Kommentar zum 1. Petrusbrief

1. Petrus 3

Es folgt eine ähnliche Anweisung für die Frauen, die einen untergeordneten Platz einnehmen; natürlich nicht in der Weise wie ein Sklave seinem Meister, sondern ihren „eigenen Ehemännern“ gegenüber. Das ist eine äußerst vertraute und kostbare Beziehung. Dass es ihr „eigener“ Ehemann ist, ist ein Anreiz für ihre aufrichtige und von Herzen praktizierte Unterordnung. Wenn er von ihr verlangt, etwas Falsches zu tun, muss sie sich dem selbstverständlich nicht unterwerfen, aber ansonsten ehrt ein Geist der fröhlichen Unterordnung den Herrn. Ihr Mann mag ein Ungläubiger sein, der dem Wort Gottes nicht gehorcht, aber sie soll trotzdem gehorchen, denn es kann sein, dass ihr Mann gerade dadurch für den Herrn gewonnen wird. Ihre gottgefällige Unterordnung, die ihr ganzes Leben durchdringt, ist in sich selbst ein Beweis für die Kraft des Wortes Gottes in ihrem Leben; und so kann sie ihn ohne Worte für den Herrn gewinnen. Dieses Verhalten ist für eine Frau viel angemessener. Hier wird von einem „in Furcht reinen Wandel“ gesprochen. Anders ausgedrückt: ein Leben ohne Ehebruch, in dem man eine gesunde Gottesfurcht im Auge behält.

Eine Frau sollte sich vor dem allein äußeren Schmuck hüten. Zweifellos war es damals wie heute üblich, dass Frauen durch auffallende Frisuren, das Tragen teurer Kleidung und durch Juwelen die Aufmerksamkeit auf sich lenkten. Natürlich ist es nicht gut, schlampige oder vernachlässigte Kleidung zu tragen, aber protzige Kleidung eben auch nicht. Allgemein gesprochen sollte man darauf bedacht sein, etwas zu tragen, das keine unangebrachte Aufmerksamkeit auf einen lenkt. Denn letztendlich ist es Stolz, der Aufmerksamkeit sucht, wie auch immer. Aber viel wertvoller als äußere Show ist der Schmuck eines sanften und stillen Geistes. Er steht im Gegensatz dazu und hängt mit den inneren Beweggründen des Herzens zusammen. Darin liegt echter und ewiger Wert, Unvergänglichkeit und Kostbarkeit in den Augen Gottes. Wie unendlich wertvoller ist dies als der schöne Tand, der nur für einen Moment die Augen blendet.

Hier werden wir auch an das Beispiel heiliger Frauen erinnert, die auf Gott vertrauten. Bestimmt gab es auch damals Frauen, deren Charakter dem total entgegen war, doch diese sind in Vergessenheit versunken. Im Vergleich dazu sehen wir hier Frauen mit dem erquickenden Geist des Glaubens an Gott und der Bereitschaft zur Unterordnung unter ihre Ehemänner, deren Andenken im Wort Gottes vermerkt ist. Lasst uns nicht in die vom Teufel verbreitete Falle tappen und solche göttlichen Frauen als „altmodisch“ abstempeln. Ihr Beispiel ist in seiner moralischen Schönheit heute noch genauso maßgeblich wie in ihrer Zeit.

Sara, die Frau Abrahams, dem Mann des Glaubens, wird speziell erwähnt. Sie selbst steht symbolisch für das fruchtbare Prinzip der Gnade, die durch Unterordnung unter Gott wirksam wird. Sie gehorchte Abraham und nannte ihn ihren „Herrn“. Diese Begebenheit kann man in 1. Mose 18,12 lesen, wo Sara, für andere nicht hörbar, zu sich selbst sprach. Das zeigt uns, dass es eine freiwillige, ständige Haltung war, die sie sich nicht angeeignet hatte, weil andere zuhörten. Ehefrauen sind in diesem Sinn in ihrer Praxis Töchter Saras, wenn sie in wahrer Unterordnung leben. Aber Unterordnung ist kein Schrecken, keine Angst; sie beinhaltet die ruhige Würde des Glaubens und des Mutes und ist keine sklavische Unterwürfigkeit.

Die Ehemänner dürfen selbstverständlich nicht ihren eigenen Vorteil aus der untergeordneten Stellung der Ehefrauen suchen. Sie sollen bei – und nicht über – ihnen wohnen mit Einsicht, in reiner Erkenntnis, was richtig und angemessen ist. Und weil die Frau körperlich das schwächere Gefäß ist, soll der Ehemann ihr Ehre geben, denn der Stärkere ist dafür verantwortlich, den Schwächeren zu unterstützen. Er soll wahre Rücksicht auf ihr Wohlergehen nehmen. Durch den Missbrauch dieser Autorität der Männer haben die Frauen in der Welt gelitten und sich heute in Unmut der Emanzipation zugewandt und verlangen gleiche Rechte. Aber keiner dieser Missbräuche ist richtig und christlich, egal ob bei Männern oder Frauen. Sie sollten ihren angemessenen Platz erkennen und behalten und treu ihrer Verantwortung in dieser Stellung entsprechen.

Der Ehemann und die Ehefrau werden schließlich als „Miterben der Gnade des Lebens“ (Vers 7) betrachtet. Hier geht es nicht um das Erbe im Sinne von Segnungen (davon spricht Römer 8,17), sondern es geht darum, von Gott laufend Gnade zu erhalten, um in hingebungsvollem Gehorsam Ihm gegenüber zu leben. Lasst uns dieses kostbare Erbteil „der Gnade des Lebens“ gut nutzen. Im Geist dieser wahren Rücksichtnahme aufeinander liegt ein bewahrender Aspekt, dass nämlich die Gebete von Ehemann und -frau zusammen nicht verhindert werden.

Die Verse 8 und 9 sind allgemeine Ermahnungen, die für alle Beziehungen gelten. Gleich gesinnt zu sein verlangt das Aufgeben jeder persönlichen Vorliebe zur wirklichen Berücksichtigung anderer. Das sind tatsächlich die Gedanken Gottes. Man kann Philipper 2,5 damit vergleichen, wo es heißt: „… sondern ein jeder auch auf das der anderen [achten]“, was besorgtes Mitempfinden mit den gegenseitigen Umständen einschließt, gepaart mit der Wärme der Liebe als Brüder.

„Mitleidig“ könnte man auch als mitfühlend beschreiben, was im Gegensatz zu Gefühllosigkeit steht. „Barmherzig“ und „demütig“ zu sein ist in der Welt nicht üblich, aber es ist kostbar. Und wir werden gewarnt, Böses nicht mit Bösem zu vergelten, woran wir oft erinnert werden müssen. Wenn ich das tue, begebe ich mich auf das gleiche Niveau wie der Angreifer. Ich sollte viel eher segnen, was gut ist, weil Gott darin widergespiegelt wird. Auch wir selbst sind aus einer bösen und schändlichen Stellung herausgerufen, um von Ihm Segen zu ererben. Von diesen Versen an werden wir sehen, dass von Gottes Regierung Folgen für das Verhalten der Gläubigen ausgehen, seien sie gut oder schlecht. Wenn jemand das Leben liebt und gute Tage sehen will, der soll zuerst seine eigene Zunge und Lippen hüten. Die Zunge soll vom Bösen zurückgehalten werden, von dem, was irgendwie schädlich ist. Und die Lippen sollen sich von Trug fern halten, der einen falschen Eindruck erweckt und der – wenn auch keine direkte Lüge – doch täuscht.

Wenn es darum geht, das Leben zu lieben, kann man sich hier fragen, wie das zu den Worten des Herrn in Johannes 12,25 passt, wo es heißt: „Wer sein Leben liebt hat, wird es verlieren.“ Aber damit ist das eigene Leben gemeint mit seinen eigensinnigen Beweggründen und dem Sichklammern an diese Erde, was auf jeden Fall aufgegeben werden muss. Das Leben zu lieben wie in unserem Vers, ist andererseits die Freude daran, was das Leben wirklich ausmacht; es ist ein Charakter von unvergänglicher Reinheit und Güte.

Zusätzlich zu unseren Worten werden wir aufgefordert, uns auch in unserem Verhalten vom Bösen abzuwenden, das Schaden an Gottes Schöpfung anrichtet. Das Wort wird hier allgemein benutzt und kann sich auf moralischen, geistlichen, körperlichen oder materiellen Schaden beziehen. Auch das Vermeiden von versehentlich falschem Verhalten ist darin eingeschlossen. Aber auf der anderen Seite werden wir ermuntert, Gutes zu tun. Es gibt sicherlich genug Gutes, das wir tun können, sodass wir gar nicht erst Zeit für Böses haben. Noch dazu sollen wir Frieden suchen – die Gnade, dass es uns miteinander wohl ergeht –, egal in welcher Beziehung wir stehen. Dem sollen wir eifrig nachjagen.

„Denn die Augen des Herrn sind gerichtet auf die Gerechten“ (Vers 12). Das meint nicht nur vollkommene Einsicht in jeden Beweggrund, sondern auch die Bewahrung durch seine aufmerksame Fürsorge. Es stimmt zwar, dass der Stellung nach jeder Gläubige als gerechtfertigt in Christus angesehen wird, aber Petrus besteht hier darauf, dass der Gläubige das auch in der Praxis ausleben soll, um Gottes anerkennenden Blick auf sich zu erleben. Dasselbe gilt auch für Gottes Ohr, das nicht nur offen ist für Gebete, sondern das mit Zustimmung zuhört und Antwort gibt. Eine diesem entgegengesetzte Gesinnung wird auch diesem entgegengesetzte Ergebnisse ernten. Gottes Angesicht wird für Böses keine Anerkennung zeigen, und wenn wir uns auch nur in geringem Maße auf die Seite des Bösen stellen, wird das Gottes ernstes Missfallen nach sich ziehen. Diese Verse werden aus Psalm 34,13–17 zitiert, und Gottes Regierungswege sind heute nicht weniger ernst als in den Tagen, als David dies schrieb.

Es wird gefragt, wer ihnen schaden wird, wenn sie Eiferer für das Gute sind. Im Allgemeinen wird so ein Verhalten keinen Widerstand hervorrufen, jedenfalls unter normalen Umständen.

Auf der anderen Seite kann man für Gutes tun leiden, wenn die Umstände nicht normal sind. In diesem Fall ist unsere Gesinnung von größter Wichtigkeit, wenn wir Gott richtig repräsentieren wollen. „Glückselig seid ihr“ (Vers 14). Gottes Auge richtet sich mit kostbarer Wertschätzung auf den, der unter diesen Umständen in wahrer Geduld leidet. Wir sollen das Leid nicht nur mit gleichgültiger oder resignierter Geduld ertragen, sondern uns dabei freuen, denn Gott rechnet uns das hoch an. Egal wie rachsüchtig oder grausam der Gegner sein mag, der Gläubige wird aufgefordert, sich nicht zu fürchten und sich nicht einmal Sorgen zu machen. Das kann mit Sicherheit nur der Glaube erreichen, aber was ist vernünftiger als der Glaube und was für ein Kind Gottes normaler als der Glaube?

„Sondern heiligt Christus, den Herrn, in euren Herzen“ (Vers 15). Christus ist in der Tat völlig geheiligt, von dieser Welt abgesondert und vollendet in Heiligkeit und Wahrheit. Jeder Gläubige sollte so von Ihm denken und Ihm seinen Platz der alleinigen Würde und Herrlichkeit geben. Zusätzlich sollte der Gläubige bereit sein, jedem, der fragt, eine klare, wahre Erklärung hinsichtlich der Hoffnung zu geben, die nicht mit dieser Welt verbunden ist. Aber seine Antwort sollte mit Sanftmut und Furcht gegeben werden in dem klaren Bewusstsein, dass Gottes souveränes Handeln dies bewirkt hat. Wenn unser Zeugnis für andere überzeugend sein soll, müssen wir außerdem ein gutes Gewissen haben, wenn es um unser praktisches Verhalten geht. Ist unser Gewissen rein, ist es egal, wie falsch und verdorben die Anschuldigungen der Menschen sein mögen, denn das wird nur ihre eigene Schande deutlich machen. Es ist bemerkenswert, dass in diesem Abschnitt (von Vers 10 bis 16) fünfmal das Wort „gut“ vorkommt, zuletzt wenn es um den „guten Wandel“ geht, der jegliches Verhalten mit einschließt.

Denn wenn es Gottes Wille ist, dass wir leiden (und nur Er entscheidet in angemessener Weise über diese Notwendigkeit), wie viel besser ist es dann, dass die Leiden für Gutestun sind statt für das Gegenteil. Der Glaube sieht den weittragenden Wert davon.

Darüber hinaus gilt: Wenn ein Gläubiger für Bösestun leiden muss, ist das nicht vereinbar damit, dass Christus ja bereits auf Golgatha für die Sünden gelitten hat, ja wahrhaftig, der Gerechte hat den Platz des Ungerechten eingenommen, um uns zu Gott zu führen. Unsere Sünden zogen die unsagbar schweren Leiden auf den Herrn der Herrlichkeit, der sie vollkommen weggetan hat und uns vor seinem Gott und Vater gerechtfertigt darstellt. Warum sollte also ein Gläubiger auch nur im Geringsten dazu zurückkehren, was Christus diese Schmerzen und Leiden verursacht hat? Wie viel mehr sollten wir, die wir jetzt gerettet sind, auch bereitwillig für Gutestun leiden?

Der Herr hat im Fleisch den Tod erlitten (nicht nur Leid, Sorgen und Elend), aber Er wurde im Geist erquickt und lebendig gemacht, so wie wir Ihn heute „in der Kraft des unendlichen Lebens“ kennen.

Es ist bemerkenswert, dass nicht nur sein Tod, sondern auch seine Auferweckung als Fakten dastehen, bevor die Verse 19 und 20 die geschichtlichen Fakten vor uns stellen von dem, was während der Zeit der Flut passiert ist. Es wurde von manchen versucht, den 19. Vers zeitlich zwischen den Tod und die Auferstehung Christi zu setzen. Diese Ansicht ist falsch, denn es wird vor Vers 19 gesagt, dass Christus lebendig gemacht wurde. Deswegen sprechen die Verse 19 und 20 über die zurückliegende Vergangenheit.

Der gleiche Geist, in dem Christus lebendig gemacht wurde, war es, der schon in der Zeit Noahs zu denen predigte, die nun Geister im Gefängnis sind. So wie der Geist Christi im Alten Testament in den Propheten war (1. Pet 1,10.11), so war er auch in Noah, der predigte, während die Arche gebaut wurde (vergleiche 2. Pet 2,5).

Vers 20 ist ausschlaggebend für die Zeit dieser Predigt, die stattfand, als die Langmut Gottes in den Tagen Noahs wartete und die Arche zubereitet wurde. Zu sagen, dass Christus in seinem Tod in den Bereich der Verlorenen ging, um ihnen dort zu predigen, ist völlig unschriftgemäß. Denn als Er starb, ging sein Körper in die Gruft und seinen Geist übergab Er seinem Vater. Das geschah „im Paradies, dem dritten Himmel“. Vergleiche dazu Lukas 23,43 und 2. Kor 12,2–4.

Es war die Zeit des Ungehorsams dieser Geister (die nun im Gefängnis sind), als Christus ihnen predigte. Die Ergebnisse dieser Predigt waren sehr gering, denn nur acht Seelen wurden durch Wasser gerettet. Aber egal wie gering, es war trotzdem ein Zeugnis für die Treue und Gnade Gottes. Gläubige sind zwar nicht in der Überzahl, dafür aber unendlich gesegnet von Gott.

Die Rettung „durch Wasser“ ist ein Bild der ewigen Errettung, und die Taufe ist ein ähnliches Bild. Noah und seine Familie wurden aus einer ungöttlichen Welt herausgerettet – ein Bild der ewigen Rettung. Die Taufe „rettet“ in einer ähnlichen Weise, zwar nicht für die Ewigkeit, aber von einer Welt, die den Herrn Jesus Christus verwirft. Dazu ermahnte Petrus auch unterwiesene Juden in Apostelgeschichte 2,40: „Lasst euch retten von diesem verkehrten Geschlecht!“ Durch die Taufe sonderten sie sich selbst öffentlich von ihrem eigenen Volk ab, das den Messias verworfen hatte. Natürlich symbolisiert die Taufe ein Begräbnis (Römer 6,4) in Verbindung mit dem Tod Christi. Während die Taufe äußerlich rettet, ist sie ein Bild davon, was ewig errettet – das ist das Opfer Christi, dessen Wert der Seele nur durch den Glauben an Ihn klar wird. Es gab keinen Grund für Petrus oder einen der anderen elf Apostel, christlich getauft zu werden, denn sie waren seit dem Beginn ihres Dienstes öffentlich mit Christus identifiziert.

Aber die Taufe ist „nicht ein Ablegen der Unreinheit des Fleisches“ (Vers 21). Als eine äußerliche Sache kann sie weder ein moralisches Ergebnis bewirken, noch beabsichtigt sie das. Aber sie ist das „Begehren eines guten Gewissens vor Gott“ (Vers 21b). Sie drückt den Wunsch oder das Verlangen eines guten Gewissens aus, schafft aber in sich kein gutes Gewissen. Da die Taufe „auf Christus“ ist, deutet sie auf Denjenigen hin, der sehr wohl ein gutes Gewissen bewirkt. Das wird im letzten Satz „durch die Auferstehung Christi“ zu verstehen gegeben. Die Taufe wäre bedeutungslos, wenn Christus nicht auferstanden wäre (1. Kor 15,29), aber sie ist nur das Symbol von etwas unendlich Besserem.

Es wird dann dazu aufgefordert, das Herz weg vom bloßen Bild, weg von sich selbst, hin zu der Person des von den Toten auferstandenen Christus zu richten, der in die Himmel gegangen ist, sitzend zur Rechten Gottes, dem die höchsten geschaffenen Lebewesen (Engel) und Autoritäten und Mächte untertan sind.

Das ist die Antwort darauf, dass Er einst den niedrigsten Platz der Leiden für die Sünde eingenommen hat (Vers 18). Wenn das so ist, wie bereitwillig sollten die Gläubigen für Gutestun leiden und dabei den Ausgang im Auge haben, der so unbeschreiblich wunderbar ist.

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