1 Timotheus 2 - eine Vers-für-Vers-Auslegung

Vers 9

„Desgleichen auch, dass die Frauen in bescheidenem Äußeren mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit sich schmücken, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung,...“ (Vers 9)

Desgleichen auch, dass die Frauen

Das den Vers einleitende Wort „desgleichen“ (oder „in gleicher Weise) hat Anlass zu unterschiedlichen Auslegungen gegeben, die teilweise durch ungenaue Bibelübersetzungen hervorgerufen worden sind. Paulus will durchaus nicht sagen, dass die Frauen genauso wie die Männer öffentlich beten sollen. Das würde im Widerspruch zu anderen Aussagen des Neuen Testamentes stehen. „Desgleichen“ bezieht sich grammatikalisch eindeutig auf den Willen von Paulus, den er in Vers 8 erwähnt. Wir könnten auch lesen: „Desgleichen will ich auch …“ Genauso wie Paulus wollte, dass die Männer an allen Orten beteten, genauso weist er hier die Schwestern an, sich in bescheidenen Äußeren zu schmücken. Die hier folgenden Anweisungen werden also unter dem besonderen Hinweis auf die apostolische Autorität des Paulus gegeben – unter der Leitung des Heiligen Geistes. Es sind biblische Aussagen, die eine zeitlose Gültigkeit haben, und damit auch für uns maßgeblich sind. Es geht nicht einfach um eine Meinung, die Paulus hatte oder um einen Rat, den er geben wollte, sondern um eine göttlich inspirierte Anweisung. Dies ist um so mehr zu beachten, weil das, was wir jetzt lesen, im totalen Gegensatz zu der gängigen Meinung in dieser Welt – die christliche Welt eingeschlossen – steht. Selbst viele Kinder Gottes halten diese Hinweise nicht mehr für verbindlich. Sie sind aber, wie jeder andere Abschnitt der Bibel – Gottes Wort. Dieses Wort behält seine Gültigkeit.

Es liegt in der Natur vieler Frauen, dass sie sich gerne schmücken. Das war schon im Alten Testament so. Das war zur Zeit von Paulus und Timotheus so und das ist heute nicht anders. Gegen den Schmuck an und für sich ist nichts zu sagen. Ganz im Gegenteil. Frauen sollen sich schmücken. Die Frage ist nur, womit christliche Frauen sich schmücken sollen. Insofern ist dieser Vers durchaus positiv zu verstehen.

Ein bescheidenes Äußeres

Wenn wir die Belehrung dieses Verses zusammenfassen, dann erkennen wir, dass es um Schlichtheit und um Anstand geht. Die Frau soll durch ihr Äußeres nicht auffallen, sondern das Äußere der Frau soll mit ihrem christlichen Bekenntnis und ihrem Zeugnis übereinstimmen. Das Äußere der Frau – wie es unter anderem in ihrer Kleidung und ihrem Schmuck ausgedrückt wird – ist keineswegs gleichgültig. Oft wird gesagt, dass es Gott doch auf unser Herz ankommt und dass das Äußere nicht so eine große Rolle spielt. Die erste Aussage stimmt. Es kommt unbedingt auf unser Herz an. Aber die zweite Aussage ist nicht richtig. Es kommt ebenfalls auf unser Äußeres an. Das Äußere ist oft ein Spiegel des Inneren. Wenn es im Inneren stimmt, dann wird das nach außen hin sichtbar werden. Wir müssen ein klares Bewusstsein von der Gegenwart Gottes in seinem Haus haben, dem nichts entgeht. Gott sieht das Herz und sucht die Aufrichtigkeit des Herzens. Gott sieht ebenfalls unser äußeres Verhalten, dass mit dem Inneren in Übereinstimmung sein soll.

Dabei wollen wir noch einmal betonen, dass es hier um das Haus Gottes geht. Diese Anweisung betrifft nicht nur unsere Zusammenkünfte (sie sind eingeschlossen), sondern das gesamte öffentliche Leben einer christlichen Frau. Es wäre verkehrt, wenn Schwestern eine „Sonntagsgarderobe“ und eine ganz andere „Alltagsgarderobe“ hätten. Das wäre Heuchelei und ist ganz bestimmt nicht nach Gottes Gedanken. Die Darstellung dessen, was Haus Gottes ist und die damit verbundene Ordnung werden stark davon beeinflusst, wie sich die Frauen äußerlich geben. Einen parallelen Gedanken äußert Paulus in Titus 2,10. Dort werden die christlichen Sklaven aufgefordert durch ihr Verhalten die Lehre, die unseres Heiland-Gottes ist zu zieren.

Das „Äußere“ (oder das Auftreten) meint hier die äußere Darstellung einer Frau. Diese äußere Darstellung einer Person drückt häufig etwas von dem Charakter dessen aus, der sie trägt. Durch sein Äußeres (Kleidung, Haartracht, Schmuck, Make-up, Art zu reden, Reaktionen auf unterschiedliche Einflüsse) zeigt man anderen etwas davon, was man ist und was man darstellen möchte.

Schmücken hat den Grundgedanken von „anordnen“, „zusammenstellen“ oder „fertig machen“. Das Gegenstück zu diesem Wort ist das Wort „Chaos“, also Durcheinander und Unordnung. Aus dem griechischen Wort ist das deutsche Wort „Kosmetik“ abgeleitet. Interessanterweise ist das Wort „bescheiden“ damit nahe verwandt. Bescheiden ist „anständig“, „ehrbar“ und „sittsam“. Christliche Frauen sollen sich ordentlich oder mit „gutem Geschmack“ kleiden und darstellen. Sehr krass drückt es Salomo in den Sprüchen aus: „Ein goldener Ring in der Nase eines Schweins, so ist eine schöne Frau ohne Anstand“ (Spr 11,22).

Schamhaftigkeit und Sittsamkeit

Das bescheidene Äußere zeigt sich positiv in Schamhaftigkeit und Sittsamkeit. Das sind Werte, über die viele Menschen in dieser Welt nur noch geringschätzig denken. Vor Gott sind es dennoch Werte, nach denen wir streben sollten. „Schamhaftigkeit“ ist die moralische Abscheu vor allem, was sich nicht gehört. Es ist demütige Bescheidenheit. Eine christliche Frau wird alles tun, um die Grenzen der fraulichen Zurückhaltung nicht zu verlassen. „Sittsamkeit“ ist das gesunde Urteilsvermögen oder die Selbstbeherrschung, die Gott uns gegeben hat. An anderen Stellen wird das Wort mit Besonnenheit übersetzt. Unter der Leitung des Heiligen Geistes wird eine Frau im Licht des Wortes Gottes erkennen, was Gott von ihr möchte. „Sittsamkeit“ hat es aber auch mit „Anstand“ und „Schamgefühl“ zu tun. Eine christliche Frau wird alles tun, um durch ihr Äußeres die sexuelle Lust der Männer nicht anzuregen. Dass ein solches Auftreten in einer Zeit, in der die Medien gerade zum Gegenteil auffordern und der Zeitgeist ein völlig anderer ist, einen Gegenpol zu der gängigen Meinung in dieser Welt setzt, dürfte klar sein.

Allerdings wollen wir auch das Gegenteil bedenken. Eine Frau kann ebenso in negativer Weise die Aufmerksamkeit anderer auf sich ziehen, indem sie sich bewusst unmodisch oder schluderig und nachlässig kleidet. Das ist sicher ebenfalls nicht nach Gottes Gedanken. Es geht darum, dass eine Frau bescheiden und anständig auftritt und nicht nach der einen oder anderen Seite unnötig auffällt. Das macht die Würde einer Frau aus. Von der tüchtigen Frau in Sprüche 31 heißt es: „Byssus und Purpur sind ihr Gewand“. Ein würdiges äußeres Erscheinungsbild ist der Spiegel eines würdigen Inneren.

Dann erwähnt Paulus negative Dinge, die nicht zu dem bescheidenen und anständigen Auftreten passen. Sie wurden in der damaligen griechischen und römischen Kultur gepflegt und sind bis heute – vielleicht in etwas abgewandelter Form – immer noch aktuell.

  • Haarflechten: Gemeint sind komplizierte Frisuren, die durch das kunstvolle Flechten und Knüpfen der Haare erstellt wurden. Es waren prunkvolle „Gebilde“, die man durchaus nicht als schlicht bezeichnen konnte. Ganz sicher nicht gemeint ist eine einfach geflochtene Frisur.
  • Gold und Perlen: Es handelt sich um kostbaren Schmuck, der entweder separat getragen wurde oder häufig auch in die Haarflechten eingewoben wurde.
  • Kostbare Kleidung oder Schmuck ist das, was eine Frau trug, um nach außen etwas darzustellen und aufzufallen. Kleidung und Schmuck war damals wie heute häufig ein Mittel, um Reichtum zur Schau zu stellen und die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Petrus spricht dieses Thema ebenfalls an. Er schreibt: „ … deren Schmuck nicht der äußere sei durch Flechten der Haare und Umhängen von Gold oder Anziehen von Kleidern, sondern der verborgene Mensch des Herzens in dem unverweslichen Schmuck des sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr köstlich ist. Denn so schmückten sich einst auch die heiligen Frauen, die ihre Hoffnung auf Gott setzten“ (1. Pet 3,3–5). Wir erkennen hier, dass es Petrus offensichtlich nicht in erster Linie darum geht, dass die Frau das Haar frei wachsend (d.h. ohne Frisur) trägt oder dass sie völlig auf jeglichen Schmuck oder gar auf das Anziehen von Kleidern verzichtet. Wir lernen aus anderen Stellen, dass das Haar der Frau lang ein soll (1. Kor 11,15). Gegen offen getragenes Haar ist nichts einzuwenden und wer ganz auf Schmuck verzichtet, macht nichts verkehrt. Allerdings wird keine Frau auf das Anziehen von Kleidern verzichten können. Worum es geht ist vielmehr, dass eine christliche Frau nicht durch ihr Äußeres auffallen wird, sondern durch innere Wesenzüge, die vor Gott kostbar sind. Diesen Punkt greift Paulus im nächsten Vers unseres Kapitels ebenfalls auf.

Das Äußere einer Frau soll nicht das Aufsehen der Menschen – und schon gar nicht die der Männer – auf sich ziehen, sondern das Interesse Gottes. Gott möchte seine Freude daran haben. Das Äußere der Frau soll mit ihrer Stellung vor Gott übereinstimmen. Christlicher Schmuck dient zur Ehre und Freude Gottes. Irdischer Schmuck macht vor Menschen attraktiv.

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