Der große Versöhnungstag II

Die Opfer

„Und Aaron bringe den Stier des Sündopfers, der für ihn ist, herzu und tue Sühnung für sich und für sein Haus und schlachte den Stier des Sündopfers, der für ihn ist. Und er nehme eine Pfanne voll Feuerkohlen vom Altar, vor dem HERRN, und seine beiden Hände voll wohlriechenden, kleingestoßenen Räucherwerks, und bringe es innerhalb des Vorhangs. Und er lege das Räucherwerk auf das Feuer vor den HERRN, damit die Wolke des Räucherwerks den Deckel bedecke, der auf dem Zeugnis ist, und er nicht sterbe. Und er nehme vom Blut des Stieres und sprenge mit seinem Finger auf die Vorderseite des Deckels nach Osten; und vor den Deckel soll er von dem Blut siebenmal sprengen mit seinem Finger.

Und er schlachte den Bock des Sündopfers, der für das Volk ist, und bringe sein Blut innerhalb des Vorhangs und tue mit seinem Blut, so wie er mit dem Blut des Stieres getan hat, und sprenge es auf den Deckel und vor den Deckel; und er tue Sühnung für das Heiligtum wegen der Unreinheiten der Kinder Israel und wegen ihrer Übertretungen, nach allen ihren Sünden; und ebenso soll er für das Zelt der Zusammenkunft tun, das bei ihnen weilt, inmitten ihrer Unreinheiten. Und kein Mensch soll in dem Zelt der Zusammenkunft sein, wenn er hineingeht, um Sühnung zu tun im Heiligtum, bis er hinausgeht. Und so tue er Sühnung für sich und für sein Haus und für die ganze Versammlung Israels. Und er soll hinausgehen zum Altar, der vor dem HERRN ist, und Sühnung für ihn tun; und er nehme vom Blut des Stieres und vom Blut des Bockes und tue es an die Hörner des Altars ringsum, und er sprenge von dem Blut mit seinem Finger siebenmal an ihn und reinige ihn und heilige ihn von den Unreinheiten der Kinder Israel“ (3. Mo 16,11–19).

Wir haben uns gestern mit dem ersten Bock beschäftigt, dem Bock, der für den HERRN ist. Aber in den ersten Versen und auch hier sehen wir, dass nicht ein Tier als Sündopfer gebracht wurde, sondern drei. Es gab einen Stier zum Sündopfer für Aaron und sein Haus, und ein Sündopfer für das Volk, unterteilt in zwei Böcke. Es ist natürlich nicht so, dass der Herr Jesus einmal für die gestorben ist, die hier in dem Bild von Aaron und seinem Haus dargestellt werden, und ein anderes Mal für das Volk Israel. Alles, was uns in diesen Opfern dargestellt wird, ist in diesem einen Werk, das der Herr am Kreuz vollbracht hat, erfüllt.

Aber diese Bilder geben uns doch wichtige Aufschlüsse darüber, für wen das Werk ist und welche Bedeutung es für jeden Menschen hat. Wir sehen hier ausdrücklich einen Unterschied zwischen denen, die zu dem Haus Aaron und denen, die zu dem Volk Israel gehören. Gewiss, das Werk des Herrn Jesus auf dem Kreuz ist auch für Israel. Wenn wir Jesaja 53 lesen – wir lesen das Kapitel gern, es ist ein wunderbares Kapitel, und wir können die Ausdrücke, die da gebraucht werden, wirklich auf uns anwenden –, müssen wir dennoch bedenken, dass es nicht für uns geschrieben ist, sondern dass es die Worte sind, die der gläubige Überrest Israels sagen wird, wenn der Herr aus dem Himmel auf die Erde kommt und sie Ihn sehen und erkennen werden, dass der, den sie verworfen haben, in Wirklichkeit der HERR Selbst ist, und dass allein das Kreuz, an das sie Ihn nagelten, der Grund ihrer Errettung ist. Dann werden sie sagen, dass Er um ihrer Übertretungen willen verwundet wurde. Wir sehen es noch an manchen anderen Stellen, dass Christus für Israel gestorben ist.

Aber das ist nicht das Einzige, was das Wort Gottes sagt. In Johannes 11 sagt der Hohepriester, dass es besser sei, dass ein Mann für das Volk sterbe, als dass das ganze Volk umkomme. Und dann fügt der Heilige Geist hinzu, dass der Hohepriester das weissagte, weil er Hoherpriester war, und dass es bedeutete, dass der Herr Jesus nicht nur für das Volk sterben sollte, „sondern damit er auch die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammelte“ (Joh 11,52). Da haben wir also ausdrücklich zwei Seiten des Werkes des Herrn Jesus – die eine, dass Er für das Volk Israel sterben sollte, und die andere, dass Er die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammeln sollte. Und wir wissen, wer die zerstreuten Kinder Gottes sind, nämlich die, die der Herr Jesus in Johannes 10 nennt: „andere Schafe, die nicht aus diesem Hof sind“ (Joh 10,16), die, welche Er aus der Heidenwelt, aus den Nationen sammeln würde, um sie zu erretten. Wir gehören auch dazu.

Und nun sehen wir hier, dass das Opfer, das für das Volk Israel ist, ein kleineres Opfer ist als das, was für Aaron und sein Haus ist. Dass es also eine Familie gibt, die näher mit Aaron verbunden ist als das Volk, wenn er auch der Hohepriester für das Volk ist, und dass es für sie ein größeres Opfer gibt.

Nun, wir brauchen nicht zu fragen, wovon Aaron und seine Familie ein Bild sind. Das Neue Testament macht es uns ganz klar. In Hebräer 3,6 wird ausdrücklich gesagt, dass wir Sein Haus sind; und dass wir ein priesterliches Haus sind, lesen wir auch in 1. Petrus 2,5.9 und Offenbarung 1,6. Wir sind das Haus Aarons, des Herrn Jesus als des großen Priesters. Wir haben auch diesen Platz als Priester empfangen; Er ist der Hohepriester, und wir sind mit Ihm vereinigt als ein priesterliches Haus, das ins Heiligtum eintreten darf, um da Opfer zu bringen. Und hier finden wir, dass für das priesterliche Haus ein besonderes, größeres Opfer gebracht wird als für das Volk.

Ich wiederhole: Natürlich ist alles in dem einen Werk des Herrn Jesus am Kreuz erfüllt. Der Herr ist nicht zweimal gestorben. Aber die Weise, wie Gottes Wort uns dies darstellt, macht uns doch klar, dass das, was das Opfer bedeutet, für uns eine größere Weite hat als für Israel, und zweitens, dass wir mit dem Herrn Jesus, dem Priester, der das Werk vollbrachte, auf eine Weise verbunden sind, wie Israel nie mit Ihm verbunden war und auch in Zukunft nie sein wird. Und es macht uns in derselben Weise klar, dass wir einen Platz haben, den Israel nie gehabt hat und auch in Zukunft nie haben wird. Sicher, Gott wird mit Israel den neuen Bund schließen, und das bedeutet herrliche Segnungen für das Volk.

Aber die Segnungen sind auch unser Teil. Und daneben sind wir Kinder Gottes, der Heilige Geist wohnt in uns, wir sind gesegnet mit allen geistlichen Segnungen in den himmlischen Örtern, und das Vaterhaus wartet unser. Und schon jetzt dürfen wir ins Heiligtum hineingehen.

In den anderen Kapiteln im 3. Buch Mose und auch im 2. Buch Mose lesen wir, dass das Haus Aarons mit Aaron ins Heiligtum eintreten durfte, um den Priesterdienst auszuüben. Ja, es ist wahr, und dieses Kapitel sagt es uns ausdrücklich: Die Söhne Aarons durften niemals ins Allerheiligste eintreten. Aaron selbst durfte das nur einmal im Jahr. Aber ins Heiligtum durften sie täglich gehen, um da in der unmittelbaren Nähe Gottes den Dienst zu tun. Als der Herr Jesus das Werk am Kreuz vollbracht hatte, zerriss jedoch der Vorhang von oben bis unten, sodass das Allerheiligste eins wurde mit dem Heiligtum. Und Gottes Wort macht im Hebräerbrief ganz klar, was das bedeutet: Wir haben den Zugang ins Allerheiligste, in die unmittelbare Gegenwart Gottes.

Es ist klar, dass Menschen, die in die unmittelbare Gegenwart Gottes kommen, dorthin, wo Er auf Seinem Thron sitzt, eine größere Heiligkeit brauchen als die, welche außerhalb der Stiftshütte stehen bleiben und niemals so nahe zu Gott kommen. Und so verstehen wir auch, warum das Werk des Herrn Jesus, sobald es als das Opfer für Aaron und sein Haus dargestellt wird, ein Stier sein musste, während für das Volk ein Bock genügend war.

Aber das ist nicht alles. Es lässt uns auch sehen, dass die Kenntnis, die wir von dem Werk des Herrn Jesus haben, unendlich viel größer ist als die, welche Israel jemals haben wird. Ich spreche jetzt nicht über die Vergangenheit. Israel hat niemals viel von den Opfern verstanden, soweit wir wissen. Einige Gläubige werden vielleicht eine Ahnung gehabt haben, dass die Opfer eine symbolische Bedeutung hatten im Hinblick auf das, was Gott tun wollte, und es war die Absicht Gottes, dass sie davon etwas ahnten. Aber wie hätten sie wirklich die Bedeutung dieser Opfer verstehen können, bevor der Herr Jesus das Werk vollbracht hatte?

In 2. Mose 33 finden wir hierüber einen sehr klaren Ausspruch Gottes, und es ist wichtig, dass wir den kennen, sodass wir wissen, welche großen Vorrechte wir gegenüber den Gläubigen im Alten Testament haben. Mose sagt da (Vers 18): „Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen!“, und dann heißt es: „Und der HERR sprach: Ich werde alle meine Güte vor deinem Angesicht vorübergehen lassen und werde den Namen des HERRN vor dir ausrufen … Du vermagst nicht mein Angesicht zu sehen, denn nicht kann ein Mensch mich sehen und leben. Und der HERR sprach: Siehe, es ist ein Ort bei mir, da sollst du auf dem Felsen stehen. Und es wird geschehen, wenn meine Herrlichkeit vorübergeht, so werde ich dich in die Felsenkluft stellen und meine Hand über dich decken, bis ich vorübergegangen bin. Und ich werde meine Hand wegtun, und du wirst mich von hinten sehen; aber mein Angesicht soll nicht gesehen werden.“

Wäre es möglich, dass ein Mensch die wunderbare Weisheit Gottes und die wunderbaren Wege Gottes verstehen könnte, bevor Gott diesen Weg gegangen ist? Nein, das wäre unmöglich. Wenn Gott im Alten Testament gesagt hätte: Mein Sohn wird Mensch werden, Er wird geboren werden, Gottes Sohn, als ein Kindlein in die Krippe gelegt. Er wird hier 33 Jahre als ein Mensch auf Erden leben, Hunger leiden und Durst haben, angespien werden und am Ende gekreuzigt werden und sterben, würde das einer geglaubt haben, hätte es einer verstehen können? Und dass dann der Sohn Gottes, als Er am Kreuz starb, auf diese Weise der Grund wurde für die Errettung von Millionen Menschen – und nicht nur das, sondern dass durch Seinen Kreuzestod auch das Volk Israel errettet werden und teilhaben würde an allen Verheißungen, die Gott dem Volk gegeben hat? Hätte jemand das verstehen können? Unmöglich. Man kann Gottes Weg nicht verstehen, bevor Gott ihn gegangen ist. Aber wenn Er Seinen Weg gegangen ist und man es mit den Augen sieht, dann kann man nur staunen und nur die Herrlichkeit dieses Weges bewundern.

In Epheser 3 lesen wir, dass die Engel die Weisheit Gottes lernen aus dem Weg, den Er mit der Versammlung geht, „nach dem ewigen Vorsatz, den er gefasst hat in Christus Jesus“ (Vers 11). Aus der Versammlung lernen sie, wie groß die Weisheit Gottes ist, die sie in all den Millionen Jahren nie gesehen haben, sie, die doch in der Gegenwart Gottes waren und Ihm gedient haben.

So ist es klar, dass die Gläubigen des Alten Testamentes niemals haben sehen können, was wir jetzt von dem Werk des Herrn Jesus und seinen wunderbaren Resultaten sehen.

Aber das ist nicht alles. Selbst die Israeliten in der Zukunft werden nicht das von dem Werk des Herrn wissen, was wir wissen können. Auch sie werden die Größe Seines Werkes nie so ergründen können, wie wir es können. Ich meine damit nicht, dass wir Sein Werk wirklich ergründen könnten, sondern dass wir tiefer in dieses Werk eindringen können, als die Gläubigen auch im tausendjährigen Reich es jemals tun werden.

Wir sehen das hier in diesem Bild bei dem Opfer, das für das priesterliche Haus ist, das ist die Versammlung – nicht gesehen als der Leib Christi oder als das Haus Gottes, sondern als die priesterliche Familie, deren Haupt der Herr Jesus ist, Er der Hohepriester und wir alle Priester. Wir dürfen ins Heiligtum eingehen. Wir dürfen dem Thron Gottes nahen, wo Gott in Seinem Licht wohnt. Und wo kann man die Vollgültigkeit des Opfers des Herrn Jesus, wo kann man die Kraft Seines Blutes und alle Resultate Seines Werkes besser sehen, als in der Gegenwart Gottes, wo man sieht, dass man, in sich selbst ein verlorener Sünder, jetzt in aller Ruhe vor Gott stehen kann – vor Gott, der Licht ist und in welchem überhaupt keine Finsternis ist, wenn Er auf Seinem Thron sitzt, wo die Cherubim, die Ausführer Seines Gerichts, stehen, um auszuschauen, ob etwas da ist, was gegen die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes verstößt, um das zu richten? Wer kann die wunderbaren Folgen des Werkes des Herrn Jesus besser verstehen, als diejenigen, die aufgrund dieses Werkes von nichtigen Geschöpfen, schmutzigen, feindlichen Sündern zu Kindern Gottes geworden sind und die nachher im Haus des Vaters sein werden, dem ungeschaffenen Himmel, da, wo der Vater und der Sohn von Ewigkeit gewohnt haben, wohin noch nie ein Geschöpf gekommen ist, und wo sie sein werden – und nicht nur als Diener, sondern als Kinder des Vaters, Brüder des Herrn Jesus, so wie der Herr Jesus sagt, nachdem Er das Werk vollbracht hat, dass Er auffahre zu Seinem Gott und unserem Gott, zu Seinem Vater und unserem Vater, und so wie Römer 8,29 sagt, dass es der Ratschluss Gottes war, dass wir dem Bild Seines Sohnes gleichförmig sein werden, sodass der Sohn der Erstgeborene ist unter vielen Brüdern.

So verstehen wir, warum der größte Teil des Werkes des Herrn Jesus für uns war, und dass auch wir allein den größten Eindruck bekommen können von dem Wert Seines Blutes und all den wunderbaren Folgen dieses Werkes – mehr als Israel jemals sehen wird. Wie wunderbar, dass selbst in den Schatten des Alten Testaments Gott schon an uns gedacht hat, und dass im Herzen Gottes damals schon festgelegt war und Er dem Ausdruck gab, welche wunderbaren Segnungen Er uns geben wollte, und wie Er uns mit dem Herrn Jesus Selbst, Seinem geliebten Sohn, verbinden wollte.

Ich wiederhole: Wir haben hier nicht ein Bild von der Versammlung als dem Leib Christi. Diese Wahrheit war im Alten Testament nicht offenbart. Und wir haben hier auch kein Bild von der Versammlung als dem Haus Gottes – wenn diese Wahrheit auch im Alten Testament im Bild gefunden wird, in der Stiftshütte. Wir haben es hier mit dem Verhältnis von Menschen zu Gott zu tun, so wie wir das auch im Hebräerbrief finden. Und da kann es nichts Höheres geben, als dass ein Mensch, der in sich selbst sündig und verloren ist, unheilig und Finsternis, dass ein solcher die Freiheit hat, in die Gegenwart Gottes einzugehen, in das Allerheiligste, vor den Thron Gottes, den Thron, der an sich nicht von Gnade spricht, sondern vielmehr von Gerechtigkeit und Gericht; dass ein ehemals sündiger Mensch da sein kann und Gott mit einem freien, vollkommen zur Ruhe gekommenen Gewissen dienen darf, da sein kann, weil er der Heiligkeit dieses Thrones vollkommen entspricht. Das ist es, was uns hier in diesen Versen, die wir gelesen haben, dargestellt wird.

Nun, wir sehen, Aaron bringt das Sündopfer herzu, und er tut Sühnung für sich und sein Haus. Wenn wir dieses Bild vor uns haben, ist es klar, dass Aaron als Person für sich selbst Sühnung tun musste. Er war ein sündiger Mensch, wie wir es waren. In 2. Mose 32 lesen wir, dass er das goldene Kalb gemacht hatte. Und in 4. Mose 20 steht, dass er sterben musste, weil er Gott nicht geheiligt hatte. Aber als Bild des Herrn Jesus war es unmöglich, dass er für sich selbst ein Opfer bringen musste. Wenn er es also tat, tat er es nicht als Bild von dem Herrn Jesus; denn es ist vollkommen klar, dass der Herr Jesus kein Sündopfer für Sich Selbst zu bringen brauchte. Er war der Heilige, der Vollkommene; und in den nächsten Versen werden wir sehen, wie Gottes Wort Nachdruck darauf legt, dass der Herr Jesus ohne Blut ins Heiligtum eingehen konnte, weil Er nicht sündig, sondern vollkommen heilig war, vollkommen in Übereinstimmung mit der Heiligkeit des Thrones Gottes.

Aber der Heilige Geist legt auch hier wieder den Nachdruck darauf, dass, wenn es um das Sündopfer geht, der Herr Jesus immer in Verbindung mit Seinem Haus gesehen wird – in der Sprache des Neuen Testaments „der Christus“, das ist der Herr Jesus mit Seiner Versammlung –, und als solcher vollbringt Er das Werk. Er hat Sich mit uns einsgemacht, um das Opfer zu bringen, das für uns notwendig war. Das ist eine wunderbare Tatsache.

Dann sehen wir den Herrn Jesus ans Kreuz gehen, und da hat Er Sich mit uns in unserem Zustand einsgemacht. Wir haben gestern in Psalm 40 gelesen, dass Er klagt: „Meine Ungerechtigkeiten haben mich erreicht … zahlreicher sind sie als die Haare meines Hauptes“, und wir wissen es auch aus 1. Petrus 2,24, dass Er Selbst unsere Sünden an Seinem Leib auf dem Holz getragen hat. Noch deutlicher haben wir es in 2. Korinther 5,21: „Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm“. Das wird uns hier klargemacht. Das Opfer wird gebracht für Aaron und sein Haus. Der Herr Jesus macht sich eins mit uns, und so vollbringt Er das Werk, damit wir an diesem wunderbaren Werk teilhätten und all die Resultate davon empfingen.

Aber, wie gesagt, Gott wacht über die Herrlichkeit Seines Sohnes, und Er will verhüten, dass auch nur der leiseste Eindruck entsteht, dass der Herr Jesus für Sich Selbst ein Opfer bringen musste. Und so sehen wir in Vers 12, dass Aaron, bevor er mit Blut hineingeht, erst persönlich eintritt, ohne Blut. Im Hebräerbrief, wo wir Aaron als natürliche Person sehen, wird gesagt, dass er nicht ohne Blut eingehen durfte. Aber hier, wo also ausdrücklich Aaron als ein Bild des Herrn Jesus dargestellt wird, wird uns gesagt, dass Aaron erst ohne Blut in das Heiligtum einging. „Und er nehme eine Pfanne voll Feuerkohlen vom Altar, vor dem HERRN, und seine beiden Hände voll wohlriechenden, kleingestoßenen Räucherwerks, und bringe es innerhalb des Vorhangs. Und er lege das Räucherwerk auf das Feuer vor den HERRN, damit die Wolke des Räucherwerks den Deckel bedecke, der auf dem Zeugnis ist, und er nicht sterbe“. Dann erst kommt: „Und er nehme vom Blut des Stieres und sprenge mit seinem Finger auf die Vorderseite des Deckels nach Osten…“

Das ist eine wunderbare Tatsache. Sie macht uns klar, was die Person des Herrn Jesus war. In Johannes 13,3 lesen wir, dass der Herr Jesus wusste, dass Er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe. Da wird „Gott“ gesagt, nicht „Vater“. In demselben Vers wird gesagt, dass Er wusste, dass der Vater Ihm alles in die Hände gegeben hatte, und in Vers 1, dass Seine Stunde gekommen war, dass Er zu dem Vater hingehen würde. Aber in Vers 3b steht, dass Er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe. Und das ist an dieser Stelle sehr wichtig. Wenn es sich um Gott handelt, besonders in dem Evangelium des Johannes, dann wird der Nachdruck auf Verantwortlichkeit und Heiligkeit gelegt. Wenn es sich um den Vater handelt, liegt der Nachdruck auf Gnade.

Der Herr Jesus kam von Gott, und Er ging zu Gott zurück; und Er konnte zu Gott zurückgehen, wie Er einst gekommen war. Diese 33 Jahre auf Erden hatten Ihn nicht unfähig gemacht, in die Gegenwart Gottes einzugehen. Ja, Kolosser 1,12 sagt uns, dass wir jetzt auch fähig sind, Anteil am Erbe der Heiligen in dem Licht zu haben. Aufgrund Seines Werkes sind wir in diesen Zustand versetzt. Aber der Herr Jesus konnte zu Gott zurückgehen, nachdem Er 33 Jahre auf Erden gelebt hatte, und Er war fähig, in diesem Augenblick in die Gegenwart Gottes einzugehen, in das Allerheiligste, wo der Thron des Gerichts war, wo Er hergekommen war. Er war nicht verunreinigt. Er war durch Sein Weilen hier auf Erden nicht besudelt, und das ist es, was hier dargestellt wird.

Als ein Bild des Herrn Jesus ging Aaron ohne Blut in das Heiligtum. Aber er ging hinein mit Räucherwerk, und er verbrannte das auf der Pfanne voll Feuerkohlen von dem Altar vor dem HERRN. Dieses Feuer auf dem Altar war aus dem Himmel gekommen. In Kapitel 9 sehen wir, dass, als das Opfer dort gebracht wurde, Feuer aus dem Himmel kam und das Opfer verzehrte. Das Feuer aus dem Himmel hat das Holz entzündet, das auf dem Altar war, sodass es wirklich Feuer von Gott war. Wie wir wissen, spricht das Feuer von Gott immer von Seiner untersuchenden, prüfenden Heiligkeit; es ist Sein Auge, das alles durchdringt und alles prüft und alles vernichtet, was nicht in Übereinstimmung mit Seiner Heiligkeit ist.

Nun, dieses Feuer wurde ins Heiligtum getragen, und das Räucherwerk wurde darauf verbrannt. Aus 2. Mose 30 sehen wir, dass das Räucherwerk auch ein Bild von dem Herrn Jesus ist. Es wird wohl oft gesagt, das Räucherwerk sei ein Bild von den Gebeten, und man hat einigen Anlass dazu, wenn man Offenbarung 5 liest, wo steht, dass das Räucherwerk die Gebete der Heiligen sind. Aber in Offenbarung 8 wird uns schon klargemacht, dass der Engelpriester Räucherwerk fügte zu den Gebeten, so dass er den Gebeten der Heiligen Kraft gab. Räucherwerk ist in Gottes Wort also nicht ein Bild von Gebeten, sondern es spricht von dem, wodurch die Gebete vor Gott angenehm gemacht sind. Und wir brauchen nicht zu fragen, was das ist. Wir wissen, dass unsere Gebete nur angenehm bei Gott sind, weil sie mit den Herrlichkeiten des Herrn Jesus bekleidet sind, mit der persönlichen Annehmlichkeit, die Er für den Vater hat, so wie Johannes 15 und 16 es uns klarmachen. Und in 2. Mose 30 sehen wir auch ausdrücklich, dass das Räucherwerk ein Bild von Seinen persönlichen Herrlichkeiten ist – nicht der Herrlichkeit Seines Werkes, sondern von dem, was Er persönlich für Gott war. Gott schaute auf Ihn hernieder, und alles an Ihm war wohlgefällig.

Ich spreche jetzt von Seinem Leben auf Erden; ich meine nicht das, was wir in 3. Mose 2 haben, das Speisopfer, wo wir den Herrn Jesus als Mensch sehen, sondern das, was persönlich von Ihm ist, Seine persönliche Herrlichkeit – nicht nur, was Er tat, sondern die Weise, in der Er das tat; nicht nur, dass Er gehorsam war, sondern die Weise, wie Er gehorsam war. Alles an Ihm war lieblich für Gott. Alles an Ihm war ein Wohlgeruch für Gott. Wenn Gott auf Ihn niederschaute, sah Er nur Lieblichkeiten, nur das, was Sein Herz erfreute, nur das, was ein lieblicher Geruch für Ihn war.

Und diese Herrlichkeit wurde erprobt. Ich spreche auch jetzt nicht allein über das Kreuz, sondern über das Leben des Herrn. Wie wurde diese Herrlichkeit erprobt? Als Er vierzig Tage in der Wüste war und in dieser Zeit kein Essen empfing, und als Satan zu Ihm kam und Ihn versuchte. Mache diese Steine zu Brot! – Wäre das denn eine böse Tat, aus Steinen Brot zu machen? Der Herr hat später oft andere gespeist, aber jetzt sagte Er: „Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht“ (Mt 4,4), – mit anderen Worten: Ich werde keine Steine zu Brot machen. Ich werde nur essen, wenn Gott mir sagt zu essen, wenn Gott mir Speise gibt, sonst nicht. Und so ist das ganze Leben des Herrn Jesus. Alle Prüfungen offenbarten nur, wie kostbar alles bei Ihm war, wie vollkommen alle Seine persönlichen Herrlichkeiten waren.

Und selbstverständlich kam das am wunderbarsten zum Ausdruck, als Er am Kreuz das Werk vollbrachte – ich meine jetzt nicht, dass Er die Sünde trug, sondern die Weise, in der Er es tat, auch wie in den ersten Stunden am Kreuz, als Er noch nicht das Sündopfer war, Seine persönlichen Herrlichkeiten dort in den schwierigsten Umständen offenbart wurden; und es war alles ein Wohlgeruch für Gott. Das ist keine unwichtige Sache. Es musste hier stehen, um klarzumachen, wovon Aaron ein Bild war, und auch dass es nicht zutrifft, was viele sagen – leider auch Gläubige –, dass der Herr Jesus in Seinem ganzen Leben unsere Sünden getragen hat. Wie hätte Er, wenn Er in Seinem Leben meine Sünden getragen hätte, für Gott wohlgefällig sein können? Unmöglich. Es wird hier gezeigt, dass in dem Augenblick, als der Herr das Sündopfer wurde, Er in Sich Selbst vollkommen wohlannehmlich für Gott war, nur ein lieblicher Geruch. Er hatte die Sünde nicht getragen, und in Seinem Leben war nichts Sündiges. Nach 33 Jahren, die Er auf Erden gelebt hatte, in den schrecklichsten Umständen, in allen Prüfungen, die es geben konnte, konnte der Vater, konnte Gott nur Wohlgeruch bei Ihm wahrnehmen, nur Bewunderung haben für alle die Herrlichkeiten, die in Seinem Leben offenbart wurden.

Das sehen wir hier. Aaron ging hinein. Das Feuer, die untersuchende, prüfende Heiligkeit Gottes, wurde ins Heiligtum getragen. Das Räucherwerk wurde nicht außerhalb des Heiligtums geprüft, sondern dort in der unmittelbaren Gegenwart Gottes, der Licht ist und in welchem gar keine Finsternis ist. Und das Räucherwerk wurde dort auf dem Feuer geprüft, wir sehen es hier: „… voll wohlriechenden, kleingestoßenen Räucherwerks, und bringe es innerhalb des Vorhangs. Und er lege das Räucherwerk auf das Feuer vor den HERRN, damit die Wolke des Räucherwerks den Deckel bedecke, der auf dem Zeugnis ist, und er nicht sterbe“.

Da sehen wir die Wirklichkeit davon. Wenn der Herr Jesus auch nur einmal einen Flecken gehabt hätte, wenn Er auch nur einmal nicht vollkommen gewesen wäre, dann hätte Gott Sein Opfer nicht annehmen können. Wenn Er auch nur eine meiner Sünden getragen hätte, bevor Er am Kreuz war, dann hätte Gott Sein Opfer nicht annehmen können. Nur weil Er vollkommen war, weil Er in den ganzen 33 Jahren nur Gott verherrlicht hatte und nie abgewichen war, nur weil alles, Seine Worte, Seine Taten, Seine Gedanken, ja selbst die Quellen Seiner Gedanken wohlannehmlich für Gott waren, ein liebliches Räucherwerk, nur darum konnte Er das Werk vollbringen. Weil Er Selbst vollkommen war, konnte Er das Blut hineintragen, konnte Er als Priester das Opfer bringen und als Opfer für uns das Werk am Kreuz vollbringen. Und Gottes Wort legt den Nachdruck darauf, sodass wir sehen, welchen Wert Sein Werk für Gott hat, weil diese herrliche Person das Werk vollbrachte – nicht nur, weil es ein vollkommenes Opfer war, sondern weil das Opfer in Sich Selbst nur vollkommen herrlich für Gott war, nicht nur ohne Fehl, sondern ein wohlriechendes Räucherwerk für Gott Selbst.

Das Wunderbare für uns ist, dass es hier nicht dargestellt wird in Verbindung mit dem Bock für Israel, sondern mit dem Stier, den Aaron für sich selbst und sein Haus bringt, so dass hier schon wieder der Nachdruck darauf gelegt wird, dass alles, was das Werk des Herrn Jesus bedeutete, die Herrlichkeit Seiner Person und Seines Werkes für Gott, uns zugerechnet wird, da es hier das Opfer für ihn und sein Haus betrifft.

In Vers 14 kommen wir nun zu dem Blut. „Und er nehme vom Blut des Stieres und sprenge mit seinem Finger auf die Vorderseite des Deckels nach Osten; und vor den Deckel soll er von dem Blut siebenmal sprengen mit seinem Finger. Und er schlachte den Bock des Sündopfers, der für das Volk ist, und bringe sein Blut innerhalb des Vorhangs und tue mit seinem Blut ….“ Ich will nicht weiter darüber sprechen, was das Blut auf dem Sühnungsdeckel bedeutet. Wir haben das schon gehört.

Aber noch auf eine kleine Besonderheit möchte ich hinweisen. Es wird gesprengt auf die Vorderseite des Deckels, und „vor den Deckel soll er von dem Blut siebenmal sprengen mit seinem Finger“. Auf den Sühnungsdeckel, oder, besser gesagt, auf das, was jetzt der Sühnungsdeckel wurde – denn erst durch das Blut wurde dieser Deckel der Sühnungsdeckel – wurde das Blut einmal gesprengt. Gott braucht das Blut nicht siebenmal zu sehen. Wenn es einmal auf den Deckel gesprengt ist, ist es für Gott genug. Gott kennt das Blut, das wunderbare Blut, und Er sieht immer darauf, und wenn Gott es sieht, dann sieht Er alle Seine Kostbarkeiten. Es ist unmöglich, dass Er es nicht sieht. Nichts von der Kostbarkeit dieses Blutes entgeht Seinen Augen. Und die Resultate davon haben wir gestern gesehen. Aufgrund dieses wunderbaren Blutes, das zu Gott von dem wunderbaren Werk am Kreuz redet, das der Mensch Christus Jesus dort vollbracht hat und durch das Gott so verherrlicht worden ist, kann Gott jetzt die frohe Botschaft ausgehen lassen zu jedem Menschen auf Erden und kann Er jeden bitten: Komm, lass dich mit mir versöhnen!, wie wir in 2. Korinther 5,19.20 finden.

Aber das Wunderbare in der Güte Gottes ist, dass das Blut siebenmal vor den Deckel gesprengt wird. Das ist der Platz, wohin die Priester kommen, um das Räucherwerk zu bringen. Das ist der Ort, wohin ein Gläubiger zu Gott ins Heiligtum kommt. Er kommt nicht auf den Sühnungsdeckel, sondern vor den Sühnungsdeckel. Und Gott in Seiner wunderbaren Gnade lässt das Blut siebenmal sprengen, sodass es keine Ungewissheit geben kann in der Seele eines Gläubigen, der Ihm naht. Siebenmal gesprengt, eine vollkommene Zahl, sodass, wenn der Opfernde naht, er da auf einem Boden von Blut steht, sodass er niemals zweifeln kann, dass das Werk vollbracht ist und das Blut dahin gebracht ist – eine vollkommene Sicherheit in seinem Herzen, sodass er über die Bedeutung des Werkes des Herrn Jesus niemals im Zweifel sein kann.

Finden wir dies nicht ausdrücklich im Brief an die Hebräer? In Kapitel 8 lesen wir, dass kein Israelit jemals ein vollkommenes Gewissen hat, während wir in Kapitel 9 hören, dass wir ein vollkommenes Gewissen haben und ohne Furcht eingehen können. Unser Gewissen ist vollkommen, es kennt die Sünde nicht mehr; denn in der Gegenwart Gottes hat es gesehen, dass das Blut dorthin getragen ist, das Blut, das Sühnung gebracht hat, sodass zwischen Gott und uns niemals mehr über Sünde gesprochen wird. Wir stehen da auf diesem Boden von Blut. So wird in 2. Korinther 5 gesagt, dass Er, „der Sünde nicht kannte, für uns zur Sünde gemacht wurde, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm“. Denken wir an diesen Ausdruck, „damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm“. Das bedeutet: Wir sind der Ausdruck von Gottes Gerechtigkeit geworden. In uns kann man sehen, wie groß Gottes Gerechtigkeit ist. Wenn die Engel uns sehen, da sehen sie die Gerechtigkeit Gottes; denn sie sehen Menschen, die schuldige Sünder waren, die aber nun verbunden sind mit diesem wunderbaren Werk, wodurch Gott so verherrlicht ist, dass Er nur gerecht ist, wenn Er uns die Sünden vergibt, wenn Er niemals mehr an unsere Sünden denkt, wenn Er uns nicht mehr richtet; denn „Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm“.

Da haben wir die wunderbare Gnade Gottes, die uns das so klarmacht. Haben wir nie darüber gestaunt, was wir in 1. Johannes 4,17 haben, wo gesagt wird, dass wir in dieser Welt sind, so wie Er dort in der Herrlichkeit ist? Das steht dort in Verbindung mit dem Gericht und bedeutet also, dass wir jetzt auf Erden die gleiche Gerechtigkeit haben, die Er, der Richter, jetzt im Himmel hat. Der Herr Jesus wird alles richten und Johannes 5,27 sagt uns ausdrücklich, dass Ihm alles Gericht übergeben ist, „weil er des Menschen Sohn ist“. In Apostelgeschichte 17,31 lesen wir, dass Gott den Erdkreis richten wird „in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und er hat allen den Beweis davon gegeben, indem er ihn aus den Toten auferweckt hat“. Als Mensch wird der Herr Jesus die Toten richten. Der Mensch Christus Jesus wird auf dem großen weißen Thron sitzen, und die Toten werden vor Ihm stehen und werden gerichtet werden. Es ist eine wunderbare Entfaltung von Gottes Gerechtigkeit, dass Er das tut, auch für die Menschen selbst, die da gerichtet werden.

Wenn Gott als Gott Selbst, wenn Gott der Vater die Menschen richten würde, dann könnten sie sagen: Wir konnten das Gute nicht tun; es war unmöglich für uns. Sagen die Menschen heute nicht: Es ist unmöglich, Gott zu dienen? Es ist unmöglich, so und so zu sein? Aber der Richter, vor dem sie stehen werden, war Selbst 33 Jahre auf Erden, und Er hat Gott wohlgefallen. Wenn einer sagen würde, es sei unmöglich, Gott zu dienen, so kann Er sagen: Ich habe es getan, ich war Mensch, und ich war 33 Jahre auf Erden. Und Er wird sie richten nach dem Maßstab Seiner eigenen Gerechtigkeit, die Er in Seinem Leben auf Erden offenbart hat. Sein Leben wird der Maßstab sein, nach dem Menschen gerichtet werden, sodass niemand sich entschuldigen kann.

Aber nun haben wir hier das Wunderbare, was 1. Johannes 4,17 zu jedem Gläubigen sagt, zu jedem, der an dem Werk des Herrn Jesus teilhat. Der Herr Jesus ist jetzt im Himmel und wir sind überzeugt, dass Er da keine Sünde hat. Er ist der Vollkommene, und Gott hat Ihn auferweckt aus den Toten und Ihm einen Platz zu Seiner Rechten gegeben. Da sitzt Er in dem Licht, der vollkommenen Offenbarung von Gerechtigkeit. Und Er wird, wie gesagt, alles nach Seinem eigenen Leben richten. Seine Gerechtigkeit wird der Maßstab sein, wonach Er richtet. Und nun sagt Gottes Wort, dass wir, die Gläubigen, jetzt schon die gleiche Gerechtigkeit besitzen, die Er besitzt, dass wir also schon jetzt – nicht nur nachher im Himmel, sondern jetzt, da wir auf Erden sind – vollkommen dem Maßstab entsprechen, nach dem Er richtet. Sein Leben ist der Maßstab, und ich entspreche ihm vollkommen, sodass es niemals Gericht für mich geben kann. So ist es mit jedem Gläubigen auf Erden: Es kann kein Gericht mehr geben. 1. Johannes 4 sagt uns das ausdrücklich, und das ist das, was uns hier klargemacht wird, was Gott jetzt in unsere Herzen, in Herz und Gewissen eines jeden, der im Glauben den Herrn angenommen hat, schreiben will: „Also ist jetzt keine Verdammnis für die, welche in Christus Jesus sind“ (Röm 8,1). Wenn sie Gott nahen, dann sehen sie das Blut, und es muss siebenmal gesprengt werden, sodass in ihren Herzen niemals mehr Zweifel sein kann.

Das Blut ist geflossen, es ist vor Gott. Es kann kein Gericht mehr geben; denn das Blut spricht davon, dass das Gericht über meinen Zustand ausgeübt ist. „Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm“ (2. Kor 5,21). Ist es nicht wunderbar, wie die Gnade Gottes an alles denkt, wie sie nicht nur das Werk vollbringen ließ, nicht nur das Opfer gab, sondern besorgt ist, dass wir doch klar sehen, was die wunderbaren Resultate für uns sind?!

Und Gott möchte, dass wir nicht nur stillstehen bei uns selbst. Wir kennen alle den Vers aus dem 1. Brief des Johannes: „Was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus“ (1. Joh 1,3). Gott will nicht nur, dass wir wissen, dass unsere Sünden vergeben sind, und Seine Segnungen bestehen nicht nur darin, dass wir nicht ins Gericht kommen. Wir haben es soeben schon gesehen: Seine Segnungen bestehen darin, dass wir vollkommen einsgemacht sind mit dem Herrn Jesus, und zwar so, wie es in dem Bild des Neuen Testaments dargestellt wird: als ein Leib, vereinigt mit einem Haupt, was bedeutet, dass Christus nichts haben kann, was wir nicht mit Ihm teilen werden. Mein Haupt kann unmöglich etwas besitzen, woran mein Leib nicht teilhat. Wir werden im tausendjährigen Reich mit Christus im Weltall herrschen. Wir werden mit Ihm eingehen in das Haus des Vaters. Sein Vater ist unser Vater geworden, sodass wir Seine Brüder sind und Ihm gleichförmig sein werden, obwohl Er der Erstgeborene ist.

Darum macht Gott uns Seine Gedanken bekannt und lässt uns sehen, wie groß die Kraft des Blutes ist, durch das wir gereinigt worden sind, sodass wir verstehen, welchen wunderbaren Wert das Werk hat, das Sein Sohn vollbracht hat und wie Er das Werk schätzt, sodass unsere Herzen auch staunen über die Kostbarkeiten des Blutes, durch das wir gereinigt sind. Wir haben es hier in Vers 16: „und er tue Sühnung für das Heiligtum wegen der Unreinheiten der Kinder Israel und wegen ihrer Übertretungen, nach allen ihren Sünden; und ebenso soll er für das Zelt der Zusammenkunft tun, das bei ihnen weilt, inmitten ihrer Unreinheiten“. Das bedeutet mehr als dass das Blut auf den Sühnungsdeckel gesprengt wurde, sodass wir mit Gott in Verbindung kommen konnten. Hier haben wir, dass sogar das Heiligtum durch das Blut gereinigt wurde und auch das Zelt der Zusammenkunft, sodass der Platz, wo die Gläubigen, das Haus Aaron, den Dienst ausüben müssen, und der Platz, wo Gott in dieser Welt mit den Seinen zusammenkommt, gereinigt war. Das Zelt der Zusammenkunft ist ja der Platz, wohin Gott Sein Volk auf Erden zu Sich einlädt, zu Ihm zu kommen. Das Zelt sollte gereinigt werden, sodass die Seinen, die Glieder des Hauses Aaron, Ihm jetzt auf Erden auf einem geheiligten Platz, der durch Blut gereinigt ist, dienen können und Gott diesen Dienst annehmen kann und auch Sein Volk einladen kann, zu Ihm zu kommen, um bei Ihm zu sein, an diesem Platz, der rein ist, geheiligt durch das Blut. Wir dürfen da mit Freimütigkeit sein, und Gott kann uns da mit Freimütigkeit empfangen.

O, da erkennen wir etwas mehr von dem Wert des Blutes des Herrn Jesus. Wir haben schon gesehen, dass das Blut des Herrn Jesus so viel Kraft hat, dass Gott jetzt zu allen Menschen sagen kann: Kommt, lasst euch mit mir versöhnen! Das Blut des Herrn Jesus hat solche Kraft, dass, wenn alle Menschen kommen würden, alle gereinigt werden könnten. Wir wissen leider, dass nicht alle Menschen kommen. Aber sie können kommen. 1. Timotheus 2,6 sagt uns ausdrücklich, dass der Herr Sich Selbst gegeben hat als Lösegeld für alle – nicht dass alle teil daran haben; aber alle können teil daran haben. Aber das ist noch nicht alles.

In Kolosser 1,19–22a lesen wir: „Denn es war das Wohlgefallen der ganzen Fülle, in ihm zu wohnen und durch ihn alle Dinge mit sich zu versöhnen – indem er Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes –, durch ihn, es seien die Dinge auf der Erde oder die Dinge in den Himmeln. Und euch, die ihr einst entfremdet und Feinde wart nach der Gesinnung in den bösen Werken, hat er aber nun versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod“. Hier haben wir also, dass es das Wohlgefallen der ganzen göttlichen Fülle war, durch Christus alle Dinge mit sich zu versöhnen, die Dinge auf der Erde und die Dinge in den Himmeln. Und in Hebräer 9,23 lesen wir, dass die Reinigung der Geräte der Stiftshütte usw., die wir hier in 3. Mose 16 haben, ein Bild von der Reinigung des Weltalls ist, wodurch einmal alles, was jetzt durch die Sünde besudelt ist, in vollkommene Harmonie mit Gott zurückgebracht werden wird, alles aufgrund des Blutes des Herrn Jesus.

Welch eine wunderbare Tatsache! – nicht nur, dass das Blut uns von unseren Sünden gereinigt hat, dass wir aufgrund dieses Blutes versöhnt sind und einen Platz in der Gegenwart Gottes empfangen haben, und nicht nur, dass, wenn alle Menschen kommen würden, sie alle Vergebung empfangen könnten. Sondern aufgrund dieses Blutes werden einmal Himmel und Erde, alles, was geschaffen ist – in Kolosser 1,16 werden diese Dinge genannt als das, was Er erschaffen hat –, alle diese Dinge werden zu Gott zurückgebracht werden. In 2. Petrus 3,13 haben wir es: „Wir erwarten … neue Himmel und eine neue Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnt“. Da ist das ganze Weltall gereinigt, nicht durch Blut, sondern durch Gericht, aber alles aufgrund der Kraft des Blutes des Herrn Jesu.

Da haben wir die Bedeutung von Johannes 1,29: „… das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt wegnimmt“. Es geht hier nicht um das, was der Herr am Kreuz getan hat, sondern um all die wunderbaren Resultate dieses Werkes. Er wird einmal Himmel und Erde reinigen und das Böse aus der Welt hinaustun, sodass das ganze Weltall wieder in Harmonie mit Gott sein wird, und Gott auf der neuen Erde bei den Menschen wohnen kann, weil die Sünde, alles Böse, dann eingeschlossen ist an einem Ort, dem Feuersee, und keine Sünde außerhalb dieser einen Stelle ist. Dann hat Er die Sünde aus der Welt hinausgetan, weggetragen, so wie Hebräer 9,26 auch sagt, dass Christus gekommen ist, um die Sünde abzuschaffen, nicht nur uns zu reinigen, sondern die Sünde abzuschaffen, das ganze hässliche Ding hinauszutun aus dem Weltall, sodass es in diesem Weltall nichts mehr gibt, was in Widerspruch zu Gott ist und was Gott verunehrt.

Was für ein Werk! Welche herrlichen Resultate Seines Werkes! Wir sehen, dass da alles eingeschlossen ist. Aber das Wunderbare ist, dass da nicht steht, dass Aaron das Opfer brachte, um die Stiftshütte zu reinigen. Er brachte das Opfer für sich und sein Haus. Und das ist die Lehre des Neuen Testaments. In Evangelisationen wird wohl gesagt, dass der Herr Jesus die Welt liebt; aber wir lesen das nicht. Das Wunderbare in Gottes Wort ist, dass der Herr Jesus Seine Versammlung geliebt hat, dass Er uns geliebt hat, dass Er mich geliebt hat, dass Er den Vater geliebt hat. Aber wir lesen niemals, dass der Herr Jesus die Welt liebt. Wir lesen nur einmal, dass der Herr Jesus einen Unbekehrten liebte, den Jüngling in Markus 10. Da steht, dass der Herr Jesus ihn liebte, weil er solche guten Eigenschaften hatte. Er suchte begierig nach den geistlichen Dingen, wenn der Preis für ihn auch zu hoch war. Die Liebe des Herrn Jesus ging aus nach Seiner Versammlung, sie ging zu uns aus. Er ist der Sohn Gottes, Der mich geliebt hat und Sich Selbst für mich hingegeben hat.

Das Werk, das Er für mich vollbracht hat, das Er für uns, die Versammlung, vollbracht hat, ist so groß und so reich, dass aufgrund dessen das ganze Weltall einmal zu Gott zurückgebracht werden wird. Aber aus Liebe zu uns hat Er das Werk getan. Gott hat es Ihm gegeben, dass Er es tun sollte, weil Er uns retten wollte, „durch welchen Willen wir geheiligt sind“ (Heb 10,10).

Ist das nicht Grund zu unendlicher Dankbarkeit, ist es nicht unendliches Glück für unsere Herzen? Ich habe in Verbindung hiermit oft eine Geschichte erzählt. Sie geschah vor Jahrzehnten an der holländischen Küste. Es herrschte ein großer Sturm, und ein Schiff war in Not. Man sah, dass es im Begriff war, unterzugehen. Alle Menschen wären dann ertrunken; denn die See war so rau, dass keiner wagte, ein Rettungsboot zu betreten, um sie zu retten. Aber da kommt ein Mann angestürmt, und er ruft: Ich muss dahin, mein Sohn ist auf dem Schiff! Wer geht mit? Sie sagen: Man kann nicht gehen. Er sagt: Ich muss gehen, mein Sohn ist auf dem Schiff, ich muss ihn retten. Und dann hat er einige zusammengenommen, die ihm zuliebe mitgingen. Und sie sind dahingefahren und haben den Sohn gerettet. Aber nicht nur den Sohn, sie haben fast alle Menschen an Bord genommen. Die sind gerettet worden, obwohl der Retter nicht ihretwegen gekommen war. Er war gekommen, weil er diesen einen Jungen liebte.

Und das ist das, was Gottes Wort uns über das Werk des Herrn Jesus sagt. Ja, sein Werk ist so groß, dass Gott aufgrund dessen jeden einladen kann: Komm zu mir!, dass jeder kommen kann, um Vergebung von Sünden zu empfangen. Es ist so groß, dass einmal Himmel und Erde in vollkommene Harmonie zu Gott zurückgebracht werden, wenn Er die Sünde der Welt wegnehmen wird. Er hat dies noch nicht getan. Johannes 1,29 ist noch nicht erfüllt. Aber Er hat das Werk, das die Grundlage dazu ist, getan, weil Er mich liebte, weil Er uns liebte, weil Er die Versammlung liebte. Er hat Sich für mich hingegeben, Er, der Sohn Gottes, „der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20). Aber das Werk, das Er aus Liebe zu mir tat, ist so kostbar, dass es solche wunderbaren Resultate hat.

Welch ein Heiland! Welch ein Werk! Wie groß muss Seine Liebe zu uns gewesen sein, dass Er aus Liebe zu uns dieses Werk tun wollte und Sein Blut geben wollte, das eine solche Kraft, einen solchen Wert, eine solche Wirkung hat!

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