Einführender Vortrag zum Epheserbrief

Kapitel 6

Einführender Vortrag zum Epheserbrief

Es folgen dann die Kinder, welche aufgefordert werden, ihren Eltern im Herrn zu gehorchen. Es geht nicht um das Fleisch. Wie könnte man diesem vertrauen? Sie sollen im Herrn gehorchen. Die Ehrung von Vater und Mutter war eine Verpflichtung unter dem Gesetz und hatte dort eine besondere Verheißung; und wenn schon Kinder, die nur im Fleisch eine Beziehung zu ihren Eltern hatten und unter dem Gesetz standen, so handelten (denn das war bestimmt richtig), wie viel mehr geziemt es christlichen Kindern ihren Eltern Ehrfurcht zu erweisen?

Darauf folgt eine Ermahnung an die Eltern. „Und ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zum Zorn, sondern ziehet sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn“ (V. 4). Auch hier ist der Herr wieder das Muster. In ähnlicher Weise werden die Sklaven eingeführt. Sie hatten das Vorrecht, alles für Christus zu tun. Ebenso sollte sich ein irdischer Herr daran erinnern, dass er einen Herrn im Himmel hat. Diese Gedanken stimmen demnach mit dem großen Gegenstand dieses Briefes überein.

Danach beginnt der Apostel ein neues Thema. Es geht nicht um die Quelle der Segnung (Kap. 1), noch um den Platz, auf den wir als eins mit Christus versetzt sind (Kap. 2), oder um die Wesen, denen wir ein Zeugnis ablegen (Kap. 3). Das abschließende Thema zeigt uns, wo und mit wem wir unsere wahren Kämpfe als Christen zu führen haben. Als solche haben wir eigentlich nicht gegen das Fleisch zu kämpfen und noch weniger gegen die Welt. Alle anderen kämpferischen Auseinandersetzungen entsprechen erst recht nicht der Berufung eines Christen.

Ich leugne nicht, dass ein Christ auch auf anderem Gebiet straucheln kann; doch solange er ausschließlich in einen Kampf mit seiner Natur verwickelt ist, kann man kaum sagen, dass er sich auf christlichem Boden befindet. Er mag bekehrt sein; und Gott mag sich tatsächlich mit ihm in den Wegen seiner gnädigen Handlungsweise beschäftigen. Eine wirklich erweckte Seele kann dennoch durch eine Fülle ungelöster Probleme in ihrem Innern beunruhigt sein. Sie ist noch nicht bewusst zu Gott gekommen. Nun ist aber schon die Taufe eines Christen ein Bekenntnis der Wahrheit, dass Gott in Christus das Fleisch in seiner Wurzel und seinen Zweigen gerichtet hat. Ist das nicht die Bedeutung jener Einsetzung? Inwieweit jemand diese Wahrheit verwirklicht, ist eine andere Sache. Trotzdem ist dies die Bedeutung der Taufe. Indem ich alles richte, was ich bin, bekenne ich, dass alle meine Segnung in dem Heiland liegt, der nicht allein gekommen ist, um mich als einen lebendigen Menschen in der Welt zu segnen, sondern der auch starb und auferstand. Dadurch, dass ich Ihn bekenne, der auf diese Weise starb und auferstand, nehme ich an seinem Tod teil. Der Kampf des Christen ist folglich nicht gegen das Fleisch, noch weniger gegen die Welt, sondern gegen Satan und seine Macht unter dem Gesichtspunkt, dass er störend einwirkt und unsere Freude an unseren himmlischen Segnungen behindert.

Ist das nicht der Kampf, der hier beschrieben wird? Das Ringen ist nicht mit Fleisch und Blut, „sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern“ (V. 12). Die Übersetzer der alten englischen Bibel wussten nicht, wie sie den Apostel verstehen sollten; so veränderten sie den Ausdruck und schrieben „in hohen (hochstehenden) Plätzen“ („high places“). Das war eine unberechtigte Freiheit und verdrehte den Sinn dieser Aussage aufs Verderblichste. Dieses Verständnis hat viele in die Irre geführt – nicht nur die armen Puritaner 1, welche sich einbildeten, sie seien von Gott berufen, als eine christliche Pflicht gegen Könige und alle jene in Hoheit zu kämpfen, wenn diese nicht mir ihren eigenen Wegen und Maßstäben übereinstimmten. Ich erwähne dieses, weil es ein schlagender Beweis davon ist, wie ein in die Schrift eingebrachter Irrtum selbst rechtdenkende Menschen in trauriges Übel führen kann. Der Kampf ist ausdrücklich nicht gegen irgendeine Macht gerichtet, welche in der Welt lebt oder wirkt. Er besteht gegen Satan und seine Heerscharen. Gerade so wie die Kanaaniter den Versuch machten, die Israeliten aus dem Land herauszuhalten, welches die Stämme nach der Versicherung Gottes an Mose besitzen sollten, so ist es jetzt die große Bemühung Satans, die Heiligen Gottes daran zu hindern, ihre Segnungen in den himmlischen Örtern zu verwirklichen.

Doch in dieser Hinsicht ist für uns sehr sorgfältig Vorsorge getroffen worden. Zuerst gilt: „Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke“ (V. 10). Das bedeutet: Alle unsere Kraft besteht darin, sich auf jemand anderen, nämlich den Herrn, zu stützen. Als nächstes sollen wir „die ganze Waffenrüstung Gottes (nehmen), auf daß ihr an dem bösen Tage zu widerstehen und, nachdem ihr alles ausgerichtet habt, zu stehen vermöget. Stehet nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit [innerlich angewandt, sodass sie uns sittlich festigt], und angetan mit dem Brustharnisch der Gerechtigkeit“ (V. 13–14). Der große Gesichtspunkt ist hier der Zustand in unserem Inneren. Beachten wir dieses sorgfältig! Unsere Stellung ist etwas ganz anderes und kann hier in sich selbst nicht helfen. Die Waffenrüstung richtet sich gegen Satan und bezieht sich nicht auf Gott. Es geht jetzt nicht um die Annahme vor Gott, sondern den Widerstand gegen den Feind, der seinen Nutzen aus freizügigen Wegen und einem bösen Gewissen zieht. Der Brustharnisch spricht von der praktischen Gerechtigkeit des Erlösten. „Und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens“ (V. 15). So sollte unser Wandel sein. Außerdem, nehmet auch „den Schild des Glaubens, mit welchem ihr imstande sein werdet, alle feurigen Pfeile des Bösen auszulöschen“ (V. 16). Das ist das zuversichtliche Vertrauen des Herzens auf die Gunst Gottes, in welcher wir stehen, und nicht eine Erinnerung an unsere erste Unterwerfung unter das Evangelium. Zuletzt folgt: „Nehmet auch den Helm des Heils [dabei wird das Haupt erhoben, und zwar nicht in Anmaßung, sondern mit Freude und Mut] und das Schwert des Geiste.“ (V. 17). Von diesem wird ausdrücklich gesagt, dass es das Wort Gottes ist. Die Verteidigung kommt vor dem Angriff. Alles sollte auf der Abhängigkeit vom Herrn beruhen. Das Schwert muss jene wahre innere Kraft des Wortes sein, welches vom Geist Gottes benutzt wird und nichts schont. Nachdem wir zuerst gesegnet und gekräftigt worden sind und die Gnade und Wahrheit Gottes in Christus genießen, können wir danach mit dem Schwert des Geistes ausgehen, um uns damit zu beschäftigen, was Gottes Natur widerspricht und was Satan benutzen will, um unsere Verwirklichung unserer himmlischen Vorrechte zu verhindern.

Zum Abschluss lesen wir von der Tätigkeit für andere, so wie vorher von der Abhängigkeit für uns selbst. „Zu aller Zeit betend mit allem Gebet und Flehen in dem Geiste, und eben hierzu wachend in allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen, und für mich [wie der Apostel so gnadenvoll hinzufügt], auf daß mir Rede verliehen werde im Auftun meines Mundes, um mit Freimütigkeit kundzutun das Geheimnis des Evangeliums [welch eine gnädige Art der Ermutigung und Stärkung von Erlösten, indem er ihnen ein Gefühl von dem Wert ihrer Gebete gibt, sowohl in den Augen Gottes, als auch in der Gemeinschaft mit dem Gesegnetsten der Apostel, den Gott jemals der Kirche gab!] (für welches ich ein Gesandter bin in Ketten), damit ich in demselben freimütig rede, wie ich reden soll“ (V. 18–20). Er fühlte, dass er selbst und auch das Werk solches benötigte. Außerdem rechnete er mit ihrem liebenden Verlangen, seine Umstände zu wissen, und wünschte, dass ihre Herzen durch Tychikus getröstet werden möchten.

Fußnoten

  • 1 Kirchliche Reformbewegung des 16. Jahrhunderts in England, die im Kampf gegen katholische Elemente in der englischen Kirche auch militärische Einsätze nicht scheute. Ihr berühmtester Führer war Oliver Cromwell (1599–1658), unter dessen Führung die Puritaner die königlichen Heere besiegten und den amtierenden König Charles I. hinrichteten. (Übs.)
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