1. und 2. Petrus

1. Petrus 1

Der Leser dieses Briefes wird angenehm davon berührt sein, dass er hier einen Petrus findet, wie er in den Evangelien nicht beschrieben wird. Gewiss, es war stets eine anhängliche Liebe, die er seinem Herrn erzeigte, jedoch stützte sich diese auf eigene Kraft und Selbstvertrauen, wodurch er zuschanden wurde, als die Probe an ihn herantrat. Seine Leidensscheu musste sich offenbaren und gab Anlass zur Verunehrung.

Aus dem Brief erkennen wir aber eine deutliche Wandlung, die besonders darin ihren Ausdruck findet, dass er in fast jedem Abschnitt von Leiden spricht, auf die er die Gläubigen hinweist. Es sind siebenfache Leiden, auf die er des näheren eingeht und die für uns der Beachtung wert sind.

Worauf ist wohl die Wandlung zurückzuführen?, so fragt man sich. Es ist die mehrfache Begegnung mit dem Herrn Jesus. Zuerst die im Gerichtshof, als der Herr Jesus ihn liebevoll anblickte und er bitterlich weinend hinausging. Danach erschien ihm der Herr Jesus als der Auferstandene: „Der Herr ist ... dem Simon erschienen.“ Der Herr Jesus kannte und liebte ihn, kannte seine Verirrung und wusste, dass er zurückkehren würde. Deswegen sagt er ihm schon vorher: „Bist du einst zurückgekehrt, so stärke deine Brüder.“ Das ist in diesem Brief Wahrheit geworden. Ein vollständig hergestellter Petrus, der keine Leidensscheu mehr kennt, tritt hier vor unsere Herzen. Zweifellos wurde diese Veränderung auch durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes hervorgerufen, der am Pfingsttag auch in seinem Herzen Wohnung genommen und ihm Kraft und Ausharren verliehen hatte.

Sein Brief wendet sich an die Gläubigen, die in der Zerstreuung wohnten, also nicht an die, die in Palästina ihren Wohnsitz hatten, an welche der Hebräerbrief gerichtet ist. Er nennt sie Fremdlinge, aber auch Auserwählte nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters. Darin lag ein starker Trost für diese zerstreut wohnenden Christen inmitten heidnischer Umgebung. Als sie bekehrt wurden, sonderte sie der Heilige Geist ab, und sie waren so entflohen dem Verderben, das in der Welt ist durch die Lust, wie Petrus es im 2. Brief im ersten Kapitel zum Ausdruck bringt. Zudem erinnert er sie daran, dass sie jetzt zum Gehorsam Jesu Christi gekommen sind. Das ist ein Gehorsam aus Liebe, so wie er sich bei dem Herrn Jesus fand, nicht mehr ein Gehorsam aus knechtischer Furcht wie im Judentum. Außerdem waren sie zur Blutbesprengung Jesu Christi gekommen. Das redet davon, dass sie nun passend gemacht waren für die Gegenwart Gottes und dass Gott auf sie mit Wohlgefallen blickte, weil Er sie in dem Wert des Blutes Jesu Christi sah. Der Apostel wünscht ihnen Gnade und Friede in vermehrtem Maß, damit sie sich in dem Bewusstsein der Gunst Gottes bewegten und ein tiefer Friede ihre Herzen erfüllte. Das ist die Einleitung zu seinem Brief.

All das, was er bis dahin vorgetragen hat, veranlasst ihn zu einem Lobpreis gegen den Gott und Vater, der hier der Gott und Vater des Herrn Jesus Christus genannt wird. Es ist nichts anderes als die große Barmherzigkeit Gottes, die die Gläubigen damals, und uns heute, nicht nur errettet, sondern auch wiedergezeugt hat zu einer lebendigen Hoffnung. In der Welt hatten die Menschen keine Hoffnung, und bis heute kennen sie die Hoffnung nicht, die unsere Herzen beseelt, und für die Zukunft ist ihnen alles Dunkel und Finsternis; mit Recht hat der natürliche Mensch Furcht vor dem Tod. Wir aber wissen, dass wir eine lebendige Hoffnung haben, weil der Herr Jesus aus den Toten auferstanden ist, und dazu ein Erbteil, das unvergänglich ist, ohne mit irgendeiner Ungerechtigkeit behaftet zu sein, das nie veraltet, sondern ewig neu oder jung bleibt. Die Tragweite dieses Erbteils vermögen wir mit unserem natürlichen Verstand nicht zu erfassen, aber der Glaube genießt es und weiß, dass die zukünftigen Dinge in den Himmeln aufbewahrt werden. Er hält daran fest: Gottes Macht erlaubt es nicht, dass sie irgendwie angetastet werden können. Der Apostel verbindet aber mit der Macht Gottes auch unseren Glauben, der erforderlich ist, um nicht abbewegt zu werden von göttlicher Liebe, Macht und Treue.

Petrus spricht, was wohl den meisten Lesern bekannt ist, nicht von der Entrückung der Versammlung, jedoch erwähnt er immer wieder das Offenbarwerden. Das steht in Verbindung mit dem Tag, an dem wir vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden, und wenn wir dann mit Ihm vor der ganzen Schöpfung erscheinen und teilhaben werden an seiner Herrlichkeit, so sieht Petrus darin den Abschluss unserer Errettung. Unsere Zukunft ist Herrlichkeit, und sie sollte mehr der Gegenstand und die Freude unserer Herzen sein.

Aber noch gehen wir durch mancherlei Versuchungen. Das sind die Krankheiten, die Trauer, die Enttäuschungen, die Schwierigkeiten auf dem Weg, die Tränen, die der eine mehr, der andere weniger weint. Petrus aber nennt diese Zeit eine kleine Zeit, weil er sie in Vergleich zu der zukünftigen Herrlichkeit stellt, und er möchte, dass sich unser Glaube in dieser kleinen Zeit bewährt. In guten Zeiten ist es nicht schwer, im Glauben zu stehen; aber es gilt, in den Nöten den Glauben zu bewahren. Gott benutzt diese, um uns zu prüfen, ob unser Glaube echt ist, und wenn Er ihn als echt findet, so ist es für Ihn kostbarer, als wenn ein Goldschmied Gold prüft und seine Echtheit feststellt. Der natürliche Mensch verzagt in den Prüfungen des Lebens und beginnt zu murren, und in vielen Fällen schreibt er Gott sogar Ungereimtes zu. Wie köstlich muss es da für das Herz Gottes sein, wenn die Seinen ausharren in all den Übungen des Lebens und wenn sie daran festhalten, dass es doch die Liebe des Vaters ist, die mit ihnen Wege geht, die sie zwar nicht verstehen, die aber Wege göttlichen Segens sind.

Jetzt gilt es auszuharren; aber wenn wir offenbar werden mit Ihm, hat der Herr einen Lohn bereit, den wir in den weißen Kleidern erkennen können, von denen wir in Offenbarung 19 lesen, wo gesagt wird: „Und es ward ihr gegeben, dass sie sich kleide in feine Leinwand, glänzend und rein; denn die feine Leinwand sind die Gerechtigkeiten der Heiligen.“

Nachdem wir den Herrn Jesus kennengelernt haben, ist eine göttliche Liebe in unsere Herzen ausgegossen worden, durch die wir in den Stand gesetzt sind, Ihn wiederzulieben, Ihn, den wir noch nicht gesehen haben. Durch diese Liebe genießen wir schon jetzt eine himmlische Freude. Petrus schreibt den Gläubigen, dass sie, obgleich sie ihn jetzt nicht sehen, mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude frohlocken.

Die Errettung der Seele, von der in Vers 9 die Rede ist, besitzt der Gläubige von dem Augenblick an, da er bekehrt wurde. Sie wird hier betrachtet als das Endergebnis des Glaubens, den Gott ihnen geschenkt hat. Von dieser Errettung oder Gewissheit war den Propheten des Alten Bundes wenig bekannt. Petrus erwähnt nun drei Punkte im Hinblick auf diese so wertvolle Errettung. Der erste ist, dass die Propheten nachsuchten und nachforschten, auf welche oder welcherlei Zeit sie sich wohl beziehen möchte. Sie kannten etwas von den Leiden, die auf Christum kommen sollten; aber das Ergebnis dieser Leiden war nicht ihr Teil. Es ist den Heiligen von der Zeit an geschenkt, da der Heilige Geist vom Himmel gesandt wurde, was als zweiter Punkt zur Betrachtung kommt. (V. 12.) Anschließend spricht er in Vers 13 von der Gnade, die uns gebracht wird bei der Offenbarung Jesu Christi, also von einer zukünftigen Gnadenerweisung. Das ist der dritte Punkt seiner Beweisführung.

Wenn solche Vorrechte berührt werden und für uns feststehen, geziemt es sich, wie weiter ausgeführt wird, heilig zu sein, also der Stellung zu entsprechen, in die wir gebracht sind. Wir werden dann auf den Vater hingewiesen, den wir anrufen, der ohne Ansehen der Person richtet nach eines jeden Werk, so dass es notwendig ist, dass wir in Furcht wandeln, um Ihn nicht zu betrüben oder gar zu verunehren.

Petrus erinnert dann in Vers 18 und 19 daran, dass wir nicht etwa mit Silber oder Gold erlöst worden sind, sondern mit dem kostbaren Blut Jesu Christi, als eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken, und stellt uns damit den hohen Preis vor unsere Seelen, der nötig war, um uns reinzuwaschen und uns all die kostbaren Segnungen jetzt und zukünftig zu schenken. Nicht nur ist unsere Sündenschuld vergeben, sondern auch unsere Seelen sind gereinigt; so sind wir imstande, in Gehorsam gegen die Wahrheit und in ungeheuchelter Bruderliebe zu wandeln.

Der Herr wolle schenken, dass diese Betrachtung uns zum bleibenden Segen und inneren Gewinn dienen und in der Hoffnung seines baldigen Kommens erhalten möge!

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