Betrachtung über das Evangelium nach Matthäus

Kapitel 3-4: Die zweite Vorstellung des Königs – Taufe und Versuchung

Viele Jahre sind nun seit der Geburt des Kindes von Bethlehem vergangen. Die Zeit der Unterwürfigkeit gegenüber seinen Eltern in Nazareth ist vorüber, die Zeit des Gehorsams als ein Beschnittener unter dem Gesetz. Jetzt, im Alter von dreißig Jahren, tritt Er als das Licht des Landes Sebulon und Naphtali, entsprechend den Worten des Propheten Jesaja (Jes 9,1) hervor.

So wie bei der ersten Vorstellung Christi für das Volk Israel (Mt 1), haben wir nun bei der zweiten Vorstellung eine gewisse Einführung Seiner erhabenen Person. Für das geborene Kind war das Geschlechtsregister von Abraham bis auf David aufgezeichnet worden. Er war in Seiner rechtlichen Abstammung als Erbe und Stellvertreter den Führern des Volkes vorgestellt worden. Daraufhin war Er in schlichter Weise als der Bethlehemiter erschienen, so wie es im Propheten Micha gesagt wird. In derselben Weise wird Er nun als das Licht durch die Ankündigung des Propheten Jesaja eingeführt.

Diese Mal geht der Dienst von Johannes dem Täufer als dem Wegbereiter des Herrn – so wie Jesaja es gesagt hatte – Seiner Einführung voraus. Der Herr wird von Johannes getauft, denn Er würde alle Gerechtigkeit erfüllen. Er erfüllte damals die Gerechtigkeit, indem Er als Beschnittener Gott vollkommen unter dem Gesetz geehrt hatte. Und auch jetzt würde Er im Gehorsam folgen, denn Gott ging nun in Seinem zeitgeschichtlichen Handeln von Mose auf Johannes den Täufer über. Und so würde Er alle Gerechtigkeit erfüllen, und zwar sowohl die Gerechtigkeit, die durch Johannes den Täufer angekündigt wurde als auch die Gerechtigkeit, die der Gesetzgeber forderte.

Als nächstes sehen wir Seinen Auftrag und Seine Weihe unter der Stimme des Vaters und durch das Herniederkommen des Geistes. Anschließend kam die Versuchung als ein notwendiger Teil dieses erhabenen und ernsten Augenblicks. Diese war notwendig für die Einführung des Herrn in Seinen Dienst.

Wenn das vor Ihm liegende Werk nun die Erlösung sein sollte, wenn Er gekommen war um wiederherzustellen – ja noch mehr als nur das vorhandene Unheil wiederherzustellen welches der erste Mensch bewirkt hatte, und welches alle anderen Menschen nur bezeugten und wiederholten – so musste Er persönlich dorthin gehen wo einst der erste Mensch und ebenso alle anderen, versagt hatten. Darum wurde Er versucht. Er wurde von dem Geist in die Wüste hinaufgeführt, um von dem Teufel versucht zu werden. Der Geist, der in der Form einer Taube auf Ihn gekommen war bei Seiner Taufe führte Ihn nun dort in die Wüste, um der Schlange zu widerstehen. Die Schlange ist hier der brüllende Löwe, denn das Wirken der Gnade gegenüber Sündern – im Bild der Taube, die herab kam – geht einher mit einem vollständigen Sieg über den Verderber des Menschen, das ist Satan. Jesus kam, um Sünder zu erretten und die Werke des Teufels zunichte zu machen.

Diesem entsprechend, widersteht der Herr Jesus nun am Beginn Seines Dienstes und der Einführung Seiner Person, dem Satan. Er erweist dadurch, dass Er unerschütterlich ist. Eva gab Gottes Wort um der Schlange willen auf; der Herr Jesus widersteht ihm durch das Wort. Kein Versuch des Feindes hat Erfolg. Das Heilige, das geboren worden ist, ist auch als Mensch noch ebenso heilig wie zu der Zeit als Er noch im Mutterleib war. Er erweist, dass Er nicht unter der allgemeinen Niederlage und Gefangenheit des Menschen steht. Er verlässt den Satan ohne ihm irgendeine Ehre zu geben. Dadurch bindet Er ihn.

Dieses „Binden“ ist die erste große Handlung unseres Erlösers. Darauffolgend tritt Er hervor, um in das Haus des Starken einzutreten und seinen Hausrat zu rauben (Mt 12,29). Zur rechten Zeit wird Er dann als der Zermalmende, sowie als der Bindende und der Zerstörende auftreten. Er wird dessen Kopf auf Golgatha zermalmen (1. Mo 3,15). In der fernen Zukunft, wird Er ihn aus den Himmeln hinaustun (Off 12), und danach wird Er ihn in den Abgrund werfen (Offenbarung 20). Schlussendlich wird Er den Satan in den Feuersee werfen (Off 20).

Dies sind die Wege unseres erhabenen Erlösers mit unserem Widersacher und diese Wege beginnt Er hier in der Wüste der Versuchung zu gehen. Wie einfach und doch wie herrlich! Wie vollkommen ist dabei die göttliche Ordnung als auch machtvoll sein Handeln von Anfang bis Ende! Niemand bindet oder zermalmt den Satan als Jesus, der Sohn Gottes. Simson ist ein Vorbild von Ihm als dem Stärkeren, der in des Starken Haus eintritt um dessen Hausrat zu rauben. All den Gläubigen wird Satan einst als der Zermalmte unterworfen sein. Doch es war der Herr Jesus, der Sohn Gottes, der den Satan band und das Haupt der Schlange zermalmte. Diese Werke waren Seine Werke und Sein allein.

Alles dies war einführend für Seinen Dienst. Er hatte ja alle Gerechtigkeit erfüllt, sei es unter dem Gesetz Moses oder unter der Taufe des Johannes, und als dem Vater gehörend und von Ihm bestimmt, in Dessen Augen die Füße seines Boten wunderbar sind, und als mit dem Heiligen Geist ausgestattet sowie als der Bindende des Starken – so tritt der Sohn nun hervor um Sein Werk auszuführen. Johannes war nun in Gefangenschaft gebracht worden und sein Dienst war beendet. Auf dass die Schrift in allem von Ihm vollkommen erfüllt werde, geht der Herr nun nach Galiläa und weilt in Kapernaum, an der Küste des Sees, an den Grenzen von Sebulon und Naphtali. Denn so war es durch die Propheten einst geschrieben worden: „Land Sebulon und Land Naphtali, gegen den See hin, jenseits des Jordan, Galiläa der Nationen: Das Volk, das in Finsternis sitzt, hat ein großes Licht gesehen, und denen, die im Land und im Schatten des Todes sitzen – Licht ist ihnen aufgegangen“ (Mt 4,15.16; Jes 8,23; Jes 9,1). Dieses große Licht brach hervor in solchen Gegenden, die an die heidnische Welt grenzten. Es war dazu bestimmt in seiner vollkommenen und endgültigen Macht, einst jedes Land zu erleuchten.

Kostbar und vollkommen ist dies alles. Dieses vollkommene Licht war das Licht des Lebens. Es ging im Schatten des Todes auf – denn die Finsternis, die es zu zerstreuen gekommen war, war die Finsternis des Todes. Denn die Unkenntnis des Menschen von Gott, bedeutete den Tod. Der Mensch ist dem Leben Gottes entfremdet aufgrund der Unwissenheit die in ihm ist, wegen der Blindheit seines Herzens (Eph 4,18). Das Licht das aber jetzt hervorstrahlte, war ein lebendig machendes Licht. Der Herr heilt, Er ging umher Gutes tuend. Er predigte und lehrte, aber Er heilte auch. Die Seele und der Leib, alle Bedürfnisse und das Elend des gefallenen Menschen, waren Ihm ein Anliegen. Hinter Ihm blieb wo immer Er auch hinkam – in Städte und Dörfer – stets die Stimme des Heils und des Dankes zurück.

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