Gedanken über den Brief an die Epheser

Kapitel 2

Verse 1-10

Kapitel 1 endet mit der Erwähnung der Versammlung als dem Leib Christi, der Fülle Dessen, der alles in allem erfüllt. Kapitel 2 zeigt uns das Material, aus dem die Versammlung gebildet ist. Kapitel 2 weicht in seinem allgemeinen Gehalt von Kapitel 1 erheblich ab, denn Kapitel 1 stellt Gott in den Vordergrund; es zeigt uns die Ratschlüsse, die Er gefasst hatte, ehe die Welt war, und berührt kaum den Zustand, in welchem Er Seine Auserwählten gefunden hatte. Kapitel 2 dagegen stellt das heraus, was wir waren, und geht ausführlich auf unseren niedrigen Zustand ein. Hier müssen wir nach unten blicken, im vorhergehenden Kapitel sollen wir auf Ihn blicken.

Wenn der Geist hier von unserem früheren Zustand spricht, legt Er den Nachdruck auf eine andere Linie der Wahrheit als im Römer-Brief. Dort wird der Sünder gesehen, wie er in seinen Sünden lebt - hier als tot, tot in Vergehungen und Sünden. Im Römer-Brief habe ich es nötig zu sterben, und mir wird mein Sterben mit Christus gezeigt; im Epheser-Brief werde ich als tot gesehen und nun mit Ihm lebendig gemacht. Was hätte der Geist als noch eindrucksvolleres Bild für unseren früheren verderbten und hilflosen Zustand gebrauchen können? Was kann aus dem Tod hervorkommen, wenn nicht Verderben? Und wo kann ein Toter Hilfe finden, wenn nicht bei Gott selbst? Und es war eine aktive Art des Todes, denn wir „wandelten nach dem Fürsten der Gewalt der Luft, des Geistes, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams“. Der Teufel regiert überall in der Welt, sein Einfluss erfüllt das ganze Universum; und wie alle anderen auch, befanden auch wir uns einmal unter seiner Macht. Durch die Gnade wirkt jetzt ein anderer Geist in uns. Der Feind wird hier der 'Fürst der Gewalt der Luft' genannt; dies steht in Übereinstimmung mit dem allgemeinen Charakter dieses Briefes, der sich mit den himmlischen Örtern beschäftigt. Im 1.Petrus-Brief wird er als 'brüllender Löwe' beschrieben; das ist wiederum charakteristisch für diesen Brief, denn die Heiligen werden dort als Fremdlinge und Pilgrime gesehen, die durch die Wüste ziehen; und es ist die Wüste, in der wir den Löwen finden.

Bis zu diesem Punkt hatte der Apostel immer von 'ihr' und 'euch' gesprochen. Er meinte damit die Nationen, an die er schrieb. Aber waren die Juden, was ihren früheren Zustand betraf, besser gewesen? „Unter welchen auch wir einst alle unseren Verkehr hatten in den Lüsten unseres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten und von Natur Kinder des Zorns waren, wie auch die übrigen“. In Kap 1,12+13 gibt es auch einen interessanten, entsprechenden Gegensatz zwischen 'ihr', also den Nationen, und 'wir', also den Juden. Der Jude mit all seinen Vorrechten und Begünstigungen war nicht um einen Deut besser als der draußen stehende Heide. Es mag äußerliche Unterschiede dabei geben, aber vor Gott ist das Verderben vollständig. Die Lüste des Fleisches mögen sich von den Lüsten der Gedanken unterscheiden, aber beide entspringen der gleichen bösen Quelle. Das erstere wird alles Gemeine und Schlechte umfassen; das letztere, die Suche des Menschen nach Weisheit, die ihn unweigerlich von Gott wegführt, bringt ihn zur Selbstzufriedenheit, Eingebildetheit und Untreue. Ernster Gedanke! Wir hätten immer Freude an dem Willen Gottes haben und auch danach handeln sollen; aber wir haben Seinen Weg nicht geliebt, unseren eigenen vorgezogen und völlig unseren Wünschen und unserem Willen nachgegeben. Jetzt aber sollte das Gegenteil zutreffen. Sein Wille und nicht unserer sollte unaufhörlich unsere Freude sein. Christus tat als Mensch auf dieser Erde nie Seinen eigenen Willen, sondern stets den Willen Seines Vaters - und wir sind berufen, Seinen Fußstapfen nachzufolgen. Dies alles war unser natürlicher Zustand, wir waren einst 'Kinder des Zorns, wie auch die übrigen'.

Wo konnte nun Hoffnung für den Verderbten gefunden werden? Allein in Gott - und Er wird auch sofort eingeführt. Seine Ratschlüsse waren lange vorher schon gefasst worden, unabhängig von unserer Natur und unseren Handlungen; aber der Geist berichtet uns sorgfältig und gründlich, was wir waren, als die Gnade in uns tätig war, um uns ein Teil in und mit dem Christus Gottes zu geben. Beachte die ausführliche Ausdrucksweise: 'reich an Barmherzigkeit', 'viele Liebe', 'überschwänglicher Reichtum Seiner Gnade'. Ist diese Sprache zu übertrieben? Nicht für dieses großartige Teil, das uns in dem verherrlichten Christus geschenkt worden ist! Er hatte uns schon geliebt, „als auch wir in den Vergehungen tot waren“ - die erste Regung kam von oben und nicht von unten - „und hat uns mit dem Christus lebendig gemacht“. Christus kam in Gnade dahin hinab, wo wir uns befanden. Er fand uns bedeckt mit Sünden in einem Zustand des Todes; Er Selbst stieg in den Tod hinab und trug unsere Sünden an Seinem Leibe auf dem Holze (1. Pet 2,24). Was hätte uns auch sonst helfen können? Aber nachdem Er alles vollbracht hatte, hat Gott Ihn aus den Toten auferweckt; und als der auferstandene Mensch, das Haupt der neuen Schöpfung, ist Er in der Kraft des Auferstehungslebens hinaufgestiegen in die Gegenwart Seines Gottes und Vaters. Und wir sind mit dem Christus lebendig gemacht worden. Wir sind nicht nur lebendig gemacht worden, sondern das 'mit Ihm'! Lebendig machen ist das einzig Passende für uns gewesen, denn der Mensch - ungeachtet der Unterschiede in den einzelnen Haushaltungen - muss von neuem geboren werden, um in das Reich Gottes eingehen zu können (Joh 3,3). Doch eine lebendige Verbindung mit Christus war bis zu Seinem Tod und Seiner Auferstehung noch nicht entfaltet gewesen. Ist es aber nicht gerade das, worauf Joh 10,10 anspielt: „Ich bin gekommen, auf dass sie Leben haben und es in Überfluss haben“? Denn wir sind nicht nur von neuem geboren - dies trifft auf alle Heiligen in allen Haushaltungen zu -, sondern wir stehen in einer lebendigen Verbindung mit dem auferstandenen Christus. Er ist der Geliebte, Der in der Gegenwart Gottes angenommen wurde; und durch Gnade trifft das auch auf uns zu (Kap 1,6). Er lebt in alle Ewigkeit; und weil Er lebt, leben auch wir. Wir sind wahrhaftig in die himmlischen Örter versetzt worden - den Jordan haben wir schon durchquert - und dürfen in Ihm mitsitzen; nicht mit Ihm, sondern in Ihm. Diese wunderbare Entfaltung der Gnade, in welcher Er uns in eine solch erhabene Stellung gebracht hat, wird Gott in den kommenden Zeitaltern erzeigen. Durch Jesus Christus werden die überschwänglichen Reichtümer Seiner Gnade in Seiner Güte uns gegenüber in alle Ewigkeit gesehen und gezeigt werden.

Es ist beachtenswert, dass wir immer wieder daran erinnert werden, dass alles aus Gnaden ist. Der Glaube ist das Mittel, aber auch dieser ist nicht aus uns selbst, sondern er ist die Gabe Gottes. Kann Gott Prahlerei und eigenes Lob und Ruhm in Seiner Gegenwart dulden? Niemals! denn „wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn“ (1. Kor 1,31; 2. Kor 10,17).

Im Epheser-Brief wird die Errettung als eine vollendete und gegenwärtige Tatsache betrachtet. In Philipper 2,12+13 und auch in Römer 8,22-25 wird der Gläubige als Pilgrim auf dieser Erde gesehen (auch im 1.Petrus-Brief), bedrängt von Schwierigkeiten und Gefahren und ausschauend auf das Kommen des Herrn Jesus zur Errettung. Doch dies würde nicht zu dem Epheser-Brief passen, weil wir hier gesehen werden als gesegnet in den himmlischen Örtern. Wir wurden und sind errettet. Alles ist aus Gott - es ist allein Sein Werk. Wir sind in Christo Jesu geschaffen zu guten Werken, „welche Gott zuvor bereitet hat, auf das wir in ihnen wandeln sollen“.

Der Apostel hatte gesagt, dass wir nicht aus Werken sondern durch die Gnade errettet worden sind, auf dass niemand sich rühme. In Vers 10 zeigt er jedoch, dass die Werke einen wichtigen Platz im Christentum einnehmen. 'Tote Werke' (Heb 6,1; 9,14) sind genauso nutzlos, wenn auch nach außen hin nicht so anstößig, wie 'Werke der Gottlosigkeit' (Judas 15); die Glaubenden jedoch sind geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, „welche Gott zuvor bereitet hat, auf dass wir in ihnen wandeln sollen“. Dies entspricht der Rechtfertigung vor den Menschen, von der Jakobus spricht; und es steht in keiner Weise im Widerspruch zu der Lehre des Apostels Paulus im Brief an die Römer, sondern ist eine Ergänzung dazu. Viele, die dies nicht erkannt haben, haben den Brief des Jakobus außerordentlich geringschätzig angesehen. Luther beschreibt ihn als eine ausgesprochen stroherne Epistel. Und später betrachtet ein Landsmann von Luther diesen Brief als eine direkte Antwort auf das jüdische Christentum des Hebräer-Briefes. Die Wahrheit ist aber, dass Jakobus uns mehr die Seite des praktischen Lebens vorstellt, und nicht so sehr die Lehre des Apostels Paulus über das Werk Christi; aber an keiner Stelle schreibt er etwas, was dazu im Widerspruch stehen würde. Wie soll die Wirklichkeit des neuen Lebens denn sonst bewiesen werden? Die Gläubigen mögen von ihrem Glauben an den Namen Christi und von ihrer Verbindung mit Ihm in der Herrlichkeit reden, doch die 'guten Werke' besitzen eine größere Überzeugungskraft von dieser Wirklichkeit, als bloße Worte. Doch wie können solche Werke getan werden? Nicht dadurch, dass man dem Gesetz als Lebensregel folgt - die Galater, die dem Gesetz nachgefolgt waren, waren dahin gekommen, einander zu beißen und zu fressen -, sondern indem man in der Kraft des Heiligen Geistes von Christus lernt. Die Gläubigen sind eine neue Schöpfung geworden, und in der neuen Schöpfung ist für das Gesetz kein Raum mehr.

Verse 11-22

Es ist auffallend, dass der Apostel die Heiligen in Vers 11 auffordert, nach unten zu schauen! In Vers 7 sind wir in unendliche Höhe gebracht worden und haben unseren Platz in den himmlischen Örtern in Christo Jesu gesehen; jetzt sollen wir uns daran erinnern, was wir einst gewesen sind. Es ist wichtig, dass man erkennt, dass zwischen dem Beschäftigen mit sich selbst und dem Erinnern an seinen verderbten Ursprung ein großer Unterschied besteht. Das erstere führt zu Zweifel und Furcht, das zweite zu Demütigung und Beschämung und zu einer tieferen Wertschätzung der Gnade!

Die Epheser, die ihrer Stellung nach ja zu den Nationen gehörten, wurden Unbeschnittene (Vorhaut) genannt - ein Ausdruck großer Schmach (vgl. 1. Sam 14,6; 31,4). Die Beschneidung war das sichtbare Zeichen einer Beziehung zu Gott (und mehr noch); unbeschnitten zu sein bedeutete, vollkommen außerhalb des Kreises der Beziehungen und Vorrechte zu stehen. Da sie ohne jeden Platz in Bezug auf das Gemeinwesen Israels und Fremdlinge betreffs der Bündnisse der Verheißungen waren, standen sie folglich auch außerhalb jeder Verbindung mit Christus, hatten keine Hoffnung und waren ohne Gott in der Welt. Alles dies konnte man nur von den Nationen sagen; der Jude stand äußerlich nahe, besaß die Verheißungen, hoffte auf einen kommenden Christus und war im Besitz des Heiligtums Gottes und hatte auch die Propheten. Der Apostel hatte in dem zurückliegenden Teil des Kapitels dargelegt, was auf Juden und Nationen gleicherweise zutraf; hier betont er nun, was in besonderer Weise von den Nationen wahr war.

Aber in welche Stellung hat das Werk Christi den Gläubigen nun gebracht? In die alte Stellung der Juden mit ihrer Nähe zu Gott? Nein! sondern in eine unvergleichlich nähere Stellung, als die Juden jemals hätten erlangen können. Mehr noch, Er hat auch die gläubigen Juden in die gleiche Stellung gebracht, indem Er alle Unterscheidungen nach dem Fleische abgeschafft hat. Dies ist ein unermesslicher Fortschritt gegenüber allen Lehren des Alten Testaments. Die Propheten hatten viel von den Segnungen der Nationen gesprochen, aber diese waren immer den Segnungen der Juden gegenüber untergeordnet - dies alles wird sich auch im tausendjährigen Reich erfüllen. Aber in der Zwischenzeit hat Gott etwas weit Besseres hervorgebracht: Juden und Nationen, die an Christus glauben, sind in die gleiche gesegnete Stellung der Nähe zu Ihm gebracht; ohne Zweifel eine Demütigung für die Voreingenommenheit und Einseitigkeit der jüdischen Nation, doch trotz alledem der Wille Gottes. Es gibt folglich in dieser jetzigen Zeit drei Klassen von Menschen in der Welt: Juden, Nationen, und die Versammlung Gottes (1. Kor 10,32). Jeder Jude, der an den Herrn Jesus glaubt, ist aus dem alten jüdischen System herausgenommen worden; ebenso ist jeder Glaubende aus den Nationen herausgenommen worden aus seiner Stellung der Gottesferne - beide sind in einem Leibe mit Gott versöhnt, und beide haben durch einen Geist Zugang zu dem Vater.

Es ist zu beachten, dass Gott Selbst die Zwischenwand, die Er aufgerichtet hatte, abgebrochen hat; für jeden anderen, der das hätte tun wollen, wäre es Sünde gewesen. Der HERR hatte zu Seinem Volk gesagt: „Ich bin heilig, ich, der HERR; und ich habe euch von den Völkern abgesondert, um mein zu sein“ (3. Mose 20,26). Der Gottesfürchtige rühmte dies und konnte sagen: „Er verkündet Jakob sein Wort, Israel sein Satzungen und seine Rechte. Keiner Nation hat er also getan; und die Rechte, sie haben sie nicht gekannt. Lobet den HERRN“ (Psalm 147,19+20)! Dies rechtfertigte den Petrus bei der Gelegenheit, wo er dem Kornelius sagte: „Ihr wisset, wie unerlaubt es für einen jüdischen Mann ist, sich einem Fremdling anzuschließen oder zu ihm zu kommen“ (Apg 10,28). Aber diese Unterscheidungen gehören nun der Vergangenheit an. Das derzeitige Werk Gottes ist es, den einen Leib zu bilden. Christus hat in Seinem Leibe die Feindschaft hinweg getan. Nun wird den Fernen und den Nahen Frieden verkündigt - und beide haben Zugang zu dem Vater.

Daher sind wir aus den Nationen nicht länger Fremdlinge und Beisassen, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes, aufgebaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten. Jesus Christus Selbst ist der Eckstein. Hier haben wir einen neuen Gedanken: nicht nur den Leib, sondern ein Bauwerk. Seinerzeit hatte Gott ein materielles Haus geheiligt und inmitten des durch Ihn erlösten Volkes in diesem Haus gewohnt. Hier jedoch lesen wir von einem Tempel ganz anderer Ordnung. Das Bauwerk von dem Berg Morija war nicht mehr anerkannt und war leer („Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen“; Mt 23,38), und Gott bildete ein geistliches Haus, das sich aus lebendigen Steinen zusammensetzt. Beachte hier, dass es Gottes Bauwerk ist, und nicht das Werk von Menschen. Wir müssen unterscheiden zwischen dem Haus, wie Gott es baut, und dem, dass dieses Haus auch menschlichen Arbeitern anvertraut worden ist. Den ersten Gedanken finden wir sowohl hier als auch in Matthäus 16 und 1. Petrus 2.

Von diesem Standpunkt aus gesehen, ist alles vollkommen - wie es immer der Fall ist und auch sein muss, wenn Gott etwas geschaffen hat. Die Versammlung, die auch durch des Hades Pforten nicht überwältigt werden kann, ist aus lebendigen Gliedern zusammengesetzt, durch Christus Selbst berufen und auferbaut. Nichts Unpassendes kann in sie eingehen. Aber welch ein Unterschied, wenn wir die Seite der Verantwortung des Menschen in Erwägung ziehen! In 1. Korinther 3 werden Paulus und seine Mitarbeiter als Arbeiter an dem Hause gesehen. Paulus hatte in Korinth die Grundlage gelegt, andere waren nachgefolgt und hatten darauf aufgebaut. In diesem Zusammenhang finden wir eine Warnung, denn es könnte sein, dass mancher Holz, Heu oder Stroh anstelle von Gold, Silber und köstlichen Steinen baut, und an dem zukünftigen Tage seine Belohnung verliert - sein ganzes Werk würde verzehrt werden; während andere sogar den Tempel Gottes verderben würden und selbst vernichtet werden. Bei der letzten Gruppe handelt es sich aber nicht um Gläubige. Gott handelt mit den Menschen entsprechend ihres Bekenntnisses; und alle, die für sich in Anspruch nehmen, Seine Knechte zu sein - ob sie nun Leben besitzen oder nicht -, werden auf diesem Boden behandelt werden (vgl. Mt 24,8-11; 25,30). Die Menschen bauen mit Lehren: der treue Diener lehrt die offenbarte Wahrheit und sammelt wahre Seelen; der oberflächliche Arbeiter, dessen Verkündigung eher gleichgültig geschieht, sammelt solche, bei denen es sich nur allzu oft erweist, dass sie nicht echt sind; und der falsche Diener verdirbt die Quelle und vergiftet und verdirbt alle, die unter seinen bösen Einfluss kommen.

Hier in Kap 2,21 wird der Tempel als fortschreitend wachsend und zunehmend betrachtet: …“wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn“. Dies schließt jeden einzelnen Heiligen dieser Haushaltung mit ein; und in diesem Sinn ist der Tempel auch nicht eher vollendet, als dass der Herr kommt.

In Vers 22 finden wir noch einen weiteren Gedanken: …“in welchem auch ihr mitaufgebaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geiste“. Hier haben wir nicht den Gesichtspunkt des Wachsens, sondern den örtlichen Charakter - die versammelten Heiligen in Ephesus bildeten eine Behausung Gottes. Sehr ähnlich spricht der Apostel Paulus auch zu den Korinthern: „Wisset ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt“ (1. Kor 3,16)? Beachte die unterschiedliche Ausdrucksweise dazu in 1. Korinther 6,19, wo die Heiligen als Einzelne gesehen werden. Es ist eine kostbare und doch ernste Wahrheit, woran sich die Heiligen immer wieder erinnern sollten, dass, wenn sie versammelt sind, der Geist Gottes gegenwärtig ist und in ihrer Mitte wohnt. Man braucht kaum zu sagen, welch lange Zeit dies in der Christenheit vollkommen übersehen wurde; doch hier auf diesem Blatt der Heiligen Schrift wird uns diese göttliche Wahrheit noch einmal in Erinnerung gerufen. Wenn Glauben da ist, welchen Platz haben dann noch durch Menschen berufene offizielle Anbeter, um nicht zu sagen 'Priester', für uns? Eine andere Sache ist dabei allerdings geistlicher Dienst oder Autorität.

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