Der zweite Brief des Petrus

Kapitel 2

Das zweite Kapitel zeigt uns die falschen Lehrer, ihre Verführungsmacht und ihren gesetzlosen Wandel.

1. Falsche Lehrer und Sekten: V. 1–3

Der Apostel hat im ersten Kapitel daran erinnert, wie ein Leben in Gottseligkeit dem Gläubigen ermöglicht, dem Verderben zu entfliehen, das sich in der Welt befindet. In diesem Kapitel geht er auf dieses schreckliche Böse ein. Es war bereits in die Christenheit eingedrungen – deshalb wird Gott sie eines Tages richten. Wenn der erste Brief uns ins Gedächtnis ruft, dass das Haus Gottes ein Gegenstand seiner Regierung auf der Erde ist, so lehrt uns der zweite, dass der Herr auch über die Welt die Oberhand hat und dass er gegen solche Rache üben wird, die seinen Namen vergebens angenommen haben.

Inspirierte Propheten Gottes haben seine Gedanken für ihre eigene Zeit und für die kommende Zeit mitgeteilt. „Es waren aber auch falsche Propheten unter dem Volk“ Israel (V. 1). Diese Männer wurden vom Teufel „getrieben“. Sie werden zahlreich wiederkommen, um das Volk an einem zukünftigen Tag in die Irre zu führen (Mt 24,11). Heute benutzt der Feind mit List falsche Propheten, um das Wort Gottes zu verfälschen. Er vermischt auf hinterhältige Weise Irrtum mit Wahrheit und verführt so die schwachen Seelen (Gal 1,7; 2. Kor 2,17; 11,3.4).

Der Apostel Petrus wendet sich an Christen, die „in der gegenwärtigen Wahrheit befestigt“ sind (2. Pet 1,12) – seine Warnung gilt also für alle. Der Apostel Paulus prangert auch jene an, die „durch süße Worte und schöne Reden“ die einfältigen Seelen verführen (Röm 16,17.18). Er hatte nicht arglistig gehandelt, wenn er lehrte, und sein Evangelium war nicht verdeckt (2. Kor 4,2.3). Die falschen Lehrer hingegen rücken nicht ohne Deckung vor, ihre Lehren sind verkehrt und ihr Ziel ist es, Jünger hinter sich her abzuziehen (Apg 20,30). Auf diese Weise bilden sich Sekten. Diese bringen Personen zusammen, die durch eine Doktrin verführt wurden, bei der das Denken des Menschen in einer schädlichen Lehre sichtbar wird. Der falsche Lehrer gibt vor, sich auf die Bibel zu beziehen, aber er isoliert aus der Gesamtheit der Schrift einzelne Stellen, deren Sinn er verfälscht (2. Pet 1,20). Diese sektiererische Indoktrinierung führt die Seelen ins Verderben (V. 1).

Die falschen Lehrer sind umso gefährlicher, als sie sich auf Christus berufen – die einen mehr, die anderen weniger. Auf jeden Fall verleugnen sie ihn in Wirklichkeit, denn keiner von ihnen erkennt ihn als den Sohn Gottes an, der alle Gewalt besitzt und dem jede Herrlichkeit zukommt. Der Apostel vergleicht sie mit Knechten, die ein Gebieter erkauft hat, aber die sich gegen seine Autorität auflehnen. Sie werden unwiderruflich vernichtet werden.

Zu den falschen Lehren gesellen sich im Allgemeinen ausschweifende Sitten (V. 2). Das ist es, was die Welt bemerkt. Leute, die sich auf die Bibel berufen und sich schlecht betragen, ziehen Kritiker an, ja sogar Lästerungen über das Wort selbst, den „Weg der Wahrheit“. Selbstverständlich erwartete der Apostel von diesen Gläubigen aus den Juden etwas ganz anderes (1. Pet 3,16.17). Dieser „Weg Gottes“, der von den Aposteln gelehrt worden war (Apg 18,26; 19,9.23; 24,16), stand im Gegensatz zu den Sekten, obgleich er als eine solche verleumdet wurde. Es gebührt sich auch heute noch, die Lehre unseres Herrn durch einen guten Wandel zu zieren – außerhalb eines sektiererischen Geistes, der uns offensichtlich auflauert, und fern von Bräuchen und Verführungen der Welt.

Schließlich werden die Kirchenhäupter und Sektenführer mit Habsucht in Verbindung gebracht (V. 3). Jesus hatte schon die verantwortlichen Juden angeklagt, die den Tempel, das Haus seines Vaters, in ein Kaufhaus (Joh 2,16), ja sogar in eine Räuberhöhle (Lk 19,46) verwandelt hatten. Der Handel mit Seelen (Off 18,13) besteht weiter und wird sich noch ausweiten. Unter dem Deckmantel der Religion und durch geschickt vorgestellte Worte der Lüge berauben die falschen Führer ihre verblendeten Opfer. Aber der Apostel erinnert daran, dass ihr Gericht näher rückt – früher oder später wird ihr Verderben kommen. Lasst uns deshalb auf der Hut sein, was uns betrifft, und mit der Hilfe des Wortes Gottes solche warnen, die wir in Gefahr sehen.

2. Drei Zeugnisse des göttlichen Gerichts: V. 4–6

Im vorhergehenden Kapitel hat der Apostel die Hoffnung der Herrlichkeit in einem dreifachen Zeugnis auf unsere Herzen gelegt: die Herrlichkeit Christi auf dem heiligen Berg, das prophetische Wort und die Ankunft des Morgensterns. Wir haben jetzt drei Beispiele für die Gewissheit des unerbittlichen Gerichts Gottes, das die Gottlosen treffen wird. Der Apostel ruft diesbezüglich drei Szenen in Erinnerung, die den Juden wohl bekannt waren:

  • Die erste wird im ersten Buch Mose erwähnt (1. Mo 6,1–4). Engel begingen zusammen mit den Töchtern der Menschen jener Zeit eine schwere Sünde, weil sie ihren himmlischen Zustand nicht bewahrten. Der Apostel Judas brandmarkt ihre Sünde als Hurerei (Jud 6.7). Den Aposteln Petrus und Judas wurde die gegenwärtige Situation dieser gefallenen Engel offenbart. Sie sind – fern von Gott – in einem finsteren Abgrund gebunden und erwarten ihr Gericht. Satan und seine Engel – die Dämonen – haben noch die Möglichkeit das Böse auszuüben. Später wird Satan auch gebunden und in den Abgrund geworfen werden. Darauf wird er für eine Zeit losgebunden werden, bevor er das ewige Gericht erfahren wird (Off 20,1–3.7–10). Es gibt weder Barmherzigkeit noch Vergebung für diese Engel, die sich im Licht befanden und gesündigt haben.
  • Die zweite Szene wurde schon im ersten Brief erwähnt (1. Pet 3,19.20) und wird auch noch einmal in dem nächsten Kapitel erwähnt (2. Pet 3,6). Der Apostel hatte von der Langmut Gottes gesprochen, die in den Tagen Noahs harrte. Die Predigt Noahs durch den Geist Christi und durch das Zeugnis der Arche war lang und ausdauernd. Aber die „Gottlosen“ blieben den Warnungen Gottes und der Ankündigung ihres Gerichts gegenüber gleichgültig (V. 5). Als daher ihre Vernichtung kam, geschah sie in ihren Augen plötzlich: „Sie (erkannten) es nicht (…), bis die Flut kam und alle wegraffte“ (Mt 24,39). Nur Noah wurde bewahrt, ebenso wie die sieben, die vor ihm in die Arche gegangen waren (V. 5; 1. Mo 7,16). Diese Familie wurde dank des Glaubens ihres Oberhauptes errettet (Heb 11,7).
  • Die dritte Szene, die auch von dem Herrn Jesus und von Judas angesprochen wird, wird von Petrus in Erinnerung gerufen, um das schreckliche Gericht zu bestätigen, das jene treffen wird, die sich schändlichen Leidenschaften hingeben (Röm 1,26.27). Die Zerstörung der Städte Sodom und Gomorra durch das Feuer ist ein Vorbild des ewigen Feuers, das die Gottlosen endlos verzehren wird.

3. Der gerechte Lot: V. 7–9

Lot wurde vor dem Gericht über Sodom verschont, aber er wurde gerettet „so wie durchs Feuer“ (1. Kor 3,15). Er hatte die reichhaltigen Ebenen der Welt erwählt, obgleich er wusste, dass sie von bösen und sittlich verdorbenen Menschen bewohnt wurden. Alles, was er auf der Erde hatte erwerben können, wurde in einem Augenblick zerstört. Wenn uns das erste Buch Mose von der Gerechtigkeit Noahs und Abrahams berichtet, so sagt es uns nichts von der Gerechtigkeit Lots. Man muss zu diesem Brief gelangen, um dreimal zu lesen, dass Lot gerecht war. Aber seine Gerechtigkeit machte ihn nicht glücklich – ganz im Gegenteil. Er wurde wegen des ausschweifenden Wandels der Leute von Sodom beständig in seiner Seele gequält. Petrus gibt uns den Grund hierfür an: Weil er „unter ihnen“ wohnte.

Der Gläubige ist nicht von der Welt; er soll deshalb moralisch gesehen von ihr abgesondert sein, um glücklich zu sein und sich der Dinge von oben zu erfreuen. Er kann kein wahrer Zeuge für Gott sein, wenn er ein schuldiges Zusammenleben mit den Sündern pflegt. Er kann nur gequält und in moralisches Elend gestürzt werden, es sei denn sein Gewissen verhärtet sich. „Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt Unreines nicht an, und ich werde euch aufnehmen“ (2. Kor 6,17). Lasst uns dieser Aufforderung gehorchen – das ist unsere Sicherheit und der Schlüssel zu unserer inneren Freude. Die Versuchungen um uns herum sind vielfältig, aber Gott bewahrt uns davor, wenn wir treu sind und in Glauben und Gottseligkeit leben (2. Pet 1,5.7). Selbst der Fromme kann der Versuchung erliegen: Abraham und David geben uns dafür ein Beispiel. Aber Gott rettet den Frommen, weil er ihn in seiner Hand hält. Dennoch bleiben immer Spuren solcher Irrwege zurück. Lasst uns nahe beim Herrn bleiben, um bewahrt (V. 5) statt gerettet (V. 7) zu werden.

4. Die Verachtung von Herrlichkeiten: V. 10–12

Der Apostel unterstreicht aufs Neue den fleischlichen Charakter der Verführer und ihren Gefallen an der Befleckung (V. 2.10). Er kehrt in V. 13 wieder zu diesem Thema zurück, prangert aber vorher ihr unverschämtes Verhalten und ihre Missachtung jeder Autorität an. Diese Einstellung, ein Indiz der schweren Zeiten (2. Tim 3,1–5), tritt heute noch stärker hervor und trägt zum Verderben der Familien, der Nationen und der Kirche bei. Sie wird ihren Höhepunkt finden bei der Erscheinung des Antichristen, des Menschen der Sünde, der sich am Ende selbst darstellen wird, „dass er Gott sei“ (2. Thes 2,3–8). Seine hochmütige Torheit wird ihm das Gericht einbringen, lebendig in das ewige Feuer geworfen zu werden.

Ein solches „Geheimnis der Gesetzlosigkeit“ entwickelt sich seit der Zeit der Apostel. Die Grundsätze, die damals aufkeimten, bestätigen sich in der heutigen Zeit, die dem Kommen des Herrn vorausgeht. Selbst in christlichen Kreisen erheben sich Menschen mit Verwegenheit und Arroganz. Ihren eigenen Ansichten ergeben sind sie der Meinung, in ihrem Urteil immer Recht zu haben. Diese verwerfliche Einstellung muss all jene nachdenklich machen, die dazu gebracht werden, einige Verantwortung zu übernehmen (Tit 1,7).

Aber das von dem Apostel aufgezeigte Böse geht weiter. Diese überschwänglichen Anführer dringen in einen unsichtbaren und geheimnisvollen Bereich ein, den sie nicht kennen können (V. 12; Jud 8–10). Dort lästern sie Herrlichkeiten, ohne zu erzittern. Der Apostel spielt auf die gefallenen Engel an, deren Haupt Satan ist. Trotz ihrer Bosheit sind diese mächtigen Wesen heute immer noch in den himmlischen Örtern (Eph 6,12). Die heiligen Engel äußern sich, was sie betrifft, auf maßvolle Weise, obwohl sie ihre Ungerechtigkeit kennen, aber diese Leute lästern über sie ohne Zurückhaltung. Sie sind ohne jede Vernunft und verhalten sich wie natürliche Tiere, die zum Fang und zum Verderben bestimmt sind (V. 12). Hüten wir uns selbst davor, ohne den Glauben und ohne das Licht des Wortes Gottes in diesen Bereich der unsichtbaren Dinge einzutreten! Lasst uns ohne Spott von der Macht des Teufels sprechen!

5. Das moralische Verderben: V. 13.14

Man ist erstaunt, wenn man den Verfall dieser Leute feststellt, die sich bei den Christen eingeschlichen haben, um sie zu verführen. Ihr Verderben ist schlimmer als das der Welt, weil sie vom rechten Weg abgeirrt sind. Satan hat sich von dem Moment an, als sie Christus verworfen haben, ihres Herzens bemächtigt. Sie berauschen sich an den Schändlichkeiten der Welt, an den Schwelgereien bei Tage 1. Sie verführen sich selbst mit Genüssen und vergessen den morgigen Tag, den Tag des Gerichtes Gottes. Außerdem dringen sie in die Gesellschaft von Christen ein, die schlecht befestigt und verweltlicht sind. Wie können nämlich gerade die letztgenannten an ihrem Tisch Leute aufnehmen, die durch ihren sittlich verdorbenen Wandel Schande bringen und die in ihren Augen das Zeichen ihrer eigenen Unreinheit tragen! Der Apostel wendet auf diese schändlichen Verführer das unerbittliche göttliche Urteil an: Sie werden in ihrem eigenen Verderben zugrunde gehen.

Noch einmal – seien wir auf der Hut! Lasst uns diese schlechten Gesellschaften meiden, welche die guten Sitten verderben (1. Kor 15,33.34). Nehmen wir uns in Acht vor diesen falschen Lehrern, vor diesen Verderben bringenden Personen, „die in Schafskleidern zu euch kommen, innen aber reißende Wölfe sind. „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“, sagt der Herr Jesus (Mt 7,15.16), nicht an ihren schönen Worten. Es ist immer unsere Aufgabe, den moralischen Zustand derer, die lehren, zu beurteilen, ebenso wie das Ziel und das Ergebnis ihrer Tätigkeit.

6. Bileam und die Habsucht: V. 15.16

Die Habsucht, das Verlangen immer noch mehr zu besitzen – im Allgemeinen zum Nachteil der anderen (V. 3.14) – ist ein Übel, das am Christentum nagt. Es ist im Herzen des natürlichen Menschen verwurzelt, und der Gläubige kann nur davor bewahrt werden, wenn er Schätze im Himmel sammelt (Mt 6,19–21). Solche, die eine öffentliche Position einnehmen, sind dieser Gefahr eher ausgesetzt als andere, aber die treuen Diener haben sich immer dagegen gewehrt, etwas auf Kosten anderer zu erwerben (4. Mo 16,15; 1. Sam 12,3; Apg 20,33).

Bileam liebte „den Lohn der Ungerechtigkeit“ (V. 15); sein Weg ist gekennzeichnet vom Ungehorsam gegenüber dem Wort Gottes. Er verfolgte diesen Weg, um einen ungerechten Lohn von Seiten Balaks zu erhalten, indem er das Volk Israel verfluchte (Jud 11). Gott hatte ihm jedoch erklärt: „Du sollst das Volk nicht verfluchen, denn es ist gesegnet“ (4. Mo 22,12), und er zwang ihn dazu, diesen Segen auszusprechen. Bileam ist ein verworfener Prophet; er verdeckt seine Habsucht zunächst mit Heuchelei. Er scheint die Schätze Balaks zu verachten, während er eigentlich darauf brennt, sie zu besitzen. Er gibt sich den Anschein eines frommen Mannes, während er nur ein Prophet ohne Gottesfurcht ist, der bald danach in Torheit und Verblendung handeln wird. Er folgt mit Starrsinn einem Pfad der Verirrung, und Gott lässt ihn gewähren, um zu zeigen, bis wohin ein Mensch gehen kann, der einmal mit ihm in Verbindung stand, aber dessen Herz durch die Verlockung des Gewinns verführt wird. So kommt es, dass eine Eselin ihn zu seiner Beschämung tadelt. Sie widersetzt sich ihm auf seinem verkehrten Weg, indem sie dort klar sieht, während er verblendet ist. Sie spricht zu ihm mit einer Menschenstimme, während er wie ein unvernünftiges Tier (V. 12) handelt. Gott hat dieses außergewöhnliche Wunder zugelassen, um das Gewissen all jener zu treffen, die es wagten, einen solchen Weg einzuschlagen.

7. Die Verführung zum Bösen: V. 17–19

Nachdem der Apostel in aller Länge den ungerechten Charakter der falschen Lehrer aufgezeigt hat, legt er nun Nachdruck auf die Art und Weise, mit der sie solche in ihre Gewalt bringen, die schwach im Geist sind. Sie geben vor, sich an der Quelle neuer Wahrheiten zu befinden, aber es gibt in ihren Quellen kein Wasser, um zu erfrischen. Sie stellen sich als Gesandte hin, um neue Segnungen vom Himmel zu bringen, aber es kommt kein Regen aus den vom Sturmwind getriebenen Wolken. Ihr dunkler Nebel verschleiert völlig das Licht Gottes. Ihre stolzen Reden sind nur Eitelkeit und bestehen aus Worten der Täuschung. Aber das Ende, das für sie aufbewahrt ist, ist tragisch: „die äußerste Finsternis“ (Mt 25,30), die ewige Dunkelheit in Qualen, fern von Gott. Ihr Verderben (V. 1) ist nicht die Vernichtung, wie einige von ihnen es sagen, sondern vielmehr endloses Leid und Gewissensqualen in der ewigen Nacht (V. 17).

Währenddessen ist das Böse, welches sie tun, auf feine Art und Weise zerstörerisch. Sie verführen jene, deren Gewissen gerade etwas aufgeweckt worden war (V. 18), durch ihre Reden und ihr Vorbild zur Lockerung der Sitten. Um zu überzeugen, stützen sie sich auf die Gnade Gottes ohne Rücksicht auf die Heiligkeit Gottes (Jud 4). Sie rühmen die christliche Freiheit, aber führen zu einer falschen Freiheit, in der Böses getan wird. Dieses Böse ist furchtbar; es gibt kein schlimmeres Verderben als das, was die heiligen Dinge berührt.

8. Der Abfall: V. 20–22

Eine gewisse Anzahl von Juden, denen das Evangelium verkündigt worden war, hatten „das gute Wort Gottes (…) geschmeckt“ und äußerlich den christlichen Glauben angenommen. Ihr Wandel hatte für den Augenblick den heiligenden Einfluss erfahren. Aber sie waren von neuem in die Befleckungen der Welt „verwickelt“ worden, besonders unter der Wirkung der verführerischen Reden verdorbener Menschen. Sie hatten „den Weg der Gerechtigkeit“ erkannt (V. 21), welcher Gott gefällt und haben diesen scheinbar eingeschlagen. Dann aber waren sie erneut abgeirrt. Sie schenkten dem heiligen Gebot Gottes „Seid heilig, denn ich bin heilig!“ (1. Pet 1,16) kein Gehör und kehrten wie der Hund zurück zum eigenen Gespei und wie die Sau zum Kot. In beiden Fällen handelt es sich um unreine Tiere (Spr 26,11).

Ebenso wie Saul zu Zaubereien (1. Sam 28,7–10) und Israel zu satanischer Verführung zurückkehrte (Mt 12,43–45), werden die Abgefallenen aufs Neue vom Verderben beherrscht. Es wird dennoch von ihnen gesagt, dass sie „die Erkenntnis des Herrn und Heilandes Jesus Christus“ hatten. Aber die Erkenntnis genügt nicht – man muss glauben und gehorchen. Eine einfache moralische Umgestaltung auf Grund des Lesens der Schrift ohne Buße und Glauben gewährleistet weder für die Gegenwart noch für die Zukunft ein Fundament. Die Tür ist für den Abfall geöffnet – unter Ablehnung der christlichen Wahrheiten, die für eine Zeit anerkannt wurden. Der Abfall ist die schlimmste Form des Unglaubens. Der Apostel gibt zu verstehen, dass dieser durch das schrecklichste aller Gerichte bestraft werden wird.

Fußnoten

  • 1 Anm. d. Übers.: In einigen Übersetzungen heißt es in diesem Vers sinngemäß, dass die Schwelgereien einen ganzen Tag lang dauern, weshalb der Autor an dieser Stelle noch auf die Kürze eines Tages im Leben eines Menschen hinweist.
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