Kommentar zum 1. Petrusbrief

1. Petrus 4

Die Leiden Christi im Fleisch werden als ein Beispiel vor uns gestellt. Es geht nicht um seine sühnenden Leiden – denn die trug Er allein –, sondern um seine Leiden in einer feindlichen Welt in einer Haltung kostbarer, demütiger Gnade. Wir sollen uns mit dem gleichen Sinn wappnen, der eine fleißige und entschiedene Bereitschaft zeigt, bereitwillig Falsches zu erdulden. Im Fleisch zu leiden beinhaltet den Widerstand gegen die Verlockungen der Sünde. Durch den Abstand zur Sünde sind die Entscheidungen des Herzens nicht länger den natürlichen Begierden unterworfen, sondern dem Willen Gottes. Das ist normaler christlicher Glaube.

Welcher Gläubige kann im Rückblick nicht völlig zustimmen, dass sein vergangenes Leben mehr als genug Eigenwille, Selbstgefälligkeit und Eitelkeit enthielt? Zweifelsohne haben manche deutlich mehr Umgang mit den in Vers 3 aufgelisteten Dingen gehabt als andere, aber selbst ein wenig ist bereits mehr als genug für solche, die ein klares Bewusstsein von den Leiden Christi haben.

Ungöttliche Personen von den Nationen halten es natürlich für sonderbar, dass Gläubige keinen Gefallen daran finden, den niederträchtigen Begierden in der gleichen exzessiven Weise nachzugehen. Das ist der Grund, warum sie ihnen widersprechen. Aber sowohl wir als auch sie werden einmal vor einem höheren Richter Rechenschaft ablegen – vor Ihm, der Richter der Lebenden wie auch der Toten ist. Diese beiden Gerichte liegen zeitlich zwar weit auseinander, aber Christus ist bereits für beide vorbereitet. Gott hat Ihn erhoben, und nichts kann Ihn an seinem Urteil hindern, das Er zur bestimmten Zeit festlegen wird.

Weil Christus bereit ist zu richten, wurde das Evangelium in Vers 6 denen gepredigt, die nun tot sind. Es wird nicht gesagt, dass ihnen das Evangelium gepredigt wird oder gepredigt wurde, als sie bereits tot waren. Sie sind jetzt tot, aber das Evangelium wurde ihnen gepredigt, als sie lebendig waren. Das bezieht sich wieder auf die Tage Noahs (Kapitel 3,20.21). Der Ziel der Predigt war, dass sie doch Gott gemäß im Geist leben könnten, obwohl sie von Menschen im Fleisch gerichtet werden könnten (denn natürliche Menschen lästern über Gläubige, Vers 4). Das wäre das normale Ergebnis der empfangenen Predigt. Noahs Familie nahm die Botschaft an und litt unter den Menschen, lebte aber, während die anderen starben. Wie unerheblich ist das abgestumpfte Urteil der Menschen im Vergleich dazu, Gott gemäß nach dem Geist zu leben! Aber diese gegenwärtigen Verhältnisse bestehen nur eine kurze Zeit, denn das Ende aller Dinge ist in Aussicht. Das „Ende“ ist nicht einfach eine Beendigung, sondern das, was Gott im Sinn hat, ist eine Feststellung mit ewigem Charakter. Die Zeit ist vergänglich, so lang sie auch zu sein scheint. Besonnenes und nüchternes Gebet ist daher nur angebracht. Wir haben keine Zeit für Lässigkeit.

Von allergrößter Wichtigkeit ist die inbrünstige Liebe unter den Gläubigen. Die Liebe ist die Wärme und Energie von Gottes Wesen, an dem die Gläubigen durch die Gnade Anteil haben. Licht kann Sünde aufdecken, aber Liebe deckt eine Menge von Sünden zu. Es geht sicherlich nicht darum, Böses zu tolerieren oder zu schützen, aber die Liebe wird den anderen dahin führen, seine Sünden zu richten. Auf diese Weise sind sie verdeckt und werden nicht herumposaunt. Gott freut sich über solche Wärme der Liebe.

Auch offenherzige Gastfreundschaft ist eine wertvolle Tugend. Lasst uns froh darüber sein, sie anderen zu zeigen und sie niemals als belastende Pflicht ansehen. Das Beispiel Abrahams dazu ist sehr belebend (1. Mose 18,1–8).

Wenn es darum geht, einander zu dienen, hat jeder andere Fähigkeiten und ist für seine Gabe Gott verantwortlich, der sie gegeben hat. „Es ist notwendig für Diener, dass sie für treu befunden werden“, und es ist eine andauernde Übung für jeden Gläubigen, das treu zu verwalten, was ihm anvertraut wurde durch „die mannigfaltige Gnade Gottes“ (Vers 10). Das ist die Gnade in ihren vielen verschiedenen Aspekten, die jeden Gläubigen mit mehr als genug versorgt, um sein ganzes Leben lang zu dienen.

Wenn jemand die Gabe des „Redens“ hat, so soll er als „Aussprüche Gottes“ reden. Das muss mit einem angemessenen Bewusstsein vor Gott getan werden, wofür natürlich eine feste, klare Kenntnis der Schrift notwendig ist. „Dienst“ meint jede Art von Aufgaben, und er sollte, so wie Gott uns die Fähigkeiten schenkt, fleißig ausgeübt werden. Das Ziel ist, dass Gott durch Jesus Christus verherrlicht wird, denn Ihm gebühren Herrlichkeit und Macht in Ewigkeit. Solche Beweggründe werden immer von Fleiß begleitet sein.

Jetzt kehrt der Apostel zum Thema der Leiden zurück, indem er die Gläubigen ermahnt, nicht durch die Erprobung mit „feurigen Prüfungen“ befremdet zu werden. Tatsächlich sollte es, statt zu befremden, von Christen geradezu erwartet werden, denn das Herz der Menschen ist natürlicherweise gegen Gott gerichtet. Aber wir werden dazu aufgefordert, uns in den Prüfungen zu freuen, denn es ist in einer gewissen Weise Teilnahme an den Leiden Christi. Und die baldige Offenbarung Christi in Herrlichkeit ist schon in Aussicht, wo die gegenwärtigen Leiden der übermäßigen Freude für die Kinder Gottes Platz machen. Dieser Gegensatz ist in der Tat wunderbar und unbeschreiblich, aber wenn wir unseren Blick mitten in den gegenwärtigen Leiden schon auf diese kostbare Aussicht richten, ist das der Weg, um mit Frohlocken zu überwinden.

Kapitel 2,14 hat schon von Freude in Leiden um der Gerechtigkeit willen gesprochen. Jetzt beharrt Vers 14 dieses Kapitels auch darauf, dass Leiden für den Namen Christi ein Grund zur Freude sind, denn in diesen Leiden wird Gott der Seele ein kostbares Bewusstsein schenken in Bezug darauf dass der „Geist der Herrlichkeit“ und der „Geist Gottes“ anerkennend auf dem Leidenden ruhen. Denn wenn Christus von Verfolgern geschmäht wird, so wird Er durch den verfolgten Gläubigen doch verherrlicht. Gott kann nicht anders als das völlig zu schätzen, denn Er rechnet den Glauben, der den Sohn ehrt, sehr hoch an.

Wie traurig und widersprüchlich wären dagegen Leiden als Mörder, Diebe oder Wichtigtuer. Solche Leiden wären verdient, sowohl zur gegenwärtigen Bestrafung als auch zu ewigem Verlust.

Wenn aber jemand als Christ leidet, wird er ermuntert, nicht betrübt zu sein, denn das ist wirklich lohnenswert. Er kann Gott in dieser Angelegenheit mit ganzem Herzen verherrlichen. Die Zeit ist gekommen, dass das Gericht beim Haus Gottes beginnen muss. Gott nutzt jede Art von Drangsal und Erprobung in der Erziehung seines eigenen Hauses, der Kirche oder Gemeinde Gottes, und das beinhaltet auch die ungerechte Verfolgung durch die Welt. Dieses Gericht wird am Richterstuhl gipfeln, wenn wir die kostbaren Früchte dieser Erziehung in einer Weise sehen werden wie nie zuvor. Aber da wir jetzt Kinder Gottes sind, erwarten wir die regierende Erziehung unseres Vaters.

Und wenn es so ein unterscheidendes Gericht für das Haus Gottes gibt, was wird es sein, wenn Er (nicht als Vater, sondern) als Richter erst solche beurteilt, die sich weigern, dem Evangelium seiner Gnade zu gehorchen? Allein die Frage nach ihrem Ende reicht aus, um schreckliche Furcht in ihren Seelen zu erwecken. Denn wenn die Gerechten mit Not errettet werden (das geschieht durch die Erziehung mit Erprobung, Trauer und Drangsal), wo will der Gottlose erscheinen, der diese Dinge nicht kennt? Auch wenn die Antwort hier nicht gegeben wird, ist Offenbarung 20,11–15 eindeutig, dass sie vor dem großen weißen Thron erscheinen werden, um nach ihren Werken gerichtet und in den Feuersee geworfen zu werden. Wenn der Gläubige dazu neigt, eifersüchtig auf den Ungläubigen zu sein, sollte er innehalten und die unterschiedlichen Ausgänge bedenken.

Dieses Thema wird mit einer ermutigenden Ermunterung an solche abgeschlossen, die nach dem Willen Gottes leiden. Sie sollen sich nicht an die Welt wenden, sondern an Gott, indem sie Ihm ihre Seelen im Gutestun anbefehlen, ungeachtet der heutigen Konsequenzen. Denn Er ist ein treuer Schöpfer, der alles, was seine Geschöpfe betrifft, völlig berücksichtigt. Auf Ihn kann man sich immer verlassen, egal wie die gegenwärtigen Umstände sein mögen.

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