Der Prophet Sacharja

Kapitel 8

Der Prophet Sacharja

Zukünftige Segnung Jerusalems

„Und das Wort des HERRN der Heerscharen geschah, indem er sprach: So spricht der HERR der Heerscharen: Ich eifere für Zion mit großem Eifer, und mit großem Grimm eifere ich für es. So spricht der HERR: Ich kehre nach Zion zurück und will inmitten Jerusalems wohnen; und Jerusalem wird ‚Stadt der Wahrheit' genannt werden und der Berg des HERRN der Heerscharen ‚der heilige Berg'“ (8,1-3).

Der Herr wird nach Zion zurückkehren und in Jerusalem wohnen; das ist das dritte Wort, das der HERR an Sacharja richtet. Kapitel 7 schloss mit dem tragischen Ausspruch: „Sie machten das Land zu einer Wüste“. Jetzt wohnt der HERR selbst in der Stadt. Was für eine Wendung! Worin liegt die Ursache für diese Wendung? Wir können das in einem Wort zusammenfassen: Gnade!

Mochte das Land verwüstet, die Stadt zerstört sein, an den Gnadenratschlüssen Gottes ändert das ganz und gar nichts. Ja, Jerusalem soll sogar die „Stadt der Wahrheit“ genannt werden. Bedenken wir, dass der Herr von sich selbst gesagt hat „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Jetzt nimmt Er seinen Wohnsitz inmitten der Stadt ein. Da ist es selbstverständlich, dass diese Stadt „Stadt der Wahrheit“ genannt wird. Es ist offensichtlich, dass eine tiefe Reue und Umkehr vorausgegangen ist, auf die eine völlige Erneuerung und Wiedergeburt folgte. Auf einem anderen Boden hätte der HERR der Herrlichkeit nicht segnen können. Gott selbst hatte in Gnaden Jerusalem heimgesucht, denn Er hatte die Stadt erwählt, um daselbst seinen Namen wohnen zu lassen. Auch für Jerusalem bewahrheitet es sich, dass da, „wo die Sünde überströmend geworden ist, die Gnade noch überreichlicher geworden ist“. War der Zorn Gottes über Jerusalem groß, denn ihre Sünde war groß, so sind seine Treue und seine Gnade noch größer, wenn Umkehr vorhanden ist.

Noch heute ist Israel wie damals von Gott entfremdet, aber Gott wird seine Absichten dennoch ausführen und zum Ziel bringen. Seine Zusagen und Verheißungen sind unbereubar. Schon im ersten Kapitel hatten wir gelesen: „Ich habe mit großem Eifer für Jerusalem und für Zion geeifert ... Ich habe mich Jerusalem mit Erbarmen wieder zugewandt; Mein Haus ... soll darin gebaut, und die Messschnur für Jerusalem gezogen werden.“ Worin dieser Eifer Gottes und sein Erbarmen besteht, zeigt uns dieses Kapitel. Es ist eines der reichhaltigsten Kapitel des ganzen Buches. Es weist uns hin auf die letzten Tage. Dann wird Jerusalem glorreich wiedererstehen und der gesegnete Mittelpunkt aller Völker der ganzen Erde sein.

Das Kapitel lässt sich in 8 Teile aufteilen, die wir kurz auflisten möchten:

  1. Vers 1-3: Der HERR und Messias, Jesus Christus, wohnt in Jerusalem.
  2. Vers 4-6: Jerusalem ist ein Wunder vor aller Augen.
  3. Vers 7-8: Israel wird gesammelt sein.
  4. Vers 9-12: Frieden, Wohlfahrt und Ruhe wird das Teil Jerusalems sein.
  5. Vers 13-15: Verwandlung des Fluches in Segen.
  6. Vers 16-17: Ein neues Gebot.
  7. Vers 18-19: Fastenzeit und Festzeit.
  8. Vers 20-23: Auch die Nationen werden gesegnet sein.

Jerusalem wurde nicht immer „Stadt der Wahrheit“ genannt. In den Klageliedern lesen wir: „Jerusalem hat schwer gesündigt, darum ist sie wie eine „Unreine“ geworden (Klgl 1,8.17). Der Prophet Jesaja geht noch weiter und sagt: „Wie ist sie zur Hure geworden, die treue Stadt! Sie war voll Recht, Gerechtigkeit weilte darin, und jetzt Mörder!“ (Jes 1,21). Johannes, der neutestamentliche Seher nennt sie „Sodom und Ägypten“ (Off 11,8). Welch eine Wandlung ist mit Jerusalem vorgegangen: Ja, der Herr spricht: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Off 21,5).

„So spricht der HERR der Heerscharen: Es werden noch Greise und Greisinnen in den Straßen von Jerusalem sitzen, jeder mit seinem Stab in seiner Hand vor Menge der Tage. Und die Straßen der Stadt werden voll sein von Knaben und Mädchen, die auf ihren Straßen spielen. So spricht der HERR der Heerscharen: Wenn es wunderbar ist in den Augen des Überrestes dieses Volkes in jenen Tagen, wird es auch in meinen Augen wunderbar sein?, spricht der HERR der Heerscharen“ (8,4-6).

Hier haben wir ein wunderbares Bild von Ruhe und Frieden! Alles atmet Glückseligkeit und Freude. Wenn man nun bedenkt, in was für einem furchtbaren und moralischen und religiösen Verfall Jerusalem war, so denkt man unwillkürlich: „Was für ein Wunder!“ So wird das Eingreifen der Gnade Gottes am Ende der Tage in den Herzen des Überrestes den gleichen Ausruf aus ihren Herzen entlocken: „Wie wunderbar, wie wunderbar!“ Gott sieht dies voraus, aber erwähnt sogleich seine unerschütterliche und unvergleichliche Allmacht: „Wird es auch in meinen Augen wunderbar sein?“ Sein Arm ist auch heute nicht zu kurz, zu retten. Diese Zusicherung kann uns Mut und Ausharren geben auf dem Weg, den wir gehen! Nicht mehr lange und wir werden am Ziel sein, wo sich vor unseren Augen die wunderbaren Wege des Herrn mit uns, seinem himmlischen Volk, voll entfalten werden. Das wird anbetendes Staunen hervorrufen!

„So spricht der HERR der Heerscharen: Siehe, ich werde mein Volk aus dem Land des Aufgangs und aus dem Land des Untergangs der Sonne retten; und ich werde sie herbeibringen, und sie werden inmitten Jerusalems wohnen; und sie werden mein Volk, und ich werde ihr Gott sein in Wahrheit und in Gerechtigkeit“ (8,7.8).

Heute noch ist das Volk Israel unter alle Völker zerstreut. Das ist ein unleugbarer Beweis von der Wahrheit des göttlichen Wortes, den bis heute kein Philosoph und kein Weiser dieser Welt widerlegen konnte. Israel wird nicht zerstreut bleiben. Gott selbst wird sich seines Volkes erbarmen und es wieder sammeln. Der Aufenthalt der zehn „verlorenen“ Stämme ist uns unbekannt, Gott aber kennt ihn und Er wird seine Engel senden, um sie aus dem Osten und aus dem Westen in das Land der Väter zurückzuführen. Er wird sie nicht nur sammeln, Er wird auch in ihrer Mitte wohnen. Der Prophet Jeremia sagt uns, dass Gott „Fischer senden wird, dass sie sie fischen“. Er wird auch „Jäger senden, dass sie sie jagen“ (Jer 16,16). Vielleicht kann man in dem Zionismus die Rolle des Fischers sehen und in dem Antisemitismus die Rolle der Jäger. Dies spielt sich heute schon vor unseren Augen ab, aber es ist nur ein Vorspiel, noch nicht die Sache selbst. In der großen Drangsalszeit wird Israel von neuem völlig zerstreut werden und erst nachher gehen diese Worte in ihrer vollen und restlosen Bedeutung in Erfüllung. Jesaja kleidet dieses Sammeln des Volkes in die Worte: „Und sie (die Nationen) werden alle eure Brüder aus allen Nationen dem HERRN als Opfergabe bringen, auf Pferden und auf Wagen und auf Sänften und auf Maultieren und auf Dromedaren, zu meinem heiligen Berg, nach Jerusalem, spricht der HERR“ (Jes 66,20).

Das wird „in Wahrheit und Gerechtigkeit“ geschehen. Das ist gerade das Gegenteil von dem, was von Israel in Sacharja 7,9.10 gesagt ist. Die Wiederherstellung Israels wird eine völlige und restlose sein. Was Gott tut, tut Er ganz. Er ist die Wahrheit und sein Volk wird in erneuertem Zustand dieser Wahrheit entsprechen. Es wird in Christus, der die Wahrheit ist, selbst Wahrheit sein. So ist es auch mit der Gerechtigkeit. Ungerechtigkeit wird im Land nicht mehr sein. Alles wird dem Wohlgefallen Gottes entsprechen und mit Wonne wird sein Auge auf dieser Neuschöpfung ruhen.

„So spricht der HERR der Heerscharen: Stärkt eure Hände, die ihr in diesen Tagen diese Worte aus dem Mund der Propheten hört, die an dem Tag waren, als der Grund des Hauses des HERRN der Heerscharen, des Tempels, gelegt wurde, um ihn zu erbauen! Denn vor diesen Tagen gab es keinen Lohn für die Menschen und keinen Lohn für das Vieh; und der Aus- und Eingehende hatte keinen Frieden vor dem Bedränger, und ich ließ alle Menschen gegeneinander los“ (8,9.10).

„Stärkt eure Hände!“ Gott hat es zu allen Zeitaltern nicht an Ermunterungen fehlen lassen. So ruft Er auch jetzt dem treuen Überrest, der gewillt ist, den Tempel des HERRN zu erneuern und die Stadt aus dem Schutt und den Trümmern wieder aufzubauen, zu: „Stärkt Eure Hände!“ Von den Gläubigen in Rom, die durch viele Drangsale gingen, heißt es, dass Gott sie stärkte im Glauben (Röm 4,20). So lange Gottes Zorn gegen Jerusalem gerichtet war, konnte von Segen und Lohn nicht die Rede sein. Aber Gott stand dem Überrest bei, weil sie mit Eifer für die Sache des HERRN eintragen. So erhielt auch der König Asa durch Asarja, auf den der Geist Gottes kam, das ermunternde Wort des HERRN: „Ihr aber seid stark und lasst eure Hände nicht erschlaffen! Denn es gibt Lohn für euer Tun“ (2. Chr 15,7). Dem Überwinder verheißt der Herr: „Euer Lohn ist groß in den Himmeln“ (Mt 5,12), und die Ankündigung seiner Wiederkehr verbindet Er mit der Zusicherung: „Ich komme bald und mein Lohn mit mir“ (Off 22,12).

Unfriede, Feindschaft und Hass sind immer die Kennzeichen des Unglaubens, des Verfalls und des Niedergangs. Diese Dinge wirken sich sogar auf die ganze Schöpfung aus. „Wir wissen“, schreibt Paulus an die Korinther, „... dass wir einen Bau von Gott haben, ein Haus nicht mit Händen gemacht, ein ewiges in den Himmeln“; und an die Römerschreibt er, „dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt“, aber „freigemacht werden wird.“ Dann wird Friede, Wohlfahrt, Liebe und Zuneigung den Erdkreis bedecken. „Sie werden den Krieg nicht mehr lernen“ (Jes 2,4).

„Nun aber will ich dem Überrest dieses Volkes nicht sein wie in den früheren Tagen, spricht der HERR der Heerscharen; sondern die Saat des Friedens, der Weinstock, wird seine Frucht geben, und die Erde wird ihren Ertrag geben, und der Himmel wird seinen Tau geben; und dem Überrest dieses Volkes werde ich das alles zum Erbteil geben“ (8,11.12).

„Nun aber!“ Alles ist verändert, und zwar zum Guten, zum Segen. Der Weinstock, der verdorrt war, bringt seine Frucht; die Erde, die verödet war, ihren Ertrag, und der Himmel gibt seinen Tau, alles in überströmender Fülle. Und all diese Herrlichkeit wird der HERR dem geben, der sich in der antichristlichen Zeit auf die Seite Gottes stellt, seine Gebote liebt und tut. Er wird das ganze Erbteil aus Gottes Hand empfangen. Welch ein herrlicher Lohn! Gott hat abgelassen von seinem berechtigten Zorn gegen ein gottloses Volk. Er hat dieses Volk begnadigt und ihm Frieden geschenkt. Das wird nur durch die Gnade, die in Christus Jesus ist, möglich sein. Ihm ist Israel als Erbteil gegeben und Er wiederum wird mit alles austeilen.

„Und es wird geschehen: Wie ihr, Haus Juda und Haus Israel, ein Fluch unter den Nationen gewesen seid, so werde ich euch retten, und ihr werdet ein Segen sein. Fürchtet euch nicht, stärkt eure Hände!“ (8,13).

Hier möchten wir wohl ausrufen: „Wie groß ist des Allmächtigen Güte!“ Wer könnte Fluch in Segen verwandeln? Nur Gott allein. Und Er wird es in Bezug auf sein Volk Israel tun. Dieses Volk, das heute ein Fluch für sich selbst und für die Nationen ist, wird ein Segen für alle Völker werden. Auch die kühnste Fantasie kann sich das nicht vorstellen, aber wir haben es eben nicht mit dem Können von Menschen zu tun, sondern mit Gott und seiner Allmacht. Das ermuntert uns, in allem Werk für den Herrn nicht lässig zu sein, sondern mit Eifer und Hingabe die Zeit auszukaufen, wissend, dass sein Kommen vor der Tür ist. So wird auch der Überrest an seinem Tag sich nicht fürchten, das angefangene Werk zu Ende zu führen und nicht ermüden.

„Denn so spricht der HERR der Heerscharen: Wie ich euch Böses zu tun gedachte, als eure Väter mich erzürnten, spricht der HERR der Heerscharen, und ich es mich nicht gereuen ließ, so gedenke ich in diesen Tagen Jerusalem und dem Haus Juda wieder Gutes zu tun. Fürchtet euch nicht“ (8,14.15)!

Gewiss, der HERR war mit Recht gegen Israel erzürnt gewesen. Es hat den Heiligen mit seinen Sünden herausgefordert. Wenn nun Gott das Volk gemäß seiner Gerechtigkeit gezüchtigt hätte, so hätte Ihm deswegen niemand zürnen können. Aber der bei Grundlegung der Schöpfung gemachte Entschluss, Israel Gnade widerfahren zu lassen, lässt den Heiligen und Gerechten Gedanken der Liebe und Güte fassen. Gott will nicht verderben. Er will retten! Er will Jerusalem Gutes tun. Er hat diesem Volk sein Herz zugewandt, weil es nach Ihm fragte und seine Gemeinschaft suchte. Jerusalem ist sich dessen wohl bewusst, was es Gott angetan hat, aber Gott ruft ihm zu: „Fürchte dich nicht!“

„Dies sind die Dinge, die ihr tun sollt: Redet die Wahrheit einer mit dem anderen; richtet der Wahrheit gemäß und fällt einen Rechtsspruch des Friedens in euren Toren; und sinnt keiner auf das Unglück des anderen in euren Herzen, und falschen Eid liebt nicht; denn dies alles hasse ich, spricht der HERR“ (8,16.17).

Wie sehr erinnern uns diese schlichten Worte an die Ermahnung des Apostels Johannes: „Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und wisst alles. Ich habe euch nicht geschrieben, weil ihr die Wahrheit nicht wisst, sondern weil ihr sie wisst, und dass keine Lüge aus der Wahrheit ist“ (1. Joh 2,20.21). Nun wird das vornehmste Gebot, einer den anderen höher zu achten als sich selbst und seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst, Tatsache. Aus eigener Kraft wären wir dazu nicht in der Lage, aber durch den Heiligen Geist ist uns eine neue Natur geworden, die des Christus ist. Diese Natur ist Wahrheit, wie Christus selbst die Wahrheit ist. Das ist ein glückliches Volk, das das Wohl und nicht das Unglück des anderen sucht. Auch falsche Eide, so viele es davon wohl in einer bösen Welt gegeben hat, wird es nicht mehr geben. Einer kann dem anderen rückhaltlos trauen und keiner wird sich beklagen können, hintergangen worden zu sein. Welch wunderbare Zeit wird das Reich des Christus sein! Was Gott hasst, werden auch die Seinen hassen. Was Er nicht liebt, wird keines der Seinigen sich wünschen. Dem Propheten Hesekiel wurde diesbezüglich folgende göttliche Botschaft zur Weitergabe an Israel übermittelt: „Ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von allen euren Unreinheiten und von allen euren Götzen werde ich euch reinigen. Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben“ (Hes 36,25.26). So wird in den Toren Jerusalems, in denen sich der Gerichtsort befand, kein Fehlurteil mehr ausgesprochen werden. Es werden gottgeschenkte Rechtssprüche des Friedens sein.

„Und das Wort des HERRN der Heerscharen erging an mich, indem er sprach: So spricht der HERR der Heerscharen: Das Fasten des vierten und das Fasten des fünften und das Fasten des siebten und das Fasten des zehnten Monats wird dem Haus Juda zur Wonne und zur Freude und zu fröhlichen Festzeiten werden. Doch liebt die Wahrheit und den Frieden“ (8,18.19).

Zum vierten Mal wendet sich der HERR an Sacharja, mit der tröstlichen Botschaft, dass alles Fasten in Freude verwandelt werden wird. Statt Jammer und Traurigkeit werden Jubel und Freude, statt Schmach und Verachtung werden Anerkennung und Wertschätzung das Teil der Gläubigen sein. Auch der Kirche ist Gleiches verheißen: Gott wird „jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen“ (Off 21,4). Die Wahrheit wird nicht nur ausgesprochen, weil man vielleicht muss, oder weil es nicht anders geht, nein, die Wahrheit wird geliebt werden. Die Seelen leben darin und freuen sich in der Wahrheit. Auch der Frieden wird nicht nur getätigt, er wird auch geliebt. Das ist die Atmosphäre, in der die Menschen leben werden. Ja, Gott ist ein Gott der Wahrheit und ein Gott des Friedens. Glücklich die Seele, die selbst in Christus zum Frieden gekommen ist!

„So spricht der HERR der Heerscharen: Noch wird es geschehen, dass Völker und Bewohner vieler Städte kommen werden; und die Bewohner der einen werden zur anderen gehen und sagen: ‚Lasst uns doch hingehen, um den HERRN anzuflehen und den HERRN der Heerscharen zu suchen!' - ‚Auch ich will gehen!' Und viele Völker und mächtige Nationen werden kommen, um den HERRN der Heerscharen in Jerusalem zu suchen und den HERRN anzuflehen“ (8,20-22).

Hier haben wir nochmals ein deutliches und klares Bild, dass die Nationen dem Volk Israel unterworfen sein werden. Die Völker werden mit Eifer die Gunst Israels suchen, weil sie wissen und erkennen, dass der HERR in ihrer Mitte wohnt. Sie werden wissen, dass man den Segen, die Wohlfahrt und den Frieden nur in der Unterwürfigkeit unter das Volk Israel und in Abhängigkeit von Gott genießen kann. Es ist rührend, wie die Nationen sich gegenseitig anspornen, nach Jerusalem hinaufzuziehen, das in jener Zeit der Welt-Mittelpunkt und die Segens-Metropole sein wird. „Auch ich will gehen!“ wird die Devise sein. Ein Hunger nach Gottes Wort ohne gleichen und wie es noch nie der Fall war, wird alle Völker ergreifen. Sie erkennen, dass Gott mit Israel ist, und welche Segensfülle wird aus dieser Verbindung hervorgehen. Die Gottes-Erkenntnis wird so verbreitet sein, dass niemand mehr zu seinem Nächsten zu sagen braucht: „Erkenne den Herrn!“, denn sie werden alle, selbst mächtige Nationen, Gott kennen und von Gott erkannt sein.

Ist es nicht auch heute schon so, wenn wir in dem Namen unseres geliebten Herrn versammelt sind, daraus eine Segensfülle hervorsprießt?! Die Gegenwart des Herrn machte in den Versammlungen der Urzeit des Christentums auf den Fremdling, der eintrat, einen solch tiefen Eindruck, dass er auf sein Angesicht fiel und selber anfing Gott anzubeten und seinen Namen zu verkündigen. Ach, diese Frische, diese Kraft und diese Freude ist durch die Untreue der Christenheit im Allgemeinen verloren gegangen.

„So spricht der HERR der Heerscharen: In jenen Tagen, da werden zehn Männer aus allerlei Sprachen der Nationen ergreifen, ja, ergreifen werden sie den Rockzipfel eines jüdischen Mannes und sagen: ‚Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist'“ (8,23).

Einen herrlicheren Schlussvers zu diesem wunderbaren Kapitel könnte man sich nicht denken. Ja, es ist ein göttlicher Schluss! Er zeigt deutlich, was man vielfach nicht wahr haben will, dass Israel am Ende der Tage wirklich das von Gott gesegnete Missionsvolk sein wird. Zur Beschämung sei es gesagt, die Christenheit hat ihrer Berufung nicht entsprochen. Christus hatte den Jüngern, als Er von ihnen Abschied nahm, den Auftrag gegeben: „Geht hin in die ganze Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung.“ Leider hat die Christenheit diesem Auftrag nicht entsprochen, und während Jahrhunderten gab es eigentlich gar keine Missionsarbeit. Als am Anfang des vorletzten Jahrhunderts etliche hinausgingen, um den Heiden die frohe Botschaft des Heils zu bringen, wurden sie verlacht und verspottet und man legte ihnen so viele Hindernisse wie nur eben möglich in den Weg. Das Versäumte kann nicht mehr nachgeholt werden. Aber Gott wird sich das Volk der Juden zum wahren Missionsvolk erwählen und sie werden den Namen des HERRN zu allen Nationen tragen und es wird auch in dieser Hinsicht das Wort sich erwahren: „Das Heil ist aus den Juden!“

„Zehn Männer werden aus allerlei Sprachen der Nationen den Rockzipfel eines jüdischen Mannes ergreifen und sagen: Wir wollen mit euch gehen.“ Diese Worte reden von einem innigen Verlangen und tiefen Sehnen, das Wort Gottes zu hören. O, möchte Gott auch heute noch einen solchen Hunger nach dem lebendigen Wort bewirken. Lasst uns mit Fasten und Gebet dafür einstehen!

Ist es nicht beschämend, dass so wenige Christen sich bemühen, in diese wunderbaren Weissagungen einzugehen? Sollten wir uns nicht mehr mit den göttlichen Offenbarungen beschäftigen? Zeigen sie uns nicht die Ratschlüsse Gottes, seine Gedanken, Pläne und Absichten, sei es in Bezug auf die Christenheit, das Judentum, die Nationen, die Schöpfung usw.? Sollte all das, was das Herz unseres hochgelobten Herrn bewegt, nicht auch unsere Herzen bewegen? Möchten unsere Herzen für sein ganzes Wort offen sein!

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