Betrachtung über das Evangelium nach Matthäus

Kapitel 14-17: Versucht, verfolgt und verworfen

Das erneute Wirken des Herrn, nach dem Einschub der Gleichnisse in Kapitel 13, beginnt mit einem sehr ernsten Ereignis. Herodes hatte Johannes den Täufer getötet.

Das Handeln von Herodes zu diesem Zeitpunkt ist in erschreckender Weise bezeichnend für den Zustand des sündigen, menschlichen Herzens. Wir lesen über ihn: „Zu jener Zeit hörte Herodes, der Vierfürst, das Gerücht von Jesu und sprach zu seinen Knechten: Dieser ist Johannes der Täufer; er ist von den Toten auferstanden, und darum wirken solche Kräfte in ihm“ (Mt 14,1.2).

Ein schlechtes Gewissen ist ein unruhiger, lebhafter und aufwühlender Insasse im menschlichen Herzen – ein gutes Gewissen hingegen ist ruhig und still. Ein schlechtes Gewissen neigt dazu, vorschnell zu handeln. Durch alles und jeden wird es alarmiert und fürchtet sich wo keine Furcht sein muss. So war es auch bei den Brüdern Josephs gewesen als sie sich an ihre Schuld aus der Vergangenheit erinnerten (1. Mo 42,21).

Das schlechte Gewissen des Herodes brachte das Bild des getöteten Johannes stets vor ihn und eine in Wahrheit noch weit entfernte Tatsache, brachte er in seinen Gedanken mit diesem Bild in Verbindung (die Auferstehung des Johannes). Die Werke Jesu regten ihn nun dazu an zu meinen, Johannes sei bereits von den Toten auferstanden – und dieser Gedanke war für Herodes schrecklich.

Wahrlich, die Auferstehung des getöteten Menschen muss für das Herz des Mörders unerträglich sein. Es sagt ihm gleichsam, dass Der, in dessen Händen Leben und Tod sind, sich selbst auf die Seite des Opfers gestellt hat. So war es damals in der Besorgnis von Herodes und so wird es letztendlich in den Befürchtungen der Welt sein. Denn am Tage der Offenbarung der Macht Jesu, den die Welt jetzt verwirft – Könige, mächtige Männer, Knechte, Bürger, Hauptmänner, die Großen und Reichen – alle werden sie zu den Bergen und den Felsen sagen: „Fallet auf uns und verberget uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes“ (Off 6,16) Die Erfahrung von Herodes ist daher eine Stimme für die Ohren der Welt. Denn die Auferstehung bekundet der Welt, dass Gott der Höchste sich selbst auf die Seite Dessen gestellt hat, den die Menschen verachtet und verworfen haben.

Die Nachricht des Martyriums des Johannes wird dem Herrn gebracht und es ist offensichtlich dass es Ihn innerlich bewegte. Es trifft Ihn unmittelbar, denn es berührte auch Seine eigene Sicherheit. Wenn schon die Boten so behandelt wurden, was mag wohl den Herrn des Tempels selbst erwarten? Wenn Johannes getötet wurde, was mag wohl mit dem Herrn Jesus getan werden? So mag die natürliche Regung Seiner Seele zu diesem Zeitpunkt gewesen sein. Später sagte Er zu Seinen Jüngern, indem er von Johannes sprach, dass sie „an ihm getan haben, was irgend sie wollten. Also wird auch der Sohn des Menschen von ihnen leiden“ (Mt 17,12). So mögen wohl auch Seine Empfindungen in Matthäus 14 gewesen sein, denn wir lesen, dass Er sich an einen öden Ort zurückzog (Mt 14,13). Ebenso sehen wir auch im Evangelium nach Johannes, dass Er immer wieder Judäa verließ, denn die Juden suchten Ihn zu töten (Joh 7,1; Joh 10,31.40). So also auch hier, nachdem Er gehört hatte, dass Herodes Johannes getötet hatte, zog Er sich zurück. In dem darauffolgenden Zeitabschnitt, d.h. von Matthäus 14,13 bis Matthäus 17,22, setzte der Herr Seinen Dienst in den entfernteren Teilen des Landes fort. Er war sich der Gefahr bewusst und Er würde ihr nicht unbedacht begegnen. Er würde aus der Reichweite der selbigen entweichen wenn dies ohne Verlust in Bezug auf das was Seine Bestimmung war, geschehen konnte. Für eine gewisse Zeit war Er also nicht auf den gewöhnlichen Wegen im Lande, weder in Kapernaum oder den umliegenden Teilen, noch Judäa oder Jerusalem.

Wie vollkommen ist dieser Weg unseres Herrn während dieser einsamen und besonderen Zeit! Sei Seine Herrlichkeit auch noch so groß – und wir wissen dass Er kein Geringerer war als Gott selbst, über alles – und doch war Er Mensch in all den Eigenschaften des Menschseins. Seine Spuren und Wege, die die Schwachheiten des Menschseins zeigen, sind kostbar indem Er durch Seine göttliche Kraft mächtige Werke für die Schwachheiten der Menschen tat. Der Vorüberziehende an der Quelle von Sichar ist wunderbar anzuschauen, ebenso wie der verklärte Herr der Herrlichkeit auf dem Berg. Und in diesem Zeitraum, von Kapitel 14,13 bis zu der Zeit von Kapitel 17,22, sehen wir Ihn in den Schwachheiten der menschlichen Umstände. Sein Leben wir von der Hand des Menschen bedroht und Er zieht sich zurück. Während wir Ihm so folgen, sehen wir Ihn zunächst an einem öden Ort (Mt 14,13), dann alleine auf einem Berg (Mt 14,23), daraufhin in Genezareth (Mt 14,34), anschließend an der weitesten Grenze im Westen in Tyrus und Sidon (Mt 15,21), danach wiederum auf einem Berg (Mt 15,29), dann an der Küste von Magada, am weitesten im Osten (Mt 15,39), danach auf dem höchsten Punkt im Norden (Gegend von Cäsarea Philippi) (Mt 16,13) und zuletzt wieder auf einem hohen Berg, der im Geiste und im Bilde der Himmel selbst war (Mt 17,1).

Ein wunderbarer, vollkommener, natürlicher Weg für die Schritte des Herrn. Er war in dieser Zeit gleichsam der Ausgesetzte, der Gefährdete – der David, gejagt wie ein Rebhuhn auf den Bergen (1. Sam 26,20).

Obwohl Er jedoch in bewusster Gefahr lebte und aufgrund dessen zurückgezogen Seinen Weg ging – indem Er sich dadurch nicht achtlos der drohenden Gefahr aussetzte – zeigt Sein Weg uns dennoch, dass Er weder vor dem Ihm drohenden Feind Angst hatte noch vergaß Er in Liebe Seinem Volk zu dienen. Denn in dieser Zeit gab Er Seinen Widersachern wieder und wieder Antwort auf deren Herausforderungen hin und nährte ebenso immer wieder die Volksmengen die auf Ihn hofften.

Welch eine Fülle moralischer Herrlichkeiten sehen wir hierin! Dies ist der Jesus dessen Weg vor uns erstrahlt. Er achtete die Ihm drohende Gefahr nicht gering und doch ließ Er sich durch sie nicht davon abhalten, Seinen Dienst an Freunden und Feinden auszuführen. Sowohl gegen solche die von Ihm abhängig waren als auch gegen die die Ihn verfolgten. Welche eine kostbare Frucht gegeben zu seiner Zeit von dem Baum der an den Wassern des Flusses gepflanzt worden war (Ps 1,3).

Wir sehen noch mehr. Während Er sich an der Küste von Tyrus und Sidon aufhielt, wird Er aufgesucht von einer Frau aus Kanaan. Sie bringt ihr Leid zu Ihm. Sie schenkt Ihm ihr Vertrauen.

Sie würde von Ihm Gebrauch machen – gerade das was Seine Liebe mit Freuden gibt. Ja das war Seine wahre Freude, wozu Er in diese Welt gekommen war, um in Seiner Hand die Herzen von Sündern zu sammeln. Jene Frau wusste, dass Er beides – fähig und willens ist – ihr zu dienen. Die Begebenheit ist voller Zartheit und zu Herzen gehendem Interesse für den Leser.

Offenbar besteht der Herr auf den Grundsätzen Gottes trotz all des Leides jener Frau, indem Er zunächst an ihr vorübergeht. Zu den Jüngern sagt Er, im Beisein der Frau: „Ich bin nicht gesandt, als nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“ (Mt 15,24). Zu ihr selbst sagt Er: „Es ist nicht schön, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hündlein hinzuwerfen“ (Mt 15,26). Aber sie wirft sich nieder! Sie erkennt Ihn als den Verwalter der Wahrheit Gottes und sie würde für keinen Augenblick erwarten, dass Er um ihrer und ihrer Leiden willen diese Wahrheit aufgeben würde. Sie lässt Gott die Ehre zukommen entsprechend Seiner eigenen Ratschlüsse und lässt den Herrn das treue Zeugnis zu diesen Ratschlüssen geben, obwohl sie dann in ihren Leiden bleiben müsste. „Ja, Herr“ antwortet sie – wodurch sie alles das was der Herr gesagt hat rechtfertigt – „und doch essen ja auch die Hündlein von den Brotsamen, die von dem Tisch ihrer Herren fallen“ (Mt 15,27).

Das war lieblich – es war vollkommen zu seiner Zeit, eine göttliche Frucht in ihrer Seele! Sie wollte ausschließlich in Übereinstimmung mit den Grundsätzen und Wegen Gottes in Gnade und Regierung gesegnet werden und als verlässlichen und unfehlbaren Zeugen dieser Wege Gottes nahm sie den Herrn selbst an.

Die Mutter des Herrn in Lukas 2 steht jener Frau aus den Nationen in Matthäus 15 in dieser Sache nach. Die Mutter Jesu wusste nicht, dass der Herr in dem sein muss was Seines Vaters ist (Lk 2,49). Sie wollte, dass Er die Wege mit Seinen Eltern geht. Die Fremde aus den Nationen jedoch erkannte, dass Er stets in dem Seines Vaters sein muss und sie ließ Gottes Wege in den treuen Händen Christi zu Stande kommen, obwohl sie selber dadurch beiseite gesetzt worden wäre. Dies gab ein wunderbares Zeugnis ihrer Unterwürfigkeit vor Gott. Ihre Worte waren wohlangenehm für das Herz des Herrn und dies zu einer Zeit als Sein Herz zutiefst getrübt wurde durch das was Ihm seitens Seines eigenen Volkes begegnete.

Der natürliche Mensch hätte eine solche Gelegenheit zu seinem eigenen Vorteil genutzt. Wenn Israel Ihn verwarf hätte der Heide Ihn gesucht. Wenn doch die Gefahren von Seiten Seines eigenen Volkes Ihn aus dem Volke hinausgebracht hatten und Fremde Ihn nun aufnahmen, würde Er doch sicherlich Seine Wege ändern. Die Natur hätte so argumentiert. Eine Syrophönizierin verlangte nach Ihm, während Israel Ihn verwarf – könnte Er da vorüberziehen? Würde Er nicht gerade jetzt über die eigentlichen Grenzen Seines Dienstes hinausgehen, um dieser armen Frau zu helfen? Nein. Er war der eine Gehorsame. Er würde nicht, wie ein anderer einst, hinübergehen zu dem König von Gath oder in das Land der Philister. Er ging nicht mit Fleisch und Blut zu Rate (Gal 1,16) noch machte Er Seinen Auftrag von den Umständen und Fügungen des Weges abhängig. Er war ausgesandt worden um den Beschnittenen zu dienen, um die den Vätern gegebenen Verheißungen zu erfüllen. Und mochte auch Israel die Stimmen ihrer Propheten und die Verheißungen ihrer Nation vergessen – Er konnte Seinen Auftrag nicht vergessen. Er gehörte Israel und nicht den Nationen – und dies lässt Er diese Heidin wissen. Er würde ihr weder Vorteile einräumen noch in Seiner Barmherzigkeit ihre Bedürfnisse stillen, bis sie nicht ihren wahren Platz als Heide in Unterwerfung unter Israel einnehmen würde. Dann würde Er, in Wahrheit, ihr alles das was sie verlangte zukommen lassen. „O Frau, dein Glaube ist groß; dir geschehe, wie du willst“ (Mt 15,28).

Wie vollkommen ist dies. Voll moralischer Herrlichkeit ist dieser ganze Weg von Anfang bis Ende! Die Gefahr bringt den Herrn in die abgesonderten Berge und in die Wildnis aber Er schreckt nicht vor dem Feind durch Angst zurück, noch beendet Er Seinen Dienst der Liebe durch Resignation, noch vergisst Er die Rechte anderer obwohl Ihm in deren Mitte Unrecht und Leid widerfährt.

Bei David, der in ähnlichen Umständen war sehen wir dies nicht (1. Sam 18–30). In vielerlei Hinsicht handelte David in wunderbarer Weise. Aber David ist nicht in allem ein Vorbild. Traurigerweise versagte er in mancher Sache gleichwohl er ein bewundernswerter und liebenswürdiger Mann war. Davids Lüge in Nob kostete das Blut der Priester (1. Sam 21–22). Davids Lügen in Gath führten zur Eroberung Ziklags (1. Sam 27). Er ließ Rache in seinem Herzen aufkommen und seine Absichten mussten durch die Worte einer Frau verhindert werden. Er wäre inmitten der Reihen von Unbeschnittenen in einen Krieg gegen Gottes Volk verwickelt worden hätte nicht die Hand Gottes die Gedanken der Fürsten der Philister beeinflusst.

Dennoch ist David mit Sicherheit unter den vorzüglichsten der Menschenkinder. Aber der David aus 1. Samuel 18–30 ist nicht der Jesus aus Matthäus 14–16 obwohl es ähnliche Umstände waren. Sie waren beide jeweils in der Zurückgezogenheit aufgrund von Gefahren und drohender Macht die in der jeweiligen Zeit in Israel bestand. Aber die beiden Geschichten beweisen nur aufs Neue, dass da nur Einer ist, der vollkommen ist. Es gibt niemand anderes als Ihn für unsere Sünden und niemand außer Ihn für die Ehre Gottes. Viel Gutes mag über jene aus alten Zeiten gesagt werden, Gutes mag von jenen getan worden sein – aber nur bei Jesus finden wir Vollkommenheit in jeglicher Hinsicht. Welch ein glückseliger Gedanke, welch liebliche Gegensätze! Keiner außer Jesus! Nur in Ihm findet der Sünder wahre Ruhe, nur in Ihm kommt Gott Seine volle Ehre zu. Diese Gedanken füllen unser Herz wenn wir die Wege des Herrn in diesem Teil des Evangeliums sehen. Doch wir kommen zu dem Ende dieser Wege so wie wir Kapitel 17 erreichen.

Die Sicht auf einen bestimmten Gegenstand hängt prinzipiell davon ab in welches Licht dieser gestellt ist. Unsere Freude an einer Sache hängt maßgeblich davon ab auf welche Weise wir uns dieser Sache nähern. Wie wir bereits gesehen haben war es Unglaube in Israel wodurch der Herr beiseitegesetzt worden war. Und nun ist es dasselbe wodurch Er auf den Berg der Herrlichkeit versetzt wird. Wir sollten diesen Blickwinkel haben um Seine Stellung sowohl in Matthäus 13 und 17 in rechter Weise wertzuschätzen.

Jeder Schritt Seines hellen Weges des Segens auf der Erde und inmitten Israels hinterließ Spuren von Dem, der gekommen war um den Bruch Israels zu reparieren. Er erneuerte, so können wir sagen, den Bund mit Seinem Volk, den Bund des Heils und der Rettung. Aber sie wollten nicht. Der Große im Volk sowie der Kleine, der König und die Volksmenge, bezeugten dies – sie wollten nicht.

Im Palast des Königs waren die Laute, die Harfe und der Wein – und das Blut der Gerechten. Die Sünde Babylons wurde in Jerusalem gefunden und noch mehr als die Sünde Babylons. Das Fest des Herodes war voll schrecklicher Rituale, mehr als das jenes Königs als eine Hand den Ausspruch des Todes auf Belsazar und sein Königreich an eine Wand schrieb (Dan 5). Dort waren die Gefäße des Tempels entweiht worden aber hier wurde das Blut der Gerechten gefordert. Dies war die Stimme des Palastes. Auch wurde die Unkenntnis Cäsarea Philippis gehört und sie bezeugten dasselbe, dass Israel nicht wollte. „Wer sagen die Menschen, dass ich, der Sohn des Menschen, sei?“ (Mt 16,13) fragte der Herr Seine Apostel als sie dorthin gekommen waren. Aber sie konnten Ihm nicht eine Antwort bringen die Ihm gezeigt hätte, dass die Menschen dort Ihn angenommen haben. Der Ausspruch des Propheten, „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben“ (Jes 9,5) – der rechtmäßige Ausspruch Israels über ihren Messias – wurde von dem Volk nicht gebracht. Sie mögen hohe und ehrenhafte Meinungen über Ihn gehabt haben, wie zum Beispiel dass Er der Elia oder Jeremia sei – aber dies reichte nicht. Er wurde nicht erkannt.

Dies war ein gewaltiger Augenblick. Wir müssen hier ein wenig verweilen. Es ist eine Begebenheit an der wir nicht so schnell vorübergehen möchten.

Kein geringeres Bekenntnis als „Sohn des lebendigen Gottes“ reicht aus (Mt 16,16)! Wie bereits gesagt mögen die Menschen hohe und ehrenhafte Gedanken über Jesus haben. Sie mögen von Ihm als einem guten Menschen oder einem Propheten wie Elia oder Jeremia sprechen aber nichts dergleichen wird ausreichen. Nichts geringeres als Glaube der Ihn erkennt und annimmt als den Christus, den Sohn des lebendigen Gottes – reicht aus!

Der Grund weshalb ein solcher Glaube notwendig ist, ist einfach. Unser verdorbener Zustand in dieser Welt – verdorben durch die Sünde und den Tod – verlangt nach der Gegenwart Gottes selbst unter uns und zwar muss dies im Charakter desjenigen, der Sieger über Sünde und Tod ist, sein. Er, den Gott gesandt hat, ist ein solcher. Er ist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, des lebendigen Gottes im Fleisch gekommen. Er kam hier her aus genau diesem Grund, um Leben in den Schauplatz des Todes zurückzubringen, die Werke des Teufels zerstörend und die Sünde hinwegtuend. Nach einem solchen verlangt unser Zustand! Derart ist unser Zustand, dass nichts Geringeres als dies für uns ausreicht. Und wenn wir in unseren eigenen Gedanken mit irgendetwas Geringerem als diesem zufrieden sind zeigen wir damit, dass wir noch nicht unseren wahren Zustand erkannt haben, unser Zustand in der Gegenwart Gottes. Alle Annahme von Christus außerhalb dieses Bekenntnisses – „Sohn des lebendigen Gottes“ – ist nichts. Es ist keine Annahme Seiner Person. Er mag ein Prophet sein, Er mag ein König sein, Er mag einer sein der Wunder vollbringt oder ein Lehrer der himmlischen Geheimnisse – aber wenn dies all unser Verständnis Seiner Person ist dann ist das alles nichts!

Der Glaube hat ein großes und edles Werk auf diesem Schauplatz der Welt und in den täglichen Umständen des menschlichen Lebens zu vollbringen. Er muss seine Ziele durch viele Widerwärtigkeiten und Schleier hindurch erreichen und in seiner eigenen Welt wohnen trotz vieler Hindernisse. Es sind die unsichtbaren Dinge (2. Kor 4,18) und die Dinge die der Glaube hofft (Heb 11,1), mit denen er es zu tun hat. Diese Dinge liegen im Unsichtbaren und deren Erfüllung teilweise in der Zukunft – und der Glaube muss aktiv und kraftvoll sein um sie zu erfassen und sie zu genießen.

In Johannes 11 sehen wir einen Schauplatz des Todes. Einen solchen, wie ich gesagt habe wie ihn unsere verdorbene Welt bietet. Jeder außer der Herr selbst, scheint durch und durch vom Tode ergriffen zu sein. Die Jünger, Martha und ihre Freunde und sogar Maria, sprechen nur vom Tod. Jesus inmitten all dessen steht allein, das Leben sehend und spricht von Leben. Er bewegte sich im Bewusstsein desselben, in sich selbst Licht haben in dieser überschattenden Dunkelheit und Düsternis. Aber es war dort kein aktiver Glaube vorhanden, d.h. ein Glaube der Ihn und das Leben in Ihm erkannt hätte. Martha zeigt uns dieses Fehlen des Glaubens genauso wie es die Volksmengen taten in Matthäus 16,14. Sie begegnet dem Herrn und ihr einziger Gedanke über Ihn ist dieser, dass egal was Er von Gott erbitten werde Gott Ihm geben wird. Aber so kann es nicht gehen. Dies war nicht rechter Glaube der die Herrlichkeit die in Jesus von Nazareth verborgen war, erkannt hatte.

Der Sohn wird sich selbst entäußern. Er wird Knechtsgestalt annehmen. Er wird bis zum Tode gehorsam sein. Er wird sich selbst mit einer Wolke bedecken und Er verbarg sich unter einem dichten Deckmantel, nicht nur einem Vorhang aus Fleisch, sondern aus Fleisch in Demütigung, Schwachheit und Armut. Aber indem Er dies alles bewirkte konnte Er nicht das Fehlen des Glaubens tolerieren der sein rechtes Werk nur dann tut, wenn man Ihn erkennt. Er würde nicht in Gemeinschaft mit geringwertigen Gedanken über Ihn sein. Er schaut aus nach der Erkenntnis des Glaubens Seiner Herrlichkeit in den Gläubigen mit denen Er wandelt.

Darum tadelte Er Martha. Anstatt zuzugestehen, dass Gott Ihm das geben wird wonach Martha gefragt hat indem Er den Vater darum bittet, sagt Er zu Martha, in der Autorität Seiner eigenen persönlichen Herrlichkeit, „Dein Bruder wird auferstehen“ (Joh 11,23) Und anstatt mit ihrem Folgegedanken übereinzustimmen, dass Lazarus am letzten Tag auferstehen werde, sagt Er zu ihr, „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit“ (Joh 11,25.26).

Wie spricht doch dies alles zu unseren Seelen! Der Herr wird solch unvollkommenen Gedanken betreffs Seiner Person keinen Raum lassen. Es war notwendig in dem Reichtum Seiner Gnade, dass Er sich selbst zu nichts machte. Unsere Sünden konnten in nichts Geringerem als diesem Erlösung finden. Aber es bleibt bestehen, dass der Glaube Ihn vollkommen erkennen muss unter diesem Deckmantel der Selbstlosigkeit.

Aber – wie wunderbar ist es dies hinzuzufügen! – wenn Martha im Unglauben handelte, der in Bezug auf die Erkenntnis Jesu zu kurz kam, so sehen wir doch in Matthäus 16 Petrus, der bei dieser Begebenheit den Glauben offenbart, der durch das Wirken des himmlischen Vaters das rechte Werk des Glaubens vollbringt und die verborgene Herrlichkeit des Herrn Jesus entdeckt. Wie glückselig ist es dies zu sehen! Petrus erlangte dies durch Offenbarung des Vaters. Fleisch und Blut konnten dies nicht hervorbringen, noch das Wirken des Glaubens es vollbringen. Es war eine Offenbarung für Petrus, so wie es auch bei uns allen der Fall sein muss (Mt 16,17).

Indem der Herr so von den Meinungen der Menschen über Ihn selbst erfuhr wandte Er sich zu Seinen Jüngern und sagte, „Ihr aber, wer sagt ihr dass ich sei?“ (Mt 16,15) Dann gab Petrus sein Bekenntnis. „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,16).

Dies stellte den Herrn zufrieden, ja es war für Ihn eine große Freude. Es war die Herrlichkeit einer unmittelbaren Offenbarung des Vaters in dem Geiste und der Erkenntnis eines der Seinen. Er wusste um die Glückseligkeit eines solchen Augenblickes. „Glückselig bist du, Simon, Bar Jona“, sagtw der Herr, „denn Fleisch und Blut haben es dir nicht geoffenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist.“ (Mt 16,17) Im Anschluss daran zeigte Er dann, dass das Geheimnis (dass Er der Christus ist, der Sohn des lebendigen Gottes) die Grundlage für alles Bauen in Ewigkeit ist.

Die Bedeutung dieser Szene rechtfertigt, dass wir noch ein wenig länger an dieser Stelle unseres Evangeliums verweilen. Wir haben die Worte der liebenden Martha in Johannes 11 und die Mangel- und Unvollkommenheit derselben – wodurch ein Tadel des Herrn hervorgerufen wurde – den Worten die Petrus durch eine Offenbarung des Vaters hervorbrachte – was die Zufriedenstellung und Freude des Herrn hervorrief – gegenübergestellt. Dieser Augenblick war voller großartiger Ergebnisse. Die Berührung der Finsternis des Menschen mit dem Sohn des lebendigen Gottes war gleichzeitig ein Augenblick der Offenbarung dieses Sohnes, die der himmlische Vater dem Petrus gegeben hatte. Alles dies gab diesem großartigen Moment seine Bedeutung und der Herr belehrt uns dadurch.

So wie nun der Unglaube durch den Bericht der Jünger bezüglich der Meinungen der Menschen vor Ihm erwiesen worden war, so stand nun nur noch ein einziger Schritt zwischen Ihm und dem Himmel. Entsprechend bereitete Er Seine Apostel darauf vor – die Jünger damals und wir heute erhalten ein Blick auf das Königreich in den Tagen der Macht und Herrlichkeit, wenn der Eine, den die Erde jetzt verwarf in Seiner Größe erscheinen wird. „Wahrlich, ich sage euch“ sprach der Herr zu den Zwölfen, „Es sind etliche von denen, die hier stehen, welche den Tod nicht schmecken werden, bis sie den Sohn des Menschen haben kommen sehen in seinem Reiche“ (Mt 16,28)

Nach sechs Tagen – in Übereinstimmung mit der Verheißung des Tausendjährigen Reiches – nimmt der Herr den Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einen hohen Berg und sie erhalten ein Bild von Ihm in Seinem Herrlichkeitsleib, zusammen mit Mose und Elia.

Bis dahin hatte es in keiner Weise eine solche Vision gegeben. Abraham und Jakob hatten Visionen von Engeln und von dem Herrn der Engel, aber Seine Herrlichkeit war ihnen verborgen geblieben. Gideon und Manoah hatten ebenfalls Ihn gesehen und ebenso Josua. Der brennende Dornbusch, der gespaltene Fels und der Gipfel des Pisga hatten Mose in Gemeinschaft mit Gott gebracht. Jakob hatte die Leiter, die den Himmel berührte, gesehen. Mose und die Ältesten Israels sahen den Gott Israels mit dem Himmel unter Seinen Füßen wie ein Werk aus Saphirplatten. Propheten hatten Ihn in geheimnisvollen Gewändern gesehen, Jesaja im Tempel und Daniel am Strom Hiddekel. Elisa hatte eine besondere Vision: Nicht den Herrn sondern Wagen und Reiter Israels und den gen Himmel aufgestiegenen Prophet und seinen Meister Elia, hatte er gesehen. (Diese Vision war in einer Hinsicht die am hellsten strahlende von allen, denn die himmlischen Ratschlüsse Gottes wurden darin erkennbar. Es war die Entrückung oder Verwandlung der Gläubigen, so wie es an dem Tag von dem 1. Thessalonicher 4 spricht, geschehen wird. Es war ein Aufsteigen. Dennoch war es nicht eine Vision des Menschen in Herrlichkeit. Elisa sah nicht einen verherrlichten, menschlichen Körper, obwohl er in geheimnisvoller Weise das himmlische Aufsteigen davon sah. Er war eher in 1. Thessalonicher 4 als in 1. Korinther 15.) Aber jetzt, auf dem heiligen Berg in Matthäus 17, haben Petrus, Jakobus und Johannes einen erhabeneren Anblick ihres Meisters, als Elisa selbst auf der anderen Seite des Jordans von Ihm hatte. Sie sahen Elia in Herrlichkeit, was Elisa nicht gegeben war.

Bis hierher hatte es also keine vergleichbare Vision mit der in unserem siebzehnten Kapitel aufgezeigten, gegeben. Die Sicht des Stephanus in späteren Tagen war wohl noch erhabener. Aber in vergangenen Tagen hatte es keine Vision gegeben, wo Menschen wie hier in Matthäus 17 gesehen wurden in persönlicher Herrlichkeit, verwandelt nach dem Bilde des Himmlischen. Hätten wir ein größeres Verlangen nach der Gegenwart des Herrn so würde dieses großartige Ereignis niemals in Vergessenheit geraten. Das Licht des heiligen Berges und die Majestät des Herrn Jesus die gesehen und wo die Stimme der erhabensten Herrlichkeit gehört wurde, würde unsere Herz weit über alles andere hinaus erfreuen.

So war es nun im Laufe unseres Evangeliums. Der Unglaube Israels, d.h. der Erde – besiegelt durch die Antwort die der Herr empfing als Er frage „Wer sagen die Menschen, dass ich, der Sohn des Menschen, sei?“ (Mt 16,13) – führte Ihn für einen Augenblick in den Himmel. Denn wenn die Erde nicht bereit war Ihn anzunehmen, so stand der Himmel in seiner weitaus erhabeneren Herrlichkeit Ihm offen.

Dies jedoch geschah nur für einen kurzen Augenblick, gerade so wie der Herr auch in Matthäus 13 nur für eine kurze Zeit eine Vorausschau auf die Zeit der Christenheit gab. Sein Anliegen galt Israel und der Erde, und so kehrte Er eilends zu Israel und der Erde zurück.

Wir haben jedoch bemerkt, dass der Herr in Matthäus 13 im Geiste unter den Nationen wandelte – oder anders gesagt in unserer gegenwärtigen Haushaltung sich aufhielt – durch alle wichtigen Gleichnisse die die Inhalt jenes Kapitels bilden, wird dies deutlich. Etwas Ähnliches finden wir nun nach Seinem Aufenthalt im Himmel in Matthäus 17. Denn obwohl der Herr nun zu Israel und der Erde zurückgekehrt war, so sehen wir dennoch in dieser Phase Seines Dienstes, die nicht vor Matthäus 21 endet, dass stets etwas Seiner himmlischen Gesinnung in Ihm ist. Er steigt von dem Berg herab und legt die Kleider der Herrlichkeit ab aber Seine Worte schmecken nach Einem, der himmlische Eindrücke in Seinem Geiste hat. Das Licht, das von Sebulon ausgehend die Städte und Dörfer des Landes durchleuchtet hatte, hatte nun etwas von der himmlischen Herrlichkeit gekostet. In Dessen nun folgendem Erstrahlen dürfen wir einige Züge Seiner himmlischen Herrlichkeit sehen.

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