1 Timotheus 2 - eine Vers-für-Vers-Auslegung

Vers 8

„Ich will nun, dass die Männer an jedem Ort beten, indem sie heilige Hände aufheben, ohne Zorn und zweifelnde Überlegung“. (Vers 8)

Ich will nun

Mit diesem Vers bringt Paulus den ersten Teil seiner Unterweisungen in diesem Kapitel zu einem gewissen Abschluss. Gleichzeitig leitet er ein neues Thema ein, indem er Timotheus spezielle Unterweisungen für Männer und für Frauen gibt.

Die Formulierung „ich will nun“ deutet an, das Paulus mit apostolischer Autorität – aber gleichwohl im Auftrag Gottes – spricht. Man könnte alternativ übersetzen: „Ich befehle“. Obwohl er mit Timotheus durch das Band der Liebe und Freundschaft verbunden war, legt er großen Nachdruck auf seine Aussage. Offensichtlich gab es dazu in Ephesus – wo Timotheus sich aufhielt – konkreten Anlass. Timotheus hatte den Auftrag, dafür Sorge zu tragen, dass diese Anweisung umgesetzt wurde.

Paulus gibt in diesem und den folgenden Versen durchaus nicht seine persönliche Ansicht wieder, sondern es geht um Gottes Ansprüche. Diese Ansprüche galten damals und sie gelten heute unverändert. Umso mehr muss man sich wundern, dass diese Aufforderungen heute in weiten Teilen der Christenheit ignoriert werden.

Exkurs: Mann und Frau

Gerade die Anweisungen der Bibel über Mann und Frau sind in den letzten Jahrzehnten heftig attackiert worden. Dabei sind die Belehrungen Gottes klar und verständlich. An mindestens 5 Stellen in den Briefen wird das Thema „Mann und Frau“ aufgegriffen. Dabei geht es an drei Stellen – in Epheser 5, Kolosser 3 und 1. Petrus 3 – speziell um Mann und Frau in der Ehe, während es an den beiden anderen Stellen – in 1. Korinther 11 und 1. Timotheus 2 – um Mann und Frau generell geht. Das müssen wir gut beachten. Unser Abschnitt gilt also nicht speziell für die Ehe, sondern ist allgemeiner gefasst. Ehemänner und Ehefrauen sind selbstverständlich eingeschlossen. Es ist wichtig, dass wir das klar sehen, wenn wir diese Verse untersuchen. Paulus gibt hier Anweisungen über das Verhalten von Männern und Frauen, wenn sie in der Öffentlichkeit zusammen sind.

Die Anweisungen Gottes über Mann und Frau gehen auf die Schöpfungsordnung Gottes zurück. Darauf wird in den angeführten Stellen fast immer Bezug genommen. In dieser Ordnung geht alles von Gott aus. Er hat Mann und Frau geschaffen und gebildet. Deshalb hat er auch das „Verfügungsrecht“. Dabei hat er es in seiner Weisheit so eingerichtet, dass Mann und Frau dem Wesen nach unterschiedlich sind und dass sie ihrem Wesen entsprechend unterschiedliche Aufgaben haben. Der Mann hat die Führungsverantwortung von Gott bekommen. Er ist das „Haupt“. Die Frau hingegen – aus der Seite Adams gebildet – ist das „Herz“. Gott möchte, dass diese Unterschiede sichtbar werden, während der Feind Gottes versucht, sie zu vertuschen. In diesem Spannungsfeld leben wir heute. Dabei ist sehr wichtig zu sehen, dass sich diese Unterschiede erstens auf die natürliche Schöpfung und nicht auf die neue Schöpfung beziehen. Wenn wir unsere Stellung als Geschöpfe betrachten, sind Mann und Frau verschieden. Wenn wir unsere Stellung in Christus betrachten, gibt es diese Unterschiede nicht (vgl. Gal 3,28). Die natürliche Schöpfungsordnung Gottes wird durch die neue Schöpfung in Christus nicht außer Kraft gesetzt. Zweitens müssen wir klar sehen, dass die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau nichts mit der „Wertigkeit“ oder „Würde“ zu tun hat. Ein Unterschied im „Rang“ bedeutet noch lange keinen Unterschied im „Wert“ oder in der „Würde“. Mann und Frau sind absolut gleichwertig, aber sie sind eben nicht gleichartig. Das zu beachten hilft uns, die folgenden Verse besser zu verstehen und vor allen Dingen besser zu akzeptieren.

Das Gebet

Der Vers macht vier Dinge sehr klar. Erstens wird darauf hingewiesen, dass in der Öffentlichkeit gebetet werden soll. Zweitens wird die Frage beantwortet wer öffentlich beten soll. Es sind die Männer – und nicht die Frauen. Drittens wird die Frage beantwortet wo gebetet werden soll, nämlich an jedem Ort. Viertens lernen wir, in welch einer inneren Haltung die Männer beten sollen. Sie sollen heilige Hände aufheben und zwar ohne Zorn und zweifelnde Überlegungen.

Paulus spricht zunächst die Männer an und fordert sie auf, in der Öffentlichkeit zu beten. Im Gebet reden wir zu Gott. Wenn wir sein Wort lesen, redet er zu uns. Beides ist für ein gesundes Glaubensleben wichtig und unerlässlich. Eines der Kennzeichen des Hauses Gottes ist, das dort gebetet wird. Gemeint ist das öffentliche Gebet.

Wenn wir in der Öffentlichkeit zu Gott beten, bedeutet das, dass wir unseren Gebetsgegenstand – sei es Lob, Dank, Anbetung oder Fürbitte – vor Gott bringen. Wir tun das kurz, klar und konkret. Das öffentliche Gebet ist nicht dazu gegeben, dass wir Gott lange Vorträge halten. Gott brauchen wir ohnehin keine Vorträge zu halten. Er weiß es besser als wir. Aber es gilt auch für die Zuhörer. Belehrung finden wir in der Predigt, nicht hingegen im Gebet. Es ist ebenfalls nicht erforderlich, dass wir für unsere Gebete lange Einleitungen oder wohlklingende Schlussformulierungen finden. Wir wollen bedenken, dass wir den als Vater anrufen, der ohne Ansehen der Person richtet (1. Pet 1,17). Das bedeutet, dass es eine Form gibt, die wir bewahren, aber ansonsten bleiben wir in der Öffentlichkeit kurz und präzise. Wir denken an die Anweisungen, die der Herr in der Bergpredigt gibt: „Wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler; denn sie lieben es, in den Synagogen und an den Ecken der Straßen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin“ (Mt 6,5). Wer öffentlich betet, ist „Sprachrohr“ für andere, aber er betet zu Gott und nicht zuerst, um von den andern gehört und gesehen zu werden.

Die Männer

Paulus spricht nun die Männer an. Vor Männer steht der Artikel. Es geht zweifelsfrei nicht mehr – wie vorher – um die „Menschen“, sondern es geht um Männer. Die Männer sollen beten. Im Umkehrschluss bedeutet das eindeutig, dass die Frauen es in der Öffentlichkeit nicht tun soll. Wenn Männer und Frauen in der Öffentlichkeit zusammen sind und ein Gebet gesprochen wird, dann ist es das Privileg – und die Verantwortung – des Mannes, zu beten. Die Freiheit, an jedem Ort öffentlich zu beten, ist den Männern – und nicht den Frauen – gegeben. Die Anweisung ist einfach zu verstehen. Dennoch wird – zum Teil mit fadenscheinigen Erklärungen und Ausreden – immer wieder dagegen verstoßen.

Ganz allgemein ist das Gebet natürlich das Vorrecht aller Kinder Gottes, seien es Männer oder Frauen. Wir finden in der Bibel verschiedene Frauen, die gebetet haben. Wir denken z.B. an die Gebete von Hanna (1. Sam 2) und Maria (Lk 1). Der Inhalt ihrer Gebete zeigt, dass sie geistlich gereift waren. Aber es waren persönliche Gebete und keine öffentlichen Gebete. In der Öffentlichkeit beten die Frauen nicht. Gott hat es so vorgesehen und festgelegt. Wir sahen schon, dass der Betende „Sprachrohr“ für andere ist und damit eine gewisse „Führungsrolle“ übernimmt. Genau deshalb sollen Frauen in Anwesenheit von Männern nicht beten. Die Führung im Gebet hat der Mann und nicht die Frau. Das hat nichts damit zu tun, dass viele Schwestern geistlich reifer sind als Männer, sondern die Anordnung geht auf die Schöpfungsordnung Gottes zurück. „In Christus“ gibt es keine Unterschiede. Da sind Mann und Frau gleich. Aber wenn es um die Stellung in der Schöpfungsordnung und im Haus Gottes geht, dann gibt es Unterschiede und diese Unterschiede möchte Gott sichtbar machen.

Wenn Schwestern in besonderen Fällen – etwa im privaten Bereich oder wenn sie unter sich oder als Mütter mit ihren Kindern zusammen sind – ein Gebet vor anderen sprechen, so fällt dies nicht unter die Anweisung dieses Verses. In einem solchen Fall ist es allerdings Gottes Wille, dass eine Frau ihr Haupt bedeckt. Die Anweisungen in 1. Korinther 11 machen das deutlich.

„Die Männer“ stehen hier also einerseits im Gegensatz zu den Frauen. Andererseits dürfen wir unter „Männern“ hier nicht eine bestimmte Gruppe von Brüdern verstehen, die etwa nach „Alter“ oder „Aufgabe“ oder vermeintlicher „Reife“ von anderen unterschieden sind. Es geht um alle Männer. Zum Gebet ist keine Gabe erforderlich. Jeder Bruder kann in der Öffentlichkeit ein Gebet sprechen. Alle Brüder haben diese Freiheit, selbstverständlich in der richtigen inneren Haltung und unter der Leitung des Heiligen Geistes.

An jedem Ort

Paulus macht nun klar, wo gebetet werden soll. Die Männer sollen an jedem Ort beten. Das zeigt deutlich, dass es um das öffentliche Gebet geht. Es geht um Gelegenheiten, wo Gläubige zusammen sind und ein Gebet gesprochen wird. Wir finden diesen Ausdruck wieder in 1. Korinther 1,2; 2. Korinther 2,14 und 1. Thessalonicher 1,8. Daraus wird deutlich, dass es um öffentliche Orte geht, wo Menschen zusammen kommen. Das kann die örtliche Versammlung sein, es können aber durchaus auch andere Gelegenheiten sein. Wo immer wir zusammenkommen, sei es bei Konferenzen, Bibeltagen, Freizeiten, evangelistischen Veranstaltungen, Jugendstunden, Hauskreisen, Beerdigungen, Hochzeiten, Taufen etc. sollen die Männer beten. Es geht also nicht um irgendwelche heiligen Gebäude oder spezielle Gottesdienst- oder Gebetsorte, sondern darum, dass Gläubige öffentlich zusammen sind und beten.

Dieser Vers beinhaltet gleichzeitig eine generelle Ermunterung zum öffentlichen Gebet. Natürlich kennen wir die Gebetszusammenkunft der örtlichen Versammlung. Aber es wäre viel zu wenig, wenn wir das gemeinsame Gebet darauf beschränken würden. Wenn immer wir als Gläubige zusammenkommen, ist es das Vorrecht der Männer, ein Gebet zu sprechen. Davon sollten wir mehr Gebrauch machen.

Heilige Hände

Paulus macht weiter deutlich, in welch einer Haltung die Männer beten sollen. Sie sollen es tun, indem sie heilige Hände aufheben. Dieser Ausdruck ist im Licht anderer Stellen des Neuen Testamtents kaum wörtlich zu verstehen, sondern hat eine übertragende Bedeutung. In einem ganz anderen Zusammenhang wird z.B. in Hebräer 12,12 ebenfalls im übertragenden Sinn von unseren Händen und unseren Knien gesprochen. Es ist nicht so sehr entscheidend, in welch einer körperlichen Haltung wird beten. Wir können beim Beten knien, wie können stehen, wir können sitzen. Dass wir dabei – auch äußerlich – wo eben möglich eine ehrerbietige Haltung vor Gott einnehmen, sollte selbstverständlich sein. Aber das ist hier nicht der entscheidende Punkt. Das gilt übrigens auch für unser persönliches Gebet. Wenn jemand nachts nicht schlafen kann oder im Krankenhaus liegt, dann mag er im Bett beten. Wenn jemand im Auto oder mit der Bahn unterwegs ist, dann mag er dort beten. Wer einen Spaziergang macht, kann dort genauso mit seinem Vater im Himmel reden, wie an einem anderen Ort.

Gemeint ist in unserem Vers, dass derjenige, der öffentlich betet und damit „Stimme“ anderer ist, nicht in Dinge verwickelt sein darf, die mit dem Bekenntnis seines Glaubens nicht übereinstimmen. Der Betende muss in moralischer Übereinstimmung mit Gott sein. Wir können Gott nur mit reinen Händen nahen. An dieser Stelle steht für „heilig“ nicht das sonst oft gebrauchte Wort, das „abgesondert“ bedeutet. Gemeint sind „barmherzige“ oder „gnädige“ Hände, Hände also, die nicht beschmutzt sind. Die Hände sprechen von den Handlungen und Aktivitäten des Lebens. In ihrem Verhalten sollen die Männer gnädig und barmherzig sein. Wenn wir hingegen Dinge tun, die mit unserem Bekenntnis nicht übereinstimmen, können wir in der Öffentlichkeit nicht beten. Heilige Hände haben wir dann, wenn wir uns gereinigt haben und immer wieder im Selbstgericht vor unserem Gott sind. Wir sind mit dem Gedanken vertraut, dass wir uns im Blick auf das Brotbrechen prüfen und die Dinge bereinigen, die nicht in Ordnung sind. Im Blick auf das öffentliche Gebet gilt das ebenso. 1. Petrus 3,7 macht deutlich, dass Männer z.B. durch Fehlverhalten ihren Ehefrauen gegenüber dazu beitragen, dass ihre (in diesem Fall persönlichen oder ehelichen) Gebete verhindert werden. Wir können also durch falsches Benehmen dazu beitragen, dass unsere Gebete keinen Effekt haben. Deshalb sind heilige Hände erforderlich. Der Psalmdichter schreibt schon: „Wenn ich es in meinem Herzen auf Frevel abgesehen hätte, so würde der Herr nicht gehört haben“ (Ps 66,18).

Ohne Zorn und zweifelnde Überlegungen

Heilige Hände aufzuheben schließt ein, dass wir es ohne Zorn und zweifelnde Überlegungen tun.

Zorn – oder Grimm – beschreibt die innere Leidenschaft, die sich in äußeren Ausbrüchen oder einem leicht erregbaren Temperament ausdrückt. Zorn hat es mit anderen Menschen zu tun. Es geht darum, dass wir etwas ärgerlich auf andere sind. Die Bibel fordert uns mehrfach zur Einmütigkeit aus und legt großen Wert darauf, dass wir nichts gegen einen Bruder oder eine Schwester haben. In einer inneren Haltung des Zorns können wir kein öffentliches Gebet sprechen sondern müssen schweigen. „Ohne Zorn“ schließt ebenfalls ein, dass wir ein öffentliches Gebet niemals dazu missbrauchen, einen Bruder oder eine Schwester anzugreifen oder zu belehren.

Zweifelnde Überlegungen scheinen sich mehr auf Gott zu beziehen. Wir müssen von dem, was wir beten, überzeugt sein. Sind wir es nicht, laufen wir Gefahr, dass sich unsere eigene Unsicherheit auf andere überträgt. Was im öffentlichen Gebet nicht von Klarheit und Sicherheit geprägt ist, sollten wir weglassen. Wir müssen gleichzeitig im festen Vertrauen beten, dass Gott uns hört und erhört. Ein Beispiel für zweifelnde Überlegungen finden wir in Apostelgeschichte 12. Dort hatte die Versammlung für Petrus gebetet. Als der Herr das Gebet erhört hatte und Petrus vor der Tür stand, wollte niemand glauben, dass er es wirklich war.

Der Herr Jesus selbst sagte seinen Jüngern einmal: „Wahrlich, ich sage euch: Wer irgend zu diesem Berg sagen wird: Werde aufgehoben und ins Meer geworfen! – und nicht zweifeln wird in seinem Herzen, sondern glaubt, dass geschieht, was er sagt, – dem wird es werden“ (Mk 11,23). Jakobus schreibt: „Er bitte aber im Glauben, ohne irgend zu zweifeln; denn der Zweifelnde gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird. Denn jener Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen wird; er ist ein wankelmütiger  Mann, unstet in allen seinen Wegen“ (Jak 1,6–8).

Zusammenfassend können wir sagen, dass die Gebetshaltung der Männer bei einem öffentlichen Gebet durch folgende Punkte gekennzeichnet sein soll:

  • sich selbst gegenüber sollen es heilige Hände sein
  • anderen Menschen gegenüber soll es in Liebe und in Frieden sein
  • Gott gegenüber soll es im vollen Vertrauen sein.
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