1 Timotheus 2 - eine Vers-für-Vers-Auslegung

Vers 11

„Eine Frau lerne in der Stille in aller Unterwürfigkeit“. (Vers 11)

In der Stille

Eine Frau, die sich den vorangehenden Versen entsprechend schmückt, entspricht den Gedanken Gottes für sein Haus. Eine solche Frau wird nicht den Wunsch haben, im Vordergrund zu stehen und die Blicke anderer auf sich zu ziehen, sondern sie wird sich unaufdringlich verhalten und im Hintergrund bleiben. Ein schönes Beispiel finden wir bei Rebekka. Sobald sie Isaak sah, verschleierte sie sich. Sie entzog sich dem Zugriff anderer. Jemand hat einmal gesagt: „Je mehr sich eine Schwester verbirgt, umso schöner ist sie“. Die Gedanken Gottes darüber haben sich bis heute nicht verändert, auch wenn die Welt um uns herum etwas völlig anderes lehrt und praktiziert.

Es gibt Ausleger, die diese Anweisung nur auf die Zusammenkünfte der Gläubigen beziehen. In der Tat äußert Paulus in 1. Korinther 14,34-35 ähnliche Gedanken und bezieht sie dort auf die Zusammenkünfte als Versammlung. Hier geht es jedoch weiter und ist allgemeiner ausgedrückt. Es geht um das Verhalten in der Öffentlichkeit.

Die Aussage in Vers 11 beginnt mit der Stille und sie endet in Vers 12 mit der Stille. Die Belehrung über das Verhalten der Frau wird sozusagen von der Zurückgezogenheit eingerahmt. Es ist die Annahme des Bereiches, den Gott einer Frau gegeben hat. Dazwischen haben wir eine positive und eine negative Aussage.

Das Leben in der Stille ist im Übrigen etwas, das nicht nur die Frauen betrifft, Stellen wie 1. Thessalonicher 4,11 und 2. Thessalonicher 3,12 machen klar, dass auch die Männer zu einem Leben in der Stille aufgefordert werden. Wir sollen sowohl still sein als auch in der Stille arbeiten. Ein nach außen hin auffallendes Leben ist nicht das Leben eines wahren Christen.

Lernen ist ein Prozess

Die Frau soll lernen. „Lernen“ bedeutet so viel wie ein Schüler oder ein Jünger zu sein. Das Wort ist tatsächlich mit dem für „Jünger“ gebrauchten Wort verwandt. Es geht darum, dass eine Frau aufmerksam darauf achtet, was gesagt wird. Das Wort Gottes soll aufgenommen werden und Frucht im Leben zeigen, so dass wir unserem Herrn besser nachfolgen können. Die gebrauchte Zeitform macht darüber hinaus klar, dass das Lernen ein dauerhafter Prozess ist. Es ist etwas, das immer wieder getan werden muss. Solange wir auf dieser Erde leben, bleiben wir - ob Frau oder Mann - Lernende. Die Schule Gottes verlassen wir erst, wenn wir diese Erde verlassen.

Unterordnung

Unterordnung bedeutet, sich unter etwas einzuordnen. Das fällt uns allen schwer. Deshalb gilt die Aufforderung zur Unterordnung im Neuen Testament nicht nur der Frau, sondern auch dem Mann. Römer 13,1 erinnert uns alle daran, der Obrigkeit untergeordnet zu sein. In 1. Petrus 5,5 werden die Jüngeren aufgefordert, sich den Älteren unterzuordnen und in Epheser 5,21 wird gesagt, dass wir einander untergeordnet sein sollen. Allerdings wird keiner Gruppe von Gläubigen dieser Hinweis so oft gegeben wie gerade den Frauen (1. Kor 14,34; Eph 5,22; Kol 3,18; Tit 2,5; 1. Pet 3,1.5). Wir erkennen, dass es von Anfang an das Bemühen des Feindes ist, die Frau aus ihrer Stellung der Unterordnung heraus zu bekommen.

Es stellt sich die Frage, wem die Frau untergeordnet ist. In den Bibelstellen, die das Verhältnis von Ehemann und Ehefrau behandeln, ist es eindeutig. Die Frau ist dem Mann untergeordnet. Das bedeutet, dass sie ihn in der Stellung respektiert und anerkennt, die Gott ihm gegeben hat. Es ist sehr gut möglich, dass Paulus hier ebenfalls diesen Gedanken hat und ihn generell in Bezug auf Mann und Frau anwendet. Die Fortsetzung in Vers 12 legt das jedenfalls sehr nahe. Es ist aber auch denkbar, dass Paulus hier von der Unterordnung unter das Wort Gottes spricht. Es wird von „aller“ Unterordnung gesprochen, d.h. es gibt in dieser Unterordnung keine Ausnahme. In jeder Weise sollen wir dem Wort Gottes untergeordnet sein. Das gilt auch für diese Hinweise. Wenn eine Frau die hier gegebenen Anweisungen missachtet, verlässt sie den Platz, den Gott ihr angewiesen hat.

Ein schönes Beispiel für eine Frau, die sich - ohne diesen Vers zu kennen - doch danach verhalten hat, ist Maria von Bethanien. Sie setze sich zu den Füßen Jesu nieder und hörte seinen Worten zu (Lk 10,39). Da haben wir sowohl die Stille als auch die Unterordnung. Ein weiteres Beispiel ist Lydia, deren Herz der Herr auftat, so dass sie auf das achtgab, was Paulus redete (Apg 16,15).

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