Der neue und lebendige Weg in das Heiligtum
Kommentar zum Hebräer-Brief

Kapitel 1

Der neue und lebendige Weg in das Heiligtum

„Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, …“ (1,1).

Der Brief beginnt mit dem Gedanken, dass Gott geredet hat. Welch unfassbare Tatsache! Gott hat den Menschen eine Offenbarung über sich selbst und über seine Ratschlüsse gegeben. Das hat Er im Lauf der Zeit auf zwei Weisen getan:

  1. zuerst durch die Propheten;
  2. dann direkt im Sohn.

Die Aussprüche Gottes sind den Juden anvertraut worden. Das war in jeder Hinsicht ein großes Vorrecht (Röm 3,2). Gott hatte vorher zu den „Vätern“ geredet, also zu den Vorfahren des damaligen jüdischen Volkes, zu dem die Empfänger des Briefes gehörten. Den Ausdruck „Väter“ finden wir im Neuen Testament oft (Joh 7,22; Apg 13,32; Röm 9,5; usw.). Gott redete vielfältig oder oft und auf mancherlei Weise zu ihnen, indem Er ihnen von den Ratschlüssen, die Er ausführen wollte, nacheinander fortschreitende Offenbarungen gab. Es geschah durch Propheten, heilige Männer Gottes, die vom Heiligen Geist getrieben geredet haben (2. Pet 1,21).

Ihre Reihe begann mit Mose 1, dem hervorragendsten von allen, wie er in 5. Mose 34,10 bezeichnet wird: „Und es stand in Israel kein Prophet mehr auf wie Mose.“ Die Reihe der Propheten erstreckt sich über eine Zeitepoche von mehr als tausend Jahren und schließt im Alten Testament mit Maleachi. Alle diese Propheten kündigten in immer deutlicheren Enthüllungen den an, der ihre Worte erfüllen sollte.

Mose hatte gesagt: „Einen Propheten aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, gleich mir, wird der HERR, dein Gott, dir erwecken; auf ihn sollt ihr hören“ (5. Mo 18,15). Und Maleachi, der letzte Prophet des Alten Testaments, kündet an: „Siehe, ich sende meinen Boten, damit er den Weg vor mir her bereite. Und plötzlich wird zu seinem Tempel kommen der Herr, den ihr sucht; und der Engel des Bundes, den ihr begehrt: Siehe, er kommt, spricht der HERR der Heerscharen“ (Mal 3,1).

Nachdem Gott während dieses langen Zeitabschnittes auf diese Weise zu den Vätern geredet hatte, hat Er nach dessen Abschluss, also „am Ende dieser Tage“, „zu uns geredet im Sohn“. In Ihm redet Gott selbst, also nicht mehr mittelbar durch Vermittlung von Männern, die vom Heiligen Geist getrieben waren. Wie war doch diese Offenbarung, diese neue Beziehung Gottes zu den Juden, gegenüber dem, was sie bisher gehabt hatten, so weit überlegen! Aber sie schloss sich zugleich an die alte Beziehung an. Gott hat sowohl „durch die Propheten“ als auch „im Sohn“ geredet, darin besteht Gleichheit. Der Unterschied besteht darin, dass im zweiten Fall Gott selbst der Redende ist, wogegen Er im ersten durch die Vermittlung anderer zum Volke sprach. 2

Die Tatsache, dass Gott im Sohn geredet hat, führt sogleich den Gedanken der Menschwerdung ein, aber mit der gleichzeitigen Beschreibung der ganzen Herrlichkeit seiner Person. Und was im Blick auf die Würde der Person des Sohnes aus diesem Kapitel besonders deutlich hervorgeht, ist seine Göttlichkeit in der Menschheit: Gott ist in unsere Mitte herabgekommen.

„… hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er gesetzt hat zum Erben aller Dinge, durch den er auch die Welten gemacht hat“ (1,2).

Gott hat seinen Sohn „zum Erben aller Dinge“ gemacht. Das setzt auch seine Menschheit voraus, denn erst nachdem Er als Mensch gelitten hat und als Auferstandener zur Rechten Gottes erhöht worden ist, hat Gott, seinen Ratschlüssen gemäß, alle Dinge seinen Füßen unterworfen und sie Ihm zum Besitz gegeben (Phil 2,6-11; Ps 2,8). Aber Er soll als Sohn alle Dinge in Herrlichkeit besitzen.

Mehr noch. Er ist auch der Schöpfer. Durch Ihn hat Gott „die Welt gemacht“, das heißt, die weiten Räume dieses Weltalls: Alles, was in der Zeit und im Raum besteht. Eine Wahrheit, auf der die heiligen Schreiber immer wieder und mit Kraft beharren (Joh 1,3.10; Kol 1,15.16) und die uns die Herrlichkeit und die Macht des Sohnes zeigt. Er ist es, der die Welten gemacht hat, die in den Himmeln ihre Bahn ziehen und die Herrlichkeit Gottes verkündigen. Gerade dieser Gott hat zu uns geredet.

„… welcher, die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Abdruck seines Wesens seiend und alle Dinge durch das Wort seiner Macht tragend, nachdem er [durch sich selbst] die Reinigung von den Sünden bewirkt, sich gesetzt hat zur Rechten der Majestät in der Höhe“ (1,3).

Er ist auch die Ausstrahlung der Herrlichkeit Gottes und der Abdruck seines Wesens - ein anderer Wesenszug seiner göttlichen Größe. Er ist in seiner Person die Offenbarung Gottes selbst. Wie uns das Licht durch seine Ausstrahlung kund wird, so sehen wir in Christus die Strahlen der Herrlichkeit Gottes leuchten, das heißt: die Vollkommenheit. So offenbart Er uns den, „der ein unzugängliches Licht bewohnt“ (1. Tim 6,16). Er ist die Ausstrahlung seines Wesens und der Abdruck dessen, was Gott in sich selbst ist. Wie ein auf Siegellack gedrücktes Siegel die genauen Züge des Siegels selbst wiedergibt, so zeigte sich in Christus auf vollkommene Weise, was Gott alles ist.

Er wurde in seiner Person hier auf der Erde gesehen, in allem, was Er sagte und tat: „Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat ihn kundgemacht“ (Joh 1,18). Und zu Philippus wird gesagt: „So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen, [und] wie sagst du: Zeige uns den Vater?“ (Joh 14,9).

Zudem trägt Er „alle Dinge durch das Wort seiner Macht“. Sein Wort besitzt nicht nur die göttliche Macht, alle Dinge aus dem Nichts hervorzurufen und sie in ein geordnetes System zu bringen, sondern auch, um ihr Bestehen und ihre Ordnung aufrechtzuerhalten und sie zu regieren. Ohne diese, seine Macht und ohne seine dauernde Wirksamkeit würden die Dinge sofort aufhören zu existieren. Sie würden in Verwirrung geraten und in nichts zusammenstürzen.

Die Wirkungen dieser Macht zeigten sich, als Christus auf der Erde war. Er bedrohte den Wind und sagte zum See: „Schweig, verstumme!“ (Mk 4,39). Sein unhörbarer Befehl rief die Fische herbei, um die Netze des Petrus zu füllen (Lk 5,4-6). Das war die Herrlichkeit des Herrn Jesus als Sohn Gottes.

Aber es gibt noch eine andere Seite seiner Herrlichkeit. Es ist zweifellos eine göttlich Herrlichkeit, die aber nur in seiner menschlichen Natur offenbart werden konnte:

  • Hebräer 1,3: „… nachdem er [durch sich selbst] die Reinigung von den Sünden bewirkt hat“.
  • Hebräer 2,10: „Denn es geziemte ihm, um dessentwillen alle Dinge und durch den alle Dinge sind, indem er viele Söhne zur Herrlichkeit brachte, den Urheber ihrer Errettung durch Leiden vollkommen zu machen.“

Die auf dem Kreuz vollbrachte Erlösung ist sein eigenes, göttliches Werk, dessen ganze Herrlichkeit Ihm persönlich gehört. Die Sünder, denen es zugute kommt, stehen hier nicht im Blickfeld. Die Erlösung ist ein Werk, das nur der, der gleichzeitig Gott und Mensch ist, ausführen konnte. Zu seiner Herrlichkeit als Schöpfer hat Er die wunderbare Herrlichkeit des Erlösers hinzugefügt, die weit erhabener und von einer ganz anderen Ordnung ist. Wunderbare Tatsache: Der Sohn, der Erbe aller Dinge, der Schöpfer, in dem sich die Pracht der Herrlichkeit Gottes und sein vollkommenes Wesen kundtut, ist es, der „durch sich selbst die Reinigung von den Sünden bewirkt“ hat. Wie sehr erhöht die Herrlichkeit seiner Person doch die Größe seines Werkes!

Er hat sich aufgrund dieses Werkes selbst zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt, nachdem Er das Werk vollbracht hat. Das ist seine gegenwärtige Stellung als Mensch. Aber Er ist auch Gott. Beachten wir: In dieser Stelle wird Er nicht, wie in der Apostelgeschichte oder im Epheserbrief, als solcher betrachtet, der in Bezug auf seine Auferstehung und seine Erhöhung von Gott abhängig ist. Hier nimmt Er selbst den Platz ein, der Ihm rechtmäßig zukommt, nachdem Er durch sich selbst, durch sein Opfer (Heb 9,26), die Reinigung der Sünden bewirkt hat.

Er ist der Sohn, der Schöpfer, eine Person der Gottheit und zugleich die Offenbarung Gottes. Jetzt ist Er aber auch der zur Rechten Gottes erhöhte Erlöser. Das ist seine persönliche Herrlichkeit, seine herrliche Stellung als Mensch. Er ist wohl der Messias, nimmt aber als solcher nach der Erfüllung des Werkes des Heils eine himmlische Stellung ein.

Wie war doch diese Tatsache geeignet, die jüdischen Christen vom Judentum zu lösen und sie mit dem Himmel zu verbinden! Welche Wirkung wird es auch auf unsere Herzen haben, wenn wir unseren Herrn Jesus in der Herrlichkeit betrachten!

„… indem er um so viel besser geworden ist als die Engel, als er einen vorzüglicheren Namen vor ihnen ererbt hat“ (1,4).

Der Schreiber des Briefes zeigt nun, dass der Herr Jesus in seiner Vortrefflichkeit über den Engeln, den himmlischen Geschöpfen und über den „Gewaltigen an Kraft“ (Ps 103,20) steht. Er tut es, um die Vortrefflichkeit des Christentums zu zeigen, die er im Verlauf des Briefes auch allen anderen Wesenszügen des jüdischen Systems gegenüberstellt. Gott hat sich in seinen Beziehungen zum Volk Israel und ihren Vätern oft des Dienstes der Engel bedient. Die Juden hatten „das Gesetz durch Anordnung von Engeln empfangen“ und rühmten sich dessen (Apg 7,53; Heb 2,2; Gal 3,19).

Der Apostel wird nun anhand verschiedener Stellen des Alten Testamentes die Überlegenheit der Person Christi zeigen. Sie kommt zunächst darin zum Ausdruck, dass Er einen vorzüglicheren Namen als die Engel ererbt hat, ein Name, der Ihm allein gebührt und durch den Gott offenbart hat, was Er ist. Das zeigt uns der folgende Vers.

Denn zu welchem der Engel hat er je gesagt: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt“? Und wiederum: „Ich will ihm zum Vater, und er soll mir zum Sohn sein“ (1,5)?

Das ist der Wesenszug, der Christus auf eine absolute Weise von den Engeln unterscheidet. Er ist Sohn. Wohl werden die Engel als Gottes Geschöpfe „Söhne Gottes“ genannt (Hiob 1,6), aber sie stehen Gott gegenüber nicht in dieser einzigartigen Beziehung, die das Wort mit „gezeugt“ ausdrückt. Die Worte: „Du bist mein Sohn“ zeigen an, dass nur Er in dieser Weise Sohn Gottes ist. Er ist Sohn von Ewigkeit her; aber dieser Name, der Ihm hier gegeben wird und der diese Beziehung anzeigt, wird auf den Christus, der auf der Erde geboren wurde, angewendet. „Heute habe ich dich gezeugt“: damit ist seine Beziehung zu Gott in der Zeit ausgedrückt. Er, welcher der eingeborene und ewige Sohn war, bevor noch irgend etwas bestand, hat durch seine wunderbare Geburt diese Stellung auch hier auf der Erde erworben, wie der Engel es Maria angezeigt hat: „Der Heilige Geist wird auf dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden“ (Lk 1,35). Jesus hat sich darüber hinaus auch „durch Totenauferstehung als Sohn Gottes“ erwiesen (Röm 1,3.4).

Zu dieser Anführung aus Psalm 2 fügt der Schreiber einen weiteren Ausspruch hinzu: „Ich will ihm zum Vater und er soll mir zum Sohn sein.“ Diese Worte, die sich in 1. Chronika 17,13 in ihrem wörtlichen und unmittelbaren Sinn auf Salomo bezogen, hier jedoch auf Christus angewendet werden, zeigen, dass es sich jetzt um seine Beziehung als Mensch zu Gott handelt. Sie bezeichnen Ihn als Messias, als König in Zion, wovon Salomo ein Vorbild war. Alles dieses beweist, wie vortrefflich der Name ist, den Er ererbt hat; wie hoch steht Er über den Engeln!

„Wenn er aber den Erstgeborenen wieder in den Erdkreis einführt, spricht er: „Und alle Engel Gottes sollen ihn anbeten“ (1,6).

Der Würde des Herrn wird noch ein anderes Zeugnis gegeben. Wenn Er als Erstgeborener in den bewohnten Erdkreis eingeführt wird, müssen Ihn die Engel, die höchsten Geschöpfe, die Gott am nächsten sind, anbeten. Dieser Ausdruck „Erstgeborener“ bezeichnet seine Vorrangstellung, wie auch aus Psalm 89,27 ersichtlich ist. Hier ist Er nicht wie in Römer 8,29 „der Erstgeborene unter vielen Brüdern“, sondern mehr der Erstgeborene im Sinn des Kolosserbriefes (Kol 1,15.18), wo dieser Ausdruck seinen Vorrang vor allem Geschaffenen anzeigt.

„Und in Bezug auf die Engel zwar spricht er: „Der seine Engel zu Winden macht und seine Diener zu einer Feuerflamme“; in Bezug auf den Sohn aber: „Dein Thron, o Gott, ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Aufrichtigkeit ist das Zepter deines Reiches; du hast Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst; darum hat Gott, dein Gott, dich gesalbt mit Freudenöl über deine Genossen.“ Und: „Du, Herr, hast im Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind Werke deiner Hände. Sie werden untergehen, du aber bleibst; und sie alle werden veralten wie ein Gewand, und wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, und sie werden verwandelt werden. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht vergehen“ (1,7-12).

Die Engel sind nur Diener. Gott macht mit ihnen, was Er will. Mit dem Sohn ist es anders: Gott erklärt, was Er ist. Um dies zu zeigen, führt der Schreiber des Briefs zwei bemerkenswerte Stellen aus den Psalmen an, die sich auf den Messias beziehen.

In Psalm 45 kommt seine Göttlichkeit zum Ausdruck: „Dein Thron, o Gott, ist immer und ewig; ein Zepter der Aufrichtigkeit ist das Zepter deines Reiches“ (Ps 45,7). Als solcher muss Er, wenn Er auch als Messias einen irdischen Thron haben wird, den Er einmal abgeben wird (1. Kor 15,24), einen Thron besitzen, der von Ewigkeit zu Ewigkeit bestehen wird. Als Messias wird Er in Gerechtigkeit herrschen, seinem persönlichen Charakter entsprechend, der mit den Worten geschildert wird: „Du hast Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst“. Nach all seinen Leiden wird Freudenöl, eine vollkommene Glückseligkeit sein Teil sein. Er wird „Genossen“, „Freunde des Bräutigams“, also den Überrest Israels um sich haben, die diese Freude mit Ihm teilen. Aber auch in seiner Freude wie in allen Dingen ist Er über seine Genossen erhaben (vgl. Heb 12,2; Joh 3,29).

Die zweite, aus Psalm 102 entnommene Stelle, schildert auf erhabene und noch deutlichere Weise die göttliche Herrlichkeit des Messias. In diesem Psalm lesen wir auch von dem Notschrei des leidenden Messias: „Ich sprach: Mein Gott, nimm mich nicht weg in der Hälfte meiner Tage!“ (Ps 102,25). Dann aber folgt die Antwort Gottes, die des Herrn, die ein wunderbares Zeugnis für die Person Christi ist: „Von Geschlecht zu Geschlecht sind deine Jahre. Du hast einst die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk“ (Ps 102,26). Dieser erniedrigte und niedergebeugte Messias ist der erhabene Schöpfer, der vor allen Dingen war und in Ewigkeit bestehen wird, wenn Er alles Vergängliche verwandelt haben wird. Inmitten der veränderlichen und vorübergehenden Schöpfung ist Er derselbe, der Unveränderliche, ein Titel, der nur für Gott benutzt wird.

„Zu welchem der Engel aber hat er je gesagt: „Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel deiner Füße“? Sind sie nicht alle dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die die Errettung erben sollen“ (1,13.14).

Die letzte hier erwähnte Einzelheit vervollständigt die Entfaltung der Herrlichkeiten Christi in der Beschreibung seiner gegenwärtigen Stellung. Zu diesem Zweck wird eine Stelle aus Psalm 110 angeführt, aus dem Psalm, den der Herr auf sich selbst bezieht (Mt 22,43-45). Aufgrund der Vollendung seines Werkes sowie nach seinen Leiden und seinem Tod, auch kraft der göttlichen Erhabenheit seiner Person beruft Ihn Gott auf den höchsten Platz der Ehre und der Majestät: „Setze dich zu meiner Rechten.“ Diese herrliche Stellung nimmt Er jetzt schon ein, in Erwartung des Augenblicks, an dem sie vor aller Welt offenbar werden wird. Das ist der Zeitpunkt, wenn Gott die Feinde Christi als Schemel dessen Füße hinlegen wird.

Zu welchen der Engel hätte Gott je ein solches Wort gesagt? Welchem hätte Er je einen solchen Platz gegeben? Keinem einzigen! Der Gegensatz zwischen ihrer Stellung und der Christi ist groß. Alle Dinge werden Ihm unterworfen sein, und bis dahin sitzt Er zur Rechten Gottes. Alle Engel beten Ihn an. Sie sind nur dienstbare, den Befehlen Gottes unterstellte Geister, Diener Gottes, die ihren Dienst zum Wohl derer ausüben, welche die Seligkeit ererben sollen. Beispiele für diesen Dienst finden wir in verschiedenen Stellen der Apostelgeschichte (Apg 5,19; 12,7-10; 27,23). Obwohl Engel für unsere Augen unsichtbar sind, sind zweifellos auch wir Nutznießer ihrer Fürsorge. Aber es ist besser, dass wir sie nicht sehen, denn der Mensch ist immer geneigt, sich an das von Gott verwendete Werkzeug zu hängen, anstatt sich bis zu Ihm zu erheben. Es ist gut, Engel zu beherbergen, ohne es zu wissen.

Alles in diesem Kapitel ist also dazu angetan, die göttliche Herrlichkeit Christi, des Mensch gewordenen Sohnes auf der Erde, zu erheben. Möchten unsere Herzen sie anbetend betrachten!

Fußnoten

  • 1 Henoch, der nach Judas 14 ebenfalls geweissagt hat, war noch kein Prophet an Israel.
  • 2 Als Gott durch die Propheten redete, blieb Er von ihnen unterschieden; Er bediente sich ihrer als Sein Mund. Im Sohn aber redete Gott selbst, nicht durch einen anderen, nicht als der Vater noch in der Person des Vaters, auch nicht durch den Heiligen Geist, indem Er sich einer nicht göttlichen Person bediente, sondern als göttliche Person selbst, und diese Person war der Sohn (Vorwort zur französischen Bibelübersetzung von John Nelson Darby).
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