Botschafter des Heils in Christo 1862

Philippus findet Nathanael

Wie einfach und natürlich ist dieser Ausdruck: „Philippus findet, Nathanael.“ Ehe aber Philippus den Nathanael fand, hatte er Christus gefunden. Er konnte mit aller Gewissheit und allem Vertrauen sagen: „Wir haben Ihn gefunden.“ Er sagt nicht: „Wir suchen Ihn und hoffen Ihn zu finden; komm und hilf uns diesen köstlichen Gegenstand suchen.“ Dies war für Philippus nicht mehr nötig; sein ernstes Suchen hatte sich in ein freudiges Finden geendigt, sowie es immer der Fall ist; und als er Christus gesunden hatte, ging er hin und fand den Nathanael. Sobald die Seele, im letzten Kapitel der Offenbarung, aus dem Himmel das herrliche Wort: „Komm!“ gehört hat, wendet sie sich zurück und ruft allen zu: „Komm!“ So war es mit dem Philippus. Sobald er für sich selbst Christus gefunden hatte, ging er hin, um einen Mitsünder zu suchen und ihn zum Mitgenossen derselben seligen Botschaft zu machen.

Es ist klar, dass hier nicht die Rede von einem Dienst oder einer besonderen Gabe ist. Es war allem die Kraft des göttlichen Lebens, welche den Philippus hinaustrieb, den Nathanael zu suchen. Es ist der Ausfluss von dem Strom der Gnade in einem liebenden Herzen, glücklich durch die Entdeckung eines neuen Gegenstandes, dem es seine Liebe widmen kann. Ich hebe dieses deshalb hervor, um den Einwürfen eines eingeschlummerten Herzens zu begegnen, das sich hinter dem Mangel einer besonderen Gabe und Berufung versteckt und zurückbleibt, die Kraft des göttlichen Lebens zu offenbaren. Man sagt: „Ich habe keine Gabe; ich bin nicht dazu berufen.“ Das ist möglich, aber hast du kein Leben? Du magst nicht berufen sein, um vor einer großen Versammlung aufzutreten, aber kannst du keinen Nathanael finden? Kennst du niemand, zu dessen Ohren du diese frohe Botschaft bringen kannst: „Ich habe Ihn gefunden“? Hast du keinen Freund, keinen Nachbarn – niemand, dem du zurufen könntest: „Komm.“? Hierzu hat man nicht die Gaben eines Paulus, eines Luther eines Calmers, eines Monob nötig. Was du nötig hast, ist ein Herz, was mit unaussprechlicher Freude über den neu gefundenen Schatz erfüllt ist. Das ist alles, was du bedarfst. Wenn es mehr suchende Philippus gäbe, so würden auch mehr Nathanaels gefunden werden. Würde ein jeder tun, wie Philippus tat, wie gesegnet würde dann das Werk der Verkündigung des Evangeliums vorangehen! Dies ist der Weg, der eingeschlagen werden müsste, und dies ist der Weg, der eingeschlagen werden würde, wenn es mehr Menschen gäben, welche mit freudiger Zuversicht sagen könnten: „Wir haben Ihn gefunden.“ Die Zweifel darüber, der Mangel an heiligem Vertrauen zu dem Zeugnis Gottes, die Ungewissheit in Betreff der Fülle und der Allgenügsamkeit der Versöhnung und der persönlichen Anwendung derselben verursachen leider zu oft diese Unlust und diese Unfähigkeit, anderen von Christus zu zeugen; doch ich wiederhole nochmals, ehe Philippus den Nathanael finden konnte, musste er erst Christus finden. Beides geht zusammen. Zuerst muss ich selbst den Weg zu den Füßen des Heilands gefunden haben, ehe ich irgendeinen anderen Sünder dort hinführen kann. Es ist etwas anders, über den Gottesdienst zu sprechen, als sagen zu können: „Ich habe Christus gefunden.“ Das Letztere ist das Geheimnis aller fruchtbringenden Evangelisation. Es ist ein trauriger Irrtum, ja eine schreckliche Torheit und Sünde, wenn jemand anderen Christus verkündigen will, ehe er Ihn selbst gefunden hat. Niemand ist in einem gefährlichen Zustand, als ein Prediger ohne Christus, als jemand, der über den Gottesdienst redet, ohne Christus.

Erlaube mir, mein lieber Leser, einige ernste Fragen an dein Gewissen zu richten. Wie steht es in diesem Augenblick um deine unsterbliche Seele? Kannst du mit dem Philippus sagen: „Ich habe Christus gefunden“? Bist du in der Liebe des Heilands glücklich? Hast du in seinem versöhnenden Blut Vergebung und Frieden gefunden? Kannst du hierauf mit völliger Gewissheit antworten: „Gott sei Dank, ja!“? Dann frage ich dich weiter: Suchst du einen Nathanael? Tust du, was du kannst, um das Zeugnis von Jesu auszubreiten? Beherzige, 0 ich bitte dich, diese kleine Geschichte des Nathanael. Sie ist zwar sehr kurz, aber sie umfasst einen reichen Schatz von köstlicher Belehrung. „Am folgenden Tage wollte Jesus nach Galiläa ausgehen und findet Philippus und spricht zu ihm: Folge mir nach ... Philippus findet den Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von welchem Moses und die Propheten im Gesetz geschrieben haben, Jesus, den Sohn Josephs, den von Nazareth ... Komm und siehe!“

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