Botschafter des Heils in Christo 1858

Gedanken über die doppelte Erscheinung der zweiten Ankunft des Herrn Jesus

In den hier angeführten Versen haben wir einen sehr bezeichnenden Abschnitt dieses belehrenden und schätzbaren Briefes. Der Apostel setzt darin die beiden großen Erscheinungen der zweiten Ankunft unseres Herrn und Heilands Jesus Christus klar auseinander. – Zuerst haben wir die Erscheinung seiner Ankunft, welche einer leidenden Versammlung oder Kirche gilt, und dann die, welche über eine sich freuende Welt hereinbricht.

Der Heilige Geist gebraucht dieselbe große Wahrheit – einerseits, um das Herz eines weinenden Gläubigen zu trösten, und andererseits, um das Herz eines sich überhebenden Weltlings zu warnen. Sowohl den Tränen des Ersteren, als auch dem Großtun des Letzteren begegnet Er durch dieselbe so überaus wichtige und einflussreiche Lehre.

Es wird nun gewöhnlich dem Tod zugeschrieben, was der Apostel hier dem Kommen des Herrn zuschreibt. Wir hören oft, wenn ein christlicher Freund hingeschieden ist, von den Zurückgebliebenen sagen: „Wir werden ihm bald folgen.“ Das ist es aber nicht, was der Apostel sagt, sondern ist gerade das Entgegengesetzt. „Wir wollen aber nicht, Brüder, dass ihr, was die Entschlafenen betrifft, unwissend seid, auf dass ihr euch nicht betrübt, wie auch die Übrigen, welche keine Hoffnung haben“ (V 13). Und warum sollten sie sich nicht betrüben? Etwa darum nicht, weil sie ihnen bald folgen sollten? Keineswegs. Das würde den Tod an die Stelle eines wiederkehrenden Christus setzen. Der Trost, welchen der Heilige Geist dem beraubten Herzen eines Heiligen anzubieten hat, ruht auf einem ganz anderen Grund. „Denn, wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, also wird auch Gott die Entschlafenen durch Jesus mit Ihm bringen“ (V 14). Das Kommen des Herrn war dem Herzen des Apostels so nahe, und stand so lebendig und so natürlich vor seiner Seele, dass er sagen konnte: „Wir, die Lebenden, die bis zur Ankunft des Herrn übrig bleiben.“ Das weltliche Herz würde sagen: „Mein Herr verzieht zu kommen;“ aber die wahre Stellung eines Heiligen in Betreff der Ankunft Christi ist in diesen Worten ausgedrückt: „Wir die Lebenden, die bis zur Ankunft des Herrn übrig bleiben.“

Die beiden großen Grenzen der Existenz der Versammlung hienieden, sind das Kreuz und die Ankunft Christi. In dem Kreuz sind in Betreff ihrer der Tod und das Gericht für immer bei Seite gesetzt, und an deren Statt ist der ganze Schauplatz mit Herrlichkeit erfüllt. „Und gleich wie es dem Menschen obliegt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht, also wird auch der Christus, einmal geopfert, um vieler Sünden zu tragen, zum zweiten Mal ohne Sünde denen, die Ihn erwarten, zur Seligkeit erscheinen“ (Heb 9,27–28). Die Ankunft Christi in Herrlichkeit, ohne irgendwelche Beziehung zu der Sünde, ohne irgendwelche Verbindung mit derselben, ist die bezeichnende Hoffnung der Versammlung. „Nun aber ist Er in der Vollendung der Zeitalter einmal offenbart zum Wegtun der Sünde durch das Schlachtopfer seiner selbst“ (Heb 9,26). Jetzt hat Er in Betreff der Sünde nichts mehr zu sagen, sondern wenn Er wiederkommt, wird es zur Seligkeit sein.

Es ist nun sehr wichtig, die doppelte Erscheinung der zweiten Ankunft des Herrn recht deutlich zu erfassen. Sie wird in den Briefen an die Thessalonicher durch die beiden Ausdrücke bezeichnet: „Das Kommen des Herrn;“ und „der Tag des Herrn.“ Ersteres hat eine bestimmte Beziehung zu der Versammlung, Letzteres zu der Welt; Ersteres hat nichts zu tun mit Zeit und Zeiten, Letzteres wohl; Ersteres steht in keiner Verbindung mit den Ereignissen unter den Nationen, Letzteres doch.

Die „große Last“ des Propheten ist die moralische Regierung Gottes unter den Nationen der Erde – mit Entschluss seiner Handlungsweise gegen die besondere Nation d. i. Israel – ein Gegenstand von unermesslichem Interesse für einen Heiligen; nicht weil er persönlich mit demselben in Verbindung steht, sondern weil jener die Ratschlüsse Gottes mit dem Menschen auf Erden kund tut. Jedoch werden wir uns auf allen Seiten der Prophetie des Alten Testaments vergeblich nach irgend einer Mitteilung von der Lehre über die Stellung der Versammlung, über ihre Berufung oder Hoffnung umsehen. Der Apostel sagt: „ … welches in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kund gemacht worden, wie es jetzt seinen heiligen Aposteln und Propheten offenbart worden ist“ (Eph 3,5).

Da nun dies wirklich der Fall ist, so ist es augenscheinlich, dass die Hoffnung der Versammlung durch jene Ereignisse, welche den Gegenstand der alttestamentlichen Propheten bilden, nicht berührt werden kann. Diese gesegnete Hoffnung strahlt in ihrem besonderen Glanz aus, ohne dass sie auch nur durch eine einzige Wolke getrübt werden könne. „Der helle und glänzende Morgenstern“, strahlt an dem Horizont der Versammlung; und die sehnlichst genährte Hoffnung, Ihn zu sehen, erfreut ihr Herz und belebt ihren Geist während den trüben Wachen dieser dunklen Nacht. „Ich werde ihm den Morgenstern geben.“ Dies ist die eigene Verheißung Christi; und Er selbst ist jener Stern.

Der Heilige Geist stellt durch den Propheten Maleachi den Hoffnungen und Erwartungen des treuen Überrestes Israel Christus, als „Sonne der Gerechtigkeit“ dar, welche „mit Heilung unter ihren Fittichen“ (Kap 4,2) kommen soll; aber „der glänzende Morgenstern“ erweckt einen ganz verschiedenen Gedankengang in der Seele. Die Versammlung wird schon in dem Genuss ihres „Morgensterns“ sein, ehe die Strahlen „der Sonne der Gerechtigkeit“ das mit Kummer erfüllte Herz des Überrestes Israels erfreuen. Es sind nur diejenigen, welche während der Nacht auf der Wache stehen, die mit dem Erscheinen des Morgensterns erfreut werden. Wenn beim Anblick des tausendjährigen Morgens die Sonne auf die Erde scheint, dann wird der Gott fürchtende Überrest ihre ersten Strahlen aufnehmen; und wenn sie ihren Höhepunkt erreicht hat, so wird jedes Auge sie sehen.

In dem Augenblick, wenn Christus sich vom Thron des Vaters erhebt, wird sich auch die Versammlung von der Erde erheben, um Ihm zu begegnen. Auf diesen Augenblick wartet sie. Bis dahin wirkt der Heilige Geist in Verbindung mit dem Evangelium Christi, um die Übrigen der Erwählten Gottes zusammen zu bringen, und „um jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen.“ Wenn aber die in dem göttlichen Ratschluss verordnete Zeit völlig herbeigekommen ist, dann wird „der Herr selbst mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes vom Himmel herabsteigen“ (V 16). Dies ist die besondere oder spezielle Hoffnung der Versammlung und zwar in völliger Übereinstimmung der gnädigen Verheißung Christi in Johannes 14: „Ich will wiederkommen, und werde euch zu mir nehmen, auf dass, wo ich bin, auch ihr seid.“ Besonders bemerkenswert ist die Gnade der Worte: „Ich will wiederkommen.“ Der Herr selbst will herniederkommen. Er will keinen Engel senden, noch eine Legion Engel; nein, Er selbst will kommen. Dies ist seine Gnade; einer solchen Würde hält Er seine Braut wert.

Und dies alles ist auf die Wahrheit gegründet, dass „Jesus gestorben und wieder auferstanden ist.“ „Denn,“ sagt der Apostel durch den Heiligen Geist, „wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, also wird auch Gott die Entschlafenen durch Jesus mit Ihm bringen“ (V 14). Der Herr Jesus wurde von den Toten auferweckt durch die Herrlichkeit des Vaters; und alle, welche in Jesu entschlafen und einen Teil seines Leibes ausmachen, sollen auferweckt und mit Ihm in seiner zukünftigen Herrlichkeit dargestellt werden. Gott hat Jesus von den Toten auferweckt; und wenn wir dieses glauben, so können wir in gleicher Weise glauben, dass alle, welche in Jesu entschlafen sind, auferweckt, und bei seiner herrlichen Erscheinung mit Ihm gebracht werden. „Wenn aber der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckte, in euch wohnt, so wird der, welcher den Christus aus den Toten auferweckte, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes“ (Röm 8,11). Alles ist auf unsere Verbindung mit Christus gegründet. Das Haupt und der Leib, welche eins sind, sollen zusammen in Herrlichkeit erscheinen. „Denn dies sagen wir euch im Wort des Herrn, dass wir, die Lebenden, die bis zur Ankunft des Herrn übrig bleiben, den Entschlafenen nicht zuvorkommen werden. Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes vom Himmel herabsteigen; und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die übrig gebliebenen Lebenden, zugleich mit ihnen in den Wolken dem Herrn entgegen gerückt werden in die Luft, und also allzeit bei dem Herrn sein. – So ermuntert nun einander mit diesen Worten“ (V 15–18). Ähnlich ist die Belehrung in 1. Korinther 15,51–52: „Siehe! ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune. Denn posaunen wird es, und die Toten werden unverweslich auferweckt werden, und wir werden verwandelt werden.“

Hier haben wir die Hoffnung der Versammlung sehr klar und einfach vorgestellt; und es ist höchst notwendig, dass die Heiligen sie ebenso klar und einfach, wie sie hier niedergelegt ist, aufnehmen. Denn wir sehen, dass der Feind gesucht hat, sie mit einer Menge anderer Dinge zu vermengen, welche, was sie auch für interessante Gegenstände des Studiums enthalten mögen, doch in keiner Weise anziehende Gegenstände der Hoffnung sind. Wenn z. B. irgendjemand die Heiligen lehren wollte, dass sie „unter den Füßen des wilden Tieres“ zertreten werden müssten, ehe ihre Herzen durch den Anblick des Morgensterns erfreut werden könnten, – wäre das wirklich eine Freudenbotschaft? Und wo finden wir dieses in 1. Korinther 15, oder 1. Thessalonicher 4? Diese Schriftstellen aber gerade sind es, wie wir gezeigt haben, welche die Hoffnung der Versammlung auf das Klarste darstellen. Wir lesen in 1. Thessalonicher 1,9–10 „ … wie ihr euch von den Götzenbildern zu Gott bekehrt habt, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott und zu erwarten“ – was? „Das wilde Tier?“ Nein. „den Menschen der Sünde?“ Nein. „den falschen Propheten?“ Nein. „Die völlige Entwicklung und die endliche Zerstörung des Nebukadnezars?“ Nein. Was denn? „Zu erwarten seinen Sohn vom Himmel.“ Dies ist für ein Herz, das den Wunsch hat, der Autorität der heiligen Schrift unterwürfig zu sein, einfach und umfassend genug. Die Versammlung ist nicht belehrt worden, irgend eine Bewegung unter den Nationen, die Wiederherstellung der Juden, die Entwicklung der zehn Zehen des Bildes Nebukadnezars, die Wiedererstehung des römischen Reiches, das Austrocknen des Stromes Euphrat, um den Königen von Osten den Weg zu bereiten, noch irgendetwas der Art zu erwarten. Nichts Irdisches, was es auch sein mag, ist ihr als Gegenstand ihrer Erwartung vorgestellt, sondern einfach die Erscheinung des Sohnes Gottes vom Himmel –– „der glänzende Morgenstern.“ jene Dinge aber sind der direkte Gegenstand der prophetischen Zeugnisse, und sind als solche von hohem Interesse für den geistlichen Schriftforscher, gerade so wie das Schicksal Sodoms für Abraham von Interesse war, obgleich er persönlich durchaus nichts damit zu tun hatte.

Jeder Christ, was auch immer das Maß seiner prophetischen Erkenntnis sein mag, sollte an dem Studium der Prophetie Interesse haben, nicht um ein System aufzubauen, oder eine Theorie zu verteidigen, sondern einfach, um mehr oder weniger mit den Ratschlüssen Gottes, mit den Schicksalen dieser niedrigen Welt bekannt zu werden. Seine spezielle Hoffnung aber ist eine ganz andere Sache, die er in den Blättern der alttestamentlichen Prophetie nicht finden wird. In diesen ist weder etwas von dem Haupt und dem Leib, noch von dem Bräutigam und der Braut, welche sich in der Luft begegnen werden, erwähnt worden. Er wird dort über Ägypten, Assyrien, Babylon, Tyrus, Gog und Magog, und wie dies alles in Verbindung mit der Stadt Jerusalem und dem Land Israel steht, lesen; allein alle diese Dinge haben nichts mit dem Hervorbrechen des „glänzenden Morgensterns“ zu tun. Dieser Stern ist das Zeichen einer himmlischen Herrlichkeit, und weit entfernt von dieser finsteren und stürmischen Welt – einer Herrlichkeit, welche der Versammlung erscheinen soll, während eine Welt, die Christus verwirft, noch im tiefen Schlummer liegt, oder von ihren stolzen und gottlosen Plänen trunken ist.

Wenn wir uns nun zu der anderen Erscheinung der Ankunft wenden, wie sie uns in 1. Thessalonicher 5,1–11 dargestellt ist, so finden wir etwas ganz Verschiedenes. Es handelt sich hier um „Zeit und Zeiten,“ in Betreff deren der Apostel fühlte, dass er nicht nötig gehabt hätte, der Versammlung davon zu schreiben. Diese gehört dem Tag und dem Licht an, und hat deshalb nicht nötig, durch „Zeit und Zeiten“ oder durch die „Zeichen der Zeit,“ geleitet zu werden. Solche Dinge beziehen sich nur auf diejenigen, welche in die Schrecken „des Tages des Herrn“ verwickelt werden, und keineswegs auf diejenigen, welche es mit dem „Morgenstern“ zu tun haben – auf diejenigen, welche vor der Offenbarung dieses „Tages“ Christus, als ihrem Bräutigam in der Luft begegnen werden.

Es muss jedem nachdenkenden Christen augenscheinlich sein, dass die Erscheinung des Morgensterns und die Offenbarung des vollen Glanzes der Sonne nicht ein und dieselbe Sache sein können. Der Unterschied zwischen dem Kommen eines Bräutigams zu einer ihn erwartenden Braut, und dem Hereinbrechen eines Diebes in ein Haus, deren Bewohner berauscht oder schlafend sind, ist gewiss sehr auffallend. Und ebenso sehr sind die zwei Erscheinungen der Ankunft Christi von einander verschieden. „Denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn also kommt, wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen werden: Friede und Sicherheit! – dann kommt ein plötzliches Verderben auf sie, wie die Geburtswehe auf die Schwangere, und sie werden nicht entfliehen“ (V 2–3). Es heißt: „Wenn sie“ und nicht ihr, „auf sie“ und nicht auf euch. Diese Verse sind besonders feierlich, und sind ganz und gar dazu berechnet, in einem weltlichen Herzen Furcht zu erwecken. Und in der Tat ist das Erscheinen eines Diebes ebenso furchterregend, wie das Kommen eines Bräutigams anziehend und lieblich ist. Diese zwei Dinge sind so bezeichnend, wie sie nur sein können; und sie können nicht vermengt werden, ohne dass das Herz eines Heiligen großen Schaden leidet.

Es scheint nun, als wenn die Thessalonicher durch Vermengung beider Wahrheiten ein wenig gelitten hätten. Ihre erste Furcht war, dass ihre dahingeschiedenen Brüder keinen Anteil an der Freude der Wiederkehr Christi haben möchten; und als sie über diesen Punkt belehrt worden waren, so lag die Gefahr nahe, in einen anderen Irrtum zu fallen, dass sie nämlich am Ende doch noch in die Schrecken, welche „den Tag des Herrn“ begleiten sollten, mit hineingezogen würden. Dieser letztere Gedanke ist in dem zweiten Brief ausführlich behandelt und klar auseinandergesetzt; und in der Art und Weise der Auseinandersetzung tritt uns, wo möglich, eine noch völligere und deutlichere Darstellung der doppelten Erscheinung der Ankunft entgegen. Er sagt: „Wir bitten euch aber, Brüder, um der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus willen, und unserer Versammlung zu Ihm, dass ihr nicht schnell in eurer Gesinnung erschüttert noch bestürzt werdet, weder durch Geist, noch durch Wort, noch durch Brief als von uns, als ob der Tag des Herrn da sei“ (Kap 2,1–2). Hier sind die beiden Dinge in einen direkten Gegensatz gestellt, und die Heiligen werden auf Grund ihres Anteils an den Freuden seiner herrlichen Ankunft ermahnt, nicht zu befürchten, dass sie in die Schrecken des Tages verwickelt würden. Dies ist sehr entscheidend. Das Kommen des Herrn ist die Hoffnung der Versammlung; den Tag des Herrn aber hat die Welt zu fürchten. Ersteres wird die Vollendung der Freude des Heiligen sein; Letzteres aber die Totenglocke des Glücks des Weltlings.

„Der Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb in der Nacht.“ Es ist nie gesagt, dass der Morgenstern wie ein Dieb in der Nacht kommen wird. Wohl ist es wahr, dass der Herr zu dem Engel der Versammlung zu Sardes sagt: „Wenn du nun nicht wachen wirst, werde ich wie ein Dieb über dich kommen; und du wirst nicht wissen, um welche Stunde ich über dich kommen werde;“ (Off 3,3) aber diese Stelle ist weit entfernt, irgend eine Schwierigkeit darzubieten. Sie gibt uns im Gegenteil eine starke Bestätigung der Wahrheit, welche wir hervorgehoben haben. Die Versammlung zu Sardes hatte den Namen, dass sie lebte, und war tot. Sie war tief gesunken, und der Welt gleichförmig geworden, und deshalb vergegenwärtigt ihnen der Herr auch jene Erscheinung seiner Ankunft, welche eigentlich der Welt angehörte. Wenn sich die Versammlung mit der Welt eins macht, so muss sie auch erwarten, mit dem Teil der Welt bedroht zu werden. Wenn Lot nach Sodom hinabgeht, so muss er auch an dem Wehe Sodoms Teil nehmen. Jedoch wissen wir sehr wohl, dass die Versammlung Christus nicht als einen Dieb zu erwarten hat. „Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb ergreife.“

(V 4) Wir gehören dem Tag an; wenn wir aber durch Unwissenheit oder Untreue unsere eigentliche Stellung verlassen, so können wir nicht vom Geist erwarten, dass Er uns mit der wahren Hoffnung beleben sollte. Wenn wir zur Gleichförmigkeit der Welt hinabsinken, so werden wir auch von dem Aussichtspunkt der Welt die Zukunft betrachten. 1 „Denn ihr seid alle Söhne des Lichts und Söhne des Tages; wir sind nicht von der Nacht, noch von der Finsternis. So lasst uns denn nicht schlafen, wie auch die Übrigen, sondern wachen und nüchtern sein. Denn die, welche schlafen, schlafen des Nachts, und die, welche trunken sind, sind des Nachts trunken. Wir aber, die von dem Tag sind, lasst uns nüchtern sein, angetan mit dem Brustharnisch des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung der Seligkeit. Denn Gott hat uns nicht zum Zorn gestellt, sondern zur Erlangung der Seligkeit, durch unseren Herrn Jesus Christus“ (V 5–9).

Dies ist unsere wahre Stellung und unsere wahre Hoffnung. Auch lasst uns daran denken, dass unser Zusammenleben mit Christus nicht von unserem Wachen abhängig gemacht ist – wäre es so, dann würden wir sicherlich fallen – sondern es ist auf die Tatsache gegründet, dass Christus für uns gestorben ist. Sein Sterben für uns sichert unser Leben mit Ihm – sogar wenn wir in unserer Wachsamkeit fehlen sollten.

Es ist gesegnet, dieses zu wissen. Es offenbart uns auf eine köstliche Weise die Gnade dessen, mit dem wir es zu tun haben, dessen Opfertod unsere Vereinigung mit Ihm in der ewigen Herrlichkeit, auf welche Er und seine Heiligen jetzt warten, für immer sicher stellt. Und durch diese gnadenreiche Versicherung, und nicht durch irgend ein Gefühl von Furcht oder Ungewissheit, wollte der gesegnete Geist eine wachsame Stellung in der Seele hervorrufen. Und es ist gewiss, dass ein Herz, welches eine solche Wahrheit benutzen könnte, um nicht wachsam zu sein, in der Tat nur sehr wenig von der wahren Gnade und Herrlichkeit versteht. Ein Solcher würde sagen: „Lasst uns sündigen, damit die Gnade umso überströmender werde.“

Zum Schluss will ich noch daran erinnern, dass der Apostel seine Aussicht auf diese zweifache Erscheinung der Ankunft Christi mit ein und derselben köstlichen Ermahnung schließt: „So ermuntert euch mit diesen Worten.“

Fußnoten

  • 1 Es ist auch wohl zu beachten, dass hier in der Offenbarung des Johannes die Versammlung nicht als der Leib Christi dargestellt wird; wir haben dort die bekennende Kirche auf der Erde, die unter Verantwortlichkeit steht.
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