Der Brief an die Epheser

Kapitel 6

Der Brief an die Epheser

Der Apostel redet nun über das Verhältnis zwischen Vätern und Kindern, Herren und Knechten. Hier ist Gehorsam die Hauptsache. „Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern im Herrn, denn das ist recht“ (Vers 1). Wie glücklich ist die Familie, wo die Kinder gehorsam sind „in dem Herrn“! Natürliche Zuneigung ist sehr lieblich, und ihr Fehlen ist ein Zeichen der letzten Tage; aber sie ist nicht vollkommen. Die Kinder müssen ihren Eltern gehorchen „im Herrn“. Wie bei der Unterwürfigkeit der Frau ist auch hier alles einfach, sobald dieser Grundsatz befolgt wird. In Jesus finden wir hiervon das treffende Vorbild. Er war Seinen Eltern in allem untertan; doch als Er in den Dingen Seines Vaters sein musste, blieb Er allein in Jerusalem, ohne ihre Einwilligung zu erbitten.

Der Apostel macht noch darauf aufmerksam, welches Gewicht Gott unter dem Gesetz auf den Gehorsam der Kinder den Eltern gegenüber legte, da es das erste Gebot mit einer Verheißung war; wie viel mehr sollte dann das christliche Kind seinen Eltern gehorsam sein! Die hier im zweiten und dritten Vers aus dem Gesetz angeführten Stellen bestätigen den Kindern, die Vater und Mutter ehren, einen besonderen Segen gemäß den Regierungswegen Gottes über sie für diese Erde.

Die Ermahnung an die Väter ist sehr merkwürdig. „Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn“ (Vers 4). Welche Kenntnis des menschlichen Herzens! Wie leicht kann der Vater seine Gewalt missbrauchen und seine Kinder ungerecht oder in Launenhaftigkeit zum Zorn reizen! Ach, dass er sie in der Zucht und Ermahnung des Herrn erziehen möchte! Welch ein herrliches Vorrecht für christliche Eltern! Die Kinder, mit denen sie eins sind, sollen sie in der Lehre und Ermahnung des Herrn, also für den Herrn und für den Himmel erziehen. Gott hat sie ihnen anvertraut, damit sie im Weg der Seligkeit unterwiesen und zu Jesu Füßen gebracht würden. O wie wenig entsprechen christliche Eltern oft dieser erhabenen Berufung! Wie viele lassen ihre Kinder ungezügelt aufwachsen, und sagen dann zur Entschuldigung, sie seien machtlos, sie könnten ja die Kinder doch nicht bekehren. Gewiss, ihr könnt euren Kindern das göttliche Leben nicht geben, aber wenn ihr sie ihrem Schicksal überlasst, wenn ihr sie behandelt, als hätten sie mit Gott und mit Jesus nichts zu tun, dann könnt ihr sicher sein, dass ihr, soviel es euch betrifft, ihrer Bekehrung im Weg steht; und Gott wird die Seele eurer Kinder einmal von eurer Hand fordern.

Wie bei dem Verhältnis zwischen Kindern und Eltern, so ist auch zwischen Knechten und Herren der Gehorsam die Hauptsache. „Ihr Knechte, gehorcht euren Herren nach dem Fleisch.“ Gehorsam ist der große Grundsatz des Christentums in einer Welt, wo der Ungehorsam des Menschen die Ursache des Bösen ist. Die Knechte sind ihren Herren vollkommenen Gehorsam schuldig, nicht allein den gütigen und gläubigen, sondern auch den harten und ungläubigen; von dieser Regel duldet Gott keine Abweichung. Aber wo das Wort Gottes Gehorsam predigt, gibt es zugleich den Grund an, weshalb man ihn üben soll. „Gehorcht euren Herren nach dem Fleisch mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Herzens, als dem Christus, nicht mit Augendienerei, als Menschengefällige, sondern als Knechte des Christus, indem ihr den Willen Gottes von Herzen tut, und mit Gutwilligkeit dient, als dem Herrn und nicht den Menschen, da ihr wisst, dass, was irgend ein jeder Gutes tun wird, er dies vom Herrn empfangen wird, er sei Sklave oder Freier“ (Vers 5–8). Welch herrliche Worte! „Als dem Herrn“, so dient man Christus. Das Auge ist auf Christus und nicht auf den Menschen gerichtet, und dadurch fällt alle Mühseligkeit im Erfüllen der Pflichten dahin. Welche Glückseligkeit, solch einem guten und sanftmütigen Herrn, wie es der Herr Jesus ist, dienen zu dürfen! Hat er dann nicht, durch das Wort, die Gewissheit, dass, was irgend einer Gutes tun wird, er dies vom Herrn empfangen wird, er sei Sklave oder Freier? Der Herr stellt hier eine Belohnung in Aussicht. Das Maß derselben wird der Herr bestimmen gemäß der erwiesenen Treue und ohne Ansehen der Person. Zieht ein Knecht Gottes dies alles in Erwägung, wie leicht wird Ihm dann selbst das Mühsamste und Beschwerlichste seines Dienstes!

Und was wird den Herren gesagt? „Und ihr Herren, tut dasselbe gegen sie und lasst das Drohen, da ihr wisst, dass sowohl ihr als auch euer Herr in den Himmeln ist, und dass bei Ihm kein Ansehen der Person ist“ (Vers 9). Welch schöne und treffende Ermahnung! Der Herr (Prinzipal) obwohl über seine Knechte, hat selber einen Herrn in den Himmeln; und bei diesem ist kein Ansehen der Person. Vor Ihm stehen Herr und Knecht gleich. Wenn der Herr dies bedenkt, wird er seinen Knecht so behandeln, wie er gern selbst durch den Herrn, der in den Himmeln ist, behandelt zu werden wünscht. Das Wort Gottes ist in allen Dingen vollkommen; die Beachtung seiner Vorschriften zeitigt die herrlichsten Folgen. Sobald man des Herrn Wort auf die Verhältnisse des Lebens anwendet, ist alles einfach. Wenn sowohl der Herr als auch der Knecht ihre wahre Stellung einnehmen, wird jede Widerwärtigkeit und jeder Zusammenstoß vermieden werden. Der Herr gebe uns Gnade, dass wir, statt zu streiten einander zum Segen sein möchten.

Der Kampf, der hier beschrieben wird, steht in enger Verbindung mit der Stellung, welche die Versammlung einnimmt, somit mit dem ganzen Inhalt des Briefes, den wir betrachten. Er ist nicht zu verwechseln mit dem Selbstgericht, das wir nicht vernachlässigen dürfen. Er hat nicht Bezug auf die Ermahnung, die wir z. B. in Kolosser 3, 5 finden: „Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind“, noch auf das Wort in Galater 5, 17: „Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, der Geist aber wider das Fleisch; diese aber sind einander entgegengesetzt, dass ihr nicht das tut, was ihr wollt.“ Der Kampf, der hier beschrieben wird, ist auch nicht zu verwechseln mit der Ermahnung, die wir im 1. Johannes 2, 15 finden: „Liebt nicht die Welt, noch was in der Welt ist“ und dem entsprechenden Wort in 1. Johannes 5, 5: „Wer ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, welcher glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?“

Das Buch Josua gibt uns den inspirierten Bericht über den Durchgang des Volkes Israels über den Jordan und über den Einzug des Volkes in Kanaan. Dort finden wir zuerst die Anwendung des Gerichtes Gottes über den natürlichen Zustand des Volkes: der Tod, vorgebildet durch die Wasser des Jordan. Zwölf Steine wurden unter die Fluten des Jordans begraben; bildlich gesprochen verschwand das alte Israel. Zwölf Steine wurden aus dem Jordan gehoben und im Land als Zeugnis aufgestellt: Israel stand als ein erneuertes Volk vor seinem Gott. Dann wurde das ganze Volk beschnitten. Die Beschneidung ist im Vorbild die praktische Anwendung des Gerichtes auf unser ganzes Leben, das Urteil, das Gott über das Fleisch, über den natürlichen Zustand des Menschen ausspricht. Das Vorbild der Beschneidung war einmalig. Haben wir es als Kinder Gottes einmal erfasst und angewandt, bedürfen wir der steten Wachsamkeit, damit unser Leben immer diesem Licht entspricht. Dies geschieht durch das Selbstgericht. Erst nach dem Vollzug dieser wichtigen göttlichen Anordnungen begann für Israel der Kampf mit den bisherigen Besitzern des Landes, das Vorbild des Kampfes, den wir in unserm Kapitel finden. Vorher wäre Israel gar nicht imstande gewesen, diesen Kampf irgendwie führen zu können.

Sobald wir verstanden haben, dass wir mit Christus gestorben und auferstanden und in Ihm in die himmlischen Örter versetzt sind und wir durch den Glauben dies verwirklichen, sodass wir im Himmel wandeln und den Dingen nachsinnen, die droben sind, dann beginnt der Kampf in den himmlischen Örtern. Wir sind dann in demselben Zustand, in dem sich die Israeliten befanden, als sie über den Jordan gezogen waren. Damals begann für sie erst der wahre Krieg. Auch in der Wüste hatten sie Krieg zu führen; aber er hatte einen ganz andern Charakter; Amalek suchte sie auf ihrer Reise nach Kanaan aufzuhalten. Dasselbe finden auch wir in der Wüste; wir werden durch die Umstände versucht, und die Weit sucht uns durch allerlei Dinge in unserer Laufbahn zu hindern. In Kanaan aber mussten die Israeliten das Land, das Gott ihnen verheißen hatte, das aber noch in Feindes Hand war, in Besitz nehmen. So müssen auch wir, nachdem wir durch den Jordan gegangen sind, das will heißen, nachdem wir den Tod und die Auferstehung des Christus verwirklicht und unsern Platz in den himmlischen Örtern eingenommen haben, die geistlichen Segnungen, die uns in Christus geschenkt sind, in Besitz nehmen. Sobald wir aber damit beginnen, ist Kampf die unmittelbare und notwendige Folge. Der Teufel sucht uns den Genuss dieser Segnungen streitig zu machen; er spannt alle seine Kräfte an, um uns mit allerlei andern Dingen zu beschäftigen und sucht die schwachen Stellen aus, wo er uns am leichtesten verletzen kann. Von diesem Kampf redet der Apostel, wenn er sagt: „Denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern“ (Vers 12).

In erster Linie achte man auf die Worte: „Denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut.“ Die Kinder Israel hatten mit Menschen von Fleisch und Blut zu kämpfen; unser Kampf aber ist nicht gegen Menschen, gegen Fleisch und Blut; die Feinde, die uns gegenüberstehen, sind viel mächtiger und Schrecken erregender als die in Kanaan; denn wir stehen im Kampf gegen den Teufel und sein Heer. Der Heilige Geist nennt diese Feinde Fürstentümer und Gewalten; sie sind also mächtig und können ihren Willen in ihrem Bereich und solange Gott sie nicht endgültig richtet, zur Ausführung bringen. Überdies beherrschen sie die Finsternis dieser Welt. Das Licht ist die Sphäre, in der Gott wohnt; die bösen Geister dagegen wirken und herrschen in der Finsternis. Nun ist die Welt, da sie Gottes Licht nicht besitzt, gänzlich der Finsternis verfallen und die Teufel beherrschen sie. Schließlich besitzen diese Obrigkeiten oder Gewalten nicht nur die äußere Macht, sondern sie haben ihren Sitz in den himmlischen Örtern. 1 Welch eine entsetzliche und fürchterliche Macht ist es, die uns gegenübersteht und uns den Genuss der himmlischen Segnungen zu rauben trachtet! Satan ist mit seinen Tausenden von Engeln stets zum Angriff bereit. Er wendet seine ganze Macht und Verführungskunst an, um die Oberhand über uns zu bekommen. Kein Mittel lässt er unversucht, uns im geistigen Kampf zu hindern und zu ermüden. Mit großer List und Gewandtheit geht er ans Werk; ja, er nimmt zuweilen die Gestalt eines Engels des Lichts an, um uns zu versuchen. Denken wir nur einen Augenblick an die Versuchung des Herrn Jesus in der Wüste, und seine ganze List und Bosheit steht lebendig vor unserm Geist.

Das Wort Gottes lässt uns keineswegs im Unklaren über die Art und das Wesen unserer Feinde. Der Herr selbst kennzeichnete den Teufel trefflich: „Jener war ein Menschenmörder von Anfang und ist in der Wahrheit nicht bestanden, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben“ (Johannes 8, 44). Und wie er ist, so sind es auch die gesamten geistlichen Mächte der Bosheit, die ihm ergeben sind. Ein sehr bevorstehender Charakter des Teufels und seiner Mächte ist zudem ihre List.

Wären wir dieser wichtigen Tatsachen immer eingedenk, wären wir weniger geneigt nachzugeben, wenn der Feind uns mit ganz feiner List unter dem schönen Gewand „kleine zeitgemäße Abweichungen“ vom Wort Gottes, „zeitbedingte“ Kompromisse mit dem Geist der Welt usw. mundgerecht machen will. Wir würden hinter der feinsten List die stets lügnerische mörderische Absicht des Feindes der Seelen erkennen und ihm bestimmt und standhaft mit dem Wort und mit der ganzen Waffenrüstung Gottes kategorisch entgegentreten. Wie viele ungeheuer schädliche Dinge hat der Feind im Lauf der Jahrhunderte teils mit List, teils mit roher Gewalt in die Christenheit hereingebracht! Wie oft schienen vielen Gläubigen die Abweichungen vom Wort Gottes im Anfang „harmlos“ und wie schädlich wurde ihre ganze Entfaltung im Lauf der Zeit. Denken wir z. B. an die Beeinflussung durch die judaisierenden falschen Lehrer, gegen welche der Apostel im Galaterbrief so kräftig anstürmt. Sind sie nicht in ihrer späteren Entwicklung zum ausgesprochenen Merkmal eines großen Teiles der Christenheit geworden bis auf unsere Tage? Denken wir an die Verbindung der Kirche mit der Welt wie sie im Sendschreiben an Pergamus gekennzeichnet ist. Welche ungeheuren Folgen hatte sie zum Schaden der Christenheit! Wie harmlos suchen sich selbst in unsern Tagen die fatalsten Irrtümer inmitten der Kinder Gottes einzuschleichen! Welches wird das Ergebnis all dieser Dinge sein? Ist es nicht, dass der Geist Gottes letzten Endes das was einst die Kirche des Herrn war, kennzeichnen muss mit dem Wort: Babylon ist eine Behausung von Dämonen geworden und ein Gewahrsam jedes unreinen Geistes und ein Gewahrsam jedes unreinen und gehassten Vogels (Off 18,2).

O möchten wir daher nicht nachlassen in der Wachsamkeit und im treuen Bewahren des Wortes Gottes. Es ist klar, dass wir in uns selbst ganz und gar unfähig sind, diesen mächtigen Feinden zu widerstehen. Die listigen Verführungen des Teufels würden uns sehr bald verwirren, wollten wir in eigener Kraft gegen ihn streiten. Da wo der Apostel über den Kampf gegen die geistlichen Mächte der Bosheit zu reden beginnt, ruft er uns darum zu: „Übrigens, Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht Seiner Stärke“ (Vers 10). Um in diesem Kampf den Sieg davonzutragen, müssen wir die Kraft des Herrn besitzen; wir müssen in Seiner Gemeinschaft sein, damit wir uns Seiner Kraft gegen die Listen des Feindes bedienen können. Nur in der Gemeinschaft mit Gott kann man sich für den Kampf stärken. Glücklicherweise können wir uns zu jeder Zeit in dieser Gemeinschaft befinden, und nichts braucht uns zu hindern, stets in Gottes Gegenwart zu sein.

In zweiter Linie brauchen wir die ganze Waffenrüstung; wenn uns eine Waffe fehlt, sind wir den Angriffen Satans preisgegeben. Und diese Waffenrüstung muss die von Gott sein, göttlich in ihrer Natur. Menschliche Waffen könnten den Schlägen des Feindes nicht widerstehen. „Deshalb nehmt die ganze Waffenrüstung Gottes, dass ihr an dem bösen Tag zu widerstehen und, nachdem ihr alles ausgerichtet habt, zu stehen vermögt“ (Vers 13). Im Allgemeinen kann die Zeit, seitdem der Herr Jesus gekreuzigt wurde und der Teufel den Titel „Fürst dieser Welt“ erhielt, der „böse Tag“ genannt werden dennoch meint der Apostel hier etwas Besonderes, wenn er sagt: „Dass ihr an dem bösen Tag zu widerstehen vermögt“. Es gibt Zeiten, wo die Macht des Teufels sich besonders bemerkbar macht und die Gefahr größer ist als gewöhnlich; und es sind diese Zeiten, die hier eigens „der böse Tag“ genannt werden. Diese Zeiten muss der Christ voraussehen; wenn sie kommen, dann ist es zu spät, die Waffenrüstung anzuziehen; man muss zu jeder Zeit bereit sein, um widerstehen zu können. „Der böse Tag“ muss uns gewappnet finden, sollen wir mit Erfolg Widerstand leisten können. Aber das ist nicht genug. Wie oft kommt es vor, dass ein Gläubiger, der lang und tapfer gegen den Feind gestritten und ihn besiegt hat, doch seine Waffen niederlegt, um vom Kampf auszuruhen und so zuletzt doch eine Beute des Feindes wird. Deshalb ist es nicht genug, zu widerstehen, sondern wir müssen „nachdem wir alles ausgerichtet haben, zu stehen vermögen.“

Bei der Beschreibung der Waffenrüstung denkt nun der Apostel nicht an die Stellung, wie wir sie vor Gott einnehmen, sondern an unsern wirklichen praktischen Zustand. Es ist hier ja keine Rede von unserm Erscheinen vor Gott, sondern von unserm Widerstand gegen den Teufel. Vor Gott ist unsere Gerechtigkeit vollkommen, denn Christus selber ist unsere Gerechtigkeit; „wir sind die Gerechtigkeit Gottes in Ihm“. Wir sind bereits in die himmlischen Örter versetzt in Christus. Was unsere Stellung vor Gott betrifft, ist alles vollkommen; es kann nichts mehr dazugefügt werden, und darum kann in dieser Hinsicht keine Rede sein vom Anziehen der Waffenrüstung.

Wir sind Kinder Gottes, Christen, und leben aber in einer gottfeindlichen Welt, deren Fürst vorläufig noch der Satan ist. Unser Leben, wenn es anders in Übereinstimmung mit unserer hohen himmlischen Berufung ist, steht in völligem Widerspruch zu allen Grundsätzen einer durch Satan beeinflussten und beherrschten Welt. Der Feind wendet jedes Mittel an, um uns in unsern persönlichen und gemeinsamen Wegen als Kinder Gottes von den göttlichen Richtlinien abzuwenden und unser Zeugnis und unsern Einfluss inmitten der Menschen, die uns umgeben, zunichte zu machen. Die Waffenrüstung Gottes und die Anweisungen unseres Kapitels sind die Mittel, die Gott uns gibt, damit wir allen Anstrengungen des Feindes zum Trotz persönlich und gemeinsam unsern Charakter als Christen gottgemäß bewahren, uns inmitten feindlicher Strömungen zu behaupten vermögen, ähnlich einer belagerten Stadt, gegen welche der Feind immer wieder vergeblich anstürmt. So ist der ganze hier beschriebene Kampf „defensiv“, d. h. wir haben unter allen Umständen unsere Stellung zu behaupten. Selbst das Schwert des Geistes, wurde vom Herrn „defensiv“ gebraucht, als Er bei der Versuchung in der Wüste dem Feind das „Es steht geschrieben“ immer wieder entgegenwarf (Mt 4,4.7.10).

Um dem Teufel zu widerstehen und ihn zu besiegen, ist es nicht genügend, dass wir Christen sind und dass unsere Stellung vor Gott vollkommen ist; wir müssen außerdem in einem guten praktischen Zustand sein, um dem Teufel keine Angriffsmöglichkeit zu bieten. Es genügt nicht, das Bewusstsein unserer Errettung zu haben, sondern wir müssen in der Gemeinschaft Gottes wandeln; unser Verhalten muss in Übereinstimmung sein mit der Heiligkeit und Liebe Gottes.

Betrachten wir nun die Waffen, mit denen wir ausgerüstet sein müssen. Paulus nahm einen römischen Kriegsknecht, so wie er in seiner vollen Waffenrüstung in den Kampf zieht, zum Vorbild, um uns die geistliche Waffenrüstung zu beschreiben. Sein Leib ist mit einem Brustharnisch bedeckt, seine Lenden sind umgürtet und seine Füße beschuht; auf dem Kopf hat er einen Helm, und alles, was entblößt geblieben ist, wird von einem Schild beschirmt, während sein Schwert sowohl zur Abwehr als zum Angreifen dient. Fehlt ihm eine Waffe, dann ist er dem Feind nicht mehr gewachsen und läuft Gefahr, überwunden zu werden. Ebenso kann der Christ nur dann, wenn er mit der ganzen Waffenrüstung bekleidet ist, den Feind ruhig erwarten und ihm entgegentreten.

„Steht nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit.“ Das ist das erste Erfordernis. Wozu dient ein Gürtel? Uns zu befähigen, unsere Kräfte zusammenzufassen, um im Kampf oder im Wettlauf stark zu sein. Unser Gürtel muss die Wahrheit sein. Und sicher haben wir dies in erster Linie nötig, weil unser Gegner, der Teufel, der Lügner von Anfang ist. Wie könnten wir ihm widerstehen, wenn die Wahrheit nicht in unsern Herzen wohnte? Wie könnten wir in Gottes Gemeinschaft Kraft finden gegenüber seinen Anläufen, wenn wir uns selber nicht in aller Aufrichtigkeit in das Licht Gottes stellten und richteten? Ja, wenn die Wahrheit uns ganz erfüllt, bleibt kein Raum für den Eigenwillen; der Teufel findet in unseren Herzen nichts, was seinen Absichten Vorschub leisten könnte. Zugleich lernt man den Willen Gottes kennen, sodass man sofort die List des Feindes erkennen kann.

Die zweite Waffe ist „der Brustharnisch der Gerechtigkeit“. Wie wir bereits erwähnten, kann es sich nicht um die Gerechtigkeit handeln, die wir in Christus vor Gott besitzen, sondern um die Gerechtigkeit, die sich im Wandel offenbart; ein Gewissen zu haben, das sich nichts vorzuwerfen hat. Schon der natürliche Mensch weiß, dass ein schlechtes Gewissen ihm die Freimütigkeit vor den Menschen raubt; und wie viel mehr wird der Christ seine Sicherheit und Kraft vor dem Feind einbüßen, wenn sein Gewissen belastet ist. Ist aber das Gewissen rein, geht man ohne Furcht dem Feind entgegen. Das ist die Kraft eines guten Betragens, eines Gewissens ohne Vorwurf. „Darum übe ich mich auch“, sagt der Apostel, „allezeit ein Gewissen ohne Anstoß zu haben vor Gott und den Menschen“ (Apg 24, 16).

In Verbindung damit steht das Schuhwerk. „Und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens“ (Vers 15). Haben wir ein gutes Gewissen, dann wird der Friede Gottes unsere Herzen erfüllen, denn „die Furcht der Gerechtigkeit ist Friede“. Wenn aber mein Gewissen beschwert ist, dann bin ich über mich selbst nicht Herr. Genießt aber das Herz den Frieden Gottes und hat sich das Gewissen nichts vorzuwerfen, dann wandelt man im Geist des Friedens mit allen. Und zugleich werden wir nicht beunruhigt durch all die Mühseligkeiten und Sorgen des irdischen Lebens. Wir wandeln in der vollkommensten Ruhe inmitten des heftigsten Kampfes. Nichts stört unsere Gemeinschaft mit Gott, und der Friede Jesu erfüllt unsere Herzen.

Schau auf den Wandel von Jesus und sage mir, woher es kam, dass Er sich überall, selbst inmitten Seiner bittersten Feinde, mit der größten Freimütigkeit bewegte, sag mir, ob du nicht getroffen wirst durch Seinen offenen Blick, Seinen heiligen Ernst, Seine liebreiche Sanftmut; sag mir, woher es kam, dass die Juden vor Ihm so ängstlich waren, obwohl sie Ihn doch so hassten; und wie es möglich war, dass Er selbst im heftigsten Kampf ruhig und gelassen blieb. Woher kam das? Weil er mit Wahrheit und Aufrichtigkeit erfüllt war, weil Er in allem ein unbeflecktes Gewissen vor Gott und den Menschen hatte, und in fortwährender Gemeinschaft mit Seinem Vater wandelte. Nun, lasst uns Ihm nachfolgen, dann wird dieselbe Ruhe und Gelassenheit unser Teil sein, dann werden wir überall und zu allen Zeiten unser Auge freimütig aufheben dürfen, gleichgültig, welchen Feinden wir gegenüberstehen.

„Indem ihr über das alles ergriffen habt den Schild des Glaubens“, fährt der Apostel fort, „mit welchem ihr imstande sein werdet, alle feurigen Pfeile des Bösen auszulöschen“ (Vers 16). Für einen römischen Soldaten war nichts von größerer Wichtigkeit als sein Schild. Wenn er mit allen andern Waffen ausgerüstet war, aber seinen Schild vergessen hatte, dann war er untüchtig zum Kampf, da die Tausende von Pfeilen, die um ihn herum flogen, zwischen den verschiedenen Teilen seiner Rüstung hindurch dringen und ihn verletzen, gar töten konnten. Und was könnten wir ohne Glauben im Kampf gegen den Teufel ausrichten? Sicherlich nichts. Der Apostel meint hier natürlich nicht den Glauben an den Herrn Jesus, sondern das Vertrauen auf Gott, das Vertrauen sowohl in Seine Liebe und Treue, als auch in Seine Macht. Dieser Glaube setzt uns instand, alle feurigen Pfeile des Bösen auszulöschen. Satan mag die schärfsten und giftigsten Pfeile auf mich abschießen, die stärksten Versuchungen an mich herankommen lassen, die heftigsten Schläge austeilen wollen, mit dem Schild in der Hand werde ich alle Angriffe abweisen können. Die Schrift selbst gibt uns hiervon viele Beweise. Denken wir nur an David in seinem Kampf mit Goliath, an die Israeliten vor Jericho, an die große Reihe der Glaubenshelden in Hebräer 11, vor allem aber an Jesus Christus selbst, den Anfänger und Vollender des Glaubens. Folgen wir Ihm nach, und unser Glaube wird den Sieg behalten.

Eine weitere Waffe ist „der Helm des Heils“ (Vers 17). Diese Bewehrung haben wir ebenso nötig wie den Brustharnisch der Gerechtigkeit. Unser Haupt muss bedeckt sein, wenn wir imstande sein sollen, frei empor zu blicken. Unser Helm ist der Helm des Heils. Die Gewissheit und der Genuss der in Christus vollbrachten Erlösung muss unser Herz erfüllen; dann sind wir fähig zu sagen: „Wenn Gott für uns ist, wer wider uns?“ Inmitten aller Angriffe des Feindes können wir dann unser Haupt emporheben und ausrufen: „Wer wird wider Gottes Auserwählte Anklage erheben?“

So mit allen Waffen zu unserm Schutz und Wehr ausgerüstet, sind wir fähig, uns auch des Schwertes des Geistes zu bedienen. Dieses ist unüberwindlich, wenn wir es zu handhaben wissen; Beweis dafür ist der Kampf des Herrn mit Satan in der Wüste. Dieses Schwert ist das Wort Gottes. In all den Versuchungen des Teufels antwortete Jesus stets und ausschließlich mit dem Wort Gottes; und darin bestand Seine Kraft. Keine Beweisführungen, mögen sie auch noch so richtig erscheinen, können uns etwas nützen; das Wort Gottes allein, das „lebendig und wirksam ist und schärfer als jedes zweischneidige Schwert“, kann den Feind zum Schweigen bringen. Ach, wie wenig wird das Wort Gottes von den Christen gebraucht; wie viele gebrauchen ihre eigenen Worte und Beweisführungen an Stelle des Wortes Gottes; ja, sie streiten lieber über die Wahrheit dieses Wortes, anstatt es zu gebrauchen. Die Tauglichkeit eines Schwertes lässt sich nicht beweisen, aber wohl fühlen; und darum sind alle Beweisführungen über das Schwert verlorene Zeit und Mühe. Lasst es uns nur gebrauchen, wir werden sofort die Wirkung sehen!

Doch um dies tun zu können, ist die Kenntnis des Schwertes, des Wortes Gottes, notwendig. Man muss das Wort so kennen, dass man auf jede Versuchung, auf jeden Angriff des Feindes mit demselben antworten kann. O, lasst uns doch Gottes Wort erforschen! Es ist tief bedauerlich, dass viele Christen so wenig mit der Bibel bekannt sind und sich so wenig darauf verlegen, den Inhalt des Buches ihres Vaters kennen zu lernen. Der Feind sieht nichts lieber als das; denn er weiß, dass man dann seinen Angriffen nicht gewachsen ist und ihm keinen Abbruch tun kann. Aber wenn wir des Herrn Wort erforschen, müssen wir wohl bedenken, dass kein menschlicher Verstand oder Geist uns helfen kann, sondern dass der Heilige Geist uns lehren muss es zu verstehen. Es ist das Schwert des Geistes. Unsere Waffen sind nicht fleischlich, sondern geistlich; und darum müssen wir erfüllt sein mit der Erkenntnis des Willens Gottes „in aller Weisheit und geistlichem Verständnis“ (Kol 1, 9).

Das ist die Waffenrüstung, die wir anzuziehen haben, um am bösen Tag widerstehen zu können. Sind wir mit derselben angetan, können wir freimütig den Feind erwarten, ja, ihm entgegengehen. Aber mit dem Anziehen dieser Waffenrüstung muss ein Zustand des Herzens verbunden sein, der uns Kraft gibt, die Waffen zu handhaben, so dass wir als eifrige, tapfere Streiter dem Feind gegenüberstehen. Es ist die gänzliche Abhängigkeit von Gott, verbunden mit dem Vertrauen, das sich im Gebet ausdrückt. Diese Abhängigkeit muss dauernd sein. Wenn sie wirklich vorhanden ist, dann drückt sie sich aus im Gebet; sie sucht die Kraft, die sie nicht hat, und sie sucht sie bei Dem, dem sie restlos vertrauen kann. „Zu aller Zeit betend mit allem Gebet und Flehen in dem Geist, und eben hierzu wachend in allem Anliegen und Flehen für alle Heiligen, und für mich, dass mir Rede verliehen werde im Auftun meines Mundes, um mit Freimütigkeit kundzutun das Geheimnis des Evangeliums, für welches ich ein Gesandter bin in Ketten, damit ich in demselben freimütig rede, wie ich reden soll“ (Verse 18–20). Dieses Gebet ist der Ausdruck der Bedürfnisse des Menschen, der Wünsche des Herzens, in der Kraft des Heiligen Geistes, der diese Bedürfnisse und Wünsche weckt. Und weil es ein vom Geist gewirktes Gebet ist, umfasst es alle Heiligen. Denn wo die Gegenwart Gottes so verwirklicht wird, da ist das Herz weit geöffnet für alle, da erstrecken sich die Zuneigungen des Herzens auf alle, die von Jesus geliebt werden. Der Geist Gottes kann nicht anders, als diese Gemeinschaft mit allen Heiligen in uns zu erwecken, aber vor allem bewirkt Er in uns das Gebet für die, welche den Namen des Herrn verkündigen, die inmitten vielerlei Beschwerden und Mühseligkeiten das Evangelium predigen und in der Versammlung tätig sind. Sie vor allem bedürfen der Fürbitte der Heiligen; und es ist herrlich, aus dem Mund des Apostels zu hören wie er, der so reich vom Herrn gesegnet war, das Bedürfnis nach dieser Fürbitte empfand. Paulus fühlte seine eigene Schwachheit und zugleich die Kraft des Gebets, und darum dringt er hier so sehr darauf, seiner allezeit zu gedenken. Möchten alle, die wie er im Werk des Herrn arbeiten, mit demselben Bedürfnis erfüllt sein. Und möchten alle, die Jesus lieb haben, ihrer herrlichen Berufung entsprechen, indem sie im Gebet alle Heiligen, vornehmlich die, welche für den Herrn arbeiten, auf betendem Herzen tragen.

Die Ermahnung des Apostels zum Gebet für die freimütige Verkündigung des Geheimnisses des Evangeliums steht so gut wie die Waffenrüstung in enger Verbindung mit dem Kampf, den wir Christen wider die geistlichen Mächte der Bosheit zu führen haben. Denn die treue Verkündigung der Wahrheit bedeutet an und für sich schon eine wirkliche und tatkräftige Abwehr gegen den Irrtum. Im Reich der Natur wird ein Feld, das nicht mit gutem Samen besät wird, bald von jedem Unkraut überwuchert werden. Möchte daher ein jeder Bruder, der vom Herrn eine diesbezügliche Gabe empfangen hat, treu sein in der Verkündigung des Wortes.

Als Paulus diesen Brief schrieb, war er im Gefängnis, wahrscheinlich in Rom. Es war darum kein Wunder, dass die Epheser, die so sehr mit ihm verbunden waren, unter denen er so lange Zeit mit soviel Segen gewirkt hatte, danach verlangten, etwas von ihm zu hören. Und es ist ein Beweis der herzlichen Zuneigung und selbstlosen Liebe des Apostels, dass er ihnen den geliebten Bruder und treuen Diener im Herrn, Tychikus, sendet, damit er sie mit seinen Umständen bekannt mache und ihre Herzen getröstet würden (Vers 21, 22).

Der Apostel Paulus hat uns in diesem Brief durch den Heiligen Geist die himmlische Stellung und die himmlische Berufung der Gemeinde offenbart. Die Epheser, an welche er schrieb, waren in einem solch guten Zustand, dass er ihnen keinen einzigen Verweis zu geben brauchte. Er wünschte ihnen „Friede und Liebe mit Glauben von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!“ und schließt dann mit der Bitte:

„Die Gnade mit allen denen, die unsern Herrn Jesus Christus lieben in Unverderblichkeit!“

Fußnoten

  • 1 Es ergibt sich nicht allein aus dieser Stelle, sondern auch aus andern, dass der Teufel mit seinen Engeln seinen Sitz in den himmlischen Örtern hat. (Vgl. Hiob 1, 6; 2, 1.) Dann lesen wir in Offenbarung 12, dass Streit war im Himmel zwischen Michael mit seinen Engeln und dem Teufel mit seinen Engeln, der damit endigte, dass der Teufel und seine Engel aus dem Himmel auf die Erde geworfen wurden. Später lesen wir, in Offenbarung 20, dass er zuerst tausend Jahre gebunden, dann wieder losgelassen und endlich für immer in den Feuersee geworfen wird.
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