Ährenlese im Alten Testament (2.Samuel)

Kapitel 1 - 10

Ährenlese im Alten Testament (2.Samuel)

2. Samuel 1,1–16

Die Sache mit Ziklag hat David gedemütigt, indem er sich dadurch seiner Schwachheit bewusst wurde, aber sie hat ihn auch wieder in glückliche Beziehungen mit Jehova gebracht. Und so wurde er für seine Regierung zubereitet, die nun mit dem 2. Buch Samuel beginnt.

Der Mann, der ihm vom Tod Sauls berichtet, ist in seinen eigenen Augen „ein guter Bote“ (Kapitel 4,10). Bedeutet das für David nicht den Tod seines Feindes und die Möglichkeit, den Thron zu besteigen? Aber dieser Mann kennt den nicht, an den er sich wendet. Im Herzen des „Geliebten“ Jehovas glänzen die Gnade, die Uneigennützigkeit, die Liebe zu seinem Volk und die Achtung der göttlichen Ordnung. Wie könnte er sich freuen, wenn Israel besiegt und sein Fürst vor den Feinden Jehovas entehrt ist? - Woher kommst du? - Der Mann bestätigt, dass auch er zu den Feinden Israels gehört, und noch schlimmer: Er ist ein Amalekiter! Mit dem Versuch, David durch seinen verlogenen Bericht zu täuschen, hat er nur sich selbst betrogen (siehe Sprüche 11,18). Er wollte, dass der neue König die Krone aus seiner Hand entgegennehme. Darin gleicht er dem großen Feind, der Jesus zur Annahme aller Reiche der Welt und ihrer Herrlichkeit bewegen wollte - aber auch ohne Erfolg! (Matthäus 4,8–10).

2. Samuel 1,17–27

Weit davon entfernt, sich über das Unglück seines Rivalen und Verfolgers zu freuen, stimmt David ein ergreifendes Klagelied über ihn an. Dieses „Lied von dem Bogen“ rühmt die menschlichen Vortrefflichkeiten Sauls: seine Kraft, seine Freigebigkeit, seine Beliebtheit. David verschweigt die Bosheit des Königs, unter der er doch so viel zu leiden hatte, und möchte wenn möglich auch seine Niederlage verheimlichen, die bei den Feinden Jehovas Freude und Verachtung hervorrufen würde. „Berichtet es nicht zu Gath“ (Vers 20).

Wir haben es ebenso nötig wie Juda (Vers 18), dass uns die Lektionen dieses „Liedes von dem Bogen“ gelehrt werden: Über das Unglück anderer betrübt zu sein; das Gute hervorzuheben, selbst bei denen, die uns nicht lieben; uns davor zu hüten, das Unerfreuliche, das uns über jemand bekannt sein mag, weiterzuerzählen; von den Fehlern unserer Brüder und Schwestern zu schweigen, indem wir an das Zeugnis des Volkes Gottes gegenüber der Welt denken (1. Petrus 4,8).

Dann drückt sich das Herz Davids, von Schmerz erfüllt, über seinen Freund Jonathan aus. Wunderbare Liebe, voller Anmut, und doch nur ein schwaches Vorbild von der Liebe Jesu, dieser unausforschlichen Liebe, von der uns nichts - nicht einmal der Tod - je wird scheiden können (Römer 8,38.39).

2. Samuel 2,1–11

David hatte Gott nicht um Rat gefragt, als er zu den Philistern hinabging, und das führte zu einem Misserfolg. Aber diese bittere Erfahrung war nicht vergeblich. Zweimal befragt er jetzt Jehova.

Wir können nie genug auf dieser Grundregel des christlichen Lebens bestehen: auf der Abhängigkeit. Sie ist eine Pflicht, aber auch die Quelle unserer Kraft und unserer Sicherheit.

Hebron, wohin Gott seinen Gesalbten führt, ist ein Ort, der vom Tod spricht. Die Gräber der Patriarchen befinden sich dort. Christus, der Geliebte Gottes, der wahre David, ist im Gehorsam gegenüber Gott in den Tod gegangen, bevor Er öffentlich sein Reich antritt. Und das ist auch die Grundlage, auf die Er die Seinen führt. Der Gläubige ist mit Christus gestorben.

David vergisst die Bewohner von Jabes-Gilead nicht, die Güte an Saul erwiesen haben. Und der Herr, könnte Er das wenige an Barmherzigkeit, das Er uns zu tun erlaubt, vergessen? (Hebräer 6,10).

Das Königtum Davids wird erst nach und nach aufgerichtet. Für den Augenblick wird es nur in Juda anerkannt. Der Rest des Volkes ist Isboseth, dem Sohn Sauls, unterworfen, unterstützt von Abner, dem ehemaligen Heerobersten Sauls.

2. Samuel 2,12–32

Bis zum Schluss des 4. Kapitels handelt es sich nun um den Streit zwischen David und Isboseth, oder vielmehr zwischen ihren beiden Generälen: Joab und Abner. Es ist ein Kampf um das Ansehen, da jeder dieser hochmütigen Männer der erste sein will. Er endet mit der Ermordung Abners, und kurz darauf wird auch Isboseth erschlagen. Diese traurigen Umstände - es geht um einen Bürgerkrieg - werden von Jehova dazu benützt, das Reich seines Königs nach und nach aufzurichten.

Die Gewalttat, der Rachegeist haben freien Lauf „ Beim Teich von Gibeon beginnt der Machtkampf wie ein Spiel. Man will nur feststellen, welches die Gewandteren und die Stärkeren sind. Aber wie kurz ist die Strecke vom Hochmut zur Mordtat, wie leicht wird die Grenze überschritten! Man erhitzt sich, man verliert die Selbstkontrolle, und das Verbrechen ist geschehen, bevor man zum Überlegen kommt. Die 24 Jünglinge fallen zusammen, einer wird vom anderen erstochen.

Beachten wir, dass David sich von den Kämpfen fernhält, die Joab im Namen des Königs zu führen vorgibt. Wir lernen Joab kennen: er ist ein schlauer, gewissenloser Mann, der die Sache Davids verteidigt, weil sie ihm einen persönlichen Vorteil verschafft.

2. Samuel 3,1–5; 5,1–9

Während diesen Ereignissen hat David geduldig in Hebron gewartet, bis Jehova ihn als König über ganz Israel einsetze.

So wartet der Herr Jesus jetzt im Himmel, bis Gott Ihm sein allumfassendes Reich gibt.

Der Anfang des 5. Kapitels hält ein bedeutsames Datum in der Geschichte Israels fest. Der Thron Davids wird nach Jerusalem verlegt, dieser Stadt, die fortan einen so wichtigen Platz in der Geschichte des Volkes und in den Ratschlüssen Gottes einnehmen sollte. Aber innerhalb der Stadtmauern befand sich auf dem Berg Zion eine fast unbezwingbare Festung, wo sich die Jebusiter seit den Tagen Josuas halten konnten. Trotz ihrer Prahlerei, nimmt David die Burg ein. Doch vergisst er hier die Gnade, die ihn so oft gekennzeichnet hat, und gibt seinem Hass gegenüber den Krüppeln Ausdruck, indem er ihnen den Zugang zum Haus Gottes verwehrt. Welch ein Gegensatz zum Herrn Jesus, der gerade die Blinden und die Lahmen im Tempel aufnahm, um sie zu heilen (Matthäus 21,14), und welch ein Unterschied zu dem „gewissen Menschen“, der „ein großes Abendmahl machte“ (Gott selbst) und der, um sein Haus zu füllen, diese Unglücklichen (die dich und mich darstellen) nötigte, an diesem Festmahl der Gnade teilzunehmen (Lukas 14,21–23).

2. Samuel 5,10–25

Wir haben bei David seinen Glauben und seine Abhängigkeit bewundert, die er in so vielen Umständen bewies (auch in unseren Versen 19 und 23, um gegen die Philister zu kämpfen). Leider erreicht er, was sein Familienleben betrifft, keineswegs die gleiche Höhe. Trotz eines Gebots Jehovas, das sich besonders an die Könige richtete (5. Mose 17,17), nimmt sich David viele Frauen, zuerst in Hebron und dann in Jerusalem. Hätte er nur die treue Abigail als Gattin gehabt (deren Name „Freude des Vaters“ bedeutet und die ein Bild der Versammlung ist), würden wir nicht drei Namen lesen, die für ihn die Ursache großen Kummers wurden: Amnon, Absalom und Adonija (Kapitel 3,2-4).

Unter Befolgung der Anweisungen Jehovas kann der Kampf gegen die Philister wieder siegreich aufgenommen werden. Vor der zweiten Schlacht hätte sich David sagen können: Machen wir es wie das erste Mal, da wir so erfolgreich waren! Wir stellen im Gegenteil fest, dass er Jehova von neuem befragt. Und wie gut war dies, denn die Antwort ist ganz anders. So wollen auch wir uns vor unserer eigenen Weisheit hüten und vielmehr den Herrn um seine Weisungen bitten, dann werden auch wir die Siege davontragen, die Gott für uns vorbereitet hat.

2. Samuel 6,1–11

Der erste Gedanke Davids, zur Einweihung seines Königtums, gilt der Lade Gottes. Er versammelt dreißigtausend Mann, alle Auserlesenen in Israel, diesmal aber nicht zu einem Kampf, sondern um die Lade Gottes in würdiger Weise nach Jerusalem zu geleiten. Wir werden der Person des Herrn Jesus nie genug Ehre erweisen können. Nur muss Ihm diese Huldigung, diese Anbetung mit Verständnis und Gehorsam dargebracht werden. Nach der göttlichen Anweisung hätte die Lade auf den Schultern getragen werden müssen (4. Mose 7,9). Aber David und sein Volk haben keinen Wert darauf gelegt. Ihrer Meinung nach war ein neuer Wagen, wie die unwissenden Philister einen benützt hatten, zur Überführung viel besser geeignet. War das nicht viel praktischer, als der Transport zu Fuß? Und dann wird Ussa vom Tod ereilt. Große Bestürzung! Wir hätten ihn nicht als so schuldig betrachtet. Und doch! Gott will uns, so wie dem David, zu verstehen geben, wie ernst es ist, seine Anweisungen durch unsere guten Absichten und unsere eigenen Anordnungen zu ersetzen, besonders wenn es sich um den Gottesdienst handelt.

Welch betrübliche Unterbrechung dieser schönen Feierlichkeit! David ist gleichzeitig voll Zorn und voll Furcht; er lässt die Lade Jehovas beiseite bringen und verliert dadurch einen Segen, der dafür dem Haus Obed-Edoms zukommt.

2. Samuel 6,12–23

Die Lade Gottes ist drei Monate lang bei Obed-Edorn geblieben und hat ihm und seiner Familie Segen gebracht, was nicht verborgen blieb (Vers 12). Das ist ein ergreifendes Bild vom Herrn Jesus, der im Haus des Gläubigen anwesend ist. Wenn wir gewohnt sind, nahe beim Herrn zu leben, werden die, welche uns kennen, das wahrnehmen. Und dann werden auch sie diesen Segen genießen wollen, den Er uns geschenkt hat.

Jetzt handelt David, der die Lektion gelernt hat, nach Gottes Gedanken: die Lade wird von den Leviten getragen, die sich geheiligt haben, und er selbst legt seine königliche Majestät ab und gibt seiner Freude Ausdruck, indem er vor der Lade tanzt. In den Evangelien wird uns nicht mehr die Lade, sondern der Herr Jesus in Person gezeigt, wie Er in der gleichen Stadt Jerusalem inmitten der Freude derer, die Ihm zujubeln, seinen Einzug hält (Matthäus 21,9).

Nach sechs Schritten wurde ein Opfer dargebracht. Das lässt uns an den Wandel und an den Gottesdienst des Christen denken. Beides ruft bei den Ungläubigen Verachtung hervor, wovon Michal ein trauriges Bild ist. Die Welt liebt das, was erhaben ist und glänzt. Aber der Gläubige ist glücklich, sich zu erniedrigen, „noch geringer zu werden“ (Vers 22), damit die Blicke von ihm abgewandt und auf den Herrn Jesus allein gerichtet werden (vergleiche Johannes 3,30).

2. Samuel 7,1–16

„Wenn eines Mannes Wege Jehova wohlgefallen, so lässt er selbst seine Feinde mit ihm in Frieden sein“ (Sprüche 16,7). Dieses Wort wird für David jetzt Wirklichkeit. Und weil er selbst in einem schönen Haus aus Zedern wohnt, hat er Bedenken, die Lade Gottes nur unter einem einfachen Teppichzelt wohnen zu lassen. Ein schöner Zug von David! Jene unter uns, die ein gesichertes und bequemes Leben haben, sollten nie vergessen, dass ihr Meister diese Welt als ein göttlicher Fremdling durchschritt, der keinen Ort hatte, um sein Haupt hinzulegen.

David nimmt sich vor, ein für Jehova würdiges Haus zu bauen. Doch hören wir, was Gott ihm durch den Mund Nathans (dem Sinn nach) sagen lässt: Diesen Charakter eines Wanderers in der Wüste habe ich freiwillig angenommen, um in Gnade das Los meines Volkes zu teilen. Und der Augenblick meiner Ruhe ist noch nicht gekommen. Doch das, was du noch nicht tun kannst, wird einer deiner Nachkommen ausführen.

Es geht zuerst um Salomo, den Sohn Davids, der den Tempel bauen wird. Aber der 14. Vers, der in Hebräer 1,5 angeführt wird, beweist, dass dieser König, der Sohn Davids, prophetisch der Herr Jesus, der Sohn Gottes, ist. Von Ihm allein kann gesagt werden, dass sein Reich „auf ewig“ sein wird. Ob es persönliche (V. 8,9) oder gemeinsame Segnungen, sind (V. 10), sie haben alle ihren Ursprung in dieser unvergleichlichen Person.

2. Samuel 7,17–29

David wollte etwas für Jehova tun. Aber die göttliche Antwort lautete: Ich habe alles für dich getan.“ Das ist die Lektion, die jeder zu lernen hat. Gott hat sich selbst mit unserem Heil, mit unserer Ruhe befasst, ja mit allem, was unsere Zukunft betrifft (Vers 19). Wunderbare Ratschlüsse Gottes, in denen wir ohne unser Verdienst eingeschlossen sind! „Wie unausforschlich sind seine Gerichte und unausspürbar seine Wege!“ (Römer 11,33). Das ist tatsächlich nicht „die Weise des Menschen“ (Vers 19)!

Was bleibt David somit zu tun? Einfach Gott zu danken. Der König tritt in die Gegenwart Gottes, setzt sich nieder und betet an, gerade so wie der Gläubige es heute im Zusammenkommen der Erlösten um den Herrn tun darf, mit der ruhigen Gewissheit, dass er das Recht hat, da zu weilen und diese göttliche Ruhe schon zu genießen. „Wer bin ich und was ist mein Haus?“ Weder David, der einfache Hirte (Vers 8), noch Israel, das aus Ägypten heraufgeführt wurde (Vers 6), haben sich diese Stellung verdient oder irgendein Anrecht darauf erworben! Die Gnade allein hat David und sein Volk „bis hierher“ gebracht. Und das Gebet des Königs, der Ausdruck vollkommener Gemeinschaft, lässt sich wie folgt zusammenfassen: Tue, wie du geredet hast, und dein Name sei groß auf ewig! (Verse 25,26).

In diesem Augenblick hat David wohl auch Gedanken gehabt, wie sie uns in Psalm 23 mitgeteilt werden, besonders in den Versen 5 und 6.

2. Samuel 8,1–18

Durch die Verheißungen Jehovas gestärkt, befestigt der neue König seinen Thron durch Siege, womit er seine Feinde unterwirft. Die ersten sind die Philister. Endlich kann ihr ganzes Land in Schach gehalten werden. Dann wird Moab unterjocht, womit die Prophezeiung Balaams teilweise in Erfüllung geht (4. Mose 24,17). Als nächste sind Hadadeser und die Syrer, die diesen unterstützen, an der Reihe. Schließlich wird Edom unterworfen, gemäss einer noch älteren Prophezeiung, die im Segen Isaaks an Jakob enthalten war (1. Mose 27,29; siehe auch 1. Mose 25,23). David verwirklicht hier im Vorbild, was vom Herrn Jesus geschrieben steht, dessen Reich in Herrlichkeit aufgerichtet wird, wenn alle seine Feinde Ihm unterworfen sein werden (siehe Psalm 110, der oft angeführt wird).

Jetzt, da der Friede hergestellt und die Herrschaft Davids überall anerkannt ist, wird das Reich organisiert (Verse 15-18). Der König ist sein Mittelpunkt und übt Recht und Gerechtigkeit. Um ihn herum erfüllt jeder an seinem Platz das Amt, das ihm aufgetragen wird. Die Priester sind da, und stellen die Beziehungen zu Gott sicher. Sicherheit, Beständigkeit, Gerechtigkeit und Friede: diese herrlichen Merkmale werden in noch viel vollkommenerem Maß das zukünftige Reich kennzeichnen!

2. Samuel 9,1–13

Das 8. Kapitel hat uns die Herrlichkeit des Königs David gezeigt. Aber es gibt etwas, was diese noch übertrifft: das ist seine Gnade. Er hat sie in der Schule Gottes gelernt und wurde selbst ihr Gegenstand. Ist das wirklich „die Weise des Menschen“, an seinem Hof, an seinem Tisch, den letzten Vertreter des rivalisierenden Geschlechts, den Erben seines Feindes, zu empfangen? (lies 2. Samuel 4,4). - Nein, gewiss nicht! Wohl aber handelt es sich um eine „Güte Gottes“; denn David begnügt sich nicht damit, sein Versprechen gegenüber Jonathan und Saul einzulösen (1. Samuel 20,14.15; 24,22.23), sondern er lässt diese göttliche Gnade gegen den armen Mephiboseth überströmen, der ganz vom Gefühl seiner eigenen Unwürdigkeit erfüllt ist. Und zudem, war dieser Mann nicht lahm, womit er sich den Hass des Königs zuzog? (Kap. 5,8). Doch seht, wie er geholt, bei seinem Namen gerufen, beruhigt, mit Reichtum überschüttet, wie ein Glied der Familie an den Königstisch eingeladen wird, und schließlich sorgt der König für immer für ihn. Welch schönes Bild des Werkes des Herrn Jesus für einen Sünder!

Mephiboseth bleibt lahm. Der 13. Vers wiederholt dies ausdrücklich. Aber wenn er am Königstisch sitzt, kann man das nicht sehen. Ist es mit dem Gläubigen hier auf dieser Erde nicht auch so? Seine alte Natur ist ihm noch nicht weggenommen worden. Aber wenn er mit dem Herrn in Gemeinschaft bleibt, vermag er sie unsichtbar zu halten.

2. Samuel 10,1–19

Mephiboseth hatte die königliche Gnade angenommen. Hier haben wir nun das Beispiel derer, die diese Gnade nicht verstehen und sie nicht annehmen wollen.

David suchte Hanun zu trösten und ihm dadurch Güte zu erweisen. So möchte sich der Herr Jesus den Menschen heute als Den offenbaren, der ihre Leiden mitempfindet und der auch ihre Schmerzen auf sich geladen hat (Jesaja 53,4). Gibt es eine größere Beleidigung, als eine solche Liebe zurückzuweisen? Wie sehr musste David die Schmach empfunden haben, die seinen Knechten angetan worden war! Und wie viel mehr wird das vollkommen empfindsame Herz des Heilands durch die Verachtung derer verletzt, die täglich seine liebevolle Einladung ablehnen (Johannes 5,40; Matthäus 22,6).

Hanun und sein Volk hätten noch Zeit gehabt, sich zu demütigen, als sie sahen, dass ihre Lage schlecht stand. Die Erfahrung Abigails gibt uns die Gewissheit, dass das verdiente Gericht dann abgewendet worden wäre (1. Samuel 25). Statt dessen treiben der Hochmut und die Verblendung die Kinder Ammon zu einem offenen Krieg gegen den, der es gut mit ihnen meinte. Doch für David ist das die Gelegenheit zu einem erneuten, noch glorreicheren Sieg als der im 8. Kapitel über Hadareser und die Syrer, die diesem zu Hilfe kommen wollten.

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