Der Segen Jakobs

Juda

2.3. Juda, ein junger Löwe

„Dich, Juda, dich werden deine Brüder preisen; deine Hand wird sein auf dem Nacken deiner Feinde, vor dir werden sich niederbeugen die Söhne deines Vaters. Juda ist ein junger Löwe; vom Raub, mein Sohn, bist du emporgestiegen. Er duckt sich, er legt sich nieder wie ein Löwe und wie eine Löwin; wer will ihn aufreizen? Nicht weichen wird das Szepter von Juda noch der Herrscherstab zwischen seinen Füßen weg, bis Schilo kommt, und ihm werden die Völker gehorchen.

Er bindet an den Weinstock sein Eselsfohlen und an die Edelrebe das Junge seiner Eselin; er wäscht im Wein sein Kleid und im Blut der Trauben sein Gewand; die Augen sind trübe von Wein und weiß die Zähne von Milch“ (1. Mo 49,8–12).

2.3.1. Die erste Einführung des Messias

Wir kommen nun zum ersten Höhepunkt in den Sprüchen Jakobs und damit auch zur ersten Erwähnung des Messias. Der Gegensatz zu den vorhergehenden Sprüchen ist außergewöhnlich groß. Nach allen negativen Dingen, die der Erzvater über seine drei ältesten Söhne zu sagen hatte, bekommen seine Worte bei Juda einen völlig anderen Ton. Hier hören wir kein Wort der Kritik, sondern ausschließlich nur lobenswerte Dinge. Doch ist dieser Enthusiasmus, womit Jakob sich über Juda äußert, nur dann gut zu verstehen, wenn wir in Juda jemand sehen, der mehr war als er. Denn obwohl wir aus der Geschichte Josephs ein recht günstiges Bild von ihm bekommen – Juda spielte dann bereits eine führende Rolle –, haben wir doch auch den Bericht von Juda und Tamar in unserer Bibel stehen (1. Mo 38). Das zeigt, dass Juda selbst auch nicht tadellos war. Doch alles ändert sich, wenn wir in ihm ein Vorbild vom Messias sehen, dem Fürsten, der aus Juda hervorkommen sollte. Dieser große Juda ist tatsächlich alles Lobes wert.

Die prophetischen Segnungen Jakobs geben uns eine Übersicht der gesamten Menschheitsgeschichte. Nach all dem Versagen des ersten Menschen, wie das in den Sünden Rubens, Simeons und Levis gezeichnet wird, wird unser Auge auf Christus gerichtet. Gott hat in Christus in Gnade eingegriffen, nachdem die vollständige Verdorbenheit des natürlichen Menschen – sowohl ohne Gesetz als auch unter Gesetz – ans Licht gekommen war. Der Messias (der große Juda, der wahre Schilo) wurde jedoch von Juden und Heiden verworfen und die Geschichte erreichte erneut einen Tiefpunkt, aus dem nur die Rettung des HERRN einen Ausweg bieten konnte (V. 18). Dies kommt durch die Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten zustande; das ist der zweite Höhepunkt, den wir am Ende dieser Sprüche mit Joseph und Benjamin erreichen. Sie bilden ein zweifaches Vorbild auf Christus in der Herrlichkeit des Friedensreiches. In diesem Licht können wir auch verstehen, weshalb Jakob Juda und Joseph soviel Aufmerksamkeit schenkt. Er ist ein williges Instrument in der Hand des Heiligen Geistes, damit wir einen Eindruck von der Größe Christi bekommen, sowohl bei dessen erstem Kommen auf die Erde als auch bei dessen Wiederkunft.

Die Länge des Spruchs über Juda wird lediglich durch den Spruch über Joseph erreicht oder sogar noch übertroffen (V. 22–26). Beide Sprüche enthalten einen Reichtum an Gedanken. Wir haben bereits früher darauf hingewiesen, dass Juda die führende Rolle zugeteilt bekam, die das Vorrecht des Erstgeborenen war (wegen des Versagens der drei ältesten Söhne Jakobs). Dies ist der Schlüssel zu einem guten Verständnis dieser Verse. Joseph bekam jedoch den Reichtum an Besitztümern, das doppelte Teil des Erbes (vgl. 5. Mo 21,15–17; 1. Chr 5,1.2). Das ist der Grund, warum Jakob sich so über Juda und Joseph ausbreitet. Und der Heilige Geist benutzt dies als Anlass, um ein Bild von der Herrlichkeit Christi, dem Erstgeborenen unter vielen Brüdern und sogar der ganzen Schöpfung, zu skizzieren (Röm 8,29; Kol 1,15).

Im Segen Moses liegt der Schwerpunkt etwas anders: Dort treten nicht Juda und Joseph, sondern Levi und Joseph in den Vordergrund. Mose widmet Juda lediglich einen Vers (5. Mo 33,7). Dieser Vers enthält eine Bitte um Wiederherstellung für Juda, um eine Rückkehr aus der Gefangenschaft (worauf u.a. auch in 5. Mose 30,1–10 angespielt wird) und um Kraft im Kampf gegen die Feinde. Im 5. Buch Mose geht es besonders um die Besitznahme des verheißenen Landes; Israel steht hier am Vorabend des Einzugs in Kanaan. Daher steht bei Mose die geistliche Führerschaft der Priester und der Leviten als eine notwendige Voraussetzung im Vordergrund, um dem Volk den Besitz des verheißenen Landes garantieren zu können. Und auf Joseph fällt hier alle Aufmerksamkeit als derjenige, der die reichsten Segnungen des Landes zugeteilt bekommt. In 1. Mose 49 geht es mehr die prophetische Geschichte der Nachkommenschaft Jakobs und die Offenbarung der Errettung Gottes im Messias und durch sein Kommen.

2.3.2. Deine Brüder werden dich preisen

Der Spruch über Juda lässt sich in vier Teile einteilen:

  1. Zuerst sehen wir Juda als den, der von seinen Brüdern geehrt und von seinen Feinden gefürchtet wird (V. 8).
  2. Dies wird noch näher illustriert durch das Beispiel der überwindenden Kraft des Löwen, des Königs der Tiere (V. 9).
  3. Anschließend finden wir die Ankündigung der bleibenden Herrschaft Judas und das Kommen Schilos, des Friedefürsten, dem sich sogar die Völker unterwerfen werden (V. 10).
  4. Schließlich wird die Wohlfahrt beschrieben, die Juda zufallen wird; und möglicherweise ist die Hauptperson dieser Verse auch wieder der Messias, der bei seinem Einzug in Jerusalem tatsächlich einen Esel als Reittier gebrauchte (V. 11.12; vgl. Sach 9,9).

Jakob beginnt mit einem Wortspiel in Verbindung mit dem Namen Juda. Der Sohn mit dem Namen „Lobpreis“ wird ein Gegenstand des Lobes für seine Brüder: „Dich, Juda, dich werden deine Brüder preisen.“ Im Hebräischen fällt großer Nachdruck auf das persönliche Fürwort „dich“. In der Elberfelder Bibel wird dies durch die Umschreibung „Dich, Juda, dich (...)“ wiedergegeben. Auf diese Weise betont Jakob den Gegensatz zu seinen drei ältesten Söhnen. Endlich kann er sich an einen Sohn richten, der seine Zustimmung davonträgt.

Juda ist derjenige, der das Erstgeburtsrecht erwirbt, das Ruben verwirkt hatte und auf das Simeon und Levi ebenso wenig Anspruch geltend machen konnten. Juda sollte den ersten Platz unter seinen Brüdern einnehmen, und diese sollten ihn preisen und sich sogar vor ihm niederbeugen (V. 8c). Letzteres finden wir auch in den Träumen Josephs, die sich erfüllten, als seine Brüder nach Ägypten herabkamen und sich vor ihm niederbeugten. Sowohl Juda als auch Joseph sind Vorbilder von Christus, der die Seinen aufgrund seines Erlösungswerkes seine Brüder nennen kann und ihnen den Vaternamen offenbart (Joh 20,17). Christus ist der Erste unter vielen Brüder, und in ihrer Mitte stimmt Er selbst den Lobgesang an (Ps 22,22; Röm 8,29; Heb 2,12). Er ist der wahre Juda, der wahre „Gott-Lobende“, und wir dürfen mit Ihm den Vater preisen. Und wenn wir das tun, beugen wir uns zugleich auch vor Ihm nieder, der uns den Vater offenbart hat und ehren wir den Sohn, wie wir den Vater ehren. Wir preisen Gott und das Lamm, das der Löwe aus dem Stamm Juda ist (V. 9; Off 5,5).

Vers 8b nennt vielleicht den Grund, weshalb die Brüder Judas ihn ehren. Er ist der Held, der über seine Feinde triumphiert: „(...) deine Hand wird sein auf dem Nacken deiner Feinde.“ Dies ist nicht das statische Bild eines Siegers, der seinen Fuß auf den Nacken seiner Feinde setzt (Jos 10,24; Ps 110,1), sondern das dynamische Bild eines Verfolgers, der seinen flüchtenden Gegner beim Nacken ergreift. In der Geschichte Israels sind diese Worte in Erfüllung gegangen zur Zeit des Königs David, dem berühmten Spross aus dem Haus Juda (vgl. 2. Sam 22,41, wo buchstäblich steht, dass seine Feinde ihm den Nacken zukehrten). Saul hatte seine Tausende erschlagen, aber David seine Zehntausende. Deshalb wurde er geehrt und kamen alle Stämme Israels nach Verlauf einer Zeit zur Anerkennung seines Königtums.

Jakob gebrauchte nicht wie lsaak den Ausdruck „die Söhne deiner Mutter“ (1. Mo 27,29), sondern den Ausdruck „die Söhne deines Vaters“ (1. Mo 49,8). Also nicht nur die Stämme, die aus Lea hervorkamen, sondern alle Stämme Israels waren dabei einbezogen. So wie David wegen seiner großen Taten allenthalben von seinen Brüdern anerkannt wurde, so empfängt Christus jetzt die Ehre, die Ihm zusteht, seitens seiner Erlösten wegen der Siege, die Er errungen hat. Er hat am Kreuz von Golgatha Satan, Sünde und Tod besiegt. Er hat den Teufel mit seiner eigenen Waffe geschlagen (vgl. 1. Sam 17; Heb 2,14). Deshalb loben wir seinen Namen und beugen uns voller Bewunderung vor Ihm nieder. Er ist der Löwe aus dem Stamm Juda, der universelle Herrschaft besitzt und universeller Anbetung wert ist.

Dies bringt uns zu Vers 9, wo sowohl das Bild eines jungen Löwen als auch das eines erwachsenen Löwen und einer Löwin für Juda gebraucht wird. Der junge Löwe symbolisiert Schnelligkeit, die Ruhe des erwachsenen Tieres bezeugt dagegen Ehrfurcht, die es einflößt. Nach dem Verschlingen der Beute ist er in sein Versteck im Gebirge emporgestiegen, und wer könnte ihn da noch aufscheuchen? Im Segen Moses wird das Bild des schnellen Löwenjungen für den Stamm Dan gebraucht und das der reißenden Löwin für Gad (5. Mo 33,20–22).

Andere Vergleiche mit Tieren finden wir hier in 1. Mose 49 im Fall von Issaschar (ein Esel), von Dan (eine Schlange), von Naphtali (eine Hindin) und von Benjamin (ein Wolf). Es gibt keinen einzigen Grund, dem einen oder anderen Bild eine mystische Bedeutung zuzuschreiben. Diese Tiere illustrieren lediglich bestimmte Charakterzüge der Söhne Jakobs. Der Stamm Juda scheint von jeher einen Löwen als Emblem gehabt zu haben, und sogar in unseren westlichen Ländern ist er ein sehr gebräuchliches Wappenbild. Kein einziges anderes Bild konnte so deutlich die besondere, triumphierende Macht zum Ausdruck bringen, über die Juda verfügen würde. In den Sprüchen Bileams werden ähnliche Ausdrücke in Bezug auf das ganze Volk Israel gebraucht (4. Mo 23,24; 24,9).

2.3.3. Bis Schilo kommt

Die lobenden Worte der Verse 8 und 9 wecken Gefühle der Verwunderung und Erwartung. Juda wird von Freund und Feind anerkannt, und er ist das Muster für Mut und Kraft. Was gibt es jetzt noch mehr über ihn zu sagen? Diese Prophezeiung erreicht einen besonderen Höhepunkt mit Vers 10, der einer der bekanntesten, aber zugleich auch einer der schwierigsten Verse im ganzen Alten Testament ist. Juda würde seine Überlegenheit bis zum Kommen Schilos* behalten, der eine noch größere Herrschaft besitzen würde und dem sich sogar die Völker unterwerfen würden. Nach dieser Ankündigung folgt dann in Vers 11 und 12 eine Beschreibung der Segenszeit, die mit dem Kommen Schilos anbrechen würde.

Judas Herrschaft würde nicht zeitlich, sondern bleibend sein: „Nicht weichen wird das Zepter von Juda, noch der Herrscherstab zwischen seinen Füßen weg“ (V. 10a). Jetzt wird keine Bildersprache mehr wie in Vers 9 gebraucht, wo wir Juda als einen überwindenden Löwen sahen. Er wird hier direkt als ein östlicher Fürst beschrieben, der seinen langen Stab – das Zeichen seiner Würde – zwischen seinen Füßen hält, während er auf seinem Thron sitzt. Übrigens ist der Herrscherstab nicht ausschließlich das Symbol königlicher Würde; er kann auch eine niedrigere Autorität andeuten (4. Mo 21,18; Ri 5,14). Manche Übersetzungen haben nicht „Herrscherstab“, sondern „Gesetzgeber“. Diese Übersetzung ist an sich nicht falsch, doch im Zusammenhang müssen wir hier an einen Gegenstand denken (siehe auch Ps 60,9).

Juda würde also eine Führerrolle einnehmen und den Vorrang über die anderen Stämme haben. Bereits während der Wüstenreise nahm er den ersten Platz unter den Stämmen Israels ein, und so ist es eigentlich immer geblieben. Natürlich gewann seine allgemeine Überragenheit insbesondere im Königtum Davids ihre Entfaltung, doch dieses Königtum war nicht bleibend. Es wurde zuerst auf das Zweistämmereich reduziert, und bei der Wegführung nach Babel ist es von Juda gewichen. Seine führende Stellung hat Juda jedoch auch nach der Gefangenschaft behalten, sodass die übrigen Israeliten, die zum verheißenen Land zurückkehrten, sogar als Judäer oder Juden betrachtet wurden und in diesem Stamm aufgegangen sind. Jakob prophezeit hier also nicht ausschließlich über das Königtum, sondern in allgemeinerem Sinn über die Führungsrolle, die das bleibende Teil Judas sein würde.

Diese Worte bilden die Vorbereitung zu dem nun folgenden Höhepunkt: „(...) bis Schilo kommt, und ihm werden die Völker gehorchen“ (V. 10b). Juda würde die Herrschaft behalten, doch beim Kommen Schilos würde sich diese noch weiter ausdehnen und sogar die Völker mit einbeziehen. Das Wort „Schilo“ hat die Übersetzer vor viele Fragen gestellt, weil es in dieser Form nur hier in der Bibel vorkommt. Die Ortsbezeichnung Silo, der wir in den geschichtlichen Büchern regelmäßig begegnen, wird im Hebräischen immer in einer etwas anderen Weise buchstabiert. Von den Wörtern „bis Schilo kommt“ bestehen viele unterschiedliche Übersetzungen, wie man aus folgender Auswahl ersehen kann:

  • „bis er [d.i. Juda] nach Silo kommt“;
  • „bis er zu einem Ort der Ruhe kommt“;
  • „bis sie [d. h. die Stämme] nach Silo kommen“;
  • „bis Ruhe kommt“;
  • „bis ein Geschenk für ihn kommt“;
  • „bis er zu dem Seinigen kommt“;
  • „bis der kommt, von dem es ist“ (nach Hes 21,32);
  • „bis sein Sohn kommt“;
  • „bis der Held kommt“;
  • „bis der Herrscher kommt“.

Das Wort Schilo wird also als eine Ortsbezeichnung, eine Sache und ein Personenname aufgefasst. Doch die meisten Übersetzer und Ausleger neigen der Ansicht zu, dass es hier um eine messianische Prophezeiung geht. Es gibt zu viele Bedenken sowohl sprachlich als exegetisch, Schilo hier als eine Ortsbezeichnung zu betrachten. Es beinhaltet auch mehr als nur die Andeutung einer bestimmten Sache oder eines Glückzustandes. Er ist ein Name des Messias, der aus Juda hervorsprossen und der die Herrlichkeit der Herrschaft Judas zu ungekannten Höhen führen würde.

Es gibt keine Einwände, eine erste Erfüllung dieser Prophezeiung im Kommen Davids und vor allem im Kommen Salomos zu sehen. Die Wörter „Schilo“ und „Salomo“ zeigen auch eine gewisse Verwandtschaft und sind eine Anspielung auf die Ruhe und den Frieden, die in Israel in den Tagen Salomos herrschten (1. Chr 22,9). Er festigte die Herrschaft seines Vaters David und regierte über all die Königreiche vom Nil bis zum Euphrat (1. Kön 4,21.24). Mit dem Kommen dieses Friedefürsten aus dem Geschlecht Judas ist der Reichtum dieser Prophezeiung jedoch noch nicht erschöpft. Salomo war nicht der wahre Schilo, denn seine Herrschaft war nur zeitlich. Es sollte noch ein völlig einzigartiger Herrscher aus Juda hervorkommen (vgl. Jes 11,1–10; Mi 5,1–3). Ihn würden die Völker suchen, und Er würde groß sein bis an die Enden der Erde. Wir kennen diesen Friedefürsten. Es ist Christus, der mehr ist als Salomo, und der gekommen ist und den fernstehenden Völkern Frieden verkündigt hat (Eph 2,13.17). Und wir haben uns seiner Herrschaft unterworfen, indem wir Ihn als unseren Herrn und Erlöser angenommen haben.

Es ist interessant, dass das Wort, das hier für „gehorchen“ gebraucht wird („und ihm werden die Völker gehorchen“), auf freiwilligen Gehorsam hinweist. Es kommt nur noch in Sprüche 30,17 vor, und dort ist es der Gehorsam eines Kindes gegenüber seiner Mutter. Unser Gehorsam gegenüber Christus trägt den Charakter der Bereitwilligkeit, es ist ein Glaubensgehorsam (Röm 1,5; 16,26). Dieses Wort wird von anderen mit „sich anschließen“ oder „versammeln“ übersetzt („zu ihm hin werden sich die Völker versammeln“). Christus ist der Mittelpunkt der Anziehungskraft für all die Seinen, die zu Ihm versammelt werden. Er zieht uns durch den Glauben zu sich, und wir unterwerfen uns willig seiner Autorität.

Doch diese messianische Prophezeiung ist noch weitreichender, wie wir auch aus den angeführten Stellen aus Jesaja und Micha ersehen können. Sie weist schließlich auf das Friedensreich hin, das erst beim Wiederkommen Christi anbrechen wird. Christus wird in Majestät erscheinen, und die Völker werden Ihm öffentlich dienen und gehorchen. Seine Herrschaft wird sich bis an die Enden der Erde erstrecken (Ps 72,8; Sach 9,10), und Er wird der Mittelpunkt des Segens sein, sowohl für Israel als auch für die Völker.

2.3.4. Die Glückseligkeit des Reiches

In Übereinstimmung damit finden wir in den Schlussversen dieses Spruches (V. 11.12) eine Beschreibung des Segens des Friedensreiches und der Herrlichkeit des Friedefürsten. Es ist nicht richtig, diese Verse ausschließlich auf Juda zu beziehen und darin lediglich eine Vorhersage der Fruchtbarkeit des Erbteils Judas im Land Kanaan zu lesen. Neben dieser historischen Auslegung ist durchaus eine prophetische und ebenfalls eine geistliche Anwendung dieser Verse möglich.

Der Zusammenhang mit Vers 10 macht deutlich, dass der Messias auch hier die Hauptperson ist: „Er bindet an den Weinstock sein Eselsfohlen und an die Edelrebe das Junge seiner Eselin.“ Es wird solch einen Überfluss an Weinstöcken geben, dass sie sogar für diesen Zweck gebraucht werden können. Der Einzug Christi in Jerusalem fand auf einem Esel statt (Sach 9,9). Möglicherweise wird sich diese Szene wiederholen, wenn Er erneut zu seinem Volk kommt und dieses Ihm erneut zurufen wird: „Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ (Mt 21,1–9; 23,39).

Überfluss an Wein ist insbesondere ein Kennzeichen der zukünftigen Heilszeit (Jes 25,6). Wenn der Fluch vom Erdboden weggenommen sein wird, werden die Berge von Wein und Milch triefen (Joel 3,18; Am 9,13). Dieser Überfluss wird auch durch die Ausdrucksweise in Vers 11b angedeutet. Der Messias wird sein Kleid in Wein waschen können. Dieser Vers bildet einen bemerkenswerten Gegensatz zu Johannes 2, wo es einen Mangel an Wein gab. Wenn jedoch auf das Wort des Herrn gehört wird, wird der Mangel in Überfluss verwandelt. Der Wein ist ein bekanntes Bild der Freude (Ri 9,13; Ps 104,15). Wenn Christus den Platz bekommt, der Ihm zusteht, schenkt Er Überfluss an Freude. Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn macht unsere Freude völlig (1. Joh 1,4). Diesen Segen will Er uns jetzt schon geben.

Es ist schön, dass Vers 12 mit einer Beschreibung der persönlichen Herrlichkeit Christi endet: „(...) die Augen sind trübe von Wein, und weiß die Zähne von Milch.“ Dieser farbliche Gegensatz erhöht seine Schönheit wie wir das auch in der Beschreibung des Bräutigams in Hohelied 5,10–16 sehen. Christus wird im Friedensreich groß gemacht werden, doch das geschieht nun bereits im Kreis seiner Brüder. Der Überfluss an Segen, den Er uns gibt, bringt uns zur Anbetung dessen, wer Er ist.

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