Das Kommen des Herrn, Israel und die Gemeinde

"Die erste Auferstehung"

Wir haben gesehen, dass die Gläubigen mit Jesus zurückkehren, wenn Er kommen wird, um seine Feinde zu vernichten. Nachdem das Gericht vollzogen und Satan in den Abgrund geworfen wurde, beginnt die Herrschaft Christi und derer, die mit Ihm herrschen. „Und ich sah Throne“, schreibt der Apostel „und sie saßen darauf, und es wurde ihnen gegeben, Gericht zu halten; und ich sah die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und die, die das Tier nicht angebetet hatten noch sein Bild, und das Malzeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und an ihre Hand. Und sie wurden lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre. Die Übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren. Dies ist die erste Auferstehung. Glückselig und heilig, wer teilhat an der ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Gewalt, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen tausend Jahre“ (Off 20,4–6).

Es ist unfassbar, dass der Eifer für Glaubensüberlieferungen die Menschen soweit geführt hat, dass sie die Schrift verdrehen und daran festhalten, dass diese „erste Auferstehung“ keine Auferstehung von Menschen, sondern von Grundsätzen ist. Grundsätze, „die um des Zeugnisses Jesu ... willen enthauptet worden waren“, Grundsätze, die sich weigern, das Tier anzubeten, Grundsätze, die das Mal an ihren Stirnen und Händen ablehnen, Grundsätze, über die der „zweite Tod keine Gewalt“ hat, sondern die „Priester Gottes und des Christus“ sein werden. Gemäß dieser Auffassung müssen dann auch die „Übrigen der Toten“ Glaubensgrundsätze sein, was bedeuten würde, dass überhaupt kein Mensch auferstehen wird!

Was aber lehrt uns dieser Abschnitt, wenn wir ihn vernünftig betrachten? Zunächst sehen wir hier eine Auferstehung, die vor der 1000-jährigen Herrschaft Christi beginnt und wir erfahren, wer die auferweckten Personen sind. Diese werden in drei Gruppen unterteilt. Die erste Personengruppe wird „sie“ genannt: „Und ich sah Throne und sie saßen darauf“. Mit den anderen beiden Gruppen werden wir uns an dieser Stelle nicht beschäftigen, sondern stellen uns zunächst die Frage, wer die erstgenannte Gruppe bildet. Sie sind „glückselig und heilig“, also muss es sich um Gläubige handeln. Aber welche Gläubigen? Die zuletzt genannten Personen sind die himmlischen Heerscharen, die mit Jesus kommen um Krieg zu führen. Sie sind Teilhaber seines Triumphes und als Sieger können wir erwarten, zu sehen, wie sie mit Ihm herrschen. Sie sind die einzigen Personen, die im Kontext erwähnt werden, außerdem die einzigen, auf die die Beschreibung zutreffen könnte. Aber diese himmlischen Heerscharen sind, wie wir gesehen haben, die Gläubigen, die zuvor entrückt wurden, um bei dem Herrn zu sein. Die Schrift hat uns zuvor bereits gezeigt, dass die lebenden Gläubigen beim Kommen des Herrn Ihm gleich gestaltet werden und in seine Gegenwart entrückt werden. Danach werden sie mit Ihm die Welt richten. Diese Schriftstelle lehrt uns also, dass die Auferweckung der entschlafenen Gläubigen mit der Umgestaltung der lebenden Gläubigen stattfindet. Auch sie werden mit Christus wiederkommen und mit Ihm herrschen.

Die in den vorherigen Kapiteln zitierten Schriftstellen stützen diese Schlussfolgerung. In keiner dieser Stellen finden wir, dass die Herrlichkeit der Gläubigen davon abhängt, dass sie bei dem Kommen des Herrn noch am Leben sind. Die Apostel würden „auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten“ und Petrus, auf dessen Frage hin diese Ankündigung gemacht wurde, wurde mitgeteilt, dass er durch den Tod gehen würde. Gläubige werden zu Miterben Christi, ihnen wird gesagt, dass sie die Welt richten werden. Denen, die um Christi willen leiden, wird verheißen, dass sie mit Ihm herrschen werden, unabhängig davon, ob sie bei seiner Rückkehr am Leben sind oder bereits im Grab liegen. Die Verheißung an die Gläubigen in Thyatira – „wer überwindet und meine Werke bewahrt bis ans Ende, dem werde ich Gewalt über die Nationen geben“ – könnte nicht für sie in Erfüllung gehen, wenn diese Hoffnung nicht für Tote wie Lebende gleichermaßen gelten würde. Tatsächlich wurde der Abschnitt, auf den so häufig Bezug genommen wird, offenbar als Beweis dafür geschrieben, dass die Gläubigen, seien sie tot oder lebendig, beim Kommen des Herrn alle das Gleiche erwartet. „So wird auch Gott die durch Jesus Entschlafenen mit ihm bringen“ (1 Thess 4,14). Wohin bringt Er sie und wozu? Er wird sie zu Teilhabern seiner Herrlichkeit machen und dazu wird Er sie zuerst aus ihrem Schlaf auferwecken und dann mit den lebenden Gläubigen zu sich in den Himmel nehmen.

Unser Herr nennt zwei Arten der Auferstehung, erwähnt jedoch nichts davon, dass diese zeitversetzt stattfinden. „Es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts“ (Joh 5,28.29). Ist nicht die Auferstehung zum Leben in exakter Übereinstimmung mit der Auferstehung derer, die lebten und mit Christus tausend Jahre herrschten? Und ist nicht die Auferstehung zum Gericht die gleiche wie die der Toten von denen geschrieben steht: „Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war“? Wenn dem so ist – was wir unmöglich in Frage stellen können – unterscheiden sich die beiden Auferstehungen nicht nur in ihrem Charakter, sondern auch zeitlich. Die eine ist die Auferstehung der „Toten in Christus“, wenn Er für die Seinen kommt, die andere die Auferstehung der „Übrigen der Toten“, die am Ende der Welt stattfinden wird.

Paulus sagt in seiner Verteidigungsrede vor Felix „dass eine Auferstehung sein wird, sowohl der Gerechten als auch der Ungerechten“ (Apg 24,15). Warum erwähnt er beide Gruppen? Hätte er die Unterredung mit jemandem geführt, der nur an die Auferstehung der Gerechten, nicht jedoch der Ungerechten glaubte, wäre das leicht zu erklären. Dies war jedoch nicht der Fall und die Unterscheidung in zwei Personengruppen ist daher nicht so einfach zu verstehen, es sei denn, man geht davon aus, dass der Apostel ihre Auferstehung nicht als Teile eines einzigen Ereignisses betrachtete, sondern vielmehr als zwei voneinander getrennte Vorgänge. Noch weniger könnten wir die Aussage unseres Herrn gegenüber dem Pharisäer verstehen, dass ihm „vergolten werden (wird) in der Auferstehung der Gerechten“ (Lk 14,24), wenn Gerechte und Ungerechte in einem Ereignis auferweckt würden. Der Ausdruck „Auferstehung der Gerechten“ könnte wohl kaum verwendet werden, wenn beide Personengruppen gleichzeitig auferstehen würden. Aber seine Aussagekraft wird sogleich erkannt, wenn wir die Wahrheit der „ersten Auferstehung“ anerkennen, worüber uns das Buch der Offenbarung hinreichend belehrt.

Obwohl es nicht nötig wäre, Beweise für einen so offensichtlichen Aspekt zu sammeln, soll ein oft nachlässig verwendeter Ausdruck aus der Schrift zum besseren Verständnis dienen. Dass sich eine „Auferstehung der Toten“ von einer „Auferstehung aus den Toten“ unterscheidet, wird auf Grund der ständigen Verwechslung der Ausdrucksweisen, meist wenig verstanden. Jeder versteht den Unterschied zwischen dem „Austritt einer Gruppe“ und dem „Austritt aus einer Gruppe“. Ersteres bedeutet den Weggang der gesamten Gemeinschaft, das zweite den Weggang einer oder mehrerer Personen aus dieser Gemeinschaft. Genau das ist der Unterschied zwischen der „Auferstehung der Toten“ und der „Auferstehung aus den Toten“. Die Toten sind die gesamte Gruppe toter Personen. Mit der „Auferstehung der Toten“ ist daher nur gemeint, dass tote Personen auferstehen werden. Eine „Auferstehung aus den Toten“ bedeutet jedoch, dass eine oder mehrere Personen aus dieser Gruppe der Toten auferweckt werden. In der Schrift wird konstant dieser Ausdruck verwendet, in den meisten Fällen wird er in Bezug auf die Auferstehung des Herrn Jesus gebraucht. Wir finden diesen Ausdruck jedoch auch für die Auferstehung des Lazarus (Joh 12,1–9), die mutmaßliche Auferstehung Johannes des Täufers (Mk 6,16), die Auferstehung des armen Mannes, um die der reiche Mann bat (Lk 16,31) und die Auferstehung Issaks, von der Abraham glaubte, dass sie Gott möglich sei (Heb 11,19). – alles Auferstehungen Einzelner aus der Menge der Toten. Der Ausdruck kann grammatikalisch nichts anderes bedeuten als eine exklusive Auferstehung. Fast immer wird dieser Ausdruck offensichtlich für die Auferstehung einer Einzelperson verwendet. Sicherlich können wir aus den ein oder zwei Stellen, wo diese Exklusivität nicht aus dem Zusammenhang ersichtlich ist, davon ausgehen, dass der Ausdruck immer noch die gleiche Bedeutung hat. Eine dieser Stellen ist die Antwort unseres Herrn gegenüber den Sadduzäern als sie Ihn über die Auferstehung auf die Probe stellen wollten. Er entgegnet ihnen (in Markus ist die Antwort gleichlautend): „Die aber für würdig erachtet werden, jener Welt teilhaftig zu sein und der Auferstehung aus den Toten, heiraten nicht, noch werden sie verheiratet; denn sie können auch nicht mehr sterben, denn sie sind Engeln gleich und sind Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind“ (Lk 20,35.36). Hier wird der Ausdruck „Auferstehung aus den Toten“ verwendet und es stellt sich die Frage, ob an dieser Stelle eine allgemeine oder einzelne Auferstehung gemeint ist. Es kann sich nicht um eine allgemeine Auferstehung handeln, denn alle, die daran teilhaben, sind Engeln gleich, Söhne Gottes, die würdig geachtet werden, daran teilzunehmen und nicht mehr zu sterben. Es muss sich also um eine exklusive Auferstehung handeln und wir stellen fest, wie sehr diese in moralischer Hinsicht der „ersten Auferstehung“ gleicht. Von den Teilhabern dieser Auferstehung heißt es, dass sie „glückselig und heilig“ sind, „der zweite Tod keine Gewalt“ über sie hat und dass sie „Priester Gottes und des Christus“ sein werden. Was ist aber jene „Welt“, der diese „Söhne der Auferstehung“ würdig geachtet werden teilhaftig zu sein? Hier sehen wir wieder, wie genau die Schrift ist, denn bei dieser Welt kann es sich nur um das tausendjährige Reich handeln, in dem sie mit Christus leben und herrschen werden.

Wir lesen auch, dass es die Sadduzäer verdross, dass die Apostel „in Jesu die Auferstehung aus den Toten verkündigten“ (Apg 4,2). Zweifellos war die Auferstehung des Herrn Jesus zentraler Gegenstand des Zeugnisses der Apostel. Der Ausdruck „in Jesu“ beinhaltet jedoch noch mehr als die Auferstehung unseres Herrn selbst. Die Apostel verkündigten „in Jesu die Auferstehung aus den Toten“. Einige Wochen zuvor hatten die Sadduzäer dem Herrn Jesus eine Frage gestellt, mit der die Auferstehung ins Lächerliche gezogen werden sollte und sie wurden durch die im letzten Abschnitt zitierte Antwort zum Schweigen gebracht. In dieser Antwort wurde nicht nur die Auferstehung als Tatsache dargestellt, sondern sie enthielt auch die Aussage über eine exklusive Auferstehung, die denjenigen vorbehalten ist, die würdig sind, sie zu empfangen. Diese Lehre verkündigten nun die Apostel, ergänzt um die Tatsache, dass diese Auferstehung durch oder in Jesus, den die Sadduzäer verworfen hatten, sein würde. Obwohl ihnen die Verkündigung missfiel, konnten sie wohl kaum Hand an sie legen, da die Pharisäer, die eine weit zahlreichere Gruppe waren als sie selbst, den gleichen Glauben hatten. Die exklusive Auferstehung einzelner, die der Herr Jesus angekündigt hatte und die nun als in Ihm verkündet wurde, erregte ihren Ärger und ließ sie die Verkünder verfolgen. Paulus spricht in gleicher Weise davon, indem er von dem Herrn Jesus sagt, dass Er „der Erstgeborene aus den Toten“ ist (Kol 1,18), das heißt, Er ist der Erste von denen, die aus den Toten auferweckt werden. Wenn die Auferstehung aller anderen Toten gleichzeitig stattfinden würde, wäre Er nicht der erste, sondern der einzige, „Auferstandene aus den Toten“, die Übrigen hätten kein Teil an der Auferstehung „aus den Toten“ sondern nur in der Auferstehung „der Toten“. Dieser Ausdruck steht auch nicht alleine. In seiner Rede vor Festus und Agrippa erklärt der Apostel, dass die Propheten bereits bezeugten „dass der Christus leiden sollte, dass er als Erster durch Toten-Auferstehung Licht verkündigen sollte“ (Apg 26,23). Natürlich wird dieser Satz zuerst in Bezug zum Herrn Jesus selbst gesehen, hier aber wird der Herr Jesus nur erwähnt als der Erste aus einer Anzahl weiterer, auf die das Gleiche zutrifft. In den Eingangsversen der Offenbarung wird der Herr Jesus als der „Erstgeborene aus den Toten“ oder eher als der „der Erstgeborene der Toten“ (Off 1,5) vorgestellt.

Sogar die Irrlehrer, die in der Zeit des Apostels aufstanden, sind Zeugen der Tatsache, dass zu dieser Zeit die exklusive Auferstehung gelehrt wurde. Wie sonst hätten die falschen Lehren des Hymenäus und Philetus „die von der Wahrheit abgeirrt sind, indem sie sagen, dass die Auferstehung schon geschehen sei“ (2 Tim 2,18) überhaupt erst entstehen können? Oder wie könnte eine solche falsche Lehre „den Glauben einiger zerstören“, wenn der Apostel eine allgemeine Auferstehung am Ende der Welt gelehrt hätte und die frühen Christen ihm darin geglaubt hätten? Auf der anderen Seite kann man sehen, wie schnell einem die Wahrheit einer exklusiven Auferstehung durch Irrlehrer entrissen und zum ernsten Stolperstein im Glauben der weniger gefestigten Gläubigen werden kann.

Es gibt jedoch noch einen bemerkenswerteren Ausdruck des Apostels Paulus. Er wünscht sich, Christi Tod gleichgestaltet zu werden, „ob ich auf irgendeine Weise hingelangen möge zur Auferstehung aus den Toten“ (Phil 3,11). Einige Übersetzer haben nur „der Toten“ geschrieben, da sie nichts über eine erste Auferstehung wussten, konnten sie das Wort (Exanastasis), das der Apostel hier zur Verdeutlichung verwendet, nicht verstehen. Dieser Begriff ist nicht die gewöhnliche Bezeichnung für Auferstehung, sondern ein Wort, das speziell an dieser Stelle verwendet wird und das wir an keiner anderen Stelle finden. Die wörtliche Bedeutung ist „Auferstehung aus der Mitte von“. Wenn hiermit nur eine allgemeine Auferstehung gemeint wäre, warum sollte der Apostel bemüht sein, zu etwas hin zu gelangen, zu dem Gute und Böse gleicherweise hinkommen? Oder warum sollte er ein Wort verwenden, das die Exklusivität betont, wenn es gar keine Exklusivität gibt? Wenn er jedoch eine exklusive Auferstehung solcher meint, die für würdig geachtet werden, diese zu empfangen, wird uns klar, was dieser Begriff aussagt und was das Thema des Apostels ist.

Wenn dies die Bedeutung des Ausdrucks „Auferstehung aus den Toten“ ist, so könnte man sich fragen, warum dieser nicht in der langen Ausführung über die Auferstehung in 1. Korinther 15 in Bezug auf die Toten verwendet wird? Der Grund dafür ist sehr einfach. Eine „Auferstehung aus den Toten“ ist auch eine „Auferstehung der Toten“, weshalb der letztgenannte Ausdruck sowohl für die erste als auch für die zweite Auferstehung verwendet werden kann. Wie also werden diese beiden Begriffe verwendet? Sicherlich können wir erwarten, dass, wenn der exklusive Charakter der Auferstehung hervorgehoben werden soll, der erste Ausdruck „Auferstehung aus den Toten“ gebraucht wird. Geht es jedoch rein um die Tatsache der Auferstehung und nicht konkret um eine exklusive Auferstehung, wäre der Ausdruck „Auferstehung der Toten“ wohl üblicher. Nun bezieht sich die gesamte Erörterung in diesem Kapitel darauf, zu zeigen, dass Gläubige auferstehen werden. Dies wurde von einigen Korinthern geleugnet. Der Apostel antwortet ihnen, indem er ihnen den – zum Teil schon ausgeführten – Plan Gottes über die erste Auferstehung vorstellt. Seine Ausführungen haben hier überhaupt keinen Bezug zu der Auferstehung Ungläubiger und die Frage, ob es sich um eine exklusive oder allgemeine Auferstehung in Bezug auf Gläubige handelt, wird deshalb gar nicht berührt. Nur die Reihenfolge und die wesentlichen Merkmale der Pläne Gottes hinsichtlich der ersten Auferstehung werden behandelt, währenddessen diese völlig dargelegt werden. Christus ist der Erstling, dann „die, die des Christus sind bei seiner Ankunft“ (1 Kor 15,23), gleichzeitig werden auch die Gläubigen, die nicht entschlafen sind, umgestaltet werden und der Tod wird verschlungen in Sieg (1 Kor 15,51–54).

In diesem Licht betrachtet, ist die Genauigkeit in der Ausdrucksweise überaus beeindruckend. Die einzigen Toten, die in diesem Kapitel erwähnt oder betrachtet werden, sind der Herr Jesus selbst und die, die an Ihn glauben. Die Auferstehung des Herrn wird vor den anderen stattfinden und wird als „Auferweckung aus den Toten“ bezeichnet (Verse 12, 20). Die Auferstehung der Gläubigen, die die Gruppe der Übrigen hier betrachteten Toten darstellen, wird nicht als „Auferweckung aus den Toten“, sondern als Auferweckung der Toten beschrieben (Verse 21, 42). Im zuletzt genannten Fall reicht der Ausdruck „Auferweckung der Toten“ aus, um das auszudrücken, was der Heilige Geist uns lehren will. Der Begriff „Auferweckung aus den Toten“ hätte der Lehre nichts hinzugefügt, hätte jedoch durch ein fremdes und unpassendes Element für Verwirrung gesorgt.

Auf der anderen Seite ist es so, dass, wenn Gläubige und Ungläubige zusammen zum Gericht auferweckt würden, wie kann es dann sein, dass hier weder etwas über die ungläubigen Toten noch über das Gericht gesagt wird? Diese Auslassung ist ein deutlicher Hinweis. Das Schicksal der Verlorenen bleibt jedoch nicht völlig außen vor. „Ein jeder“ wird „in seiner eigenen Ordnung“ auferstehen. „Der Erstling, Christus; dann die, die des Christus sind bei seiner Ankunft; dann das Ende, wenn er das Reich dem Gott und Vater übergibt, wenn er weggetan haben wird alle Herrschaft und alle Gewalt und Macht. Denn er muss herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Als letzter Feind wird der Tod weggetan“ (1 Kor 15,23–26).

Nach der Auferstehung Christi wird uns folgender Ablauf vorgestellt:

  1. Die Auferstehung derer, die des „Christus sind bei seiner Ankunft“.
  2. Seine Regierung, die damit endet, dass der „letzte Feind“, der Tod, weggetan wird.
  3. „Das Ende“, wenn Er alle Feinde „unter seine Füße gelegt hat“ und „das Reich dem Gott und Vater übergibt“.

Wenn der „letzte Feind“, der Tod, weggetan wird, werden „die Übrigen der Toten“ ebenfalls auferweckt und gerichtet. Vor dem großen weißen Thron werden die „Toten, die Großen und die Kleinen“ stehen und sie „wurden gerichtet ... nach ihren Werken“, „und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen“ (Off 20,11–14). Das ist offensichtlich die Vernichtung des Todes, denn unmittelbar darauf sieht Johannes „einen neuen Himmel und eine neue Erde“ „und der Tod wird nicht mehr sein“ (Off 21,1.4). Vergleicht man diese Verse mit dem Kapitel im Korintherbrief, sehen wir, dass bei beiden die Reihenfolge der Ereignisse gleich ist: zuerst die Auferstehung der Erlösten, dann das Reich Christi (das mit der Vernichtung des Todes endet), die Auferstehung und das Gericht der Verlorenen und schließlich der vollkommene Zustand, wo es keinen Tod mehr gibt. Kurz gesagt, lehrt uns dieses Kapitel in Übereinstimmung mit dem Rest der Schrift, dass die Auferstehung der Gerechten und der Ungerechten zwei unterschiedliche Ereignisse sind. Erstere geht dem Reich Christi voraus, letztere ist eine seiner letzten sehr ernsten Handlungen.

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