Der Segen Jakobs

Gad

2.7. Gad, ein Überwinder

„Gad, Scharen werden ihn drängen, und er, er wird ihnen nachdrängen auf der Ferse“ (1. Mo 49,19).

2.7.1. Durch Kampf zum Sieg

Auf Dan folgt nun nicht dessen Bruder Naphtali, der zweite Sohn Bilhas, sondern Gad, der erste Sohn Silpas, der Magd Leas (vgl. 1. Mo 30,7-11). Zweifellos steht diese Reihenfolge wieder in Verbindung mit dem großen Plan, der 1. Mose 49 zugrunde liegt: die Kämpfe, die nämlich bei Dan und Gad zur Sprache kommen, gehen dem Reichtum an Segnungen voraus, die uns in Aser und Naphtali vorgestellt werden.

Dieser Spruch enthält verschiedene Anspielungen auf die Bedeutung des Namens Gad (d.h. Bande, Schar). Anders als in 1. Mose 30,11, wo es eine Verwandtschaft mit dem Wort „Glück“ zu geben scheint, wird der Name hier mit dem Wort „Schar“ verbunden und zugleich mit dem zweimal wiederholten Tätigkeitswort „drängen“ bzw. „nachdrängen“ (siehe auch Stellen wie 1. Sam 30,8.15.23; 1. Kön 11,24; 2. Kön 5,2; Hab 3,16). Die feindlichen Scharen, die Gad bedrängen, müssen schließlich doch unterliegen und werden von ihm verfolgt werden. Gad sitzt seinen Feinden auf den Fersen, er setzt ihnen nach, verfolgt und vertreibt sie.

In geschichtlicher Hinsicht ist es nicht schwierig, die Bedeutung dieses Spruches zu verstehen. Gad hatte sein Erbteil auf der Ostseite des Jordan und war damit ständig den Angriffen von Osten und Süden durch arabische Wüstenvölker und insbesondere durch die Ammoniter ausgesetzt. Die Gaditer bewiesen jedoch ihre kriegerischen Fähigkeiten und besiegten diese feindlichen „Scharen“ wiederholt. Jephta schlug die heranziehenden Ammoniter (Ri 11). Zusammen mit den beiden anderen Stämmen auf der östlichen Jordanseite schlugen die Gaditer die Hageriter (1. Chr 5,10.18-22). Und die Tapferkeit der Gaditer, die sich David anschlossen, als er noch auf der Flucht vor Saul war, wird ausführlich gelobt (1. Chr 12,8-15). Sie sahen aus wie Löwen und waren schnell wie Gazellen auf den Bergen.

Es ist deutlich, dass der Segen Jakobs auch viele Gemeinsamkeiten mit dem Segen Moses hat. Mose rühmt ebenfalls die Tapferkeit Gads, weil er nicht nur sein eigenes Erbteil auf der östlichen Jordanseite erobert hatte, sondern auch an der Eroberung Kanaans teilgenommen hatte (5. Mo 33,20.21).

In prophetischer Hinsicht bildet Gad die Tapferkeit des Überrestes Israels vor beim Wiederkommen Christi und der Gründung des Friedensreiches. Ebenso wie früher David wird auch der Messias seine Helden gebrauchen, um seine Feinde zu schlagen und sein Königreich zu errichten (Jes 11,14; Mi 4,13; 5,7.8; Sach 12,6). Diese Phase der Offenbarung der Rettung Gottes folgt auf das Gericht, das Christus bei seinem Wiederkommen persönlich am Tier und am falschen Propheten (d.i. der Antichrist) und ihren Kriegsheeren vollstrecken wird (Off 19,11-21). Letzteres sahen wir bei der Prophezeiung über Dan, die vom Auftreten des Antichrists und der gläubigen Erwartung des Überrests handelt. Und es ist verständlich, dass wir jetzt bei der Prophezeiung über Gad einen Schritt weiter gehen und sehen, wie Gott sein Volk auch durch Kampf zum Sieg über die umliegenden Völker führen wird.

2.7.2. Gott gibt uns den Sieg

Diesen Grundsatz können wir im übertragenen Sinn auch auf uns anwenden. Wir haben bereits auf die Überwinder hingewiesen, die in Offenbarung 2 und 3 angesprochen werden. Inmitten der Konflikte, die die Folge des Versagens der Kirche in ihrer Verantwortlichkeit sind, dürfen wir erfahren, wie der Herr uns durch Kampf zum Sieg führen will. So gehen wir von Kraft zu Kraft und erfahren seine Hilfe und Rettung im Kampf gegen Feinde, die uns bedrohen. Denken wir nur an Gefahren wie das Verlassen der ersten Liebe (Ephesus), Drangsal und Lästerung (Smyrna), Vermischung mit der Welt (Pergamus), falsche Prophezeiung (Thyatira), Formalismus (Sardes), Judaismus (Philadelphia) und geistliche Lauheit (Laodizea). Diesen Gefahren können wir allein in der Kraft des Herrn standhalten, indem wir auf sein Wort achten: „Wer ein Ohr hat, höre was der Geist den Versammlungen sagt“ (Off 2,7.11.17.29; 3,6.13.22).

Derselbe Grundsatz gilt auch in praktischer Hinsicht für den Konflikt mit der innewohnenden Sünde, wie das in Römer 7 beschrieben wird. Der Ruf um Errettung und Erlösung („Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leib des Todes?“) wird beantwortet, indem das Auge des Glaubens auf das gerichtet wird, was Gott in Christus getan hat („Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!“). Gott hat nämlich seine Rettung durch das Werk Christi ans Licht gebracht. Da nicht nur unsere Sünden gesühnt sind, sondern auch unser alter Mensch mit Christus gekreuzigt ist, sind wir rechtmäßig vom Gesetz der Sünde und des Todes befreit. In der Kraft des Heiligen Geistes können wir jetzt ein Überwinderleben führen, während wir gleichzeitig nach der vollen Rettung ausschauen, die uns beim Wiederkommen Christi geschenkt werden wird. Das ist daher auch das Thema von Römer 8. Außerdem sehen wir hier, dass Gott seine Erlösten sogar zu mehr als Überwindern macht, wenn es um die Gefahren geht, die uns von außen noch bedrohen können, solange Satan der Fürst dieser Welt ist (Röm 8,35-37).

Die Prophezeiung über Gad zeigt uns daher, dass der Sieg - nach Kampf - die Folge der Offenbarung der Rettung des HERRN ist. Dies gilt sowohl im prophetischen Sinn für Israel als auch in geistlicher und praktischer Hinsicht für uns. Der Herr will uns in unserem irdischen Kampf zu Überwindern machen, an welcher Front sich der Kampf auch abspielen mag. In den nun folgenden Prophezeiungen werden wir die weiteren Auswirkungen der Rettung Gottes sehen (Aser und Naphtali), während beim Höhepunkt von alledem unser Auge auf die Herrlichkeit Christi gerichtet wird (Joseph und Benjamin).

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