Betrachtung über das Evangelium nach Matthäus

Einleitung

In diesem Evangelium steht unser Herr Jesus Christus in besonderer Weise in Verbindung mit den Juden. Es ist überaus passend, dass das Neue Testament mit einer offiziellen Vorstellung des Herrn Jesus für das Volk Israel, eröffnet wird. Die Wege Gottes mit dieser Erde waren eng verbunden mit dieser Nation, ja er hatte dieses Volk für sich selbst abgesondert sodass er selbst ihr Mittelpunkt sein würde, um welchen sich alle Nationen im Licht, in Treue und in Anbetung versammeln würden. Dies ist die Weise Gottes, dass auf diesem Wege alles licht und vollkommen sei. Es gibt Absonderung und doch Vollkommenheit; Absonderung weil er heilig ist, und Vollkommenheit weil er gnädig ist.

Bei der Schöpfung hatte der Fluss seinen Ursprung im Garten Eden, jedoch ist er seither zu vier Flüssen gespalten um die Fläche der Erde zu bewässern. Noah und seine Söhne wurden als Gottes bewahrte Auswahl auf eine neue Erde gesetzt, doch sie sollten die Erde wieder füllen und sie in Regierung und Dienst unter Gott verwalten. In späteren Tagen wurde Abraham von den Gräueltaten, welche die Erde überfluteten, berufen, denn in seinem Samen sollten alle Familien der Menschen gesegnet werden. Und so war Israel Gottes Volk; sein Thron und sein Heiligtum waren inmitten des Volkes und dennoch sollten sie der Mittelpunkt göttlicher Regierung und Anbetung für alle Nationen sein.

So sind Gottes Ratschläge und Wege: Absonderung zu ihm selbst hin und dennoch vollkommene Absichten in Gnade für die ganze Erde.

Israel war also dieses abgesonderte Volk und die göttlichen Ratschläge betreffs dieser Erde fanden in diesem Volk ihren Mittelpunkt. Das Licht welches Gott offenbarte, die Bräuche und Gebote welche seine Gedanken erkennen ließen und das Zeugnis das er von sich selbst in der Finsternis gab, in einer verdorbenen Welt, waren mitten unter ihnen. Sie waren gleichsam der Garten Eden in den damaligen Tagen, wo der Fluss der die Erde bewässern sollte, seinen Ursprung fand. Der Retter der Welt sollte ihr Messias sein. Der Lebensspender für Menschen die tot waren in ihren Sünden, sollte der König Israels sein. Und so mussten bei seiner Erscheinung die Früchte und Tugenden seiner Gegenwart offenbar werden sodass sie ihn annehmen würden.

Die Schriften des Neuen Testaments beginnen somit in treffender Weise mit einer vollständigen und formalen Vorstellung des Herrn Jesus für die Juden. Und dies ist das Thema bei Matthäus, denn Matthäus eröffnet dieses neue Kapitel der Wunder Gottes. Er beschreibt kurz und bündig und doch ernstlich und vollständig, die Ansprüche Jesu, des Messias, an sein Volk Israel.

Dies ist es also was wir in dem Evangelium nach Matthäus finden. Folglich lassen sich dessen Inhalte gut voneinander unterscheiden und in folgender Weise anordnen.

  1. Matthäus 1–2: Die erste Vorstellung des Herrn Jesus für Israel, als das Kind, geboren in Bethlehem, der Stadt Davids, nach dem Propheten Micha.
  2. Matthäus 3–20: Die zweite Vorstellung des Herrn Jesus für sein Volk, als das Licht von Sebulon und Naphtali, nach dem Propheten Jesaja.
  3. Matthäus 21–25: Die dritte Vorstellung des Herrn Jesus für sein Volk, als der König, gerecht, sanftmütig und heilbringend, nach dem Propheten Sacharja.
  4. Matthäus 26–28: Die Ergebnisse der Ablehnung ihres Herrn; denn Israel lehnte ihn ab – jede einzelne Vorstellung seiner Person ihnen gegenüber.

Das sind also die Inhalte dieses Evangeliums und deren Anordnung in einfachster Form. Es ist gleichsam eine Berichterstattung über den Prozess ob Israel seinen Messias annehmen würde oder nicht. Im Laufe dessen werden auch andere Dinge hier und da angesprochen, jedoch verliert der Geist des Evangelisten nie dieses große, leitende Thema.

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