Einführung in das Buch Nehemia

Das Buch Nehemia - sein Verfasser

Autor des Buches Nehemia ist Nehemia selbst (genauso wie Esra das nach ihm benannte Buch verfasst hat). Ein großer Teil des Buches ist in der Ichform geschrieben, und es gibt wenige Gründe, davon auszugehen, dass die Passagen, die nicht in der Ichform geschrieben sind, von einem anderen Autor stammen sollen1. Der im Buch Nehemia erwähnte König Artasasta (Neh 2,1; 5,14; 13,6) regierte von ca. 464 bis ca. 424 v. Chr.2 Nehemia erwähnt das 32. Jahr seiner Regierung, woraus man schließen kann, dass das Buch jedenfalls nach 432 v. Chr. geschrieben wurde3.

Über Nehemia selbst wissen wir nicht viel. Das Buch handelt von der „Geschichte Nehemias, des Sohnes Hakaljas“ (Neh 1,1). In den Büchern Esra und Nehemia werden noch zwei weitere Männer genannt, die ebenfalls Nehemia heißen. Einer der beiden war ein Sohn Asbuks (Neh 3,16), der andere war mit Serubbabel zurückkehrt (Esra 2,2; Neh 7,7). Davon ist der Autor des Buches Nehemia jedenfalls zu unterscheiden. Außer dass er der Sohn Hakaljas war, wird seine Familie nur noch in Nehemia 7,2 erwähnt. Dort ist von seinem Bruder Hanani die Rede. Nehemia muss also in babylonischer Gefangenschaft geboren worden sein. Seine Urgroßeltern waren wahrscheinlich unter den von Nebukadnezar nach Babel deportierten Juden. Obwohl einige Ausleger in ihm einen Priester sehen wollen, gibt es dafür keine Anhaltspunkte. Im Gegenteil: In Kapitel 8,9 wird Nehemia ausdrücklich von Esra, dem Priester und Schriftgelehrten, unterschieden. Nehemia wird dort der „Tirsatha“ (oder Tirschata) genannt, was so viel wie Gouverneur oder Regierungsverantwortlicher bedeutet. Eine ähnliche Unterscheidung finden wir in Kapitel 12,26. Dort wird Esra wieder der Priester und Schriftgelehrte genannt, während Nehemia der „Statthalter“ ist.

Der Führer der ersten Rückkehrer – Serubbabel – war königlicher Abstammung. Der Führer der zweiten Rückkehrer – Esra – war priesterlicher Abstammung. Nehemia hingegen war ein Mann aus dem einfachen Volk, der einem irdischen Beruf nachging, als Gott ihn in seinen Dienst berief. Nehemia war Mundschenk des Königs Artasasta (Neh 1,11; 2,1). Das war in der damaligen Zeit ein sehr vertrauensvoller Posten, denn ein König lebte in der ständigen Gefahr, mit Speisen oder Getränken vergiften zu werden. Mundschenken wurden deshalb sehr sorgfältig ausgewählt und hatten häufig eine eher ungewöhnliche Nähe zu ihrem König. Sie galten meist als geschätzte Ratgeber. Nehemia hatte sich in seinem irdischen Beruf bewährt, und so konnte Gott ihn mit geistlichen Aufgaben betrauen. In all dem erkennen wir, wie souverän Gott handelt. Er wählt seine Männer und Diener so aus, wie Er sie zum jeweiligen Zeitpunkt und für die jeweilige Aufgabe gebrauchen kann.

Der Name Nehemia bedeutet „der Herr (Jahwe) tröstet“, der Name seines Vaters Hakalja bedeutet „der Herr (Jahwe) betrübt“.4 Beide stehen für einen Teil der Geschichte ihres Volkes. In der Tat hatte Gott sein Volk wegen ihrer Untreue betrüben müssen. Die Zeit des Exils in Babel war für sie eine Zeit der Betrübnis und des Dunkels. Doch nun hatte Gott seinem Volk neue Hoffnung gegeben und es getröstet. Es zeugt von dem Glauben der Eltern, ihrem Sohn im Exil einen solchen Namen zu geben.

Fußnoten

  • 1 Ein Ausnahme könnten die Kapitel 8–10 sein. Einige Ausleger denken, dass sie von Esra geschrieben wurden. Es ist nicht auszuschließen. Letztlich ist die Frage jedoch von untergeordneter Bedeutung.
  • 2 Es handelt sich um Artaxerxes Longimanus (Langhand). Er war der jüngere Sohn und Nachfolger von Xerxes I. König wurde er deshalb, weil er seinen älteren Bruder getötet hatte, der – vermutlich zu Unrecht – bezichtigt wurde, seinen Vater ermordet zu haben. In seine Regierungszeit fallen einige kriegerische Auseinandersetzungen an verschiedenen Stellen seines großen Reiches. Bekannt ist u. a. die Schlacht bei Papremis (456 v. Chr.). Im Allgemeinen gilt Artaxerxes jedoch als relativ gutherziger König. Seine Regierungspolitik gilt in der säkularen Geschichtsschreibung als eher tolerant. Der König ließ seine Taten auf diversen Inschriften für die Nachwelt festhalten. Die Bibel erwähnt diesen König in den Büchern Esra, Nehemia und Esther (dort unter dem Namen Ahasveros).
  • 3 Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus weist zwar darauf hin, dass Jaddua Hoherpriester gewesen sein soll, als Alexander der Große einige Jahrzehnte später durch Palästina zog. Weil Nehemia in 12,22 Jaddua erwähnt, nehmen einige Ausleger an, das Buch Nehemia sei deutlich später geschrieben worden. Der Beweis dafür fehlt allerdings. Es mag vielleicht sein, dass der erwähnte Jaddua zur Zeit Nehemias noch ein sehr junger Mann war, der dann zu Alexanders Zeiten sehr alt gewesen sein muss. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass es sich um zwei verschiedene Männer handelt, die beide den Namen Jaddua trugen.
  • 4 Andere übersetzen „Umdunkelt hat sich der Herr”
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