Der Segen Jakobs

Aser

2.8. Aser, ein Glückskind

„Von Aser kommt Fettes, sein Brot; und er, königliche Leckerbissen wird er geben“ (1. Mo 49,20).

2.8.1. Speisen in Überfluss

Bei der Geburt Asers (d.h. glückselig) sprach Lea die folgenden Worte: „Zu meiner Glückseligkeit! Denn glückselig preisen mich die Töchter. Und sie gab ihm den Namen Aser“ (1. Mo 30,13). Sowohl der Segen Jakobs als auch Moses bezüglich Aser ist völlig in Übereinstimmung damit, denn beide Prophezeiungen beschreiben Aser als ein echtes Glückskind.

Aser erhielt ein sehr fruchtbares Erbteil in Kanaan, den Küstenstreifen vom Karmel bis Sidon (Jos 19,24-31). Dieses lieferte fette Speisen, u.a. Weizen und Öl, für den Stamm selbst und auch für die angrenzenden Phönizier. Wahrscheinlich belieferte König Salomo seinen Freund Hiram, den König von Tyrus, mit Weizen und Olivenöl aus dem Gebiet Asers (1. Kön 5,11). Dies war als eine Gegenleistung für all das Holz gedacht, das Hiram Salomo für den Bau des Tempels lieferte. Vielleicht verweist der zweite Teil des Segens Jakobs auf diese Lieferungen zum Hof Hirams (vgl. auch Hes 27,17). Im Segen Moses wird der Überfluss an Olivenöl aus dem Gebiet Asers in bildhafter Sprache angedeutet: „Gesegnet an Söhnen sei Aser; er sei wohlgefällig seinen Brüdern, und er tauche in Öl seinen Fuß!“ (5. Mo 33,24).

Prophetisch weist dieser Segenspruch Jakobs auf den Reichtum und die Wohlfahrt hin, die Israel im Friedensreich beschert sein wird, nachdem die großen Kriege der letzten Tage zu einem guten Ende gebracht sind (siehe die vorhergehenden Kapitel). Es wird einen Überfluss an Korn im Land geben (Ps 72,16; 85,12). Der Himmel wird die Erde erhören, und die Erde wird das Korn, den Most und das Öl erhören, und sie werden Jisreel erhören (Hos 2,20.21). Die Tennen werden voll Getreide sein und die Kufen überfließen von Most und Öl. Die Berge werden von Most triefen und die Hügel von Milch fließen (Joel 2,19.24; 3,18). Der Pflüger wird sich dem Schnitter anschließen und der Traubentreter wird bis an den Sämann reichen (Amos 9,11-15). Das wiederhergestellte Israel wird tatsächlich Fettes essen, wenn der HERR ihr Los geändert haben wird. Zugleich wird es auch königliche Leckerbissen geben, die die Bedürfnisse anderer befriedigen. Der Segen wird in und durch Israel über die ganze Erde ausströmen, und die Völker werden im Licht des HERRN wandeln. Sie werden dann am Mahl von fetten Speisen teilnehmen, das allen Völkern bereitet werden wird (Jes 25,6).

Die geistliche Anwendung kann wieder daraus abgeleitet werden. Wir haben hier ein Bild des Reichtums und des Überflusses, den die Überwinder erben, wenn sie siegreich aus dem Kampf hervorkommen. Beachte in diesem Zusammenhang die verschiedenen Verheißungen des Segens für die Überwinder in Offenbarung 2 und 3. Auch können wir an das heutige Teil des Gläubigen denken, der ja bereits jetzt reich ist in Christus und mit allen geistlichen Segnungen in den himmlischen Örtern gesegnet ist (1. Kor 1,5; Eph 1,3; Kol 2,2). Wir dürfen einen Reichtum an geistlicher Nahrung zu uns nehmen. Ebenso wie Aser genießen wir fette Speisen und dürfen davon auch an andere austeilen. Denken wir nur an die Kenntnis all der Geheimnisse, die uns durch den Dienst des Apostels Paulus bekannt gemacht sind und womit sich erwachsene Christen ernähren können (1. Kor 3,1.2; 4,1; Eph 4,13.14; Heb 5,13.14). Dies sind tatsächlich „königliche Leckerbissen“, die der erhabenen Stellung entsprechen, die Gott seinen Kindern geschenkt hat.

Das reiche und fruchtbare Erbteil Asers kann auch mit dem guten Teil verglichen werden, das Maria gewählt hatte und das nicht von ihr genommen werden sollte (Lk 10,42). Wenn wir zu den Füßen des Herrn sitzen und auf sein Wort hören, werden wir essen und gesättigt werden. Der Herr gibt seinen Schafen Leben und Überfluss (Joh 10,10). In den Psalmen ist auch die Rede von der „Fettigkeit“ des Hauses Gottes und von dem „Mark und Fett“, womit der Gläubige gesättigt wird (Ps 36,9; 63,6).

2.8.2. Leben durch den Geist

Es scheint so, dass sich der Ausdruck „von Aser kommt Fettes, sein Brot“ vor allem auf den Überfluss an Oliven und Olivenöl im Gebiet Asers bezieht. Der Segen Moses bestätigt diesen Gedanken. Nun, dann müssen bei diesem Bild in erster Linie an das segensreiche Wirken des Geistes Gottes denken, da ja das Öl in der Schrift ein gebräuchliches Symbol für den Heiligen Geist ist (Sach 4,2.6.14; Mt 25,1-13; 2. Kor 1,21.22). Die Wirksamkeit des Geistes Gottes ist die Quelle der Kraft für unser Zeugnis hier auf der Erde und die Voraussetzung für die Betätigung wahrhaftiger Bruderliebe. Im Segen Moses wird die Bruderliebe, die Aser erlebt, ausdrücklich mit dem Reichtum an Öl in Verbindung gebracht, den er besitzt: „(...) er sei wohlgefällig seinen Brüdern [o. der Liebling seiner Brüder], und er tauche in Öl seinen Fuß!“ (5. Mo 33,24). Gerade in einer Atmosphäre brüderlicher Eintracht kann der Geist ungehindert wirken (vgl. auch Ps 133,1.2).

In praktischer Hinsicht können wir von diesem Segenspruch wieder eine Linie nach Römer 8 ziehen, weil das Überwinderleben eines Christen gerade auch ein Leben in der Kraft des Geistes Gottes ist. Der Geist wohnt in uns und offenbart das Leben Christi in uns. So wie die Prophezeiung über Gad mit dem Sieg über die Macht der innewohnenden Sünde in Verbindung steht, sehen wir nun bei Aser das Leben durch den Geist, das daraus hervorfließt. Dies ist ein reiches und fruchtbares Leben: Der Geist bringt in uns Frucht für Gott hervor (Röm 8,4-14). Im Anschluss daran werden wir bei Naphtali den Lobgesang der christlichen Freiheit sehen (Röm 8,15.16).

Bei Gad ist also der Hauptgedanke Sieg, bei Aser Fruchtbarkeit und bei Naphtali Freiheit. Doch all diese Vorrechte und Segnungen des Christen sind die Folgen der Offenbarung der Rettung des HERRN, die Jakob glaubend erwartete und die für uns jetzt schon durch das Erlösungswerk Christi ans Licht gebracht ist. So dürfen wir als wahre Aseriter, als glückliche Kinder Gottes zur Ehre seines Namens und zum Segen für andere leben.

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