Betrachtungen über den Epheserbrief

Kapitel 2

Durch Gnade errettet

Kap. 2, 1 – 10

Der Leib des Christus

Im Anfang unserer Betrachtung sahen wir, dass „Christus und die Versammlung“, sowie die innige und ewige Beziehung zwischen ihnen der Hauptgegenstand dieses Briefes ist.

Diese Beziehung zeigt uns der Heilige Geist in diesem Brief von verschiedenen Seiten. Wir sahen schon, wie uns der Heilige Geist im ersten Kapitel die Beziehung vorstellt, die zwischen unserem Herrn Jesus Christus als Haupt des Leibes und der Versammlung als Seinem Leib besteht.

Diese Versammlung ist der Leib Christi, und alle Gläubigen sind einzeln Glieder dieses Leibes. Das Haupt ist jetzt im Himmel, und der Heilige Geist ist nach der Auffahrt Christi in den Himmel auf diese Erde herabgekommen, auf dass Er Seelen zu Christus führe, oder besser gesagt, um die Glieder dieses Leibes zu sammeln. Wenn dieser Leib vollendet ist, wird der Herr Jesus, welcher das Haupt des Leibes ist, kommen, um alle Glieder zu Sich zu nehmen, damit sie auf ewig in Seiner Herrlichkeit seien.

Das Haus Gottes

In diesem zweiten Kapitel zeigt uns der Heilige Geist Christus und die Versammlung in dem Bilde eines „Hauses“.

Die wahren Gläubigen sind das „Haus Gottes“, aufgebaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten - d. h. Propheten des Neuen Testamentes.

Unser Herr Jesus Christus ist Selbst der „Eckstein“, „in welchem der ganze Bau, wohl zusammengefügt, wächst zu einem Heiligen Tempel im Herrn, indem auch ihr mitaufgebaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist“ (V. 19–22).

Ihm sei alle Herrlichkeit, welcher Selbst der Eckstein ist, wie Er auch Der ist, der den Bau begann und ihn auch vollenden wird: „Ich werde meine Versammlung bauen“ (Mt 16,18). So sehen wir also Christus, unseren Herrn, sowohl als das Haupt des Leibes als auch als Eckstein, der das Gebäude zusammenhält und bis ans Ende bewahrt (vgl. Kap. 2, 20; Jes 28,16;  ; Sach 4,7; 1. Pet 2,6).

Er ist ebenso Eckstein, wie auch das „Haupt der Ecke“ (Ps 118,22; Mt 21,42; Mk 12,10; Lk 20,17; Apg 4,11; 1. Pet 2,7). Dieses ist die wunderbare zweite Seite, die uns der Heilige Geist von der innigen und ewigen Beziehung zwischen Christus und der Versammlung zeigt.

Überblick über die Verse 1 – 10

In diesem 2. Kapitel zeigt uns der Heilige Geist, dass es für Gott gleichsam unbedingt nötig war, eine neue Schöpfung zu schaffen, d.h. dass Er den Menschen von neuem erschaffen musste, den Er schon zu Anfang in Seinem Bilde geschaffen hatte (1. Mose 1,27).

Wegen seines Ungehorsams verlor der Mensch seine hohe Stellung, in die ihn Gott gesetzt hatte. Daher wurde der Sohn Gottes in der Fülle der Zeit Mensch, indem Er von einer Jungfrau geboren wurde, und lebte dieses einzigartige, heilige Leben. Am Kreuz starb Er den sühnenden Opfertod und stand auf aus den Toten, um diese gefallene Schöpfung wieder zu Gott zurückzubringen. Das ist es, was uns der Heilige Geist Gottes in diesem Kapitel vor die Herzen stellen will.

Er zeigt uns, wie entartet, verdorben und hassenswürdig wir waren, ehe uns die reiche Gnade Gottes errettete, und wie sehr wir als gefallene Menschen einer neuen Schöpfung bedurften. Darüber hinaus zeigt Er uns, wie tief die Trennung des sündigen Menschen von Gott war:

  1. infolge Ihres geistlichen Zustands als Tote (Vers 1–10)
  2. infolge ihrer – besonders jener aus den Nationen - weiten Entfernung von Gott (Vers 11–12)

Der Apostel gebraucht in dem ersten Abschnitt dieses Kapitels einen besonderen Stil: Er stellt uns die Wahrheiten in vier Dreiergruppen vor; oder anders gesagt, in vier Gruppen, von denen jede drei Wahrheiten enthält:

A. Die erste Gruppe zeigt uns die drei Feinde des Menschen:

  • die Welt (V. 2)
  • der Teufel, welcher der Fürst der Gewalt der Luft ist (V. 2)
  • das Fleisch (V. 3)

B. Die zweite Gruppe beschreibt die drei hassenswürdigen Resultate, die diese drei Feinde im Menschen hervorgebracht haben, nämlich:

  • „tot in Sünden und Vergehungen“ (V. 1), dann wurden sie
  • „Söhne des Ungehorsams“ (V. 2) und folglich
  • „Kinder des Zorns“ (V. 3).

C.  In der dritten Gruppe haben wir die wunderbaren Charakterzüge Gottes in der Rettung des Menschen und in seiner Segnung:

  • „reich an Barmherzigkeit“ (V. 4)
  • „vielen Liebe“ (V. 4)
  • „überragenden Reichtum seiner Gnade“ (V. 5.7).

D. Die vierte Gruppe zeigt uns die drei herrlichen Resultate dieser Wege Gottes:

  • „mit dem Christus lebendig gemacht“ (V. 5)
  • „mitauferweckt“ (V. 6)
  • „mitsitzenlassen“ lassen „in den himmlischen Örtern in Christus Jesus“(V. 6).

Es gibt auch noch eine andere wichtige Tatsache, die uns der Heilige Geist in diesen Versen vorstellt:

  • unsere Vergangenheit (V. 1–4)
  • unsere Gegenwart (V. 4–6)
  • unsere Zukunft (V. 7).

Gepriesen sei Sein anbetungswürdiger Name, dass Er bei aller Erinnerung an unsere beschämende Vergangenheit uns auch sogleich unsere glückselige Gegenwart mit unserer herrlichen Zukunft zu unserer Freude vor uns stellt!

Geistlich tot

Vers 1: „auch euch, die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden,“

In dem gleichen Maße, wie unser Verständnis als Gläubige über unseren sündigen Zustand von Natur wächst, wird auch unser Verständnis über das, was die Gnade Gottes für uns und in uns wirkt und somit auch die Anbetung und der Lobpreis unserer Herzen zunehmen.

Wir waren nicht einfach geistlich schwach und krank, damit uns irgendein Heilmittel zu unserer Wiederbelebung und -herstellung hätte dienen können. Nein! Wir waren tot in Vergehungen und Sünden. Das ist es, was uns Gottes Wort hier klar mitteilt. Welch ein Schlag ins Gesicht ist doch diese göttliche Feststellung für den natürlichen Menschen und für alle, die sich auf ihre eigene Selbstgerechtigkeit stützen. Wir waren ganz und gar unfähig, uns selbst zu retten, denn ein Toter kann nicht das Geringste tun, um sich selbst lebendig zu machen; er ist und bleibt geistlich tot. Je weiter er sich von dem Herrn Jesus, der Quelle allen Lebens, entfernt, desto mehr ist er tot und daher völlig wertlos vor Gott.

Er ist tot in Vergehungen und Sünden; d.h., er ist nicht nur schuldig und bedarf nicht nur als Sünder der Vergebung, sondern er ist geistlich tot und bedarf mehr als der Vergebung der Sünden: Er braucht ein neues, göttliches Leben. Er muss daher von neuem geboren werden, er muss durch den Glauben an Jesum Christum ein neues Leben von Gott erhalten.

Das Wort Gottes lehrt uns, dass es drei Arten von Tod gibt:

  1. Der körperliche (physische) Tod; dass ist die Trennung des Geistes vom Leib (1. Kor 15,21. 22).
  2. Der geistliche Tod; das ist die Trennung des Menschen von Gott (1. Joh 5,12; Eph 2,1; 4,18).
  3. Der „zweite“ Tod; das ist das ewige Entferntsein von der Gegenwart Gottes, der Feuersee (1. Kor 6,9.10; 2. Thes 1,9; Off 20,14. 15).

In dem ersten Vers unseres Kapitels nun spricht der Apostel Paulus von der zweiten Art des Todes, d.h. vom geistlichen Tod.

In verschiedenen anderen Schriftstellen des Wortes Gottes wird uns ganz deutlich gezeigt, dass das ganze menschliche Geschlecht geistlich tot ist, „tot in Vergehungen und Sünden“, gleichgültig, ob der Mensch es wahrhaben will oder nicht.

Solange der Mensch nicht den Herrn Jesus Christus annimmt, Der das ewige Leben ist, solange bleibt er auch in diesem Zustand des geistlichen Todes, (vgl. 1. Mose 2,17; Röm 5,12). Wenn er dann in diesem Zustand den körperlichen Tod erleidet, so wird er auch zum Schluss den ewigen Tod (den „zweiten Tod“) erdulden müssen (Off 20,6).

Was für Anstrengungen zur Selbstverbesserung der Mensch auch immer unternehmen mag, um für Gott zu leben, es wird keinen Erfolg haben, denn er ist geistlich tot. Wie ein Diener des Herrn einmal sagte: „Du kannst nicht für Gott leben, wenn du nicht zuerst das Leben Gottes empfangen hast“.

Ein begabter Diener des Herrn hielt im Saal eines CVJM – Heimes Evangeliumsversammlungen. Eines Abends zeigte ihm der Sekretär dieses CVJM – Heimes ein Kärtchen mit folgender Aufschrift: „Ich verpflichte mich in aller Aufrichtigkeit ein religiöses christliches Leben zu führen“. Auf dem Kärtchen war eine Stelle vorgesehen für die Unterschrift dessen, der diese Verpflichtung einging. Der Sekretär fragte den  Diener des Herrn: „Was halten Sie von dieser Verpflichtung (Gelübde)? Ist dies nicht ein gutes Mittel?“ Der Diener des Herrn antwortete: „Wie kann irgend ein Mensch in dieser Welt ein christliches Leben  führen, da er doch geistlich tot ist?“ Ja, was nützt einem Sünder ein solches Gelübde? Du kannst kein christliches Leben führen solange du kein neues Leben von Christus empfangen hast.

Wir leugnen keineswegs, dass es unter den Menschen verschiedene Grade bösen und sündhaften Lebens gibt. Nicht alle sind auf der gleichen charakterlichen Ebene, nicht alle haben das gleich gute Benehmen, noch üben sie alle in gleicher Weise das Böse aus. Aber sie sind dennoch alle geistlich tot trotz der anerkannten Unterschiede in Moral und Charakter.

Obwohl Jairus Töchterlein nur wenige Augenblicke tot war, als der Herr Jesus in das Haus ihres Vaters kam, war sie doch völlig tot, ohne Leben. Vielleicht waren ihre Gesichtszüge noch unverändert, als lebte sie noch; vielleicht war sie auch immer noch schön in den Augen ihrer Eltern, weil die Verwesung noch nicht sichtbar eingesetzt hatte, aber sie war trotz allem – tot!

So war es auch, als der Herr Jesus nach Nain kam und sah, wie man den einzigen Sohn jener Witwe hinaustrug (Lk 7,11–17). Der Jüngling war schon länger tot, und sein Äußeres war sicherlich nicht mehr so frisch wie bei Jairus Töchterlein. Doch in diesem war kein Unterschied zwischen beiden – sie waren beide tot. 

Bei einer anderen Gelegenheit kam der Herr nach Bethanien zum Grab des Lazarus. Und als Er zu den Dabeistehenden sagte: „Nehmet den Stein weg!“ Begegnete Er dem Einwand der Martha: „Herr, er riecht schon, denn er ist vier Tage hier“. Aber der Herr gab das Leben auch jenem, der nicht nur gestorben, sondern schon vier Tage im Grab und dessen Leib schon in Verwesung übergegangen war, sodass er bereits roch. So bestand zwischen diesen Dreien in dem wichtigsten Punkt kein Unterschied – sie waren alle in gleicher Weise tot... denn es ist kein Unterschied. Alle Drei hatten den Fürst des Lebens nötig, den Sohn Gottes, gepriesen in Ewigkeit, der jedem einzelnen durch Seine lebendig-machende Kraft neues Leben schenkte.

In gleicher Weise waren auch wir alle geistlich tot, bevor uns der Herr Jesus Christus ewiges Leben verlieh.

Gewiss manche von uns führten ein gottloses und verdorbenes Leben, während andere noch nicht so tief in Sündenlust verstrickt und im Bösen fortgeschritten waren. Aber wir alle waren vor Gott absolut tot und bedurften eines neuen, göttlichen Lebens von Dem, der Selbst Quelle und Ursprung des Lebens ist – von unserem Herrn Jesum Christum.

Unser ehemaliger Wandel

Vers 2: „in denen ihr einst wandeltet nach dem Zeitlauf dieser Welt, nach dem Fürsten der Gewalt der Luft, des Geistes, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams“

Beachte hier sorgfältig die zwei Worte, die der Heilige Geist benutzt, um uns – nicht unseren gegenwärtigen, sondern – den Zustand zu beschreiben, in welchem wir uns vor unserer geistlichen Erneuerung befanden: Die Worte „waret „ (V. 1) und „einst „ (V. 2).

Wir waren tot in Vergehungen und Sünden, in welchen wir einst wandelten nach dem Zeitlauf dieser Welt. In der Tat, wie schrecklich war diese Art von Tod! Geistlich tot und durch unseren Wandel nach den Grundsätzen dieser bösen Welt völlig von Gott getrennt! Wir hatten weder Neigung noch Wunsch, uns dem Willen Gottes entsprechend zu benehmen und zu verhalten.

Hiob beschrieb vor alters diesen Zustand, in welchem wir einst waren und in dem sich alle die befinden, die noch weit von Gott entfernt sind: „Sie sprechen zu Gott: Weiche von uns! und nach der Erkenntnis deiner Wege verlangen wir nicht. Was ist der Allmächtige, dass wir ihm dienen sollten, und was nützt es uns, dass wir ihn angehen?“ (Hiob 21,14. 15).

Welch furchtbarer Zustand! Denn wenn jemand will, dass Gott heute von ihm weiche, so wird derjenige zweifellos einst vor Ihm als seinem Richter stehen müssen. Derjenige, der das Heil Gottes verwirft und den einzigen Retter vor dem Gericht über die Sünde verachtet, wird ohne allen Zweifel in seinen Sünden vor Ihn hintreten müssen und für immer verloren gehen.

Wir wandelten „nach dem Zeitlauf dieser Welt, nach dem Fürsten der Gewalt der Luft''. Der Ausdruck „Fürst der Gewalt der Luft“ macht die völlige Herrschaft des Fürsten der bösen Engel über diese Welt deutlich. So wie die Luft alles hier durchdringt, so durchdringt der Teufel auch alles in dieser Welt. Er ist der Gott dieser Welt. Die wiedergeborenen Heiligen aber sind von der Macht der Finsternis befreit und in das Reich des Sohnes Seiner Liebe versetzt. (Kol 1,13).

Doch die Ungläubigen befinden sich unter der Herrschaft Satans; denn es ist das Werk Satans, die Menschen von Gott fernzuhalten. Er führt sie gemäß ihrem eigenen freien Willen in einen Zustand geistlicher Blindheit, „damit ihnen nicht ausstrahle der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus, welcher das Bild Gottes ist“ (2. Kor 4,4).

Dies also ist Gottes vollkommen zutreffende Beschreibung unseres Zustandes, in dem wir uns vor unserer Bekehrung befanden. Aber welch ein Bild auch der Ungläubigen, die noch unter der Knechtschaft des Fürsten der Gewalt der Luft sind, „des Geistes, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams!“

Wie beklagenswert ist das Teil der Seele, die noch nicht ihre Zuflucht zum Herrn Jesus Christus, dem alleinigen Heiland, genommen hat! Wie gesegnet ist auf der anderen Seite die Seele, welche die glückselige Befreiung von der Knechtschaft Satans durch die Macht des Stärkeren erfahren hat, der imstande war, den Starken zu binden und seinen Hausrat zu rauben!

Söhne des Ungehorsams

Wir waren „Söhne des Ungehorsams“, und diesen Ungehorsam hatten wir von unserem Vater, von Adam, ererbt. Doch gepriesen sei der Name unseres Herrn Jesu Christus, der uns durch Seinen Gehorsam bis zum Tode zu „Kindern des Gehorsams“ gemacht hat (1. Pet 1,14)!

Wie unfassbar groß ist doch der Unterschied zwischen dem, was wir von dem ersten Menschen erbten und dem, was uns der zweite Mensch, der Herr Jesus Christus, zu erben gab; „denn gleichwie durch des einen Menschen Ungehorsam die Vielen in die Stellung von Sündern gesetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen in die Stellung von Gerechten gesetzt werden“ (Röm 5,19).

Welch ein Vorrecht, aus unserem Zustand als Söhne des Ungehorsams herausgenommen und durch die Gnade unseres Gottes zu Kindern des Gehorsams gemacht worden zu sein! So wie wir nun dieses gesegnete Vorrecht in Wahrheit besitzen, so haben wir aber auch die ernste Verantwortung, entsprechend unserer hohen Stellung zu wandeln: „Als Kinder des Gehorsams bildet euch nicht nach den vorigen Lüsten in eurer Unwissenheit, sondern wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr heilig in allem Wandel“ (1. Pet 1,14.15).

Ein armer Mensch ist, der fern von Gott ist – ein elender Mensch, wer, vom Staube gemacht, sein ganzes Leben hindurch im Ungehorsam gegen Gott und Seinen geoffenbarten Willen verharrt. Doch wie wunderbar ist gleichzeitig die Langmut Gottes gegen solche elenden Menschen, gegen die „Söhne des Ungehorsams!“ Aber die Langmut Gottes ist auf die Stunde der Gnade und den Tag des Heils beschränkt, denn die Zeit wird sicherlich kommen, wenn „das angenehme Jahr des Herrn“ zu Ende gehen und der „Tag der Rache“ beginnen wird, jener Tag schrecklichen Gerichts und furchtbarer Verdammnis. O, möge der Leser dieser Zeilen, sofern er noch nicht seine Zuflucht zu Jesu als seinem persönlichen Heiland genommen hat, jetzt zu Ihm kommen, ehe die Gelegenheit für immer vorüber ist. „Siehe, jetzt ist die angenehme Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils“; „Heute, wenn ihr seine Stimme höret, verhärtet eure Herzen nicht“ (2. Kor 6,2; Ps 95,7. 8).

Der Wille des Fleisches und der Gedanken

Vers 3: „Unter denen auch wir einst alle unseren Wandel führten in den Begierden unseres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten und von Natur Kinder des Zorns waren, wie auch die übrigen“

Der Apostel ändert nun die Form seiner Anrede von „ihr“ in „wir“. Er hatte bislang sie, die Gläubigen in Ephesus, mit „ihr“ angeredet, da sie aus den Nationen waren. Jetzt aber schließt er die Juden mit ein und sagt, da er selbst einer von ihnen ist, „wir“. Damit stellt er unmissverständlich klar, dass auch sie alle (die Juden) tot waren in Übertretungen und Sünden, ebenso tot wie die Nationen, „unter denen (den Nationen) auch wir einst alle (die Juden) unseren Wandel führten in den Begierden unseres Fleisches“.

Diese Wahrheit entwickelt der Apostel weiter in seinem Brief an die Römer, Kapitel 3: „Was nun? Haben wir (Juden) einen Vorzug? Durchaus nicht; denn wir haben sowohl Juden als Griechen zuvor beschuldigt, dass sie alle unter der Sünde sind, wie geschrieben steht: Da ist kein Gerechter, auch nicht einer''. Alle Menschen werden an Gottes Maßstab - dem Maßstab Seiner Heiligkeit – gemessen, welcher Christus selbst ist. Deshalb stehen sie alle auf demselben Boden der Beurteilung vor Gott: „geistlich tot“. Das ist das Urteil Gottes. Gibt es verschiedene Stufen oder Grade des Todes? Nein! In der Tat waren wir alle, ob Heiden oder Juden, geistlich tot und dem Leben Gottes entfremdet. Dies ist es, was der Apostel bekräftigt, wenn er fortfährt: „Unter denen auch wir einst alle unseren Wandel führten in den Begierden unseres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten“. Das ist eine wahrheitsgetreue Beschreibung aller Menschen ohne Unterschied oder Ausnahme. Mögen unter ihnen auch Moralisten oder Philanthropen, Wissenschaftler oder Philosophen sein, die einzige Frage selbst für den am weitesten Fortgeschrittenen oder den Moralischsten unter ihnen ist diese: Ist auch nur ein Jota göttlichen Lebens in ihnen, oder haben sie überhaupt eine geistliche Überzeugung, den Willen Gottes zu tun? Die Antwort ist: Nein!  Sie mögen tatsächlich ihr Äußerstes tun, um ihren Charakter zu ändern und zu verbessern, doch bei all diesem bleibt Gott weit von ihren Gedanken entfernt, und sie haben keinen Platz für Ihn in ihrem Herzen. Ob es sich dabei um Juden oder Heiden handelt, dies ist wahr von allen Menschen.

Der Apostel hebt hier zwei Arten von Wünschen und Begierden hervor: den Willen des Fleisches und den Willen der Gedanken. Die Wünsche und sündigen Begierden des Fleisches haben ebenso wie die erhabensten Gedanken des Menschen nur eine Quelle: die gefallene menschliche Natur; denn „was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch“.

Stell dir vor, ein Mensch wollte sich ganz dem Dienste der Wissenschaft hingeben und sie zu seinem einzigen Lebenszweck machen. Wird dieser Wille in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes sein? (Wir wollen keineswegs die Wohltaten der Wissenschaft geringschätzen; aber wenn die Wissenschaft das einzige Ziel, der ausschließliche Zweck des Lebens wird, so ist gerade dies der „Wille der Gedanken“). Ohne Zweifel heißt die Antwort zu dieser Frage: Nein! Wir können wohl sagen, dass dies in Wirklichkeit die Wirksamkeit des „Willens der Gedanken“ des Menschen und der Wünsche des menschlichen Geistes ist; und daher besteht in dieser Hinsicht zwischen den Tätigkeiten eines solchen Menschen und den Handlungen derjenigen, die in den Lüsten des Fleisches leben, indem sie „den Willen des Fleisches tun“, kein Unterschied.

Stolz, Selbstsucht (Eigenliebe), das Besorgtsein um die Güter dieser Welt usw. kommen alle aus dem Willen der Gedanken hervor, und es besteht vor Gott kein Unterschied zwischen ihnen und den Lüsten des Fleisches.

In den ersten drei Kapiteln des Römerbriefes wird uns ein schreckliches Bild von den Begierden und Lüsten des Fleisches gegeben, während uns in den ersten drei Kapiteln des 1. Korintherbriefes (wo wir ein Sich-Rühmen über Bildung und menschliche Weisheit finden) die Lüste der Gedanken gezeigt werden. Das eine ist vor Gott so böse wie das andere.

Welch kostbare Tatsache ist es dagegen, dass ich nicht mir selbst gehöre, sondern Dem, der mich mit Seinem kostbaren Blute erkauft und erlöst und mir ewiges Leben geschenkt hat, indem Er Selbst mein Leben ist! Kann ich nun deswegen getrost dem Verlangen des Fleisches und der Gedanken folgen? Ganz im Gegenteil! Ist es nicht vielmehr meine Pflicht, ja mein Vorrecht, nicht länger mehr mir Selbst, sondern Dem zu leben, Der für mich gestorben und auferstanden ist?

Wir waren „von Natur Kinder des Zorns, wie auch die übrigen“. Das ist unsere Vergangenheit, wir sind in Ungerechtigkeit geboren und in Sünden empfangen, durch Sünde und in Sünde geboren – unrein und mit Ungerechtigkeit bedeckt. Das ist das wahre Bild aller Menschen ohne Unterschied – dies gilt für die besten ebenso wie für die schlechtesten der Menschen, für die Juden ebenso wie für die aus den Nationen; denn „wir waren von Natur Kinder des Zorns“.

Gott jedoch schuf den Menschen nicht in diesem Zustand, der Mensch zog die Gemeinschaft mit Satan derjenigen mit Gott vor und wurde so ein Sohn des Ungehorsams und ein Kind des Zornes. Was für ein elender Zustand! Aber Gott in Seiner Güte, Barmherzigkeit und Gnade errettete uns aus diesem erbärmlichen Zustand durch die Mittlerschaft Seines geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesum Christus, durch Sein Werk am Kreuz.

Wer Gott ist

Vers 4+5: „Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, wegen seiner vielen Liebe, womit er uns geliebt hat, hat auch uns, als wir in den Vergehungen tot waren, mit dem Christus lebendig gemacht, – durch Gnade seid ihr errettet -“

In dem Vorhergehenden sahen wir in den beiden ersten Gruppen zuerst die drei Feinde des Menschen – die Welt, das Fleisch, den Teufel; sodann die drei schrecklichen Ergebnisse – tot in Vergehungen und Sünden, Söhne des Ungehorsams und folglich Kinder des Zorns.

Wir kommen nun zu der dritten gesegneten Dreier-Gruppe, die uns die wunderbaren Wege Gottes in der Erlösung und Segnung des Menschen nahe bringt:

  1. die reiche Barmherzigkeit Gottes,
  2. die göttliche überströmende Liebe,
  3. der überragende Reichtum Seiner Gnade (V. 4 und 7).

1. Seine reiche Barmherzigkeit

Wir waren geistlich tot, ohne Kraft und unfähig, uns Selbst zu erretten. Gott aber, „der reich ist an Barmherzigkeit“, kam, um uns zu retten und lebendig zu machen. O, wie groß sind die göttlichen und vollkommenen Reichtümer!

In dem ersten Kapitel sahen wir „den Reichtum seiner Gnade“ (V. 7) und „den Reichtum seiner Herrlichkeit“ (V. 18). Hier haben wir „reich an Barmherzigkeit“. Gott ist nicht nur voll Barmherzigkeit, sondern „reich“ an Barmherzigkeit, und das ist es gerade, was wir brauchten, weil wir tot und dem Leben Gottes entfremdet waren. Aber indem Er uns von unserem Jammer und Elend befreite und uns ewiges Leben schenkte.

2. Seine große Liebe

So wie Gott an Barmherzigkeit reich ist, ist Er auch groß in Seiner Liebe - „wegen seiner vielen Liebe, womit er uns geliebt hat“. Denn aus der Fülle des liebenden Herzens Gottes gegen uns Sünder floss Seine reiche Barmherzigkeit auf uns herab. Und so wie Seine Barmherzigkeit reich ist, so ist auch Seine Liebe überströmend. „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist“. (Röm 5,8). Ja, wahrlich, Er liebte uns „wegen seiner vielen Liebe“, „als auch wir in den Vergehungen tot waren“. „Hierin ist die Liebe Gottes zu uns offenbart worden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. Hierin ist die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden“(1. Joh 4,9. 10).

3. Der überragende Reichtum Seiner Gnade

Oh, wie wunderbar! Wenn Gott reich ist in Seiner Barmherzigkeit und groß in Seiner Liebe, so ist Er auch reich in Seiner Gnade. Gepriesen sei Sein anbetungswürdiger Name!

Da war wirklich nichts Gutes in uns, was Sein Herz hätte veranlassen können, Sich zu uns herabzuneigen. Es war Seine reiche, überragende Gnade, die zu uns kam; „durch die Gnade seid ihr errettet“.

Aber Gott war nicht allein reich an Barmherzigkeit, als Er uns aus unserem Elend und Jammer errettete, sondern Er schenkte uns auch Seine Gnade.

Nun ist Barmherzigkeit das, was einen armen Elenden von seinem Jammer und Elend und einen Bettler von seiner Armut befreit; Gnade jedoch tut noch mehr. Sie schüttet Güte, Wohlwollen und Glückseligkeit aus über solche, die nicht den geringsten Anspruch darauf haben: „Durch die Gnade seid ihr errettet“. Sie gibt uns nicht nur Vergebung der Sünden, sondern mehr als das: sie schenkt uns göttliche Gerechtigkeit umsonst.

Der verlorene Sohn bat, um den Hungertod zu entgehen, um Barmherzigkeit; aber sein Vater überschüttete ihn mit reicher, überströmender Gnade, die zu erlangen er sich nie hätte träumen lassen (Lk 15).

Mit  dem Christus lebendig gemacht

Für unsere Betrachtung bleibt nun noch die vierte und letzte Gruppe übrig: Die drei herrlichen Resultate der soeben betrachteten, dreifachen Wege Gottes in der Errettung und Segnung des Menschen. Diese Ergebnisse werden mit Recht Wunder der Barmherzigkeit, der Liebe und der Gnade genannt.

Das erste göttliche Wunder, das Gott in Seiner reichen Barmherzigkeit und großen Liebe und wunderbaren Gnade vollbracht hat, ist, dass Er uns mit dem Christus lebendig gemacht hat.

Gepriesen sei Sein Name! Er hat uns mit dem Christus lebendig gemacht; und es war gerade dieses Wunder, welches wir nötig hatten. Wir waren ja geistlich tot, tot in Vergehungen und Sünden; „Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, wegen seiner vielen Liebe, womit er uns geliebt hat, hat auch uns, als wir in den Vergehungen tot waren, mit dem Christus lebendig gemacht“. Er machte uns lebendig, d.h. Er gab uns ewiges Leben, welches mit unserem Herrn Jesum Christum verbunden ist, der aus den Toten auferstand. Nun, dieses ewige Leben ist in dem Sohne. „Und dies ist das Zeugnis: dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohne. Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht“ (1. Joh 5,11. 12).

Christus kam, damit die an Ihn Glaubenden Leben in Ihm haben und es in Überfluss haben möchten. Dieses Leben in Überfluss besitzen wir auf Grund Seines vollkommenen Erlösungswerkes  und Seiner Auferstehung aus den Toten.

Während alle – sowohl Juden als Nationen ohne Ausnahme – tot waren in Vergehungen und Sünden, hat Gott uns mit dem Christus lebendig gemacht wegen Seiner vielen Liebe, womit Er uns geliebt hat.

Könnten wir jemals den unfassbar großen Preis ermessen, könnten wir jemals vergessen, was es Gott gekostet hat, uns aus dem Tode lebendig zu machen? Er gab Seinen eingeborenen Sohn dahin, auf dass wir durch Ihn leben möchten; „denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (Joh 3,16).

Unser Herr Jesus Christus starb am Kreuz, und trug das gerechte Gericht Gottes für unsere Schuld. Indem der Fürst des Lebens starb, wurde der Tod zunichte gemacht, und Er brachte Leben und Unverweslichkeit ans Licht. Ja, der Heilige starb unter Gottes furchtbarem Gericht. Der Gerechte starb einen einzigartigen Tod – einen Tod, den noch keiner der sündigen Menschen starb – Er starb, um Selbst dem verdorbensten Sünder, der sein Vertrauen auf Ihn und die Vollgültigkeit Seines Werkes am Kreuz setzen würde, ewiges Leben zu schenken.

Mit Christus auferweckt

Vers 6: „Und hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in Christo Jesu“

„Und hat uns mitauferweckt“, das ist das zweite Wunder, das Gott vollbrachte in Seiner reichen Barmherzigkeit, Liebe und Gnade, die alles Erkennen übersteigen. Er hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in Christo Jesu.

Gott gab uns also nicht nur ewiges Leben, sondern hat uns auch zusammen mit Ihm auferweckt; und zwar sowohl die Gläubigen aus den Juden, als auch die Gläubigen aus den Nationen.

Als die Frauen zur Gruft des Herrn kamen, sagten die Engel zu ihnen: „Was suchet ihr den Lebendigen unter den Toten? Er ist nicht hier, sondern ist auferstanden“ (Lk 24,5. 6). Es war nicht möglich, dass der Lebendige unter den Toten bleiben konnte. Dies ist es, was die Gnade Gottes für uns vollbracht hat. Gepriesen sei Sein Name! Er hat uns nicht nur ewiges Leben gegeben, sondern hat uns auch mit dem Christus auferweckt. Wenn wir nun als wahre Gläubige mit dem Christus auferweckt worden sind, sollten wir dann nicht die Dinge suchen, die droben sind, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes – sollten wir nicht auf das sinnen, was droben ist, und nicht auf das, was auf der Erde ist? (Kol 3,1. 2).

Das dritte Wunder der Barmherzigkeit, Liebe und Gnade ist, dass Gott uns hat „mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in Christo Jesu“. Das ist auf Grund unserer Verbindung mit Christum unserem Haupt, schon jetzt unsere gesegnete Stellung, während wir noch hier auf der Erde sind. Unser Herr Jesus, den Gott aus den Toten auf erweckt und zu Seiner Rechten in den himmlischen Örtern gesetzt hat, ist das Haupt des Leibes, und die wahren Gläubigen sind  folglich Glieder Seines Leibes.

Es ist unmöglich, dass der Leib unabhängig oder getrennt von dem Haupt gesehen werden konnte. Wenn daher Christus, das Haupt, zur Rechten Gottes in den himmlischen Örtern gesetzt worden ist (Kap. 1, 20), so hat Gott auch die Heiligen in Christo in die himmlischen Örter versetzt. Das also ist schon jetzt unsere Stellung, unser Platz: „In den himmlischen Örtern in Christo Jesu“. Und in kurzem wird der Herr kommen, um uns zu Sich zu nehmen, und also werden  wir allezeit bei dem Herrn sein.

So wie im Alten Bund der Hohepriester die Namen der zwölf Stämme auf seinem Herzen und auf seinen Schultern trug, wenn er in das Allerheiligste hineinging, und sie auf diese Weise durch ihn vertreten wurden, so werden wir jetzt in Christo gesehen. Das ist die himmlische Stellung aller wahren Gläubigen ohne Ausnahme, und zwar ist dies nicht in erster Linie eine praktische oder erfahrungsmäßige Stellung, obgleich unser praktischer und erfahrungsmäßiger Zustand in Übereinstimmung mit unserer himmlischen Stellung sein sollte.

Die Absicht Gottes

Vers 7: „Damit er in den kommenden Zeitaltern den überragenden Reichtum seiner Gnade in Güte an uns erwiese in Christus Jesus“

Hier sehen wir die erhabene Absicht Gottes, weshalb Er Seine Barmherzigkeit, Liebe und Gnade über uns ausgoss. Seine höchste Absicht, die Er von Anfang an verfolgte, war, dass Er in den kommenden Zeitaltern den überragenden Reichtum Seiner Gnade in Güte gegen uns erwiese in Christo Jesu. Aber Gott war nicht in erster Linie für das besorgt, was wir als verlorene Sünder nötig hatten, sondern Er war für Seine eigene Herrlichkeit und für die Herrlichkeit Seines geliebten Sohnes besorgt, und zwar für alle Ewigkeit.

So will Gott Seine Gnade nicht nur in „dem kommenden Zeitalter“, d.h. den tausend Jahren gesegneter Herrschaft auf Erden, erweisen, sondern „in den kommenden Zeitaltern“, also für ewig, ohne Ende. Die wunderbare Absicht Gottes in dem Erlösungswerk war also nicht nur die Errettung und Segnung der Erlösten, sondern die Offenbarung des überragenden Reichtums Seiner Gnade gegen uns vor der ganzen Schöpfung. Sowohl Engel und Erzengel, als auch die Dämonen werden Zeugen des Sieges Seiner reichen Gnade im Werk Seines Sohnes sein, das Er am Kreuz vollbracht hat.

Wenn wir über die vergangene Ewigkeit nachdenken, so sehen wir den Ratschluss Gottes und die Absichten Seiner Gnade in bezug auf die Versammlung, deren einzelne Glieder Er vor Grundlegung der Welt auserwählte. Und wenn wir über die zukünftige Ewigkeit nachsinnen, so sehen wir die verherrlichte Versammlung als das Monument Seiner wunderbaren und reichen Barmherzigkeit und Liebe, Seiner überströmenden Gnade, die alle Erkenntnis übersteigt, – zum Preise Seiner Herrlichkeit. Seinem Namen, Seinem anbetungswürdigen Namen sei ewiglich Preis, Bewunderung und Anbetung!

Durch Gnade errettet

Vers 8+9: „Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittelst des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme“

In diesen Versen geht der Heilige Geist in besonderer Weise auf die kostbare Wahrheit der Errettung durch die Gnade ein. Schon im 5. Vers unseres Kapitels sagte Er: „Durch Gnade seid ihr errettet“; und hier in diesem Vers bekräftigt Er diese grundlegende Wahrheit noch einmal, „denn durch die Gnade seid ihr errettet“. Die Errettung ist ausschließlich ein Ergebnis der Gnade und nicht irgendeiner Tätigkeit des Menschen, „und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme“.

Würde die Errettung von irgendeiner Tätigkeit unsererseits abhängig sein, so wäre sie nicht aus Gnaden. „Dem aber, der wirkt, wird der Lohn nicht nach Gnade zugerechnet, sondern nach Schuldigkeit“ (Röm 4,4). Wenn du also irgendetwas tun könntest, um dich Selbst zu erretten, so würde das bedeuten, dass Gott dir etwas schuldig wäre. Doch ist es dem Menschen möglich, durch all seine gerechten Werke auch nur eine einzige Sünde zu sühnen? Der von Gott gewiesene Weg für des Menschen Errettung ist die Gnade – ausschließlich die Gnade!

Beachte sorgfältig, dass es nicht heißt: „Denn durch die Gnade werdet ihr errettet werden“, als wäre es eine zukünftige Sache, oder „ihr werdet vielleicht errettet werden“, als wäre es eine zweifelhafte Angelegenheit; sondern es wird gesagt: „Denn durch die Gnade seid ihr errettet“. Es ist eine gegenwärtige Segnung und eine ewige, absolut gewisse Tatsache. Ruhm und Preis sei Gott dafür!     

Glaube ist der einzige Weg, auf dem wir die freie Errettung annehmen können, welche die reiche Gnade Gottes den armen, sündigen Menschen anbietet. Es ist wahr, dass uns Gott gemäß Seinem ewigen Ratschluss auserwählt und zur Sohnschaft zuvorbestimmt hat, aber das von Gott zur Ergreifung der Gnade der Errettung und der Gabe des ewigen Lebens bereitete Mittel ist – der Glaube. Es ist die Hand, die die von Gott angebotene Gabe ergreift.

Nun kann Gott nicht zulassen, dass ein Mensch den Boden der Gnade und Segnung betrete ohne dass Er zuerst ein göttliches Werk in seinem Herzen und Gewissen durch den Heiligen Geist bewirke, der den Menschen dahin leitet, sein wahres Ich so zu sehen, wie Gott es sieht, und ihn dann weiter leitet, das zu sehen und im Glauben zu ergreifen, was Gott für ihn in Christus Jesus bereitet hat.

Durch Glauben an die frohe Botschaft empfangen wir die Errettung. Aber das bedeutet nicht, dass der Glaube an sich rettet, sondern nur der Heiland Selbst; Er ist der Gegenstand des Glaubens, „...denn ich weiß, wem ich geglaubt habe, und bin überzeugt, dass er mächtig ist, das ihm von mir anvertraute Gut auf jenen Tag zu bewahren“ (2. Tim 1,12).

So mache nun nicht deinen Glauben zu deinem Heiland, denn der Herr Jesus Christus ist der einzige, der erretten kann. Der Glaube ergreift Ihn und vertraut Ihm. Und damit sich ja niemand auf sein Kommen zu Christus oder auf seinen Glauben an Ihn irgendetwas zugute halten möge, fügt der Apostel hinzu „... und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es. Es ist, als wollte der Apostel sagen: „Weder Gnade, noch Errettung, nicht einmal der Glaube kommt von euch, oder ist in euch gefunden worden, sondern alles kommt von Gott“.

Von einem Evangelisten, der viele Seelen zum Heiland Jesum Christum führen durfte, wird folgendes erzählt: Er sprach einst über die Errettung durch Gnade auf Grund des Glaubens ohne Werke, als ihm jemand widersprach, der auf seine eigenen Werke und sein gerechtes Betragen vertraute und dachte, dass er, wegen seiner gerechten Werke vor Gott angenehm sei. Aber dieser Mann kannte eben nicht die Wahrheit  über sich selbst, dass er ein Sünder war und einen Retter und Heiland nötig hatte. So antwortete ihm der Evangelist: „Wenn du in den Himmel kommst, wirst du dort der einzige gerechte sein; denn all die anderen sind durch die Gnade erlöste Sünder und dies wird ihr Lobgesang  sein; „Herrlichkeit dem Lamme Gottes, das uns geliebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in Seinem Blut“. Sie werden von Christo sagen; „Du bist geschlachtet worden und hast uns für Gott erkauft durch dein Blut“. „Du aber, mein Freund, wirst solches niemals singen können. Dein Lobgesang würde sich etwa so anhören: „Herrlichkeit sei mir, denn durch meine guten Werke und meinen gerechten Wandel habe ich mich für den Himmel passend gemacht!“ Die Engel aber würden dich, wenn sie dich also hörten, wie du dich selbst rühmtest und verherrlichtest, ohne Zweifel sofort in den tiefsten Abgrund werfen“.

Aber Sünder, die durch Gnade Gottes gerettet sind, rühmen nicht sich selbst, sondern sie rühmen sich des Herrn und Seiner Gnade. „In Jehova soll sich rühmen meine Seele“ (Ps 34,3).

Eine neue Schöpfung

Vers 10: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen“

Lasst uns einen Augenblick stillstehen, um die wunderbare göttliche Ordnung zu sehen: Obwohl unsere Errettung nur durch Gnade und nicht durch Werke ist, so hat Gott doch für die durch die Gnade erretteten gute Werke bereitet, dass sie darin wandeln sollen.

Nun ist es von äußerster Wichtigkeit, den gewaltigen Unterschied zu erkennen, der zwischen der falschen Lehre besteht, die da sagt: „Wirke, damit du errettet wirst“, und der wahren Lehre des Evangeliums, die sagt: „Wirke, weil du durch die Gnade errettet bist“; oder zwischen „wirke, und du wirst leben“ und „wirke, weil du lebst“.

Die wahren Gläubigen sind Gottes Werk; sie sind in Christo Jesu zu einer neuen Schöpfung gemacht worden. Die alte Schöpfung ist verdorben und zu nichts nütze. Es gibt auch keine Heilung für sie, sie kann nicht verbessert werden, denn „weil die Gesinnung des Fleisches Feindschaft ist gegen Gott, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie vermag es auch nicht. Die aber, die im Fleisch sind, vermögen Gott nicht zu gefallen“. (Röm 8,7. 8). Deswegen dachte Gott nie daran, diese verdorbene Natur zu verbessern; sondern Er hat sie am Kreuz Christi gerichtet und uns statt dessen auf Grund des vollbrachten Werkes Seines geliebten Sohnes eine neue Natur geschenkt. So hat Er also die alte Natur im Tod Christi gerichtet und hat uns, indem Er Christus durch die Herrlichkeit des Vaters „als den Erstgeborenen aus den Toten“ auferweckte und Ihn zum Haupt eines neuen Geschlechtes machte, mit Ihm auferweckt, damit wir nun in Neuheit des Lebens wandeln mögen. Es ist ein neues Leben, ganz und gar verschieden vom alten Leben. „Daher, wenn jemand in Christus ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2. Kor 5,17).

Gott schuf die alte Schöpfung durch Sein Wort: „Durch Glauben verstehen wir, dass die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind, damit das, was man sieht, nicht aus Erscheinendem geworden ist“ (Heb 11,3). Doch nur die  neue Schöpfung ist zu Seinem Wohlgefallen und wird in alle Ewigkeit zum Preise Seiner Herrlichkeit sein. Es hat Ihn einen unvorstellbar großen Preis gekostet, weil Er „den, der Sünde nicht kannte, für uns zur Sünde gemacht hat, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm“ (2. Kor 5,21).

Wir sind in Christo Jesu zu guten Werken geschaffen worden, „die Gott zuvor bereitet hat, auf dass wir in ihnen wandeln sollen“. So wie Gott uns zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesum Christum für Sich selbst (Kap. 1, 5), so hat Er auch gute Werke zuvor bereitet, dass wir in ihnen wandeln sollen. Es handelt sich hier nicht um Werke gesetzlichen, sondern um Werke himmlischen Charakters – des Charakters der Gnade. Die Gnade unterweist uns, „besonnen und gerecht und gottselig zu leben in dem jetzigen Zeitlauf“ (Titus 2,12).

Die von Gott zuvor bereiteten Werke sind die Frucht der neuen Schöpfung - oder mit anderen Worten – der göttlichen Natur, deren Teilhaber wir geworden sind. Diese Früchte werden in uns durch den in uns wohnenden Heiligen Geist hervorgebracht, damit wir in diesen guten Werken wandeln – nicht, um einer Pflicht oder einer religiösen Vorschrift zu genügen – sondern aus warmer Liebe zu unserem Gott und Vater und zu unserem Herrn Jesum Christum, Der uns zuerst geliebt hat.

Gott gab einst Seinem irdischen Volke Israel das Gesetz. Sie meinten, seinen Anforderungen gewachsen zu sein, aber sie fehlten. Das Gesetz war ein Prüfstein für das menschliche Herz, damit das gänzliche Unvermögen des Menschen, die Ansprüche eines heiligen Gottes zu befriedigen, offenbar würde. Das Gesetz war nicht etwas von Gott Zuvorbestimmtes, auf dass wir darin wandeln sollen. „Warum nun das Gesetz?“ Die Antwort ist; „Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt, (bis der Same (Jesus) käme, dem die Verheißung gemacht war“) (Gal 3,19).

Der wahre Gläubige ist freigemacht worden vom Gesetz, damit er nun für Gott lebe. Er wurde dem Gesetz getötet, „um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auferweckten, damit wir Gott Frucht brächten“ (Röm 7,4). Wie kostbar ist doch der Platz und die Stellung des Gläubigen, und zwar nicht nur im Blick auf seine Vorrechte, sondern auch im Hinblick auf seine Pflichten und seinen Dienst. Während also unsere Auserwählung und unsere Segnung von Anbeginn an in Gottes Plan und Ratschluss waren, so hat Er auch die guten Werke zuvor – ehe wir selbst existierten – bereitet oder verordnet, damit wir in ihnen wandeln sollen.

Dieser Abschnitt begann mit dem „Wandel“ (Verse 1–2) und endet auch mit dem „Wandel“ (Vers 10). Doch welch ein gewaltiger Unterschied zwischen dem ersteren und dem letzteren! Die ersten Verse dieses Kapitels zeigten uns unseren früheren Wandel, als wir geistlich tot – tot in Vergehungen und Sünden – waren. Der zehnte Vers zeigt uns unseren Wandel als solche, die lebendig gemacht und eine neue Schöpfung sind, einen Wandel in guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat. Wenn wir mit Christo in die himmlischen Örter versetzt worden sind – und wir sind es, Gott sei gepriesen! – So haben wir auch das gesegnete Vorrecht, entsprechend unserer himmlischen Stellung hier zu wandeln.

In einem Leibe mit Gott versöhnt: Kap. 2, 11 – 22

Wir haben uns zu Beginn der Betrachtung des 2. Kapitels daran erinnert, dass uns der Heilige Geist in diesem Kapitel das Getrenntsein des sündigen Menschen von Gott zeigt, und zwar

  1. infolge seines geistlichen Todes (Verse 1–10)
  2. infolge seiner großen Entfernung von Gott (Verse 11–22).

Der Unterschied zwischen diesen beiden Abschnitten, den Versen 1–10 und 11–22, ist klar und deutlich. In diesem zweiten Abschnitt wird uns in besonderer Weise gezeigt, welches einst die Stellung der Gläubigen aus den Nationen war, ehe sie an den Herrn Jesum glaubten, und was durch die Gnade Gottes jetzt, nachdem sie geglaubt haben, ihr Teil ist. Er zeigt uns auch den Zustand und die Bedürfnisse aller Menschen im allgemeinen, ohne Ausnahme.

Wir wissen, dass alle Menschen nach der Flut von der Anbetung des wahren und lebendigen Gottes abirrten, um zahllosen falschen Göttern zu dienen. Aus diesem Grund berief Gott einen Menschen, Abraham, und machte ihn und seinen Samen nach ihm zu Empfängern seiner Verheißungen und zu Gefäßen des Zeugnisses in dieser bösen Welt. Aber Ach! Infolge ihres Ungehorsams versagte auch Israel in seinem Zeugnis für Gott – eine Tatsache, die dann durch das Kreuz Christi ihren völligen Ausdruck fand.

In der Zeit vor dem Kreuz Christi und Seiner Auferstehung aus den Toten, vor Seiner Himmelfahrt und der Herniederkunft des Heiligen Geistes, gab es gleichsam nur zwei Klassen von Menschen; die Juden und die Heiden (Nationen); nach dem Tag der Pfingsten jedoch gab es deren drei: Die Juden, die Heiden und die Versammlung Gottes (1. Kor 10,32). Die Versammlung nun besteht aus Juden und Heiden, aus solchen, die an den Herrn Jesum Christum glauben.

Von allem ausgeschlossen

Vers 11: „Deshalb denkt daran, dass ihr, einst die Nationen im Fleisch, die Vorhaut genannt werden von der sogenannten Beschneidung, die im Fleisch mit Händen geschieht“

Der Heilige Geist redet hier von dem, was wir waren, bevor wir an Jesum Christum glaubten, wir waren aus den „Nationen“ und wurden „Vorhaut“ genannt. Aber jetzt in Christo ist „nicht Grieche und Jude, Beschneidung und Vorhaut „sondern Christus alles und in allen“ (Kol 3,11 und Gal 3,27–28).

Gott gab den Bund der Beschneidung zuerst dem Abraham (1. Mo 17,9–14), dann seinem Samen nach ihm; daher wurden die Juden die „Beschneidung“ genannt. Sie sahen mit Verachtung auf die Nationen herab und nannten sie „Unbeschnittne „, d.i. „Vorhaut“ (siehe 1. Sam 17,26. 36; 2. Sam 1,20). Doch viele der Juden, die sich der Tatsache rühmten, zur Beschneidung zu gehören, waren es nur äußerlich, denn ihre Herzen blieben unbeschnitten (Röm 2,25–29).

Vers 12: „... dass ihr zu jener Zeit ohne Christus waret, entfremdet dem Bürgerrecht Israels, und Fremdlinge betreffs der Bündnisse der Verheißung, keine Hoffnung habend, und ohne Gott in der Welt“

„Ohne Christus“: Das war der elende Zustand, in dem wir uns „zu jener Zeit“ befanden, obgleich zwischen Juden und Nationen insofern kein Unterschied bestand, als sie alle ohne Christus waren, so werden doch die Nationen in besonderer Weise als solche erfunden, weil die Juden besondere Vorbilder, Prophezeiungen und Verheißungen bezüglich des Kommens des Messias besaßen. Die Hoffnung des Juden im Alten Bund gründete sich auf das Kommen des Messias, der alle göttlichen Verheißungen erfüllen würde.

Zudem war alles sichtbare Erscheinen Jehovas vor der Fleischwerdung Christi ausschließlich an die Juden gerichtet; auch konnte Christus nicht eher der Heiland der Welt genannt werden, als bis Er am Kreuz Sein Leben dahingegeben hatte.

„...entfremdet dem Bürgerrecht Israels, und Fremdlinge betreffs der Bündnisse und Verheißungen“. Die Nationen hatten überhaupt keinen Anteil an den Segnungen und Vorrechten des Volkes Gottes vor alters, weil Gott zuerst dem Abraham die Verheißungen gegeben und mit ihm und seinem Samen nach ihm einen Bund zur Erfüllung dieser Verheißungen gemacht hatte.

Doch die Nationen waren von diesen Verheißungen ausgeschlossen, sie waren betreffs dieser Verheißungen Fremdlinge. Wir lesen daher nirgends im ganzen Alten Testament, dass Gott den Nationen irgend eine Verheißung gegeben hätte. Er gab wohl Verheißungen über sie‚ aber Er gab ihnen selbst nicht eine einzige Verheißung, auch nicht im Neuen Bund, von welchem wir in Jeremia 31 und Hebräer 8 lesen. Wir finden auch nirgends, dass Gott mit der Versammlung einen Bund gemacht hätte, wohl aber mit dem alten Bundesvolk für künftige Tage.

Nichtsdestoweniger empfangen alle an Christum Glaubenden, ob sie von den Juden oder den Nationen sind, die geistlichen Segnungen und Verheißungen des Neuen Bundes in demselben Augenblick, da wir unser Vertrauen auf Christum und Sein vollgültiges Werk am Kreuz setzen. Alles in Christo ist unser geworden: „Denn so viele der Verheißungen Gottes sind, in ihm ist das Ja und in ihm das Amen, Gott zur Herrlichkeit durch uns“ (2. Kor 1,20).

„Keine Hoffnung habend“: Ja, der Mensch „ohne Christum“ ist auch ein Mensch „ohne Hoffnung“. So wie die Nationen vor dem Kommen des Herrn in diese Welt und vor Seinem Tod am Kreuz ohne Hoffnung waren, so ist auch heute jeder, der nicht den Herrn Jesum als seinen Heiland ergreift, ohne Hoffnung. Denn nur in Christo allein hat Gott den Gläubigen „gute Hoffnung gegeben durch die Gnade“ (2. Thes 2,16).

Unsere gesegnete Hoffnung nun ist das zweite Kommen unseres Herrn Jesus Christus, der uns zu Sich nehmen wird, damit wir auf immerdar bei Ihm seien: „Indem wir erwarten die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus“ (Tit 2,13).

„Ohne Gott in der Welt“: Als die Nationen den mancherlei Göttern dienten und sie anbeteten, waren sie im wahrsten Sinn des Wortes „ohne Gott in der Welt“; denn „so wissen wir, dass ein Götzenbild nichts ist in der Welt, und dass kein Gott ist, als nur einer. Denn wenn es nämlich solche gibt, die Götter genannt werden, sei es im Himmel oder auf Erden (wie es ja viele Götter und viele Herren gibt), so ist doch für uns ein Gott, der Vater, von dem alle Dinge sind, und wir für ihn, und ein Herr, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind, und wir durch ihn“ (1. Kor 8,4–6).

Nahe geworden

Vers 13: „Jetzt aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Christus nahe geworden“

Hier sehen wir, in welch wunderbarer Weise Gott unserem Zustand als Heiden begegnete und uns Seine reiche Gnade in Christo Jesu schenkte. Wir sehen auch den großen Gegensatz zwischen unserer elenden Vergangenheit und der gegenwärtigen gesegneten und herrlichen Stellung, die durch das vollgültige Werk Christi für uns jetzt unser Teil geworden ist.

Als der Apostel Paulus im ersten Abschnitt unseres Kapitels einen Vergleich anstellte zwischen der Vergangenheit von Juden und Heiden und ihrer gegenwärtigen Stellung, nachdem sie auf Christum vertraut hatten, wies er auf das wunderbare, anbetungswürdige Besorgtsein Gottes für sie in Seiner reichen Barmherzigkeit, in Seiner vielen Liebe und überragenden Gnade mit diesen Worten hin: „Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit“ (V. 4). Hier nun macht er einen weiteren Vergleich, zeigt einen weiteren Gegensatz: „Jetzt aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Christus nahe geworden“.

Die Juden besaßen immerhin etwas, durch das sie Gott nahen konnten auf Grund des Bundes, den Gott mit ihnen errichtet hatte und dessen Forderungen zu erfüllen sie übernommen hatten. Die Nationen dagegen waren „fern“ und Fremdlinge betreffs dieses Bundes. Weil aber die Juden in der Erfüllung der Pflichten des Bundes – eines Bundes der Werke – versagten, kamen auch sie unter das Urteil „fern“ von Gott; „denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“ (Röm 3,23). So ist also die  Erlösung ausschließlich aus Gnaden, und zwar für die Juden sowohl als auch für die Nationen, ohne Ansehen der Person.

Die alleinige Grundlage für diese Errettung ist das einzigartige Opfer, das Opfer unseres Herrn Jesum Christum. Die Erlösung ist jetzt das Teil all derer, die sich im Glauben auf die Vollgültigkeit dieses Opfers stützen.

Einst waren wir fern, aber jetzt sind wir, die wir in Jesus Christus sind, durch das Blut des Christus nahe geworden.

Es besteht kein Zweifel, dass das größte Unrecht, das jemals in dieser Welt geschah, die Ermordung unseres Herrn Jesus Christus und das Vergießen Seines kostbaren Blutes war. In dieser Untat waren sich Juden und Heiden einig. Sein Tod und das Vergießen seines Blutes durch die Hand ruchloser Menschen offenbarte die furchtbarste Sünde, deren der Mensch fähig war. Aber zur gleichen Zeit offenbarte Sich Gott in Seiner unvergleichlichen Liebe und Gnade, die all Erkennen übersteigt. Das Kreuz ist der Gipfelpunkt der Feindschaft und des Verderbens des menschlichen Herzens; es ist aber auch der Gipfelpunkt der Offenbarung der grenzenlosen Liebe Gottes. Der Speer, der die Seite des Herrn durchbohrte, gibt von der Bosheit des menschlichen Herzens Zeugnis. Aber das Blut, das aus Seiner geöffneten Seite herausfloss, redet von der Liebe Gottes und Seiner reichen Gnade. Ja, aus Seiner durchbohrten Seite kam sowohl das Blut hervor, das uns von aller Schuld reinigt, als auch das Leben spendende Wasser der Reinigung.

Wie reich ist doch diese Gnade, die sich über all unsere Ungerechtigkeiten und Verfehlungen erhob, sodass wir, die Fernen, einst arme und elende Heiden, Fremdlinge und Feinde Gottes in Gedanken und Tat, durch das kostbare Blut des Christus Gott nahe gekommen sind. Wir sind jetzt durch die Gnade so nah gebracht, wie es das Gesetz den Juden zu geben nicht vermochte.

Aber der Jude, der an Christus glaubt, erhält den gleichen Platz der Nähe zu Gott, wie der Gläubige aus den Nationen; und zwar auf Grund des Blutes des Herrn Jesus Christus. Er ist Gott aber das Wort ward Fleisch. Und Sein vergossenes Blut ist nun wirksam und von solch grenzenlosem Wert, dass nur Gott es wahrhaft wertschätzen kann. So sind wir nun durch das Blut des Christus nahe geworden, und zwar in absolut vollkommener Weise.

Es besteht jetzt keine Entfernung mehr, die uns von Ihm trennen könnte; und es ist daher auch unmöglich, dass wir zu irgendeiner Zeit Ihm näher sein könnten, als wir es jetzt schon sind.

Ob sich wohl jeder wahre Gläubige dieses gesegneten Vorrechts bewusst ist? Erfreuen wir uns der Nähe Gottes in praktischer Weise? Unsere Stellung als Nahegebrachte gründet sich auf das Opfer unseres Herrn Jesus Christus, „durch das Blut des Christus“. Aber sich dessen zu erfreuen, ist eine andere Sache, denn das hängt von unserer praktischen Gemeinschaft mit Ihm ab. Ist unsere Gemeinschaft mit Gott, unserem Vater und Seinem Sohne Jesus Christus innig und beständig? Möchten wir allezeit wachsam sein im Gebet, damit wir uns unserer Nähe zu Ihm erfreuen möchten. „Ich aber, Gott zu nahen ist mir gut“ (Ps 73,28).

Christus, unser Friede

Vers 14: „Denn er ist unser Friede, der aus beiden eines gemacht und abgebrochen hat die Zwischenwand der Umzäunung“

Unser Herr Jesus Christus ist Selbst unser Friede. Wie herrlich ist diese wunderbare göttliche Wahrheit! Unser Friede besteht nicht nur in unserer Freude, mit welcher wir uns freuen, und die vielleicht schwanken oder verloren gehen kann. Nein, Christus Selbst, Er Selbst ist unser unerschütterlicher Friede. Es ist unser Vorrecht, im Glauben auf Ihm zu ruhen, sodass wir uns praktischerweise in Ihm als unserem Frieden erfreuen können. Er Selbst ist der Gegenstand unserer Freude.           

Ja, es ist unser Vorrecht, uns allezeit in Ihm zu erfreuen, indem wir mit Ihm Gemeinschaft haben und uns nahe bei Ihm aufhalten. Es ist unser Vorrecht, uns mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude zu freuen. Doch die kostbarste Tatsache ist, dass unser Herr Jesus Christus Selbst unser Friede ist. Wir lesen in Gottes Wort nicht, dass Er unsere Freude ist, oder dass Gott der Gott der Freude genannt wird. Aber Er wird wiederholt der Gott des Friedens genannt, weil Er Der war, der diesen Frieden machte, indem Er Seinen vielgeliebten Sohn am Kreuz dahingab.

Unser Herr Jesus Christus, der unser ewiger Friede ist, hat alle Gläubigen – sowohl die aus der Beschneidung, sowie die aus den Nationen - einsgemacht in Christus. Die Juden, die die Verheißungen und Bündnisse haben, und die Nationen, die weit entfernt waren, sind nun zu einem Leib geworden, weil Christus am Kreuz für sie alle starb.

„...und abgebrochen hat die Zwischenwand der Umzäunung“. Gott hatte durch das zeremonielle Gesetz eine Scheidewand zwischen Seinem irdischen Volk Israel und den unbeschnittenen Heiden aufgerichtet. Aber unser Herr Jesus Christus hat nun durch Seinen Tod diese Zwischenwand der Umzäunung abgebrochen (vgl. Apg 10,28).

Zu eins gemacht

Vers 15: „...nachdem er in seinem Fleische die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, weggetan hatte, damit er die zwei, Frieden stiftend, in sich selbst zu einem neuen Menschen schüfe“

Es ist sehr wichtig zu erkennen, was hier gemeint ist, nämlich, dass Christus, Der Sich Selbst für uns dahingegeben und unsere Sünden an seinem Leibe am Kreuz getragen hat, die Feindschaft, d.i. das Gesetz der Gebote in Satzungen, hinweggetan hat. Gott hatte den Juden das Gesetz und verschiedene Verordnungen gegeben, die sie von den übrigen Nationen trennten und absonderten. Doch der traurige Erfolg hiervon war nur, dass ihre Herzen mit Stolz, Vorurteilen und Feindschaft gegen die Heiden erfüllt wurden, die sich nicht rühmen konnten, ein Gesetz von Gott empfangen zu haben.

„Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buche des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!“ (Gal 3,10) Doch die Juden, die sich weit über die Nationen erhaben dünken, weil sie das auserwählte Volk sind, und weil Gott ihnen das Gesetz mit seinen mannigfaltigen Satzungen gegeben hat, verstehen nicht‚ dass sie selbst unter diesem Fluche sind, weil sie das Gesetz gebrochen haben. Aber unser Herr Jesus, der Sohn Gottes, wurde ein Fluch Gottes, indem Er an unserer Statt am Kreuz starb; denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jeder, der am Holz hängt!“ (Gal 3,13) Durch Seinen Tod, und indem Er unser Gericht getragen hat, tat Er in Seinem Fleische das Gesetz der Gebote in Satzungen hinweg.

Jeder Sünder, der Christus als seinen Heiland annimmt, wird eins mit Ihm. Gott betrachtet ihn dann als mit Christus gestorben und mit Ihm auferweckt. So wird insbesondere der Jude, der vor seinem Glauben an  Christum unter der Herrschaft und dem Fluche des Gesetzes war, durch den Glauben an Christum völlig davon befreit, weil Christus ihn von dem Fluche des Gesetzes erlöst hat: Er ist nicht länger mehr dem Gesetz unterworfen, d.h. das Gesetz der Gebote und Satzungen hat keine Herrschaft, keinen Anspruch mehr über ihn. „... auf dass er die zwei, Frieden stiftend, in sich selbst zu einem neuen Menschen schüfe“. Gott, der Sohn, der im Anfang war – das Wort (Logos), das alles machte, und ohne welches auch nicht eines ward, das geworden ist, – Er schuf den ersten Menschen aus dem Staub der Erde und blies Seinen Odem des Lebens in Seine Nase und setzte ihn über die Werke Seiner Hände. Doch infolge seines Ungehorsams verlor der Mensch diese Vorrechte. Nun aber hat der Herr Jesus in Sich Selbst einen neuen Menschen geschaffen. Alle, die an Ihn glauben aus Juden und Heiden, hat Er zu einem neuen Menschen geschaffen, d.h. die Versammlung, welche Sein Leib ist, und von welcher Er das verherrlichte Haupt ist.

Wir sollten nicht vergessen, dass dies eine völlig neue Stellung ist, die weder die „Fernen“ Nationen noch die verhältnismäßig „nahen“ Juden je besaßen. Jetzt aber sind beide infolge ihres Glaubens an Christum Teilhaber dieser Segnung geworden, einer Segnung, die sie früher niemals erreichen konnten.

Der Herr Jesus Selbst hatte vor Seinem Kreuzestod noch Seinen Jüngern geboten, sich von den Nationen getrennt zu halten und nicht in eine Stadt Samarias zu gehen (Mt 10,5. 6). Ebenso hatte Er auch der Syro-Phönizierin angedeutet, dass Er nicht gesandt sei als nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Denn diese Frau war zu Ihm gekommen, indem sie Seine Verheißungen als „Sohn Davids“ in Anspruch nehmen wollte. Er antwortete ihr öffentlich, dass sie kein Teil an diesen Verheißungen habe. Würde sie Ihn als „Sohn Gottes“ angeredet haben, so hätte Er sicherlich nicht gezögert, ihrem Verlangen nachzukommen; aber „Sohn Davids“ war Er nur für Israel, nicht für die Nationen.

Wie schön war die Haltung dieser Frau, als sie ihre wahre Stellung als nicht zu Israel gehörend erkannte und antwortete: „Ja, Herr; und doch fressen die Hunde von den Brotkrumen, die von dem Tisch ihrer Herren fallen“. Sie bekannte damit, dass sie als Heidin keinen Anspruch auf jene Verheißungen hatte. Nun aber wurden durch die Gnade, die in Christo Jesu ist, die reichen göttlichen Segnungen über sie ausgeschüttet: „O Frau, dein Glaube ist groß; dir geschehe wie du willst“ (Mt 15,27. 28).

Noch ein Heide kam zu dem Herrn, der Hauptmann in Mt 8,5–15; beide riefen durch ihren Glauben die Verwunderung des Herrn hierüber hervor.

Dieser Brief zeigt uns zuerst, dass die Nationen weit von Gott und Seinem irdischen Volke entfernt waren; aber er zeigt uns auch, dass das Kreuz Christi alle diese Unterschiede aufgehoben hat. Nichtsdestoweniger offenbart das Kreuz Christi, dass die Juden in Anbetracht ihrer Vorrechte mehr schuldig waren als die Nationen, weil sie ihren Messias und König verworfen und gekreuzigt haben. Insbesondere waren es die Hohenpriester und die Führer des Volkes, die am blutdürstigsten die Kreuzigung des Herrn Jesu verlangten. Keine Herzenshärtigkeit ist so groß wie die eines ungeretteten, aber religiösen Menschen.

Der Herr Jesus hat – Ihm sei Dank dafür! – in Seinem Fleische die Feindschaft hinweggetan, „auf dass er die zwei, Frieden stiftend, in sich selbst zu einem neuen Menschen schüfe“. Durch Seinen Tod hat Er einen zweifachen Frieden gemacht: Frieden zwischen dem Menschen und Gott, und Frieden zwischen den Gläubigen aus Juden und Heiden, die bis dahin durch die Zwischenwand der Umzäunung voneinander getrennt waren.

Mit Gott versöhnt

Vers 16: „ ... und die beiden in einem Leib mit Gott versöhnte durch das Kreuz, nachdem er durch dieses die Feindschaft getötet hatte“

Das Kreuz Christi ist das einzige, vollkommene und göttliche Heilmittel für den elenden Zustand des Menschen; denn die Sünde trennt den Menschen nicht nur von Gott, sondern auch von seinen Mitmenschen. Wenn die erste Sünde, in die der Mensch fiel, die Trennung von Gott und die Feindschaft gegen den Allmächtigen zur Folge hatte, so zeigt uns die zweite Sünde, die in der Heiligen Schrift berichtet wird, die Trennung des Menschen von seinen Mitmenschen und einen Zustand von Wut und Feindschaft gegen ihn. Kain erhob sich wider seinen Bruder Abel und erschlug ihn.

Der Mensch hatte also nötig, zuerst mit Gott, dann aber auch mit seinen Mitmenschen versöhnt zu werden. Der Herr Jesus Christus ist der Einzige, der uns durch Sein Kreuz mit Gott und den Menschen versöhnen kann. Christus hat durch das Kreuz die Feindschaft getötet, indem Er unseren Platz im Gericht für unsere Schuld eingenommen hat.

Gerade durch das Kreuz Christi ist die Liebe Gottes gegen uns, die Feinde Gottes offenbart worden. „Alles aber von dem Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch  Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat: nämlich dass Gott in Christus war, die Welt mit sich selbst versöhnend, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnend, und er hat in uns das Wort der Versöhnung niedergelegt“ (2. Kor 5,18–19). „Denn es war das Wohlgefallen der ganzen Fülle, in ihm zu wohnen, und durch ihn alle Dinge mit sich zu versöhnen, – indem er Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes, – durch ihn, es seien die Dinge auf der Erde oder die Dinge in den Himmeln. Und euch, die ihr einst entfremdet und Feinde wart nach der Gesinnung in den bösen Werken, hat er aber nun versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod, um euch heilig und untadelig und unsträflich vor sich hinzustellen“ (Kol 1,19–22).

Christus hat das verwirklicht, wonach die Seele Hiobs so sehnlich verlangte, und was sie nicht finden konnte – einen „Schiedsmann, dass er seine Hand auf uns beide legte“ (Hiob 9,33).

Frieden verkündigt

Vers 17: „Und er kam und verkündigte Frieden, euch, den Fernen, und Frieden den Nahen“

Jesus Christus, unser Herr, kam Selbst auf diese Erde und verkündigte Frieden. Heute ist jedoch die Reichweite dieser Seiner Verkündigung viel größer als in den Tagen Seines Fleisches; denn Er verkündigt heute im Evangelium den Frieden für Juden und Heiden „durch den vom Himmel gesandten Heiligen Geist“ (1. Pet 1,12).

Der Herr hatte vor Seiner Himmelfahrt Seinen Jüngern verheißen, dass Er ihnen den Heiligen Geist senden würde, und ihnen befohlen, in die ganze Welt zu gehen und das Evangelium der ganzen Schöpfung zu predigen (Mk 16,15). Ihre Predigt sollte nicht auf die verlorenen Schafe des Hauses Israel beschränkt bleiben, sondern sollte sich an jede Nation auf der Erde richten. Er kam und verkündigte Frieden, euch, den Fernen, d.h. den Sündern aus den Nationen, die in völliger Finsternis und Unwissenheit gefangen lagen, und euch, den Nahen, d.h. den Juden, denen das Wort Gottes gegeben worden war, bei denen sich das Licht der Erkenntnis Gottes befand – ein Licht, von dem die Nationen nichts kannten. Sie beide hatten Teil an dem allerschrecklichsten Verbrechen der Kreuzigung des Herrn der Herrlichkeit. Aber Er hat in Seiner überströmenden Liebe beiden Frieden verkündigt, den Fernen und den Nahen.

Zugang durch den Geist

Vers 18: „Denn durch ihn haben wir beide den Zugang durch einen Geist zu dem Vater“

Alle Ratschlüsse Gottes in bezug auf die Gemeinschaft Seiner Kinder sind in der hochgelobten Person Christi und in Seinem am Kreuz vollbrachten Werk begründet. Oh, wie viel Ursache haben wir, Ihn zu preisen! Denn nur durch Ihn allein haben nun alle Gläubigen aus Juden und Nationen den Zugang zu dem Vater durch den Geist.

Unter dem ersten Bund gab es keinen direkten Zugang und kein Nahen des Menschen zu Gott, denn der Vorhang, der noch nicht zerrissen war, war eine göttliche Andeutung, dass der Weg ins Allerheiligste noch nicht gebahnt war. Gott war zu jener Zeit ein Gott, der Sich verborgen hält (Jes 45,15). Als Gott dem Mose gebot, zu Ihm heraufzusteigen mit Aaron und seinen Söhnen und siebenzig von den Altesten Israels, sagte Er zu ihnen: „Betet an von fern“ (2. Mose 24,1). Dies war deshalb so, weil Gott die Frage der Sünde noch nicht in vollkommener Weise geregelt hatte, wie Er es jetzt in dem Tod unseres Herrn Jesus Christus getan hat. Jetzt aber haben wir alle den Zugang durch einen Geist zu dem Vater. Gott hat all denen, die an Seinen Sohn glauben, den Heiligen Geist gegeben; „denn auch in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden“. (1. Kor 12,13). Da, wo das Gesetz vor alters einen Unterschied machte zwischen Juden und Heiden, hat der Herr Jesus Christus durch Sein Kreuz alle Unterschiede ausgelöscht; und der Heilige Geist, der am Pfingsttag hernieder gesandt worden ist, hat alle Gläubigen in eins versammelt, und sie zu Gliedern des einen Leibes gemacht. „Denn es ist  kein Unterschied...“. (Röm 3,22).

Wie kostbar sind die Vorrechte des wahren Christen! Denn es ist ihm die große Ehre zuteil geworden, dem Vater zu nahen durch das Werk und die Leitung des in ihm wohnenden Heiligen Geistes. Es ist der Heilige Geist, der uns die Gewissheit gegeben hat, Söhne Gottes, des Vaters, zu sein (Röm 8,15. 16). Er leitet uns auch, dem Vater zu nahen auf Grund des Werkes unseres Herrn Jesus Christus. Möchten wir doch diese große Segnung nicht vernachlässigen, die Segnung, Zugang zu haben zu dem Vater in der Kraft des Heiligen Geistes und aufgrund des vollbrachten Werkes Jesus Christus am Kreuz!

Mitbürger der Heiligen

Vers 19: „Also seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und ohne Bürgerrecht, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes,“

In unseren vorausgegangenen Betrachtungen über diesen Brief hatten wir gesehen, dass der Apostel, wenn er die Gläubigen aus den Nationen ansprach, „ihr“ sagte; wenn er sich aber an die Gläubigen aus den Juden richtete, „wir“ sagte; denn der Apostel Paulus war selbst von den Gläubigen aus den Juden, deshalb sagte er: „die wir zuvor auf den Christus gehofft haben“ (Kap. 1, 12). Zu den Gläubigen aus den Nationen dagegen hatte er gesagt: „indem auch ihr, nachdem  ihr  gehört habt das Wort der Wahrheit“ (Kap. 1, 13).

Wenn er nun hier die Gläubigen aus den Nationen anredet, sagt er: „Also seid ihr...“ (V, 12), ihr wart früher „Fremdlinge betreffs der Bündnisse der Verheißung“ (V.12). Ihr gehörtet nicht zu dem Volke Gottes vor alters, sondern wart dem Bürgerrecht Israels „entfremdet“.

Israel hatte in seiner Verantwortlichkeit versagt und wurde zu „Lo-Ammi“, d.h. „nicht mein Volk“ (Hos 1,9; 1. Pet 2,10). Aber Gott hat aus ihnen einen Überrest nach Wahl der Gnade berufen (Röm 11,5), der aus denen besteht, die an den Herrn Jesum Christum glauben. Sie wurden nun zu lebendigen Steinen im Hause Gottes. Gleicherweise treten auch die Gläubigen aus den Nationen durch die Gnade Gottes in dieselbe Stellung ein, damit sie hinfort „nicht mehr Fremdlinge und ohne Bürgerrecht“ sind, sondern „Mitbürger der Heiligen“.

Nun bezieht sich das Wort „Heilige“ hier nicht auf Israel nach dem Fleisch, sondern auf jene Israeliten, die an den Herrn Jesum Christum geglaubt hatten. Wenn hier also von „Mitbürgern der Heiligen“ gesprochen wird, so bedeutet dies, dass die Gläubigen aus den Nationen, die an den Herrn Jesum glauben und somit durch den Heiligen Geist mit Ihm verbunden sind, zu Mitbürgern mit ihren Brüdern aus den Juden geworden sind, die gleichfalls an den Herrn Jesus Christus glauben. Der Herr Jesus hatte selbst auf diese Wahrheit hingedeutet, als Er sagte; „Und ich habe andere Schafe, die nicht aus diesem Hof sind; auch diese muss ich bringen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde, ein Hirte sein“ (Joh 10,16).

Das Wort „Heiliger“ bezeichnet einen Menschen, der für Gott abgesondert und geweiht ist. Hier ist nicht in erster Linie von der erfahrungsmäßigen und praktischen Seite die Rede, obgleich auch diese von größter Wichtigkeit ist. Viele stellen sich unter „Heilige“ Leute vor, welche die höchste Stufe der Vollkommenheit in Heiligkeit erreicht haben. Aber das ist natürlich eine völlig falsche Auffassung. Jede Person, die ihr Vertrauen auf den Herrn Jesum Christum und die Vollgültigkeit Seines Werkes am Kreuz setzt, wird ein Eigentum Gottes und des Herrn Jesum Christum und wird auf diese Weise ein Heiliger vor Ihm. Während jeder Christ von Gott dazu berufen ist, ein Leben praktischer Heiligkeit zu leben, wird er nicht dadurch ein Heiliger, dass er ein heiliges Leben führt, sondern weil Gott uns zu Heiligen und zu solchen gemacht hat, die da tadellos vor Ihm sind durch das Opfer Jesu Christi (Heb 10,10–14). Doch es ist nun auch unsere ernste Pflicht, der geschenkten Stellung praktisch zu entsprechen und ein heiliges Leben zu führen.

Hausgenossen Gottes

„Ihr seid... Hausgenossen Gottes“. Wie wunderbar ist dies! Wir sind nicht nur Mitbürger der Heiligen, sondern wir sind auch Glieder der himmlischen Familie geworden. So wie wir als Glieder Seines Leibes mit Christum vereinigt worden sind, so sind wir auch von Gott, dem Vater, als vielgeliebte Kinder angenommen und somit in eine Stellung versetzt worden, die herrlicher ist, als die der Engel. Wir lesen nirgends im Wort Gottes, dass die Engel „Hausgenossen Gottes“ wären. Wohl werden sie „Söhne Gottes“ genannt, weil sie Seine Geschöpfe sind (Hiob 38,7). Aber sie sind, nicht Hausgenossen Gottes, vielmehr sind sie Diener  in diesem Haus. „Sind sie nicht alle dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die die Errettung erben sollen?“ (Heb 1,14).

Wie groß war doch der Preis, den Gott gezahlt hat, um uns zu Seinen Hausgenossen zu machen, um uns in Seine ewige Herrlichkeit zu bringen! „Denn es geziemte ihm (Gott), um dessentwillen alle Dinge und durch den alle Dinge sind, indem er viele Söhne zur Herrlichkeit brachte, den Urheber ihrer Errettung (Christus) durch Leiden vollkommen zu machen“ (Heb 2,10).

Daher sollten wir niemals vergessen, dass jedes Vorrecht uns die Verpflichtung auferlegt, so zu leben, wie es diesem Vorrecht entspricht. Wenn wir nun Hausgenossen Gottes sind, sollten wir niemals vergessen, dass geschrieben steht: „Deinem Haus geziemt Heiligkeit, Jehova, auf immerdar“ (Ps 93,5) und „Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so lasst uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes, indem wir die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes“ (2. Kor 7,1).

Die Grundlage

Vers 20: „... aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, indem Christus Jesus  selbst Eckstein ist“

Der Heilige Geist zeigt uns hier eine weitere, gesegnete Beziehung zwischen Christus und der Versammlung. In dem 1. Kapitel hatten wir bereits diese Beziehung in dem Bild eines „Leibes“ gesehen, von welchem die wahren Gläubigen Glieder, Christus aber das auferstandene und verherrlichte Haupt im Himmel ist. Hier wird nun die gleiche Verbindung in dem Bild eines Gebäudes dargestellt – alle wahren gläubigen sind lebendige Steine in diesem Gebäude, unser Herr Jesus Christus ist der „Eckstein“ desselben. Die Grundlage dieses Baues ist die Predigt der Apostel und Propheten. Wir verstehen sicherlich, dass „... aufgebaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten“ nicht bedeutet, dass diese in sich selbst die Grundlage bilden. Es ist völlig klar, dass „unser Herr Jesus Christus“ allein diese Grundlage ist. „Denn einen anderen Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“ (1. Kor 3,11). Er ist sowohl Grundlage als auch Eckstein.

Lasst uns auch beachten, dass die hier erwähnten Propheten nicht Propheten des Alten Testaments sind. Wohl ist es wahr, dass der Geist Christi in diesen war und in herrlichen Zeugnissen auf Seine gesegnete Person hinwies. Denken wir nur an den Propheten Jesaja, der über die Person Christi geweissagt hat, indem er von Seiner Geburt durch eine Jungfrau und von Seinem Leben voll einzigartiger Erniedrigung redete, welches Er hier in dieser Welt leben sollte. Wie wunderbar schrieb Jesaja über die Leiden und den Sühnungstod Christi (in Kapitel 53)! Wir finden Ähnliches auch in den Prophezeiungen Jeremias, Sacharjas, Michas und anderer, „die von der Gnade gegen euch geweissagt haben, forschend, auf welche oder welcherart Zeit der Geist Christi, der in ihnen war, hindeutete, als er von den Leiden, die auf Christus kommen sollten, und von den Herrlichkeiten danach zuvor zeugte“ (1. Pet 1,11).

Doch Gott baute Seine Versammlung nicht auf eine alttestamentliche Grundlage, sondern auf der neuen und herrlichen Grundlage eines auferstandenen und verherrlichten Christus. Es wird bezüglich des Geheimnisses Christi deutlich gesagt, dass es „in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden ist, wie es jetzt offenbart worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten im Geist“ (Eph 3,5). Gleicherweise ist von der Zeit nach Seiner Himmelfahrt gesagt: „Und er hat die einen gegeben als Apostel und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer“ (Eph 4,11). Aus all diesem geht klar hervor, dass die hier erwähnten Propheten die Propheten des Neuen Testamentes sind; denn einige Schreiber der Bücher des Neuen Testamentes, z.B. Markus und Lukas und andere, waren nicht Apostel, wohl aber Propheten. Christus beauftragte sie und die Apostel im Anfang damit, die Grundlage zu legen, indem sie Christus vorstellten in der Predigt des herrlichen Evangeliums.

Der Eckstein

„Indem Christus Jesus selbst Eckstein ist.“ Hier haben wir die fundamentale und wichtige Wahrheit; denn wenn der Herr einige als Apostel und andere als Propheten gab und sie dazu benutzte, durch die Verkündigung Seines Evangeliums die Versammlung zu gründen, wenn wir auch jetzt ihre göttlich inspirierten Schriften besitzen, für die wir Gott danken, so sind sie nichtsdestoweniger Menschen, die nicht in dieser Welt bleiben konnten. Aber unser Herr Jesus Christus ist Selbst der Eckstein, der durch den ganzen Bau hindurchgeht, von Anfang bis zu Ende. „Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit.“ (Heb 13,8)

Der Herr Jesus deutete auf die Wahrheit hin, als Er Seine Jünger fragte: „Ihr aber, wer sagt ihr, dass ich sei?“ Petrus antwortete: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Dann sagte der Herr zu ihm: „Glückselig bist du, Simon, Bar Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht offenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist. Aber auch ich sage dir, dass du bist Petrus; und auf diesen Felsen will ich meine Versammlung bauen, und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen.“ (Mt 16,16–18). Es besteht kein Zweifel darüber, wer mit dem „Felsen“ gemeint ist, auf welchen Er Seine Versammlung bauen würde; es ist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Dies ist die gesegnete, wichtige Wahrheit, die Petrus vom Herrn lernte, und auf die er später in seinem ersten Brief mit Nachdruck zurückkommt, wenn er von Christus sagt, dass Er der lebendige Stein, der von Gott auserwählte kostbare Eckstein (Kap. 2, 4. 6), und das „Haupt der Ecke“ (V.7, Fußnote) ist. Der Herr Selbst nahm in Seiner Unterredung mit den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes in Mt 21 bezug auf die gleiche Wahrheit, dass Er der Stein sei, der von den Bauleuten verworfen – zum Eckstein würde, indem Er die Stelle aus Ps 118,22.23 zitierte (vergl.  auch die Prophezeiungen auf Ihn in Jes 28,16; Sach 4,7).

Ein Tempel Gottes

Vers 21: „In welchem der ganze Bau, wohl zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn“

Wie wunderbar, dass wir hier die göttliche, unerschütterliche und sichere Garantie für die Wohlfahrt dieses Heiligen Baues finden! Jeder Gläubige ist als ein lebendiger Stein in diesen Bau eingefügt und befestigt, in dem Jesus Christus Selbst der Eckstein und Der ist, in welchem der ganze Bau wohl zusammengefügt ist.

Dieses Gebäude wächst nun zu einem heiligen Tempel im Herrn. Das Wort „wächst“, als ein noch andauernder Prozess, zeigt uns an, dass dieser Tempel im Herrn noch nicht vollendet ist. Wenn er aber vollendet sein wird, wie herrlich wird dann diese Wohnstätte Gottes und unseres Herrn Jesus Christus durch alle noch kommenden Zeitalter hindurch sein!

Wenn wir über diese gesegnete Wahrheit nachdenken, dass wir zu lebendigen Steinen in diesem göttlichen Bau, diesem heiligen Tempel im Herrn geworden sind, führt es uns nicht auch dahin, die unbedingte Notwendigkeit zu erkennen, dass wir nun ein heiliges Leben der Hingabe, ja, ein reines und Christus geweihtes Leben führen sollten?

In 1. Kor 3,16 zeigt der Apostel Paulus, dass die Gläubigen der Tempel Gottes sind: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ In seinem zweiten an die Korinther gerichteten Brief sagt er: „und welchen Zusammenhang hat der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Denn ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein“. (2. Kor 6,16). Das ist die Ursache, warum Paulus sie in den folgenden Versen drängt; „Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt Unreines nicht an, und ich werde euch aufnehmen; und ich werde euch zum Vater sein, und ihr werdet mir zu Söhnen und Töchtern sein, spricht der Herr, der Allmächtige. Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so lasst uns uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes, indem wir die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes“ (2. Kor 6,167,1).

Oh, dass wir doch diese herrlichen und gesegneten Vorrechte verwirklichen und dahin geführt werden möchten, ein Leben innerer Absonderung des Herzens von alle dem zu führen, was nicht von Christo und nicht zu Seiner Verherrlichung ist!      

Eine Behausung Gottes

Vers 22: „...indem auch ihr mitaufgebaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist

Wie kostbar war einst dem Herrn Seine Wohnstätte auf dieser Erde in Jerusalem! Der Tempel - obwohl ein herrliches Vorbild von Christus – war nur aus stofflichen und zeitlichen Dingen erbaut.

Jetzt aber in der gegenwärtigen Haushaltung der Gnade, wohnt Gott auf der Erde in Seiner Allgenügsamkeit und Herrlichkeit und in Seinem überströmenden, bleibenden Segen durch den Heiligen Geist, der in allen wahren Gläubigen Wohnung genommen hat. Das Werk des Heiligen Geistes ist nun, die Kinder Gottes  zu sammeln und sie zu einer Behausung Gottes zu machen. Der Heilige Geist wohnt in der Versammlung und macht sie so zu einem Tempel Gottes. Er  wohnt auch in jedem Gläubigen persönlich – auch dies ist eine sehr kostbare und gesegnete Wahrheit; wovon jedoch hier die Rede ist, ist die Tatsache, dass Er korporativ in den Gläubigen als der Versammlung Christi wohnt und sie somit zu „einer Behausung Gottes“ macht.

Welch eine wunderbare Tatsache ist dies! Gott erwartet nun von uns, dass wir auch in dem Lichte dieser Wahrheit wandeln mit der Heiligkeit, die dieser Wahrheit geziemt.

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