Botschafter des Heils in Christo 1859

Einige Worte über den Dienst der Heiligen für die Versammlung

Es ist in der Tat eine liebliche und gesegnete Sache, ein Diener Christi zu sein. Wenn wir den Wert dieses Dienstes erkennen, so werden wir es für eine köstliche Gnade und ein großes Vorrecht schätzen, daran Teil zu haben, und es ist kein Glied des Leibes Christi von dieser Segnung ausgeschlossen. Der Herr selbst hat uns in seinen Dienst berufen und uns auch dazu tüchtig gemacht. Wir waren Sklaven der Sünde, aber Er hat uns durch sein eigenes Blut für sich erkauft, hat uns gewaschen und gereinigt und durch die Salbung seines Geistes zu seinem Dienst geweiht. Wir sind jetzt nur noch für Ihn da, unser ganzes Leben gehört Ihm allein. In jedem Verhältnis auf dieser Erde sind wir seine Diener, und haben in allem nach seinem Wohlgefallen zu fragen. Sobald wir uns selbst leben, sobald wir unsere eigenen Diener sind, haben wir unsere Stellung als Diener Christi vergessen. Dies ist aber in der Tat ein großer Verlust, denn wenn wir uns daran erinnern, wie oft und wie viel wir in der Heiligen Schrift zu seinem Dienst ermuntert und ermahnt sind, so sehen wir, wie wertvoll derselbe in den Augen Gottes ist. Noch mehr aber werden wir dies erkennen, wenn wir an die Verheißung der Belohnung denken, wobei selbst der geringste Dienst nicht vergessen ist.

Manche Gläubige mögen es für Hochmut halten, an eine solche Belohnung zu denken, und dies würde es auch in der Tat sein, wenn der Herr selbst nicht daran gedacht hätte. Jetzt aber ist es eine Geringschätzung gegen seine Belohnung, wenn wir nicht allen Eifer beweisen, um dieselbe zu erlangen. Viele glauben demütig zu sein, wenn sie auf diesen Lohn verzichten, während sie oft für den nichtigen Lohn, den die arme Welt dem Fleisch anbietet, eifrig dienen und sich bemühen. Für solche aber wird es auch sicher keine Freude sein, aus dem Mund des Herrn zu hören: „Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk ist“ (Off 22,12). Der Apostel Johannes war sehr bemüht, um nicht zu verlieren, was er erarbeitet hatte, denn es lag ihm viel daran, vollen Lohn zu empfangen (vgl. 2. Joh 1,8).

Es könnte aber jemand sagen: „Ich habe volles Genüge, nachdem ich weiß, dass ich errettet bin, und dass ich als Kind Gottes auch Erbe Gottes und Miterbe Christi sein werde.“ Das ist sicher wahr, aber weil ich als Kind überschwänglich gesegnet bin als Diener auf die Belohnung zu verzichten, zeigt eine Geringschätzung gegenüber dieser Belohnung, die eine Belohnung des Herrn ist. Und sicher würde auch mancher nicht so gleichgültig dagegen sein, wenn seine Erlangung nicht von unserem Dienst abhängig, und nicht das Bewusstsein der Untreue vorhanden wäre. Sind wir aber gleichgültig gegen den Dienst für den Herrn, so sind wir auch gleichgültig gegen Ihn selbst, mögen wir uns auch noch so sehr über unsere Errettung durch Ihn freuen. Die Errettung ist für mich, der Dienst für den Herrn. In der Errettung offenbart sich seine Liebe zu mir, in diesem Dienst aber meine Liebe zu Ihm, und letztendlich wird gerade durch diesen Dienst vor den Augen der Menschen sein Name verherrlicht. Deshalb wird auch ein Herz, das Ihn liebt, sicher mit Eifer bemüht sein, in seinem Dienst mit aller Treue voranzugehen.

Zunächst möchte ich nun mit einigen Worten die Frage beantworten: Wann sind wir zu dem Dienst Christi fähig? Im Wort Gottes selbst finden wir die einfachste Antwort. Der Herr fragte den Petrus: „Hast du mich lieb?“ Und Petrus antwortete: „Ja Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Danach gab Er ihm den köstlichen Auftrag: „Weide meine Lämmer.“ Petrus war nur dann fähig, diesen Dienst zu vollbringen, die Schafe Christi zu weiden, wenn er Ihn, den Herrn der Schafe, liebte. Ebenso ist es mit allem Dienst für Ihn. Die Liebe zu Ihm kann allein die Quelle und der Beweggrund zu diesem gesegneten Dienst sein. Fehlt diese Liebe, so ist der Dienst ohne Wert vor Gott. Wir wissen aber, dass seine Liebe in unsere Herzen durch den Heiligen Geist ausgegossen ist, der uns gegeben ist. Ist diese Liebe nun in der Kraft des Geistes wirksam, so werden wir zu seinem Dienst auch völlig willig und fähig sein. Und je mehr wir seine Liebe zu uns erkennen und uns darin freuen, desto mehr werden auch unsere Herzen mit Liebe für Ihn erfüllt sein und alles tun, was vor Ihm wohlgefällig ist.

Noch etwas anderes ist nötig, um ungehindert im Dienst Christi vorangehen zu können: ein befreites Gewissen und ein ruhiges Herz in der Gegenwart Gottes. Ist dies nicht vorhanden, so sind wir mit uns selbst beschäftigt, und sind nicht fähig, für andere tätig zu sein. Verstehen wir aber, dass in dem Werk Christi unsere Sünden getilgt sind, und die Sünde im Fleisch gerichtet ist, befindet sich nichts zwischen der Seele und Gott, was die Gemeinschaft stört, so haben wir ein befreites Gewissen vor Ihm. Und lassen wir alle unsere Anliegen mit Bitten und Flehen und Danksagung vor Gott kund werden und beschweren uns selbst mit keiner Sorge, so ist unser Herz ruhig und glücklich. Dies ist der wahre Zustand eines Dieners Christi. Er ist in der Gegenwart Gottes und ist mit Freuden dort. Jetzt kann er mit Ruhe über das nachdenken, was dem Herrn wohlgefällig ist und mit glücklichem Herzen darin leben. Dies sehen wir besonders in Philipper 4,6–8. Bin ich aber mit Sorge erfüllt, oder ist mein Gewissen durch irgend eine Sünde befleckt, so bin ich voll Unruhe, die praktische Gemeinschaft mit Gott ist unterbrochen und ich bin dann ganz und gar unfähig, mich mit dem köstlichen Dienst des Herrn zu beschäftigen. Wir nehmen dann den gesegneten Platz nicht ein, der uns in Christus Jesus gegeben ist. Anstatt an die glücklichen Dinge des Herrn zu denken und in seinem Dienst voranzugehen, denke ich an mich und bin in Betreff meiner beschäftigt. Der Herr aber will mir dienen und für alles, was mich betrifft, die neueste Sorge tragen, damit ich fähig sei, mich völlig und ungehindert seinem Dienst zu widmen. Dies wird oft wenig von uns verstanden, und es gibt viele unter den Gläubigen, die weit mehr mit sich vor Gott beschäftigt sind, als in dem gesegneten Dienst des Herrn für andere, und deshalb sind auch ihre Herzen, anstatt glücklich und frei, meist beschwert und niedergedrückt.

Andere Gläubige sind der Meinung, es handle sich bei dem Christen auf dieser Erde einzig und allein darum, in der Gegenwart Gottes ein glückliches Herz zu haben. Und es ist wahr, wie wir vorhin gesehen haben, dass hierin der wahre Zustand eines Christen besteht, aber das ist nicht der Zweck Gottes, warum Er ihn in diese Welt gestellt hat. Er soll hienieden in den Fußstapfen des Herrn Jesus wandeln und sein Zeugnis in dieser Welt fortsetzen und in allem sich als ein Diener Gottes beweisen. Das, was viele Gläubige für den Höhepunkt des christlichen Lebens auf dieser Erde halten, ist eigentlich nur der Anfang dieses Lebens. Der Gott wohlgefällige Wandel und der gesegnete Dienst des Christen beginnt, wenn er diesen glücklichen Platz in der Gegenwart Gottes eingenommen hat. Bin ich aber nur beschäftigt, um diesen gesegneten Platz zu erlangen oder zu behaupten, vergesse ich ebenfalls meine Stellung als Diener. Ich bin bemüht, meinen Frieden im Herzen zu bewahren. Und er wird mir oft umso eher geraubt werden, je mehr ich Anstrengungen mache, ihn zu bewahren. Es mischt sich sehr leicht meine eigene Gerechtigkeit und der Hochmut des Fleisches hinein, und die kleinste Versuchung ist oft hinreichend, meinen Frieden zu stören. Wenn wir aber jede Sorge dem Herrn überlassen, und in seiner Gemeinschaft leben, so bewahrt der Friede Gottes uns, und wir sind fähig, an die wohlgefälligen Dinge Gottes zu denken und mit glücklichem Herzen in seinem Dienst voranzugehen.

Worin besteht nun dieser Dienst? Wir wissen, dass der Apostel den gläubigen Knechten, die den leiblichen Herrn dienen, zuruft: „Ihr dient dem Herrn Christus“ (Kol 3,24). Der gnadenreiche Herr will in all unserem Tun uns als seine Diener betrachten. Dies ist in der Tat ein großes Vorrecht. Was das Kind dieser Welt für seinen Bauch tut, kann der Gläubige zur Ehre des Herrn und als Diener Christi tun. Es ist aber eine äußerst traurige Erscheinung, wenn der Christ, anstatt seinem Herrn zu dienen, der ihn um einen so teuren Preis erkauft hat, sich selbst dient und um seinetwillen für die Dinge dieser Welt besorgt ist.

Es ist nicht meine Absicht, in diesen Dienst, so gesegnet er auch ist, hier noch weiter einzugehen. Auch will ich mich weniger mit dem Dienst solcher beschäftigen, die auf eine besondere Art, in Folge einer besonderen geistlichen Gabe, Diener Christi für seine Versammlung sind. Hier denke ich vielmehr an den Dienst für die Versammlung Christi, die sein Leib ist, im Allgemeinen. Dieser Dienst ist das Vorrecht aller, weil alle Glieder an seinem Leib sind. „Denn auch in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden“ (1. Kor 12,13). Dieser Leib ist also zusammengefügt, damit ein Glied dem Anderen Darreichungen gibt, und auf diese Weise das Wachstum des Leibes zu seiner Selbstauferbauung geschafft werde.

Dieser Dienst für die Versammlung ist sehr hochgeschätzt in den Augen Gottes. Sein Wort ist reich an Ermunterungen und Ermahnungen zu demselben und auch reich an Verheißungen seiner Belohnung bei seiner Ankunft. Wir finden auch eine Menge Zeugnisse in Betreff dieses Dienstes in der Heiligen Schrift, welche einerseits zu unserer Nachahmung aufgezeichnet sind, und andererseits für die betreffenden Heiligen selbst zu einem ewigen Gedächtnis aufbewahrt werden. Vielen dieser köstlichen Zeugnisse begegnen wir in Römer 16, wo der Apostel bei den Grüßen, die er einzelnen Christen sendet, auch des Dienstes und der Bemühung im Herrn, sowohl der Brüder als der Schwestern, für die Heiligen gedenkt. Diese Dienste werden auch sicher nicht vergessen sein, wenn der Herr kommt und sein Lohn mit Ihm, um jedem zu vergelten, wie sein Werk sein wird, denn der Apostel schreibt ausdrücklich an die gläubigen Hebräer: „Denn Gott ist nicht ungerecht, euer Werk zu vergessen und die Liebe, die ihr für seinen Namen bewiesen habt, da ihr den Heiligen gedient habt und dient“ (Heb 6,10).

Der hohe Wert dieses Dienstes wird noch mehr von uns gefühlt werden, wenn wir die große Liebe des Herrn für seine Versammlung kennen. Sie ist sein Leib. Er hat sich selbst für sie hingegeben, und noch jetzt ist es stets die Freude seines Herzens sich für dieselbe zu bemühen. An dieser Liebe und Freude sollen wir durch unseren Dienst und unsere Bemühung für die Versammlung teilnehmen. Es ist eine große Freude für eine Mutter, wenn sie hört, dass ihr geliebtes Kind in der Fremde teilnehmende Herzen gefunden hat, die ihm in allem beistehen, ja der geringste ihm erwiesene Dienst der Liebe, der von anderen kaum beachtet wird, ist für sie von großem Wert. Ebenso ist es mit Christus in Betreff der Versammlung. Er liebt sie mit vollkommener Liebe, und sein eigenes Herz wird durch die Liebe und Teilnahme, welche sie von anderen in der Wüste hienieden findet, erfreut und erquickt. Welch ein gesegnetes Vorrecht, dieser Versammlung anzugehören, aber auch welch ein gesegnetes Vorrecht, seine Gefühle und Liebe, seine Sorge und Mühe für sie zu teilen! Und dieses Vorrecht gehört, wie gesagt, allen Heiligen. Es ist ein unermesslich reiches Arbeitsfeld, worin jedes Glied des Leibes Christi, selbst das geringste und schwächste, seine volle Arbeit findet. Es umfasst alles, selbst die kleinsten Dinge, wodurch wir, sei es geistlich oder leiblich, irgendeinem Gläubigen behilflich und nützlich sein können, ja, der unscheinbarste und niedrigste Dienst ist oft der gesegnetste. Nichts ist von diesem Dienst ausgeschlossen, selbst nicht das Glas Wasser, was wir irgendeinem der seinen um seines Namens willen geben (vgl. Mk 9,41). Es ist aber auch deshalb umso trauriger, wenn so wenig an diesen Dienst gedacht und so manche Gelegenheit, ihn auszuüben, nutzlos vorüber geht. Viele Gläubige dienen nur, weil sie gerade dazu aufgefordert werden und sie nicht gut daran vorbei kommen können. Und sicher, für solche ist er nur eine drückende Pflicht. Das Herz und die Liebe Jesu fehlen darin, und somit fehlt die rechte Quelle und der wahre Segen. Es gibt in der Tat nur wenige unter den Christen, die diesen Dienst als eine köstliche Gnade und als ein gesegnetes Vorrecht erkennen und darin leben.

Schließlich erinnere ich noch einmal an die große Belohnung, die uns droben für diesen gesegneten Dienst aufbewahrt wird. Kein Dienst für seine Versammlung um seinetwillen wird unbelohnt bleiben, selbst nicht der geringste. Wer denkt daran, die Darreichung eines Trunks Wassers zu belohnen? Jesus, und sonst niemand. Er sagt: „Wahrlich, es soll nicht unbelohnt bleiben.“ Welch eine Ermunterung für uns, in diesem Dienst eifrig und treu zu sein und jede Gelegenheit zu benutzen, ihn zu erfüllen! Aber auch welch ein großer Verlust, wenn wir diesen Dienst vernachlässigen und versäumen. Wenn wir, anstatt für die Versammlung, für uns oder für die eitlen und nichtigen Dinge dieser Welt leben und bemüht sind.

Zum Schluss bemerke ich noch, wie überaus tröstend und erquickend es ist, wenn wir in jedem Dienst eines Heiligen für uns seine unaussprechliche Liebe und Fürsorge für uns erkennen, wenn wir sehen, wie Er selbst durch die geringsten Hilfsleistungen bemüht ist, uns den Gang durch diese Wüste auf alle Weise zu erleichtern.

Der Herr erleuchte unsere Augen, damit wir allezeit seine Liebe sehen und mit dankbarem Herzen anerkennen, und Er gebe uns auch viel Gnade zum eifrigen und ausharrenden Dienst in Liebe und Demut für seine geliebte Versammlung.

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