Ährenlese im Alten Testament (1.Chronika)

Kapitel 1- 10

Ährenlese im Alten Testament (1.Chronika)

1. Chronika 1,1–34

Nachdem der Mensch auf dem Grundsatz seiner Verantwortlichkeit gänzlich versagt hat, werden wir jetzt sehen, wie der Gott der Gnade selbst in diesen Büchern der Chronika die Dinge wiederganz von Anfang an aufnimmt. Wir finden darin die Geschichte der Menschheit in gewissem Sinn wieder geschildert, aber der Nachdruck wird nicht mehr auf das Böse gelegt, das der Mensch getan hat (wie in den Büchern Samuel und der Könige), sondern das Gute wird betont, das Gott sich als Antwort auf das Böse ausgedacht und ausgeführt hat. So sehen wir hier diese Geschichte der Menschheit, bis auf Adam zurückgehend, zusammengefasst! Und man hat schon bemerkt, dass man aus dem Sinn der ersten zehn Namen einen Satz lesen könnte, der in gewissem Sinn das ganze Evangelium zusammenfasst. Adam: (der) Mensch – Seth: an die Stelle gesetzt Enos: (als) hinfälliger, sterblicher Mensch – Kenan: wehklagend. Mahalalel: Gott sei Lob – Jered: (durch sein) Herabsteigen – Henoch: Weihe, Darbringung Methusala: lässt sein Tod sprossen – Lamech: (für den) Obertreter – Noah: Ruhe, Trost.

Haben wir hier nicht zuerst eine Schlussfolgerung alles dessen, was voranging, d.h. die Feststellung des unheilbaren Verderbe ns des Geschöpfes? Und dann gleichzeitig eine bewunderungswürdige Einführung in die Entfaltung der Ratschlüsse Gottes, denen wir in diesen beiden Büchern wie einem goldenen Faden folgen können.

1. Chronika 2,1–24

Suchen wir in diesen Namenlisten nicht die Reihenfolge und Genauigkeit, die zum Beispiel von einem Register eines Standesamtes verlangt wird. Wie immer, befriedigt das Wort Gottes auch hier weder die Neugierde noch die Nachforschungen der menschlichen Intelligenz. Um den Absichten des Geistes Gottes zu entsprechen, finden sich in diesen Kapiteln mehrmals Auslassungen, Stellvertretungen und Umstellungen. Und was sind die Absichten? Weshalb diese langen Geschlechtsregister, die so schwierig zu lesen sind? Es geht in erster Linie um den Beweis der Anrechte der Familien Israels auf die Verheißungen, die Abraham gemacht worden waren. Jeder Israelit konnte, wenn er sich darauf bezog, seine Herkunft und seine Erbansprüche geltend machen. Doch wir wissen, wie die Juden sich zur Zeit des Herrn damit brüsteten, Abraham zum Vater zu haben, und sich doch gleichzeitig weigerten, in ihrer Mitte Den anzuerkennen, der vor Abraham ist (Johannes 8,58).

Was den Christen betrifft, gehört er zur Familie Gottes, nachdem er durch die Neugeburt das göttliche Leben empfangen hat. Seine irdische Abstammung ist ohne Bedeutung; Gott ist in Jesus sein Vater geworden, und er kann ausrufen: „Sehet, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen!“ (1. Johannes 3,1).

1. Chronika 3,1–14; 4,9.10

Diese Geschlechtsregister haben noch eine andere Daseinsberechtigung: Die Abstammung des Messias musste auf unbestreitbare Weise festgestellt werden. Wenn wir den Lauf der Zeitalter zurückverfolgen, so sehen wir, wen Gott nach und nach aus der Mitte des Menschengeschlechts absonderte: die Familie Abrahams; aus dieser den Stamm Juda und aus diesem Stamm das Königshaus Davids. Diesem ist das 3. Kapitel gewidmet. Und wir können uns denken, mit welcher Aufmerksamkeit Gott von Geschlecht zu Geschlecht die Linie verfolgte, die zu „Jesus“ führte, „der Christus genannt wird“ (Matthäus 1,16).

Die kurze Geschichte von Jabez, der geehrter war als seine Brüder, ist in der Liste der Söhne Judas eingeschlossen. Er fühlt das Gewicht des Schmerzes, der die Folge der Sünde ist und bittet den Gott Israels, seine Grenze zu erweitern. Er wird erhört. Beachten wir die vier Bitten, die er ausspricht. Lasst uns ihn nachahmen, und ohne Furcht bitten: 1. Um den reichen Genuss geistlicher Segnungen. – 2. Um weitere Grenzen für unseren Verstand und für unser Herz. – 3. Um die „Hand Gottes“ mit uns in allem, was wir unternehmen. – 4. Um Bewahrung vor Sünde und vor Versuchung (Matthäus 6,13).

1. Chronika 4,21–43

Immer noch unter den Söhnen Judas, finden wir hier, nach den Königen, nach den reichen und geehrten Leuten, wie Jabez, die bescheidenen Handwerker (Verse 14,21–23). Es waren Byssusarbeiter, Weber, Töpfer und Gärtner. Sie lebten in bescheidenen Verhältnissen, aber ihr Vorrecht war groß, denn „sie wohnten daselbst bei dem König in seinem Geschäft“. Hüten wir uns davor, eine gehobene Stellung in der Welt zu suchen, wenn der Herr uns nicht ausdrücklich dazu berufen hat. Das Volk Gottes zählt „nicht viele Mächtige, nicht viele Edle“ (1. Korinther 1,26; lies auch Jeremia 45,5). Jeder wichtige Posten bringt unweigerlich Verantwortungen mit sich, die einen so in Anspruch nehmen, dass gewöhnlich wenig Zeit für das Wort und für das Werk des Herrn übrigbleibt. Wählen wir deshalb keinen Beruf, der uns daran hindert, „bei dem König“ zu wohnen und seine Arbeiten auszuführen.

Der Stamm Simeon war Gegenstand eines strengen Gerichts gewesen, wegen der Gewalttat des Fürsten ihres Geschlechts (1. Mose 49,5–7) und wegen des Götzendienstes des Baal-Peor (4. Mose 25). Aber, entsprechend den Absichten dieses Buches, ist hier nur von dem Guten die Rede, das die Gnade hervorbringt: dieser Stamm hat seine Grenzen erweitert und glänzende Siege davongetragen.

1. Chronika 5,1–26

In diesem 5. Kapitel ist von den Söhnen Rubens, Gads und dem halben Stamm Manasse die Rede. Es war ihnen mehr an ihrem Wohlstand als an dem Besitz des Landes der Verheißung gelegen, weshalb sie sich jenseits des Jordans niederließen. Ihr Mangel an Glauben, an Ausdauer und ihr Materialismus werden an anderen Stellen hervorgehoben. Wie rührend ist es aber, hier von neuem zu sehen, wie das Wort nur alles Gute hervorhebt, das von ihnen gesagt werden kann (mit Ausnahme des 25. Verses, der zum Verständnis dieses Berichts notwendig ist). Ihr Mut und ihr Vertrauen werden besonders unterstrichen.

Das Herz Gottes ist immer das gleiche. Der Herr Jesus konnte von seinen schwachen Jüngern, die Ihn einige Augenblicke später verließen, zu seinem Vater sagen: „Sie haben dein Wort bewahrt ... und haben geglaubt, dass du mich gesandt hast“ (Johannes 17,6–8). So ist die Liebe unseres teuren Heilandes! Da, wo wir nur Verfall und Elend zu sehen vermögen, entdeckt Er noch etwas, das Ihm wohlgefällt. Möchten doch auch wir, bevor wir ein Urteil fällen oder eine Kritik anbringen, an die Art und Weise denken, in welcher der Herr von den Seinen, während ihrer Abwesenheit spricht. Ahmen wir dieses vollkommene Vorbild nach!

1. Chronika 6,1–3; 4865

Dieses Kapitel ist den Söhnen Levis und den Priestern, den Söhnen Aarons, gewidmet und bildet das Gegenstück zum 3. Kapitel, wo wir die Könige gefunden haben. Es handelt sich um bevorzugte Familien in Israel! Aber im gegenwärtigen Volk Gottes sind diese Dienste das Teil jedes Gläubigen. Der Apostel Petrus erinnert uns daran: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum..., damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch berufen hat“ (1. Petrus 2,9; siehe auch Offenbarung 1,6). Dem Herrn unser Lob darzubringen und andern gegenüber seine Tugenden zu verkündigen, das ist der zweifache Dienst des Christen. Die Leviten erinnern uns daran. Die einen waren zum Gesang bestimmt (Verse 31–33). Andere dienten im Haus Gottes unter der Anleitung Aarons und seiner Söhne (Verse 48–49).

In den Kapiteln 7 und 8 folgen dann die Geschlechtsregister Issaschars, Benjamins, Naphtalis, des anderen halben Stammes Manasse und schließlich der Stämme Ephraim und Aser. Beachten wir die Nachlässigkeit Naphtalis, ein Stamm, der so wenig besorgt war, sich seiner Vorrechte zu erinnern, dass seine ganze Geschichte nur Stoff für einen kurzen Vers im Buch Gottes gab (Kapitel 7,13). Betonen wir bei dieser Gelegenheit das Interesse, das wir der Geschichte der Kirche entgegenbringen sollten, dem Gedächtnis derer, die Gott gebraucht hat, um uns geistlichen Segen zu hinterlassen.

1. Chronika 9,17–34

In diesem 9. Kapitel werden weitere Leviten erwähnt. Es sind die Torhüter. Ihre Aufgaben sind sehr wichtig. Sie lassen sich in einen kurzen und bestimmten Befehl zusammenfassen, den der Herrin einem kleinen Gleichnis wiederholt: „Ein Mensch (der Meister), der... dem Türhüter einschärfte, dass er wache“ (Markus 13,34).

Wachen über die Gefäße und die Geräte, über die Opfer, über die Nahrung, über den Zugang zum Haus! Diesem Dienst entspricht im Neuen Testament der Dienst der Aufseher, Hirten oder Ältesten. Sie sind es besonders, die in den Versammlungen früher – und heute noch – für die Seelen Sorge tragen und die gesunde Lehre aufrechthalten müssen. Das ist eine Aufgabe des Vertrauens und der Ehre, über die sie dem Herrn bei seinem Kommen Rechenschaft abzulegen haben!

Diese Türhüter waren Nachkommen Korahs, des Aufrührers (4. Mose 16). Die Söhne Korahs zogen es vor, sich an der Schwelle des Hauses ihres Gottes aufzuhalten, anstatt in den Zelten der Gesetzlosen zu bleiben, wo ihr Vater gewohnt hatte. Kennen wir den schönen 84. Psalm, den die Söhne Korahs gedichtet haben? „Wie lieblich sind deine Wohnungen, Jehova der Heerscharen! ...Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend“ (Psalm 84,1.10). Wem vertraut Gott die Sorge um sein Haus, um seine Versammlung an? Denen, die an ihr festhalten und sie lieben.

1. Chronika 10,1–14

Von jetzt an wird in den Büchern der Chronika wieder die Geschichte Davids und seiner Nachfolger seit dem Tod Sauls aufgenommen. Aber der Bericht enthält viele Unterschiede gegenüber jenem in den Büchern Samuel und der Könige. Manche Tatsachen werden hinzugefügt, andere stillschweigend übergangen. Jede dieser Änderungen entspricht dem Ziel Gottes, das Er sich gesetzt hat, indem Er diese Geschichte von neuem, aber unter einem anderen Gesichtspunkt schreiben ließ: dem seiner unumschränkten Gnade. Aus dem gleichen Grund hat Er uns viermal, in vier Evangelien, die Geschichte seines Sohnes gegeben, damit wir Ihn in verschiedenen Herrlichkeiten betrachten können.

So lasst uns nicht ermüden im Wiederlesen bekannter Berichte. Wir wollen vielmehr versuchen zu beachten, was der Geist hinzufügt oder was Er absichtlich auslässt.

Seien wir auch nicht entmutigt, sondern freuen wir uns vielmehr, die Wiederholung zu hören, dass Gott mit dem Menschen im Fleische zu Ende gekommen ist. Saul und sein Geschlecht sind ein Bild davon. Er fällt durch die Hand der Philister und wird auf dem Gebirge Gilboa ausgezogen. Sein Verderben ist vollendet, sein Tod festgestellt, bevor David auf der Bildfläche erscheint: der Mensch, der den göttlichen Ratschlüssen entspricht, ein Vorbild des Herrn Jesus.

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