Das Buch des Propheten Jeremia

Kapitel 21

Ich werde gegen euch kämpfen

Dieses Kapitel berichtet uns ein Wort des HERRN, das sich an Zedekia und sein Volk wendet. Die Lebensführung Zedekias entspricht dem Zustand des ganzen Volkes. Sie hat zur Folge, dass das Gericht über dieses Volk kommt, welches der HERR angekündigt hatte (2. Kön 24,20).

Den HERRN befragen

„Das Wort, das vonseiten des HERRN an Jeremia erging, als der König Zedekia Paschchur, den Sohn Malkijas, und Zephanja, den Sohn Maasejas, den Priester, zu ihm sandte und sagen ließ: Befrage doch den HERRN für uns, denn Nebukadrezar, der König von Babel, kämpft gegen uns; vielleicht wird der HERR mit uns handeln nach allen seinen Wundern, dass er von uns abziehe“ (21,1.2).

Das Heer des Königs von Babel nähert sich Jerusalem. Zedekia kämpft darum, die Belagerung zu verhindern. Oft schon hatte Jeremia die Dringlichkeit dieses Gerichts angekündigt (Jer 6,6; Jer 19,15), aber weder das Volk noch der König haben hören wollen (Jer 5,12; Jer 16,10). Angesichts des Feindes erinnert sich Zedekia an die Wundertaten, die der HERR früher zugunsten seines Volkes vollbracht hat. Die Situation scheint vergleichbar mit derjenigen Hiskias, als er von der Armee Sanheribs belagert wurde (Jes 3637). Sein Wunsch scheint angebracht zu sein, aber welch ein Unterschied besteht zwischen dem Herzenszustand dieser beiden Könige. Hier gibt es keine zerrissenen Kleider und kein Sacktuch der Demütigung: sondern nur den Wunsch befreit zu werden, ohne anzuerkennen, dass dieses Gericht angebracht ist. Wie könnte der HERR seine Macht zugunsten eines rebellischen Volkes und eines gottlosen Königs zeigen?

Die Antwort des HERRN

„Und Jeremia sprach zu ihnen: So sollt ihr zu Zedekia sagen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Siehe, ich will die Kriegswaffen umwenden, die in eurer Hand sind, mit denen ihr außerhalb der Mauer gegen den König von Babel und gegen die Chaldäer kämpft, die euch belagern, und sie in diese Stadt hinein versammeln. Und ich selbst werde gegen euch kämpfen mit ausgestreckter Hand und mit starkem Arm und mit Zorn und mit Grimm und mit großer Wut. Und ich werde die Bewohner dieser Stadt schlagen, sowohl Menschen als Vieh; an einer großen Pest sollen sie sterben. Und danach, spricht der HERR, werde ich Zedekia, den König von Juda, und seine Knechte und das Volk, und zwar die, die in dieser Stadt von der Pest, vom Schwert und vom Hunger übrig geblieben sind, in die Hand Nebukadrezars, des Königs von Babel, geben, und in die Hand ihrer Feinde und in die Hand derer, die nach ihrem Leben trachten; und er wird sie schlagen mit der Schärfe des Schwertes, er wird sie nicht verschonen und kein Mitleid haben und sich nicht erbarmen“ (21,3–7).

Der HERR antwortet unzweideutig. Die Soldaten Zedekias werden bald umkehren, um sich in Jerusalem zu verbarrikadieren, wo Nebukadnezar sie belagern wird. Der HERR ist mächtig, aber dieses Mal wird er seine Kraft dadurch zeigen, dass er gegen Israel und nicht für es kämpft. Die Bewohner Jerusalems werden durch Pest und Hungersnot und durch das Schwert der Chaldäer geschlagen werden. Zedekia und seine Diener werden schließlich an Nebukadnezar ausgeliefert werden.

Heute noch weiß Satan gut das Gewissen der Menschen, selbst das der Christen, einzuschläfern. Er hält sie davon ab die unabwendbaren Konsequenzen ihrer Verfehlungen zu sehen, bis dass die Zucht Gottes ausgeführt wird. So ist es eine Falle nur auf die Güte Gottes zu zählen, nachdem man es abgelehnt hat auf seine Warnungen zu hören. Der Weg, der für den Glauben vorgezeichnet ist, besteht darin, sich unter seine Hand zu beugen und zu sagen: „Du, unser Gott, hast mehr geschont, als unsere Ungerechtigkeiten es verdienten“ (Esra 9,13). Die Güte Gottes ist immer da; sie zeigt sich darin, dass er diejenigen züchtigt, die er liebt. Er tut dies nach Maß und zu unserem Nutzen (Heb 12,6.10).

Die beiden Wege

„Und zu diesem Volk sollst du sagen: So spricht der HERR: Siehe, ich lege euch den Weg des Lebens vor und den Weg des Todes. Wer in dieser Stadt bleibt, wird sterben durch Schwert und durch Hunger und durch Pest; wer aber hinausgeht und zu den Chaldäern überläuft, die euch belagern, wird leben, und seine Seele wird ihm zur Beute sein. Denn ich habe mein Angesicht gegen diese Stadt gerichtet zum Bösen und nicht zum Guten, spricht der HERR; sie wird in die Hand des Königs von Babel gegeben werden, und er wird sie mit Feuer verbrennen“ (21,8–10).

Die Einnahme Jerusalems und ihre Zerstörung durch den Feind sind unwiderruflich. Es ist ein Gericht über das Volk als Ganzes. Aber es gibt immer einen Ausweg für den persönlichen Glauben: die Unterwerfung unter den Willen Gottes.

Der HERR kündigte deutlich an, dass die Chaldäer das Werkzeug seines Zornes waren. Es galt dies zu akzeptieren und sich darunter zu beugen, indem man die Stadt verließ und sich ihnen anschloss (V.9; Jer 37,2.17). Das war der Weg des Lebens für alle, die hören würden. Dieser ausdrückliche Befehl stand im Gegensatz zu den natürlichen Empfindungen der Juden, die mit Jerusalem verbunden waren. Dem zu gehorchen, konnte wie ein Verrat an seinem Volk erscheinen, wie es Rahab früher tat (Jos 2), aber es war der Weg des Glaubens.

Heute kann die Verbundenheit mit einer Religion oder mit überlieferten Gebräuchen einen daran hindern, durch den Glauben mit Christus verbunden zu sein. Derjenige, der sich durch natürliche Bande zurückhalten lässt, läuft Gefahr sein Leben zu verlieren.

Das Wort an das Haus des Königs

„Und zum Haus des Königs von Juda sollst du sagen: Hört das Wort des HERRN! Haus David, so spricht der HERR: Haltet jeden Morgen Gericht und befreit den Beraubten aus der Hand des Bedrückers, damit mein Grimm nicht ausbreche wie ein Feuer und unauslöschlich brenne wegen der Bosheit eurer Handlungen.

Siehe, ich will an dich, du Bewohnerin des Tals, des Felsens der Ebene, spricht der HERR – die ihr sprecht: Wer wird gegen uns herabsteigen, und wer wird in unsere Wohnungen kommen? Und ich will euch heimsuchen nach der Frucht eurer Handlungen, spricht der HERR; und ich will ein Feuer anzünden in ihrem Wald, dass es ihre ganze Umgebung verzehrt“ (21,11–14).

Das Haus des Königs war gewiss das Haus Davids. Aber die Bosheit ihrer Handlungen setzte sie als erstes dem Gericht aus. Es blieb noch ein Hoffnungsschimmer, wenn der König und sein Haus von der Ungerechtigkeit abstehen würden, um zu tun, was recht ist. Aber war das noch möglich?

Die Bewohner des Tals würden nicht länger vor dem Angreifer sicher sein. Sie würden aufgezehrt werden wie durchs Feuer, wenn die Stunde käme, sie zu strafen „nach der Frucht ihrer Handlungen“. Dieser Ausdruck wird häufig von den Propheten benutzt (V.14; Jer 17,10; Jer 32,19; Jes 3,10; Mich 7,13). Er erinnert uns an die Verantwortlichkeit jedes Menschen vor dem Gott, der sein Gericht über die Erde nach diesem moralischen Grundsatz ausübt: „Was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Gal 6,7).

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