Ährenlese im Alten Testament (1.Samuel)

Kapitel 21 - 31

Ährenlese im Alten Testament (1.Samuel)

1. Samuel 21,1–15

Das unstete Leben Davids beginnt. Er begibt sich nach Nob, zu Ahimelech, dem Priester.

Der Herr erinnert die Juden später an diese Szene, um ihnen zu beweisen, dass alles (auch das Gesetz) ihrem Messias, von dem David ein Vorbild ist, unterworfen sein muss (Markus 2,25.26).

Lasst uns, bevor wir Schwierigkeiten entgegentreten, bevor wir irgend etwas unternehmen, zu Jesus, unserem Hohenpriester, gehen. Bitten wir Ihn, wie David, um Nahrung und um das Schwert. Sein Wort enthält für uns beides.

Doch was müssen wir jetzt aus dem Mund Davids hören? Eine Lüge (Vers 2)! Dann begeht er einen weiteren Fehler, indem er bei den Feinden Israels Zuflucht sucht und vor Achis, dem König von Gath, den Geisteskranken spielt. Welch trauriges Bild! Ist er nicht der Gesalbte Jehovas, der Besieger Goliaths, zu anderen Zeiten ein Vorbild des Herrn Jesus?

Wie traurig ist es auch, wenn ein Christ vergisst, dass er Christus darstellen soll, und sich vor der Welt wie ein Unverständiger benimmt!

Aber es ist tröstlich, durch die Oberschrift von Psalm 34 zu vernehmen, dass David, als er nach seiner Verfehlung wiederhergestellt war, vom Geist geleitet dieses bemerkenswerte Lied verfassen konnte: „Jehova will ich preisen allezeit...“ (Psalm 34,1).

1. Samuel 22,1–10

Die Höhle Adullam wird der Zufluchtsort Davids. Aber in Wirklichkeit ist Jehova seine Zuflucht, wie ein Psalm, den er in dieser Höhle gedichtet hat, bestätigt: „Du bist meine Zuflucht“ (Psalm 142,5 – siehe auch Psalm 57,1). Er fügt hinzu: „Die Gerechten werden mich umringen, wenn du mir wohlgetan hast“ (Vers 7). Die Gerechten? Kann es sich um die im 2. Vers genannten Männer handeln, diese scheinbar so wenig rühmlichen, verdächtigen, vogelfreien, von der Gesellschaft ausgestoßenen? Ja, Gott nennt die Gerechte, die seinen Gesalbten lieben und ihn als Führer anerkennen. Von dem Augenblick an, da sie zu David gekommen sind, ist von ihrer traurigen Vergangenheit nicht mehr die Rede.

So haben die, welche sich heute um den Herrn Jesus versammeln, ihr moralisches Elend, ihre ungeheure Schuld gegenüber Gott, die Bitterkeit ihrer Seele (Vers 2) gegen seine Gerechtigkeit eingetauscht. Von dem Augenblick an, wo sie einsehen, dass sie nichts mehr taugen, dass die Welt sie nicht befriedigen kann, finden sie in Ihm einen Führer und einen Gegenstand für ihre Zuneigungen.

Was konnte David diesen Begleitern bieten? Für die Gegenwart nichts als Leiden! In der Zukunft aber das Teilhaben an seiner königlichen Herrlichkeit. Das ist das Teil des Gläubigen! Welch ein Gegensatz zu den Menschen dieser Weit, die, wie die Knechte Sauls im 7. Vers, alle ihre Vorteile und ihre Güter im jetzigen Leben empfangen!

1. Samuel 22,11–23

Während David, der zukünftige König, mit seinen Getreuen umherirrt und geächtet ist, schmiedet Saul verbrecherische Pläne gegen ihn. Gleichzeitig treibt ihn seine Eifersucht dazu, die Priester Jehovas zu ermorden. Und was er gegen Amalek, den Feind des Volkes, nicht ausgeführt hat, indem er Agag und das Vieh verschonte, fürchtet er sich nun nicht in bezug auf die Stadt Nob zu tun, die er durch die Schärfe des Schwertes gänzlich ausrottet. Um seine Rache auszuführen, gebraucht Saul den Verräter selbst, Doeg, einen Edomiter, ein schreckliches Vorbild des Antichristen, der sich in einer noch zukünftigen Zeit gegen den Herrn und gegen Israel erheben wird (siehe Psalm 52, Überschrift).

Betrachten wir jetzt im Gegensatz dazu ein Bild voller Gnade: Abjathar schließt sich dem Gesalbten Jehovas an. „Bleibe bei mir“ – fordert ihn dieser auf – „wer nach meiner Seele trachtet, trachtet nach deiner Seele.“

„Wenn die Welt euch hasst, so wisset, dass sie mich vor euch gehasst hat“ – ruft Jesus seinen Jüngern in Erinnerung – „wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen“ (Johannes 15,18.20). Ist diese Verfolgung, dieser Hass der Welt ein Gegenstand der Furcht für unsere Herzen? Dann lasst uns, wie aus seinem Mund, diese kostbare Verheißung hören, die nie widerrufen wurde: „Bei mir bist du wohlbewahrt“ (Vers 23)!

1. Samuel 23,1–13

Als David vom Angriff der Philister gegen Kehila hörte, hätte er sich sagen können: „Es ist die Sache Sauls, das Land zu beschützen.“ Aber nein! Trotz der Gefahr, kommt der, welcher einst seine Schafe aus den Klauen des Löwen und des Bären gerettet hatte, dieser bedrohten Stadt zu Hilfe. David handelt somit wie der wahre König. Doch unterlässt er es nicht, zuerst Gott nach seinen Gedanken zu fragen (Vers 2). Vergessen wir das nie, selbst wenn wir etwas unternehmen, was uns gut zu sein scheint. Das ist Abhängigkeit vom Herrn.

Die Männer Davids sind voller Furcht. Sie erinnern uns an die Jünger des Herrn, die „sich entsetzten und, indem sie nachfolgten, sich fürchteten“ (Markus 10,32).

Um seine Leute zu ermutigen, befragt David Jehova noch einmal und bekommt eine noch genauere Antwort. Und tatsächlich wird der Sieg errungen. Aber wie traurig! David weiß: Die, welche er befreit hat, sind imstande, ihn ohne Zögern Saul auszuliefern; er traut ihnen nicht. War es beim Herrn nicht ebenso? Er war gekommen, sein Volk zu befreien; „aber er vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte..., denn er selbst wusste, was in dem Menschen war“ (Johannes 2,24.25). Er kennt auch unsere Herzen.

1. Samuel 23,14–28

Verblendet und verhärtet hatte Saul im 7. Vers von David zu sagen gewagt: „Gott hat ihn verworfen und in meine Hand überliefert.“ Der 14. Vers stellt, mit einer gewissen Ironie, die Wahrheit wieder her: „Aber Gott gab ihn nicht in seine Hand.“ Und doch muss der „Geliebte“, der König „nach dem Herzen Gottes“, die Bitterkeit und die Ungerechtigkeit seiner Lage außerhalb der Gesellschaft erfahren. Er muss die ganze menschliche Bosheit kennen lernen, die sich gegen ihn richtet: Hass, Eifersucht, Undank, ja, selbst Verrat. Erinnern uns diese Siphiter nicht an Judas, der seinen Meister verriet? Ja, Jesus, der verworfene König, hat, noch mehr als David, diese Flut des Bösen gegen sich erfahren, diesen „so großen Widerspruch von den Sündern“ (Hebräer 12,3). Sein so unendlich empfindsames Herz hat aufs tiefste darunter gelitten.

Was David durchgemacht hat, können wir aus gewissen Psalmen, die er in der Wüste Juda gedichtet hat, erkennen (Psalm 54; 63 usw.). Der Besuch Jonathans ermutigt ihn und richtet seine Gedanken auf die Zukunft. Aber der treue Freund selbst „ging nach seinem Hause“ (vergleiche Johannes 7,53), während David, das Vorbild eines Größeren als er, mit denen, die alles verlassen haben, um ihm nachzufolgen, seinen Weg der Verwerfung weitergeht.

1. Samuel 24,1–23

David und seine Begleiter haben in anderen Höhlen Schutz gefunden: auf den Bergfesten von Engedi. Hebräer 11,38 redet von diesen Männern des Glaubens, „deren die Welt nicht wert war, die umherirrten in Wüsten und Gebirgen und Klüften und den Höhlen der Erde.“ Und nun sehen wir, wie Saul, noch Drohung und Mord schnaubend (wie sein Namensvetter in Apostelgeschichte 9,1), auf seiner Verfolgungsjagd zufälligerweise in die Höhle hineingeht, in der sich David versteckt hält. Das ist die Hand Gottes, denken sogleich seine Männer: Jehova gibt dir eine Gelegenheit, deinen Feind zu beseitigen und seinen Platz auf dem Thron einzunehmen. Aber David tut es nicht. Er ehrt „den Gesalbten Jehovas“, trotz dessen Bosheit (1. Petrus 2,17). Er verwirklicht auch die Ermahnung von Römer 12,19: „Rächet nicht euch selbst, Geliebte.“ Die Würde und die Sanftmut Davids erinnern uns an den, der sich nicht selbst an seinen Feinden gerächt hat, sondern im Gegenteil für sie betete: „Vater, vergib ihnen“ (Lukas 23,34).

Beschämt (Psalm 35,4) und scheinbar gedemütigt, muss Saul die Rechte Davids an das Königtum Israels anerkennen. Die Feinde Christi werden selbst einmal bekennen müssen, dass Er „Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters“ (Philipper 2,11; siehe auch Jesaja 49,7).

1. Samuel 25,1–17

Samuel stirbt und mit seinem Tod hören auch die Gebete auf, die er treu zugunsten des Volkes emporsteigen ließ (Kapitel 12,23). Mose und er sind zwei große Beispiele für die Fürbitte (Jeremia 15,1). Es ist immer ernst, wenn Gott einen Mann oder eine Frau des Gebets wegnimmt, wenn eine Stimme verstummt, nachdem sie vielleicht viel für uns gebetet hat. Die Stimme des Herrn jedoch wird nie schweigen. „Er lebt immerdar, um sich für uns zu verwenden“ (Hebräer 7,25).

David, der wahre König, der Retter Israels, ist hier in der Mitte seines Volkes als ein treuer Hirte. Er hat über die Herden des reichen Nabal so sorgfältig gewacht, wie einst über seine eigenen Schafe. Nun sendet er seine Knaben zu ihm mit einem Wort des Friedens für das Haus dieses Mannes (Vers 6; vergleiche Lukas 10,5). Aber Nabal kennt David nicht und verachtet ihn (Vers 10). Er gleicht den Pharisäern, die von Jesus sagten: „Von diesem aber wissen wir nicht, woher er ist“ (Johannes 9,29). Er verwirft sowohl den wahren König als auch seine Boten. Und das ist es, was der Herr auch seinen Jüngern angekündigt hat: „Wer euch hört, hört mich; und wer euch verwirft, verwirft mich“ (Lukas 10,16).

1. Samuel 25,18–31

„Sie vergelten mir Böses für Gutes“, sagt David in Psalm 35,12. Das hat Nabal getan. Das hatte schon Saul getan, wie er selbst im vorangehenden Kapitel bekennen musste: „Du hast mir Gutes erzeigt, ich aber habe dir Böses erzeigt“ (Kapitel 24,18). Aber dieses Mal will David nicht Gutes für Böses vergelten. In einem Zornausbruch gürtet der beleidigte Führer sein Schwert, um Rache zu üben. Er gleicht nicht mehr seinem vollkommenen Vorbild, „der, gescholten, nicht wiederschalt, leidend, nicht drohte, sondern sich dem übergab, der recht richtet“ (1. Petrus 2,23).

In dem Haus Nabals wohnten Weisheit und Torheit nebeneinander. Die Torheit hatte sich durch den Mund des ungläubigen Nabal geoffenbart (sein Name bedeutet: Tor). Jetzt ist es die Weisheit, die durch die gottesfürchtige Abigail, eine Frau von guter Einsicht (Vers 3), eingreift. Mit ihren Geschenken macht sie sich auf, um dem zu begegnen, den sie als den Gesalbten Jehovas anerkennt. Sie wirft sich ihm zu Füssen, bekennt ihre Unwürdigkeit und rühmt seine gegenwärtigen und zukünftigen Herrlichkeiten, die ihr Glaube in dem „König nach dem Herzen Gottes“ erkennt. Wir stellen fest, dass Torheit und Unglaube zusammengehen, so wie die wahre Weisheit nicht vom Glauben zu trennen ist.

1. Samuel 25,32–44

Als Nabal ein Mahl feiert, „wie ein Königsmahl“ (nachdem er den wahren König abgewiesen und geschmäht hat), wird er von Gott selbst geschlagen. Wir verlieren nichts, wenn wir den Herrn an unserer Stelle handeln lassen.

Abigail, die Frau des Glaubens, hat sich durch ihre gute Einsicht, durch ihre Eile (Verse 18,23,42), ihre Demut und ihre Ergebenheit ausgezeichnet. „Wenn Jehova... dich zum Fürsten über Israel bestellen wird..., so gedenke deiner Magd“, hatte sie gebeten (Verse 30,31; vergleiche die Bitte des Übeltäters in Lukas 23,42).

Die Antwort übersteigt alle ihre Hoffnungen: David macht sie jetzt zu seiner Frau, und sie verlässt ohne Bedauern die Reichtümer der Erde, um in den Höhlen und Wüsten das Los des verworfenen Königs zu teilen. Vorher mit einem Toren verbunden, wird sie nun die glückliche Gefährtin des „Geliebten“; jetzt teilt sie seine Leiden, später seine Herrschaft. Welch schönes Bild der Versammlung, der Braut des Lammes, welche die Stellung ihres Herrn teilt: heute von der Welt verachtet und verworfen, wie Er es selbst ist, wird sie morgen mit Ihm in Herrlichkeit die Herrschaft antreten! „Wenn wir ausharren, so werden wir auch mitherrschen“, bestätigt 2. Timotheus 2,12 (siehe auch Römer 8,17).

1. Samuel 26,1–12

Die Selbstlosigkeit Davids im 24. Kapitel schien endlich das Herz Sauls gerührt zu haben. Leider war es keine echte Reue! Der gemeine Verrat der Siphiter, die sich beliebt machen wollen, veranlasst den König, erneut gegen den ins Feld zu ziehen, der eines Tages seinen Platz einnehmen muss. Der 54. Psalm, der bei dieser Gelegenheit geschrieben wurde, lässt uns ahnen, wie schmerzlich David diese schändliche Tat der Siphiter empfand. Er fleht zu Gott um Hilfe gegen die Gewalttätigen, die nach seinem Leben trachten; sie haben Gott nicht vor sich gestellt (Psalm 54,3), er aber ruft Ihn an, und als Antwort auf sein Gebet beschützt Gott seinen Gesalbten und bietet ihm eine neue Gelegenheit, die Lauterkeit seiner Absichten gegenüber Saul zu beweisen. Bei einer nächtlichen Expedition fällt ihm der Speer in die Hände, mit dem der verbrecherische König ihn zweimal durchbohren wollte. Ein Wort hätte genügt – Abisai wartete darauf. Aber noch einmal hält die Barmherzigkeit seinen Arm zurück.

Hat nicht unser vollkommenes Vorbild auch so gehandelt? (siehe z. B. Lukas 9,54.55). Er setzte in die Tat um, was Er zuvor seine Jünger gelehrt hatte: „Liebet eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen... Seid nun barmherzig... richtet nicht... verurteilt nicht“ (Lukas 6,27.36.37). Möchten wir diese Worte des Herrn Jesus vermehrt in Anwendung bringen!

1. Samuel 26,13–25

Es fällt uns vielleicht schwer, den Charakter Sauls zu verstehen. Wie lassen sich seine Reue, seine Versprechungen und seine Liebesbezeugungen mit der erneuten Erbitterung in Einklang bringen, mit der er David verfolgt, um ihn zu töten? Wir dürfen den Glauben nie mit Rührseligkeit verwechseln. Diese ist fähig, reichlich Tränen fließen zu lassen, ohne wahre Überzeugung zu wiederholen: „Ich habe gesündigt“ (Kapitel 15,30; 26,21), und sogar die feierlichsten Versprechungen zu machen. Aber das Gewissen ist nicht erreicht worden, was sich dadurch zeigt, dass die Früchte nicht dauerhaft sind. Saul ist ein oberflächlicher Mann, zu großen Gemütsbewegungen fähig, aber ohne Kraft, um seine guten Vorsätze auszuführen, weil er keinen Glauben hat.

Welche Würde bewahrt David, trotz seiner Demütigung! Er wird verfolgt, „wie man einem Rebhuhn nachjagt auf den Bergen“, und doch zeigt alles, dass er dennoch Herr der Lage ist. Er tadelt Abner und stellt Saul bestimmte Fragen, auf die dieser keine Antwort geben kann (Vers 18).

Von neuem werden unsere Herzen auf Den hingerichtet, der, nachdem Er gedemütigt, verachtet und verworfen worden war, „erhoben und erhöht werden und sehr hoch sein wird“. Und es wird hinzugefügt: „Über ihn werden Könige ihren Mund verschließen; denn sie werden sehen, was ihnen nicht erzählt worden war“ (Jesaja 52,13–15).

1. Samuel 27,1–12

Ein erster Besuch Davids bei Achis in Gath hatte ihm nichts als Schande eingebracht (Kapitel 21,10–15). Und trotzdem kehrt er, aus Angst vor Saul, dorthin zurück. Wir erkennen den nicht mehr, der sich im vorhergehenden Kapitel furchtlos sogar mitten in das Lager seines Feindes wagte, um ihm den Speer von seinen Häupten wegzunehmen. Und noch viel weniger erkennen wir den Sieger Goliaths in dem, der jetzt bei den Philistern Zuflucht sucht. Aber aufgepasst! Kommt es nicht oft vor, dass man uns nicht mehr als Jünger Jesu erkennen kann? Vielleicht haben wir mit seiner Hilfe einen Sieg davongetragen. Wir haben, wie David, Vertrauen in Gott gezeigt, Standhaftigkeit in unserem Zeugnis vor den Menschen. Man konnte an uns einige Wesenszüge der Gnade sehen. Und dann, von einem Augenblick zum andern, ist nichts mehr vorhanden. Wir befinden uns wieder auf der Seite der Welt, indem wir mit den Feinden des Herrn gemeinsame Sache machen.

Ja, David hat in Gath die Niederlage des Philisters vergessen. Liebe Freunde, lasst uns das Kreuz nie vergessen! Es trennt uns wie eine Schranke von der Welt, die den Herrn Jesus gekreuzigt hat (lies Galater 6,14).

1. Samuel 28,1–14

Während David in Gath in einer zweifelhaften und gefährlichen Situation ist, befindet sich Saul in einer noch viel schlimmeren Lage. Vor den Philistern, die zu einem neuen Krieg anrücken, zittert sein Herz sehr, denn er hat keinen Halt mehr. Er hatte Jehova verlassen, nun ist er von Ihm verlassen. Er wendet sich nach allen Seiten. Vergebliche Mühe, Gott bleibt stumm! Welch ernste Illustration von Sprüche 1,24–28! Doch denken wir daran, dass auch ein Gläubiger nicht erwarten kann, den Willen des Herrn zu erkennen, wenn sein Gewissen in schlechtem Zustand ist.

Heute noch geben gewisse Leute vor, sie könnten die Geister der Toten heraufbeschwören, und der Teufel benützt sie, um arme, abergläubische Seelen zu verführen. Diese werden dann aber tatsächlich mit Dämonen, nicht mit den Toten, in Verbindung gebracht.

Kinder Gottes, habt nichts mit diesen Dingen zu tun, auch nicht aus Neugierde! Sie sind in den Augen Gottes ein Gräuel (5. Mose 18,10–12; 3. Mose 19,31). Saul wusste dies; in seinen besseren Tagen hatte er darüber gewacht, sie aus Israel wegzuschaffen (Vers 3). Doch dieser treulose, fleischliche Mann nimmt in seiner Verwirrung nun trotzdem Zuflucht zu dieser Wahrsagerin von Endor.

1. Samuel 28,15–25

Welch furchterregende Szene! Die Frau selbst hat einen Schreckensschrei ausgestoßen. Denn Samuel ist nicht auf ein Zauberwort von ihr erschienen. Weder sie, noch ihr Meister, Satan, hatten die Macht, dies zu tun. Es ist die Hand Gottes, die für einen Augenblick die Tür des Aufenthaltsortes der Toten öffnet, um seinen Diener Samuel auf dem Schauplatz auftreten zu lassen. Was der Prophet zu sagen hat, gleicht der Botschaft, die er, als ganz jung, dem Eli bringen musste (Kapitel 3,11–13). Es ist eine schreckliche Bestätigung des Urteils Jehovas. Nur noch ein einziger Tag, und es wird vollstreckt werden: das dem Saul weggenommene Königtum wird David gegeben werden, und der König wird mit seinen Söhnen dem Samuel an den Ort folgen, wo die Toten auf die Auferstehung warten: zum Leben oder zum Gericht.

Feierlich ernst ist das Ende dieses Mannes, der unter so guten Voraussetzungen angefangen hatte. Liebe Freunde, denkt daran: wenn das neue Leben fehlt, führen die liebenswürdigsten Eigenschaften so sicher zum ewigen Gericht, wie die gröbsten Sünden. Das göttliche Leben gibt der Herr Jesus denen, die Ihn darum bitten. Besitzest du es?

1. Samuel 29,1–11

Als zwischen Israel und den Philistern kein offener Krieg herrschte, konnte die Stellung Davids bei den Fremden noch einigermaßen entschuldigt werden, denn schließlich hatte ihn der Hass Sauls tatsächlich ins Exil getrieben. Aber jetzt, wo die Schlacht bevorsteht, wird diese Lage unhaltbar; und David hätte das einsehen müssen. Aber er verharrt in seinem trügerischen Doppelleben und zeigt sich bereit, auf der Seite der Philister gegen Israel zu den Waffen zu greifen. Doch Gott, in seiner Gnade, benützt das Misstrauen der Fürsten, um David mit knapper Not aus dem Fallstrick zu reißen, den er sich selbst gelegt hatte. Denken wir daran, dass die Welt für den Christen nicht nur fremd, sondern ihm feindlich ist. Sie ist mit ihrem Entgegenkommen oder ihren Schmeicheleien – hier diejenigen Achis gegenüber David (Verse 6 und 9) nicht weniger gefährlich, als durch ihre Gewalttaten.

Der Mann, der für das Erschlagen seiner Zehntausende unter den Philistern berühmt war, konnte seine eigenen Siege vergessen. Seinen Feinden dagegen blieben sie in lebhafter Erinnerung (Vers 5; Kapitel 21,11). Und wenn wir das Kreuz und unser einstiges Zeugnis vergessen haben, so wird die Welt immer noch mit dem Finger auf uns zeigen: Ist das nicht jener Christ, der gemeint hat, er sei besser als wir?

1. Samuel 30,1–10

Gott hat David nicht erlaubt, an der Schlacht gegen Saul, den er zweimal so großmütig verschont hatte, teilzunehmen, auch nicht gegen Jonathan, seinen Freund, und gegen Israel zu ziehen, das er berufen war, zu regieren!

Aber, obwohl er bewahrt worden ist, muss er jetzt, wie jeder ungehorsame Diener, die göttliche Zucht erfahren. Diese Zucht ist das Unheil, das er bei seiner Rückkehr in Ziklag vorfindet. Was für ein Jammer für diese Männer, und ganz besonders für ihren Führer! Seine Liebsten sind verschwunden. Er weiß nicht, ob sie tot sind oder nur gefangen. David hat alles verloren. Und schlimmer als das: aus Israel verbannt, von Saul verfolgt, von seinen falschen Freunden, den Philistern, verstoßen, sind es jetzt gar noch seine wahren Freunde, seine treuen Begleiter von Anfang an, die sich gegen ihn wenden und davon reden, ihn zu steinigen. Er hat nichts mehr... Oder doch? Gott bleibt ihm! Und wir lesen das bemerkenswerte Wort: „Aber David stärkte sich in Jehova, seinem Gott“ (Vers 6). Als er auf nichts und auf niemand mehr zählen konnte, wurde ihm bewusst, was wir in einem Lied zum Ausdruck bringen: „Wenn alles bricht, Gott verlässt uns nicht.“ Und mit dieser Kraft, die David in seinem Gott wiedergefunden hat, verfolgt er entschlossen die Spur der räuberischen Amalekiter.

1. Samuel 30,11–31

Der arme ägyptische Knecht, der von seinem Meister verlassen wurde und den David aufnimmt und stärkt, lässt uns an den Zustand des verlorenen Sünders denken. Wenn Satan ihn in einem Zustand gänzlicher Schwachheit und moralischen Todes liegen lässt, kommt der Herr Jesus, wie der gute Samariter, und gibt ihm das Leben, sowie die Kraft und die Fähigkeit, Ihm zu dienen.

Von diesem Jüngling geführt, überraschen David und seine Männer die Amalekiter, als diese daran sind, ihren Sieg zu feiern. Und Gott erlaubt es, dass sie alles, was ihnen geraubt worden war, wiedererlangen und sich dazu noch einer großen Beute bemächtigen. Diese göttliche Gnade sollen alle genießen dürfen, auch die Hüter der Geräte! Das ist die Antwort, die David seinen selbstsüchtigen und eifersüchtigen Begleitern gibt. Ist das nicht auch die Belehrung des Evangeliums? Der Arbeiter der elften Stunde wird gleichviel bekommen, wie seine Kameraden vom frühen Morgen, trotz ihres Unwillens; denn er hat es mit einem überaus gütigen Meister zu tun (Matthäus 20,14.15). Denken wir ja nicht, dass ein invalider oder kranker Gläubiger am Tag Christi weniger begünstigt sein werde, weil er sich anscheinend nicht „in der vordersten Reihe“ befand. Wir können weder den Dienst anderer Christen beurteilen, noch ihre Belohnung abschätzen. Der Herr hat sie ihnen nach dem Maß seiner vollkommenen Liebe zugedacht.

1. Samuel 31,1–13

Während diesen Ereignissen beginnt die Schlacht zwischen Israel und den Philistern. Sie entscheidet sich bald zugunsten der Philister, denn sie verfügen über eine Abteilung von Bogenschützen, gegen die die Israeliten, die aus Entfernung geschlagen werden, ihre Waffen nicht gebrauchen können. Und plötzlich sieht sich Saul allein gelassen. Und, im Gegensatz zu David im vorhergehenden Kapitel (Vers 6), lässt auch Gott ihn im Stich. Der einzige tragische Ausweg, den er sieht, ist der, sich selbst das Leben zu nehmen. So machte es später auch Judas. Aber, wie so viele Unglückliche, deren Hoffnungslosigkeit sie in den Selbstmord geführt hat (statt in die Arme des Herrn), indem sie der Schande auf der Erde entgehen wollten, stürzt sich Saul nur umso schneller in das ewige Unglück. Bejammernswerter Mensch! Er hatte das Königtum gehabt, und alles, was man sich in dieser Welt wünschen kann. Aber was nützt das dem, der seine Seele einbüsst? (Markus 8,36).

Die Männer von Jabes-Gilead, die mit dem Stamm Benjamin blutsverwandt waren (Richter 21,14), zeigen sich dem gegenüber erkenntlich, der sie einst befreit hatte (Kapitel 11).

Jetzt wird die ganze alte Ordnung weggetan, um dem König nach dem Herzen Gottes Platz zu machen: David, das Vorbild Christi, kommt, um in Herrlichkeit zu regieren.

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