3,1) Aber obwohl dieses Verhältnis auf die Liebe gegründet ist, so wird es doch ausgeübt in Gerechtigkeit; denn es steht auch geschrieben: „Denn es ist die Zeit, dass das Gericht am Haus Gottes anfange“ (1. Pet 4,17). Ebenso werden wir in Hebräer 12 unterwiesen, dass unsere Eigenschaft als rechtmäßiger Sohn uns unter die gerechte Zucht des Vaters der Geister stellt. Und in Johannes 17 wird die Kirche der Sorge des heiligen Vaters übergeben, damit Er sie bewahre in seinem Namen.

So oft nun die christlichen Eltern diese große Wahrheit aus dem Gesicht verlieren, sind ihre Häuser der Unordnung preisgegeben. Sie regieren nicht ihre Kinder; und mit der Zeit wird das Resultat sein, dass sie von ihren Kindern regiert werden, denn das Regiment muss irgendwo sein. Wenn diejenigen, denen Gott die Zügel anvertraut hat, dieselben nicht halten, wie sie es sollen, so werden diese Zügel bald in schlechte Hände fallen.

Welch ein trauriges und schändliches Ding, Eltern zu sehen, die von ihren Kindern regiert werden! Ich zweifle nicht, dass dieses in den Augen Gottes ein Flecken, eine Unordnung ist, die früh oder spät sein Gericht herbeiführen wird. Ein Vater, der die Zügel der Regierung aus seinen Händen fallen lässt, oder sie nicht fest hält, fehlt ernstlich in seiner heiligen Verantwortlichkeit, indem er für seine Familie der Stellvertreter Gottes und der Verwalter seiner Macht ist. Ich denke nicht, dass ein solcher Mann je seine völlige Stellung einnehmen und inmitten der Seinen ein treuer Zeuge Gottes sein könne. Er mag ein Gegenstand der Gnade sein, was etwas anders ist, als ein Zeuge für Gott sein. Dieses ist es, was den bejammernswerten Zustand so vieler Brüder erklärt. Sie haben in ihrer Pflicht, Gott gemäß ihre Häuser zu regieren, gänzlich gefehlt, wodurch sie ihre wahre Stellung und ihren moralischen Einfluss verloren haben; – und daher kommt es, dass ihre Energie geschwächt, dass ihr Mund geschlossen und ihr Zeugnis vernichtet ist. –

Nicht alle haben die rechten Gedanken über diesen Gegenstand und vermögen nicht zur Quelle eines so ernsten Zustand sittlicher Entartung zurück zu kehren. Ach! leider nehmen es viele Christen gar leicht, ihre Kinder in den Ungehorsam und die Weltlichkeit hineinwachsen zu sehen; es scheint ihnen dieses natürlich und unvermeidlich; und oft hört man sie unter anderem sagen: „Während eure Kinder jung sind, tut ihr damit, was ihr wollt; aber wartet, bis sie älter sind, und ihr werdet sehen, dass ihr gezwungen seid, sie in die Welt gehen zu lassen,“ – Nie werde ich glauben können, dass es nach den Gedanken Gottes ist, dass die Kinder seiner Diener notwendig in die Weltlichkeit und Zuchtlosigkeit hineinwachsen. Nun, wenn dieses nicht seine Gedanken sind, – wenn Er in seinem Erbarmen den Kindern seiner Heiligen dieselben Pfad geöffnet hat, wie den Letzteren selbst, – wenn Er die christlichen Eltern autorisiert, für ihre Familie denselben Anteil zu wählen, den sie durch seine Gnade für sich selbst gewählt haben, – muss man, wenn nach all diesem ihre Kinder eigenwillig und weltlich sind, dann nicht schließen, dass sich die Eltern ernstlich versündigt hatten an der Ausübung ihres Verhältnisses und ihrer Verantwortlichkeit? Haben sie ihren Kindern nicht Unrecht getan, und den Herrn entehrt? Und dürfen sie aus dem Resultat ihrer Untreue einen allgemeinen, Grundsatz machen, indem sie aussprechen, dass alle Kinder der Christen heranwachsend den ihrigen gleichen werden? Tun sie wohl, junge Eltern, welche bezüglich ihrer Kinder das Terrain Gottes wählen möchten, abzuleiten, indem sie ihnen ihr eigenes Fehlschlagen vorstellen, anstatt sie zu ermutigen und sie hinzuweisen auf die unfehlbare Treue Gottes gegen alle, welche den Weg seiner Gebote suchen? Auf diese Weise würden sie dem alten Propheten zu Bethel gleichen, der, weil er selbst im Bösen war, seinen Bruder hinein zu ziehen suchte, und dazu beitrug, ihn für seinen Ungehorsam gegen das Wort Jehovas von einem Löwen zerreißen zu lassen.

Im Ganzen genommen, offenbart der eigene Wille meiner Kinder den eigenen Willen meines eigenen Herzens; und ein gerechter Gott bedient sich dessen, um mich zu züchtigen, weil ich mich nicht selbst gerichtet habe. Um mir Mühe zu ersparen, habe ich dem Bösen in meiner Familie seinen Lauf gelassen; und jetzt sind meine herangewachsenen Kinder gleich Dornen an meiner Seite, weil ich sie nicht für Gott erzogen habe. Dieses ist die Geschichte Tausender von Familien. Wir müssen nie aus den Augen verlieren, dass unsere Kinder, so wie wir selbst der „Verteidigung und der Bestätigung des Evangeliums“ dienen sollen. Ich bin gewiss, dass wenn wir dahin geführt werden, unsere Häuser als ein Zeugnis für Gott zu betrachten, dieses eine unermessliche Reformation in der Weise, sie zu regieren, hervorrufen würde. Wir würden dann eine erhabenere, moralische Ordnung darin einzurichten trachten, nicht, um uns Mühe und Kummer zu ersparen, sondern vielmehr, damit das Zeugnis nicht durch die Unordnung unserer Häuser zu leiden habe. Jedoch vergessen wir nicht, dass wir, um die Natur unserer Kinder zu bezähmen, zunächst die unsrige bezähmen müssen. Wir können nie das Fleisch durch das Fleisch besiegen; und nur insoweit wir es in uns überwunden haben, sind wir im Stand, es auch in unseren Kindern zu überwinden. Ferner bedarf es dazu einer völligen Eintracht und einer vollständigen Harmonie zwischen dem Vater und der Mutter. Ihre Sprache, ihr Wille, ihre Autorität, ihr Einfluss, – kurz alles muss eins sein in dem strengsten Sinne des Wortes. Indem sie „ein Fleisch“ sind, sollten sie stets in ihren Häusern die Schönheit und die Macht dieser Einheit darstellen. Zu diesem Zweck sollen sie Gott gemeinschaftlich dienen, sollen Ihn erwarten, sollen in seiner Gegenwart wandeln, sollen Ihm ihr Herz öffnen und alle ihre Sorgen Ihm anheimstellen. Wie oft fehlen die Männer und Frauen in dieser Hinsicht. Bisweilen trifft es sich, dass der Eine von beiden wirklich der Welt zu entsagen und das Fleisch bis zu einem Gerad zu zähmen wünscht, zu welchem der Andere nicht gelangt ist; und dieses erzeugt traurige Resultate. Es führt oft zu allerlei Umwegen und zu bestimmten Gegenwirkungen in den Wegen und in den Grundsätzen des Mannes und der Frau, so dass man nicht von ihnen sagen kann, dass sie eins sind in dem Herrn. Die Wirkung von all diesem auf die heranwachsenden Kinder kann nicht schädlicher sein, und dessen Einfluss auf das ganze Haus ist unberechenbar. Was der Vater befiehlt, hebt die Mutter auf; was er verbietet, erlaubt sie; was er aufbaut, zerstört sie. Der Vater wird als hart und streng bezeichnet. Der mütterliche Einfluss handelt unabhängig von dem des Vaters, und setzt bisweilen gar dessen Einfluss gänzlich bei Seite, so dass die Stellung des Vaters eine der beschwerlichsten wird, und die ganze Familie einen Anblick von Verwirrung und gottloser Zügellosigkeit darbietet 4 Dieses ist aber ein gräuliches Ding. Unter solchen Umständen können Kinder nie gut erzogen werden; und in Bezug auf das Zeugnis für Christus, ist schon der Gedanke daran entsetzlich. Wo ein solcher Zustand herrscht, da sollte man die tiefste Zerknirschung des Herzens über diesen Gegenstand vor dem Herrn wahrnehmen. Sein Erbarmen ist unerschöpflich und sein zärtliches Mitleiden lasst uns nie fehl gehen, und wir dürfen gewiss hoffen, dass, wenn wahrer Schmerz und aufrichtige Reue vorhanden ist, Gott in Gnade dazwischen treten wird, um zu heilen und wieder aufzurichten. Gewiss ist es, dass wir nicht an dergleichen Dingen Teil nehmen sollen; mögen daher alle, die in ihrem Herzen darüber betrübt sind, Tag und Nacht zum Herrn schreien, indem sie sich gründen auf seine Wahrheit, und auf seinen Namen, welche durch solche Sünden verlästert sind; – und gewiss, Gott wird hören und retten! Jedoch muss diese Frage in ihrer Fülle im Licht des Zeugnisses für den Sohn Gottes betrachtet werden; denn um dieses Zeugnisses willen sind wir auf der Erde gelassen worden. In der Tat ist es uns nicht freigestellt, unsere Kinder nach Belieben zu erziehen, sondern wir sollen sie erziehen für Gott, mit Gott, durch Gott und vor Gott. Um einen so erhabenen Zweck zu erreichen, müssen wir uns viel in der Gegenwart Gottes befinden. Ein christlicher Vater kann seine Kinder nicht schlagen und ausschelten, wie es die Männer der Welt nach ihren Grillen und Launen des Augenblicks tun. Der Christ soll inmitten seiner Familie den Herrn repräsentieren; dieses wohlverstanden, wird alles in seinem Haus regeln. Er ist der Verwalter Gottes; er wird daher, um dieses Amt recht zu verstehen und treu zu verwalten, in einem häufigen, oder vielmehr ununterbrochenen Verkehr mit seinem Herrn stehen müssen. Er muss sich nahe zu den Füßen dieses Herrn setzen, um zu erfahren, was und wie er es tun soll; denn nur dann wird ihm alles in seiner Verwaltung einfach und leicht. –

Oft möchte das Herz eine allgemeine Regel für jedes der verschiedenen Einzelheiten der häuslichen Verwaltung haben. Man fragt z. B. welche Art Strafen, welche Art Belohnungen und welche Art Unterhaltungen sollen christliche Eltern annehmen. Was die Strafen betrifft, so denke ich, dass sie selten notwendig sein werden, wenn die göttlichen Grundsätze der Erziehung des Kindes von der zartesten Jugend an in Ausübung gebracht sind. Was die Belohnungen betrifft, so scheint mir, dass sie wesentlich bestehen sollten in Ausdrücken von Liebe und Beifall. Ein Kind soll gehorsam sein, – gehorsam in allen Beziehungen und unaufhörlich, – nicht um eine Belohnung zu erhalten, welche geeignet ist, den Wetteifer, diese Frucht des Fleisches, zu nähren und zu entwickeln, sondern weil Gott es also will. –

Die Unterhaltungen endlich, die ihr euren Kindern zu verschaffen wünscht, mögen stets, wenn möglich, den Charakter irgend einer nützlichen Beschäftigung haben. Dieses ist dem Geist ersprießlich. Es ist eine schlechte Sache, in den Kindern den Gedanken zu unterhalten, dass glänzende Spielzeuge und Tändeleien Vergnügen verschaffen. Ich habe oft sehr junge Kinder an Papier, an einem Bleistift oder an dergleichen Sachen, welche sie sich selbst verschafften, ein weit wahrhafteres und gewiss viel einfacheres Vergnügen finden sehen, als an den teuersten Spielsachen. Endlich lasst uns bei allen Sachen, bei Strafen, Belohnungen und Spielen, das Auge auf Jesus gerichtet haben, und lasst uns ernstlich trachten, das Fleisch zu unterwerfen, unter welchem Schein und unter welcher Gestalt es sich auch zeigen möge. Dann werden unsere Häuser ein Zeugnis für Gott sein; und alle, die hineintreten, werden gezwungen sein, zu sagen: „Gott ist hier.“

Ich muss schließen. Ich habe nicht, – Gott weiß es, – die Feder genommen, um irgendjemand zu kränken. Ich fühle in aller Stärke die Wahrheit, die Wichtigkeit, den feierlichen Ernst des Gegenstandes, den ich behandelt habe, und zu gleicher Zeit meine Unfähigkeit, denselben mit der nötigen Klarheit und Kraft ins Licht zu stellen. Dennoch hofft ich zu Gott, dass Er diese Zeilen wirken lassen werde; und wenn Er wirkt, so kann das schwächste Werkzeug seinem Zweck entsprechen. Ihm empfehle ich jetzt diese Zeilen, von denen ich mit Zuversicht sagen kann, dass ich sie in seiner heiligen Gegenwart begonnen, fortgesetzt und geendet habe. Ein Gedanke hat mich außerordentlich gestärkt, nämlich, dass in dem Augenblick, wo ich auf meinem Gewissen die Notwendigkeit, diese Broschüre zu schreiben, fühlte, eine gewisse Anzahl viel geliebter Brüder versammelt waren, um sich zu demütigen, um zu bekennen und namentlich das Zeugnis für den Sohn Gottes in den letzten Tagen zum Gegenstand ihrer Gebete zu machen. Ich zweifle nicht, dass ein sehr wichtiger Punkt ihres Bekenntnisses der Verfall bezüglich der Regierung der Familie gewesen sein werde; und wenn diese Zeilen durch den Geist Gottes benutzt würden, in einem einzigen Gewissen ein recht tiefes Gefühl über diesen Verfall, und in einem einzigen Herzen ein wahrhaft aufrichtiges Verlangen zu wecken, diesen Riss nach den Gedanken Gottes wieder herzustellen, so würde dieser Beweis, nicht vergeblich geschrieben zu haben, eine nicht geringe Freude für mich sein.

Möge der allmächtige Gott nach dem Reichtum seiner Gnade durch den Heiligen Geist in den Herzen aller seiner viel geliebten Heiligen ein brennendes Verlangen hervorrufen, in dieser letzten Stunde ein vollständigeres, helleres, entschiedeneres und kräftigeres Zeugnis für Christus aufzurichten, damit, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes in der Luft ertönen, Er hienieden ein Volk finde, wohl zubereitet, um dem himmlischen Bräutigam entgegen zu gehen.

Fußnoten

  • 1 Der Leser wird nicht, wie ich hoffe, meinen, dass ich durch diese Worte die Notwendigkeit des Werkes des Heiligen Geistes, betreffs der Wiedergeburt der Kinder christlicher Eltern, leugnen oder schwächen wollte. „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren worden sei, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ Dieses ist aber ebenso wahr von dem Kind eines Christen, als von allen anderen. Die Gnade ist nicht erblich. Was ich sagen wollte, ist nur, dass die heilige Schrift den Menschen nicht als getrennt von seinem Haus betrachtet, dass der christliche Vater in Betreff seiner Kinder auf Gott zählen kann, und dass er verantwortlich ist, sie für Gott zu erziehen. Wie könnte man ohne dieses die Stelle in Epheser 6,4 verstehen?
  • 2 Viele trösten sich mit der Gewissheit, dass ihre Kinder einmal noch bekehrt werden würden. Allein dieses heißt nicht, sie sogleich auf das Terrain Gottes setzen. Wenn wir die Gewissheit haben, dass sie Kinder Gottes werden, warum handeln wir nicht demgemäß? Wenn wir gewisse Beweise von Bekehrung in ihnen zusehen erwarten, so ist es klar, dass wir auf andere Dinge schauen, als auf die Verheißung Gottes. Der Christ muss von jetzt an sein Kind als Eigentum Christi betrachten; und er ist gehalten, es demgemäß zu erziehen, während er mit einer völligen Gewissheit von Gott das Resultat erwartet. Wenn ich, bevor ich also handle, Früchte zu sehen erwarte, so ist dieses nicht Glauben; und während dieser Zeit werden meine Kinder umherschweifen können, um, so zu jagen, fern von den Pfaden des Herrn, seinem Namen und seinem Evangelium Schande zu bringen. Mir wird es vielleicht genügen, mir zu sagen: „Sie werden später bekehrt werden!“ Nein, meine Kinder sollten von jetzt an ein Zeugnis für Gott sein; und sie können es nur insoweit sein, dass ich sie von jetzt an auf das Terrain Gottes stelle, und dass ich in dem, was sie betrifft, mit Ihm wandle. –
  • 3 Die Briefe des Petrus entwickeln die Lehre der moralischen Regierung Gottes. Dort finden wir die Frage: „Wer ist der, welcher euch Böses tun wird, wenn ihr Nachahmer des Guten seid?“ – Etliche finden es schwer, die Frage zu vereinigen mit der Erklärung des Paulus: „Alle, die gottselig in Christus Jesus leben wollen, werden verfolgt werden.“ – Es scheint überflüssig, zu sagen, dass diese beiden Ideen in vollkommenen Harmonie sind. Der Herr Jesus selbst, welcher der einzige vollkommene und beständige Nachahmer des Guten war, Er, der während seiner ganzen Laufbahn hienieden „umherging und Gutes tat“, fand am Ende das Kreuz, den Spieß, das Grab, und dergleichen. Der Apostel Paulus hielt sich mehr, als jeder andere Mensch, fest an dem großen Vorbild, welches beständig vor Ihm war, berufen, einen außergewöhnlichen Kelch von Entsagung und Verfolgung zu trinken. Und je mehr in unseren Tagen ein Heiliger Christus gleichförmig sein wird, desto mehr wird auch er zu leiden haben. Wenn jemand, getrieben durch wahre Hingabe an Christus, und durch Liebe für die Seelen, sich öffentlich in römisch–katholischen Gegenden niederlassen würde, um dort Christus zu predigen, gewiss, sein Leben würde in einer drohenden Gefahr sein. – Aber sind alle diese Tatsachen im Widerspruch mit der Frage des Petrus? Keineswegs. Das direkte Streben der moralischen Regierung Gottes ist, alle diejenigen vor dem Bösen zu bewahren, welche Nachahmer des Guten sind, und allen denen Züchtigungen aufzuerlegen, welche das Gegenteil tun; aber dieses hat nichts mit dem erhabenen Weg der Stellung eines Jüngers zu tun, und es beraubt ihn nicht des Vorrechts und der Ehre, Christus so gleichförmig zu sein, als er es wünscht: „Denn euch ist es in Bezug auf Christus gegeben, nicht allein an Ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden, da ihr denselben Kampf habt, welchen ihr an mir gesehen, und jetzt in Betreff meiner hört“ (Phil 1,29–30). Hier lernen wir, dass es eine uns verliehene Gnade ist, wenn wir berufen sind, um Christi willen zu leiden, und zwar inmitten einer Szene, in welcher er, auf dem Boden der moralischen Regierung Gottes, vielleicht sagt: „Wer ist der, welcher euch Böses tun wird, wenn ihr Nachahmer des Guten seid?“ Die Regierung Gottes anerkennen, und sich ihr unterwerfen, ist etwas ganz anders, als Nachahmer eines verworfenen und gekreuzigten Christus zu sein. Selbst in diesem Brief des Petrus, die, wie wir bemerkt haben, die Lehre der Regierung Gottes speziell zum Gegenstand hat, lesen wir: „Wenn ihr aber Gutes tut, und leidet und es aushaltet, dieses ist wohlgefällig vor Gott. Denn hierzu seid ihr berufen, weil auch Christus für uns gelitten hat, euch ein Beispiel hinterlassend, auf dass ihr seinen Fußstapfen nachfolgt.“ Und anderswo: „Wenn jemand leidet als Christ, (oder weiter moralisch Christus gleichförmig ist), so schäme er sich nicht, sondern verherrliche Gott in dieser Beziehung.–“
  • 4 Nichts ist betrübender, als eine Mutter zu ihren Kindern sagen zu hören: „Es ist nicht nötig, dass dein Vater dieses oder jenes weiß.“ Wo dieses Verfahren der Gleißnerei und der Doppelzüngigkeit herrscht, steckt darunter etwas gründlich und entsetzlich Schlechtes; und es ist dann moralisch unmöglich, an die Ausübung einer wahren Zucht zu denken. Es ist dann unvermeidlich, dass entweder der Vater durch eine unmäßige Härte oder durch eine übertriebene Strenge „die Kinder zum Zorn reizt“, oder dass die Mutter den eigenen Willen des Kindes begünstigt auf Kosten des Charakters und der Autorität des Vaters. In beiden Fällen ist dem Zeugnis eine Fessel angelegt, welches in den Kindern viel Böses anrichtet. Christliche Eltern sollten daher sorgfältig wachen, vor ihren Kindern und ihren Dienstboten stets in der Macht derjenigen Einheit zu erscheinen, die aus ihrer vollkommenen Einigkeit in dem Herrn entspringt. Und wenn unglücklicher Weise ihr Urteil in diesem oder jenem Punkt häuslicher Regierung nicht übereinstimmt, so mögen sie dieses zu einem Gegenstand freundlicher Beratung in der Gegenwart Gottes machen, aber nie ihre Meinungsverschiedenheit vor denen im Haus kund werden lassen; denn dieses würde eine moralische Schwäche offenbaren, welche eine Geringschätzung gegen ihre Regierung hervorriefe. –
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