Kommentar zum 2. Petrusbrief

Kapitel 2

Die wahre Regierung Gottes wurde schon immer gehasst und abgelehnt – sogar von solchen, die behaupteten, Christen zu sein. Petrus als ein wahrhaftiger Prophet warnt in diesem Kapitel davor. Die Zeit, von der er prophezeite, ist jetzt da. So wie es im Alten Testament falsche Propheten unter den Kindern Israel gab, gibt es auch heute falsche Lehrer, deren Anzahl sich erstaunlich vergrößert hat. Sie verbreiten in subtiler und hinterhältiger Weise verderbende Irrlehren. Irrlehre muss nicht sofort eine böse Lehre sein, sondern kann eine sektiererische Lehre sein, die bestimmte Wahrheiten unverhältnismäßig betont, wobei bestimmte Aspekte überbetont und andere völlig ignoriert werden. Darauf folgt dann die verderbende, böse Lehre. Die Seelen wurden vorher in die Falle gelockt. Die Verleugnung des Gebieters, der sie erkauft hat, ist ungeheuerlich, wobei die Irrlehrer zur gleichen Zeit sogar vorgeben, Ihn zu ehren. Hier wird gesagt, dass der Herr sie erkauft, nicht erlöst hat. Durch Seinen Tod hat Er die ganze Welt gekauft (in Matthäus 13,44 wird die Welt als „Acker“ bezeichnet), aber Erlösung wird nur denen zuteil, die wirklich wiedergeboren sind. Auch wenn falsche Lehrer eine Zeit lang scheinbar Erfolg haben, so wird ihr Ende „schnelles Verderben“ (Vers 1) sein.

Traurigerweise ist die Zahl derer, die falschen Lehrern folgen, groß. Aufgrund ihrer verdorbenen religiösen Anmaßungen spricht die gottlose Welt schlecht von der Christenheit. Die Welt unterscheidet nicht zwischen dem, was echt ist, und dem, was eine Verfälschung der Wahrheit ist. Das ist schmerzlich für Gläubige.

Indem sie die Wahrheit durch „erdichtete“ Worte manipulieren, versuchen diese Lehrer sogar, Gläubige so geschickt wie möglich zu missbrauchen, um selbst auf Kosten der Gläubigen einen Vorteil zu gewinnen. Aber Gott nimmt das wahr, und ihr Gericht wird nicht auf sich warten lassen. Ihr „Verderben“ mag weit weg erscheinen, aber es „schlummert“ nicht. Es ist näher, als wir meinen.

Nun werden drei eindeutige Berichte erwähnt, wo Gott Gericht geübt hat. Das betont die Tatsache, dass Sünde jeglicher Art dem Gericht Gottes nicht entgehen wird, egal ob es erstens um höchste Würdenträger, sogar Engel, geht, zweitens um die ganze Welt oder drittens um ein bestimmtes, örtliches Gebiet.

Die Engel wurden nicht verschont. Keiner von ihnen wurde errettet. Sie alle wurden in den tiefsten Abgrund geworfen. Es handelt sich hier um die Engel, die durch den Teufel verführt wurden. Von ihnen wird gesagt, dass sie in „Ketten der Finsternis“ für das Gericht aufbewahrt werden. Wir fragen uns vielleicht, warum anderen bösen Geistern offenbar ein gewisser Wirkungsgrad gewährt wird, ja sie dürfen sogar vor Gott erscheinen (1. Könige 22,20–23) und Besitz von Menschen ergreifen, wie man das während der Zeit des Herrn Jesus auf der Erde sehen kann. Soweit wir wissen, gibt die Schrift keine direkte Antwort auf diese Frage und es ist weise, es dabei zu belassen. Lukas 8,11 zeigt uns allerdings, dass böse Geister Angst davor hatten, in „den Abgrund“ oder die „bodenlose Grube“ verbannt zu werden. Offenbarung 9,2.3 deutet an, dass während der Drangsalszeit böse Geister aus dem Schlund des Abgrundes aufsteigen werden, um die Menschen zu quälen. Aber unser vorliegender Vers 4 legt den Schwerpunkt auf das schonungslose Gericht Gottes über die höchsten erschaffenen Wesen.

Vers 5 berichtet uns, dass auch die ganze Welt nicht verschont wurde. Es spielt keine Rolle, wie stark sich Ungerechtigkeit verbreitet, indem große Menschenmengen davon betroffen sind. Dennoch bleibt Gottes Gericht nicht aus. Dieses schreckliche Gericht wird durch die Tatsache betont, dass nur Noah und sein Haus von allen Menschen der Welt verschont wurden. Angesichts der widrigsten Umstände war er doch ein Prediger der Gerechtigkeit, und das über einen Zeitraum von 100–120 Jahren.

Das Gericht über Sodom und Gomorrha betraf zwar nicht „die ganze Welt“, aber auch dieser örtliche und begrenzte Bereich entging Gottes Aufmerksamkeit nicht. Die Zerstörung dieser Städte ist in der Tat eine Warnung an alle, die gottlos leben. Auch hier hat Gott einen Mann zur Bewahrung erwählt – einen Gläubigen. Obwohl dieser sich nicht in einer passenden Gesellschaft für einen Gläubigen befand, wurde er doch durch den verdorbenen Lebensstil der bösen Bewohner dieser Städte belastet.

Er war ein gerechter Mann, hielt sich aber in Umständen auf, die weit von Gerechtigkeit entfernt waren. So quälte er fortwährend seine Seele durch das gesetzlose Verhalten der Sodomiter, das er Tag für Tag sah und hörte. Er versuchte scheinbar, wenn auch erfolglos, gegen die Welle des Bösen anzugehen, aber er trennte sich nicht davon, was er besser getan hätte. Deswegen griff Gott selbst ein und errettete Lot vor der schrecklichen Zerstörung aus der Stadt. Er weiß das bei jedem wahren Kind Gottes zu tun, während Er die Gottlosen zur gleichen Zeit für das Gericht aufbewahrt.

Vers 10 zeigt, dass es ein spezielles Gericht für diejenigen gibt, die – obwohl sie einen hohen religiösen Anspruch haben – fleischlich leben, in Lust und Befleckung, und die Herrschaft verachten. In vielen Religionen heutzutage ist das offenkundig und verdient schärfstes Gericht.

Die falschen Propheten, von denen Vers 1 spricht, sind anmaßend und eigenwillig, sie beanspruchen eine Stellung, die ihnen ganz und gar nicht zukommt. Sie gehen sogar so weit, Herrlichkeiten zu lästern, die weit über ihnen stehen. Christen sollten niemals von solchen Menschen verführt werden, denn selbst Engel, welche an Stärke und Macht den Menschen überlegen sind, bringen kein lästerndes Urteil vor den Herrn. Es ist dies ohnehin nur ein Mittel dazu, einen anderen herabzusetzen, ohne ein aufrichtiges Interesse an seinem Wohlergehen zu haben.

Die hier verwendete Sprache ist sehr ernst. Die falschen Propheten werden mit unvernünftigen Tieren verglichen. Auf diese Ebene haben sie sich selbst durch ihre materialistische Einstellung begeben. Sie verhalten sich, als wären sie zum „Fang und Verderben“ (Vers 12) geschaffen. Das gilt zwar für Tiere, doch dem Menschen wurde die Ewigkeit ins Herz gelegt. Wenn jemand bei seinem Tun nicht die Ewigkeit im Blick behält, erniedrigt er sich selbst auf die Ebene eines Tieres. Statt über Dinge von ewiger Wichtigkeit nachzudenken, verlästern sie diese. Das ist unvernünftige, dreiste Verdorbenheit, in der sie zugrunde gehen werden.

Solche, die „Schwelgerei bei Tag für Vergnügen halten“, werden ihren gerechten Lohn für ihre Ungerechtigkeiten empfangen. Zu einer Zeit, zu der sie eigentlich arbeiten sollten, haben sie Vergnügen daran, die Arbeit anderer zu beschädigen. Sie sind „Flecken und Schandflecke“ für das christliche Bekenntnis, indem sie es wagen, ihre Betrügereien leichthin auszuleben, während sie gleichzeitig die Vorrechte des Christentums – „Festessen“ mit Gläubigen – genießen wollen.

Ihre Augen sind nicht einfältig, sondern voller Ehebruch. Sie sind auf unreinen Genuss aus und haben nicht den Wunsch, von der Sünde zu lassen. Ihnen ist jede List recht, um unbefestigte Seelen zum gleichen Bösen zu verführen. Ihr Herz ist nur in der Habsucht geübt. Kein Wunder, dass Gott sie als „Kinder des Fluches“ (Vers 14) bezeichnet – was für ein schrecklicher Titel!

Sie haben bewusst den geraden Weg verlassen, der ihnen gezeigt wurde, und sind vorsätzlich abgeirrt. Ihr Motiv ist Gier, was auch schon Bileams Motiv war, der als falscher Prophet vorgab, ein Prophet des Herrn zu sein, während er in Wahrheit den Reichtum begehrte, den Balak ihm bot. Und doch benutzte Gott einen wunderbaren, Einhalt gebietenden Weg, um seine Ungerechtigkeit zu tadeln, indem er einem stummen Tier eine Stimme gab. Das hätte eigentlich sein verhärtetes Gewissen erweichen sollen, hatte aber leider keine solche Wirkung. Sein Gewissen war durch die Täuschungen, die er bevorzugte, zu abgestumpft. Wie schockierend ist auch heute die Anzahl solcher verhärteter Fälle!

Solche Menschen sind Quellen, die erfrischendes Wasser anbieten, aber leer sind; Nebel, die vom Sturmwind getrieben werden und das Licht abhalten, jedoch keinen Regen auf die durstige Erde fallen lassen: Sie haben keine Stabilität, keine Zuverlässigkeit.

Sie führen große, stolze Reden, die aber „nichtig“ sind. Das bedeutet, dass sie wie ein aufgeblasener Ballon leer sind. Dadurch verführen sie die Seelen, nach denen sie suchen, die gerade erst solchen entflohen sind, die im Irrtum leben. Es gibt Menschen, die empfinden, dass ihre Verbindungen schlecht sind und die nach etwas anderem suchen. Diese falschen Lehrer benutzen fleischliche Anreize und wohlklingende religiöse Gefühle, um solche Menschen in den Morast des Verderbens zu locken. Man beachte, dass nicht gesagt wird, dass diese Menschen dem Verderben entflohen sind, sondern sie sind denen entflohen, die in Irrtum leben. Das ist ein wesentlicher Unterschied gegenüber anderen, die der Schuld und der Torheit ihrer eigenen Sünden entkommen wollen. Für solche haben diese falschen Lehrer keine Botschaft. Gott sei Dank für seine Botschaft der reinen Gnade, die auf jeden wartet, der zur Buße über sein eigenes Verderben gebracht wurde.

Eine von Satans niederträchtigen Täuschungen ist die Behauptung, dass Unterwerfung unter den Herrn Sklaverei ist. Also versprechen seine Diener Freiheit, während sie selbst Sklaven des Verderbens sind. Indem sie selbst überwältigt wurden von dem Verderben, sind sie zu Sklaven des Verderbens geworden. Ihre lauten Versprechungen der Freiheit sind nur dazu da, auch andere in ihre eigene Sklaverei zu bringen.

Durch angebliche Kenntnis des Herrn Jesus Christus haben sie sich äußerlich von den Unreinheiten der gottlosen Welt abgewendet. Aber weil sie keinen wahren Glauben an Ihn persönlich haben, wagen sie es, diese gleichen Unreinheiten in ihr religiöses Bekenntnis einzubringen. Sie sind in ihr eigenes Netz gefallen, verwickelt und überwältigt. Das Ende dieses Weges ist notwendigerweise schlimmer als ihr ursprünglicher Zustand. Sie haben dem hinzugefügt, dass sie die reine Wahrheit über die Gnade Gottes in Jesus Christus korrumpiert haben.

Für diese falschen Lehrer gilt, dass es besser für sie gewesen wäre, nie etwas über den Weg der Gerechtigkeit erfahren zu haben, nie etwas vom Christentum gehört zu haben, als sich – nachdem sie es kennengelernt haben – von der echten Wahrheit, dem „überlieferten heiligen Gebot“, betrügerisch abzuwenden.

In Vers 22 wird Sprüche 26,11 zitiert. Dort werden solche falschen Lehrer mit Hunden verglichen, die zu ihrem eigenen Gespei zurückkehren. Der Hund ist ein unreines Tier, das liegt in seiner Natur. Was einst als abscheulich und schädlich abgelehnt wurde, wird von diesen Menschen wieder angenommen, wobei sie etwas religiöses Gewürz dazutun, denn in ihnen hat keine grundlegende Veränderung stattgefunden. Wer nicht von neuem geboren wurde, bleibt unrein. In gleicher Weise kann eine Sau gewaschen werden, aber ihre Natur wird sie zur ersten Matschgrube zurückführen, die sie finden kann. Während der Hund sich vom Verdorbenen ernährt, wählt die Sau ein schmutziges Umfeld. Das ist der Abfall. So jemand mag behaupten, ein Christ zu sein, aber er hat sich praktisch gegen Christus gewendet. Nichts von alldem kann auf einen wiedergeborenen Menschen zutreffen, denn Gläubige sind Schafe und keine Hunde oder Säue. Das Wesen der Schafe ist es nicht, zurückzukehren zum Gespei oder sich im Matsch zu suhlen.

Nächstes Kapitel »« Vorheriges Kapitel

Ihre Nachricht