Der neue und lebendige Weg in das Heiligtum
Kommentar zum Hebräer-Brief

Kapitel 13

Der neue und lebendige Weg in das Heiligtum

Der Anfang dieses Kapitels zeigt uns, dass, wenn wir noch inmitten von veränderlichen Dingen sind, von denen wir uns zu lösen haben, es anderseits bleibende Dinge gibt, die wir zu bewahren haben. Solche Dinge sind die Bruderliebe und ihre Früchte, die Reinheit, das Vertrauen in Gott usw.; und vor allem Jesus Christus, welcher Derselbe ist gestern und heute und in Ewigkeit.

„Die Bruderliebe bleibe“ (13,1).

„Die Bruderliebe bleibe.“ Mehr als einmal finden wir in den Briefen des Neuen Testaments die Ermahnung, dass die Kinder Gottes einander lieben sollen (Röm 12,10; 1. Thes 4,9; 1. Pet 1,22; 2. Pet 1,7). Es ist die Ermahnung, die auch der Herr an seine Jünger richtete: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebet“ (Joh 13,34). Der Apostel Johannes wiederholt diese Ermahnung verschiedene Male (1. Joh 3,11.23; 4,7.11.21), indem er zeigt, dass diese Bruderliebe eines der Zeichen des Lebens Gottes in uns ist, und indem er auf einige ihrer Wesenszüge und ihrer Früchte hinweist.

Die Häufigkeit dieser Ermahnungen zur Bruderliebe lässt uns einerseits erkennen, wie wichtig es ist, sie als die Frucht der Liebe und des Lebens Gottes im Herzen und im Leben zu verwirklichen. Anderseits aber werden wir so oft ermahnt, weil diese Liebe unter den Christen so leicht vergessen wird. Beachten wir, dass es hier heißt: „Die Bruderliebe bleibe.“ Sie soll sich nicht auf einige äußere Bezeugungen beschränken und sich nicht nur von Zeit zu Zeit zeigen, sondern bleiben als eine Sache, die zu unserem Leben gehört.

„Die Gastfreundschaft vergesst nicht, denn durch diese haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Gedenkt der Gefangenen, als Mitgefangene; derer, die Ungemach leiden, als solche, die auch selbst im Leib sind“ (13,2).

Hier werden uns zwei Dinge vorgestellt, worin sich Bruderliebe zeigt: die Gastfreundschaft und das Mitgefühl mit denen, die in Gefangenschaft Ungemach leiden. „Der Gastfreundschaft vergesst nicht.“ Aus der Gastfreundschaft kann für den, der sie ausübt, großer Segen hervorkommen. Wir mögen in dem Kind Gottes oder in dem Knecht des Herrn, den wir aufnehmen, keinen Engel sehen, aber es mag in ihm etwas sein, das nicht sichtbar ist und dessen er selbst sich nicht bewusst ist, durch das er aber großen Segen in das Haus bringt, das ihn aufnimmt.

Die Schrift belegt diese Wahrheit mit mehr als einem Beispiel:

  • Jethro nahm Mose auf.
  • Die Sunamitin beherbergte den Propheten Elisa.
  • Etliche haben Engel beherbergt, so zum Beispiel Lot (1. Mo 19).

Wir haben die Aufgabe der Gastfreundschaft nicht zu erfüllen, um Segen zu empfangen. Die Ausübung der Gastfreundschaft soll sich nicht nach der Vortrefflichkeit der Person, die aufgenommen werden soll, richten, sondern aus der Liebe hervorfließen. Schon in der Ausübung dieser Liebe ist Segen enthalten. Dabei mag es sich treffen, dass wir „ohne unser Wissen“ Gesandte Gottes, „Engel“, beherbergt haben, die uns Segen bringen.

Eine andere Frucht der Liebe besteht darin, denen, die Verfolgungen erdulden, Teilnahme zu beweisen als solchen, die in Gefangenschaft sind und Ungemach leiden. Wirkliche Teilnahme macht sich eins mit denen, die solche Trübsale erdulden: „als Mitgefangene“, und dies, weil man auch selbst „im Leib ist“, in einem Leib, der für solcherlei Leiden ebenso empfindsam ist.

Die gläubigen Hebräer hatten diese Teilnahme in früheren Tagen bewiesen, als sie selber gelitten hatten (Heb 10,32–34). Das Erleiden eigener Trübsal macht uns fähig, in die Leiden anderer einzugehen.

„Die Ehe sei geehrt in allem und das Ehebett unbefleckt; denn Hurer und Ehebrecher wird Gott richten“ (13,4).

Die natürlichen Beziehungen, die Gott am Anfang geschaffen hat, sollen in ihrer Unversehrtheit aufrecht erhalten werden. Es gab schon damals Lehrer, welche die Ehe unter dem Vorwand einer größeren Reinheit ablehnten, was aber Ehebruch und Hurerei zur Folge hatte. Der Christ soll das heilige Band der Ehe in jeder Beziehung achten, es in Ehren halten und in Reinheit leben. Wer das, was Gott eingerichtet hat, missachtet, wird nicht ungestraft bleiben: „Hurer aber und Ehebrecher wird Gott richten.“

„Der Wandel sei ohne Geldliebe; begnügt euch mit dem, was vorhanden ist, denn er hat gesagt: „Ich will dich nicht versäumen und dich nicht verlassen“; so dass wir kühn sagen können: „Der Herr ist mein Helfer, und ich will mich nicht fürchten; was wird mir ein Mensch tun?““ (13,5.6).

Der Wandel derer, die die unveränderlichen und ewigen Dinge besitzen und die ein unerschütterliches Reich empfangen werden, soll ohne Habsucht, ohne „Geldliebe“ sein. Der Apostel sagt zu Timotheus, dass „die Geldliebe eine Wurzel alles Bösen“ ist (1. Tim 6,10). Den Ephesern schreibt er, „dass kein Hurer oder Unreiner oder Habsüchtiger (welcher ein Götzendiener ist), ein Erbteil hat in dem Reich Christi und Gottes“ (Eph 5,5).

In der Lebensweise, den Sitten des Christen, darf es nichts geben, was eine solche Geldliebe, ein solches Verlangen nach weltlichen Dingen anzeigt. Aber wie oft jagt man ihnen auf die eine oder andere Weise nach. Es ist nicht Geiz in seiner groben Form, vor dem wir gewarnt werden, sondern Geldliebe. Ist es der Mühe wert, auf dem Weg zum himmlischen Vaterland für eine Zukunft, die wir nicht sehen werden, Dinge aufzuhäufen, die zerstört werden? Die Ermahnung hatte eine besondere Anwendung auf den Charakter der Juden, welche die Güter dieser Erde liebten.

„Begnügt euch mit dem, was vorhanden ist.“ Es ist im christlichen Leben schwierig und wichtig, mit dem, was Gott uns gibt, zufrieden zu sein, und darüber hinaus nichts zu verlangen. Der Apostel Paulus gibt uns in dieser Zufriedenheit ein schönes Beispiel: „Ich habe gelernt worin ich bin, mich zu begnügen“ (Phil 4,11–13). Lasst uns das auch lernen, denn dieses sich begnügen mit dem, was Gott uns gibt, verherrlicht Ihn und ist mit einem Frieden gepaart, den diejenigen nicht kennen, die immer nach dem verlangen, was sie nicht haben, oder mehr haben möchten, als sie besitzen.

Aber um sich mit dem zu begnügen, was wir haben, ist Vertrauen zu Gott nötig. Der Brief bringt uns eine Verheißung in Erinnerung, die einst Josua gegeben wurde. Sie wird hier auf die Gläubigen angewandt, an die sich der Schreiber hier wendet, und wir können die Verheißung auch auf uns anwenden. Als Josua im Begriff stand, das Volk in das Land Kanaan einzuführen, richtete der Herr diese Worte an ihn: „Ich will dich nicht versäumen, noch dich verlassen“ (Jos 1,5). Er sollte nun mächtige Feinde besiegen und vielen Schwierigkeiten begegnen. Aber der Herr gab ihm die Zusicherung, dass Er ihn nicht allein lassen würde, um inmitten der Schwierigkeiten den Weg zu finden. Er würde ihn nicht versäumen in den Kämpfen, die auszufechten waren. Josua machte die Erfahrung, dass sein Gott treu war.

Auch wir können uns auf dasselbe Wort stützen, das Gott bei verschiedenen Gelegenheiten seinem Volk oder einzelnen der Seinen gab (vgl. 1. Mo 28,15; 5. Mo 31,6–8; 1. Chr 28,20). Lasst uns also in allen unseren Schwierigkeiten sagen: Er wird dich nicht versäumen noch dich verlassen. Auch wir werden seine Treue sehen.

Gott will uns diese Zusicherung geben, damit wir voll Vertrauen sagen: „Der Herr ist mein Helfer, und ich will mich nicht fürchten; was wird mir ein Mensch tun?“ Das Vertrauen muss eine Grundlage haben, auf die es sich stützt. Das Vertrauen des Gläubigen ist nicht ein blindes Vertrauen. Es ruht auf einer ausdrücklichen Erklärung Gottes, der nicht lügen kann. Das Vertrauen ehrt und verherrlicht Gott. Ergebnisse dieses Vertrauens sind, dass Prüfungen und Proben mit einem ruhigen Herzen durchquert werden können.

„Der Herr ist mein Helfer“, sagt das vertrauende Herz. Es stützt sich keineswegs auf sich selbst, auf seine Weisheit, seine Kraft, seine menschlichen Hilfsquellen, sondern auf den Herrn. Es kennt die Verheißung des Herrn und verlässt sich darauf. Welchen Anlass zum Fürchten könnte es unter dem mächtigen Schutz des Herrn geben? Kann die Macht des Menschen den erreichen, der sich unter diesem Schild in Sicherheit bringt?

Als Paulus in Korinth seine Schwachheit fühlte und den Herrn zu ihm sagen hörte: „Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin mit dir und niemand soll dich angreifen, dir Übles zu tun“, wurde er da nicht mit Vertrauen erfüllt und fähig gemacht, das Wort in dieser Stadt, einer wahren Festung Satans, mit Freimütigkeit zu verkündigen angesichts des ganzen Widerstandes? So lasst auch uns die kostbare Verheißung Gottes ergreifen und voller Vertrauen sein, was immer wir auch auf dem Weg, den Gott uns führt, vonseiten des Menschen zu erfahren haben. Das Zitat ist Psalm 118,6 entnommen. Aber wir finden ähnliche Worte heiliger Furchtlosigkeit gegenüber dem Menschen auch in Psalm 56,4.11, wo die Seele ebenso auf Gott vertraut. Der Psalmist brachte sie in diesem letzten Fall zum Ausdruck, als ihn ein Mensch bedrückte. In Psalm 118,5 wurde er befreit, und der Genuss der Befreiung befestigte sein Vertrauen.

„Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben, und, den Ausgang ihres Wandels anschauend, ahmt ihren Glauben nach“ (13,7).

Hier wird den gläubigen Hebräern als weitere Ermunterung auf dem Weg des Glaubens das Beispiel ihrer Führer vorgestellt, die das Wort Gottes zu ihnen geredet hatten. Diese waren Hirten der Herde gewesen, die sie mit dem Wort Gottes genährt hatten. Ihr Leben in Treue und Hingabe an Christus als Ergebnis ihres Glaubens war an seinem Ende angelangt, vielleicht durch den Märtyrertod, nachdem sie ihr Leben im Dienst für den Herrn eingesetzt und ihren Lauf vollendet hatten. Die Erinnerung an diese Führer sollte im Herzen derer bleiben, die durch sie geführt worden waren, um ermuntert zu werden, wie sie auszuharren. Die gläubigen Hebräer sollten ihren Glauben nachahmen, um zu einem ähnlichen Ausgang zu gelangen.

„Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit“ (13,8).

Menschliche Führer, so hervorragend und treu sie sein mögen, verlassen uns, und ihre Abwesenheit macht sich schmerzlich bemerkbar. Ihr Licht und ihre Pflege fehlen. Im Gegensatz dazu, auch im Gegensatz zu den mancherlei und fremden Lehren der Menschen, von denen im neunten Vers die Rede ist, stellt uns der achte Vers den vor, der bleibt: „Jesus Christus ist derselbe, gestern und heute und in Ewigkeit.“ Er bleibt derselbe in seiner Liebe und in seiner Treue, um die Seinen zu erleuchten, zu beleben, zu führen und zu beschützen. Was Er in der Vergangenheit für diese Führer gewesen ist, deren Glauben wir nachahmen sollen, und überhaupt für alle Heiligen, die ihren Lauf vollendet haben, das ist Er heute auch für uns. Und was Er jetzt ist, das wird Er auch in der Ewigkeit sein, um unsere Herzen zu erfüllen und zu befriedigen. Er soll uns genügen und unsere Herzen auch jetzt erfüllen. In Ihm finden wir Ruhe, Mut und Kraft. Er vermag allem völlig zu entsprechen.

„Lasst euch nicht fortreißen durch mancherlei und fremde Lehren; denn es ist gut, dass das Herz durch Gnade befestigt wird, nicht durch Speisen, von denen die keinen Nutzen hatten, die darin wandelten“ (13,9).

Wenn das Herz in Christus befestigt ist, wird es davor bewahrt, sich durch mancherlei und fremde Lehren fortreißen zu lassen. Diese können ein solches Herz nicht verführen: Es hat in Christus die Ruhe gefunden. Diese Lehren sind fremd für das Christentum, in das die Gläubigen durch die treuen Führer geleitet wurden. Es ging darum, sich nicht durch Spekulationen von Dem fortreißen zu lassen, der alles ist. Diese Spekulationen schienen zu einer tieferen Geistlichkeit zu führen, aber in Wirklichkeit verdeckten sie der Seele die Fülle des Christus.

„Es ist gut, dass das Herz durch Gnade befestigt wird“ (13,9). Diese Gnade findet man in Christus und nicht in Speisen und nicht durch das Fleisch von jüdischen Opfern. Man meinte, dass man durch den Genuss dieser jüdischen Opfer einen besonderes Verdienst erlangen könne. Auch das Enthalten von gewissen Speisen war nutzlos. Die Lehrer, welche die Seelen zum Judentum zurückführen wollten, sagten: „Berühre nicht, koste nicht, betaste nicht!“ (Kol 2,21). Indem sie diese Verordnungen aufstellten, wandten sie sich von der Gnade ab, um die Seelen zu einem religiösen Formalismus hinzuführen, der das Herz nicht befestigen kann. Der Apostel spricht in 1. Timotheus 4,3 auch davon: „Sie gebieten, sich von Speisen zu enthalten, welche Gott geschaffen hat zur Annehmung mit Danksagung für die, welche glauben und die Wahrheit erkennen.“ Diese Verordnungen haben aber denen, die sie beobachteten, nichts genützt.

Wie sehr haben wir uns davor zu hüten, dass nichts – auch wenn es einen schönen Schein von Frömmigkeit hätte – uns von dem abzieht, der allem genügt und dessen Gnade uns Frieden, Kraft und Mut darreicht!

„Wir haben einen Altar, von dem zu essen die kein Recht haben, die der Hütte dienen“ (13,10).

Den Christen gehört jetzt der Altar Gottes. Nur sie allein können einen wahren Gottesdienst darbringen. Der Tod Christi, das vollkommene Opfer, das einerseits das Gegenbild aller unter dem Gesetz dargebrachten Opfer ist und andererseits auch das Gegenbild alles dessen ist, was der Sühnungstag vorbildet, gibt uns Zugang zu Gott. Das ist die Grundlage für den Gottesdienst, den die Christen ausüben können. Die Juden hatten keinen Anteil an diesem Altar und dieser neuen Art des Gottesdienstes. Man konnte nicht Jude und Christ zur gleichen Zeit sein. Man konnte nicht sowohl an dem Vorbild festhalten und andererseits die Wirklichkeit besitzen wollen. Man kann nicht einen irdischen Gottesdienst mit den Elementen der Welt ausüben und gleichzeitig in ein himmlisches Heiligtum eingeführt sein. Diejenigen, die der Hütte dienten und an dem hingen, was den jüdischen Gottesdienst bildete, hatten kein Recht, den christlichen Gottesdienst zu genießen und sich von Christus, dem großen und heiligen Opfer, zu nähren.

„Denn von den Tieren, deren Blut für die Sünde in das Heiligtum hineingetragen wird durch den Hohenpriester, werden die Leiber außerhalb des Lagers verbrannt. Darum hat auch Jesus, damit er durch sein eigenes Blut das Volk heiligte, außerhalb des Tores gelitten“ (13,11.12).

Der Verfasser begründet jetzt das, was er soeben gesagt hat. Die Priester durften nicht von den Tieren essen, die am Sühnungstag als Opfer für die Sünde dargebracht wurden. Ihr Blut wurde in das Heiligtum hineingetragen und die Leiber außerhalb des Lagers verbrannt (3. Mo 16,27). Wer dem jüdischen System anhing, hatte also nichts, weder von dem Vorbild noch von dem Gegenbild. Sie durften von diesen Opfern nicht essen und hatten keinerlei Anrecht an dem Herrn Jesus. Dies führt den Geist Gottes dazu, uns große und wertvolle Wahrheiten in Bezug auf den Herrn Jesus, das große Gegenbild, mitzuteilen.

Zuerst sehen wir, dass der Herr Jesus auf vollkommene Weise erfüllt hat, was im Opfer für die Sünde am großen Sühnungstag vorgebildet wird. Damals wurde das Blut durch den Hohenpriester in das Heiligtum hineingetragen, dann wurde der ganze Leib außerhalb des Lagers verbrannt (3. Mo 16,14.15.27).

Der Herr Jesus wurde nicht in Jerusalem getötet, und auch nicht im Vorhof des Tempels, wo die Juden mehr als einmal Steine gegen Ihn erhoben hatten (Joh 8,59; 10,31). Es entsprach den Gedanken Gottes, dass Er außerhalb des Tores, fern vom Tempel, außerhalb des jüdischen Lagers, gekreuzigt wurde und litt, und dass Er sich dort als das Opfer für die Sünde hingab.

Das Ziel war: „Damit er durch sein eigenes Blut das Volk heiligte.“ Das Blut der Opfer der Sünde wurde am großen Sühnungstag „hineingebracht..., um Sühnung zu tun im Heiligtum“ (3. Mo 16,27).

So ist Christus mit seinem eigenen Blut gekommen und ist „ein für allemal in das Heiligtum eingegangen, als er eine ewige Erlösung erfunden hatte“ (Heb 9,11.12).

Beachten wir, dass in diesem Brief die Heiligung und die Absonderung für Gott durch das Blut des Herrn Jesus zustande gekommen ist. Dieses Blut ist es, das uns für Gottes Gegenwart passend macht und uns ins Heiligtum einführt, durch das Blut dessen, der außerhalb des Tores gelitten hat (10,19). Folglich trennte dieser Tod die Gläubigen völlig vom jüdischen System.

„Deshalb lasst uns zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend“ (13,13).

Daraus folgt die Ermahnung dieses Verses: „Deshalb lasst uns zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend.“ Die hebräischen Gläubigen hatten also dieses jüdische System zu verlassen, in dem man nicht durch den Vorhang in die Gegenwart Gottes eintreten durfte. Sie sollten sich auf den christlichen Boden stellen, und „zu ihm“ hin kommen. Wenn einerseits ihr gesegneter Platz im Heiligtum war, im Himmel selbst, war anderseits ihr Teil auf der Erde die Schmach vonseiten derer, die im Lager verharrten und einer irdischen Religion anhingen.

Christus ist in den Himmel eingegangen, von Gott angenommen, aber auf der Erde verworfen und verachtet. Und dies ist auch das Teil, das der Gläubige auf sich zu nehmen hat: „Lasst uns zu ihm hinausgehen..., seine Schmach tragend.“ Das wird aber nicht nur zu den hebräischen Gläubigen gesagt, an die dieser Brief gerichtet ist, sondern dem Grundsatz nach zu allen Gläubigen in allen Zeiten. Sie sollen sich von allen Bindungen zu irgendwelchen Religionen, die auf irdische Verordnungen gegründet ist, lösen, um zu dem Herrn Jesus hinauszugehen, auf den wahren christlichen Boden.

Als Beispiel für dieses Hinausgehen außerhalb des Lagers und für das, was man dann findet, können wir den Blindgeborenen in Johannes 9 betrachten. Er bekannte sich zum Herrn Jesus und wurde deshalb aus der Synagoge hinausgeworfen. Aber nun fand ihn der Herr, der von den Juden ebenfalls verstoßen und verachtet war. Nun offenbarte sich ihm der Herr Jesus als der Sohn Gottes. Der ehemalige Blinde wurde ein Anbeter des Sohnes Gottes.

„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ (13,14).

Die Juden, die an ihrem irdischen, religiösen System festhielten, wollten sich hier auf der Erde eine bleibende Stadt machen. Sie sollten aber bald auf schreckliche Weise erfahren, dass nichts, was der Welt angehört, bestehen kann. Jerusalem, der Tempel und die Nation wurden bald zerstört. Die Gläubigen aber, die vom jüdischen System zum Herrn Jesus hinausgegangen waren, gehörten jetzt dem an, was ewig bleibt. Als Fremdlinge richteten sie ihren Blick auf zu der bleibenden Stadt, die kommen soll, und warteten auf die Aufrichtung der unveränderlichen Dinge.

Diesen Punkt kann man auch auf uns als Christen anwenden. Wir befinden uns in einer Welt, die vergeht. Sollten wir uns dann in ihr niederlassen? Sollten wir uns an sie hängen, die wir doch bekennen, zu dem Herrn Jesus hinausgegangen und mit einem himmlischen Christus verbunden zu sein?

Nein! Auch wir sollten diese kommende Stadt suchen, wo Christus ist, und sollen unsere Gedanken und unsere Zuneigungen darauf richten (Kol 3,1–3). Beachten wir, dass der Schreiber nicht so redet, als ob er uns ermahnen müsste, die kommende Stadt zu suchen, sondern er stellt es als Tatsache hin, dass wir sie suchen. Das ist der wahre christliche Charakter. Möchten wir es nicht vergessen!

„Durch ihn nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen“ (13,15).

Die gläubigen Hebräer hatten nun nichts mehr mit den Opfern zu tun, die Bilder auf das Opfer des Herrn Jesus hin sind. Durch dieses ein für allemal dargebrachte Opfer waren sie von der Sünde gereinigt und als Anbeter in das Heiligtum der Gegenwart Gottes eingeführt worden. Als solche sollten sie jetzt Gott ein Opfer darbringen. Das waren keine blutigen Opfer sondern Lob, das aus einem Herzen hervorkommt, das die wunderbare Gnade erkennt, genießt und schätzt. Dieses Lob ist die Frucht der Lippen, die den Namen dessen bekennen oder segnen, durch den uns jede Segnung erworben wurde. Es steigt auch zu Gott empor und ist Ihm wohlgefällig durch den Herrn Jesus. Wir sind, wie Petrus sagt, „ein heiliges Priestertum, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlannehmlich durch Jesus Christus“ (1. Pet 2,5).

Und beachten wir auch, dass dieses Opfer des Lobes nicht nur in einem bestimmten Augenblick zu Gott emporsteigen soll. Wir werden vielmehr ermahnt, Gott unaufhörlich Opfer des Lobes darzubringen. In der Tat, können wir uns nicht jeden Augenblick an den Segnungen erfreuen, die uns aufgrund des Werkes Christi zuteil geworden sind? Haben wir nicht das beständige Vorrecht, in der Gegenwart unseres Gottes zu leben? Und gibt es nicht einen auffallenden Gegensatz zwischen den Opfern des Gesetzes, die unaufhörlich an die Sünde erinnerten, und dem Opfer des Lobes, das unaufhörlich aus unseren Herzen emporsteigt, weil die Sünde für immer zunichte gemacht ist? Wie sollten unsere Seelen doch die Freiheit empfinden, in die das Opfer Christi uns versetzt hat, damit wir unaufhörlich das Bedürfnis verspüren, unseren Gott zu loben und Ihm zu danken!

„Das Wohltun aber und Mitteilen vergesst nicht, denn an solchen Opfern hat Gott Wohlgefallen“ (13,16).

Hier haben wir noch andere Opfer, die auch aus einem Herzen kommen, das Gott gegenüber Dank zeigt. Das Lob bezieht sich zwar direkt auf Ihn, aber auch die Liebe gegenüber unseren Brüdern, die sich durch Wohltun und Mitteilen zeigt, ist eine Ihm wohlgefällige Sache. Sie entspricht seiner Natur, sie zeigt das Mitgefühl mit den Seinigen, denen Er seine Wohltaten zeigt. Wer Gott anbetet und sich an dem Herrn Jesus erfreut, der ist auch dazu geneigt, anderen Gutes zu tun. Wenn das Herz von der Liebe Gottes erfüllt ist, fließt es über und erweist sich auch an den Brüdern und anderen Menschen.

An solchen Opfern hat Gott Wohlgefallen. Wohltun ist die Neigung des Herzens, anderen von seinen Gütern mitteilen ist das Ergebnis. Man könnte auch durch einen gesetzlichen Grundsatz von seinen Gütern mitteilen, aber dann hätte Gott kein Wohlgefallen daran. Wenn ich alle meine Habe austeilte, aber nicht Liebe habe, so ist es mir nichts nütze (1. Kor 13,3). Das Wohltun wird sich nicht nur in der Verteilung von Gaben an die Notdürftigen sondern auch in moralischer Zuwendung zeigen.

Beim Lesen von 5. Mose 26,1–15 wird man bemerken, dass auch dort diese beiden Gedanken in der gleichen Ordnung zu finden sind: Dank und Lob gegenüber dem Herrn und Wohltun gegenüber den Leviten, den Fremdlingen, den Waisen und Witwen, also gegenüber denen, die nichts hatten.

„Gehorcht euren Führern und seid fügsam; denn sie wachen über eure Seelen (als solche, die Rechenschaft geben werden), damit sie dies mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn dies wäre euch nicht nützlich“ (13,17).

Die im siebten Vers erwähnten Führer waren nicht mehr da, hatten aber den Gläubigen das Beispiel ihres Glaubens hinterlassen. Doch lässt der Herr die Seinen in seiner Treue nicht ohne Führer. Dies sind Männer, die sich Gott gegenüber verantwortlich fühlen und über die Seelen wachen, als solche, die Rechenschaft über sie schuldig sind. Sie gehen sozusagen auf dem Weg der Wahrheit auf einsichtige Weise voran, um die Seelen auf diesem Weg zu führen und sie vor dem Einfluss der mancherlei und fremden Lehren zu schützen. Sie wachen; sie sind wie Wächter, die vor den schlauen Angriffen des Feindes warnen. Ihr Dienst setzt sich ununterbrochen fort und ist oft schwierig und mühsam, ihre Verantwortung ist groß. Groß ist auch die Verantwortung derer, denen sie dienen. Sie sollen die erkennen, die unter ihnen arbeiten, sie achten und lieben, so wie Paulus den Thessalonichern geschrieben hat (1. Thes 5,12.13). Man soll ihnen gehorchen, ihnen unterwürfig sein und nicht behaupten, jeder sei sein eigener Führer. Ihr Dienst gegenüber solchen, die ihr Wort mit Sanftmut und Demut aufnehmen, ist für sie eine Freude und Ermunterung (1. Thes 2,13–20). Wenn aber dieser Dienst mit Widerspruch beantwortet wird, so vollzieht er sich unter Tränen und mit Seufzen, und dies wäre zum Nachteil derer, die diese Leiden hervorrufen.

„Betet für uns; denn wir sind überzeugt, dass wir ein gutes Gewissen haben, da wir in allem ehrbar zu wandeln begehren“ (13,18).

Diese Aufforderung zur Fürbitte vonseiten der Gläubigen findet sich überall in den Briefen des Paulus, oft mit den gleichen Ausdrücken (vgl. Röm 15,30; 2. Kor 1,11; Eph 6,19; Kol 4,3; 1. Thes 5,25; 2. Thes 3,1). Der Verfasser des Briefes sondert sich von seinen Mitarbeitern nicht ab. Er sagt: „Betet für uns.“ Wenn er diese Bitte ausspricht, so hat er ein gutes Gewissen in seinem Dienst; er fühlt die Verantwortlichkeit, und um ihr entsprechen zu können, benötigt er die Hilfe der Heiligen durch ihre Gebete. Er bittet sie mit Vertrauen, denn sein einziger Wunsch ist der, in allem ehrbar zu leben. Hier haben wir das Beispiel eines wahren und demütigen Führers.

„Ich bitte euch aber umso mehr, dies zu tun, damit ich euch desto schneller wiedergegeben werde“ (13,19).

Er bittet die Heiligen, umso mehr für ihn zu bitten, damit er ihnen desto schneller wiedergegeben werde. Dieses Vertrauen in die Gebete der Gläubigen ist rührend; dadurch kommt auch das Vertrauen zum Ausdruck, dass Gott, an Den die Gebete gerichtet werden, sie hört und erhört. Uns tut dieses Vertrauen sehr not; es gibt dem Gebet seinen wahren Wert und seine Wirksamkeit. Beachten wir auch, dass die so oft wiederholten Bitten des Apostels, dass man für ihn und seine Mitarbeiter im Werke bete, auch eine stille Ermahnung an die Christen unserer Tage enthalten, für die Diener des Herrn in deren verschiedenerlei Umständen, in denen sie sind, zu beten. Merken wir uns schließlich auch, dass es nötig ist, dass ein Diener des Herrn ein gutes Gewissen hat und den Wunsch, in allem ehrbar zu leben, bevor er die Gläubigen um Fürbitte für ihn ersuchen kann.

„Der Gott des Friedens aber, der aus den Toten wiederbrachte unseren Herrn Jesus, den großen Hirten der Schafe, in dem Blut des ewigen Bundes, vollende euch in jedem guten Werk, damit ihr seinen Willen tut, in euch das bewirkend, was vor ihm wohlgefällig ist, durch Jesus Christus, dem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen“ (13,20.21).

Wir kommen nun zum Schluss des Briefes. Er beginnt mit einem Gebet für die, an die sich der Schreiber richtet. Der Verfasser hat sie vorher um ihre Gebete für ihn ersucht; aber er betet auch für sie. Wie rührend ist diese Gegenseitigkeit! Der Wunsch des Apostels umschließt einen Reichtum unendlich kostbarer Gedanken. Lasst uns, bevor wir im Einzelnen darauf eingehen, beachten, dass wir in diesem Brief nicht nur eine große Zahl wörtlicher Anführungen aus dem Alten Testament finden, sondern auch viele Anspielungen auf verschiedene Stellen. So lassen die Verse, die uns jetzt beschäftigen, an Hesekiel 37 denken, worin die Wiederbelebung der verdorrten Gebeine beschrieben wird (ein Symbol der Wiedergeburt Israels zu einem neuen Leben), als Resultat des Todes und der Auferstehung Christi. Dort findet man in den Versen 24 und 26 die Worte: „Und mein Knecht David wird König über sie sein, und sie werden allesamt einen Hirten haben... und ich werde einen Bund des Friedens mit ihnen machen, ein ewiger Bund wird es mit ihnen sein.“

Der Verfasser des Briefes ruft den „Gott des Friedens“ an. Dies ist der Name, mit dem Paulus Gott so oft als die Quelle des Friedens bezeichnet (vgl. Röm 15,33; 16,20; Phil 4,9; 1. Thes 5,23). Er ist der, der diesen dem Herzen der Seinen gibt und ihn einst im ganzen Universum aufrichten wird. Dieser Titel „Gott des Friedens“ war für die Empfindungen des Schreibers besonders kostbar, wenn er an das dachte, was den Glauben der Hebräer zu erschüttern drohte, und an die Beiseitesetzung der Verordnungen, die sie für bleibend gehalten hatten. Inmitten von Schwierigkeiten, welcher Art sie auch sein mögen, wird der, der sich auf den Gott des Friedens stützt, voller Friede sein (vgl. Phil 4,6.7.9).

Dieser Gott des Friedens ist es, der unseren Herrn Jesus aus den Toten wiederbrachte. Alles gründet sich auf die unerschütterliche Grundlage des Todes und der Auferstehung Christi. Durch seinen Tod ist der Friede gesichert, und die Auferstehung ist der Beweis davon. 1

Jesus, unser Herr, wird hier „der große Hirte der Schafe“ genannt. Er steht über allen Führern und Hirten, die Er über die Herde eingesetzt hat und die von Ihm abhängig sind. In diesem Zusammenhang wird Er in 1. Petrus 5,4 „Erzhirte“ genannt, der seinen treuen Knechten die Krone der Herrlichkeit geben wird. Und es gibt die Schafe des großen Hirten – Er hat sie durch sein Blut erkauft; Er hat sein Leben für sie gelassen (Joh 10,11.15). Und in der Kraft dieses Blutes ist Christus auferweckt worden.

Es ist das Blut des ewigen Bundes, das heißt eines Bundes, der nicht aufhören wird, wie der Bund am Sinai. Jener verhieß Segen, jedoch nur unter der Bedingung des Gehorsams des Volkes. Der Mensch wurde dort unter die Verpflichtung gestellt, dem Gesetz zu gehorchen. Er übertrat es, und dadurch wurde der Bund gebrochen. Aber auf der Grundlage des Todes Christi, der die Sünde sühnt, und der Auferstehung, die dies bestätigt, ist ein ewiger, dauernder Bund aufgerichtet, der nicht umgestürzt oder abgeändert werden kann.

Es ist zu beachten, dass im Brief an die Hebräer alles „ewig“, bleibend und von ununterbrochener Dauer ist, im Gegensatz zum jüdischen System, das nur für eine Zeit war. So finden wir hier „eine ewige Erlösung“, ein „ewiges Erbe“, „den ewigen Geist“, und „den ewigen Bund“. Auf dieses Blut des ewigen Bundes gründet sich für die Glaubenden eine Hoffnung, die nichts zu erschüttern vermag. Wie kostbar! Inmitten alles Vergänglichen besitzt der Gläubige Christus, der immer Derselbe ist, einen bleibenden Frieden, der vom Gott des Friedens kommt, und ein ewiges Heil!

Das also ist jetzt der Wunsch des Apostels für diese Gläubigen, die er in den himmlischen und bleibenden Dingen zu befestigen suchte, indem er sie aus den irdischen und vorübergehenden Dingen herausgehen hieß. Der Gott des Friedens „vollende euch in jedem guten Werk, um seinen Willen zu tun“. Diese guten Werke sollen nun nicht mehr auf Grund des Gesetzes und der Verantwortlichkeit des natürlichen Menschen getan werden. Gott selbst bildet den Gläubigen und vollendet ihn, indem Er ihm Leben, Kraft und Energie gibt, um seinen Willen zu tun in jedem guten Werk, also in jedem gottgemäßen Werk, das sich auf dem Lebensweg zeigt. Und in diesem so durch Ihn selbst gebildeten Gefäß ist es wiederum Gott, der handelt, der wirkt, damit alles, was geschieht, Ihm angenehm sei. In der Tat, nur was Er selber hervorbringt, kann Ihm wohlgefällig sein; denn was wir selber zustande bringen, ist verunreinigt und kann seinem Licht nicht standhalten: „Wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen leben sollen“ (Eph 2,10).

Durch Jesus Christus ist nicht nur das vollkommene Werk, das uns rettet, vollbracht worden; auch nur durch Ihn kann dieses heilige Leben in jedem guten Werk Wirklichkeit werden, ein Leben nach dem Willen Gottes, der allen Erlösten geziemt und Ihn verherrlicht. Daher sei Jesus Christus, dem Sohn Gottes, dem Schöpfer, dem Abglanz der Herrlichkeit Gottes und dem Abdruck seines Wesens, der geworden ist: wahrhaftiger Mensch, das vollkommene Opfer, Priester, vollendet in Ewigkeit, und der Urheber des Heils – Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit! Könnte seiner ewigen Göttlichkeit eine völligere Huldigung dargebracht werden? Wem sonst, als nur dem, der Gott ist, gepriesen in Ewigkeit, könnte Herrlichkeit gegeben werden von Ewigkeit zu Ewigkeit? Wenn der, von dem dies gesagt wird, nur ein Mensch wäre, so wäre dies Lästerung!

„Ich bitte euch aber, Brüder, ertragt das Wort der Ermahnung; denn ich habe euch auch mit kurzen Worten geschrieben“ (13,22).

Der Schreiber ermahnt seine Brüder, das an sie gerichtete Wort der Ermahnung zu ertragen. Diese Worte zeugen von Liebe und Demut, denen wir in den Briefen des Paulus überall begegnen. Er besaß apostolische Autorität und konnte gebieten; aber er zog es vor zu ermahnen, ja sogar zu bitten und zu flehen (vgl. Röm 15,14–16; Phil 4,2). Er hatte die Hebräer gedrängt, diesen Judaismus, diese Zeremonien, diesen Gottesdienst der Schatten und der Bilder, von dem sie so viel hielten, mit Entschiedenheit zu verlassen, und er spürte, dass er damit bei ihnen empfindliche Saiten berührt hatte. Die Weise, in welcher er sie bittet, seine Worte zu ertragen, war wohl geeignet, ihre Herzen zu berühren und zu gewinnen.

Er hatte ihnen „mit kurzen Worten“ geschrieben, und doch ist es eine der längsten Briefe des Neuen Testamentes. Aber hätte er angesichts der Herrlichkeiten der Person und des Werkes Christi und der unendlichen Herrlichkeit der himmlischen Dinge etwas weglassen können? Um das Unendliche der Liebe und der Gedanken Gottes, offenbart in Christo, zu beschreiben, ist die Ewigkeit nicht zu lang. Der Apostel war davon durchdrungen; was er geschrieben hat, waren nur „kurze Worte“ (vgl. Joh 21,25).

„Wisst, dass unser Bruder Timotheus freigelassen ist, mit dem, wenn er bald kommt, ich euch sehen werde“ (13,23).

Der Verfasser will, dass die Empfänger des Briefes wissen, dass Timotheus freigelassen ist. Er zweifelte nicht, dass sie sich darüber freuten; denn sie hatten den Gefangenen Teilnahme bewiesen (10,34). Er selbst war nicht mehr im Gefängnis und freute sich, sie zusammen mit Timotheus zu sehen.

„Grüßt alle eure Führer und alle Heiligen. Es grüßen euch die von Italien“ (13,24).

Wir finden hier noch einmal die „Führer“. Der Brief wurde nicht an diese gerichtet, um ihn den übrigen mitzuteilen. Der Gruß galt allen Heiligen, und sie sollten ihre Führer grüssen. Der Brief war für alle.

Die von Italien, in deren Mitte sich der Schreiber des Briefes befand, sandten ebenfalls Grüße an ihre hebräischen Brüder. Der gleiche Glaube verband sie mit demselben Heiland, und ihre christliche Liebe war für jene Gläubigen am Vorabend der Zerstörung des Tempels und der Stadt, die sie dermaßen liebten, zur Ermunterung.

„Die Gnade sei mit euch allen! [Amen]“ (13,25).

Nun schließt der Apostel mit den Worten: „Die Gnade sei mit euch allen! Amen.“ Sein letzter Gruß besteht also im Wunsch, dass die Gnade, wovon er zu ihnen geredet hat, die Gnade Gottes, an der sie keinen Mangel leiden sollten, sie bewahre, sie führe, sie stütze in allen Prüfungen, durch die sie zu gehen haben würden. Möge dieselbe Gnade jetzt auch mit uns allen sein!

Beim Beginn des Studiums dieses Briefes machten wir die Bemerkung, dass der inspirierte Schreiber gegenüber den gläubigen Hebräern so vorging, dass er ihnen Stück für Stück ihren Judaismus wegnahm, um Christum an deren Stelle zu setzen. Er tat dies bis zum dreizehnten Kapitel, wo er als letztes gleichsam sagte: „Nun ist der Augenblick da, alle diese Schatten und Vorbilder zu lassen, denn man kann nicht Christ und Jude sein zu gleicher Zeit. Man muss zu Jesus hinausgehen, außerhalb des Lagers, Seine Schmach tragen. Denn es ist unmöglich zu behaupten, man diene der Hütte, und gleichzeitig zu sagen, man habe teil am christlichen Altar, der auf den Tod Christi und seine Ergebnisse gegründet ist.“

Fußnoten

  • 1 Dies ist die erste und einzige Erwähnung der Auferstehung in diesem Brief, obwohl sie durch die Erwähnung des Eingangs Christi in das Heiligtum überall vorausgesetzt wird. Hier wird sie dem Gott des Friedens zugeschrieben; Er ist „der Wiederbringer“ des großen Hirten der Schafe aus den Toten.
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