Der Prophet Sacharja

Kapitel 14

Der Prophet Sacharja

Jerusalem, die heilige Stadt

„Siehe, ein Tag kommt für den HERRN, da wird deine Beute in deiner Mitte verteilt werden. Und ich werde alle Nationen nach Jerusalem zum Krieg versammeln; und die Stadt wird eingenommen und die Häuser werden geplündert und die Frauen vergewaltigt werden; und die Hälfte der Stadt wird in die Gefangenschaft ausziehen, aber das übrige Volk wird nicht aus der Stadt ausgerottet werden“ (14,1.2).

Hier beschreibt Sacharja die erste Belagerung Jerusalems, während die zweite Belagerung im dritten Vers beschrieben wird. Auch Joel hat diesen Tag beschrieben, der ihm den Ausruf entlockt: „Ach über den Tag“ (Joel 1,15)! Aber Gott erbarmt sich über den Überrest und wird ihn trotz der Anläufe des Antichristen und des mit ihm verbündeten Römischen Weltreiches bewahren. Sein Arm ist nie zu kurz, um nicht auch in den schwierigsten Umständen zu helfen. Mag Satan und sein Heer wüten, Gott lacht und spottet seiner. Warum trifft solche Züchtigung die Stadt Jerusalem? Weil sie wider besseres Wissen ihren König und Messias umgebracht hat. So wird sie die Rache Gottes zu spüren bekommen, denn womit man sündigt, damit wird man gestraft. Wer könnte ungestraft den Augapfel Gottes antasten?

Wir möchten nochmals bemerken, dass es sich im Buch Sacharja nicht um die zweite Hälfte der 70.  Jahrwoche Daniels handelt, sondern wirklich um den letzten Tag, den größten der Drangsal Jakobs, den Tag der Befreiung und des Segens.

Sacharja beschäftigt sich auch nicht mit dem Römischen Tier, von dem im Alten Testament nur als von dem vierten Weltreich die Rede ist, aber nirgends in direkter Beziehung zu Jerusalem. Das finden wir erst in dem Buch der Offenbarung. In Sacharja, wie überhaupt im Alten Testament, ist der Bedränger der Assyrer oder der König des Nordens die „überflutende Geißel“ (Jes 28,15). Sanherib, Antiochus IV Epiphanes sind Vorbilder hiervon.

„Und der HERR wird ausziehen und gegen jene Nationen kämpfen, wie an dem Tag, da er kämpft, an dem Tag der Schlacht“ (14,3).

Der König des Nordens wird nach Ägypten ziehen und von dort zurückkehren. Bei diesem Durchzug wird er Jerusalem erneut belagern, aber er wird es nicht einnehmen. Gott streitet für Jerusalem und wird den Feind, der sich mit vielen Völkern verbunden hatte, vertilgen.

„Und seine Füße werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem im Osten liegt; und der Ölberg wird sich in der Mitte spalten, nach Osten und nach Westen hin, zu einem sehr großen Tal, und die Hälfte des Berges wird nach Norden und seine andere Hälfte nach Süden weichen“ (14,4).

Das wird die Erfüllung des Zeugnisses der zwei Engel sein, die die Jünger, als der Herr von ihnen weg in den Himmel fuhr, trösteten mit den Worten: „Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird ebenso kommen, wie ihr ihn habt auffahren sehen in den Himmel“ (Apg 1,11). Große geologische Veränderungen werden die Wiederkunft des Herrn kennzeichnen. Der Ölberg wird sich spalten und ein gewaltiges Erdbeben wird dieses Ereignis begleiten. „Von dem HERRN der Heerscharen wird sie heimgesucht werden mit […] Erdbeben“ (Jes 29,6). Auch der Herr selbst spricht in Matthäus davon: „Erdbeben werden an verschiedenen Orten sein“ (Mt 24,7). Das gleiche Kapitel sagt uns, dass es in dieser Zeit einen Überrest in Jerusalem geben wird. Es ist leicht vorstellbar, dass solch gewaltige Ereignisse großen Schrecken unter den Menschen hervorrufen werden.

„Und ihr werdet in das Tal meiner Berge fliehen, und das Tal der Berge wird bis Azel reichen; und ihr werdet fliehen, wie ihr vor dem Erdbeben geflohen seid in den Tagen Ussijas, des Königs von Juda“ (14,5a).

Was nützt es, in das Tal der Berge zu fliehen? Kann man Gottes Gerechtigkeit entfliehen? Selbst wenn sie bis an das Ende der Erde fliehen würden, Gott wird sie doch finden und herbeibringen. Das „Tal seiner Berge“ ist das Tal des Gerichts. Es wird ein großes Gericht sein, denn es reicht bis Azel. Es würde einen großen Einfluss auf unser Leben haben, wenn wir uns mehr mit den göttlichen Dingen beschäftigen würden. Denn was könnte uns mehr von den vergänglichen Dingen weglenken, als die Beschäftigung mit der Prophetie? Sie zeigt uns das Ende alles Diesseitigen, alles dessen, was nicht bestehen wird. Sie führt uns aber auch das Bleibende und Unerschütterliche vor.

„Und kommen wird der HERR, mein Gott, und alle Heiligen mit dir“ (14,5b).

Der Überrest braucht nicht zu fliehen. Ob außerhalb oder innerhalb der Stadt, er ist geborgen in den Armen des Allmächtigen. „Kein Haar von eurem Haupt wird verloren gehen.“, das ist die klare, unzweideutige Zusage des Herrn (Lk 21,18). Der Herr wird kommen und sich in Zion auf seinen Thron setzen und sein Reich aufrichten. Alle Heiligen werden Ihn begleiten und seine Herrlichkeit und seine Macht mit Ihm teilen. Das Kommen des HERRN ist das Ende der Drangsalszeit und der Beginn der Zeit des Segens und der Wohlfahrt.

Diese Herrlichkeit aber will der Herr mit den Seinen teilen. Deshalb kommt Er nicht alleine, sondern mit allen Heiligen.

„Und es wird geschehen an jenem Tag, da wird kein Licht sein; die Gestirne werden sich verfinstern. Und es wird ein Tag sein (er ist dem HERRN bekannt), nicht Tag und nicht Nacht; und es wird geschehen zur Zeit des Abends, da wird es Licht sein“ (14,6.7).

Wie am Tag der Kreuzigung des Herrn wird sich der Himmel verfinstern und tiefe Dunkelheit den Erdkreis bedecken. Zwar hat Dunkelheit immer den Erdkreis bedeckt, aber Gott gefiel es, in diese Finsternis hinein den Lichtglanz seines Evangeliums leuchten zu lassen. Aber die Welt hat das Licht nicht begehrt und die Folge war, dass die Welt in noch tiefere Finsternis stürzte, zunehmend bis zum Tage der Erscheinung des Herrn. Wann dieser Tag sein wird, ist nur Gott allein bekannt. Doch zeigt er uns, dass gegen Abend, gegen Ende der großen Drangsalszeit Licht wird. Licht gerade dann, da die größte Finsternis zu erwarten gewesen wäre. Jesaja kündet dies mit den Worten an: „Steh auf, leuchte; denn dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit des HERRN ist über dir aufgegangen! Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völkerschaften; aber über dir strahlt der HERR auf, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und Nationen wandeln zu deinem Licht hin, und Könige zum Glanz deines Aufgangs“ (Jes 60,1-3). Wie unendlich groß ist doch das Erbarmen Gottes! Welch ein Mitgefühl hat Er mit seinen verführten und verirrten Geschöpfen! Sein Plan und Ratschluss war von jeher, diesem Zustand ein Ende zu bereiten. Er kann es jetzt tun, ohne dass seiner Herrlichkeit und Gerechtigkeit Abbruch getan würde, denn Christus hat durch sein Sterben, seinen sühnenden Tod alles hinweggetan, was durch die Sünde zwischen den Schöpfer, seine Geschöpfe und die Schöpfung selbst gekommen ist. So ist die Möglichkeit gegeben, dass es jetzt Licht werden kann. Gott hat alles getan, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, in seinen Wegen zu gehen, aber er hat immer versagt. Nun aber kann Gott auf Grund der Gnade Neues schaffen, etwas, das Ihm völlig entspricht und Ihn wieder Wohlgefallen an seiner Schöpfung finden lässt.

„Und es wird geschehen an jenem Tag, da werden lebendige Wasser aus Jerusalem fließen, zur Hälfte zum östlichen Meer und zur Hälfte zum hinteren Meer; im Sommer und im Winter wird es geschehen“ (14,8).

Hat nicht Christus zu der samaritischen Frau am Jakobsbrunnen gesagt: Ich werde dir „lebendiges Wasser“ zu trinken geben (Joh 4,10)? Das Wasser war für eine dürstende Seele, aber es kommt der Tag, dass dieser Brunnenquell des Lebens von allen Menschen fließen und getrunken und genossen werden wird. Und diese Quelle wird Jerusalem sein, d. h. Ströme des lebendigen Wassers werden fließen von dem, der dort seinen Thron aufgerichtet hat und der nun Herrscher über den ganzen Erdkreis sein wird. Das „lebendige Wasser“ ist die segenbringende Kraft des Heiligen Geistes. Aber Mittelpunkt dieser Weltherrschaft wird das heute verachtete und zerrissene Jerusalem sein, denn drei Ideologien streiten dort um ihre Vormachtstellung und auf dem Tempelplatz schändet immer noch eine mohammedanische Moschee die von Gott erwählte Stätte seines Tempels. Nun aber fließen ungehemmt die Ströme lebendigen Wassers von Jerusalem aus, eingedenk des Wortes: „Das Heil ist aus den Juden“ (Joh 4,22), denn aus Juda ist unser Herr und Erlöser dem Fleisch nach hervorgegangen. Keine Hitze des Sommers wird diesen Segensstrom versiegen und keine Kälte des Winters ihn erstarren lassen.

„Und der HERR wird König sein über die ganze Erde; an jenem Tag wird der HERR einer sein und sein Name einer“ (14,9).

Es erfüllt das Herz eines Gläubigen mit tiefer Genugtuung, wenn man weiß, dass der geschmähte, verachtete, verworfene und gekreuzigte König nun doch noch zu seinem Recht kommt: anerkannter Herrscher und König über die ganze Erde. Der HERR wird einer sein, d. h. kein anderer Gott wird mehr auf dem weiten Erdkreis verkündigt werden und kein anderer Name als Quelle des Heils gepriesen sein, als der Name Jesus allein.

„Das ganze Land wird sich umwandeln wie die Ebene, von Geba bis Rimmon, das südlich von Jerusalem liegt; und Jerusalem wird erhaben sein und an seiner Stätte wohnen, vom Tor Benjamin bis zur Stelle des ersten Tores und bis zum Ecktor, und vom Turm Hananel bis zu den Keltern des Königs. Und man wird darin wohnen, und kein Bann wird mehr darin sein; und Jerusalem wird in Sicherheit wohnen“ (14,10.11).

Kein Land der Erde weist solch tiefe Einschnitte auf wie Israel. Das Tote Meer liegt 394 Meter unter dem Meeresspiegel, eine geologische Kuriosität. Aber Gott wird es zu seiner Zeit zur Ebene machen. Das „Tote Meer“ und alles, was leblos ist, wird nicht mehr sein. Die Neuschöpfung kennt nur Leben und Fruchtbarkeit. Keine Katastrophe, keine Epidemie, keine Krankheit, keine Dürre wird mehr über Juda und Jerusalem kommen. Es wird in völliger Sicherheit wohnen. Keine Kriegs-Psychose wird mehr die Gemüter im Bann halten, wie das heute bei allen Völkern der Erde der Fall ist. Vor keiner „Großmacht“ braucht Jerusalem sich mehr zu fürchten. Es wird seine erhabene Stellung aber nicht einbüßen, denn der HERR wohnt in ihr. Das Wort aus Kapitel 2,8 wird erfüllt sein, dass Jerusalem als offene Stadt bewohnt werden wird, wegen der Menge der Menschen.

„Und dies wird die Plage sein, womit der HERR alle Völker plagen wird, die gegen Jerusalem Krieg geführt haben: Er wird eines jeden Fleisch verwesen lassen, während er auf seinen Füßen steht, und seine Augen werden verwesen in ihren Höhlen, und seine Zunge wird in seinem Mund verwesen“ (14,12).

So herrlich die Stellung Jerusalems sein wird, so furchtbar ist das Gericht über die Nationen, die Israel verfolgt haben. Ihr Fleisch, das nur daran dachte, sich selbst zu sättigen und zu pflegen, wird verwesen und mit ihrem Gestank die Erde erfüllen. Ihre Füße, die sich weigerten, auf Gottes Wegen zu gehen, tragen nur noch einen verwesenden, sich selbst verzehrenden Leib. Ihre Augen, die nur daran dachten, ihre Lust zu befriedigen, versinken in ihren Höhlen in Moder, und ihre Zungen, die es ablehnten, den HERRN zu preisen, verwesen bei lebendigem Leib in ihrem Munde. Wir mögen ausrufen: Wie furchtbar, o Gott, sind Deine Gerichte! Aber wie oft und eindringlich hat Gott durch die Jahrhunderte hindurch seine warnende Stimme erhoben, hat eingeladen, seine dargebotene Rettung zu ergreifen, aber sie haben nicht gewollt. Trifft Gott ein Vorwurf, der es so gut mit den Menschen meinte? Heute noch ergeht sein Gnadenruf: „Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2. Kor 5,20). Hast du schon gewählt, Gnade oder Plage? O bedenke, mit der Gnade lässt sich nicht spielen, und jedes Ablehnen derselben heißt sie verspotten. Gott aber lässt sich nicht spotten (Gal 6,7). Er ist dem, der Ihn verachtet, ein heiliger und eifernder Gott.

„Und es wird geschehen an jenem Tag, da wird eine große Verwirrung von dem HERRN unter ihnen entstehen; und sie werden einer die Hand des anderen ergreifen, und eines jeden Hand wird sich gegen die Hand seines Nächsten erheben“ (14,13).

Das Gericht lässt denn auch nicht auf sich warten und es wird alle treffen, die sich gegen Jerusalem ereifert haben. Es mochte so aussehen, dass der Assyrer und alle Nationen, die mit ihm sind, von dem gleichen fanatischen Hass gegen Gottes Volk beseelt waren, unüberwindlich sei. Daniel aber sagt uns: „Er wird seine Palastzelte aufschlagen zwischen dem Meer und dem Berg der heiligen Zierde. Und er wird zu seinem Ende kommen, und niemand wird ihm helfen“ (Dan 11,45). So wird es immer sein: wer sich weigert, die Hilfe des HERRN anzunehmen, wird früher oder später ohne Hilfe sein, „niemand wird ihm helfen“. Zudem wird Gott eine große Verwirrung, gleich der Verwirrung in Babel, über die Gottlosen kommen lassen, so wie wir es auch in der Christenheit finden, die das ihr anvertraute Gut nicht bewahrte und ein Babylon geworden ist. Wenn es auch eine große, starke Stadt geworden ist, muss Gott doch ein doppeltes „Wehe, wehe!“ über dasselbe ausrufen (Off 18,10). Das Furchtbarste aber an dieser Verwirrung ist, dass einer die Hand gegen die Hand des Nächsten erhebt, einer gegen alle und alle gegen einen, sich gegenseitig zerfleischend. Furchtbares Ende menschlichen Eigenwillens!

„Und auch Juda wird in Jerusalem kämpfen; und der Reichtum aller Nationen ringsum wird gesammelt werden: Gold und Silber und Kleider in großer Menge. Und ebenso wie diese Plage wird die Plage der Pferde, der Maultiere, der Kamele und der Esel und allen Viehs sein, das in jenen Heerlagern sein wird“ (14,14.15).

Nach den Gedanken Gottes wird der Reichtum der Erde dem Volk Israel zufallen, denn Er will, dass sein Volk geehrt und geachtet sein soll vor allen Nationen. Die Welt und zum größten Teil auch die Christenheit sind antisemitisch eingestellt und sind daher nicht in der Lage, sich die Gedanken Gottes über sein Volk anzueignen. Das aber wird sich rächen, und Gott selbst wird dafür sorgen, dass Israel das Haupt sein wird. Wie war es beim Auszug Israels aus Ägypten? Sie zogen aus mit reichen Schätzen aller Art, die Ägypten ihm willig und freiwillig mitgab. Heute steht Israel vor einem neuen Auszug. Auch jetzt wird es nicht leer in sein Land, das Land der Väter, zurückkehren. Ist es doch eine bekannte Tatsache, dass der größte Reichtum der Welt sich in den Händen der Juden befindet. Allerdings wird die Masse der Juden dem Antichrist huldigen und sie werden mit ihm und mit ihrem Reichtum untergehen. Der wahre Reichtum ist Jesus Christus und ohne Ihn hat nichts Bestand auf dieser Welt.

„Und es wird geschehen, dass alle Übriggebliebenen von allen Nationen, die gegen Jerusalem gekommen sind, Jahr für Jahr hinaufziehen werden, um den König, den HERRN der Heerscharen, anzubeten und das Laubhüttenfest zu feiern“ (14,16).

Wir sehen hier, dass, wie es unter den Juden einen treuen, gläubigen Überrest geben wird, so auch unter den Nationen. Sie ziehen von Jahr zu Jahr hinauf, um das Laubhüttenfest zu feiern und den Gott Israels anzubeten. Diese haben erkannt, dass der Tempel in Jerusalem die Stätte der Anbetung ist. Auch sind sie ja dem Volk Israel untergeordnet. Die absolute Herrschaft der Gerechtigkeit Gottes bedingt, dass jedes Unterlassen sofort bestraft wird. Es ist allerdings zu bemerken, dass die Menschen in jenen Tagen entgegen der heutigen Trägheit und Lauheit durchaus willig sein werden, den Wünschen und Geboten des HERRN mit Freuden zu entsprechen.

„Und es wird geschehen, wenn eines von den Geschlechtern der Erde nicht nach Jerusalem hinaufziehen wird, um den König, den HERRN der Heerscharen, anzubeten: Über dieses wird kein Regen kommen; und wenn das Geschlecht Ägyptens nicht hinaufzieht und nicht kommt, so wird der Regen auch nicht über dieses kommen. Das wird die Plage sein, womit der HERR die Nationen plagen wird, die nicht hinaufziehen werden, um das Laubhüttenfest zu feiern. Das wird die Strafe Ägyptens und die Strafe aller Nationen sein, die nicht hinaufziehen werden, um das Laubhüttenfest zu feiern“ (14,17-19).

Gott legt großen Wert auf eine allgemeine und umfassende Anbetung am Laubhüttenfest. Ist es doch die Erinnerung daran, dass Gott sein Volk aus der Knechtschaft Ägyptens befreit und im verheißenen Land zur Ruhe gebracht hat. Das gilt nicht nur für Israel, sondern auch für die Nationen, denn in jenen Tagen werden sie sich alle der Freiheit in Christus Jesus rühmen können. So kann das Hinaufziehen nach Jerusalem kein bitteres „Muss“ sein, sondern ein fröhliches, glückliches Bedürfnis, dem Herrn das Lob- und Dankopfer darzubringen, das Er zu empfangen wert und würdig ist. Israel und die Nationen werden wetteifern, dem Herrn den Tribut darzubringen, der Ihm als König der ganzen Erde gebührt. Gott selbst wacht darüber und jedem, der in der Darbietung lässig geworden ist, entzieht Gott den Regen. Ohne Regen zu sein aber bedeutet, keine Ernte zu haben und keine Ernte ist Hungersnot. Es ist aber wohl anzunehmen, dass dies sehr selten vorkommen wird.

Dies alles ist sowohl wörtlich als auch geistlich zu verstehen. Es ist auch heute so, wer aus Nachlässigkeit die Stunden der Anbetung versäumt, wird seine Seele mit Magerkeit sehr bald erfüllen. Ägypten wird besonders genannt. Es hatte wohl auch eine besondere Verantwortlichkeit und Gott schaut in ihm die Nationen in ihrer Gesamtheit.

„An jenem Tag wird auf den Schellen der Pferde stehen: Heilig dem HERRN. Und die Kochtöpfe im Haus des HERRN werden sein wie die Opferschalen vor dem Altar; und jeder Kochtopf in Jerusalem und in Juda wird dem HERRN der Heerscharen heilig sein; und alle Opfernden werden kommen und von ihnen nehmen und darin kochen. Und es wird an jenem Tag kein Kanaaniter mehr im Haus des HERRN der Heerscharen sein“ (14,20.21).

Welch ein herrlicher, wunderbarer Zustand wird das sein, wenn der Mensch und alles, was ihm gehört, dem HERRN geweiht sein wird. Selbst auf den profanen Geräten wie Kochtöpfen, Schellen der Rosse usw. wird „Heilig dem HERRN!“ stehen. Die Schechina-Wolke, die Wolke der Herrlichkeit, die Wohnung Gottes, wird sich gleichsam auf die Erde senken und die Gegenwart des HERRN wird die ganze Erde erfüllen. Alle Welt muss wissen, was Israel für Gott ist und was der HERR in sich selbst ist. Gott ist heilig und Israel ist seine heilige Wohnung. Er wohnt jetzt nicht in der Stiftshütte, auch nicht im Tempel. Jerusalem und Juda wird seine Wohnstätte sein. Im Alten Bund wohnte Gott allein in der Schechina-Wolke. Nur einmal durfte Mose in dieselbe eintreten (2. Mo 24,18). Auf dem Berg der Verklärung umschattete die Wolke Mose und Elia (Lk 9,34). Im neuen Bund aber ist die ganze Brautgemeinde die Wohnung des Herrn. Kostbare und herrliche Tatsache! So wie heute nur solche zur Wohnung Gottes gehören können, die durch Wasser und Geist wiedergeboren sind, so wird auch am Ende der Tage kein Kanaaniter, kein Unbeschnittener Teil am Reich Gottes haben. Das Wort Gottes weist uns an: „wie der, der euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr heilig in allem Wandel!“ (1. Pet 1,15).

Das ist im Grund der Endzweck aller Prophetie. Sie zieht unsere Herzen zu Christus. Sie zeigt uns den wahren Charakter der Welt. Sie redet zu unseren Gewissen und sondert uns von aller Art des Bösen ab. Sie belebt unsere Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit.

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