Das Buch des Propheten Jeremia

Kapitel 49

Ammon, Edom, Damaskus, Kedar, Hazor und Elam

4. Ammon

„Über die Kinder Ammon. So spricht der HERR: Hat denn Israel keine Söhne, oder hat es keinen Erben? Warum hat ihr König Gad in Besitz genommen, und warum wohnt sein Volk in dessen Städten? Darum, siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da ich gegen Rabba der Kinder Ammon Kriegsgeschrei werde erschallen lassen; und es soll zum Schutthaufen werden, und seine Tochterstädte sollen mit Feuer verbrannt werden. Und Israel wird seine Erben beerben, spricht der HERR. Heule, Hesbon, denn Ai ist verwüstet! Schreit, ihr Töchter von Rabba, gürtet euch Sacktuch um; klagt und lauft hin und her in den Hürden! Denn ihr König wird in die Gefangenschaft gehen, seine Priester und seine Fürsten allesamt. Was rühmst du dich der Täler? Dein Tal zerfließt, du abtrünnige Tochter, die auf ihre Schätze vertraut: „Wer sollte an mich kommen? Siehe, ich lasse Schrecken über dich kommen von allen, die rings um dich her wohnen, spricht der Herr, der HERR der Heerscharen; und ihr sollt weggetrieben werden, jeder vor sich hin, und niemand wird die Flüchtigen sammeln. Aber danach werde ich die Gefangenschaft der Kinder Ammon wenden, spricht der HERR.“ (Jer 49,1–6)

Moab und Ammon sind Brüder. Als Nachkommen Lots, sind sie Feinde Israels gewesen. Der HERR wirft Ammon vor, sich Gilead zu eigen gemacht zu haben, einen Teil des Gebietes Israels, um ihr Gebiet zu erweitern (Amos 1,13). Dies geschah, als die zehn Stämme in Scharen durch den König Assyriens weggeführt worden sind.

Sie vertrauen ihren Schätzen und doch werden sie dem Krieg in den Tälern, wo sie sich in Sicherheit wähnen, nicht entfliehen. Ihre Hauptstadt und ihre Städte werden zerstört werden. Unter den Flüchtlingen wird völliges Durcheinander herrschen. Sie werden auch in Gefangenschaft geführt werden und erwarten gleichzeitig die Wiederherstellung in der Zukunft. Israel wird ihr Land besitzen, wo sie tributpflichtig gemacht werden.

5. Edom

„Über Edom. So spricht der HERR der Heerscharen: Ist keine Weisheit mehr in Teman? Ist den Verständigen der Rat entschwunden, ist ihre Weisheit ausgeschüttet? Flieht, kehrt um, verkriecht euch, Bewohner von Dedan! Denn Esaus Verderben habe ich über ihn gebracht, die Zeit, da ich ihn heimsuche. Wenn Winzer über dich kommen, so werden sie keine Nachlese übrig lassen – wenn Diebe in der Nacht, so verderben sie, bis sie genug haben. Denn ich habe Esau entblößt, ich habe seine Verstecke aufgedeckt; und will er sich verbergen, so kann er es nicht. Zerstört sind seine Nachkommen und seine Brüder und seine Nachbarn, und sie sind nicht mehr. Verlass deine Waisen, ich werde sie am Leben erhalten; und deine Witwen sollen auf mich vertrauen. Denn so spricht der HERR: Siehe, die es nicht verdient hatten, den Becher zu trinken, die müssen ihn trinken; und du solltest der sein, der ungestraft bliebe? Du wirst nicht ungestraft bleiben, sondern gewiss sollst du ihn trinken. Denn ich habe bei mir geschworen, spricht der HERR, dass Bozra zum Entsetzen, zum Hohn, zur Verwüstung und zum Fluch werden soll, und alle seine Städte zu ewigen Einöden. Eine Kunde habe ich vernommen von dem HERRN, und ein Bote ist unter die Nationen gesandt: Versammelt euch und kommt über es, und macht euch auf zum Kampf! Denn siehe, ich habe dich klein gemacht unter den Nationen, verachtet unter den Menschen. Deine Furchtbarkeit und der Übermut deines Herzens haben dich verführt, der du in Felsenklüften wohnst, den Gipfel des Hügels festhältst. Wenn du dein Nest hoch baust wie der Adler, ich werde dich von dort hinabstürzen, spricht der HERR. Und Edom soll zum Entsetzen werden; jeder, der an ihm vorüberzieht, wird sich entsetzen und zischen über alle seine Plagen. Wie bei der Umkehrung von Sodom und Gomorra und ihrer Nachbarn, spricht der HERR, wird niemand dort wohnen und kein Menschenkind sich darin aufhalten. Siehe, er steigt herauf, wie ein Löwe von der Pracht des Jordan, gegen die feste Wohnstätte; denn ich werde es plötzlich von ihr wegtreiben und den, der auserkoren ist, über sie bestellen. Denn wer ist mir gleich, und wer will mich vorladen? Und wer ist der Hirte, der vor mir bestehen könnte? Darum hört den Ratschluss des HERRN, den er über Edom beschlossen hat, und seine Gedanken, die er über die Bewohner von Teman denkt: Ja, man wird sie fortschleppen, die Geringen der Herde; ja, ihr Weideplatz wird sich über sie entsetzen! Vom Getöse ihres Falls erzittert die Erde; Geschrei – am Schilfmeer wird sein Schall vernommen. Siehe, wie der Adler zieht er herauf und fliegt und breitet seine Flügel aus über Bozra; und das Herz der Helden Edoms wird an jenem Tag sein wie das Herz einer Frau in den Geburtswehen.“ (Jer 49,7–22)

Ein erster Teil des Gerichts über Edom besteht in der Vertilgung der Weisen, die es führen (Obad 8). Der Leitung beraubt, werden seine Bewohner fliehen und versuchen sich zu verstecken. Wenn die Eindringlinge mit einem Weinleser verglichen werden könnten, wäre der Zusammenbruch begrenzt, aber die Plünderung Edoms ist sehr viel schonungsloser: Der Feind wird sogar seine Verstecke durchsuchen. Wenn Israel den Kelch des Zornes Gottes trinken musste, wie könnte Edom dann weniger bestraft werden? Unmöglich! Die Zerstörung Edoms wird vollständig sein, es wird enthäutet, als wenn es ausgezogen würde, ohne Hoffnung auf Wiederherstellung. Alle seine Städte sollen „zu ewigen Einöden“ werden. Dennoch verliert die göttliche Barmherzigkeit im Gericht dieses Volkes nicht ihre Ansprüche (Jak 2,13): Gott verspricht, sich seiner Waisen anzunehmen und lädt die Witwen ein, sich ihm anzuvertrauen.

Der Prophet Obadja offenbart uns, dass das ungerechte Verhalten Edoms gegenüber Israel der Grund seines endgültigen Gerichtes war. Hier finden wir eher die Konsequenzen dieser grundsätzlichen Warnung: „Ich werde dem Hochmut der Übermütigen ein Ende machen und den Stolz der Gewalttätigen erniedrigen“ (Jes 13,11). Edom war durch seinen ausgesprochenen Hochmut gekennzeichnet. Es schätzte sich in seinen hohen Schlupfwinkeln als unverwundbar ein, wie ein Adlernest in den Bergen Seirs. Aber der HERR wird es herabstürzen und zu nichts machen: Seine Zerstörung wird mit der Sodoms und Gomorras verglichen.

6. Damaskus, Kedar und Hazor

„Über Damaskus. Beschämt sind Hamat und Arpad; denn sie haben eine böse Nachricht vernommen, sie verzagen. Am Meer ist Besorgnis, ruhen kann man nicht. Damaskus ist schlaff geworden; es hat sich umgewandt, um zu fliehen, und Schrecken hat es ergriffen; Angst und Wehen haben es erfasst, wie eine Gebärende. Wie ist es, dass sie nicht verlassen ist, die Stadt des Ruhmes, die Stadt meiner Freude? Darum werden ihre Jünglinge auf ihren Straßen fallen und alle Kriegsmänner umkommen an jenem Tag, spricht der HERR der Heerscharen. Und ich werde ein Feuer anzünden in den Mauern von Damaskus, und es wird die Paläste Ben-Hadads verzehren. Über Kedar und über die Königreiche Hazors, die Nebukadrezar, der König von Babel, schlug. So spricht der HERR: Macht euch auf, zieht hinauf gegen Kedar und zerstört die Kinder des Ostens. Ihre Zelte und ihr Kleinvieh werden sie nehmen, ihre Zeltbehänge und alle ihre Geräte und ihre Kamele mit sich wegführen und werden über sie ausrufen: Schrecken ringsum! Flieht, flüchtet schnell, verkriecht euch, Bewohner von Hazor!, spricht der HERR. Denn Nebukadrezar, der König von Babel, hat einen Ratschluss gegen euch beschlossen und einen Plan gegen euch ersonnen. Macht euch auf, zieht hinauf gegen eine sorglose Nation, die in Sicherheit wohnt!, spricht der HERR. Sie hat weder Tore noch Riegel, sie wohnen allein. Und ihre Kamele sollen zum Raub und die Menge ihrer Herden zur Beute werden; und ich werde sie, die mit geschorenen Haarrändern, in alle Winde zerstreuen und werde ihr Verderben bringen von allen Seiten her, spricht der HERR. Und Hazor wird zur Wohnung der Schakale werden, zur Wüste in Ewigkeit; niemand wird dort wohnen und kein Menschenkind sich darin aufhalten.“ (Jer 49,23–33)

Zunächst wird das Gericht gegen die Hauptstädte Syriens ausgesprochen, dann gegen Kedar und Hazor, Gegenden, in denen sich nomadische Stämme aufhalten. Damaskus war eine befestigte Stadt mit königlichen Palästen. Kedar und Hazor dagegen hatten weder Tore noch Befestigungsanlagen und schienen den Frieden zu genießen. Die Nomaden mochten denken, dass die Mobilität ihrer Kamele und ihrer Zelte ihnen Sicherheit garantiere. Weder die Standhaftigkeit der einen, noch die Flucht der anderen vermochten sie vor der Zerstörung, die der HERR durch Nebukadnezar angeordnet hatte, zu bewahren.

7. Elam

„Das Wort des HERRN, das an Jeremia, den Propheten, erging über Elam, im Anfang der Regierung Zedekias, des Königs von Juda, indem er sprach: So spricht der HERR der Heerscharen: Siehe, ich zerbreche den Bogen Elams, seine vornehmste Stärke. Und ich werde die vier Winde von den vier Enden des Himmels her über Elam bringen und es in alle diese Winde zerstreuen; und es soll keine Nation geben, wohin nicht Vertriebene Elams kommen werden. Und ich werde Elam verzagt machen vor ihren Feinden und vor denen, die nach ihrem Leben trachten, und werde Unglück über sie bringen, die Glut meines Zorns, spricht der HERR; und ich werde das Schwert hinter ihnen her senden, bis ich sie vernichtet habe. Und ich werde meinen Thron in Elam aufstellen und werde König und Fürsten daraus vertilgen, spricht der HERR. Aber es wird geschehen am Ende der Tage, da werde ich die Gefangenschaft Elams wenden, spricht der HERR.“ (Jer 49,34–39)

Im Gegensatz zu den Vorherigen war Elam eine von Israel entfernte Nation. Seine Hauptstadt war Susa, jenseits von Euphrat und Tigris gegen Osten. Sein Königreich hatte früher seine Vorherrschaft bis zum Jordan ausgeweitet (1. Mo 14,1.4). Zunächst im Kampf mit Assyrien, danach von ihm annektiert, nahm es an seinen Invasionen teil, um danach Babel unterworfen zu werden. Aber es wird sich gegen Babel erheben und zu seinem Fall beitragen zusammen mit den Medern und Persern (Jes 21,2), welche den Platz Babels als Haupt der Nationen einnehmen werden.

Die Bogenschützen Elams waren „seine vornehmste Stärke“. Als seine Truppen in das Heer des Königs von Assyrien aufgenommen worden sind, „trägt Elam den Köcher“ (Jes 22,6). Dieses Instrument seiner Macht muss zuerst zerbrochen werden.

Immer wenn der Hochmut des Menschen ihn dazu drängt sich zu erheben und sein Vertrauen in die eigene Kraft zu setzen, kommt der Moment, wo das, was der Gegenstand dieses Vertrauens ist, verschwinden muss. „Die Überheblichkeit der Männer wird gebeugt werden; und der Herr wird hoch erhaben sein, an jenem Tag“ (Jes 2,11). Bewahren wir uns davor, uns selbst zu vertrauen oder irgendwelchen menschlichen Stützen. Elam muss zerstreut und zerstört werden. Der Thron des HERRN wird eine Zeit lang Nebukadnezar anvertraut werden und die Vernichtung Elams zeigt, dass die Vorherrschaft Nebukadnezars sich nach Osten wie nach Westen ausbreiten wird.

Aber dieses Gericht soll nicht eine endgültige Zerstörung nach sich ziehen, wie wir es auch bei anderen Nationen gesehen haben. Elam wird nicht nur an dem Fall Babels teilnehmen, sondern es wird auch eine zukünftige Wiederherstellung für die letzten Tage angekündigt.

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