1 Timotheus 2 - eine Vers-für-Vers-Auslegung

Vers 7

„... wozu ich bestellt worden bin als Herold und Apostel (ich sage die Wahrheit, ich lüge nicht), ein Lehrer der Nationen, in Glauben und Wahrheit“. (Vers 7)

Paulus – ein Werkzeug in Gottes Hand

„Wozu“ bezieht sich auf das Zeugnis in Vers 6. Paulus war ein ganz besonderes Werkzeug in der Hand Gottes. Er war der Apostel der Nationen. Nachdem er vor den Toren von Damaskus eine persönliche Begegnung mit dem auferstandenen und verherrlichten Herrn im Himmel hatte und ihn im Glauben annahm, wurde Ananias mit den Worten zu ihm geschickt. „Gehe hin; denn dieser ist mir ein auserwähltes Gefäß, meinen Namen zu tragen sowohl vor Nationen als Könige und Söhne Israels“ (Apg 9,15). Paulus hat diesen Auftrag treu ausgeführt. Davon gibt unter anderem dieser Vers Zeugnis.

Paulus wurde „bestellt“. Das bedeutet nicht, dass er in irgendeiner Weise durch eine kirchliche Zeremonie „ordiniert“ wurde. „Ordination“ ist eine Erfindung des religiösen Menschen. Das neue Testament gibt keinen Hinweis in dieser Richtung. Paulus wurde nicht theologisch in der christlichen Wahrheit unterrichtet. Er hat keine menschliche Schule oder Ausbildung durchlaufen, sondern Gott hat sich ihn zubereitet und bestellt. Paulus wurde von Gott selbst in den Dienst gestellt. Das ist bis heute nicht anders.

Herold, Apostel und Lehrer der Nationen

Paulus nennt drei Titel, die seinen Dienst besonders kennzeichneten. Er war ein Herold, ein Apostel und ein Lehrer der Nationen.

  • a) Ein Herold ist jemand, der für einen anderen spricht. Die Betonung liegt auf dem Akt der Predigt und Verkündigung. Politische Obrigkeiten sandten im römischen Reich einen Herold aus, wenn sie ihren Untergebenen etwas mitzuteilen hatten. Ein Herold war ein „Ausrufer“. Kein Herold hätte es gewagt, die Botschaft zu verändern, etwas hinzuzufügen oder etwas wegzunehmen. So hat Paulus in aller Treue das verkündigt, was ihm aufgetragen worden war. Er hat nichts weggelassen. Er hat nicht hinzugefügt. Er hat nichts verändert. Er war zwar mit dem, was er predigte so sehr eins, dass er es mehrfach „mein Evangelium“ nennt (z.B. Röm 2,16; 16,25; 2. Tim 2,8). Dennoch war er sich stets bewusst, dass es das Evangelium Gottes war, d.h. die Botschaft hatte ihren Ursprung in Gott selbst.
  • b) Paulus war nicht nur ein Herold. Er war gleichzeitig ein Apostel. Wörtlich übersetzt bedeutet das, dass er ein „Gesandter“ war. Aber der Hinweis darauf lässt uns besonders an die Autorität denken, in der er die Botschaft verkündigte. Er war ein von Gott berufener Apostel. Das verlieh seinen Worten einen besonderen Nachdruck. Der Zusatz „ich sage die Wahrheit, ich lüge nicht“ unterstreicht diesen Punkt. Es konnte keinen Zweifel daran geben, dass er ein Apostel war. Den Galatern gegenüber unterstreicht er diesen Punkt ebenfalls besonders. Er leitet seinen Brief an sie mit den Worten ein: „Paulus, Apostel, nicht von Menschen, noch durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn aus den Toten auferweckt hat“ (Gal 1,1). Es hat immer Menschen gegeben, die an der Apostelschaft von Paulus gezweifelt haben. Deshalb wird dieser Punkt mehrmals unterstrichen.
  • c) Schließlich nennt Paulus sich einen Lehrer der Nationen. Paulus hatte nicht nur eine Botschaft, die er mit Autorität verkündigte. Er war auch derjenige, der die Heilstatsachen Gottes erklärte und auf die Herzen legte. Dabei war sein Dienst nicht auf die jüdische Nation beschränkt, sondern er war ein Lehrer der Nationen. Das war der Charakter seines Dienstes, der hier besonders unterstrichen wird. Den Römern schreibt er: „Euch aber, den Nationen, sage ich: Insofern ich nun der Apostel der Nationen bin, ehre ich meinen Dienst“ (Röm 11,13).

In Glauben und Wahrheit

Der Zusatz „in Glauben und Wahrheit“ kann unterschiedlich verstanden werden. Es ist möglich, dass Paulus hier an die Sphäre von Glauben und Wahrheit denkt, die im Evangelium offenbar und mitgeteilt wird, d.h. um den Glauben eines Menschen und die Wahrheit über Gott. Im Alten Bund war das anders. Dort war es nicht in „Glauben und Wahrheit“, sondern dort ging es vielmehr um Werke und um gerechte Forderungen Gottes. Es ist ebenfalls denkbar, dass Paulus an die Kennzeichen seines Dienstes denkt. Er lebte in dem, was er anderen vorstellte. Sein Leben war in der Tat ein Glaubensleben und seine Predigt entsprach der göttlichen Wahrheit. Dieser Punkt war Paulus so wichtig, dass er ihn doppelt bestätigt indem er hinzufügt, dass er zum einen nicht lügt, sondern zum anderen die Wahrheit spricht. Der erste Teil der Aussage verneint etwas, der zweite bestätigt etwas.

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