Betrachtungen über die Briefe des Petrus

1. Petrus 3

„Ebenso ihr Frauen, ordnet euch euren eigenen Männern unter, damit, wenn auch etliche dem Wort nicht gehorchen, sie durch den Wandel der Frauen ohne Wort gewonnen werden mögen, indem sie euren in Furcht reinen Wandel angeschaut haben“ (Verse 1–2).

Obwohl es zur Zeit des Apostels noch keine Frauen-Emanzipation gab, hielt Petrus es doch für nützlich die göttliche Ordnung zu unterstreichen. Die Menschen sind zu aller Zeit geneigt, dieselbe aufzuheben und abzulehnen. Die Familie nach Gottes Gedanken ist das Bollwerk gegen die Umsturzbewegung Satans. Darum gilt es auch heute, mehr denn je: „die Frau ordne sich dem eigenen Mann unter“. Dieser Grundsatz bleibt derselbe auch dann, wenn der Mann nicht gläubig ist. Als Gehilfin des Mannes ist sie dazu bestimmt worden, in Demut und Sanftmut ein Zeugnis für ihren Ehepartner zu sein. Das wird einen viel tieferen Eindruck machen als viele Worte dies je im Stande wären. Wohl mag die Lage einer gläubigen Frau dem unbekehrten Mann gegenüber nicht immer leicht sein, aber der „in Furcht reine Wandel“ ist die Predigt, die früher oder später den Mann zur Umkehr bringen wird. Fürwahr eine kostbare Verheißung!

„Deren Schmuck nicht der äußere sei durch Flechten der Haare und Umhängen von Goldschmuck oder Anziehen von Kleidern, sondern der verborgene Mensch des Herzens in dem unvergänglichen Schmuck des sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist“ (Verse 3–4).

Das Bestreben der Weiblichkeit ist es zu gefallen. Auch die Schwestern in Christus sind in Gefahr, die herausfordernde Mode mitzumachen, zum großen Schaden des Zeugnisses. Wir wollen gewiss nicht altmodische Tendenzen hochhalten. Die Christin wird sich zu kleiden wissen, dass sie nicht auffällt, so wie Paulus schreibt: „dass die Frauen sich in bescheidenem Äußeren mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit schmücken ... was Frauen geziemt, die sich zur Gottesfurcht bekennen – durch gute Werke“ (1. Tim 2,9.10). Nicht äußerliche Dinge, Kleider oder Schmuck, sind die Zierde der Frau und der Jungfrau, sondern der „verborgene Mensch des Herzens“; dieser ist vor Gott „sehr kostbar“. Waren manche der Frauen, an die Petrus schrieb, auch mit ungläubigen Männer verheiratet, änderte dies nichts an der Tatsache, dass Gott mit Wohlgefallen auf sie blicken konnte, denn Er schaute sie nicht nur in der Kostbarkeit des Namens Jesu Christi, sondern auch in der Lieblichkeit und Schönheit eines Gott wohlgefälligen Wandels. Es war ein „unvergänglicher“ Schmuck, denn ihr Wandel war rein und ohne Befleckung dieser Welt und Zeit, getragen von einer tiefen Gottesfurcht. Das sind Güter, die ewigen Wert haben.

„Denn so schmückten sich einst auch die heiligen Frauen, die ihre Hoffnung auf Gott setzten und sich ihren eigenen Männern unterordneten: wie Sara dem Abraham gehorchte und ihn Herrn nannte, deren Kinder ihr geworden seid, wenn ihr Gutes tut und keinerlei Schrecken fürchtet“ (Verse 5–6).

Es hat zu allen Zeiten Frauen gegeben, die gottesfürchtig waren. Es gefiel Gott, uns an eine zu erinnern, die ihrem Mann untergeordnet war – Sara. Ihre Geschichte ist uns nicht unbekannt. Die bereits genannte Frauen-Emanzipation hat zum Zweck, diese Abhängigkeit zu beseitigen. Es ist der Geist des Antichristen, der, je mehr wir dem Ende dieses Gnadenzeitalters entgegengehen, sich umso skrupelloser gegen die göttliche Ordnung auflehnt. Saras Platz war im Zelt und der Platz der heutigen Frau ist am gleichen Ort – in der Familie. Die Weltgeschichte und die moderne Zeit lehren es uns, dass, wenn die Frau ins öffentliche Leben tritt, dies mit einem Fiasko endet. Sara aber, die unterwürfig war, hat Gott in seinen Annalen aufgezeichnet. Geistlicherweise werden die Gläubigen „Saras Kinder“ genannt, die, wenn sie „Gutes tun“, „keinerlei Schrecken“ d. h. keinerlei Gericht zu fürchten haben.

Es steht außer Frage, dass Gott Gebiete und Dienste mancherlei Art auch der Frau übertragen hat. Denken wir nur an die Krankenpflege, Kinderbetreuung usw. Gaben, die – in Hingabe und aus Liebe zum Herrn getan – droben gewiss ihre Belohnung finden werden.

„Ihr Männer ebenso, wohnt bei ihnen nach Erkenntnis, als bei einem schwächeren Gefäß, dem weiblichen, ihnen Ehre gebend als solchen, die auch Miterben der Gnade des Lebens sind, damit eure Gebete nicht verhindert werden“ (V. 7).

In rührender Fürsorge ist der Apostel um das Wohl der Frauen, als dem „schwächeren Gefäß“, besorgt. Ein schwächeres Gefäß bedarf besonderer Sorgfalt und zarter Behandlung, und dies nicht nur in Bezug auf ihren Leib, sondern auch betreffs ihrer Seele. Ein kaltes, hartes Wort empfindet die Frau mit ihrem zartfühlenden Herzen viel mehr als der Mann. Wenn auch Petrus an morgenländische Sitten, wo das Heidentum noch oft auch in die christliche Ehe hineinragte, anknüpft, gelten seine Ermahnungen – die auch heute durchaus zeitgemäß sind – auch der gegenwärtigen Christenheit. Die Frauen sind Miterbinnen derselben Gnade, desselben Heils, derselben Hoffnung. Kann man sie anders behandeln, die doch vollberechtigte Glieder desselben einen Leibes sind, an dem Christus das verherrlichte Haupt ist? Deshalb sollen die Männer „ihnen Ehre geben“, damit Mann und Frau im Gebet nicht gehemmt, sondern freimütig gemeinsam vor das Angesicht Gottes treten können. So schreibt auch Paulus an die gläubigen Epheser: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat“ (Eph 5,25).

„Endlich aber seid alle gleich gesinnt, mitleidig, voll brüderlicher Liebe, barmherzig, demütig, und vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, dass ihr Segen erbt“ (Verse 8–9).

Wie verschieden auch die Einstellung des Einzelnen sein mag, wie groß auch vielleicht die sozialen Unterschiede sind, für Reich und Arm, für Gebildet und Ungebildet, für Jung und Alt, für alle gilt die gleiche Ermahnung: „Seid alle gleich gesinnt“. Das schließt von vornherein jegliche Möglichkeit von Wortstreitereien aus, von der uns schon die gegenseitige Achtung und Wertschätzung abhalten sollte..

„Mitleidig“: Wie mitleidig war der Herr selbst als er hier auf der Erde war! Sollte dies nicht auch unserer Leben zieren, indem wir unsere Hand willig und mit Freuden dem bieten, der Mithilfe und Mitgefühl braucht.

„Voll brüderlicher Liebe“: Es geht hier nicht nur um die allgemeine Liebe zu allen Menschen, sondern um die Liebe zu der göttlichen Familie, der wir aus Gnaden angehören dürfen. Von den Christen der apostolischen Zeit sagte die Welt: „Siehe, wie lieb haben sie sich!“ Sollte das nicht heute noch gelten? Welch ein Ärgernis und Anstoß selbst für die Welt wenn Brüder und Schwestern sich „beißen und fressen“! „Lasst uns einander lieben“ (1. Joh 4,7) schreibt auch Johannes den Gläubigen.

„Barmherzig“: Christus, unser geliebter Herr und unser Vorbild, erwies Gnade dem Schuldigen, aber dem Hilfsbedürftigen erwies er Barmherzigkeit. Das Erstere, Schuld zu sühnen, konnte nur der Herr, aber im Zweiten können wir seine Nachahmer sein. Der Herr selbst ermahnt uns: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Lk 6,36), und an anderer Stelle so ernst: „Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer“ (Mt 9,13). Zu diesen Stellen ließen sich viele hinzufügen, woraus wir sehen, dass sie bei uns einen wunden Punkt berühren. Barmherzigkeit ist oft mit Selbstverleugnung verbunden, darum gefällt es dem natürlichen Herzen eher einen Ochsen als Opfer darzubringen, als Barmherzigkeit zu tätigen.

„Demütig“: In einer Welt, wo sich der Hochmut ununterbrochen an unsere Fersen heftet, brauchen wir besondere Wachsamkeit, um demütig zu bleiben. Dem Hochmütigen widersteht Gott, aber dem Demütigen öffnet Gott die Schleusen seines Herzens. War nicht Christus selbst „von Herzen demütig“ (Mt 11,29)? Sollten wir Ihm nicht gleichen und „in der Demut einer den anderen höher achten als sich selbst“ (Phil 2,3)?

„Vergeltet nicht Böses mit Bösem“: Die göttliche Natur, die uns in Christus Jesus geschenkt ist, kennt keine Gedanken der Rache und erwidert nicht Schimpfwort mit Schimpfwort. Wenn wir Segen erben wollen, so gilt es vor allem selbst zu segnen. Wo der Christ sich auch aufhält, überall sollte er Segen ausstrahlen. Dazu sind wir berufen, und zu Abraham hat Gott schon gesagt: „Du sollst ein Segen sein!“ (1. Mo 12,2).

„Denn wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der halte seine Zunge von Bösem zurück und seine Lippen, dass sie nicht Trug reden, er wende sich aber vom Bösen ab und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach“ (Verse 10–11).

Hier werden wir belehrt, dass wir die Zunge im Zaum halten sollen. Ach, welch ein Unheil hat die böse Zunge schon angerichtet: Freundschaften, Familien, ja, ganze Versammlungen wurden zu Grunde gerichtet. Welch ein Schande, welch ein Verlust! O lasst uns das Böse meiden und dem Guten folgen und vor allem den Frieden suchen mit allen. Wie leicht und wie oft kommt es vor, dass der Friede in Gefahr ist, oder gar flieht, dann sollten wir ihm mit umso größerem Eifer nachjagen, denn

„die Augen des Herrn sind gerichtet auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Flehen; das Angesicht des Herrn aber ist gegen die, welche Böses tun“ (V. 12).

Mit zärtlicher Liebe wacht der Herr über die Seinen. Seine Augen, seine Ohren sind ununterbrochen auf die Gerechten gerichtet. Sein ganzes Sinnen wendet sich denen zu, die er sich durch sein teures Blut erkauft hat. Sollte der, der sein Leben für sie hingegeben hat, nicht auf ihr Rufen und Flehen hören? Gewiss! Mit Wohlgefallen hört er auf ihre Gebete und antwortet auf ihr Schreien. Sein Angesicht aber ist gegen die, die das Böse tun. Wie scharf ist hier das Volk Gottes von den Kindern der Welt getrennt. Auf dem ersten ruht der Segen, auf den zweiten der Fluch. Gottes Herz ist den Seinen allezeit geöffnet, aber Er nimmt auch Kenntnis von dem Handeln der Bösen und macht ihre Pläne zunichte. Er wird ihr Gedächtnis ausrotten von der Erde, denn die Gottlosen haben keinen Bestand. Schon Augustin, einer der sogenannten Kirchenväter, sagte: „Lebe gerecht, so lebst du in Frieden.“

„Und wer ist es, der euch Böses tun wird, wenn ihr Eiferer für das Gute geworden seid? (V. 13). 

„Eiferer für das Gute“ zu sein lässt uns inmitten eines unantastbaren Bollwerkes stehen. Gewiss, der Böse und die Bösen suchen uns anzutasten. Aber vergeblich, denn das Böse muss unterliegen, wenn das Gute vorhanden ist. Der Sieg ist auch stets auf Seiten des Gerechten, denn der Herr ist mit ihm und in ihm sind wir mehr als Überwinder.

„Aber wenn ihr auch leiden solltet um der Gerechtigkeit willen, glückselig seid ihr!“ (V. 14a).

Glückseligkeit auf Grund von Leiden – das ist eine harte Bedingung, mag jemand sagen. Eine Bedingung? Nein, es ist ein Vorrecht, deren die Welt nicht wert ist. Wichtig ist, dass wenn wir leiden, dies nicht durch ein Selbstverschulden ausgelöst wird. Wenn Christus in dieser Welt gehasst war und sie ihm Leid antat, wo sie konnte, müssen wir uns wundern, wenn wir, seine Knechte, dasselbe zu erdulden haben?

„Fürchtet aber nicht ihre Furcht, noch seid bestürzt“ (V. 14b), fügt der Apostel hinzu. Der Gläubige hat die Furcht, womit der Ungläubige gequält ist, nicht zu fürchten. Er ist in Christus Jesus gerecht gemacht; er liebt ihn und „Furcht ist nicht in der Liebe“ (1. Joh 4,18).

„Heiligt Christus, den Herrn, in euren Herzen“ (V. 15a).

In dieser bösen Welt mag manches vorhanden sein, was den Gläubigen erschrecken könnte. „Seid nicht bestürzt“ ruft ihm Gottes Wort ermunternd zu. Du bist nie allein, auf Schritt und Tritt ist der Herr mit dir; darum sei völlig unverzagt!

Sei unverzagt!
Bald der Morgen tagt,
Und ein neuer Frühling
Folgt dem Winter nach.
In allen Stürmen,
In aller Not
Wird Er dich beschirmen,
Der treue Gott.

„Heiligt Christus, den Herrn, in euren Herzen.“ Wir heiligen den Herrn in unseren Herzen, wenn wir uns in restlosem Vertrauen an ihn halten. Unsere Hoffnung ist auf ihn, der die Seinen nie vergisst und nie versäumt. Das setzt aber voraus, dass wir uns allen weltlichen Dingen enthalten, denn Heiligkeit ist das Kennzeichen wahrer Gottesfurcht. Wir dürfen unmöglich etwas Böses in unseren Herzen dulden, wenn wir die Gemeinschaft des Herrn genießen wollen.

„Seid jederzeit bereit zur Verantwortung gegen jeden, der Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung, die in euch ist, aber mit Sanftmut und Furcht; indem ihr ein gutes Gewissen habt, damit, worin sie gegen euch als Übeltäter reden, die zuschanden werden, die euren guten Wandel in Christus verleumden“ (Verse 15b-16).

Wir werden immer wieder in die Lage kommen, dass die Kinder dieser Welt Rechenschaft von uns fordern, wegen unseres Glaubens und unserer Hoffnung. Der Herr will selbst der Redende sein, und wir brauchen weiter nichts zu tun, als in Abhängigkeit von ihm zu bleiben und zur rechten Zeit werden wir das rechte Wort haben. Wie gut, dass wir uns auf seine Gegenwart stützen dürfen, sie wird uns nie im Stich lassen. Unsere Antwort soll stets „mit Sanftmut und Furcht“ gewürzt sein. So wird der Widersacher beschämt. Die Kraft unseres Zeugnisses ist die Heiligkeit, an der alle Anläufe der Verleumder zu Schanden werden müssen. Mögen sie auch von uns „als von Übeltätern“ reden und uns fälschlich anklagen – ihre Torheit wird offenbar werden, das göttliche Licht wird sie strafen.

„Denn es ist besser, wenn der Wille Gottes es will, für Gutestun zu leiden, als für Bösestun“ (V. 17).

Gott lässt es zu, dass wir leiden. Unser Brief redet oft davon, aber wir sollten niemals leiden, weil wir uns etwas zu Schulden haben kommen lassen. Dennoch sind Leiden das Merkmal der Christen. Doch Christus hat allem vorgesorgt. Er ruft uns zu: „In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33). Christus ist auch hier unser vollkommenes Vorbild:

„Denn es hat ja Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit Er uns zu Gott führe“ (V. 18a).

Christus litt um seiner Gerechtigkeit willen auf dem Weg, aber um uns in seinem Tod Gerechtigkeit zu übermitteln, litt er um der Sünde willen am Kreuz. Das war und ist der einzige Weg, die einzige Möglichkeit, um uns zu Gott zu führen. Großer und wunderbarer Heiland! Er, der Gerechte – und er ist es in Vollkommenheit – starb für uns Ungerechte. Ungerechtigkeit ist unser Charakter, und zwar ebenso vollkommen im Bösen wie Christus vollkommen im Guten war. Darum musste er um unserer Ungerechtigkeit willen leiden; damit Er uns gerecht machen konnte.

So sollt' es sein, Du musstest leiden.
Dein Tod tut uns des Vaters Liebe kund;
Er ist für uns ein Quell der Freuden,
Ist unsers Heiles ewig fester Grund.
So wahr dich Gott für uns zum Opfer gab,
Kommt deine Liebe nun auf uns herab.

„Getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist, in dem er auch hinging und den Geistern predigte, die im Gefängnis sind, die einst ungehorsam waren, als die Langmut Gottes harrte in den Tagen Noahs, während die Arche zugerichtet wurde, in die wenige, das ist acht Seelen, eingingen und durch Wasser gerettet wurden“ (Verse 18b-20).

Christus ist für uns gestorben und begraben worden nach den Schriften, aber in der Macht des in ihm wohnenden Geistes und durch die Kraft Gottes ist er auferstanden aus den Toten. Diese Stelle hat schon mancher forschenden Seele etwas Schwierigkeiten bereitet; und in mannigfachen falschen Auslegungen Veranlassung zu törichten Irrtümern gegeben. Wenn wir aber den Zweck, die Absicht des Geistes Gottes verstanden haben, ist sie durchaus klar. Christus wurde dem Leib nach getötet, aber lebendig gemacht durch den Geist. Es ist kein neuer und kein anderer Geist als wir ihn schon im Alten Testament finden. Der Apostel erwähnt die Predigt Noahs an seine Zeitgenossen, die in der Kraft desselben Geistes geschah, der heute in der Welt wirksam ist. Aber die Predigt wurde abgelehnt und der Prediger verlacht und verspottet. Was waren die Folgen der Ablehnung des göttlichen Zeugnisses? Diese Menschen sind heute im Gefängnis, d. h. im Hades, dem Vorort der Hölle. Dort warten sie auf das endgültige Urteil eines heiligen und gerechten Gottes, um dann in den Feuersee geworfen zu werden, der mit Feuer und Schwefel brennt. Ganz und gar abwegig und nicht schriftgemäß ist die Behauptung, Christus wäre nach dem Tod zu diesen unseligen Geistern gegangen und hätte ihnen das Evangelium verkündigt! Das ist ein Gaukelspiel Satans, den Sinn der Menschen zu verblenden und ihnen eine vage Hoffnung zu geben, als gäbe es später nochmals eine Gelegenheit, sich bekehren zu können. Und doch wird diese Satanslüge mehr gepredigt und geglaubt als man denkt. Kitzelt sie doch die Menschen, die den Wunsch haben, ihre Bekehrung hinauszuschieben.

Die Absicht des Apostels ist lediglich diese, festzustellen, dass die Zeit Noahs der gegenwärtigen gleicht wie ein Ei dem anderen. Wir sehen in beiden dieselbe Absicht Gottes, die Verlorenen zur Umkehr zu rufen, und dieselbe Widerspenstigkeit der Menschen, den Gnadenruf spottend und höhnend abzulehnen. Ein kleiner Überrest nahm die Botschaft glaubend an und auch heute ist es nur eine kleine Menge, die dem göttlichen Ruf folgt. Gehörst du dazu, liebe Seele?

Sein Werk ist vollbracht,
Besiegt ist die Macht,
Die uns hielt im Tode gefangen.
Nun ladet Er ein, Sei's groß oder klein,
Versöhnung und Heil zu empfangen.

„Welches Gegenbild auch euch jetzt errettet, das ist die Taufe (nicht ein Ablegen der Unreinigkeit des Fleisches, sondern das Begehren eines guten Gewissens vor Gott), durch die Auferstehung Jesu Christi, der, in den Himmel gegangen, zur Rechten Gottes ist, indem Engel und Gewalten und Mächte ihm unterworfen sind“ (Verse 21–22).

Alle diejenigen, die auf den Geist des Christus, der in Noah redete, nicht hörten, sind nun im Hades, oder Gefängnis. Petrus knüpft an diese Tatsache an, um uns zu zeigen, dass die christliche Taufe ein Bild des Todes des Christus ist, das Gegenbild von den Wassern der Sintflut, die wiederum ein Vorbild ist vom Tod und vom Gericht. Gleichwie das Wasser von äußerer Unreinigkeit wäscht, so sind wir in Christus gereinigt von aller Befleckung des Fleisches. Von Natur haben wir ein schlechtes Gewissen, aber, da wir nun mit Christus gestorben und begraben sind – was wir in der Taufe bildlich darstellen – haben wir nun ein gutes Gewissen vor Gott und vor Menschen. Christus ist auferstanden und wir mit ihm; er ist in den Himmel eingegangen und wir mit ihm. Er sitzt jetzt zur Rechten Gottes, und wir mit ihm. Alle Engel, Gewalten und Mächte sind ihm unterworfen und dienen ihm. „Engel und Gewalten und Mächte“ zeigen uns an, dass es in der Himmelswelt große Rangunterschiede gibt, die alle ihre besonderen Dienste und Ämter haben, Gott zum Wohlgefallen. Dennoch wie hoch und erhaben auch ihre Dienste sein mögen, reicht ihre Stellung doch nicht an die der Kinder Gottes:

Die Engel, hoch erhoben,
Sie dienen dir und loben;
Doch Söhne sind sie nicht.
Kein Tod hat sie gekettet,
Kein hoher Preis gerettet,
Kein Arm geführt aus Nacht zum Licht.

 

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