Einführung in das Buch Nehemia

Die Bücher Esta und Nehemia

Die Bücher Esra und Nehemia bilden eine Einheit. Beide zeigen uns wichtige Kennzeichen eines „Überrestes“ nach Gottes Gedanken (z. B. Gottesdienst, Glauben, Eifer, Interesse, Ehrfurcht, Gehorsam, Trauer über den Zustand des Volkes). Zugleich erkennen wir aus beiden Büchern und den drei dazugehörenden Propheten wesentliche Degenerationserscheinungen und Fehlverhalten. Darüber hinaus zeigen sich Widerstand von innen und außen und wir lernen, wie man damit umgeht.

Beide Bücher beschreiben eine Erweckungszeit, die Gott veranlasst hatte, und zwar unter einem kleinen „Überrest“ der Juden, der in das Land seiner Väter zurückkehrte. Sie wollten nicht in Babel bleiben, sondern in Jerusalem wohnen, an dem Ort, den Gott erwählt hatte, um seinen Namen dort wohnen zu lassen (5. Mo 12,11; 1. Kön 11,36). Dazu war es notwendig, sich von Babel (Babel steht für Verwirrung) zu trennen. In Jerusalem waren sie an dem richtigen Ort. Doch das allein genügte nicht. Sie brauchten die richtige Herzenshaltung. Und die fehlte leider bei vielen von ihnen. Deshalb finden wir in beiden Büchern neben vielen positiven Dingen zugleich alarmierende Tatbestände, die zu unserer Warnung geschrieben sind.

Es gibt in beiden Bücher mindestens fünf gemeinsame Punkte und Lektionen:

  1. Restauration und Wiederaufbau
  2. Kennzeichen eines Überrestes in Gottes Augen
  3. Stärken und Schwächen
  4. Widerstand von innen und außen und wie man damit umgeht
  5. Leiterschaftsprinzipien und wie man im Volk Gottes nach seinen Gedanken umsetzen kann

Nicht nur die beiden Bücher Esra und Nehemia sind eng miteinander verbunden, sondern auch die beiden Personen und Diener Gottes. Esra war priesterlicher Abstammung, während Nehemia ein Mann aus dem gewöhnlichen Volk war. Gott gebrauchte beide in seinem Dienst, und zwar zu seiner Zeit und mit seinen Aufgaben. Esras Dienst geht dem von Nehemia voraus. Er kümmerte sich besonders um das Wort Gottes, während es Nehemia um die Stadt und die Mauer Jerusalems ging. Beide Dienste waren notwendig und beide Dienste wurden getan. Obwohl Esra bereitwillig in den Hintergrund tritt, als Gott Nehemia die Führung und die damit verbundenen Aufgabe anvertraute, übernimmt er doch in Nehemia 8 noch einmal einen wichtigen Dienst.

Wir lernen daraus ein wichtiges göttliches Prinzip, das zeitlos gültig ist. Gott wählt seinen Diener gerade für die Aufgabe aus, die er tun soll. Kein Diener Gottes kann alle Aufgaben übernehmen, und kein Diener kann von sich behaupten, der Dienst anderer sei nicht erforderlich. Tut er es doch, schadet er damit dem Wirken Gottes. Esra überließ die Führung ohne weiteres zum gegebenen Zeitpunkt dem nachfolgenden Nehemia. Es gibt nicht den geringsten Anlass zu vermuten, die beiden wären sich aus dem Weg gegangen oder hätten gar gegeneinander gearbeitet. E. Dennet bemerkt an dieser Stelle: „Doch obwohl Esra noch immer in Jerusalem war, ist es Nehemia, der in diesem besonderen Moment ausgesandt wird. Wie glücklich ist es, wenn der Diener sein Werk aus der Hand des Herrn empfängt und sich zurückzieht, wenn er erkennt, dass sein Auftrag aus einem bestimmten Grund beendet ist“.1

Fußnoten

  • 1 E. Dennet: The Book of Nehemiah
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