1. und 2. Petrus

2. Petrus 2

Die prophetischen Schriften sind ausnahmslos von heiligen Männern Gottes geschrieben worden, und zwar getrieben vom Heiligen Geist. Außer diesen heiligen Männern gab es aber leider auch falsche Propheten in Israel. Nicht nur Petrus erwähnt sie hier, sie werden von Jesaja und Jeremia u. a. ebenfalls beschrieben. Es waren Propheten, die die Lüge lehrten; sie übten allesamt Falschheit, wankten von starkem Getränk und dergleichen. Mit ihnen vergleicht Petrus die falschen Lehrer, die in der Christenheit auftreten würden und die im Licht des Wortes eine äußerst ungünstige Beurteilung finden. Sie traten schon anfangs dadurch hervor, dass sie verderbliche Sekten nebeneinführten. Wie niederbeugend sind die Ergebnisse der Tätigkeit dieser Menschen! Wir sind heute von Sekten umgeben, die den Gebieter verleugnen, statt-dessen aber Menschen verherrlichen und ihnen den Platz geben, der unserem Herrn Jesus Christus gehört. „Siehe, ich stehe an der Tür (draußen) und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür auftut, zu dem werde ich eingehen und das Abendbrot mit ihm essen, und er mit mir.“ Der Gebieter hat sie erkauft, durch seinen Tod hat der Herr ein erhöhtes Anrecht an alle Menschen. Das schließt die Erlösung selbst nicht mit ein, sonst könnte nicht gesagt werden, dass sie sich schnelles Verderben zuziehen und viele ihren Ausschweifungen nachfolgen. Ihr Weg führt steil abwärts in das Verderben der Welt, so dass die Wahrheit, das Christentum, verlästert wird. Gott beobachtet ihre Tätigkeit sehr genau und hat ihnen das Gericht angekündigt, wie Er es schon für gefallene Engel bestimmte, um sie für den großen Tag des Gerichts Ketten der Finsternis zu überliefern.

Die Menschen der christlichen Welt leben, als gebe es keinen Gott, oder sie beruhigen sich in dem Gedanken, dass „der liebe Gott“ es nicht so genau nimmt, und dass Er ihr Sündenleben übersieht. Wie folgenschwer ist dieser Irrtum! Die Städte Sodom und Gomorra wurden eingeäschert, und vorher schon, zur Zeit Noahs, kam die Flut über die Welt der Gottlosen, die alle traf, die die Gerechten vorher verlacht hatten; plötzlich kam das Gericht, und es gab kein Entrinnen. Das wird auch zukünftig das Teil der falschen Lehrer sein und derer, die ihnen geglaubt haben. Es gibt einen Tag des Gerichts. Nicht ein einziger Mensch und nicht eine einzige Sünde wird übersehen. Bücher werden aufgetan, und ein jeder wird gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben ist. Mögen die Menschen darüber spotten und es für übertrieben und undurchführbar halten. Wenn wir aber bedenken, dass es heute schon Erfindungen gibt, wodurch jedes gesprochene Wort zu beliebiger Zeit wiedergegeben und ebenso jede Bewegung oder Handlung wieder vorgeführt werden kann, erkennen wir ohne weiteres, dass Gott dazu viel mehr in der Lage sein wird. Er vermag darüber hinaus auch die bösen Gedanken ins Gedächtnis zu rufen, und Er wird es tun, Gedanken, von denen niemand wusste. Man sagt ja, „Gedanken sind so frei“. So ist es vielleicht in diesem Leben, nicht aber am Tag des Gerichts. Doch „der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu retten, die Ungerechten aber aufzubewahren auf den Tag des Gerichts, um bestraft zu werden“. Petrus verbindet mit diesem Tag keinen Zeitpunkt, weil er aus verschiedenen Etappen besteht, die zeitlich auseinander liegen.

Bevor im natürlichen Leben eine Gerichtsverhandlung angesetzt wird, läuft eine eingehende Untersuchung voraus. Meist wird das ganze Leben des Beschuldigten aufgerollt und die Schuld abgewogen. Es muss ein sicherer Beweis für die begangenen Taten vorliegen. Zusammengefasst werden sie dann schriftlich niedergelegt, um dem Richter einen klaren, eindeutigen Überblick zu geben. So ist es hier in unserem Abschnitt. Der Heilige Geist offenbart schonungslos die Zustände, wie sie sich in der Christenheit entfaltet haben. Würden sie uns nicht im vollen Licht des Wortes Gottes gezeigt, könnten wir es kaum fassen. Die Wesenszüge der gottlosen Menschen, die Lust des Fleisches, die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens, stehen deutlich vor uns, wenn auch unter christlicher Maske. Durch diese drei Kennzeichen des natürlichen Menschen wird das Leben der christlichen, aber ungläubigen Menschen ausschließlich bestimmt und so hemmungslos ausgekostet, dass die Befleckungen des Fleisches unverwischbar erkenntlich sind. Irgendwelche Autoritäten, seien sie im Himmel oder auf Erden, werden nicht mehr anerkannt; man verlästert sie sogar. Die Menschen versteigen sich zu Urteilen, die Engel nicht auszusprechen wagen. Selbst der Erzengel Michael überließ den Tadel Gott. (Jud 9.) Diese aber, die sich in ein christliches Gewand hüllen, sind im Charakter den unvernünftigen Tieren gleich, lästern über das, was sie nicht wissen, kommen in ihrem eigenen Verderben um und empfangen so den Lohn ihres Tuns.

Es fällt uns schwer, die Betrachtung über diesen Gegenstand fortzusetzen, aber wenn Gott willens ist, in dieser Untersuchung die Schuld des christlich religiösen Menschen völlig aufzudecken, müssen wir auch den letzten Teil des Abschnittes behandeln, mit dem wir uns beschäftigen und der uns in die Tiefen des Verfalls führt.

Man sieht deutlich, dass Irrlehre und Sittenlosigkeit Hand in Hand gehen. An die Stelle der Enthaltsamkeit ist Schwelgerei und Vergnügen getreten, und obschon die Schandflecke offensichtlich geworden sind, erkühnen sich solche Personen, Festessen mit den Christen zu halten. Es sind Heuchler, die in ihren eigenen Betrügereien schwelgen. Sie werden mit dem bösen Propheten Bileam verglichen, der den Lohn der Ungerechtigkeit liebte und dem sein Lasttier eine Zurechtweisung geben musste. Sie sind Brunnen, aus denen andere schöpfen möchten, stehen aber nicht in Verbindung mit der Quelle und sind deshalb unfähig, eine Erquickung darzureichen. Die schnell wechselnden Ereignisse dieser Welt, die mit dem Sturmwind verglichen werden, treiben sie mit ihren Opfern dem Dunkel, der Finsternis, der Ewigkeit zu. Mit überheblichen Worten täuschen sie ihre Zuhörer, verführen unbefestigte Seelen und bringen die, die eben entflohen sind, in Ausschweifung und Laster zurück, ihnen Freiheit versprechend, während sie sich selbst in Sklaverei befinden und die Unbefestigten dorthin zurückführen. Immer wieder muss man sagen: wie schrecklich ist ein solcher Zustand, der heute mehr als je Wirklichkeit geworden ist, der aber jeden, der die Erkenntnis des Herrn und Heilandes Jesus Christus besitzt, mahnt, auf der Hut zu sein. Entflohen und wiederum überwältigt zu sein, welch furchtbare Folgen! Wir kannten solche, die in jüngeren Jahren am Evangelium dienten und die zuletzt im Sündenleben untergegangen sind. Es ist ihnen nach dem wahren Sprichwort ergangen: „Der Hund kehrte um zu seinem eigenen Gespei, und die gewaschene Sau zum Wälzen im Kot.“ „Wir aber sind nicht von denen, die sich zurückziehen zum Verderben, sondern von denen, die da glauben zur Errettung der Seele“ (Heb 10,39).

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