Botschafter des Heils in Christo 1866

Betrachtung über die zweite Ankunft des Herrn - Teil 3/4

In diesem Kapitel werden uns zwei Hauptmomente, nämlich zuerst die Vereinigung der Kirche Gottes, der himmlischen Heiligen, mit Christus und die damit verbundenen Verheißungen, und dann die untrügliche Gewissheit der Wiederherstellung der Juden, als Nation auf dieser Erde, vor Augen gestellt. Diese zwei Ereignisse knüpfen sich an die Offenbarung verschiedener Gerichte über diese Welt, jedoch mit dem Unterschied, dass sich die Heiligen außerhalb dieser Gerichte befinden werden, während die auf der Erde zurückbleibenden Juden und Heiden durch dieselben hindurchgehen müssen. Wie vordem Noah durch die Wasser der Sintflut hindurch gerettet wurde, während Henoch bereits in den Himmel gerückt war, so ward später Lot wie ein Brand aus dem Feuer gerettet, während Abraham vom Berg herab auf die Gerichte schauen konnte, durch welche die Stadt der Ebene verwüstet wurde. Wir erblicken also in diesen beiden Ereignissen eine Klasse von Menschen, die sich außer dem Bereich der Gerichte befinden, und eine andere von solchen, welche durch dieselben hindurchgehen.

Wir haben bereits früher gesehen, dass die Kirche unter Christus, als dem Mittelpunkt aller Dinge, den Mittelpunkt der himmlischen Herrlichkeit, sowie Israel den Mittelpunkt der irdischen Segnungen bildet. Ich wünsche daher unsere Aufmerksamkeit zu richten 1. auf die Aufnahme der Heiligen in den letzten Tagen, um beim Herrn im Himmel an seiner Herrlichkeit und seinen Segnungen Teil zu nehmen, sowie 2. auf die Einführung der Juden in die Segnungen dieser Erde, wo sie unter der Herrschaft Christi, ohne jedoch mit Ihm zu regieren, eine große Nation sein werden. Diese zwei Ereignisse bilden die beiden großen Zentralpunkte in den Wegen Gottes.

In dem soeben gelesenen Kapitel der Offenbarung finden wir zunächst in dem „männlichen Sohn“ Christus und die Kirche, sowie in dem „Weibe“, welche der Verfolgung entflieht und 1260 Tage hindurch in der Wüste ihre Nahrung findet, den Überrest der Juden personifiziert, welche Letztere in der Zeit des Gerichts zwar verschont bleiben, aber nicht in die Herrlichkeit eingeführt worden sind. Ich füge nur noch hinzu, dass das, was man eine allgemeine, zu gleicher Zeit stattfindende Auferstehung nennt, eine der Schrift gänzlich unbekannte Sache ist. Zwar erhielt sich unter den Juden und vornehmlich unter den Pharisäern dieser Begriff als untrüglich, während die Heiden nur als Hunde betrachtet wurden; allein das Verständnis der Aufnahme der Kirche in den Himmel stellt diesen Irrtum gänzlich ins Licht, indem, um an dieser Aufnahme Teil zu haben, zuvor unbedingt eine Auferstehung der entschlafenen Heiligen stattfinden muss. Selbstredend sind unter diesen Heiligen sowohl die des Alten, als auch die des Neuen Testaments zu verstehen.

Wir dürfen überhaupt nicht aus dem Auge verlieren, dass, während Christus zur Rechten Gottes sitzt und Gott für Ihn die Erben sammelt, welche, wenn Er den Besitz des Erbes antritt, mit Ihm regieren sollen, Gott sich nicht, wie es später geschehen wird, mit dieser Welt, beschäftigt, wiewohl Er sie durch eine Art von Vorsehung regiert. Gott allein kennt die Stunde, in welcher Christus in sein Erbe eintreten wird; und erst dann, wenn Er die Feinde desselben zum Schemel seiner Füße gelegt hat, wird Christus den Thron seines Vaters verlassen, um sich auf seinen eigenen Thron zu setzen. Während seines Sitzens auf dem Thron des Vaters sammelt der nach der Himmelfahrt Christi gesandte Heilige Geist aus der Welt ein Volk für seinen Namen, ein Volk, welches zu Erben Gottes und zu Miterben Christi auserkoren ist. Die Zeitdauer bildet gleichsam eine Parenthese in den Wegen Gottes und wird uns durch den Propheten Daniel klar vor Augen gestellt, indem uns der Heilige Geist am Ende des 9. Kapitels belehrt, dass eine gewisse Zeit verstießen muss, bevor Jerusalem in seine vollen Segnungen wieder eintreten kann. „Siebzig Wochen sind bestimmt über dein Volk und über deine heilige Stadt: so wird dem Übertreten gewehrt und die Sünde zugesiegelt, und die Missetat versöhnt, und die ewige Gerechtigkeit gebracht, und die Gesichte und Weissagung zugesiegelt, und der Allerheiligste gesalbt werden. So wisse nun und merke: Von der Zeit an, so ausgeht der Befehl, dass Jerusalem soll wiederum gebaut werden, bis auf Christus, den Fürsten, sind sieben Wochen und zweiundsechzig Wochen; so werden die Gassen und Mauern wieder gebaut werden, wiewohl in kümmerlicher Zeit. Und nach den zweiundsechzig Wochen wird Christus erwürgt werden und nichts haben“ (Dan 9,24–26).

Dieses ist bereits in Erfüllung gegangen. Sieben Wochen bilden die Zeitdauer, in welcher die Gassen und Mauern Jerusalems wieder hergestellt und erbaut wurden; und nach Verlauf von 62 Wochen ward der Christus verworfen. Jene 7 und diese 62 sind 69 Wochen. Christus ist verworfen worden und hat das Reich noch nicht empfangen. „Und ein Volk des Fürsten, der da kommt, wird die Stadt und das Heiligtum verstören, dass es ein Ende nehmen wird, wie durch eine Flut; und bis zum Ende wird Krieg sein, beschlossene Verwüstung“ (V 26). Auch diese Prophezeiung hat, wie wir wissen, in der Zerstörung der Stadt durch die Römer ihre Erfüllung gefunden, indem kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Neunundsechzig Wochen sind vorüber; es bleibt nur noch eine Woche übrig; und hier möchte ich, ohne mich auf Einzelheiten einzulassen, auf einen höchst wichtigen Grundsatz aufmerksam machen.

Wir haben also hier 69 Wochen. Der Messias erschien, ward verworfen, empfing das Reich nicht und hatte nichts. Er fand das Kreuz; das ist alles. Er fuhr auf gen Himmel; und dorthin, wo Er ist, sollen Ihm unsere Herzen folgen. Der kommende Fürst wird „Vielen den Bund stärken eine Woche lang;“ denn wir dürfen nicht vergessen, dass bis zum Ende die Verwüstung fortdauern wird. In Betreff der Zeit ist alles unbestimmt geblieben. Es gibt eine sieben zigste Woche, in welcher, da der Messias fortging und nichts hatte, nach der Zerstörung Jerusalems die Verwüstungen – niemand weiß wie lange – ihren ununterbrochenen Fortgang haben werden. „Und er wird vielen den Bund stärken eine Woche lang. Und mitten in der Woche wird er das Opfer und Speisopfer abschaffen. Und über die Zinne der Gräuel kommt der Verwüster, und wird bis zur beschlossenen Vertilgung auf die Verwüstung triefen“ (V 27). Hier haben wir also die einfache und wichtige Erklärung der 70 Wochen Daniels. Nach Ablauf der 69 Wochen erscheint Christus, wird verworfen und hat nichts; dann folgen die Kriege, die Stadt wird zerstört und die Zeiten der Nationen sind angebrochen, während Israel, wie wir in Römer 11 lesen, Verstockung zum Teil widerfahren ist, bis dass die Fülle der Nationen eingekommen sein wird. In Lukas 22 fügt der Herr, nachdem Er von der Zerstörung Jerusalems durch Titus gesprochen hat, noch die Worte hinzu: „Und Jerusalem wird zertreten werden von den Nationen, bis dass die Zeiten der Nationen erfüllt werden.“ Und dieses findet gegenwärtig statt. Noch wird Jerusalem zertreten; noch hat Christus seine große Macht und Herrschaft nicht in die Hand genommen, wovon in einem der folgenden Kapitel der Offenbarung die Rede ist. Noch ruht der Fluch der Verwüstung auf Jerusalem; noch sind, wie bald sie auch ihr Ende erreichen werden, die Zeiten der Heiden nicht abgelaufen, und noch sitzt Christus zur Rechten des Vaters zufolge des Wortes: „Sitze zu meiner Rechten, bis ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße.“ Der Heilige Geist aber ist vom Himmel gesandt, um zu verkünden, dass der von den Menschen Verworfene im Himmel Aufnahme gefunden hat, und dass die Versöhnung vollbracht und Gnade vorhanden ist. Während dieses Zeitraumes ist Israel bei Seite gesetzt; die Zeiten der Nationen setzen ungehindert ihren Lauf fort; und solange Christus beschäftigt ist, die himmlischen Heiligen als seine Miterben zu sammeln, findet keine Erfüllung statt; denn die himmlischen Heiligen sind, wie bereits bemerkt, völlig mit Ihm eins gemacht. Er schämt sich nicht, sie Brüder zu heißen. Er ist der Erstgeborene unter vielen Brüdern, die von Gott zuvor bestimmt sind, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein. Sie sind Glieder seines Leibes; denn wir lesen im Epheserbriefe: „Niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es, gleich wie der Christus auch die Versammlung. Denn wir sind seines Leibes Glieder, von seinem Fleisch und von seinem Bein.“ – Auch erblickt man in den Heiligen die Braut Christi; der Platz Evas an der Seite Adams ist der Platz der Kirche Gottes an der Seite Christi; und Er ist jetzt beschäftigt, die Heiligen zu sammeln, um sie diesen Platz einnehmen zu lassen. Es ist dieses nicht die Erfüllung der Wege Gottes bezüglich der Erde, sondern das Sammeln der Heiligen für den Himmel; und während dieser Zeit sitzt Christus zur Rechten Gottes, bis alle seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt sind. In Hebräer 2 fügt der Apostel, nachdem er den 8. Psalm angeführt hat, die Worte hinzu: „Jetzt über sehen nur Ihm noch nicht alles unterworfen. Wir sehen aber den, der ein wenig unter die Engel erniedrigt war, Jesus, wegen des Leidens des Todes mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.“ – Ich bemerke hier im Vorbeigehen, dass, wenn man die Kirche im Alten Testament sucht, man nur Christus findet, dass aber auch, wenn man die Segnungen und die Herrlichkeit Christi findet, die Kirche stets ihren Anteil daran hat.

Es ist selbstredend, dass die Kirche noch vor der Erfüllung der Prophezeiungen Gottes in den Himmel aufgenommen sein muss, weil Gott seine Wege mit den Nationen in der letzten Woche nicht beginnen kann, bevor das Sammeln der Heiligen, der Miterben Christi, vollendet ist. Wenn Christus seine Miterben um sich versammelt hat, erst dann tritt Er in den Besitz des Erbes; und darum sind alle diese Wege Gottes 1 gegenüber der Welt aufgeschoben, bis die Kirche aufgenommen ist. In der Prophezeiung bis zum Ende der Offenbarung des Johannes tritt nie die Kirche auf den Schauplatz, es sei denn in Verbindung mit Christus. Ich Zweifel z. B. nicht, dass sich der „männliche Sohn“ unseres Kapitels sowohl auf Christus, als auch auf die Kirche bezieht; aber vornehmlich ist Christus hier dargestellt, da die Kirche ohne Christus gleich einem Leib ohne Haupt sein würde. Christus ward zum Himmel entrückt; aber die Kirche ist mit einbegriffen; denn sobald Er öffentlich zu handeln beginnt, so muss, selbst bei dem Sturz Satans, sein Leib, seine Braut bei Ihm sein. Er muss seine Brüder, seine Miterben um sich haben. Wir lesen: „Und sie gebar einen männlichen Sohn, der alle die Nationen mit eiserner Rute weiden soll; und ihr Kind ward zu Gott und zu seinem Thron entrückt“ (V 5). Auf der einen Seite des Gemäldes sehen wir Christus verworfen von dieser Erde und nichts habend; und auf der anderen scheu wir Ihn zu Gott und zu seinem Thron entrückt, wo Er zur Rechten der Majestät in der Höhe seinen Platz eingenommen hat. Diese Stellung gehört persönlich nur Christus; aber wenn es sich um das Neiden der Nationen mit eiserner Rute handelt, so nehmen die Heiligen Teil daran. In Psalm 2 lesen mir: „Fordere van mir; und ich will dir zum Erbteil geben die Nationen, und zum Besitztum die Enden der Erde. Mit eisernem Zepter wirst du sie zerschmettern, wie Töpfer Gefäß sie zerschmeißen.“ – „Fordere von mir!“ Diese Forderung ist noch nicht geschehen. Er hat für die Heiligen gebetet und nicht für die Welt. „Ich bitte für sie; nicht bitte ich für die Welt, sondern für sie, die du mir gegeben hast“ (Joh 17,9). Er bittet nur dann in Betreff der Welt, wenn Er die Herrschaft darüber fordert; und diese Forderung wird Ihm gewährt werden, weil sie den Ratschlüssen Gottes entspricht. Er wird das Gericht, die eiserne Rute, in seine Hand nehmen; aber die Heiligen werden an diesem Gericht teilnehmen. „Wisst ihr nicht, dass ihr die Engel richten werdet?“ und wiederum: „Wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden?“ Auch lesen wir in Off 2 ganz ausdrücklich, dass diese Rute sowohl der Kirche, als auch Christus gegeben ist. „Wer überwindet und meine Werke bis ans Ende hält, dein werde ich Gewalt geben über die Nationen; und er wird sie weiden mit einer eisernen Rute, wie Töpfer Gefäße zerschmettert werden; wie auch ich von meinem Vater empfangen habe“ (Off 2,26–27). Ebenso lesen wir in Dan 7: „Bis der Alte der Tage kam und den Heiligen des allerhöchsten das Gericht gegeben ward.“ – Und wiederum: „Und ich sah Throne, und sie saßen darauf; und es ward ihnen Gericht gegeben“ (Off 20,4).

Indes ist dieses, wiewohl es ein Teil von den Dingen ist, die wir zu erwarten haben, doch nicht das gesegnetste Teil; denn dasselbe besteht darin, dass wir bei Ihm sein werden. Es ist traurig zu sehen, wie sehr die Christen das Gefühl dieser Segnungen und dieser Herrlichkeit, das Gefühl ihres Einsseins mit Christus und ihrer Stellung als vielerlei Glieder seines Leibes, als seine Braut, verloren haben. Man pflegt zu sagen, dass es genug sei, am Fuß des Kreuzes zu sitzen; allein wie sehr ich es zu schätzen weiß, wenn ich jemanden zum Kreuz gehen sehe, so finde ich es doch bedauernswürdig, wenn er hier seine Schritte hemmt, als wollte er sagen: „Ich erkenne nicht an, dass alles vollbracht ist. Ich bin zu unwürdig, um als Priester durch den zerrissenen Vorhang in das Heiligtum einzugehen; darum muss ich draußen bleiben.“ – Eine Stellung, worin es an Freimütigkeit zum „Eingang in das Heiligtum durch den Vorhang, das ist sein Fleisch“ mangelt, ist eine höchst beklagenswerte. Freilich gibt es keinen anderen Weg als das Kreuz, um durch die enge Pforte einzugehen; aber stets draußen am Fuß des Kreuzes stehen bleiben zu wollen, ohne mit Freimütigkeit ins Heiligtum zu gehen, ist ein trauriger Irrtum. Wenn ihr sagt, dass euch die Gewissheit eurer Errettung mangelt, wie könnt ihr euch denn Christen nennen? Seid ihr wirklich Christen, so seid ihr auch gerettet. Was nützt ändernder Name?

In dem soeben gelesenen 12. Kapitel der Offenbarung wird ausdrücklich erklärt, dass alle Prüfungen der Heiligen und die gegen sie gerichteten Anklagen beendet sind, bevor die Prüfungen des jüdischen Volkes beginnen werden. In den 6 ersten Versen findet man die, welche mit diesen letzten Tagen in Verbindung stehen. Zuerst erblicken wir das Weib, „angetan mit der Sonne, und unter ihren Füßen der Mond, und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen.“ Ohne Zweifel wird uns in diesem Bild das jüdische Volk gezeigt, weil Christus nicht von der Kirche, sondern, hinsichtlich seiner Stellung als König Israels, von den Juden, aus denen der Christus nach dem Fleisch kommen sollte, geboren ist. Die „Sonne“ als das Kleid des Weibes, zeigt uns ihre Bekleidung mit der höchsten Gewalt; der „Mond unter ihren Füßen“ stellt uns ihren vorigen Zustand vor Augen; und die „Krone von zwölf Sternen auf ihrem Haupt“ drückt durch die Zahl „zwölf“ stets die vollkommene Macht der Verwaltung Gottes unter den Menschen aus. Wir sehen zwölf Apostel sitzend auf zwölf Thronen, sowie eine Stadt auf zwölf Fundamente gebaut und mit zwölf Toren usw. – „Und schwanger seiend, schreit sie in Geburtswehen und in Qual, zu gebären“ (V 2). Es ist die Geburt Christi; und wir lesen in Jesaja 9: „Ein Sohn ist uns geboren.“ Die Kirche kann dieses nimmer sagen. Wir können sagen, dass wir in Ihm den Sohn Gottes erkennen, aber nicht, dass uns in Ihm ein Sohn geboren ist. Seine Abstammung nach dem Fleisch ist aus den Juden.

Jetzt kommen wir zu der sich widersetzenden Macht, zu der durch das römische Reich ausgeübten Macht Satans. „Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel; und siehe, ein großer, feuerroter Drache, der sieben Köpfe und zehn Hörner hatte, und auf seinen Köpfen sieben Diademe. Und sein Schwanz zieht fort das Drittel der Sterne des Himmels, und warf sie auf die Erde. Und der Drache stand vor dem Weib, die gebären sollte, auf dass er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind verschlänge“ (V 3–4). das ist die Macht Satans, die Christus widersteht und seiner Autorität ein Ende zu machen sucht. Natürlich vermochte er es nicht; aber eine Zeit lang hatte es den Anschein, als ob es ihm gelungen wäre. „Und sie gebar einen männlichen Sohn, der alle die Nationen weiden soll mit eiserner Rute; und ihr Kind ward entrückt zu Gott und zu seinem Thron“ (V 6). Christus empfing nicht die Macht; Er empfing nichts, sondern ward zu Gott entrückt. Wir kennen also die Personen in dieser Szene und erfahren jetzt das Schicksal des Weibes. „Und das Weib floh in die Wüste, wo sie eine von Gott bereitete Stätte hat, auf dass man sie dort ernähre tausend zweihundert sechzig Tage“ (V 6). Hier zeigt sich, wie bereits erwähnt, in den Wegen Gottes betreffs der Welt eine Unterbrechung, welche, ohne nähere Bestimmung, den Zeitraum zwischen der Entrückung Christi und seiner Wiederkehr zur Aufnahme der Kirche ausfüllen wird. Dieses ist nicht eine menschliche Behauptung; sondern in Daniel 9 wird ausdrücklich gesagt, dass der Messias erscheinen, verworfen und nichts haben werde, sowie wir in Römer 11 lesen, dass Israel zum Teil Verstockung widerfahren sei, bis die Zeiten der Heiden erfüllt und die Juden zur Buße geleitet sein werden. Auch sagt der Herr selbst: „Ihr werdet mich nicht mehr sehen, bis ihr sagt: Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn!“

Wir haben also gesehen, dass die mit Christus vereinigte Kirche zu Gott entrückt, und das Weib in die Wüste geflohen ist. Jetzt aber folgen Ereignisse, die nicht die Kirche, sondern Israel und die Welt betreffen. „Und es ward Krieg im Himmel. Michael und seine Engel kämpften wider den Drachen: und der Drache kämpfte und seine Engel; und er siegte nicht ob, und seine Stätte ward nicht mehr gefunden im Himmel“ (V 7–8). Die ganze Macht Satans wird aus dem Himmel beseitigt werden; und diese Handlung steht im Gegensatz zu dem Resultat des Kampfes der Kirche hienieden. „Denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern“ (Eph 6,12). das ist unser Kampf zufolge des Vorrechts, mit Christus in den himmlischen Örtern sitzen zu dürfen; und das Resultat dieses geistlichen Kampfes ist die Verwerfung der Macht Satans. In der uns vorliegenden Prophezeiung ist dieses alles beendet; denn laut tont uns die Freude der Bewohner des Himmels, der himmlischen Heiligen, entgegen, wenn wir lesen: „Und es ward geworfen der große Drache, die alte Schlange, welcher genannt wird Teufel und der Satan, der den ganzen Erdkreis verführt; geworfen ward er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm geworfen. Und ich hörte eine große Stimme in dem Himmel, welche sagte: Jetzt ist das Heil und die Macht und das Reich unseres Gottes, und die Gewalt seines Christus geworden; denn hinabgeworfen ist der Verkläger unserer Brüder, der sie vor unserem Gott verklagte Tag und Nacht. Und sie haben ihn überwunden wegen des Blutes des Lammes und wegen des Wortes ihres Zeugnisses, und sie haben ihr Leben nicht geliebt bis zum Tod. Deshalb frohlockt ihr Himmel und die ihr darin wohnt! Wehe der Erde und dem Meer!“ (V 9–12) – Wir sehen also, dass, wenn das himmlische Volk, die Kirche Gottes, sich der Verwerfung des Verklägers der Brüder und ihres Sieges über ihn zu erfreuen berufen ist, Satan in demselben Augenblicke auf die Erde herabstürzt, und Zwar in großer Wut, da er weiß, dass er wenig Zeit hat. Großes Frohlocken erfüllt dann den Himmel und zu gleicher Zeit entsetzliches Wehklagen die Erde, wodurch klar der Gegensatz zwischen den Erben des Himmels und den Bewohnern der Erde bezeichnet wird. „Deshalb frohlockt ihr Himmel und die ihr darin wohnt! Wehe der Erde und dem Meer! denn der Teufel ist zu euch hinab gekommen und hat große Wut, da er weiß, dass er wenig Zeit hat. Und als der Drache sah, dass er auf die Erde geworfen war, verfolgte er das Weib, die das männliche Kind gebar“ (V, 12–13). – Hier sehen wir deutlich, dass das Weib nicht die Kirche Gottes darstellt, weil diese berufen ist, sich über das Ende ihrer Trübsale und der gegen sie gerichteten Anklagen zu freuen. Sie hat durch das Blut des Lammes und durch ihr eigenes Zeugnis überwunden, während die ganze Wut Satans gegen das Weib gerichtet ist; sie befindet sich außer dem Bereich der Wut Satans, während sich diese Wut einem anderen Gegenstand, nämlich dem jüdischen Volk zuwendet. Für Israel ist dieses die Zeit der großen Trübsal. Der Herr sagte zu den Juden: „Ich bin gekommen im Namen meines Vaters, und ihr habt mich nicht aufgenommen; es wird aber ein anderer kommen in seinem eigenen Namen, und ihn werdet ihr aufnehmen.“ – Weil sie den wahren Christus verworfen hatten, waren sie genötigt, den falschen aufzunehmen. Das unserer Betrachtung zu Grund gelegte Kapitel Zeigt uns also unzweideutig, dass, während eine Klasse von Personen, die mit Christus vereinigt sind, zu Gott entrückt ist, und beim Sturz Satans die Stimme des Frohlockens erhebt, in demselben Augenblick die Trübsale auf der Erde beginnen. „Und als der Drache sah, dass er auf die Erde geworfen war, verfolgte er das Weib, welches das männliche Kind gebar. Und es wurden dem Weib gegeben zwei Flügel des großen Adlers, auf dass sie flöge in die Wüste an ihre Statte, wo sie daselbst ernährt wird eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit, fern von dem Angesicht der Schlange“ (V 13–14). Während der Tage großer Trübsale sorgt Gott in der Wüste für sie; sie entflieht diesen Trübsalen mittels einer großen Macht, die uns als Flügel eines großen Adlers dargestellt wird. Gott bringt sie in Sicherheit, jedoch nicht wie es bei Abraham geschah, der auf die Zerstörung Sodoms von der Höhe des Berges hinabschaute, sondern wie wir es bei Lot sehen, der dem Verderben durch die Flucht entrann. Das frohlockende Volk des Himmels ist uns in Abraham, und das Weib auf der Erde, welches, zum Entfliehen mit Flügeln eines großen Adlers versehen, durch Gott gerettet wird, in Lot bildlich vorgestellt. „Und es warf die Schlange aus ihrem Mund Wasser wie einen Strom hinter dem Weib her, um sie mit einem Strom wegzureißen. Und die Erde half dem Weib; und die Erde öffnete ihren Mund und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Mund warf“ (V 15–16). Die Vorsehung wendet Mittel an, um die Juden aus den sie umringenden, heftigen Verfolgungen zu erretten. „Und der Drache ward zornig über das Weib und ging hin, Krieg zu führen mit den Übrigen ihres Samens, welche die Gebote Gottes halten und das Zeugnis Jesu haben“ (V 17).

Ich werde jetzt auf eine mehr buchstäbliche Prophezeiung aufmerksam machen, um dem Verständnis betreffs der erwähnten Zwischenzeit oder der Zeiten der Heiden 2 zu Hilfe zu kommen. In Jesaja 8 lesen wir: „Heiligt den Herrn Zebaoth. Den lasst eure Furcht und euer Schrecken sein; so wird Er ein Heiligtum sein, aber ein Stein des Anstoßens und ein Fels des Ärgernisses den beiden Häusern Israels, und Strick und Fall den Bürgern Jerusalems; dass ihrer viele sich daran stoßen, fallen, zerbrechen, verstrickt und gefangen werden.“ – Wir wissen, dass der Herr sich selbst als diesen Stein des Anstoßens bezeichnete, indem Er sagt: „Wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden.“ – Wir lesen in Jesaja 8 weiter: „Binde zum Zeugnis, versiegele das Gesetz bei meinen Jüngern. Ich aber hoffe auf den Herrn, der sein Antlitz verborgen hat vor dem Haus Jakobs, und harre sein. Siehe, hier bin ich und die Kinder, die mir der Herr gegeben hat“ (Jes 8,13–18). Wiewohl Gott sein Angesicht vor dem Haus Jakobs verbirgt, sagt Christus dennoch: „Ich hoffe auf den Herrn!“ oder wie wir in Psalm 70 lesen: „Ich habe mein Vertrauen auf den Herrn gesetzt;“ und fügt dann hinzu: „Siehe hier bin ich und die Kinder, die mir der Herr gegeben hat.“ – zu diesen Letzteren gehören die Jünger Christi aus allen Zeiten. In Jesaja 9 finden mir das Ende von diesem allen. „Denn du hast das Joch ihrer Last und die Rute ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen, wie am Tag Midians. Denn alle Rüstungen der Gerüsteten im Schlachtgetümmel und das Kriegsgewand, in Blut gewälzt, werden verbrannt und ein Fraß des Feuers werden. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, der die Herrschaft hat auf seiner Schulter; und Er heißt: Wunder, Rat, starker Held, ewiger Vater, Friedefürst. Seiner Herrschaft Mehrung und des Friedens ist kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass Er es zurichte und stärke mit Gericht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth“ (Jes 9,4–7). – In Jesaja 8 finden wir also die Tatsache des Kommens Christi; wir sehen Ihn hier als einen Stein des Anstoßens und hören Ihn sagen: „Ich aber hoffe auf den Herrn Zebaoth, der sein Antlitz verborgen hat vor dem Haus Jakobs.“ Dann aber folgen Tage des schrecklichen Elends für Israel; denn wir lesen: „Sie, werden schauen zur Erde, und siehe, da ist eitel Angst und Finsternis, und Dunkel der Bedrängnis, und sind ins Düstere hinausgestoßen.“ – Endlich aber folgt eine schreckliche Schlacht – das Feuer des Gerichts Gottes; denn wir lesen in Jesaja 9: „Sie werden verbrannt und ein Fraß des Feuers werden.“ Wenn wir dann weiterlesen: „Ein Kind ist uns geboren“, so wissen wir, dass dieses geborene Kind Christus ist, von welchem es jedoch in Jesaja 53 heißt: „Wir hielten Ihn für einen, der gestraft und von Gott geschlagen und gemartert ward.“ – Wir finden also in diesen Stellen die Offenbarung seines Erscheinens, seine Verwerfung und sein Vertrauen zu dem Ewigen, der sein Antlitz über das Haus Jakobs verbirgt, sowie sein mächtiges Ausrücken in die Schlacht des Gerichts, wo Er „Krieg führt in Gerechtigkeit.“ – Und nun wird Israel ein Sohn geboren, der „die Herrschaft hat auf seiner Schulter“, um, sitzend auf dem Thron Davids, der Erde einen dauernden Frieden zu geben. Noch ist dieses nicht erfüllt; noch wartet Er, während Gott sein Antlitz vor dem Haus Jakobs verbirgt; aber einmal wird die Wartezeit enden.

Ich rede von diesen Dingen, um in unseren Seelen ein Verständnis über die Gesamtheit der Wege Gottes zu wecken. Christus kam, ward verworfen und zu Gott entrückt, und sitzt, bevor Er seine große Macht und sein Reich offenbart, auf dem Thron seines Vaters. Unterdessen verfolgen die Zeiten der Heiden ihren Lauf. Noch hat Gott sein Antlitz vor dem Haus Jakobs verborgen; und noch wird Jerusalem von den Füßen der Heiden zertreten, bis deren Zeiten erfüllt sind. Die Wege Gottes, hinsichtlich der Regierung über diese Welt, sind unterbrochen; und während dieser Zeit sammelt Christus durch den Heiligen Geist seine Miterben, um sie beim Offenbarwerden seiner großen Macht in seiner Umgebung zu haben. Betrachten wir jetzt zunächst die Erfüllung dieser Dinge in Bezug auf die Kirche, die, um mit Christus vereinigt zu sein, ihrer Aufnahme entgegen harrt; später werden wir auch auf die Erfüllung dieser Dinge betreffs der Juden unsere Aufmerksamkeit richten.

Die Auferstehung der Heiligen ist ihrer Natur, ihrer Zeit und ihrem Charakter nach ganz verschieden von der Auferstehung der Gottlosen. Beide Auferstehungen bilden einen entschiedenen Gegensatz zu einander. Die Auferstehung der Heiligen ist das Ergebnis einer besonderen Gunst Gottes, wie es die des Herrn selbst war; denn sie sind bereits errettet, haben das ewige Leben und sind – allerdings nicht in sich selbst, sondern in Christus – Gegenstände der Wonne Gottes. Schließlich werden sie entrückt werden und, eine besondere Klasse bildend, als nicht zu der Regierung dieser Welt gehörend betrachtet, ausgenommen, dass sie die Könige sind. Die Gottlosen hingegen, wiewohl, da Christus alle aus den Gräbern hervorrufen wird, auch ihre Auferstehung außer allem Zweifel steht, werden auferstehen, nicht weil sie die Wonne Gottes, sondern weil sie gerade das Gegenteil sind, und nicht weil sie ihr Leben in Christus haben. Sie werden vielmehr aus den Gräbern hervorkommen zur Auferstehung des Gerichts; und dieses ist die Verdammnis. Doch wollen nun nicht länger hierbei verweilen. –

Ich werde jetzt alle Stellen, die von der Auferstehung handeln, durchgehen, um zu zeigen, dass diejenige der Heiligen, ihrer Natur, ihrer Zeit und ihrem Charakter nach, einen besonderen Platz einnimmt und eine Folge der Versöhnung ist, sowie dass ihre Erfüllung mit der Ankunft des Herrn zusammenfallen wird, während Christus bei der Auferstehung der Gottlosen nicht erscheint. Wie ernst ist dieser Gedanke für uns, meine teuren Freunde! Der Herr wird am Tag seiner Ankunft nur die auferwecken, welche Teil an seinem Leben und an der Versöhnung haben, um Sie zu sich in seine Herrlichkeit einzuführen und mit ihnen in Herrlichkeit zu erscheinen, während alle, welche nicht Buße getan und Ihn nicht in ihrem Herzen aufgenommen haben, zu seiner Zeit nur zum Gericht auferweckt werden, um unfehlbar das Urteil der Verdammnis zu hören. Wie sehr wird daher unser Vertrauen gestärkt durch die Worte: „Gehe nicht mit deinem Knecht ins Gericht, o Höchster; denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht.“ Fühlt ihr, meine teuren Freunde, die Wichtigkeit dieser Wahrheit, die, so zu sagen, direkt auf den Zustand unserer Seelen angewandt ist? Es gibt kein Gericht ohne Verdammnis. Kein Mensch, mit dem Gott ins Gericht geht, findet Rettung; denn das Urteil Gottes ist bereits klar und bestimmt in den Worten ausgesprochen: „Da ist nicht ein Gerechter, auch nicht einer.“ Unmöglich wird der große weiße Thron eine andere Sprache führen. Und die Sprache tönt in unsere Gewissen; aber vor dem Gerichtstag, der den zukünftigen Zorn zur Schau stellen wird, erscheint Christus zu unserer Befreiung. Sobald Er in unseren Herzen aufgenommen ist, sind wir errettet von diesem Zorn und nehmen mit Ihm denselben Platz ein. Er ist unsere Gerechtigkeit, unser Leben, unser alles.

Bevor wir indessen die Stellen, welche sich auf die Auferstehung beziehen, näher betrachten, bemerke ich noch im Vorbeigehen, dass das Gericht Gottes in der Tat nichts anders sein kann, als die Verdammnis. Wir haben Gott durch die Sünde zu einem Richter gemacht. Gott hätte Adam nicht richten können, wenn er geblieben wäre, wie Gott ihn geschaffen hatte; denn würde Er die von Ihm geschaffenen Dinge richten, so wäre dieses ein Gericht gegen sich selbst. „Und Gott sah an alles, was Er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ Adam kam ins Gericht, weil Er Gott verlassen, Satan geglaubt und sich der Sünde zugewandt hatte. Was anders kann daher das Gericht sein, als die Verdammnis? Gott kann uns durch Christus davon befreien; und unser Gebet muss daher sein: „Gehe nicht mit uns ins Gericht;“ denn „es ist nicht ein Gerechter, auch nicht einer.“ –

Die Auferweckung der Heiligen ist mithin das Resultat der Befreiung Christi, während wir in der anderen Auferstehung die Ausübung des gerechten Gerichts betreffs derer erblicken, welche ihren Nacken gegen die in Christus dargebotenen Erbarmungen Gottes gesteift haben, und sich nach „ihrer Störrigkeit und ihrem unbußfertigen Herzen Zorn häuften für den Tag des Zorns und des gerechten Gerichts Gottes“ (Röm 2,5).

Was nun die Natur und den Charakter der Auferstehung der Heiligen betrifft, so lesen wir in Römer 8,11: „Neun aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckte, in euch wohnt, (d. h., wenn ihr Christen seid; denn wer den Geist Christi nicht hat, ist nicht sein) so wird der, welcher den Christus aus den Toten auferweckte, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes.“ Dieses hat keineswegs Bezug auf die Gottlosen. Ihre Auferstehung ruht auf einem ganz anderen Grundsatz. Nicht sie, sondern wir, so wir anders errettet und mit dem Heiligen Geist versiegelt sind, werden in Kraft des Heiligen Geistes auferweckt werden. –

Wir wenden uns jetzt zu Johannes 5, wo wir die Worte lesen: „Denn gleich wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, also macht auch der Sohn lebendig, welche Er will; denn auch der Vater richtet niemanden, sondern das ganze Gericht hat Er dem Sohn gegeben, auf dass alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. 3 Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der Ihn gesandt hat.“ – Wir sehen also, dass beide, der Vater und der Sohn, lebendig machen, aber dass der Vater niemanden richtet, sondern das ganze Gericht den Händen des Sohnes anvertraut hat; und jetzt besteht für uns die Frage, ob wir Gegenstände dieser lebendigmachenden Kraft oder des Gerichts sein werden. – „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben hinübergegangen.“ – Christus hat seine lebendigmachende Kraft in Ausübung gebracht und wird darum die Gegenstände dieser Macht nicht ins Gericht führen. – „Wahrlich, ich sage euch, es kommt die Stunde und ist jetzt, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und die sie gehört haben, werden leben.“ – selbstredend handelt es sich hier um die geistliche Lebendigmachung. – „Denn gleich wie der Vater das Leben in sich selbst hat, also hat Er auch dem Sohn gegeben, das Leben in sich selbst zu haben; und Er hat Ihm Gewalt gegeben, auch Gericht zu halten, weil Er des Menschen Sohn ist. Wundert euch darüber nicht; denn es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind. Seine Stimme hören werden; und es werden hervorkommen die, welche Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, Die aber, welche Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.“ – Hier handelt es sich also um eine Auferstehung zum Leben und um eine Auferstehung zum Gericht. Die Dauer des Zeitraums, der diese beiden Ereignisse trennt, hat mit der Sache selbst, nämlich, dass es zwei verschiedene Auferstehungen gibt, nichts zu schaffen. Da wo eine geistliche Lebendigmachung stattgefunden hat, gibt es kein Gericht, weil ein Übergang aus dem Tod ins Leben bewirkt worden ist; aber wenn der Leib tot ist, so muss derselbe, damit das Leben vollständig sei, auferweckt werden. Die Leiber müssen mit der Stellung, welche sie einnehmen sollen, in Harmonie gebracht werden. Andrerseits aber werden die, welche Böses getan haben, zum Gericht auferstehen. – Wenn wir lesen: „Die Stunde kommt, in welcher usw.“, so hat dieses keineswegs die Bedeutung, als ob die beiden Auferstehungen zu gleicher Zeit stattfinden würden. Wenn ich z. B. von einer Stunde der Größe Napoleons reden würde, so bezeichnete ich damit die Periode seiner Größe im Gegensatz zu derjenigen seines Verfalls; und ebenso wissen wir auch, dass die Stunden der geistlichen Lebendigmachung bereits achtzehn Jahrhunderte gedauert hat. Es ist, als ob der Herr sagen wollte: „Es gibt eine Zeit der Lebendigmachung und eine Zeit des Richtens und mithin auch eine Zeit des Auferweckens.“ Hier zeigen sich zwei verschiedene Charaktere der Macht Christi: die Lebendigmachung und das Nichten. Die einen, denen das geistliche Leben durch die Gnade geschenkt ist, haben Teil an der Auferstehung des Lebens; die anderen aber, denen dieses Leben mangelt, haben Teil an der Auferstehung des Gerichts, nämlich der Verdammnis. Dieses ist der große Grundsatz, der in dieser Stelle vor unsere Seele tritt. –

Wenden wir uns zu anderen Stellen, die uns neue Seiten dieses Gegenstandes zeigen. Auf eine Frage, welche in Lukas 20 die Sadduzäer, um Ihn zu versuchen, an den Herrn richten, antwortet Er: „Die Kinder dieses Zeitlaufs heiraten und werden verheiratet; die aber für würdig gehalten sein werden, jenes Zeitlaufs teilhaftig zu sein und der Auferstehung aus den Toten, werden weder heiraten, noch verheiratet werden. Denn sie können auch nicht mehr sterben; denn sie sind Engeln gleich, und sind Söhne Gottes, weil sie Söhne der Auferstehung sind. – Was heißt „würdig gehalten sein jenes Zeitlaufs und der Auferstehung aus den Toten?“ Wir sehen, dass es eine besondere Begünstigung ist. Alle aber, welche die Auferstehung aus den Toten erlangen, sind „Engeln Gottes gleich, und sind Söhne Gottes, weil sie Söhne der Auferstehung sind.“ Das kann doch unmöglich von denen gesagt werden, die zur Verdammnis auferstehen.

In 1. Korinther 15 finden wir eine deutliche Bestätigung dieser Wahrheit. „Denn gleich wie in dem Adam alle sterben, also werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden. Jeglicher aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling – Christus, danach die, welche des Christus sind bei seiner Ankunft.“ – Finden die Gottlosen in dieser Ordnung auch etwa einen Platz? Keineswegs. „Dann das Ende.“ – Es kommt also eine Zeit, wo auch andere auferstehen werden; aber nur die, welche des Christus sind, werden bei seiner Ankunft zur Auferstehung gelangen, eine Sache, die mit der Wahrheit der Erlösung in Verbindung steht. Viele erkaufte Seelen mögen dieses nicht erkennen; aber dennoch bleibt es wahr, dass die Auferstehung des Lebens eine Wirkung der Erlösung ist. Die Worte: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben hinübergegangen“, werfen einen Lichtstrahl auf dieses glorreiche Ereignis. Leider hat die Kirche diese Wahrheit aus dem Auge verloren. –

In Philipper 3 hebt der Apostel die Auferstehung als den Gegenstand seiner Hoffnung hervor, indem er sagt: „Dass ich in Ihn: erfunden werde, nicht meine Gerechtigkeit habend, die aus dem Gesetz, sondern die durch den Glauben an Christus ist, die Gerechtigkeit, welche aus Gott ist durch den Glauben, um Ihn zu kennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich seinen! Tod gleichgestaltet werde, ob ich auf irgendeine Weise zur Auferstehung aus den Toten hingelangen möge.“ – Welches ist nun die wichtige Sache, um derentwillen der Apostel dem Tod Christi gleichgestaltet zu werden wünscht? Ist es nicht die Auferstehung aus den Toten? Würde er sich aber einer solchen Sprache bedienen, wenn alle Menschen, die Gottlosen wie die Gerechten, teil hätten an dieser Auferstehung und späterhin noch eine Scheidung stattfinden müsste? Gewiss nicht. Überhaupt ist nichts ungereimter, als der Gedanke eines allgemeinen Gerichts, wiewohl wir alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden müssen. Denken wir z. B. an den Apostel. Bereits achtzehnhundert Jahre ist er ausheimisch von dem Leib und einheimisch bei dem Herrn. Wie? Sollte er dennoch gerichtet werden? Er ist bei dem Herrn, weil er dazu durch die Gnade ein Recht hatte; und wollte man jetzt noch von Gericht sprechen, so wäre das höchst töricht. Ach, wie sehr hat die Kirche Gottes das Gefühl ihrer Erlösung, als einer vollbrachten Tatsache, verloren! Hat der Tod Christi meine Sünden hinweggenommen und mir einen Platz bei Ihm selbst angewiesen, bin ich durch den Heiligen Geist mit dem Herrn vereinigt, wie kann dann noch von dem Gericht die Rede sein? Wenn ich dieses glaube, verliere ich meine wahre Stellung. – Dafür werde ich jetzt Beweise liefern.

Richten wir unsere Aufmerksamkeit nochmals auf 1. Korinther 15. Nachdem uns der Apostel die Ordnung der ersten Auferstehung gezeigt hat, teilt es uns unzweideutig mit, dass nur die Heiligen daran Teil haben werden, indem er sagt: „Also ist auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät in Verwesung, es wird auferweckt in Unverweslichkeit. Es wird gesät in Unehre, es wird auferweckt in Herrlichkeit.“ – Ist es möglich, diese Worte auf eine allgemeine Auferstehung anzuwenden? Werden die Gottlosen auferstehen in Herrlichkeit? Unmöglich kann man eine einzige, auf die erste Auferstehung bezügliche Stelle lesen, ohne zu sehen, dass nicht nur die Gottlosen keinen Teil daran haben, sondern dass es sich entschieden um die Auferstehung der Heiligen handelt, weil sie erkauft sind und das Leben in Christus haben, der Frage unserer in 1.Thessalonicher anführte, auch hier am Platz sein. „Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel; und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen.“ – Also die Toten in Christus und sonst niemand. In der Tat zieht sich diese Hauptwahrheit durch das ganze Neue Testament, dass, sowie Christus durch Totenauferstehung dem Geist der Helligkeit nach als Sohn Gottes in Kraft erwiesen ist (Röm 1,4), auch wir, indem wir in dem dazu bestimmten Augenblicke die Auferstehung des Leibes erlangen, als Söhne Gottes bezeichnet werden. –

Wenn ich die Stelle in Offenbarung 20,5 anführe, so geschieht dieses, um zu beweisen, dass ein Zeitraum von tausend Jahren die beiden Auferstehungen trennt. Aber ob es tausend Jahre oder tausend Tage sind, darauf kommt nichts an; hier gilt es nur, die Frage zu entscheiden, dass die Auferstehung der Heiligen und die der Gottlosen zwei verschiedene Ereignisse sind. Die Auferstehung der Heiligen charakterisiert sich dadurch, dass Gott diejenigen aus den Gräbern hervorruft, an denen Er seine Wonne hat, und die, bereits erkauft und durch seinen Geist lebendig gemacht worden sind. Weil Gottes Geist in ihnen wohnt, werden sie auferweckt, um bei Christus in der Herrlichkeit zu sein, während die andere Auferstehung – mag sie 1000 Tage oder 1000 Jahre später stattfinden – sich als die Auferstehung zum Gericht, mithin als eine ganz andere Sache erweist. Auch in Johannes 14 finden wir diese Wahrheit vollkommen bestätigt. „Ich gehe hin, für euch eine Stätte zu bereiten; und wenn ich hingegangen bin und euch eine Stätte bereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, auf dass, wo ich bin, auch ihr seid.“ – Wir sehen also, dass, wenn Christus uns, und zwar bei seiner Ankunft, abholen wird. Er uns zu sich nimmt, auf dass wir seien, wo Er ist. –

Und dennoch hat man sich bemüht, um Beweis für die irrige Lehre einer allgemeinen Auferstehung ausfindig zu machen, indem man in Ermanglung einer Stelle, die speziell von der Auferstehung spricht, das 25. Kapitel Matthäus anführt, worin von einer Scheidung der Schafe von den Böcken, nicht aber von der Auferstehung selbst die Rede ist. In Kapitel 24 hat der Herr von den Wegen Gottes betreffs der Juden bis zur Ankunft Christi gesprochen, dann bezeichnet Er seine Wege mit den Heiligen, sowie die mit den Nationen, und redet schließlich von der Zeit, wo Er in Herrlichkeit kommen und sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen wird, um alle Nationen zum Gericht vor sich zu versammeln. Aber dieses eben ist das Gericht, welches viele aus dem Auge verloren haben, indem sie übersehen, dass es eben sowohl ein Gericht der Lebendigen, als auch der Toten gibt, und dass jenes ebenso schrecklich, wie dieses, sein wird.

Öffnen wir jetzt das 22. Kapitel der Offenbarung. In den vorhergehenden Kapiteln finden wir die Zerstörung Babylons, weil in ihr das Blut von Propheten und Heiligen gefunden worden ist, dann das Gericht der Bösen auf der Erde, sowie endlich die Hochzeit des Lammes mit den Heiligen und ihr Erscheinen mit Ihm, wenn Er kommt, um das wilde Tier zu Zerstören. „Und die Kriegsheere die im Himmel sind, folgten ihm.“ – In der Tat werden bei der Wiederkunft Christi alle Heiligen mit Ihm kommen, denn wir lesen: „Der Herr, mein Gott, wird kommen, und alle seine Heiligen mit Ihm;“ und wiederum: „Siehe, der Herr ist gekommen inmitten seiner heiligen Tausenden;“ – und wiederum: „Wenn der Christus, unser Leben, offenbar werden wird, so werden wir mit Ihm offenbar werden in Herrlichkeit.“ Hier in der Offenbarung des Johannes sieht man sie bildlich in weißen Kleidern (die Gerechtigkeit der Heiligen darstellend) erscheinen. Ich führe dieses bloß an, um ihren Platz zu bezeichnen, den sie einnehmen werden. Wird also Christus als König der Könige und als Herr der Herren mit seinen Heiligen erscheinen, dann werden das Tier und der falsche Prophet vernichtet werden. Satan wird gebunden, und Johannes fügt hinzu: „Und ich sah Throns, und sie saßen darauf, und es ward ihnen Gericht gegeben: und die Seelen derer, die enthauptet waren um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen, und die nicht angebetet hatten das wilde Tier, noch angenommen sein Bild und das Mahlzeichen an ihre Stirn und an ihre Hand; und sie lebten und herrschten mit dem Christus die tausend Jahre.“ – Hier haben wir also die Heiligen, denen das Gericht übergeben ist, vor uns; sie sitzen auf Thronen und herrschen mit Christus tausend Jahre. „Die Übrigen der Toten aber wurden nicht lebendig, bis vollendet sind die tausend Jahre. Dies ist die erste Auferstehung.“ – Hier sehen wir die Ungereimtheit dessen, was man das geistliche tausendjährige Reich nennt. Wie ernst und betrübend ist es, den Einfluss zu sehen, den ein solcher Irrtum auf die Seelen ausübt! Alles, was die Kirche betrifft, ist vollendet; und, nachdem die Braut bereitet ist und die Hochzeit des Lammes stattgefunden hat, kommt Christus, begleitet von den Kriegsheeren seiner Heiligen, um das Gericht über das Tier und den falschen Propheten zu vollziehen. Nichtsdestoweniger ist man bemüht, das tausendjährige Reich als einen zukünftigen Zustand der Kirche hienieden darzustellen. Aber angenommen, dass dieses angekündigte Reich bildlich zu fassen sei, so kann doch nicht geleugnet werden, dass, wenn die Braut oben und die Hochzeit des Lammes vorüber ist, es sich nicht mehr um den Zustand der Kirche hienieden handeln kann. Dazu wird Satan im tausendjährigen Reiche gebunden sein, während die Kirche ihn zu überwinden hat. „Satan wird bald unter euren Füßen zertreten werden.“ – Unsere Stellung hienieden bleibt stets die des Kampfes, „nicht wider Fleisch und Blut, sondern wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern“, während, wenn das Lamm mit seinen Heiligen erscheint, Satan gebunden wird und die Zeit der tausend Jahre ihren Anfang nimmt.

Ich mache bei dieser Gelegenheit auf die Verbindung zwischen einer Stelle in 1. Korinther 15 und einer ähnlichen in Jesaja 25 aufmerksam, wodurch uns die Beziehung der Auferstehung der Heiligen zu der Wiederherstellung der Juden klar vor Augen treten wird. Der Apostel sagt: „Wenn aber das Verwesliche Unverweslichkeit anziehen, und das Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: Verschlungen ist der Tod in Sieg.“ Ein Blick in das 35. Kapitel Jesajas belehrt uns nun, dass dieses in jener Zeit stattfinden wird, in welcher die Juden wieder in ihr Land zurückgeführt sind, und die wir das für alle Nationen so gesegnete tausendjährige Reich nennen. Dort lesen wir: „Du demütigst der Fremden Ungestüm, wie die Hitze an einem dürren Orte; wie die Hitze durch der Wolken Schatten, so sinkt der Tyrannen Jubellied. Und der Herr Zebaoth wird allen Völkern machen auf diesem Berg ein fettes Mahl, ein Mahl von reinem Wein, von Fett und Mark, von Wein, worin keine Hefen sind. Und er wird auf diesem Berg das Angesicht der Hülle wegtun, womit alle Völker verhüllt sind, und die Decke, die über alle Heiden gedeckt ist. Er wird den Tod verschlingen in Sieg.“ – In Korinther 15 wird uns nun die Auferstehung als der Moment gezeichnet, in welchem diese Ereignisse in Erfüllung gehen werden; denn es heißt: „Dann wird das Wort erfüllt werden, welches geschrieben steht: Verschlungen ist der Tod in Sieg.“ – Es scheint also, dass die Zeit der Auferstehung Zugleich diejenige ist, in welcher der Herr auch Israel wiederherstellen wird, indem Er es in Zion einführt und den Schleier vor dem Angesicht aller Nationen hinwegnimmt. Wir lesen in Habakuk 2: „Siehe, ist es nicht vom Herrn Zebaoth, dass die Menschen arbeiten, um das Feuer zu nähren, und dass die Leute sich vergeblich abmühen? Denn die Erde wird erfüllt sein von der Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn, wie Wasser den Meeresgrund bedeckt.“ – dieses wird der Zustand der Erde im tausendjährigen Reiche sein, nachdem die Menschen fürs Feuer gearbeitet und sich vergeblich abgemüht haben. „Aber“ – fährt Jesajas fort – „wenn dem Gottlosen gleich Gnade widerfährt, so lernt er doch nicht Gerechtigkeit, sondern tut übe! im Land des Richtigen: denn sie sehen des Herrn Herrlichkeit nicht. Herr. Deine Hand ist erhöht, das sehen sie nicht; sie werden aber sehen zu ihrer Schande den Eifer um dein Volk; ja, das Feuer über deine Feinde wird sie verzehren“ (Jes 25,10–11). – Welch ein Grad von Bosheit! Wenn den Gottlosen Gnade angeboten wird, wollen sie nicht Gerechtigkeit lernen; nur wenn sich die Gerichte Gottes auf der Erde zeigen, dann „lernen die Bewohner des Erdbodens Gerechtigkeit“ (V 9).

Wir sehen also aus diesem allen, dass das tausendjährige Reich nicht in geistigem Sinn aufzufassen ist; denn jedes Mal, wenn Gott von der Erde sagt, dass sie voll von Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn sein werde, so steht dieses stets in Verbindung mit dem Gericht, während nirgends die Schrift dem Gedanken Raum gibt, dass das Evangelium unter allen Nationen verbreitet werden und sie unter den Gehorsam Christi bringen würde. Erst wenn die Fülle der Heiden eingekommen sein wird, wird die Errettung Israels ihren Anfang nehmen.

Lieben Freunde! Nachdem ich nun alle, auf die Auferstehung bezüglichen Stellen des Neuen Testaments vor eure Seelen geführt zu, haben glaube, werdet ihr hoffentlich alle mit mir die Überzeugung teilen, dass nach allen diesen Stellen, die Auferstehung der Heiligen, weil sie auf deren Erlösung gegründet ist, sich gänzlich unterscheidet von der Auferstehung der Gottlosen, indem die Heiligen das Leben Christi besitzen, ein Leben, dessen Macht durch die Auferweckung ihres Leibes erwiesen wird, dann dass zweitens die Auferstehung zum Leben und diejenige zum Gericht zwei verschiedene Ereignisse sind, weil ein Zeitraum von tausend Jahren sie voneinander trennt; und dass endlich drittens, während die erste Auferstehung das Resultat der Erlösung ist, die andere nur die Folge der Verwerfung der Erlösung sein kann. Die Zeit erlaubt mir nicht, näher auf den Gegenstand der Wiederherstellung der Juden eingehen zu dürfen; aber ich kann nicht schließen, ohne diesen ernsten Wahrheiten noch einige Worte zu widmen.

Christus ist gekommen, um zu erretten, bevor das Toben der Gerichte begonnen hat. Wenn Er kommt, um zu richten, dann kann niemand mehr Rettung finden, ja, dann wird kein Fleisch gerechtfertigt werden, weil kein Gerechter da ist, auch nicht einer. Darum hat der Herr ein vollkommenes Heil gebracht, um dem Gericht entfliehen zu können, ein Heil, welches uns von dem kommenden Zorn befreit. Es gibt einen kommenden Zorn; aber es gibt auch eine Befreiung von demselben. Gott ist in Gnaden dazwischengetreten, und rettet uns nicht nur von diesem Zorn, sondern gibt uns auch einen Platz mit seinem eigenen Sohn. Nicht nur sind uns unsere Sünden vergeben, sondern wir sind auch mit Christus vereinigt, ein Geist mit Ihm. Er ist der Erstgeborene unter vielen Brüdern; und wir sind die Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und seinem Bein. So wie der Mensch sein eigenes Fleisch pflegt, so widmet Er seine ganze Sorgfalt seiner Kirche oder Versammlung; und sein Gebet lautet: „Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin.“ Wenn Er erscheint, werden wir mit Ihm erscheinen; und wenn Er richtet, so werden die Heiligen bei Ihm auf Thronen sitzen und das Gericht ausführen helfen; denn der Apostel sagt: „Wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden?“

Lieben Freunde! Sind das auch eure Gedanken in Betreff der Erlösung? Glaubt auch ihr, dass diese Welt eine verurteilte ist? Ich weiß wohl, dass dieses für das Ohr der Welt eine unerträgliche Sprache ist; aber sie wird es einräumen müssen, wenn sie zum Gericht auferweckt werden wird. Die einzelnen Seelen werden geprüft; aber behaupten zu wollen, dass die Welt als solche, sich in einem. Prüfungszustande befinde, ist ein großer Irrtum. Christus ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist; ein verlorener Mensch aber befindet sich nicht in einem Zustand, um geprüft zu werden. Wenn wir, als Gläubige, gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt, auf dass wir nicht mit der Welt verdammt werden. Was die Welt betrifft, so ist ihre Verdammnis eine beschlossene Sache. Was fühlt ihr bei dem Gedanken, dass dieser Schauplatz, auf dem ihr lebt, eine verurteilte Welt, die, indem sie gesagt: „Dieser ist der Erbe; lasst uns ihn töten“, den Herrn verworfen hat, und von der Er einst sagte: „Jetzt ist das Gericht dieser Welt;“ und: „Die Welt wird mich nicht mehr sehen;“ und: „Wenn aber der Sachwalter kommt, wird Er die Welt von der Sünde und von der Gerechtigkeit und von dem Gericht überführen; – – von der Gerechtigkeit, weil ich zu meinem Vater gehe, und ihr mich nicht mehr seht.“ – Aber eben weil die Welt verurteilt ist, ist uns eine Erlösung angeboten, ein neues Leben, ein zweiter Adam anstatt des ersten; und alle Verheißungen Gottes sind Ja und Amen in Ihm. Nicht dem ersten Adam, welcher sündigte, sondern dem Samen des Weibes ward die Verheißung gegeben, dass derselbe der Schlange den Kopf zertreten werde; also dem zweiten Adam und nicht dem ersten gehört die Verheißung. Wir haben in Christus nicht bloß die Vergebung, sondern auch die Herrlichkeit. Wir sind eins mit Ihm, – sind seine Braut, und haben unseren Platz nicht nach dem Verdienst des ersten, sondern des zweiten Adams.

Fasst ihr diese gesegnete Wahrheit, meine Freunde? Möge der Herr es euch geben, tiefer, als bisher zu fühlen, was es heißt, in einer Welt zu sein, die Ihn verwarf, und Zugleich in einem glücklichen Herzen das Bewusstsein zu tragen, dass ihr Ihm, der in seiner unaussprechlichen Liebe für uns litt und starb, gehuldigt und Ihn als euren Heiland empfangen habt.

Fußnoten

  • 1 Wir reden natürlich nicht von der Vorsehung Gottes; denn nicht ein, Sperling fallt auf die Erde ohne seinen Willen.
  • 2 Ich zweifle nicht, dass diese Zeiten in den Tagen Nebukadnezars ihren Anfang genommen haben.
  • 3 selbst die Gottlosen werden gezwungen sein, Ihn zu ehren.
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