Kommentar zum 1. Petrusbrief

1. Petrus 2

Wenn das Wort Gottes für uns die feste Grundlage von allem und ewiger Segen ist, sollten wir auch freudig all das beiseitelegen, was dem Wort entgegen ist. Diese bösen Dinge, die in Vers 1 aufgelistet sind, werden uns wirklich an jeder aufrichtigen Freude am Wort hindern. Bosheit liegt vielleicht nicht an der Oberfläche, aber harte, bittere Gedanken gegen andere werden jedes aufrichtige Verlangen nach dem Wort abtöten. Trug meint nicht das Aussprechen einer Lüge. Es ist das Handeln oder Sprechen, um einen falschen Eindruck zu vermitteln, also eine heimliche Lüge. Heuchelei ist das Vorgeben, etwas zu sein, was man nicht ist, und dabei geht es im Allgemeinen um geistliche Dinge. Auch Neid kann leise sein, aber nicht verborgen bleiben. Alle diese Dinge können im zuletzt Angeführten münden – dem üblen Nachreden. Lasst uns lernen, diese bösen Dinge zu verabscheuen und uns entschieden dem zuwenden, was gut ist.

Neugeborene Kinder verschwenden ihre Zeit nicht mit negativen Dingen. Sie sehnen sich nur nach der gesunden Ernährung der Muttermilch. Unser Verlangen nach der reinen geistigen Milch des Wortes Gottes sollte genauso inbrünstig sein. Das heißt nicht, dass wir Kleinkinder bleiben sollen, aber auch dann, wenn wir fähig sind, die feste Nahrung des Wortes aufzunehmen, sollte unser Verlangen nach der Milch des Wortes nicht abnehmen – die grundlegenden, einfachen Dinge der Schrift sind Nahrung, durch die wir wachsen. Wie tiefe Wahrheiten wir auch lernen – die grundlegenden Dinge dürfen niemals in Vergessenheit geraten, sondern wir sollen danach verlangen. Dieses Verlangen werden wir in dem Maß erleben, in dem wir geschmeckt haben, dass der Herr gütig ist.

Von Ihm wird als „einem lebendigen Stein“ gesprochen, zu dem die Gläubigen gekommen sind. Das ist sein unveränderlicher, bleibender Charakter, wie auch Kapitel 1,25 von dem Wort des Herrn spricht, das in Ewigkeit bleibt. Obwohl Er von Menschen (insbesondere Israel) verworfen wurde, ist nur in Ihm – dem einen von Gott Auserwählten und über menschliche Vorstellungen für Gott Kostbaren – Beständigkeit und anhaltende Unveränderlichkeit. Er ist der Lebendige, der starb und für immer und ewig lebendig ist, der beständige Fels.

Aber die Gläubigen sind mit Ihm in dem gleichen Charakter als lebendige Steine verbunden. „Stein“ ist die Bedeutung des Namens Petrus, der ihm vom Herrn selbst bei ihrem ersten Zusammentreffen gegeben wurde (Joh 1,42). So wie Christus bleibt, so wird auch der Gläubige bleiben, und wie Er lebt, wird auch der Gläubige leben. Christus ist der Eckstein (Vers 6), von dem die Ausrichtung des ganzen Gebäudes abhängt, und jeder Gläubige ist ein lebendiger Stein, ein lebender Bestandteil dieses geistlichen Hauses, zu dem Gott uns auferbaut. Ein Haus, von dem Paulus in 1. Timotheus 3,15 sagt: „… Haus Gottes, das die Versammlung des lebendigen Gottes ist …“.

Wenn auch auf der einen Seite die lebendigen Steine das Haus selbst bilden, werden die Gläubigen auf der anderen Seite doch zu einer heiligen Priesterschaft innerhalb des Hauses aufgebaut, um die Funktion des Priestertums auszuführen. Das bedeutet in diesem Fall speziell das Darbringen geistlicher Schlachtopfer, Gott wohlangenehm durch Jesus Christus (Vers 5). Die Versammlung wird sowohl als Haus Gottes als auch als Hausgenossen Gottes angesehen (Eph 2,19). Gott baut seine Versammlung nicht nur kollektiv auf durch schrittweises Hinzufügen und Formen nach seiner eigenen Weisheit, sondern Er baut auch jeden Gläubigen individuell auf, sodass er den priesterlichen Dienst für Ihn ausüben kann, und das auch gemeinschaftlich.

In Vers 6 wird Jesaja 28,16 zitiert, dass der Eckstein in Zion gelegt ist. Die wahre Erfüllung dieser Prophezeiung wird im Tausendjährigen Reich erwartet, denn zu dieser Zeit wird Jerusalem unter dem Namen Zion bekannt sein. In dieser Zeit werden alle Segnungen von Christus, dem wahren Messias, an Israel ausgeteilt werden. In Ihm wird das Volk Israel seine ewige Ruhe finden. Obwohl die Versammlung zeitlich gesehen vor Israel damit gesegnet ist, den gleichen Eckstein zu haben, ist es durchaus angebracht, dass Petrus sich darauf bezieht, denn er schreibt an gläubige Juden. Schließlich wird Israel Ihn auch als „auserwählt und kostbar“ anerkennen, wenn sie in Glauben zu Ihm gekommen sein werden. Auch wenn das Volk Israel insgesamt noch nicht an Ihn glaubt, so ist Er doch denen, die jetzt schon glauben, die Kostbarkeit. Es ist traurig, dass Israel das verpasst hat, aber die Glaubenden haben die ganze Kostbarkeit der Offenbarung Gottes in der Person seines gesegneten Sohnes empfangen. Auf der anderen Seite hat der Ungehorsam (vor allem der Israels) diesen Stein abgewiesen, und doch wurde Er zum Eckstein gemacht, dem einzigen Beziehungspunkt des ganzen Gebäudes. Das Volk Israel wird das erst erkennen, wenn Er in Seiner Herrlichkeit erscheint, aber der Versammlung ist das heute schon eine segensreiche Wahrheit.

Wenn Er für Israel auch der „Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses“ ist, so bleibt die Tatsache bestehen, dass Er ein Stein und ein Fels ist, also nicht etwas, das einfach zur Seite gefegt und vergessen wird. Selbst nach seinem Tod und seiner Auferstehung reichte sein Name alleine aus, um erbitterte Feindschaft und Verfolgung durch die Juden auszulösen. Warum? Weil ihnen dieser Stein direkt im Weg war. Entweder mussten die Juden sich Ihm unterwerfen, oder, wenn sie ihren eigenen Weg weiter verfolgten, würden sie sich an Ihm stoßen. Wegen ihrer ungehorsamen Herzen stießen sie sich, nachdem Er auferstanden war, auch an dem Wort, das Ihn betraf. Sie waren zu diesem schmerzlichen Anstoß bestimmt, allerdings nicht aus Willkür, sondern weil ihr Wille von Ungehorsam geprägt war.

Wie schön ist im Gegensatz zu diesem dunklen Hintergrund die Aussage in Vers 9: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht.“ Hier sehen wir die wahre Erwählung Gottes, dessen Wissen alle Umstände schon lange vor der Schöpfung berücksichtigt hat. Was für eine kostbare, wundervolle Wahrheit! Viel höher als die Wahrheit von Israels Erwählung zu Gottes irdischem Volk. „Eine königliche Priesterschaft“ (Vers 9b) ist das Gegenstück zur „heiligen Priesterschaft“ (Vers 5). Die letztere Priesterschaft ist zu Gott gerichtet, die erste ist zu Menschen gerichtet, denn es ist ein königlicher Wesenszug, Gottes Zeugnis in der Welt zu verkünden (vgl. Joh 18,37). Wie kostbar ist diese Würde, die den aus Gnade geretteten Sündern zuteil wird! „Eine heilige Nation“ steht im Gegensatz zum Volk Israel im Fleisch in seinem unheiligen Ungehorsam. Es spricht von einer kraftvollen Heiligung zur Herrlichkeit Gottes und von einem Absondern für Ihn. „Ein Volk zum Besitztum“ zeigt den Gedanken, dass wir Ihm selbst gehören. Wir sind also eher Leibeigene als angeworbene Diener, wie die Juden sich selbst unter dem Gesetz ansahen.

All diese sicheren und ewigen Segnungen haben ein Ziel im Auge. Das gegenwärtige Ergebnis davon ist, dass Gläubige „die Tugenden dessen verkündig[en], der [sie] berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht“ (Vers 9b). Damit ist nicht nur das Erzählen, sondern auch das Darstellen dieser Vortrefflichkeiten gemeint. Das ganze Wesen eines Gläubigen ist da mit eingeschlossen. Der Beweis davon, dass wir aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen wurden, sollte erhellend in jeden Bereich unseres Lebens strahlen.

In Vers 10, der sich auf Hosea 1,8.9 bezieht, wird das Volk Israel aufgrund seines Ungehorsams auf die Stufe der Nationen erniedrigt. Diese Stellung als Volk wird sich bis zum Ende der Drangsalszeit nicht ändern, wo es zu den Füßen des Herrn Jesus, dem wahren Messias, zur Buße geführt wird. Aber gläubige Juden heute erwarten diese Zeit und gehören zum Volk Gottes, auch wenn sie nur ein kleiner Teil des Volkes Israel sind. Einst in Auflehnung, Gottes Gnade entfremdet, haben sie jetzt Gnade erlangt.

In Vers 11 gehen wir weiter zu einem anderen Abschnitt des Buches, denn es ist klar, dass es hier um das Volk Gottes geht. Wir müssen hier den praktischen Charakter derer sehen, die sein Eigen sind. Sie sind Geliebte und auf dieser Grundlage dazu bestimmt, echte Pilger und Fremdlinge zu sein. Als Fremdlinge können sie nicht erwarten, von der Welt verstanden zu werden, denn sie sind kein Teil dieses Systems. Als Pilger reisen sie mit einem endgültigen Ziel im Auge. Fleischliche Lüste stehen im Gegensatz zu ihrem wahren Charakter. Diese Dinge streiten gegen die Seele.

Die ganze Lebenspraxis dieser unter den Nationen verstreuten jüdischen Christen sollte aufrichtig sein, im Gegensatz zu den Juden und den Nationen im Fleisch. Mit dem Ausüben guter Werke konnten sie dem Gerede gegen sie als Übeltäter begegnen, und das wird in jedem Fall am Ende gute Frucht bringen. Der „Tag der Heimsuchung“ könnte sich auf Gottes gnädige Begegnung mit dem Volk Israel in zukünftigen Tagen beziehen, aber er kann auf jede Zeit angewendet werden, in der sich Gott erbarmt und einer Seele begegnet, um ihren sturen Widerstand durch sein Evangelium der Gnade zu durchbrechen. Wenn das passiert, wird der ehemalige Gegner Grund haben, Gott für das wahrhaftige und gute Zeugnis der Gläubigen zu verherrlichen, welches allmählich zu solch gesegneten Ergebnissen geführt hat.

Ein Aspekt dieser Betrachtung ist die Unterwerfung unter jede Einrichtung anstelle von Widerstand oder Beschwerde, was beim natürlichen Menschen vorherrscht. Diese Unterwerfung soll „um des Herrn willen“ (Vers 13) sein und damit aufrichtig und von ganzem Herzen. Das gilt überall, egal in welchem Land, wobei diese Unterwerfung natürlich dann aufhört, wenn eine Regierung das gute Gewissen Gott gegenüber verletzt. Es gilt sowohl für die höchste Landesregierung als auch für weniger bedeutende Regierungen. Denn Gott hat die Regierung zur Bestrafung der Übeltäter eingerichtet und zur Ermunterung derer, die Gutes tun.

Daher ist es sicherlich Gottes Wille, dass der Gläubige, indem er sich der Regierung unterordnet, durch Gutestun und das Ausleben seines Zeugnisses den unverständigen Menschen keinen Anlass für ihre unwissenden Anschuldigungen gegen ihn gibt. Denn der Gläubige ist frei; er ist nicht von der Regierung abhängig, doch er respektiert sie; abhängig ist er von Gott. Seine Freiheit darf nicht zu reinem Eigenwillen werden, sondern es ist die Freiheit, als Gottes freiwillige Knechte Ihm zu gefallen. Allen Ehre zu erweisen bedeutet, angemessenen Respekt gegenüber allen zu haben, denn Gott hat sie geschaffen. Die Brüderschaft zu lieben bedeutet, die Mitgläubigen als Brüder und Schwestern zu lieben. Das ist eine weitaus engere Beziehung als diejenige als Geschöpfe Gottes. „Fürchtet Gott“ ist eine kurze, deutliche Aufforderung. Das beinhaltet, Ehrfurcht zu haben vor seiner Größe, seiner Herrlichkeit, seiner Heiligkeit und Ihm seinen Platz der absoluten Vormachtstellung und Göttlichkeit zu geben. Und zuletzt bedeutet, den König zu ehren, ihm den seiner Position angemessenen Respekt zu geben: Es bedeutet, die Obrigkeit zu akzeptieren, nicht nur die Person, die diese hat.

Wenn es im Epheser- und Kolosserbrief um menschliche Beziehungen geht, erwähnt Paulus den Ehemann und die Ehefrau vor den Dienern, doch Petrus beginnt mit den Dienern, genauer gesagt den Hausknechten, die nicht unbedingt Sklaven waren. Der Hauptgedanke von Petrus ist, dass durch die Regierung des Vaters alle Gläubigen an diesem Charakter des Dieners teilhaben, als Untertanen der Regierung. Der Knecht soll in aller Furcht untertan sein, und zwar weder in unbeteiligter Ungebundenheit noch in fleischlichem Ärger. Natürlich ist das einfacher, wenn der Herr gut und milde ist, aber es gilt genauso für einen verkehrten Herren.

Wenn der Knecht „um des Gewissens vor Gott willen“ (Vers 19) still leidet, ist das Gott wohlgefällig. Gott nimmt das wahr, und wie wertvoll ist seine Anerkennung! Wenn auf der anderen Seite jemand wegen seiner eigenen Fehler leidet, ist es keine Ehre, geduldig auszuhalten, denn er hat es verdient und es ist nur richtig, dass er sich darunter beugt. Aber wenn jemand Gutes tut und dafür mit gutem Gewissen vor Gott leidet, während er es mit Geduld trägt, führt das zur Verherrlichung Gottes. Vers 21 geht noch weiter, denn hier wird angedeutet, dass das von Gott Berufensein für Gläubige Leiden mit einschließt. Um uns ein Beispiel zu zeigen, wird Christus uns vorgestellt, wie Er gelitten hat. Es handelt sich nicht um sühnende Leiden (mit diesen beschäftigt sich Vers 24), sondern um seine Leiden vonseiten böser Menschen. Wir sind dazu aufgefordert, seinen Fußstapfen nachzufolgen. Die Leiden des Herrn waren völlig unverdient, denn Er tat keine Sünde. Nicht nur seine Taten, auch seine Worte waren absolut rein und frei von jeglicher Falschheit. Der bitteren Verachtung und dem Spott der Menschen ausgesetzt, antwortete Er nicht. Wie groß seine Leiden auch waren, es kamen weder Drohungen noch bittere Worte über seine Lippen. Als der wahre Knecht Gottes übergab Er sich selbst seinem Gott und Vater und ließ seine Sache ganz in den Händen des Richters der ganzen Erde.

Aber Vers 24 geht noch viel weiter, und zwar so weit, wie kein anderer gehen kann. Er selbst trug unsere Sünden an seinem eigenen Körper am Kreuz. Er litt nicht nur unter der Ungerechtigkeit der Menschen, sondern nahm sogar die volle Verantwortung für unsere Sünden vor Gott auf sich und erlitt am Kreuz die komplette, unverminderte Strafe von Gottes Zorn gegen die Sünde. Den Todeskampf, den Er in den drei Stunden der Finsternis, verlassen von Gott und behandelt wie ein Fluch Gottes, erduldet hat, können wir nicht erklären oder verstehen. Er hat dieses große Werk der Sühnung allein, und zwar völlig allein, vollbracht.

Neben anderen großartigen und kostbaren Aspekten dieses Opfers ist hier der Fokus: „… damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben“ (Vers 24b). Uns sollten nicht nur die Sünden vergeben werden, sondern in seinem Tod sollten wir uns selbst wiederfinden – den Sünden abgestorben, sie sozusagen im Grab liegen zu lassen und jede Verbindung zu ihnen abgeschnitten zu haben, sodass auch die grausamste Behandlung seitens ungöttlicher Menschen diese Dinge in unseren Herzen nicht wiederbeleben kann. Denn durch seine Striemen sind wir geheilt. Das ist keine körperliche Heilung, sondern die Heilung von der scheußlichen Krankheit der Sünde. Diese Striemen sind Gottes Gericht an Ihm auf Golgatha.

In der Vergangenheit gingen wir in der Irre umher wie Schafe. Das galt besonders für Israel. Jetzt waren zumindest die, denen Petrus diesen Brief schreibt, zu dem Hirten und Aufseher ihrer Seelen zurückgekehrt. Das ist Christus. Genauso ist Christus der wahre Hirte, den das Volk Israel im Alten Testament nicht erkannte. Er war es, den sie verließen. Wie kostbar ist für sie, das Volk Gottes, die Wahrheit aus Psalm 23: „Er erquickt meine Seele“ (Anmerkung: Er stellt meine Seele wieder her) (Ps 23,3). Man beachte, dass dies alles noch zu den Knechten gesagt wird (ab Vers 18).

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