Der große Versöhnungstag I

Die Opfer

„Und der HERR redete zu Mose nach dem Tod der beiden Söhne Aarons, als sie vor den HERRN hintraten und starben; und der HERR sprach zu Mose: Rede zu deinem Bruder Aaron, dass er nicht zu aller Zeit in das Heiligtum hineingehe innerhalb des Vorhangs, vor den Deckel, der auf der Lade ist, damit er nicht sterbe; denn ich erscheine in der Wolke über dem Deckel. Auf diese Weise soll Aaron in das Heiligtum hineingehen: mit einem jungen Stier zum Sündopfer und einem Widder zum Brandopfer. Er soll einen heiligen Leibrock aus Leinen anziehen, und Beinkleider aus Leinen sollen auf seinem Fleisch sein, und mit einem Gürtel aus Leinen soll er sich umgürten und sich einen Kopfbund aus Leinen umbinden: Das sind heilige Kleider; und er soll sein Fleisch im Wasser baden und sie anziehen. Und von der Gemeinde der Kinder Israel soll er zwei Ziegenböcke nehmen zum Sündopfer und einen Widder zum Brandopfer. Und Aaron soll den Stier des Sündopfers, der für ihn ist, herzubringen und Sühnung tun für sich und für sein Haus. Und er soll die beiden Böcke nehmen und sie vor den HERRN stellen an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft. Und Aaron soll Lose werfen über die beiden Böcke, ein Los für den HERRN und ein Los für Asasel. Und Aaron soll den Bock herzubringen, auf den das Los für den HERRN gefallen ist, und ihn opfern als Sündopfer. Und der Bock, auf den das Los für Asasel gefallen ist, soll lebend vor den HERRN gestellt werden, um auf ihm Sühnung zu tun, um ihn als Asasel fortzuschicken in die Wüste“ (3. Mo 16,1–10).

Wir haben schon einleitende Mitteilungen gehört, die Gott über das Werk der Sühnung gegeben hat. Das ist der normale Weg, auf dem Gott Seine Gedanken mitteilt. Als ein guter Lehrer gibt Er Beispiele, woraus man Seine Gedanken lernen kann – nicht alle auf einmal; denn unser Intellekt, auch unser geistlicher Intellekt, ist nicht fähig, die Vollkommenheiten des Werkes und der Person des Herrn Jesus, ja man kann ruhig sagen, die Vollkommenheit aller Gedanken Gottes, ganz zu erfassen. Als Prinzip finden wir das ausgedrückt in 1. Korinther 13, wo gesagt wird, dass wir jetzt nur stückweise erkennen. Das bedeutet nicht so sehr, dass wir jetzt nicht alles wissen, sondern dass wir jetzt die Wahrheit nur Stück für Stück besehen können. Ich kann z. B. nicht gleichzeitig mit der Entrückung der Versammlung und dem Werk des Herrn Jesus auf dem Kreuz beschäftigt sein. Wir können hier immer nur mit einem Teil der Gedanken Gottes beschäftigt sein und später mit einem zweiten Teil. Das ist die Bedeutung von „stückweise“.

Da das Werk des Herrn Jesus auf dem Kreuz und alle Fragen, die dadurch gelöst wurden, und die Resultate davon so unendlich groß sind, hat Gott sie in Teile zerlegt, um jedes Mal einen kleinen Teil davon sehen zu lassen, den wir dann verstehen können, sodass wir doch am Ende das ganze Werk vor uns haben. So haben wir gestern gesehen, dass Gott schon gleich im Anfang einige Dinge zeigte, die mit dem Werk des Herrn Jesus auf dem Kreuz in Verbindung stehen, oder vielleicht besser gesagt mit der Frage, wie ein sündiger Mensch Gott nahen kann. So haben wir in 1. Mose 4 gelesen, dass ein Mensch, der ein Sünder ist, Gott nur nahen kann, wenn er mit etwas kommt, was nach den Gedanken Gottes ist und worauf Gottes Auge mit Wohlgefallen ruht. Das muss also etwas sein, das nicht mit der Sünde in Verbindung steht und das unschuldig ist vor Gott. Wir sahen, Abel brachte von den Erstlingen seines Kleinviehs und von ihrem Fett.

Zweitens muss es etwas sein, das von einem ausgeübten Gericht spricht, dem Tod, weil Gott gesagt hat, dass der Lohn der Sünde der Tod ist und dass der Mensch also unter dem Gericht sterben muss, weil er ein Sünder ist, und dass er also Gott nur nahen kann, wenn er mit dem Tod kommt. Nur der Tod eines anderen, eines Unschuldigen, kann ihn vor dem Gericht retten und es möglich machen, dass er zu Gott kommen kann, ohne gerichtet zu werden.

Dann haben wir in 1. Mose 8 gesehen, wie Gott aufgrund des Brandopfers bereit ist, den schuldigen Menschen nicht mehr zu richten. Nachdem Er durch die große Flut das Gericht ausgeübt hat, sagt Gott aufgrund des lieblichen Geruchs: Nein, es gibt Gnade. Da ist etwas, was von dieser Erde herkommt, das gut ist für mich, ein lieblicher Geruch, ein Geruch, der mir Ruhe gibt, sodass es dem Menschen möglich ist, vor mir zu bestehen, ohne gerichtet zu werden. Und dann steht im Anfang von Kapitel 9, dass Gott dem Menschen Fleisch zu essen gibt, sodass der Mensch immer wieder daran erinnert wird, dass er nur leben kann durch den Tod eines anderen, eines Unschuldigen. Um ein Menschenleben zu erhalten, müssen unschuldige Tiere sterben.

In 1. Mose 22 sahen wir weiter, dass es ein Mensch sein musste, der sterben musste, und dass ein Tier nicht genügte, um für einen Menschen Erlösung zu bringen. Und dass der Vater Selbst Seinen eigenen eingeborenen, geliebten Sohn dafür geben und Ihn Selbst opfern würde.

Jetzt kommen wir zum 2. und 3. Buch Mose. Da finden wir weitere Erklärungen, und es ist sehr wichtig, dass die hier stehen und nicht im 1. Buch Mose. Im 1. Buch Mose haben wir die Grundlagen von allem; aber wir finden nicht, dass da von Erlösung gesprochen wird. Wir finden da niemals, dass in Verbindung mit den Opfern, die dem HERRN gebracht wurden, von Blut gesprochen wird. Erst einem Volk, das wirklich erlöst ist, das hinter dem Blut vor dem Gericht sicher und durch Gott Selbst aus Ägypten errettet ist und in dessen Mitte Gott wohnen kann – erst einem solchen Volk kann Gott Sich besser, völliger offenbaren, sodass sie in Seine Gedanken eintreten können.

Das ist ein Grundsatz von außergewöhnlicher Bedeutung. Wir haben hier das Wort Gottes, und darin hat Gott alle Seine Gedanken geoffenbart. Aber diese Gedanken können nur verstanden werden von jemand, der eine neue Natur empfangen hat und in dem der Heilige Geist wohnt, der das Wort lebendig macht. Kein Mensch auf Erden, der nicht wiedergeboren ist, kann das Wort Gottes verstehen, es sei denn dieses, dass er ein Sünder ist und dass er nur aufgrund des Todes eines anderen gerettet werden und Gott nahen kann, dass er, wie Abel, im Glauben zu Gott kommen muss mit dem, was Gott befriedigt, mit dem Tod eines Unschuldigen, dem Herrn Jesus. Sonst kann er aus dem Wort Gottes nichts verstehen. Und es geht sogar so weit, dass auch einer, der wiedergeboren ist, das Wort nicht verstehen kann, solange er nicht wirklichen Frieden mit Gott hat, solange er nur sieht, wie wir es in 2. Mose 12 haben, dass der Herr Jesus für ihn gestorben ist, und nicht, dass Gott Selbst das Lamm gegeben hat und durch das Werk des Herrn Jesus vollkommen befriedigt ist, so dass er wirklich einen gefestigten Frieden mit Gott hat. Und, wie gesagt, Frieden mit Gott geht weiter, als zu wissen, dass die Sünden vergeben sind. Es bedeutet, dass ich weiß, dass nichts mehr zwischen Gott und mir ist, dass alles vollkommen geordnet ist und ich frei zu Gott kommen kann.

Aber wenn das so ist – und in diesem Augenblick ist der Christ auch mit dem Heiligen Geist versiegelt – dann ist sein Verständnis frei, um Gottes Gedanken zu verstehen, und der Heilige Geist, der in ihm wohnt, macht das Wort lebendig, so wie der Herr Jesus in Johannes 4 und Johannes 7 über „lebendiges Wasser“ spricht –, das Wort Gottes, die Bibel, aber lebendig gemacht durch den Heiligen Geist, der in dem Gläubigen wohnt. Und dann kann Gott Sein Herz und Seine Gedanken offenbaren, da Sein Wort durch den Heiligen Geist gegeben wurde und verstanden werden kann von jedem, der wiedergeboren ist und den Heiligen Geist empfangen hat und geistlich ist, so wie 1. Korinther 2 uns ganz ausdrücklich lehrt.

So verstehen wir, dass wir die Lehren, die wir im 2. und 3. Buch Mose haben, nicht im 1. Buch Mose suchen sollen. Sie können nur nach 2. Mose 12 und 15 gefunden werden, wo wir das Lamm haben und das Blut des Lammes, und wo das Volk durch das Rote Meer gegangen und zu Gott gebracht ist – eigentlich in Wirklichkeit erst, nachdem das Volk am Berg Sinai zu Gott gekommen ist und dort von Gott zu Seinem Volk erklärt und in ein wirkliches Verhältnis zu Ihm gekommen ist. Und darum sehen wir, nachdem wir im zweiten Teil des 2. Buches Mose die Errichtung der Stiftshütte haben, wie Gott gleich im Anfang von 3. Mose Sein Herz öffnet und alle Seine Gedanken über die Person und das Werk des Herrn Jesus offenbart, sodass die Seinen, die mit Ihm in Verbindung stehen, auf Seine Gedanken eingehen und darin mit Ihm Gemeinschaft haben können.

Ich sage das, damit wir erkennen, dass die Gedanken, die wir hier in 3. Mose 16 haben, nur verstanden werden können von Gläubigen, die Frieden mit Gott haben, und damit wir sehen, warum wir diese Wahrheit hier haben und nicht an anderen Stellen. Es wird hier also das Evangelium dargestellt, aber für Gläubige, nicht für Ungläubige. Ungläubige können dies nicht verstehen, abgesehen vielleicht von wenigen Gedanken, die nur den Anfang des Evangeliums betreffen. Aber Gläubige sollen wissen, welcher Preis für ihre Errettung bezahlt ist und wie groß ihr Teil ist. Und auch, wie weit sich die Folgen des Werkes des Herrn erstrecken, sodass sie, indem sie sich darin freuen, Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn haben.

Nun erfahren wir in diesem Kapitel schon gleich im Anfang, was der Zustand des Menschen als eines Nachkommens Adams ist und was auch wir in uns selbst waren. Es ist wahr, wir sehen in all diesen Dingen Abbilder des Werkes des Herrn Jesu und in der Einrichtung der Stiftshütte Abbilder der himmlischen Dinge. In Hebräer 9,23 wird uns ausdrücklich gesagt, dass die Stiftshütte mit all ihren Geräten ein Abbild von himmlischen Dingen ist, und in Kapitel 9 und 10 finden wir, dass der große Versöhnungstag hier in 3. Mose 16 ein Bild ist von dem, was der Herr Jesus später auf dem Kreuz getan hat. Man kann besser sagen: Der ganze Brief an die Hebräer ist eine göttliche Erklärung des Alten Testaments, aber doch von diesem Kapitel ganz besonders.

Aber wenn dann die Wahrheit der Sühnung – zwar im Bild – dargestellt wird, muss erst klargestellt werden, was der Ausgangspunkt aller Wege Gottes ist. Und das lesen wir in Vers 1: „nach dem Tod der beiden Söhne Aarons, als sie vor den HERRN hintraten und starben“. Diese beiden ältesten Söhne Aarons waren zu Priestern geweiht worden (Kapitel 8 und 9), und einer von ihnen sollte nach Aaron Hoherpriester werden. Es waren die Menschen, die Gott aus Seinem auserwählten Volk ausgewählt hatte, damit sie diesen besonderen Platz einnehmen sollten. Israel war das auserwählte Volk Gottes. Levi war der Stamm, der aus Israel abgesondert war, um in Verbindung mit der Stiftshütte Dienste zu tun, und das Haus Aaron war aus dem Stamm Levi ausgewählt worden, um in der Stiftshütte den Priesterdienst zu verrichten. Aber als die beiden ältesten Söhne diesen besonderen Auftrag, Priesterdienst zu verrichten, zum ersten Mal ausführten, starben sie im Gericht Gottes. Welch ein Beweis von dem Zustand des Menschen! Der auserwählteste Mensch in der höchsten Stellung, die Gott geben konnte, der am meisten für Gott abgesondert war, konnte Gott nicht nahen, ohne zu sterben, und zu Aaron musste gesagt werden, „dass er nicht zu aller Zeit in das Heiligtum hineingehe innerhalb des Vorhangs, vor den Deckel, der auf der Lade ist, damit er nicht sterbe“. Das macht klar, was der Zustand des Menschen ist, und welche Kluft überbrückt werden musste, damit ein Mensch zu Gott, in Seine Gegenwart, kommen und mit Ihm Gemeinschaft haben kann. Und Gott wünscht, dass wir zu Ihm kommen. Das zu bewirken, ist das Ziel des Werkes des Herrn auf dem Kreuz. In 1. Petrus 3,18 lesen wir: „Denn es hat ja Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führe…“ Denselben Gedanken zeigt uns Hebräer 10,19 ff. Der Weg zu Gott ist jetzt geöffnet, und wir werden ermuntert, hineinzugehen. Und 3. Mose 16 macht klar, warum wir nicht gerichtet werden, wenn wir hinzutreten. Wir dürfen dem Thron nahen.

Aber da ist noch etwas, woran Menschen – auch wir – wenig denken, nämlich dass, auch wenn es sich um das Verhältnis zwischen Gott und Menschen handelt, diese Sache zwei Seiten hat: die Seite des Menschen und die Seite Gottes. Das ist ein Punkt, der außergewöhnlich beachtenswert ist. Oh, wenn ein Sünder zu Gott kommt, wenn er sieht, dass er ein verlorener Sünder ist, dann denkt er normalerweise nicht an die Seite Gottes. Er denkt nur an sich; er fühlt, dass er Vergebung von Sünden braucht, da er der Gegenstand des Gerichtes Gottes ist. Er braucht Gnade, er braucht Vergebung und er kommt zu Gott, um diese zu empfangen.

Aber da ist ein anderer Punkt, der erst erledigt werden muss, er betrifft die Seite Gottes; das sehen wir besonders auch hier in diesem Kapitel. Vers 7: „Und er soll die beiden Böcke nehmen und sie vor den HERRN stellen an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft. Und Aaron soll Lose werfen über die beiden Böcke, ein Los für den HERRN und ein Los für Asasel. Und Aaron soll den Bock herzubringen, auf den das Los für den HERRN gefallen ist, und ihn opfern als Sündopfer. Und der Bock, auf den das Los für Asasel gefallen ist, soll lebend vor den HERRN gestellt werden, um auf ihm Sühnung zu tun, um ihn als Asasel fortzuschicken in die Wüste“. Wenn hier also über Sühnung gesprochen wird, dann sehen wir, dass von den zwei Böcken, die zusammen das Sündopfer darstellen, der erste für den HERRN ist; erst musste diese Seite behandelt werden. Und wenn wir nüchtern darüber nachdenken, ist es vollkommen klar, dass das nicht anders sein kann. Erst musste der Weg geöffnet werden, auf dem Gott Gnade erweisen kann; sonst würde es keine Vergebung geben, auch nicht für einen einzigen Sünder.

Was den Sündenfall (1. Mo 3) betrifft, denken wir meistens nicht weiter als: Adam und Eva haben gesündigt, sie haben das Gebot Gottes übertreten, und so sind sie Sünder geworden und müssen den Lohn für ihre Sünden empfangen. Geistlich sind sie gleich gestorben, leiblich später. Sie sind in den Zustand des Todes versetzt, und wenn sie diesem Zustand nicht entrückt würden, würden sie in Ewigkeit im Tod sein.

Aber das war nicht das Einzige. Sie hatten viel mehr getan, Dinge, die viel schrecklicher sind als das eine, dass sie ein Gebot übertreten hatten. Wie wir gestern gesehen haben, kam die Schlange zu Eva und sagte sinngemäß zu ihr: Das Wort Gottes ist eine Lüge, und Gott liebt euch auch nicht, sondern Er ist ungerecht gegen euch.

Eva widersprach Satan nicht, sondern glaubte seinen Worten. Ihre Taten bewiesen es. Wenn sie dem Wort Gottes geglaubt hätte, dass sie sterben würde, wenn sie von dieser Frucht äße – nicht nur leiblich, sondern auch geistlich – glauben Sie, dass sie dann von dieser Frucht gegessen hätte? Und das ist das Schreckliche, was der Mensch da getan hat – nicht nur, dass er das Gebot Gottes übertreten hat, sondern dass er der Lüge Satans glaubte, die Gott entehrte. Der Mensch hatte Ihn Seiner Ehre beraubt; und wir fühlen, das war weitaus ernster, als dass Adam und Eva das Gebot Gottes übertraten.

O, Gott hätte leicht beweisen können, dass Sein Wort wahr ist. Wenn Adam und Eva an diesem Tag auch körperlich gestorben wären, dann wäre es für die ganze Schöpfung, für alle Engel klar gewesen, dass die Schlange gelogen hatte. Gott hätte dann auch gleich bewiesen, dass Er ein gerechter und heiliger Gott ist. Ein gerechter Gott muss die Sünde strafen; und wenn Adam und Eva gleich gestorben und in die Hölle verwiesen worden wären, dann hätte Gott auch gezeigt, dass Er keine Gemeinschaft mit etwas haben kann, was nicht heilig ist.

Aber immer, in alle Ewigkeit, wäre das Fragezeichen geblieben hinter diesem: Ist Gott Liebe, oder ist Er nicht Liebe? und keine Antwort wäre auf diese Frage gegeben worden. Und Gott ist Liebe, und gerade weil Gott Liebe ist, konnte Er den Menschen nicht verderben. Ja, Er musste ihn richten. Aber Seine Liebe forderte, dass es einen Ausweg gab, worin Er Seine Gerechtigkeit und Heiligkeit beweisen konnte, wobei zugleich erwiesen wurde, dass Sein Wort Wahrheit ist – und das muss so sein, Gott muss fest sein in dem, was Er ist; Er kann nicht untreu sein, auch nicht gegen Sich Selbst – aber worin Er auch beweisen konnte, dass Er Liebe ist und worin Sein Herz befriedigt werden würde, sodass dieser schuldige Mensch Adam und diese schuldige Frau Eva, die Ihn so entehrt hatten, doch nicht sogleich für ewig verloren gingen, sondern vielmehr Segen empfingen. Der Gott, Der Liebe ist, wünschte, diese schuldigen Geschöpfe zu retten.

Nun verstehen wir, dass erst, nachdem die heiligen Forderungen der Natur Gottes befriedigt worden waren, ein Weg geöffnet werden konnte, auf dem Gott dem Sünder gnädig sein konnte. Und das finden wir hier in dem ersten Bock, der für Gott ist. Nicht der Mensch hat zu beurteilen, was Gott befriedigen kann, sondern das kann nur Gott bestimmen.

In den ersten Kapiteln des 3. Buches Mose lesen wir, dass, wenn eine Person als persönliches Opfer ein Brandopfer oder ein Speisopfer oder ein Friedensopfer brachte, später sogar auch ein Sünd- und Schuldopfer, er in einigen Fällen von der normalen Regel abweichen und weniger geben konnte. Aber wir fühlen, dass, wenn es um die Wiederherstellung der Ehre Gottes geht, kein Mensch bestimmen kann, was dafür genügend ist. Das kann nur Gott, und wir sehen, wie hierauf der Nachdruck gelegt wird. Gott bestimmt: Das Sündopfer soll aus zwei Böcken bestehen; aber der erste war für Ihn; und selbst, welcher Bock für Ihn war, durften nicht Mose oder Aaron bestimmen, sondern, wie wir hier gelesen haben: „Und Aaron soll Lose werfen über die beiden Böcke, ein Los für den HERRN und ein Los für Asasel“. Wer konnte bestimmen, wer konnte berechnen, wer konnte wirklich ermessen, was notwendig war für die Wiederherstellung der beleidigten Majestät Gottes, als nur Gott Selbst? Und wir verstehen, dass das das Erste sein muss, was der Herr Jesus durch Sein Werk in Ordnung brachte.

Ich denke, dass viele von uns – ich jedenfalls – wohl einmal Schwierigkeiten gehabt haben mit dem, was wir in 2. Mose 21,5 sehen, wo der hebräische Sklave sagt: „Ich liebe meinen Herrn, meine Frau und meine Kinder, ich will nicht frei ausgehen“. Sein Herr wird da als Erster genannt. Im Neuen Testament lesen wir wunderbare Ausdrücke über die Liebe des Herrn in Verbindung mit uns. Wer kennt nicht diese Ausdrücke aus Epheser 5,2, dass Er uns geliebt hat, und Vers 25, dass Er die Versammlung geliebt und Sich Selbst für sie hingegeben hat? Wer hat niemals in seinem Herzen nachgedacht über diesen wunderbaren Vers aus Galater 2,20b: Der „… Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“? Wunderbar, zu denken, dass der Herr Jesus auf diese Erde kam und hier 33 Jahre war, dass Er den Weg zum Kreuz ging und dort am Kreuz starb, weil Er mich liebte und mich für immer in Seinem Herzen behielt. Er hat immer an mich gedacht, als Er diesen Weg ging und als Er diesen Preis für meine Erlösung und mein Heil bezahlte. Er hat an mich gedacht und an jeden von uns, der zu der Versammlung Gottes gehört, und an die Versammlung selbst!

Aber, wie gesagt, in 2. Mose 21 wird Sein Herr zuerst genannt, und das ist es, was wir hier finden. Er liebte auch seinen Vater, und als Mensch liebte Er Seinen Gott, und das, was für Gott notwendig war, das, was für Gott getan werden musste, stand für Ihn obenan. Er liebte Seinen Vater, und Er ging hin, um für Ihn das Werk zu vollbringen. Er liebte die Versammlung, um für sie das Werk zu vollbringen, sodass ich errettet werden konnte. Aber Gott nahm die erste Stelle ein, und wir verstehen, dass es nicht anders möglich war.

Dann verstehen wir das, was uns hier dargestellt wird und was gerade das Evangelium so wunderbar groß macht. Und uns wird klar, wie groß die Gnade und Güte Gottes ist, und wie es möglich ist – ich denke an die wunderbaren Verse in 2. Korinther 5,19.20 – dass Gott jetzt Seine Diener aussendet zu allen Menschen, um sie inständig zu bitten: Kommt, lasst euch mit mir versöhnen! Der große Gott bittet vom Himmel die Menschen, die Seinen Sohn ans Kreuz gebracht und Ihn dort ermordet haben, die Ihn angespien, geschlagen, verflucht haben: Kommt, lasst euch versöhnen mit mir!, und Er weist auf das Kreuz und sagt: Den, Der Sünde nicht kannte, habe Ich für euch zur Sünde gemacht, damit ihr Meine Gerechtigkeit würdet in Ihm. Das können wir nur verstehen, wenn wir uns dahineinversenken, was das Werk des Herrn Jesus für Gott war und wie es Ihn verherrlicht hat. Oh, wir sehen es hier.

„Und er schlachte den Bock des Sündopfers, der für das Volk ist, und bringe sein Blut innerhalb des Vorhangs und tue mit seinem Blut, so wie er mit dem Blut des Stieres getan hat, und sprenge es auf den Deckel und vor den Deckel; und er tue Sühnung für das Heiligtum“ (Vers 15). Hier sehen wir, wie gesagt, die Seite des Werkes des Herrn am Kreuz, die mit den heiligen Anforderungen Gottes, mit Seiner beleidigten Majestät, in Verbindung steht. Dies Opfer, das gebracht wurde, musste vollkommen sein, ohne Mängel, und wir wissen, wer das wirkliche Opfer war. „… darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden“, sagt der Engel zu Maria in Lukas 1,35, und der Heilige Geist sagt durch Paulus: „Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht“. In 1. Petrus 2,22 lesen wir, dass Er keine Sünde getan hat, und im Hebräerbrief wird uns gesagt, dass Er in allem uns gleich geworden ist, ausgenommen die Sünde. Er war wirklich, was wir in 3. Mose 2 finden werden, das feine Mehl vom Speisopfer, die Frucht der Erde. Er war wahrhaftig Mensch, so wie Galater 4,4 es sagt: „geboren von einer Frau“, wahrhaftiger Mensch als Adam jemals gewesen ist, denn Adam ist nicht aus einer Frau geboren. Der Herr Jesus aber war gezeugt durch den Heiligen Geist, und wenn Er auch wahrhaftig Mensch war, ebenso wahrhaftig wie wir, mit einer menschlichen Seele, einem menschlichen Geist und einem menschlichen Leib – er war ohne Sünde. Das war das Opfer, das wir hier sehen.

Und nun sehen wir diesen Menschen hier auf Erden. Gott hatte in 1. Mose 6, vor der großen Flut, und nach der Flut, in Kapitel 8 vom Menschen gesagt: „alles Gebilde der Gedanken seines Herzens (ist) nur böse den ganzen Tag“ (V. 5). Das war der Zustand des Menschen. In Psalm 14 sagt Gottes Wort wieder: „Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer“, und Römer 3,10–12: „Da ist kein Gerechter, auch nicht einer; da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der Gott sucht. Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden“. Gott hatte Gnade bewiesen, indem Er den Menschen nicht gleich verdammte, sondern ihn auf der Erde ließ und ihn in Bildern auf Seine Gnade hinwies. Aber was war das Resultat? 4000 Jahre hindurch suchte Gott, ob einer da wäre, der Ihn nicht wie Adam entehrte, sondern der Ihn ehrte, und Er fand keinen. „Da ist keiner, der Gott sucht“. Der Mensch hatte Ihn entehrt, und kein Mensch war da, der Ihn verherrlichte. Sie suchten alle sich selbst, sie waren unnütz; Gott konnte sie nicht gebrauchen. Er, der, wie Kolosser 1,16 uns sagt, alles für Sich Selbst erschaffen hat, musste sagen: Sie sind unnütz, Ich kann sie zu nichts gebrauchen, wofür Ich sie bestimmt hatte.

Und dann, nach 4000 Jahren, nach den Hunderten Millionen Menschen, die auf Erden gelebt hatten, da kam ein anderer Mensch auf die Erde, wohl ein wahrhaftiger Mensch, aber einer, der, als Er kam, sagte: „Ich komme, um deinen Willen, o Gott, zu tun“ (Heb 10,7). Sein Ausgangspunkt war, nur gehorsam zu sein, nur Gott zu verherrlichen. Ist es ein Wunder, dass der Himmel sich öffnete und die Engel lobten und sprachen: „Friede auf der Erde, an den Menschen ein Wohlgefallen“ (Lk 2,14)? Da war nach 4000 Jahren zum ersten Mal ein Mensch, auf den Gott mit Wohlgefallen herniederschauen konnte, und die Engel konnten darüber jubeln.

Dieser Mensch wuchs auf, nahm zu an Gunst bei Gott und Menschen. Er ging Seinen Weg 33 Jahre hindurch, und Er konnte sagen: „Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat…“ (Joh 4,34). Er konnte zu Gott sagen: „Ich aber wusste, dass du mich allezeit erhörst“ (Joh 11,42), und: „er hat mich nicht allein gelassen, weil ich allezeit das ihm Wohlgefällige tue“ (Joh 8,29). Wunderbarer Mensch! Wir hören das Zeugnis des Vaters, als der Herr Sich durch die Taufe zu dem gläubigen Überrest von Israel fügte, die mit der Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden getauft wurden. Das konnte so scheinen, als ob Er Buße tat, um Vergebung der Sünden zu bekommen. Da öffnete sich der Himmel, und nach 30 Jahren, die Er auf Erden gewesen war, sagte Gott: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden“ (Mk 1,11). Und drei Jahre später, nahe dem Ende Seines Dienstes, öffnete der Himmel sich wieder, auf dem Berg der Verklärung, und Gott sagte aufs Neue: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; ihn hört“ (Mt 17,5).

Und dann ging Er ans Kreuz. Er wurde gehorsam „bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,8b). Er war so gehorsam, dass Er den Willen Gottes tat, auch wenn Er klagen musste: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Kennen wir nicht diesen Ruf aus Matthäus 27 und Psalm 22? Er war der Einzige, der dieses rufen konnte. Niemals hat Gott einen Menschen verlassen. Niemals konnte ein Mensch zu Gott sagen: Mein Gott, warum hast du mich verlassen? Denn wenn Gott einen Menschen verlassen hätte, hätte Er Ursache genug dafür gehabt, weil jeder Mensch ein Sünder ist. Aber dieser Mensch hier hatte in Seinem ganzen Leben Gott verherrlicht. Er war nur gehorsam gewesen. Er hatte nur getan, was Gott Ihm aufgetragen hatte, und dieser Gehorsam brachte Ihn ans Kreuz, und da, am Kreuz, wurde Er, der Reine, der Heilige, der gehorsame Mensch, von Gott verlassen. Er musste sagen: „Auf dich vertrauten unsere Väter; sie vertrauten, und du errettetest sie. … Ich aber bin ein Wurm …“ (Ps 22,5.7). Aber Er war gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum Tod am Kreuz. Da hat Gott meine Sünden auf Ihn gelegt und die Sünden aller, die an Ihn glauben würden. Dies betrachten wir jetzt nicht, aber ich will es doch eben erwähnen. Aus Gehorsam nahm der Herr die Sünden aller, die an Ihn glauben würden, auf Sich. Es geht hier nicht um Seine Liebe zu uns, sondern hier geht es um das, was Er aus Gehorsam zu Gott tat. Und Er hat die Sünden getragen, sodass Gott sie richten konnte und Gott auf diese Weise seine Liebe zu schuldigen Menschen offenbaren konnte, nachdem Seine Gerechtigkeit befriedigt war. Und der Herr hat nicht widerstrebt.

Dann, als Er dort am Kreuz hing und meine Sünden und die Sünden aller, die den Herrn kennen, auf Ihn geladen waren und Er rufen musste: „… meine Ungerechtigkeiten haben mich erreicht, … zahlreicher sind sie als die Haare meines Hauptes…“ (Psalm 40), dann sagte Er: „Doch du bist heilig, der du wohnst bei den Lobgesängen Israels“. Und in diesem Augenblick hat Er – aber jetzt komme ich eigentlich schon zum Brandopfer –, in diesem Augenblick hat Er Gott verherrlicht und Gott offenbart, so wie Gott niemals offenbart worden war und auch niemals mehr offenbart werden wird. Als Er dort am Kreuz meine Sünden trug und für mich zur Sünde gemacht war und rief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, und: „Ich bin versunken in tiefen Schlamm, und kein Grund ist da …“, als Er rief, dass Seine Ungerechtigkeiten Ihn erreicht hatten, in diesem Augenblick hat Er gezeigt, dass die Schlange gelogen hatte und Adam und Eva einer Lüge geglaubt hatten. Da bewies Er, dass das Wort Gottes Wahrheit ist: „Der Lohn der Sünde ist der Tod“. Er starb, als Er meine Sünden trug und für mich zur Sünde gemacht wurde. Da hat Er bewiesen, wie gerecht Gott ist. Gott hat das Gericht nicht verringert, als Er, der Geliebte, es trug. Er trug das Gericht in dem vollen Maß, wie es mein Teil hätte sein sollen.

Da hat Er bewiesen, wie heilig Gott ist. Gott hat ihn allein gelassen, von Dem Er gesagt hatte: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“. Der musste jetzt rufen. „Warum hast du mich verlassen?“, und der Himmel verbarg sich. Und wie hat Er dort bewiesen, dass Gott Liebe ist! Wenn das in diesen 4000 Jahren nur sehr verhüllt gesehen werden konnte, wie ist es dort am Kreuz offenbart worden! Römer 5,8 sagt uns: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist“. Wenn Satan jetzt zu uns sagen würde: Gott ist nicht Liebe, dann weisen wir ihn zum Kreuz und sagen: Ein Gott, Der Seinen eingeborenen Sohn anstelle von sündigen, nichtigen Geschöpfen ans Kreuz gibt und Der den Sohn anstelle von diesen Sündern richtet, ist das ein Gott, Der nicht liebt?

Da sehen wir, wie der Herr Jesus gerade in dem Augenblick, als Er aus Gehorsam zu Gott dort am Kreuz gerichtet wurde und dort hing, allein, verlassen von Gott und verworfen durch die ganze Schöpfung, dass Er da Gott verherrlicht hat – und es war ein Mensch, der das tat! So kann der Herr Jesus in Johannes 13,31 sagen, dass der Sohn des Menschen Gott verherrlicht hat und dass Gott Ihn verherrlichen wird. Das war das, was nach 4000 Jahren geschah. Ein Mensch hatte Gott entehrt, Adam und Eva, und ein Mensch verherrlichte Gott.

Aber dieser Mensch hat nicht nur wiedergutgemacht, was Adam und Eva verschuldet hatten, sondern Er hat weitaus mehr als das getan. Er hat nicht nur gezeigt, dass die Schlange gelogen hatte, sondern Er hat es so getan, dass die ganze Schöpfung, die Engel, erstaunt sind über die Offenbarung Gottes Selbst. Gott war, bevor der Herr Jesus auf Erden war, nie wirklich offenbart worden (Johannes 1,18). Mit Ehrfurcht gesagt: Der Herr Jesus hat die Sünde als Anlass genommen, um Gott mehr zu verherrlichen, als Er je verherrlicht worden ist und jemals hätte verherrlicht werden können, wenn die Sünde nicht gekommen wäre. Gerade dieses Schreckliche, was der Mensch getan hatte, und was Gott so entehrt hatte, die Sünde, war der Anlass dafür, dass Gott verherrlicht wurde, und zwar mehr, als Er jemals verherrlicht worden war, sodass Gott am Ende durch einen Menschen mehr verherrlicht ist, als Er jemals durch einen Menschen entehrt wurde, und Gott, die Gerechtigkeit Gottes – mit Ehrfurcht gesagt – ein Schuldner geworden ist gegenüber den Menschen. Er ist nicht länger ein Gott, der fordern muss, dass der Mensch, der Ihn so beleidigt hat, gerichtet wird, sondern ein Gott, dessen Gerechtigkeit fordert, dass der Mensch Vergebung empfangen kann; denn ein Mensch hat Ihn (Gott) verherrlicht.

Die Grundlage dafür sehen wir hier. Das Blut wurde auf den Sühnungsdeckel gesprengt. Wir wissen, dass der Sühnungsdeckel der Deckel der Bundeslade ist, in der die Tafeln des Gesetzes waren; und darüber waren die Cherubim; dort war der Thron Gottes. Die Cherubim sind im Alten Testament die Ausführer der Gerichte Gottes. Sie blickten auf das Gesetz, die heiligen Anforderungen Gottes an den Menschen auf Erden; und wo sie sahen, dass diese heiligen Forderungen niemals durch einen Menschen verwirklicht wurden, konnten sie nur Gericht fordern. Der Thron war ein Thron des Gerichts. Dahin wurde das Blut gebracht, und das Blut sagte den Cherubim: Das Gericht ist ausgeübt worden. Der Lohn der Sünde ist der Tod. Aber Blut spricht davon, dass ein Leben gegeben worden ist. In Kapitel 17,11 finden wir, dass in dem Blut die Versöhnung ist. Das Leben ist in dem Blut, sodass das Blut den Cherubim sagt, dass Leben gegeben und die Gerechtigkeit Gottes befriedigt ist. Aber zweitens spricht das Blut von dieser Person, diesem wunderbaren Menschen, der in Seinem Tod Gott verherrlicht hat, so wie Gott nie verherrlicht worden ist, sodass, wenn die Cherubim auf die Bundeslade sehen, sie nicht mehr die Forderungen des Gesetzes sehen, sondern das Blut, das von dem spricht, wodurch Gott verherrlicht worden ist, und zwar durch einen Menschen.

Die Cherubim, die Werkzeuge der Gerechtigkeit Gottes sind, können jetzt nur sagen: Der Mensch kann etwas empfangen. Gott kann den Menschen segnen; denn Er ist durch diesen Menschen verherrlicht worden. Und wie könnte der gerechte Gott versäumen, auf Seine Verherrlichung zu antworten? Da haben wir die Grundlage von Johannes 3,16, von 2. Korinther 5,18–21 und auch von 1. Timotheus 2,3–7.

Da ist ein Gott, der will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, ein Gott, der durch das Werk des Herrn Jesus verherrlicht worden ist. Der Herr Jesus klagt in den Psalmen: „Was ich nicht geraubt habe, muss ich dann erstatten“. Und Er hat es wiedererstattet, sodass Gott jetzt frei allen Menschen auf Erden sagen kann: Ich will Gnade beweisen, ich will euch zu mir bringen, ich will euch segnen.

Ja, dafür muss bei den Menschen auch etwas geschehen, und das sehen wir in dem zweiten Bock. Aber was das Evangelium betrifft, so sehen wir hier die Grundlage. Gott kann jetzt in gerechter Weise jedem Menschen Gnade anbieten, sodass es wahr ist, was in 1. Johannes 1,9 steht: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“. Mit anderen Worten, wenn ein Sünder mit dem Herrn Jesus zu Gott kommen würde und Gott würde ihn abweisen, dann wäre Gott ungerecht. Gott ist nur gerecht, wenn Er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit, weil der Mensch Christus Jesus Ihn verherrlicht hat, wie der Herr Selbst in Johannes 13,31 sagt: „jetzt ist der Sohn des Menschen verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm… wird auch Gott ihn verherrlichen… und sogleich wird er ihn verherrlichen.“, und wie Er in Johannes 17 sagt: „Ich habe dich verherrlicht auf der Erde;… Und nun verherrliche du, Vater, mich … mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war“. Gott hat das nicht abgeschlagen, denn Gott ist gerecht. Aber glauben Sie denn, als der Herr Jesus damals mit mir zu Gott kam und sagte: „Dieser soll Teil an meiner Herrlichkeit haben“, dass Gottes Gerechtigkeit sagte: Das geht nicht!? Nein, Gottes Gerechtigkeit sagt: Darauf hat Er ein Recht. Da haben wir die Grundlage des Evangeliums.

So sehen wir, was das Evangelium in Wirklichkeit ist. Das Evangelium bedeutet, dass Gott jetzt durch Seine Boten jedem Menschen auf Erden Gnade anbietet, dass Er Seine Boten aussendet zu dem verlorensten Sünder und ihn bittet: Komm, lass dich mit mir versöhnen!

Natürlich, dann muss mit ihm etwas geschehen. Das ist die zweite Sache. Ein Mensch kann nicht so, wie er ist, in die Gegenwart Gottes kommen. Gott ist Licht, und in Ihm ist gar keine Finsternis. Kann ein Mensch, der Finsternis ist – das sagt der Epheserbrief von den Ungläubigen – in der Gegenwart Gottes sein, der Licht ist und in welchem gar keine Finsternis ist? Kann ein Mensch, der Finsternis ist, im Licht glücklich sein? Könnte ein Mensch, der nur die sündige Natur hat, die nichts anderes als nur sündigen kann und sündigen will, die Gott hasst und nur ihren eigenen Willen tun will, könnte so ein nicht wiedergeborener Mensch, einer, der also noch keine neue Natur hat, überhaupt jemals im Himmel glücklich sein, an einem Ort, wo keine Sünde ist, wo er niemals tun könnte, was er zu tun liebt, wo nichts zu finden ist, was er liebt? Denn da spricht alles von der Herrlichkeit Gottes, da ist alles in Übereinstimmung mit Gott, mit dem Gott, den er hasst. Nein, es wäre unmöglich. Da sehen wir, dass auch bei den Menschen etwas geschehen muss, abgesehen davon, dass die Gerechtigkeit Gottes fordert, dass der einzelne Mensch persönlich gereinigt und freigemacht wird von dem Gericht.

Aber das ist jetzt nicht unser Thema. Lasst uns noch kurz zu dem ersten Teil des Kapitels kommen. Wir haben gelesen, dass Aaron auf diese Weise ins Heiligtum hineingehen soll: „Er soll einen heiligen Leibrock aus Leinen anziehen, und Beinkleider aus Leinen sollen auf seinem Fleisch sein, und mit einem Gürtel aus Leinen soll er sich umgürten und sich einen Kopfbund aus Leinen umbinden: Das sind heilige Kleider; und er soll sein Fleisch im Wasser baden und sie anziehen“. Das ist auch sehr wichtig in Verbindung mit unserem Thema. Wir haben gestern gesehen, dass nicht nur das Opfer ein Bild des Herrn Jesus ist, sondern auch der Altar, auf dem das Opfer gebracht wird, und zwar nicht nur ein unwichtiges Bild, sondern eine sehr wichtige Sache; denn der Herr Jesus Selbst sagt in Matthäus 23,18–19, dass die Gabe geheiligt wird durch den Altar und dass der Altar selbst also wichtiger ist als das Opfer. Obwohl beides von dem Herrn Jesus redet, betrifft dies natürlich nicht den Wert Seiner Person, sondern das, was darin ausgedrückt wird von der Person und dem Werk des Herrn Jesus.

Aber hier sehen wir, dass der Herr Jesus nicht nur das Opfer und der Altar ist, sondern dass Er auch der Priester ist, der das Werk tut, das Opfer schlachtet und das Blut hineinträgt – in Verbindung mit dem, was wir in Hebräer 9 haben (es ist wohl ein anderer Gedanke, aber doch derselbe Grundsatz), dass Er durch den ewigen Geist Sich Selbst ohne Flecken Gott geopfert hat. Das ist eine wunderbare Tatsache. In 1. Mose fanden wir immer nur den Opfernden, hier aber haben wir den Priester. In 1. Mose 8 fanden wir, dass das Brandopfer mit dem Altar verbunden war und dass der Altar das Opfer heiligte. Der Herr Jesus ist der Altar, und Seine praktische Gerechtigkeit machte das Werk auf dem Kreuz so kostbar. Aber wenn es um ein wahres Sündopfer geht, finden wir keinen Altar. Unter dem Ausdruck „ein wahres Sündopfer“ verstehe ich ein Sündopfer, dessen Blut ins Heiligtum gebracht worden ist. Ein wahres Sündopfer spricht vom Gericht Gottes über unsere Sünden und unsere Sünde, und das kann nicht mit einem Altar verbunden werden. Die Sünde ist abscheulich für Gott und Er findet in Verbindung mit ihr nichts, das wohlgefällig wäre. Darum finden wir beim Sündopfer keinen Altar, sondern einen Priester, ein anderes Bild vom Herrn Jesus. Wir sehen, dass in dem Werk des Herrn Jesus alle Dinge vollkommen sind und dass alles mitwirkte, um dieses Opfer so wunderbar herrlich für Gott zu machen. Er war eine wunderbare Person, und Er trug meine Sünde im Gericht. Er vollbrachte das Werk vollkommen, aber Er Selbst war so kostbar, und Er hat Sich Selbst geopfert – nicht nur, dass Gott Ihn hingab, sondern Er hat Sich freiwillig geopfert, so wie Er in Johannes 10 sagt: „Niemand nimmt es (mein Leben) von mir, sondern ich lasse es von mir selbst. Ich habe Gewalt, es zu lassen, und habe Gewalt, es wiederzunehmen“. So sehen wir es hier im Bild von Aaron als Priester.

In Verbindung damit eine Frage, die oft im Herzen von jungen und vielleicht auch älteren Gläubigen aufkommt. Im Hebräerbrief wird gesagt, dass der Herr Jesus erst im Himmel Priester geworden ist. Als Er zum Himmel auffuhr, sagte Gott zu Ihm: „Du bist Priester … nach der Ordnung Melchisedeks“ (Heb 7,17). So findet die Priesterschaft des Herrn Jesus und die Ausübung der Priesterschaft erst statt, nachdem der Herr im Himmel ist.

Aber in Hebräer 2,17 haben wir eine besondere Stelle. Da wird gesagt, dass der Herr Jesus ein barmherziger und treuer Hoherpriester sein musste, um die Sünden des Volkes zu sühnen. Da sehen wir also eine Ausnahme von der normalen Priesterschaft, die der Herr Jesus jetzt ausübt, nachdem Er im Himmel ist, und das ist das, was wir hier haben. Und darum finden wir hier auch, dass Aaron nicht Seine normale Kleidung als Priester trägt, die wir in 2. Mose 28 und in 3. Mose 8 finden. Hier trägt der Hohepriester besondere Kleidung, die nur an diesem Tag getragen werden durfte, aber die von dem spricht, was der Herr Jesus in Sich Selbst war. Wir haben es hier: einen heiligen Leibrock aus Leinen, und Offenbarung 19 sagt uns, dass das Leinen ein Bild von gerechten Taten ist, sodass dieses hier von dem spricht, was der Herr Jesus in Seinem Leben auf Erden war, dass Er vollkommen gerecht war, dass alle Seine Taten, Seine Worte und Gedanken gerecht waren vor Gott, da sie vollkommen in Gehorsam und Abhängigkeit von Ihm waren. Und überdies musste Aaron sein Fleisch im Wasser baden. Wasser spricht vom Wort Gottes in seiner reinigenden Kraft. Um ein wahres Vorbild auf den Herrn Jesus zu sein, musste er von jeder Besudelung gereinigt werden. Bei der Betrachtung von 3. Mose 1,9 hoffe ich, hierauf zurückkommen zu können.

Nun sehen wir da das Werk des Herrn Jesus. Er ist das Opfer, ein vollkommenes Opfer. Und das wird dargebracht von einem Priester, der in seiner ganzen Offenbarung gerecht war. Wir wissen, dass in den Bildern der Schrift die Kleider von dem sprechen, was wir offenbaren, von unserer Lebenshaltung, unseren Taten, unseren Worten, unserem Auftreten, wie das Sprichwort sagt: Kleider machen Leute. Und es ist wahr: Der Mensch, der mich sieht, sieht meine Kleider, und so sprechen in den Bildern der Schrift die Kleider von unserer äußeren Verhaltensweise. Nun, so war der, der das Opfer Selbst brachte, der Herr Jesus, in Seiner ganzen Offenbarung hier auf Erden in vollkommener Übereinstimmung mit der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes, sodass, von welcher Seite wir auch das Werk des Herrn Jesus auf Golgatha betrachten, alles vollkommen war, alles nur zur Befriedigung des Herzens Gottes sein konnte, alles auf das Herz Gottes nur den Eindruck von Vollkommenheit machte. Und das alles zusammen machte den Wert des Opfers für Gott aus, aufgrund dessen Er jetzt Seine Gnade ausströmen und sie allen verkündigen lassen kann.

Welch eine wunderbare Tatsache! Der große, allmächtige Gott, der von dem Menschen so beleidigt worden ist und täglich von ihm beleidigt wird, der täglich durch Menschen gelästert wird, bittet sie: Kommt, lasst euch mit mir versöhnen! Er sagt nicht: Nun, wenn ihr errettet werden wollt, dann könnt ihr zu mir kommen, und wenn ihr lange genug gefleht habt, dann will ich vielleicht wohl gnädig sein. – Ein Evangelist sagte das einmal vor Jahren zu meiner Schwester; sie war in Sündennot, und sie sprach mit einem Evangelisten, der ihr sagte: Bete viel zu Gott, dann wirst du wohl Vergebung empfangen. – Aber so sagt das Evangelium nicht. Das Evangelium sagt, dass Gott den Sünder liebt, ihn „bittet“, zu Ihm zu kommen, damit Er ihn retten kann und ihm vergeben und seine Gesinnung, seine feindliche Gesinnung gegen Ihn ändern kann. Lass dich mit mir versöhnen! Ist das nicht eine wunderbare Tatsache? Nun, das ist das Werk, woran wir als Kinder Gottes teilhaben. Die Grundlage ist das Werk, das der Herr Jesus tat, der Sohn Gottes, der mich geliebt hat, als Er Sich Selbst für mich hingab. Macht das unsere Herzen nicht warm?

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