Betrachtung über Epheser (Synopsis)

Kapitel 6

Betrachtung über Epheser (Synopsis)

Es bleiben noch gewisse Verhältnisse und Beziehungen im Leben übrig, auf welche die Belehrung des Geistes Gottes jetzt Bezug nimmt: so das Verhältnis der Kinder zu den Eltern, das der Väter zu den Kindern, der Knechte zu den Herren und der Herren zu den Knechten. Es ist bemerkenswert, dass die Kinder der Gläubigen als Gegenstände der Sorge des Heiligen Geistes eingeführt werden, und dass sogar Sklaven (denn die Knechte waren Sklaven) durch das Christentum zu einer Stellung erhoben wurden, die durch die erniedrigenden Umstände ihrer gesellschaftlichen Stellung nicht angetastet werden konnte.

Alle Kinder der Christen werden als Gegenstände der Ermahnungen im Herrn betrachtet, die sich an solche richten, die drinnen sind, und nicht mehr in dieser Welt, deren Fürst Satan ist. Ein süßer und köstlicher Trost für die Eltern, dass sie auf ihre Kinder blicken können als auf solche, die zu dieser Stellung berechtigt sind und an dieser zärtlichen Sorge teilhaben, die der Heilige Geist allen widmet, die in dem Hause Gottes sind! Der Apostel weist auf die Wichtigkeit hin, die Gott den Pflichten der Kinder gegen die Eltern unter dem Gesetz beigelegt hat. Es ist das erste Gebot, mit dem eine Verheißung verbunden ist. Vers 3 ist nur die Anführung der Verheißung, auf die der 2. Vers anspielt.

Die Ermahnung an die Väter ist gleichfalls bemerkenswert. Sie sollen ihre Kinder nicht zum Zorn reizen; ihre Herzen sollen ihnen zugewandt sein. Sie sollen sie nicht zurückstoßen und auf diese Weise jenen Einfluss zerstören, der der stärkste Schutz für die Kinder gegenüber dem Bösen in dieser Welt ist. Gott bildet die Herzen der Kinder um diesen glücklichen Mittelpunkt; und der Vater soll dar über wachen. Aber das ist noch nicht alles. Der christliche Vater (denn der Apostel spricht immer nur zu denen, die drinnen sind) soll die Stellung anerkennen, in welche die Kinder, wie wir gesehen haben, gebracht sind, und soll sie erziehen unter dem Joche Christi, in der Zucht und Ermahnung des Herrn. Die christliche Stellung soll der Maßstab und die Form sein für die Einflüsse, die der Vater ausübt, und für die Erziehung, die er seinen Kindern gibt. Er behandelt sie, als erzöge er sie für den Herrn, und er erzieht sie, wie der Herr sie erziehen würde.

Man wird bemerken, dass in den beiden Beziehungen, die wir hier betrachten, sowie auch in der der Weiber zu ihren Männern, die Ermahnungen auf der Seite beginnen, wo man Unterwürfigkeit schuldig ist. Das ist der Geist des Christentums in unserer bösen Welt, in welcher der Wille des Menschen die Quelle alles Bösen ist und seine Abweichung von Gott zum Ausdruck kommt, dem aller Gehorsam gebührt. Der Grundsatz der Unterwürfigkeit und des Gehorsams ist der heilende Grundsatz der Menschheit; nur muss Gott eingeführt werden, damit nicht am Ende doch der Wille des Menschen der Leiter ist. Jedenfalls ist der Grundsatz, der das Herz des Menschen zum Guten leitet, überall und immer der Gehorsam. Ich mag in den Fall kommen, sagen zu müssen: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“; aber vom Gehorsam weichen, heißt in die Sünde willigen. Ein Mensch mag als Vater zu befehlen und zu regieren haben; aber er tut es schlecht, wenn er es nicht im Gehorsam gegen Gott und Sein Wort tut. Dieser Grundsatz des Gehorsams war das Wesen des Lebens Christi: „Ich komme, um deinen Willen, O Gott, zu tun.“ Daher beginnt der Apostel seine Ermahnungen hinsichtlich der Lebensverhältnisse hienieden mit den Worten: „Seid einander unterwürfig“ (Eph 5,21). Das macht die Ordnung leicht, selbst wenn die äußere Ordnung der Gesetze und der öffentlichen Gewalt fehlen sollte. Unterwürfigkeit und Gehorsam des Herzens können, dem Grundsatz nach, einem wahren Christen nie fehlen. Es ist der Ausgangspunkt seines ganzen Lebens. Er ist geheiligt zum Gehorsam Christi (1. Pet 1,2).

Um auf den Fall zurückzukommen, der zu diesen Bemerkungen Anlass gegeben hat, ist es auffallend, wie der soeben besprochene Grundsatz den Sklaven in seiner Stellung erhebt: er gehorcht durch einen innerlichen, göttlichen Grundsatz, als wenn es Christus Selbst wäre, dem er gehorcht. Wäre sein Herr auch noch so gottlos, er gehorcht ihm, als ob er Christus Selbst gehorchte. Dreimal wiederholt der Apostel diesen Grundsatz des Gehorsams gegen Christum oder des Ihm Dienens, indem er hinzufügt „indem ihr den Willen Gottes von Herzen tut“ (V. 6). Welch einen Unterschied brachte das in der Lage des armen Sklaven hervor! Überdies sollte ein jeder, er sei Sklave oder Freier, seinen Lohn von dem Herrn empfangen. Der Herr des Sklaven hatte mit diesem denselben Herrn im Himmel, bei dem kein Ansehen der Person ist. Doch sagt der Apostel dies zu den Herren, nicht zu den Sklaven; denn das Christentum hat ein zartes Schicklichkeitsgefühl und verletzt niemals dessen Grundsätze. Übrigens sollte der Herr den Sklaven auch mit vollkommener Gleichheit behandeln, geradeso wie er es von dem Sklaven erwartete, und das Drohen lassen.

Es ist sehr schön, die Art und Weise zu sehen, in der die göttliche Lehre auf die Einzelheiten des Lebens eingeht und den Wohlgeruch ihrer Vollkommenheit über jede Verpflichtung und jedes Verhältnis verbreitet; wie sie das Bestehende anerkennt, soweit es von den Grundsätzen dieser Lehre anerkannt und geleitet werden kann; aber auch wie sie den Wert von allem erhöht und vergrößert, gemäß der Vollkommenheit ihrer Grundsätze, indem sie nicht die Verhältnisse antastet, sondern das Herz des Menschen berührt, der sich in ihnen bewegt, und zwar dadurch, dass sie alles nach seinem inneren Wert betrachtet und nach dem Grundsatze der Unterwürfigkeit in Liebe und in der Ausübung der Autorität, die durch die göttliche Lehre geregelt werden kann, indem sie die Gnade einführt, die die Anwendung der Autorität Gottes beherrscht.

Indessen handelt es sich nicht nur um eine Richtschnur, die man befolgen, um ein Muster, das man nachahmen, oder um einen Geist, mit dem man erfüllt sein sollte. Der Christ hat neben der Beobachtung der Beziehungen, die zwischen ihm und Gott bestehen oder in denen er sich hienieden befindet, auch mit Feinden zu kämpfen. Als das Volk Israel unter Josua in das Land Kanaan eingezogen war, befand es sich zwar in dem verheißenen Lande, aber es lag im Kampfe mit Feinden, die vor ihm dort waren, obwohl nicht nach den Rechten, nach welchen Israel das Land durch die Gabe Gottes besaß. Gott hatte Kanaan für Israel abgesondert (siehe 5. Mo 32,8). Die Nachkommen Hams hatten es in Besitz genommen. Was uns nun betrifft, so haben wir nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, wie es bei Israel der Fall war. Unsere Segnungen sind geistlich, in den himmlischen Örtern. Gott hat uns dort in Christo einen Platz gegeben. Wir sind den Fürstentümern und Mächten in den himmlischen Örtern ein Zeugnis; wir haben zu kämpfen wider geistliche Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern. Israel war durch die Wüste gezogen; es hatte den Jordan durchschritten. Das Manna hatte aufgehört; sie aßen Getreide des Landes. Sie ließen sich in dem Lande Kanaan nieder, als ob es das ihrige wäre, ohne einen Schlag zu tun. Sie aßen die Früchte dieses guten Landes in den Gefilden Jerichos. So ist es auch mit dem Christen. Obwohl wir durch die Wüste pilgern, sind wir doch zugleich in den himmlischen Örtern in Christo. Wir haben den Jordan durchschritten; wir sind mit Christo gestorben und auferweckt. Wir sitzen in Ihm in den himmlischen Örtern, um die himmlischen Dinge als die Frucht des uns gehörenden Landes zu genießen. Aber wenn wir sie praktisch zu genießen wünschen, so ist Kampf unser Teil. Die Verheißung erstreckt sich auf jede Segnung, auf das ganze verheißene Land, aber nur auf „jenen Ort, auf den unsere Fußsohle treten wird“ (Jos 1,3). Dazu bedürfen wir der Kraft des Herrn, und von dieser spricht der Apostel jetzt. „Seid stark in dem Herrn“, sagt er (V. 10) Der Feind ist listig. Wir haben seinen Listen noch mehr zu widerstehen als seiner Macht. Weder die Kraft noch die Weisheit des Menschen vermögen hier etwas auszurichten. Wir müssen mit der ganzen Waffenrüstung Gottes angetan sein.

Doch beachten wir zunächst, dass der Geist unsere Gedanken auf Gott Selbst richtet, ehe Er von dem spricht, was überwunden werden muss: „Seid stark in dem Herrn.“ Der Herr ist indes, und das sei zuallererst gesagt, nicht eine Zufluchtsstätte, in die wir vor dem Feinde fliehen; wir befinden uns für uns selbst in ihr, ehe wir uns ihrer wider die Listen des Feindes bedienen. Gerade die innigen Beziehungen, in welche die Ratschlüsse und die Gnade Gottes den Gläubigen gebracht haben, geben ihm Kraft in dem Kampf, dem er nicht ausweichen kann, wenn er anders seine christlichen Vorrechte genießen will. Auch muss er die ganze Waffenrüstung haben. Das Fehlen eines ihrer Teile gibt uns an der betreffenden Stelle Satan gegenüber eine Blöße. Die Rüstung muss die Rüstung Gottes sein, göttlich in ihrer Natur. Menschliche Waffen werden die Anfälle Satans nicht abwehren. Das Vertrauen auf solche Waffen wird uns nur in den Streit führen, um uns dann im Kampf mit einem Geiste, der mächtiger und listiger ist als wir, zu Fall zu bringen.

Die Feinde, die wir zu bekämpfen haben, werden wie folgt gekennzeichnet: es sind Fürstentümer und Gewalten, Wesen, in denen sich eine Energie des Bösen findet, die ihre Quelle in einem Willen hat, der diejenigen beherrscht, die ihm nicht zu widerstehen wissen, Wesen, die auch Kraft besitzen, diesen Willen geltend zu machen. Ihre Kraft haben sie von Gott; der Wille aber, der die Kraft benutzt, kommt von ihnen. Sie haben Gott verlassen; die Quelle ihres Tuns liegt in ihrem eigenen Willen. In dieser Hinsicht ist es eine Quelle des Handelns in Unabhängigkeit von Gott, und die Kraft und die Eigenschaften, die sie von Gott haben, sind die Werkzeuge jenes Willens – eines Willens, der keinen Zügel hat, es sei denn von außerhalb. Sie sind Fürstentümer und Gewalten. Es gibt auch gute Fürstentümer und Gewalten; und deren Wille ist, nur das zu tun, was Gott will, und in Seinem Dienst die Kraft zu gebrauchen, die sie von Ihm erhalten haben.

Die aufrührerischen Fürstentümer und Gewalten beherrschen die Finsternis dieser Welt. Das Licht ist der Bereich, in welchem Gott wohnt; Er verbreitet es um Sich her. Die bösen Geister betrügen und herrschen in der Finsternis. Weil diese Welt nun das Licht Gottes nicht hat, so ist sie gänzlich in der Finsternis, und die bösen Geister herrschen darin; denn Gott ist nicht da – nur dass Er dennoch die höchste Gewalt ausübt, indem Er alles zu Seiner Ehre und schließlich zum Besten Seiner Kinder ausschlagen lässt. Aber wenn auch diese Fürstentümer in der Finsternis dieser Welt herrschen, so besitzen sie doch nicht bloß eine äußere Gewalt; sie sind in den himmlischen Örtern und sind dort mit geistlicher Bosheit beschäftigt. Sie üben einen geistlichen Einfluss aus, weil sie den Platz von Göttern haben. Wir haben also erstens ihren inneren Charakter, die Art ihres Wesens und den Zustand, in dem sie sich befinden, zweitens ihre Macht in der Welt, indem sie dieselbe beherrschen, und drittens ihren religiösen und betrügerischen Einfluss, weil sie die himmlischen Örter bewohnen. Auch haben sie zum Wirkungskreis für die Ausübung ihrer Gewalt die Lüste des Menschen und sogar die Schrecken seines Gewissens. Um Feinden, wie diese sind, zu widerstehen, bedürfen wir der Waffenrüstung Gottes. Die Offenbarungen der Gewalt dieser Feinde bilden, wenn Gott es zulässt, die bösen Tage. Die ganze gegenwärtige Zeit der Abwesenheit Christi ist gewissermaßen der böse Tag. Christus ist verworfen worden von der Welt, deren Licht Er war, solange Er Sich in ihr aufhielt, und ist jetzt in Gott verborgen. Diese Macht, die der Feind entfaltete, als er die Welt dahin brachte, Christum zu verwerfen, übt er noch über sie aus. Wir widerstehen ihr durch die Wirkung und die Kraft des Heiligen Geistes, der während der Abwesenheit des Herrn hienieden ist. Aber es gibt Augenblicke, wo dieser Macht zugelassen wird, sich auf eine ganz besondere Weise zu offenbaren, Tage, in denen sie sich der Welt gegen die Heiligen bedient, indem sie das Licht, das von Gott in ihr leuchtet, verfinstert und die Herzen der Bekenner, ja sogar der Gläubigen, verwirrt und irreführt, mit einem Wort, Tage, wo die Macht des Feindes sich besonders fühlbar macht. Wir haben diese Macht zu bekämpfen, ihr entschieden zu widerstehen, wider alles aufzutreten durch das Bekenntnis Christi, des Lichtes. Wir haben alles zu tun, was das Bekenntnis Seines Namens erfordert, trotz allem, was sich dem entgegenstellen mag, koste es, was es wolle; und wir sollen stehend erfunden werden, wenn der Sturm und der böse Tag vorüber sind.

Es gilt also nicht nur, Gott und die Ratschlüsse Gottes samt ihren Auswirkungen in Frieden zu genießen, sondern weil diese Ratschlüsse uns in die himmlischen Örter einführen und uns zum Lichte Gottes auf der Erde machen, haben wir auch den geistlichen Mächten der Bosheit entgegenzutreten, die in den himmlischen Örtern sind und alles aufbieten, um uns zur Verleugnung unserer hohen Stellung zu bewegen, uns zu verführen und das Licht Christi in uns auf der Erde zu verfinstern. Wir haben den Fallstricken der geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern für uns selbst zu entgehen und hienieden das Zeugnis unverfälscht und rein aufrecht zu halten 1.

Nun, durch die Kraft des Heiligen Geistes, der uns zu diesem Zweck gegeben ist, werden wir finden, dass die Waffenrüstung Gottes sich zunächst auf das bezieht, was (indem das Fleisch beiseite gesetzt und das Vorhandensein eines guten Gewissens bewahrt wird) dem Feinde jeden Angriffspunkt nimmt, sodann auf die Erhaltung einer vollkommenen, auf Gott gerichteten Zuversicht, und ferner auf die wirksame Kraft, die mit Vertrauen in der Gegenwart des Feindes standhält und die Waffen des Heiligen Geistes wider ihn in Anwendung bringt. Die Verteidigungswaffen, unser eigener Zustand, kommen zuerst. Das Ganze endet mit dem Ausdruck der gänzlichen und dauernden Abhängigkeit von Gott, in welcher der christliche Kämpfer steht.

Wir wollen nun die Waffenrüstung Gottes etwas näher untersuchen, damit wir sie kennen lernen. Sie ist durchaus praktisch, gegründet zwar auf das, was für uns vollbracht worden ist, aber in sich selbst praktisch. Denn es handelt sich hier nicht darum, vor dem Richterstuhl Gottes zu erscheinen, sondern dem Feinde zu widerstehen und unsere Stellung wider ihn aufrecht zu halten.

Vor Gott ist unsere Gerechtigkeit vollkommen; sie ist Christus Selbst, und wir sind Gottes Gerechtigkeit in Ihm. Aber dazu bedürfen wir keiner Waffenrüstung: wir sitzen in den himmlischen Örtern; alles ist Friede, alles ist vollkommen. In unseren Kämpfen mit dem Feinde dagegen bedürfen wir der Waffenrüstung, der wirklichen, praktischen Waffenrüstung. Da müssen denn zunächst unsere Lenden umgürtet sein mit Wahrheit (V. 14). Die Lenden sind, wenn gehörig umgürtet, der Sitz der Kraft; sie stellen die innerlichen Gefühle und Regungen des Herzens vor. Wenn wir unserem Herzen gestatten umherzuschweifen wo es will, statt in der Gemeinschaft mit Gott zu verharren, so bekommt Satan leicht Gewalt über uns. Dieses Stück der Waffenrüstung ist also die Anwendung der Wahrheit auf die innersten, die ersten Regungen des Herzens. Wir umgürten unsere Lenden. Doch geschieht das in dem Augenblick, wenn Satan da ist; es ist ein Werk, das mit Gott getan und dadurch ausgeführt wird, dass wir die Wahrheit in Seiner Gegenwart auf unsere Seelen anwenden und dadurch alles in uns richten und dem Herzen einen Zügel anlegen, damit es sich unter Seinem Auge bewege. Das ist wahre Freiheit und wahre Freude, weil der neue Mensch Gott in ununterbrochener Gemeinschaft genießt; aber hier spricht der Geist davon im Blick auf den Schutz, den es uns gegen die Anfälle des Feindes gewährt. Zudem handelt es sich nicht bloß um die Unterdrückung böser Gedanken; das ist das Ergebnis dieses Selbstgerichts. Der Apostel hat vielmehr die Wirkung der Wahrheit, der Kraft Gottes, im Auge, die wirkt, indem sie alles offenbar macht, wie es ist, – die Wirkung alles dessen, was Gott Selbst lehrt, indem Er das Gewissen in Seine Gegenwart bringt und es so in Seinen Gedanken erhält. Alles was Gott in Seinem Worte gesagt hat sowie die unsichtbaren Wirklichkeiten haben so ihre wahre Kraft für das Herz und finden Anwendung auf dasselbe; die Regungen des Herzens erhalten ihren Charakter von dem Worte Gottes selbst und nicht von den Begierden des Fleisches, indem alles sich in der Gegenwart Gottes vollzieht.

Satan findet keinen Angriffspunkt in einem Herzen, das also in der Wahrheit, wie Gott sie geoffenbart hat, bewahrt wird; es gibt in den Wünschen eines solchen Herzens nichts, was den Einflüsterungen Satans entspricht. Nehmen wir Jesum als Beispiel. Seine Sicherheit bestand nicht darin, dass Er alles verurteilte, was Satan sagte, sondern darin, dass Er in der Wüste, im Anfang Seines öffentlichen Dienstes (außer in der letzten Versuchung), das Wort vollkommen auf Sich Selbst anwandte, auf das, was Sein eigenes Verhalten gegenüber den Umständen um Ihn her betraf. Die Wahrheit regierte sein Herz, so dass jede Regung desselben in den Umständen, die sich darboten, dieser Wahrheit entsprach. „Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Worte, das durch den Mund Gottes ausgeht.“ Kein Wort war aus dem Munde Gottes gekommen; daher tat Er nichts. Es war kein Beweggrund zum Handeln vorhanden. Er hätte aus eigenem Antrieb, nach Seinem eigenen Willen handeln müssen. Diese Wahrheit hielt Sein Herz in Verbindung mit Gott in den Umständen, die Ihm begegneten. Als die Schwierigkeit sich zeigte, war Sein Herz bereits in Gemeinschaft mit Gott, so dass es keinen anderen Antrieb hatte als den, welchen das Wort der Wahrheit Ihm eingab. Sein Verhalten war rein verneinend, aber es ging aus dem Lichte hervor, das die Wahrheit auf den vorliegenden Umstand warf, weil Sein Herz unter der unbedingten Herrschaft der Wahrheit stand. Das Eingehen auf die Einflüsterung Satans würde Ihn aus Seiner Stellung herausgebracht haben. Das war genug. Er will nichts damit zu tun haben. Er treibt indes Satan noch nicht weg; es handelte sich bis dahin nur um die Frage, wie Jesus Sich verhalten würde, nicht aber um eine offenbare Auflehnung gegen die Ehre Gottes. Sobald dieser Fall eintritt, treibt Er Satan hinweg; im ersteren handelt Er Gott gemäß, ohne Sich mit irgendetwas anderem einzulassen. Satans List verfehlte gänzlich ihren Zweck. Sie führte einfach zu nichts. Sie ist ganz und gar kraftlos wider die Wahrheit, weil sie die Wahrheit nicht ist; und das Herz hat die Wahrheit zu seiner Richtschnur. Listen sind nicht die Wahrheit; das genügt völlig, um zu verhindern, dass wir durch dieselben gefangen werden, vorausgesetzt dass unser Herz durch die Wahrheit beherrscht wird.

Das zweite Stück der Waffenrüstung ist der Brustharnisch der Gerechtigkeit, d. h. ein Gewissen, das sich nichts vorzuwerfen hat. Der natürliche Mensch weiß, wie sehr ein schlechtes Gewissen ihn seiner Kraft vor den Menschen beraubt. Hier muss nur noch hinzugefügt werden, auf welche Weise Satan dasselbe benutzt, um den Menschen in seinen Schlingen zu fangen. Wenn wir die Wahrheit festhalten, so haben wir Satan zu unserem Feinde. Wenn wir uns dem Irrtum hingeben, so wird er uns in dieser Hinsicht in Frieden lassen; nur wird er unsere Fehler und Vergehungen benutzen, um uns noch mehr zu seinen Sklaven zu machen, uns Hände und Füße in der Lüge zu binden. Wie würde ein Mensch, der die Wahrheit besitzt, der vielleicht soeben erst dem Irrtum entronnen ist, es ertragen, wenn sein Betragen, falls es schlecht wäre, vor allen Augen bloßgestellt würde? Er würde vor dem Feinde verstummen. Sein eigenes Gewissen würde ihm sogar den Mund verschließen, wenn er anders aufrichtig ist, ohne an die Folgen zu denken (es sei denn, dass ein Bekenntnis nötig wäre). Überdies würden ihm die Kraft Gottes und das geistliche Verständnis fehlen. Woher sollte er beides in einem schlechten Wandel bekommen haben? Wir gehen freimütig voran, wenn wir ein gutes Gewissen haben. Aber nur dann, wenn wir mit Gott wandeln, aus Liebe zu Ihm, aus Liebe zur Gerechtigkeit selbst, sind wir mit diesem Brustharnisch angetan und empfinden so keine Furcht, falls wir berufen werden, voranzugehen und dem Feinde entgegenzutreten. Wir bekommen ein gutes Gewissen vor Gott durch das Blut des Lammes. Indem wir mit Gott wandeln, bewahren wir es vor den Menschen und für die Gemeinschaft mit Gott, damit wir Kraft und geistliches Verständnis haben und beides stets vermehrt werde. Das ist die praktische Kraft eines guten Betragens, eines vorwurfsfreien Gewissens. „Darum übe ich mich auch, allezeit ein Gewissen ohne Anstoß zu haben“, sagt der Apostel. Welch eine Lauterkeit in solch einem Wandel, welch eine Wahrhaftigkeit des Herzens, wenn kein Auge uns sieht! Wir sind fest und entschieden gegen uns selbst, gegen unser eigenes Herz und hinsichtlich unseres Wandels, und darum können wir friedevoll sein in unseren Wegen. Auch ist Gott gegenwärtig. Wandelt so, sagt der Apostel, und der Gott des Friedens wird mit euch sein. Da wo die Früchte der Gerechtigkeit in Frieden gesät werden, wird der Pfad des Friedens in Gerechtigkeit gefunden. Wenn ich ein schlechtes Gewissen habe, so bin ich ärgerlich über mich selbst und böse auf andere. Wenn das Herz mit Gott in Frieden ist und sich nichts vorzuwerfen hat, wenn der Wille im Zaum gehalten wird, so herrscht Friede in der Seele. Wir wandeln auf der Erde, aber das Herz ist über ihr erhaben, weil es in Verbindung steht mit besseren Dingen; wir wandeln in einem friedsamen Geiste mit anderen, und nichts stört unsere Beziehungen zu Gott. Er ist der Gott des Friedens. Der Friede, der Friede Jesu, füllt das Herz. Die Füße sind damit beschuht; wir wandeln im Geiste des Friedens (V. 15).

Aber in Verbindung mit diesem allem bedürfen wir vor den übrigen noch eine Verteidigungswaffe, um trotz all der Listen des Feindes standhalten zu können; eine Waffe indes, die nur durch den Gebrauch der vorhergehenden praktisch unversehrt erhalten bleibt, so dass, wie wichtig die letztere auch ist, die anderen doch in der Praxis den ersten Platz haben. Diese Waffe ist der Schild, der Glaube: das völlige und gänzliche Vertrauen auf Gott, das im Herzen bewahrte Bewusstsein der Gnade und der Gunst Gottes (V. 16). Hier ist der Glaube nicht bloß die Annahme des Zeugnisses Gottes (obwohl er auf dieses Zeugnis gegründet ist), sondern die gegenwärtige Gewissheit des Herzens hinsichtlich dessen, was Gott für uns ist, gegründet, wie gesagt, auf das Zeugnis, das Er von Sich Selbst gegeben hat; es ist das Vertrauen sowohl auf Seine Liebe und Treue als auch auf Seine Macht. „Wenn unser Herz uns nicht verurteilt, so haben wir Freimütigkeit zu Gott.“ Das Werk des Geistes in uns bezweckt, uns dieses Vertrauen einzuflößen. Wenn es vorhanden ist, sind alle Angriffe des Feindes, der sich bemüht, uns glauben zu machen, dass die Güte Gottes nicht so gewiss sei, umsonst; alle seine Bemühungen, in unseren Herzen dieses Vertrauen auf Gott zu vernichten oder zu schwächen und Ihn Selbst vor unseren Blicken zu verbergen, sind vergeblich. Seine Pfeile fallen zu Boden, ohne dass sie uns erreichen. Wir stehen fest in dem Bewusstsein, dass Gott für uns ist unsere Gemeinschaft ist nicht gestört. – Die feurigen Pfeile des Feindes sind nicht die Lüste des Fleisches, sondern geistliche Angriffe.

Wir können daher unser Haupt aufgerichtet halten; der sittliche Mut, die voranschreitende Energie werden bewahrt. Nicht dass wir etwas in uns selbst hätten, dessen wir uns rühmen könnten; aber das Heil und die Befreiung Gottes sind frisch in unseren Herzen. Gott ist für uns gewesen; Er ist für uns, und wer wird wider uns sein? Er war für uns, als wir kraftlos waren; Er hat uns das Heil bereitet, als wir nichts zu tun vermochten. Das ist unser Vertrauen, Gott Selbst; wir blicken nicht auf uns. Wir haben den Helm des Heils auf unserem Haupte. Die erstgenannten Stücke der Waffenrüstung geben uns die Freiheit, die beiden letzteren zu genießen.

Also ausgerüstet mit dem, was uns in unserem Wandel und in dem praktischen Vertrauen auf Gott schützt, sowie mit der Erkenntnis Gottes, die daraus hervorgeht, sind wir in dem Zustande, von Angriffswaffen Gebrauch machen zu können. Wir haben nur eine einzige wider den Feind; aber es ist eine Waffe, der er nicht widerstehen kann, falls wir sie zu handhaben wissen, Das bezeugt der Streit des Herrn mit Satan in der Wüste. Diese Waffe ist das Wort Gottes (V. 17). Jesus antwortete immer mit dem Worte durch die Kraft des Geistes. Dieses Wort versetzt den Menschen in seine wahre Stellung Gott gemäß, als gehorsamen Menschen in den Umständen um ihn her. Satan kann dann nichts ausrichten; wir haben nur diese Stellung zu bewahren. Wenn Satan uns offen zum Ungehorsam zu verleiten sucht, so liegt darin keine List. Weil er nicht imstande war, etwas anderes auszurichten, handelte er so mit dem Herrn und zeigte sich in seinem wahren Charakter; und der Herr trieb ihn durch das Wort weg. Satan hat keine Kraft, wenn er als Satan offenbar wird. Wir haben den Listen des Teufels zu widerstehen. Unsere Aufgabe ist, nach dem Worte zu handeln, komme auch, was da wolle; der Erfolg wird zeigen, dass die Weisheit Gottes darin war. Aber beachten wir hier, dass dieses Schwert das Schwert des Geistes ist. Es ist nicht der Verstand oder die Fähigkeit des Menschen, obwohl es der Mensch ist, der das Wort gebraucht. Sein Schwert ist aufs beste gehärtet; allein er kann es weder ziehen noch mit ihm Schläge tun, wenn der Heilige Geist nicht mit ihm wirkt. Die Waffen sind geistlich; sie werden gebraucht durch die Kraft des Geistes. Gott muss sprechen, sei das Werkzeug auch noch so schwach.

Das Schwert wird auch in den geistlichen Kämpfen tätig gebraucht, wo es alles richtet, was sich uns entgegenstellt. In diesem Sinne ist es sowohl eine Angriffs- als auch eine Verteidigungswaffe. Aber hinter allen diesen Waffen befindet sich ein Zustand, eine Herzensstellung, ein Kraftmittel, das alles übrige belebt und ihm seine Kraft verleiht; das ist die völlige Abhängigkeit von Gott, verbunden mit Vertrauen auf Ihn, eine Abhängigkeit, die sich im Gebet ausdrückt. „Zu jeder Zeit betend.“ Diese Abhängigkeit muss beständig sein. Wenn sie wirklich ist und ich mir bewusst bin, dass ich nichts ohne Gott tun kann, und dass Er in allem mein Bestes will, so gibt sie sich darin kund, dass ich die Kraft suche, die ich nicht habe; ich suche sie bei Ihm, auf den ich vertraue. Das ist die Regung des Geistes in unseren Herzen in ihrem Verkehr mit Gott, so dass unsere Kämpfe ausgefochten werden in der Gemeinschaft Seiner Kraft und Seiner Gunst, und in dem Bewusstsein, dass wir nichts vermögen, und dass Er alles ist. „Zu jeder Zeit.“ „Mit Flehen“ (V. 18). Dieses Beten ist der Ausdruck des Bedürfnisses des Menschen, des Verlangens des Herzens, in der Kraft, die der Geist ihm verleiht sowie auch im Vertrauen auf Gott. Weil es die Wirkung des Geistes ist, so umfasst es auch alle Heiligen, von denen kein einziger von Jesu vergessen werden kann; und der Geist in uns entspricht den Gefühlen Christi und bringt die gleichen Gefühle in uns hervor. Wir müssen wachsam und fleißig sein, um von dieser Waffe Gebrauch machen zu können, indem wir allem aus dem Wege gehen, was uns von Gott ablenken könnte, und jede Gelegenheit benutzen, ja, durch die Gnade des Geistes in allem, was uns begegnet, vermittelst jenes Fleißes einen Anlass zum Gebet und nicht zur Zerstreuung finden 2.

Der Apostel bittet, im Bewusstsein seiner eigenen Bedürftigkeit und dessen, was er für Christum zu sein wünschte, von ganzem Herzen, dass die Gläubigen zu Ephesus für ihn beten möchten.

Die Sendung des Tychikus bezeugt, dass der Apostel des Interesses gewiss war, das die Liebe der Epheser an Nachrichten von ihm nahm, und zeigt zugleich, wie viel Ihm selbst daran lag, sich ihres Wohlergehens und ihres geistlichen Zustandes in Christo zu vergewissern. Es ist ein rührender Ausdruck seines Vertrauens zu ihrer Liebe, einer Liebe, die sein eigenes hingebendes Herz in anderen voraussetzte. –

Der Apostel stellt die Epheser also als solche hin, die die höchsten Vorrechte in Christo genossen und fähig waren, sie zu würdigen. Er tadelt sie in nichts. Die Waffenrüstung Gottes, um die Angriffe des Feindes abzuschlagen und in Frieden in allem heranzuwachsen zu dem Haupte hin, diese bewahrende Waffenrüstung Gottes war naturgemäß das letzte, wovon er zu ihnen zu reden hatte. Es ist bemerkenswert, dass Paulus in diesem Briefe nicht von dem Kommen des Herrn spricht. Er betrachtet die Gläubigen als solche, die bereits in den himmlischen Örtern in Christo sind, nicht als solche, die sich noch auf der Erde befinden, durch diese Welt wandeln und hier auf Sein Kommen warten, um sie zu Sich aufzunehmen. Das, worauf in diesem Briefe gewartet wird, ist die Zusammenfassung aller Dinge unter Christum, ihrem wahren Haupte, gemäß den Ratschlüssen Gottes. Die Segnungen sind in den Himmeln, das Zeugnis ist in den Himmeln, die Versammlung sitzt in den Himmeln, der Kampf ist in den Himmeln.

Der Apostel wiederholt seinen Wunsch des Friedens, der Liebe und des Glaubens für sie und beschließt seinen Brief mit dem üblichen, mit eigener Hand geschriebenen Gruß.

Zum Schluss sei noch einmal wiederholt, dass der Brief an die Epheser die Stellung und die Vorrechte der Kinder sowie die der Versammlung in ihrer Vereinigung mit Christo darstellt.

Fußnoten

  • 1 Doch was wir zu überwinden haben, sind die Listen des Teufels. Seine Macht über uns ist gebrochen. Er mag die Welt zur Verfolgung aufstacheln und ein brüllender Löwe sein; aber was die persönlichen Versuchungen betrifft, so wird der Teufel, wenn wir ihm widerstehen, von uns fliehen; er weiß, dass Christus ihm begegnet ist und ihn überwunden hat. Seine Listen jedoch sind stets da.
  • 2 Das Gebet ist gegründet auf das unschätzbare Vorrecht, dass wir gemeinsame Interessen mit Gott haben, sowohl in Bezug auf uns selbst als auch auf alle die Seinen, ja, sogar auf die Herrlichkeit Christi, Ein wunderbarer Gedanke! Eine unaussprechliche Gnade!
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