1. und 2. Petrus

1. Petrus 4

Christus hat für Sünden gelitten, das wird uns schon in den vorhergehenden Kapiteln eindringlich gezeigt. Er litt um der Gerechtigkeit willen, wollte lieber sterben als in irgendeinem Punkt nicht dem Willen Gottes entsprechen. So starb Er denn der Sünde, die nie einen Anknüpfungspunkt in seinem Herzen hatte. Lieber wollte Er den Tod erdulden als ungehorsam sein. Er trank den Kelch bitterer Leiden, um den Willen des Vaters völlig zu erfüllen und um Ihn in seinem Leben und in seinem Tod zu verherrlichen. Am Kreuz sehen wir Ihn als den größten aller Dulder bis zum Äußersten geprüft, als Er für unsere Sünden das Gericht eines heiligen Gottes ertrug. Noch mehr: Er wurde zur Sünde gemacht und der ganze Zorn und Grimm Gottes traf Ihn, so dass Er ausrief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Wer könnte die Tiefe seiner Leiden ergründen, wer erfassen, wie sehr Er im Fleisch gelitten hat! Als Er aber starb, hatte Er für immer mit der Sünde abgeschlossen, und nachdem Er auferstanden war, setzte Er sich zur Rechten Gottes zu unveränderlicher Ruhe.

„Da nun Christus für uns im Fleisch gelitten hat, so waffnet auch ihr euch mit demselben Sinne.“ Das zeigt uns, dass auch wir bereit sein sollten zu leiden. Wir leiden, indem wir die Sünde abweisen; wir durchkreuzen den Willen des Fleisches und leiden, sündigen aber nicht. Das ist ein Leiden des Fleisches, der Normalzustand des Christen. Wir sind auf diese Weise von der Sünde befreit, haben mit ihr abgeschlossen und sind in Ruhe, solange wir praktisch in diesem Zustand beharren. Die Sünde ist nicht mehr wirksam, wir ruhen von ihr und sind imstande, „die im Fleisch noch übrige Zeit“, also solange wir leben, „nicht mehr den Lüsten der Menschen, sondern dem Willen Gottes zu leben.“ Solches Leben kann verglichen werden mit dem der Gläubigen in Thessalonich, von denen Paulus sagen konnte, dass sie Nachahmer des Herrn geworden seien. Sie hatten sich zu Gott bekehrt, „dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten.“

Petrus wendet sich immer an die Christen aus dem jüdischen Volk. Als sie noch nicht errettet waren, wandelten sie in dem Verderben, das in der Welt ist, und lebten wie die Nationen, in deren Mitte sie geblieben waren, anstatt wie andere, z. B. unter Esra und Nehemia, nach Palästina zurückzukehren. Es waren nicht, wie oft angenommen wird, Christen, die um ihres Glaubens willen vertrieben worden waren. Von solchen lesen wir in Apostelgeschichte 8,1. Diese wurden in andere Landschaften zerstreut, gelangten also nicht in die Provinzen, von denen in diesem Brief in Kapitel 1, 1 die Rede ist. Sie gingen dort umher und predigten das Wort, während die Juden, die in Kapitel 4 erwähnt werden, in den gleichen Ausschweifungen gelebt hatten wie die sie umgebenden Nationen, bis Gott sie in ihren Gewissen erreichte und aus diesem Verderben herausnahm. Nachdem sie geglaubt hatten, wurden sie von denen, die das Treiben fortsetzten, gelästert. Aber alle, die die Gläubigen damals und heute verspotten, müssen „dem Rechenschaft geben, der bereit ist, Lebendige und Tote zu richten.“

Im Alten Testament war das Gericht der Lebendigen bekannt, über das Gericht der Toten dagegen besaßen die Juden keine bestimmten Offenbarungen, wie sie uns durch das Licht des Neuen Testamentes gegeben sind. Gott ist der Richter aller. (Heb 12,23.) Doch hat Er nach Johannes 5,22–23 das ganze Gericht dem Sohn gegeben, „damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren“. In Matthäus 25,31–46 wird Er als der Richter der Lebendigen, in Offenbarung 20,11–15 dagegen als der Richter der Toten beschrieben. Alles, was die Menschen in ihrem Leben getan haben, wird vor dem Richter offenbar, der Augen hat wie eine Feuerflamme, und das Gericht wird gerecht sein. Gott hat sich an keinem Menschen unbezeugt gelassen. Von dem Augenblick an, wo dieser in Sünde fiel, ließ Gott ihm eine gute Botschaft verkündigen. Mit anderen Worten: Gott in seiner unumschränkten Gnade gab den Menschen, die natürlich inzwischen längst verstorben waren und daher als Tote bezeichnet werden, zu ihren Lebzeiten – nicht im Tod – das Evangelium, das nach und nach immer deutlicher wurde. Denken wir an Abel und Seth im Anfang, dann an Henoch, Noah, an die Erzväter, die Opfer, an viele Psalmen, an so bedeutsame Prophetenworte wie Jesaja 53, weiter im Neuen Testament an die Evangelien und die Briefe bis zur Offenbarung. In alledem hat Gott eine wirklich gute Botschaft verkündigen lassen. Wer sie annahm, sollte leben Gott gemäß nach dem Geist, wer sie verwarf, wird noch gerichtet werden, und zwar nach dem, was er im Leben getan hat, im Leben auf dieser Erde. Die Juden hatten eine höhere Verantwortlichkeit als die Nationen insofern, als für sie die gute Botschaft eine besondere Verheißung umfasste, eine Verheißung, die das Kommen des Messias einschloss. Wenn sie der Botschaft glaubten, wird sie kein Gericht treffen, im anderen Fall müssen sie Rechenschaft über ihr Leben im Fleisch geben, wenn sie vor dem Richter stehen werden.

„Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge.“ Damit lenkt der Apostel den Sinn der Gläubigen auf die Vergänglichkeit alles Irdischen, alles dessen, worauf unsere natürlichen Herzen so leicht vertrauen. Alles, was der sichtbaren Schöpfung angehört, wird aufgelöst werden. Petrus schreibt darüber im zweiten Brief, Kapitel 3, 10–12 u. a.: „Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb, an welchem die Himmel vergehen werden mit gewaltigem Geräusch, die Elemente aber im Brand werden aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr verbrannt werden. Da nun dies alles aufgelöst wird, welche solltet ihr dann sein in heiligem Wandel und Gottseligkeit! indem ihr erwartet und beschleunigt die Ankunft des Tages Gottes, dessentwegen die Himmel, in Feuer geraten, werden aufgelöst und die Elemente im Brand zerschmelzen werden.“ Dieses Ende alles Sichtbaren sollte die Christen in jener Zeit und heute mahnen, besonnen und nüchtern zum Gebet zu sein. Wir neigen dazu, uns von den Dingen dieser Erde einnehmen zu lassen. Gott aber will uns davon lösen, uns in der Gemeinschaft mit Ihm erhalten und in unseren Herzen Liebe wecken. „Das Ende aller Dinge“ steht nicht in Beziehung mit der Entrückung der Versammlung (Gemeinde), auch nicht mit der „Ankunft unseres Herrn Jesus mit allen seinen Heiligen“. Wenn auch diese Ereignisse zeitmäßig dem Ende vorausgehen, so ändert das nichts daran, dass Christus stets bereit ist, Lebendige und Tote zu richten. Mögen Spötter sagen: „Wo ist die Verheißung seiner Ankunft?“, so antwortet der Glaube: „Der Herr verzieht nicht die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten, sondern er ist langmütig gegen euch, da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen“ (2. Pet 3,9).

„Vor allen Dingen aber habt untereinander eine inbrünstige Liebe, denn die Liebe bedeckt eine Menge von Sünden.“ Das steht im Gegensatz zur Selbstsucht der natürlichen Menschen, die oftmals Liebe mit Hass beantworten. Hass stellt den Menschen mit seinen Fehlern, Schwächen und Sünden bloß, die Liebe vergibt, übt Milde und Barmherzigkeit und bedeckt so eine Menge von Sünden. Keineswegs darf daraus geschlossen werden, Gott könne das Böse übersehen, entsprechend dem Grad der Liebe, die wir ausüben. Begangenes Unrecht, die Sünde, steht vor Gottes Augen, und wir sollten bemüht sein, den, der sie begangen hat, liebevoll zum Bekenntnis und zur Verurteilung vor Gott zu bringen, damit dadurch die Schuld vergeben oder zugedeckt wird. In Johannes 13 sehen wir, wie sich unser Herr, von Liebe bewegt, tief herabließ, um die Füße der Jünger zu waschen. Das zeigt uns die Voraussetzung für einen derartigen Dienst an unserem Bruder oder unserer Schwester, wenn sie gefehlt haben sollten.

Gott liebt es, wenn wir gastfrei sind. „Nach Gastfreundschaft trachtet“, lesen wir in Römer 12, und dazu in Hebräer 13: „Der Gastfreundschaft vergesst nicht, denn durch dieselbe haben etliche ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“ Welchen Verlust haben Christen, die sie nicht üben und kennen! Der Herr Jesus sagt in Lukas 6 u. a.: „Wenn ihr liebt, die euch lieben, was für Dank ist es euch? denn auch die Sünder lieben, die sie lieben.“ Dasselbe sollten wir auch in Bezug auf unsere Einladungen beachten, wie auch die Ermunterung in Matthäus 10,41–42: „Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, wird eines Propheten Lohn empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, wird eines Gerechten Lohn empfangen. Und wer irgendeinen dieser Kleinen nur mit einem Becher kalten Wassers tränken wird in eines Jüngers Namen, wahrlich, ich sage euch, er wird seinen Lohn nicht verlieren.“

In Kapitel 4, 10–11 spricht der Apostel Petrus von den Gnadengaben. Es sind teilweise dieselben, die in Epheser 4 erwähnt werden. Der erhöhte, verherrlichte Herr gibt sie bis heute, und aus 1. Korinther 12 ersehen wir, dass sie durch den Heiligen Geist ausgeteilt werden. Es sind Gaben, die dem Wohl der Versammlung dienen. „Wenn jemand redet“, also in der Versammlung das Wort verkündigt, „so rede er als Aussprüche Gottes“. Es ist wichtig, das Wort Gottes reden zu lassen. Unsere alten, begabten Brüder haben in den weitaus meisten Fällen einen zusammenhängenden Abschnitt gelesen und darüber das, was der Herr ihnen gegeben hatte, in Übereinstimmung mit dem Wort zum Ausdruck gebracht. So konnte das Wort selbst auf den Redenden und die Zuhörer seine Wirkung ausüben. Wenn Brüder nur einige Verse lesen, die vielleicht noch beliebig zusammengestellt sind, und darüber einen Vortrag halten, so ist das nicht dasselbe, abgesehen von der Gefahr, die darin für den Bruder besteht. Zudem soll die Versammlung nicht interessiert, sondern erbaut werden. Außer diesem Dienst wird der der Hilfeleistung berührt, worüber Paulus in 1. Timotheus 3,8–13 schreibt. Wer ihn ausübt, erwirbt „sich eine schöne Stufe und viel Freimütigkeit im Glauben, der in Christo Jesu ist.“

Die ersten Christen hatten entschieden mehr unter Hass und Verfolgung zu leiden, als es heute in den meisten Ländern der Fall ist. Sie werden darauf hingewiesen, dass sie damit das Vorrecht haben, der Leiden des Christus teilhaftig zu werden, und deshalb Anlass finden, sich zu freuen. In Apostelgeschichte 5 wird uns beschrieben, wie die Apostel geschlagen wurden, und dass sie voll Freude waren, gewürdigt zu sein, für den Namen Schmach zu leiden. Petrus, der an manchen Stellen mit der Offenbarung Christi beschäftigt ist, weist die Christen auch jetzt auf diese Offenbarung hin und betont, dass sie sich dann mit Frohlocken freuen werden. Diese Freude wird alles überschatten, was die Heiligen hier an Schmach erduldet haben. Glückselig werden sie jetzt schon genannt, und es wird hinzugefügt: „Denn der Geist der Herrlichkeit und der Geist Gottes ruht auf euch.“ Der Heilige Geist wird also von zwei Gesichtspunkten aus gesehen. Im ersten Fall ist Er der Geist der Freude, im anderen der Kraft. Wie wunderbar!

Als Übeltäter oder als einer, der eine Schuld auf dem Gewissen hat, sollte kein Christ leiden. Mischt er sich in fremde Sachen, in Dinge dieser Welt, so ist er in ähnlichem Zustand und in Gefahr, vom Glaubenspfad abzuweichen. Ganz anders ist es, wenn wir als Christ zu leiden haben. Das gereicht zur Verherrlichung Gottes und wird in der Offenbarung Jesu Christi zu Lob und Herrlichkeit und Ehre ausschlagen.

„Denn die Zeit ist gekommen, dass das Gericht anfange bei dem Haus Gottes.“ Ein Diener des Herrn fuhr während des letzten Krieges durch eine von Bomben zerstörte Stadt, in der eine besonders große Zahl von Gläubigen gewohnt hatte. Die Mitreisenden brachten zum Ausdruck, dass alles Beten und alle Frömmigkeit nichts genutzt habe. Unser Bruder schlug daraufhin, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, seine Bibel auf und las laut vor: „Denn die Zeit ist gekommen, dass das Gericht anfange bei dem Haus Gottes; wenn aber zuerst bei uns, was wird das Ende derer sein, die dem Evangelium Gottes nicht gehorchen! Und wenn der Gerechte mit Not errettet wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen?“ Daraufhin verstummten alle im Abteil. Diese Begebenheit illustriert, dass das Gericht der Kinder Gottes schon in dieser Zeit begonnen hat, und zwar seitdem das Haus Gottes auf dieser Erde besteht, das ist seit Pfingsten. Das Gericht der Christenheit, die nicht geglaubt hat, wird zukünftig stattfinden, nach der Entrückung der Versammlung. Dann wird die Tür für sie geschlossen sein. Die Gerichte nehmen mit Offenbarung 6 ihren Anfang und sind in Offenbarung 19 beendet. „Wo will der Gottlose und Sünder erscheinen?“ Es gibt für sie keine Gnade, kein Entrinnen mehr, und dem leiblichen Tod folgt der „See, der mit Feuer und Schwefel brennt, welches der zweite Tod ist“.

„Und wenn der Gerechte mit Not errettet wird.“ Petrus will auf die mancherlei Nöte und Gefahren hinweisen, die dem Christen auf seinem Weg begegnen und die ihn hindern wollen, das Ziel im Auge zu behalten. Wir brauchen darum aber nicht mutlos zu werden. Der Glaube blickt nach oben, er weiß sich in den Händen eines liebenden Vaters, der es übernommen hat, die Söhne zur Herrlichkeit zu führen. Der Herr Jesus sagt in Johannes 10,29–30: „Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben. Ich und der Vater sind eins.“ Deswegen können die Erlösten Vertrauen fassen und „die, welche nach dem Willen Gottes leiden, einem treuen Schöpfer ihre Seelen befehlen im Gutestun“. Mit dem Namen Gottes als Schöpfer waren die Juden mehr vertraut als wir, für uns heute ist er aber ebenso vertrauenerweckend wie segensreich.

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