Gekommen – um zu dienen

Kapitel 10

Gekommen – um zu dienen

In diesem Kapitel sehen wir den Herrn wieder als den treuen Diener, der auf seinem letzten Weg nach Jerusalem unermüdlich dient und Belehrungen über viele wichtige Dinge gibt.

In den Versen 1–12 spricht Er über den Wert der Ehe, in den Versen 13–16 über den Wert von Kindern und die Gesinnung solcher, die in das Reich eingehen wollen, und dann folgen in den Versen 17–31 Unterweisungen über natürliche Besitztümer. Dabei wird immer gezeigt, was der Mensch aus diesen Dingen gemacht hat.

Belehrungen über die Ehe

„Und er machte sich von dort auf und kommt in das Gebiet von Judäa und von jenseits des Jordan. Und wieder kommen Volksmengen bei ihm zusammen, und wie er gewohnt war, lehrte er sie wiederum“ (10,1).

Zu Beginn dieses Kapitels sehen wir, dass der Herr wieder in das Gebiet von Judäa kommt. Dort kommen Volksmengen zusammen und der Herr belehrt sie, wie es seine Gewohnheit als der treue Diener war. Sowohl bei dem Zusammenkommen der Volksmengen als auch bei dem Lehren des Herrn finden wir das Wort „wieder“ bzw. „wiederum“. Wenn wir die Gedanken, die hier mit diesem „wieder“ bzw. „wiederum“ in Verbindung stehen, auf uns übertragen, können wir uns folgende Fragen stellen:

Kommen wir als Gläubige zu Ihm zusammen? Ist es uns ein Herzensbedürfnis, bei Ihm zu sein und von Ihm belehrt zu werden?

Sind auch wir es gewohnt, zu „lehren“, d. h. anderen das Wort Gottes zu erklären? Dazu müssen wir nicht die Gabe eines Lehrers haben. In der einen oder anderen Form stehen insbesondere die Männer vor der Aufgabe, zu „lehren“. Sei es in der Familie, im Gespräch mit Ungläubigen oder inmitten des Volkes Gottes. Eine Gewohnheit im Lehren kann nur durch beständige Übung kommen.

„Und es traten Pharisäer herzu und fragten ihn, um ihn zu versuchen: ist es einem Mann erlaubt, seine Frau zu entlassen? Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten? Sie aber sagten: Mose hat gestattet, einen Scheidebrief zu schreiben und zu entlassen. Jesus aber sprach zu ihnen: Wegen eurer Herzenshärte hat er euch dieses Gebot geschrieben; von Anfang der Schöpfung an aber machte Gott sie als Mann und Frau. ‚Deswegen wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und die zwei werden ein Fleisch sein‘; also sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. Und in dem Haus befragten ihn die Jünger wiederum hierüber; und er spricht zu ihnen: Wer irgend seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch ihr gegenüber. Und wenn sie ihren Mann entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch“ (10,2–12).

Wieder einmal kommen die Pharisäer zu dem Herrn, um Ihn zu versuchen. Sie lenken das Gespräch auf die ehelichen Beziehungen und stellen Fragen bezüglich Heirat und Ehescheidung, in der Hoffnung, Ihn dabei in Widersprüche zu den Geboten Moses zu verwickeln.

Wegen der Wichtigkeit des Themas geht der Herr trotz der Unaufrichtigkeit der Pharisäer auf ihre Fragen ein.

Er erklärt ihnen, dass Gott den Scheidebrief nur zugelassen hatte, weil Er wusste, wie hart die Herzen der Menschen sein können, weil Er wusste, wie wenig Bereitschaft zum Vergeben oft vorhanden ist und wie wenig Liebe, die die Fehler des anderen zudeckt. Dabei bezieht Er sich auf die Ordnung, die Gott bereits zu Beginn der Schöpfung festgelegt hatte.

Gott hat die Ehe auch deshalb geschaffen, weil Er wollte, dass der Mensch glücklich sei, und weil es gut für ihn ist (1. Mo 2,18). Er hat sie als eine Beziehung von reiner, tiefer Liebe („anhangen“, V. 7) und von lebenslanger Dauer geschaffen.

In diesem Zusammenhang ist es nützlich, zu bemerken, dass es im Wort Gottes Anweisungen von unterschiedlicher Dimension gibt. Es gibt Anweisungen, die nur für die Zeit des Gesetzes galten. Ebenso gibt es Anweisungen, die nur für die Versammlung oder nur für die zukünftige Zeit des 1000-jährigen Reiches gelten. Daneben gibt es aber auch Prinzipien und Anweisungen, die für alle Zeiten gelten. Wenn wir an diese denken, sprechen wir oft von der Schöpfungsordnung Gottes.

Zu dieser Schöpfungsordnung gehört auch die Ehe, die Gott ja vor dem Sündenfall eingesetzt hatte, mit dem Grundprinzip von Vers 9: „Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“ Daher haben die Gedanken Gottes über die Ehe heute noch ihre Gültigkeit, auch wenn die Welt völlig anders darüber denkt und nicht danach handelt.

Eine Ehescheidung, wie sie heute offiziell durch die Obrigkeit vollzogen wird, entspricht niemals dem Willen Gottes. Gott als höchste Instanz überhaupt fügt jede auf der Erde geschlossene Ehe zusammen, d. h., Er erkennt sie an. Es ist daher ein Eingriff in die Rechte Gottes, wenn Menschen es wagen, das zu scheiden, was Gott zusammengefügt hat. Damit hat auch der Scheidebrief, von dem die Pharisäer hier zu dem Herrn sprachen, nichts zu tun.

Die Anordnungen Moses über den Scheidebrief finden wir in 5. Mose 24,1–3. Daneben findet sich der Ausdruck im Alten Testament nur noch in Jesaja 50,1 und in Jeremia 3,8, wo es um ernste Untreue des Volkes Israel Gott gegenüber geht.

Die Möglichkeit, einen Scheidebrief zu schreiben, galt für Ausnahmesituationen, wurde aber im Lauf der Zeit von den Juden und Pharisäern immer mehr ausgenutzt. Es kam dazu, dass die Männer sehr schnell und bei geringfügigen Anlässen davon Gebrauch machten. Der Herr Jesus verurteilt diese Praxis und geht daher auf die ursprüngliche segensreiche Absicht Gottes zurück, der die Ehe für das ganze Leben von zwei Menschen gegeben hat.

„Lasst die Kinder zu mir kommen“

„Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber verwiesen es ihnen. Als aber Jesus es sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen, wehrt ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer irgend das Reich Gottes nicht aufnimmt wie ein Kind, wird nicht dort hineinkommen. Und er nahm sie in die Arme, legte die Hände auf sie und segnete sie“ (10,13–16).

Sicher hat es den Herrn erfreut, als man Kinder zu Ihm brachte. Das war das Beste, was diesen Kindern geschehen konnte. Die Kinder „zu Ihm“ bringen ist die schönste und wichtigste Aufgabe für Eltern und alle, die sich mit Kindern beschäftigen. Denn für Ihn, den Freund der Kinder, sind sie wertvoll und schön (Apg 7,20). Wie gut ist es, wenn Eltern das beachten und ihre Kinder dann auch so erziehen, dass sie zur Ehre Gottes ihren Weg in dieser Welt gehen.

Im Volk Israel wurden die Kinder zur damaligen Zeit gering geachtet. Doch der Herr macht hier in seinem Reden und Handeln den Wert der Kinder deutlich. Der Gedanke an den Wert eines Kindes für Gott steht im Zusammenhang mit den vorherigen Versen. Bei einem Ehebruch werden die Kinder gering geachtet. Solche Eltern vergessen, dass ihre Kinder ein Geschenk Gottes an sie sind (1. Mo 33,5). Wenn Eltern ihre Kinder so betrachten, werden sie schon um der Kinder willen nicht auseinandergehen.

Die Jünger waren so mit ihrer eigenen Stellung beschäftigt, dass sie nicht erkennen konnten, was in den Augen des Herrn groß und wichtig war. Sie verwiesen es denen, die die Kinder brachten. Darüber wurde der Herr „unwillig“; etwas, was wir von Ihm nicht oft lesen. Darin liegt ein ernster Hinweis für alle Eltern, die sich nicht genügend Zeit für ihre Kinder nehmen und sie so daran hindern, zu dem Herrn zu kommen.

Die Antwort des Herrn offenbart sein Herz voller Liebe für die Kinder. Er ist es, der ein Herz für alle Schwachen und Geringen hat, die ihre Zuflucht zu Ihm nehmen.

Zugleich nennt der Herr in seiner Antwort auch eine Voraussetzung für den Eingang in das Reich Gottes. Dabei geht es hier um das Reich Gottes in seinem übergeordneten, allgemeinen Aspekt. Das Reich Gottes in diesem Sinn ist der Bereich, wo Gott regiert und wo sein Wille akzeptiert und praktiziert wird.

In diesen Bereich kommt man durch die neue Geburt (Joh 3,3) und mit der Gesinnung eines Kindes. Vertrauen und Arglosigkeit – im Gegensatz zu der Gesinnung der Pharisäer, die kamen, um Ihn zu versuchen (V. 2) – sind die Kennzeichen derer, die in das Reich eingehen. Das erklärt auch, warum es vielen Erwachsenen so schwer fällt, Buße zu tun und in das Reich einzugehen.

Nach diesen Worten gibt Er in seinem Tun drei weitere Beweise seiner Liebe zu den Kindern:

  1. Er nahm sie in die Arme;
  2. Er legte ihnen die Hände auf;
  3. Er segnete sie.

Er belohnte das Vertrauen der Eltern und zeigte ihnen, dass sie nicht umsonst gekommen waren. So handelt Er heute noch.

Der reiche Jüngling

„Und als er auf den Weg hinausging, lief einer herzu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Lehrer, was soll ich tun, um ewiges Leben zu erben? Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als nur einer, Gott. Die Gebote kennst du: ‚Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst kein falsches Zeugnis ablegen; du sollst nichts vorenthalten; ehre deinen Vater und deine Mutter.‘ Er aber sprach zu ihm: Lehrer, dies alles habe ich beachtet von meiner Jugend an. Jesus aber blickte ihn an, liebte ihn und sprach zu ihm: Eins fehlt dir: Geh hin, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach! Er aber wurde traurig über das Wort und ging betrübt weg, denn er hatte viele Besitztümer“ (10,17–22).

Die Begegnung mit dem reichen jungen Mann benutzt der Herr, um Belehrungen über natürliche Besitztümer zu geben. Dieser Mann, der dem Herrn entgegenlief und vor Ihm auf die Knie fiel, hatte viele wertvolle natürliche Züge. Gott hatte ihn bis zu diesem Tag vor schlimmen Sünden bewahrt. Er hatte das Gesetz beobachtet und wünschte, das Rechte zu tun. Das erweckte die Liebe des Herrn.

Wir können in der direkten Bedeutung dieser Begebenheit ein Bild eines ungläubigen Menschen sehen, der kurz davor steht, das ewige Leben zu ergreifen.

Doch dieser junge Mann hatte trotz aller redlichen Absichten falsche Vorstellungen, die ihn daran hinderten, das ewige Leben zu bekommen. Darin gleicht er manchen Menschen unserer Zeit, die nach außen gesehen ein gutes Leben führen, aber doch in den Punkten irren, in denen auch dieser Jüngling irrte:

1. Er erkannte den Herrn nicht als den Sohn Gottes an (V. 17).

Er sah in Ihm einen hervorragenden Menschen und Lehrer, von dem er das lernen wollte, was ihm noch fehlte. Daher begegnet der Herr dem Mann auf dem Boden des Gesetzes und zeigt ihm in Vers 18, das kein Mensch gut ist, sondern nur Gott.

2. Er hatte kein Empfinden dafür, dass er ein verlorener Sünder war (V. 17.20)

Seine äußere Rechtschaffenheit und sein vorbildliches Leben waren ein Hindernis für ihn, zu erkennen, dass er ein Mensch mit einer sündigen Natur war. Daher fragte er nicht, wie der Kerkermeister in Apostelgeschichte 16,30: „Was muss ich tun, um errettet zu werden?“, sondern: „Was soll ich tun, um ewiges Leben zu erben?“
Seine Frage führt auch zu der nächsten Fehlannahme:

3. Er ging davon aus, etwas tun zu können, um ewiges Leben zu erlangen (V. 17)

Wie so viele Menschen heute meinte er, durch eigenes Vermögen oder Werke den Himmel erlangen zu können. Doch Verse wir Galater 2,16 und Epheser 2,8 machen klar, dass ein Mensch nicht durch eigene Werke errettet werden kann, sondern nur durch den Glauben an Christus; und dass die Errettung allein Gottes Gabe und Gnade ist. Nur wer dahin kommt, zu erkennen, dass er Gnade nötig hat, lässt alle Gedanken an eigenes Tun fallen. Wir können und müssen nichts tun, da alles getan ist.

4. Er hatte viele Güter, an denen er hing und auf die er vertraute (V. 22–24)

Von seinen Gütern wollte er nicht lassen. Er erkannte nicht, dass er Gott nichts bringen konnte, um ewiges Leben zu bekommen, sondern dass er sich dazu allein auf Gottes Gnade stützen musste. Das zu erkennen, fällt auch heute vielen Menschen schwer. Und der Herr macht deutlich, dass dieses reichen Menschen oft ganz besonders schwer fällt. Reichtum kann hinderlich sein, um in den Besitz des ewigen Lebens zu kommen, aber ein noch größeres Hindernis ist das Vertrauen auf Güter (V. 24). Und dieses Vertrauen auf Güter ist nicht nur ein Problem für solche, die sehr viel Reichtum haben.

Doch der Besitz von Gütern ist kein absolutes Hindernis, um in das Reich Gottes einzugehen. Es kommt immer darauf an, was wir daraus machen, wie wir sie wertschätzen und damit umgehen. Die Schrift gibt uns einige Beispiele von Menschen, die trotz ihres Reichtums oder ihrer hohen Stellung zum Herrn Jesus kamen (z. B. Zachäus [Lk 19,2]; Nikodemus [Joh 3,1; 19,39]; Joseph von Arimathia [Lk 23,50]).

Mit seinen Worten in Vers 21 hatte der Herr den wunden Punkt im Leben dieses Mannes getroffen. Als es darum ging, sich zu entscheiden, traf dieser Mann die falsche Wahl. Wie ernst ist das! Denn wenn er auch aufrichtig zum Herrn kam und an sich ein rechtschaffener Mensch war, war die ewige Konsequenz für ihn doch genauso wie für alle die, die unaufrichtig zu dem Herrn kamen.

Paulus war ein Mann mit ähnlichen Vorzügen und Eigenschaften wie dieser Mann. Doch als er mit der Herrlichkeit der Person des Herrn in Verbindung kam, traf er eine andere Wahl. Die Auswirkungen seiner Begegnung mit dem Herrn finden wir in Philipper 3,6–8.

Neben der direkten Bedeutung dieser Begebenheit können wir sie auch auf uns als Gläubige in der Nachfolge des Herrn anwenden. Und dabei werden wir hier auf die Konkurrenz zwischen den irdischen und sichtbaren Dingen und dem Schatz im Himmel aufmerksam gemacht.

In der praktischen Nachfolge hinter dem Herrn her besteht die Gefahr, dass wir an dem uns anvertrauten Besitz krampfhaft festhalten oder darauf vertrauen. Wenn das so ist, verschwindet automatisch unser „Schatz im Himmel“ aus dem Blickfeld. Wir rücken in der praktischen Gemeinschaft vom Herrn weg und lassen einen Abstand zwischen Ihm und uns entstehen.

Daher sollten wir immer klar vor Augen haben, dass der irdische Besitz vergänglich ist, während unser „Schatz im Himmel“ für ewig fest und sicher ist (Mt 6,20). Diesen Schatz sollten wir hochschätzen. Und für die irdischen Güter wollen wir uns vom Herrn zeigen lassen, wie wir sie verwenden sollen.

In das Reich Gottes eingehen

„Und Jesus blickte umher und spricht zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die, die Vermögen haben, in das Reich Gottes eingehen! Die Jünger aber entsetzten sich über seine Worte. Jesus aber antwortete wiederum und spricht zu ihnen: Kinder, wie schwer ist es, dass die, die auf Vermögen vertrauen, in das Reich Gottes eingehen! Es ist leichter, dass ein Kamel durch das Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes eingehe. Sie aber erstaunten über die Maßen und sagten zueinander: Und wer kann dann errettet werden? Jesus aber sah sie an und spricht: Bei Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott; denn bei Gott sind alle Dinge möglich“ (10,23–27).

Der Herr spricht in diesen Versen dreimal über das Eingehen in das Reich Gottes. Was ist unter dem „Reich Gottes“ und unter dem „Eingehen“ zu verstehen?

In der direkten Bedeutung damals bedeutete es das Eingehen in das 1000-jährige Friedensreich. Das war der Wunsch jedes Juden. Darum ging es auch in Johannes 3 bei Nikodemus, wo der Herr ihm als Voraussetzung für den Eingang in das Reich die neue Geburt vorstellt.

Was das Reich Gottes für uns bedeutet und welche Voraussetzungen es zum Eingang in dasselbe gibt, haben wir schon bei der Betrachtung von Vers 15 dieses Kapitels gesehen. Aus Römer 14,17 wird deutlich, dass es heute im Reich Gottes nicht auf die irdischen Dinge ankommt, sondern auf geistliche Dinge und Eigenschaften und auf den Dienst für Christus. Diese Dinge – und nicht die irdischen und materiellen – sollten wir daher erkennen und wertschätzen und Ihm zur Ehre dienen. Wenn wir das tun, wird heute in unserem Leben „Reich Gottes“ verwirklicht.

Die Worte des Herrn, die Er hier über die materiellen Güter äußert, waren für die Jünger schwer zu verstehen. Denn unter dem Gesetz war materieller Wohlstand ein Zeichen des Segens Gottes. Ihr Entsetzen und Erstaunen zeigt, wie wenig sie von allem verstanden. Daher zeigt der Herr ihnen noch einmal, dass der Eingang in das Reich Gottes allein von Gottes Macht und seiner Liebe zu den Sündern abhängt. Es ist ausschließlich das Werk Gottes, der Mensch kann es nicht von sich aus.

Lohn für treue Nachfolge

„Petrus fing an, zu ihm zu sagen: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Jesus sprach: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker verlassen hat um meinet- und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfach empfängt, jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgungen, und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben. Aber viele Erste werden Letzte und die Letzten Erste sein“ (10,28–31).

Es scheint, dass Petrus mit seinen Worten an das anknüpft, wozu der Herr den reichen Jüngling aufgefordert hatte: „Verkaufe, was du hast … und komm, folge mir nach.“ Sie hatten alles verlassen und folgten Ihm nach. Jetzt wollte Petrus wohl wissen, was sie dafür empfangen würden.

Der Herr macht deutlich, dass Er jeden, der mit guten Beweggründen – um „seinet- und um des Evangeliums willen“ – etwas aufgibt, reichlich belohnen wird. Gott bleibt niemandes Schuldner. Aber nicht der Lohn sollte der Beweggrund unserer Nachfolge oder unseres Dienstes sein, sondern die Liebe zu Ihm. Die Belohnung ist nur eine Ermunterung für den, der sich bereits in der Nachfolge und im Dienst für Ihn befindet.

Der Apostel Paulus ist ein schönes Beispiel für das, was der Herr über den Lohn in dieser Zeit sagt. Er empfing diese Dinge in den vielen Geschwistern, denen er diente, und wurde zugleich dabei auch angefeindet und verfolgt.

Die abschließenden Worte des Herrn in Vers 31 sind ernst und bedeutungsvoll. Sie waren für Petrus und die Jünger eine Warnung vor jeder Art von Selbstzufriedenheit und reden damit auch zu unseren Herzen. Es geht nicht nur um den Anfang der Nachfolge und die erste Begeisterung im Dienst, sondern um die Beständigkeit darin, die am Ende zählt.

Diese Aussage des Herrn kann auch auf Israel, das Volk Gottes im Alten Testament, und auf die Nationen angewendet werden. Israel ist heute beiseitegesetzt und Menschen aus den damals so verachteten Heiden bilden jetzt das Volk Gottes (Apg 13,46).

Eine nochmalige Ankündigung des Todes und der Auferstehung des Herrn

„Sie waren aber auf dem Weg hinauf nach Jerusalem, und Jesus ging vor ihnen her; und sie entsetzten sich, und während sie nachfolgten, fürchteten sie sich. Und er nahm wiederum die Zwölf zu sich und fing an, ihnen zu sagen, was ihm widerfahren sollte: Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten überliefert werden; und sie werden ihn zum Tod verurteilen und werden ihn den Nationen überliefern; und sie werden ihn verspotten und ihn anspeien und ihn geißeln und töten; und nach drei Tagen wird er auferstehen“ (10,32–34).

Der Herr geht mit den Jüngern weiter nach Jerusalem, dem Ort, wo Er zum Tode überliefert werden würde. Er machte sich mit den Jüngern eins und ging vor ihnen her. Die Jünger folgten Ihm voll Entsetzen. Sie empfanden sicherlich, dass der Widerstand gegen den Herrn immer größer wurde, und fürchteten um sein Leben, wenn Er weiter nach Jerusalem hinaufging.

Obwohl der Herr sie bereits wiederholt auf das vorbereitet hatte, was Ihm dort geschehen würde (Mk 8,31; 9,9.31), konnten sie es nicht recht fassen, da sie doch zu sehr mit sich und mit dem kommenden Reich beschäftigt waren.

Doch in seiner großen Geduld nahm Er „wiederum die Zwölf zu sich und fing an, ihnen zu sagen, was ihm widerfahren sollte“. In ergreifender Weise entfaltet Er dann alles, was Ihm begegnen und wie Er zu Tode gebracht werden würde. Seine Leiden bringt Er dabei mit dem Ausdruck „Sohn des Menschen“ in Verbindung. Der Herr Jesus war wirklich und wahrhaftig Mensch und hat auch die Leiden, die Ihm widerfuhren, als Mensch empfunden und durchlitten. Der Ratschluss Gottes beinhaltet es, dass Gott Ihn als „Sohn des Menschen“ zum Herrscher über die Werke seiner Hände machen will (Ps 8; Dan 7,13.14); aber dieser Ratschluss beinhaltet auch, dass der Herr Jesus zuvor als Mensch diesen Weg tiefster Leiden und sogar bis in den Tod gehen musste.

Der Wunsch des Fleisches, etwas zu sein

„Und Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, treten zu ihm und sagen zu ihm: Lehrer, wir wollen, dass du uns tust, um was irgend wir dich bitten werden. Er aber sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich euch tun soll? Sie aber sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir einer zu deiner Rechten und einer zur Linken sitzen mögen in deiner Herrlichkeit. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder mit der Taufe getauft werden, mit der ich getauft werde? Sie aber sprachen zu ihm: Wir können es. Jesus aber sprach zu ihnen: Den Kelch, den ich trinke, werdet ihr trinken, und mit der Taufe, mit der ich getauft werde, werdet ihr getauft werden; aber das Sitzen zu meiner Rechten oder zur Linken steht nicht bei mir zu vergeben, sondern ist für die, denen es bereitet ist.

Und als die Zehn es hörten, fingen sie an, unwillig zu werden über Jakobus und Johannes. Und als Jesus sie herzugerufen hatte, spricht er zu ihnen: Ihr wisst, dass die, die als Fürsten der Nationen gelten, diese beherrschen und dass ihre Großen Gewalt über sie ausüben. Aber so ist es nicht unter euch; sondern wer irgend unter euch groß werden will, soll euer Diener sein; und wer irgend unter euch der Erste sein will, soll der Knecht aller sein“ (10,35–44).

Die Jünger verstanden jedoch nichts von dem, was der Herr ihnen gerade vorgestellt hatte. In großem Gegensatz zu der Bereitschaft des Herrn, den Weg tiefster Leiden zu gehen, sind sie immer noch mit sich und ihrer Stellung im Reich beschäftigt. Aus fleischlichem Antrieb kommen Jakobus und Johannes – zwei nicht unbedeutende Jünger – mit einem von großer Eigenliebe gekennzeichneten Wunsch zum Herrn. Auf die Nachfrage des Herrn spezifizieren sie ihren Wunsch genauer und machen klar, dass es ihnen um eine hohe Stellung im Reich ging.

Ihr Ansinnen auf Ehre und Herrlichkeit in der Zukunft stand in großem Gegensatz zu dem, was Ihn aktuell beschäftigte: sein Leiden und Sterben am Kreuz.

Diese Haltung der Jünger hat den Herrn geschmerzt. Und doch antwortet Er ihnen nicht aufgebracht oder verärgert. Er macht ihnen stattdessen mit allem Ernst noch einmal deutlich, dass der Weg zur Herrlichkeit durch Leiden führt. Es ging jetzt nicht um die Frage, welchen Platz sie im Reich einnehmen würden, sondern vielmehr um die Frage, ob sie den Kelch trinken könnten, den Er trinken würde, und ob sie mit der Taufe getauft werden könnten, mit der Er getauft werden sollte.

Auf ihre Antwort „Wir können es“ geht Er nicht weiter ein, sondern sagt ihnen direkt, dass es ihnen einst so begegnen würde, wie es hier gesagt wird. Sie würden einmal ebenso wie Er von Seiten der Menschen leiden müssen (seinen Kelch trinken) und zum Teil sogar auch getötet werden (mit seiner Taufe getauft werden).

In Bezug auf ihren Wunsch nach einem Platz zu seiner Rechten und Linken antwortet Er nicht so, wie sie es erwarteten. Als der vollkommen abhängige Knecht Gottes überließ Er diese Sache dem Vater und tat nichts, ohne dass der Vater Ihm etwas speziell mitgeteilt hatte.

Leider waren auch die anderen Jünger nicht in einem besseren Zustand, wie ihre Entrüstung über die Frage der beiden anderen Jünger zeigt. Anstatt über die Eigenliebe und den Ehrgeiz der beiden betrübt und beschämt zu sein, wurden sie darüber unwillig. Dadurch kam der Stolz, der in ihren Herzen war, ans Licht. Ihr Verhalten spricht auch zu uns. Wie verhalten wir uns, wenn andere sich falsch verhalten und Fehler machen?

Angesichts des Herzenszustands der Jünger ruft Er sie herzu und zeigt ihnen, dass sie von einem Geist, der auch unter den Nationen herrschte, gekennzeichnet waren. Er macht deutlich, dass die Prinzipien im Reich Gottes (V. 43) denen in der Welt (V. 42) oft entgegengesetzt sind. Unter den Nationen haben die Obersten und Herrscher Gewalt über ihre Untergebenen. Aber unter den Jüngern des Herrn ist es anders: Der, der damit zufrieden ist, ein Diener zu sein, und bereit ist, anderen selbstlos zu dienen, ist der „Erste“ unter ihnen.

Wer einen solchen Platz einnimmt, ist in Übereinstimmung mit dem Herrn selbst, der das vollkommene Vorbild und der wahre Diener ist. Davon spricht der nachfolgende Vers.

Gekommen – um zu dienen

„Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele“ (10,45).

Gerade in dem Augenblick, als die Jünger miteinander um den Vorrang streiten und das Ihre suchen, spricht der Herr diese Worte, die den Kernvers dieses Evangeliums bilden. Er, der Einzige, der ein Recht hatte zu herrschen, war gekommen, um zu dienen. Während seines ganzen Lebens auf der Erde zeigte Er diese Gesinnung. Unermüdlich war Er beschäftigt, den Bedürfnissen der Menschen zu begegnen, Kranke zu heilen, das Evangelium zu verkündigen und Liebe zu üben. Aber nicht nur das: Er hatte von dem Vater das Gebot empfangen, sein Leben zu lassen und es wiederzunehmen (Joh 10,18), damit Sünder gerettet und zu Kindern Gottes gemacht werden konnten. Und Er kam, um diesen Willen seines Vaters zu erfüllen. So wurde Er „gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,8). Sein Dienst gipfelt darin, dass Er sein Leben als Lösegeld für viele in den Tod gegeben hat. Was für ein Heiland ist ER!

Hier – und in Matthäus 20,28 – heißt es, dass der Herr sein Leben als Lösegeld gab für viele – nicht für alle. Das ist der Gedanke der Stellvertretung. Nur für diejenigen, die sein Erlösungswerk im Glauben annehmen und Ihm ihre Sünden bekennen, hat der Herr Jesus das Lösegeld bezahlt.

Die Heilung des Blinden bei Jericho

„Und sie kommen nach Jericho. Und als er aus Jericho hinausging mit seinen Jüngern und einer zahlreichen Volksmenge, saß der Sohn des Timäus, Bartimäus, der Blinde, bettelnd am Weg. Und als er hörte, dass es Jesus, der Nazarener, sei, fing er an zu schreien und zu sagen: Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner! Und viele fuhren ihn an, dass er schweigen solle; er aber schrie umso mehr: Sohn Davids, erbarme dich meiner! Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn! Und sie rufen den Blinden und sagen zu ihm: Sei guten Mutes; steh auf, er ruft dich! Er aber warf sein Oberkleid ab, sprang auf und kam zu Jesus. Und Jesus hob an und sprach zu ihm: Was willst du, dass ich dir tun soll? Der Blinde aber sprach zu ihm: Rabbuni, dass ich wieder sehend werde. Und Jesus sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt. Und sogleich wurde er wieder sehend und folgte ihm nach auf dem Weg“ (10,46–52).

Mit der Geschichte des Blinden in Jericho beginnt in den drei ersten Evangelien die Beschreibung der letzten Ereignisse im Leben des Herrn auf der Erde, die Ihm auf seinem Weg nach Jerusalem begegneten.

Als der Herr Jericho, die Stadt des Fluches (Jos 6,26) verlässt, sitzt ein blinder Mann mit Namen Bartimäus bettelnd am Weg. Seine Krankheit symbolisiert den Zustand des Volkes Israel. Es erkannte den Sohn Davids, den Messias, der mitten unter ihnen war, nicht. Für sie war Er nur der verachtete Nazarener. Ebenso hatte die Mehrzahl der Israeliten auch keinen Blick für den eigenen Zustand.

Anders war es bei Bartimäus. Er konnte den Herrn zwar nicht sehen, aber er hatte ein Verlangen nach Ihm. Er hatte ein Bewusstsein seines schlimmen Zustandes und seiner Hilflosigkeit und empfand den dringenden Wunsch, davon geheilt zu werden. Als er nun hört, dass Jesus von Nazareth vorbeizieht, schreit er um Erbarmen. Dabei ruft er aber nicht nach dem Herrn als dem „Nazarener“, sondern er erkennt Ihn als den wahren König Israels, den „Sohn Davids“, an und gibt Ihm die Ehre, die Ihm zukommt.

Sein Glaube ließ sich auch nicht durch die Drohungen der Volksmengen aufhalten. „Er schrie umso mehr“ heißt es in Vers 48. Angesichts eines solchen Glaubens und einer solchen Not kann der Herr nicht weitergehen. Er bleibt stehen, weil einer da war, der Ihn suchte. Er hatte den Ruf des Blinden schon beim ersten Mal gehört, aber Er wollte die Ausdauer des Glaubens erproben. Jetzt lässt Er den Blinden rufen. Auf den Hilferuf des Menschen antwortet Er mit seinem Ruf der Gnade. Als Bartimäus es hört, wirft er sein Gewand ab und kommt zu Jesus. Er lässt alles fallen, was ihn irgendwie hindern kann, zum Herrn zu kommen.

Mit der Frage „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ bringt der Herr den Blinden dahin, ganz klar zu erkennen, was er braucht.

Zugleich bietet Er ihm mit dieser Frage aber auch seine ganze Hilfe an und gibt ihm die volle Sicherheit, dass Er allen seinen Bedürfnissen entsprechen kann. Das erfährt Bartimäus dann auch sogleich auf seine Bitte, dass er sehend werden möchte. Diese Bitte des Glaubens beantwortet der Herr sofort und belohnt Er das Vertrauen, das Bartimäus Ihm entgegenbrachte. Er wurde direkt geheilt und beantwortete die Gnade des Herrn, indem er Ihm auf dem Weg nachfolgte.

Diese Begebenheit spricht auch praktisch zu uns, indem sie uns den Weg des sündigen Menschen zu Gott zeigt und deutlich macht, inwieweit wir so einen Menschen auf seinem Weg zu Gott fördern oder hindern können.

Von Natur aus ist jeder Mensch blind und in Jericho, d. h. unter dem Fluch der Sünde. Um aus diesem Zustand befreit zu werden, sind der persönliche Kontakt mit dem Herrn und die Annahme seines Werkes von Golgatha nötig. Wie verhalten wir uns, wenn wir einer solch suchenden Seele begegnen? Sind wir – wie die Volksmengen hier – ein Hindernis (V. 48), oder gleichen wir denen, die den Blinden rufen und zum Herrn führen (V. 49)? Sind wir durch unser Verhalten ein Hindernis für andere, oder verhalten wir uns so, dass andere an uns erkennen können, wie herrlich es ist, dem Herrn nachzufolgen und sein Eigentum zu sein?

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