Der zweite Brief an die Korinther

Kapitel 5

Der zweite Brief an die Korinther

Einführung

Im letzten Kapitel haben wir gelernt, dass der Apostel trotz der vielen Übungen, die er zu durchleiden hatte, nicht ermattete, weil er über die zeitlichen, sichtbaren Dinge hinaus zu den unsichtbaren, ewigen Dingen sah. Im fünften Kapitel geht es nun um das Vorrecht, etwas von dem Segen dieser ewigen Dinge sehen zu können. Wir schauen in die Himmel, wo wir erkennen können, dass

  • jeden Erlösten ein Leib der Herrlichkeit erwartet (Vers 1).
  • wir bei dem Herrn sein werden (Vers 8).
  • wir Teil haben an der neuen Schöpfung, in der „das Alte vergangen“ und „Neues geworden“ ist (Vers 17).

Vom sterblichen Leib zum Leib der Herrlichkeit

„Denn wir wissen, dass, wenn unser irdisches Haus, die Hütte, zerstört wird, wir einen Bau von Gott haben, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, ein ewiges, in den Himmeln. Denn in diesem freilich seufzen wir und sehnen uns, mit unserer Behausung, die aus dem Himmel ist, überkleidet zu werden; sofern wir allerdings, wenn wir auch bekleidet sind, nicht für nackt befunden werden. Denn wir freilich, die in der Hütte sind, seufzen beschwert, weil wir nicht entkleidet, sondern überkleidet werden möchten, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben“ (Verse 1–4).

Der Apostel benutzt das Bild eines Hauses, um die sterblichen Körper des Menschen mit den Körpern der Herrlichkeit zu vergleichen, die für uns bereitet worden sind. Unsere gegenwärtige „Hütte“ ist irdisch, vom Menschen, zeitlich und sterblich. Unser Körper der Herrlichkeit ist „in den Himmeln“, „von Gott“, ewig und unsterblich. Mit dem Vertrauen des Glaubens kann der Gläubige ohne einen Hauch von Unsicherheit sagen: „Wir wissen“. Er kennt das gesegnete Teil, das uns erwartet, wenn wir von diesen sterblichen Körpern befreit werden. Angesichts dieser Sicherheit kann der Apostel zweimal sagen: „Wir seufzen.“ Wir schauen auf die Herrlichkeit des neuen Körpers und seufzen mit dem tiefen Wunsch, mit diesem Herrlichkeitsleib bekleidet zu werden. Wir spüren die Lasten, die auf den sterblichen Körper drücken und seufzen sehnsüchtig, diesen ausziehen zu können. Als der Herr Jesus hier auf der Erde lebte, seufzte Er, als Er die Leiden fühlte, die auf die Seinen kommen würden, während sie mit ihren sterblichen Körpern bekleidet sein würden (Joh 11,33.38). Gott erlaubt das Seufzen, nicht jedoch ein Murren.

Wenn wir dann mit dem herrlichen Leib bekleidet sein werden, werden wir nicht nackt erfunden, wie es Adam ging, als er in Sünde fiel und dem Gericht ausgeliefert war. Der Apostel wünscht sich auch nicht den Tod herbei. Er wünscht nicht, einfach entkleidet zu werden und dadurch den derzeitigen Übungen zu entkommen, so gesegnet die Zukunft auch ist. Er sehnt sich nach dem vollen Segen, den neuen Leib zu tragen. Er streckt sich nach der Entrückung aus, wenn die Körper der lebenden Erlösten in Körper der Herrlichkeit verwandelt werden, ohne dass sie durch den Tod gehen müssen. Denn der Apostel spricht hier nicht davon, dass Verwesliches Unverweslichkeit anziehen muss (vgl. 1. Kor 15,52.53), sondern dass der sterbliche Körper Unsterblichkeit anziehen wird und so „vom Leben verschlungen“ wird.

„Der uns aber eben dafür zubereitet hat, ist Gott, der uns das Unterpfand des Geistes gegeben hat“ (Vers 5).

Dieses gesegnete Teil des Gläubigen ist vollständig auf ein Werk Gottes zurückzuführen. Er hat uns zubereitet für den Körper der neuen Schöpfung. Damit wir schon jetzt in den zukünftigen Segen eingehen können, hat Er uns das Unterpfand des Geistes gegeben.

„So sind wir nun allezeit guten Mutes und wissen, dass wir, während wir einheimisch in dem Leib sind, von dem Herrn ausheimisch sind (denn wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen); wir sind aber guten Mutes und möchten lieber ausheimisch von dem Leib und einheimisch bei dem Herrn sein“ (Verse 6–8).

Mit dieser herrlichen Perspektive, die uns das Unterpfand des Geistes schenkt, sind wir „allezeit guten Mutes“. So lange wir noch in unserem Körper leben und damit ausheimisch vom Herrn sind, sind wir guten Mutes, denn wir leben durch Glauben und nicht durch Schauen. Auch wenn wir durch den Tod gehen müssen, bevor der Herr wiederkommt, „sind wir guten Mutes“, denn es ist mit Segen für uns verbunden, „einheimisch beim Herrn“ zu sein.

„Deshalb beeifern wir uns auch, ob einheimisch oder ausheimisch, ihm wohlgefällig zu sein“ (Vers 9).

Dass wir schon heute in den Segen der vor uns liegenden Herrlichkeit eingehen können, führt praktischerweise dazu, dass wir uns beeifern, Gott wohlgefällig zu sein in unserem Lebenswandel und auf unseren Wegen. Das gilt nicht nur für die Zukunft, sondern auch schon in der heutigen Zeit, in der wir „ausheimisch von dem Herrn“ sind. Wir können manchmal sehr eifrig sein, in einer Weise zu leben, die uns selbst gefällt oder für andere angenehm ist. Wir tun aber gut daran, uns selbst zu fragen, ob wir in allen unseren Gedanken und Worten, in unserem Lebenswandel und auf unseren Wegen eifrig darin sind, Gott wohlgefällig zu sein.

Der Richterstuhl des Christus

„Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden, damit jeder empfange, was er in dem Leib getan hat, nach dem er gehandelt hat, es sei Gutes oder Böses“ (Vers 10).

Die Erwähnung unseres Lebenswandels führt den Apostel dazu, von unserer Verantwortung zu sprechen, auch davon, was wir im Gegensatz zu dem getan haben, was Gott in seiner Souveränität für uns bereitet hat. Daher spricht Paulus vom Richterstuhl des Christus, der am Ende des Lebensweges steht, den wir in Verantwortung vor Gott gehen. Er sagt: „Wir müssen alle vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden.“ Der Zusammenhang scheint anzudeuten, dass diese Aussage allgemeiner Natur ist, so dass sie sowohl Gläubige als auch Ungläubige einbezieht.

Da auch von Gläubigen gesprochen wird, sagt Paulus nicht: „Wir müssen alle gerichtet werden“, sondern „wir müssen alle … offenbar werden“. Aus demselben Grund scheint Paulus nicht von dem Gericht von Personen zu sprechen, sondern von dem, „was er in dem Leib getan hat“. Der Herr selbst hat uns gesagt, dass ein Gläubiger „nicht ins Gericht kommt“ (Joh 5,24). Wir wollen uns auch daran erinnern, dass wir vor den Richterstuhl des Christus kommen werden, wenn Er wiederkommt und wir verwandelt werden in das „Bild des Himmlischen“ (1. Kor 15,49). Wenn wir also vor dem Richterstuhl des Christus stehen werden, werden wir einen Leib der Herrlichkeit tragen wie Christus. Wir werden wie der Richter sein.

Für uns Gläubige geht es vor diesem Richterstuhl um unsere Taten, die wir im Leib getan haben, seien sie gut oder böse. Unsere Taten werden geprüft. Wie viel haben wir von unserem Versagen und auch dem Guten in unserem Leben vollständig vergessen oder sogar nie wirklich gekannt. Aber alles wird an jenem Tag in Erinnerung gebracht werden, so dass wir die Dinge genau kennen werden, so wie wir erkannt worden sind (vgl. 1. Kor 8,2.3). Wird das nicht zu einer vertieften Wertschätzung der Liebe und Gnade führen, die bereits mit all unserem Bösen gehandelt hat und uns trotz so viel Versagens sicher ans Ziel nach Hause gebracht hat? Zugleich wird jede noch so kleine Handlung, die Christus zum Motiv hatte, belohnt werden. Wenn nicht die ganze Vergangenheit hervorgerufen würde, verlören wir, wie jemand einmal gesagt hat, viel „Material“ für den Lobpreis, den wir in Ewigkeit aussprechen und singen werden. Das Offenbarwerden vor dem Richterstuhl macht uns nicht passend für die Herrlichkeit, sondern befähigt uns, die Herrlichkeit in vollem Maß zu genießen.

Die praktischen Konsequenzen des Richterstuhls

„Da wir nun den Schrecken des Herrn kennen, so überreden wir die Menschen, Gott aber sind wir offenbar geworden; ich hoffe aber, auch in euren Gewissen offenbar geworden zu sein“ (Vers 11).

Der Apostel spricht nun von den gegenwärtigen Ergebnissen des Bewusstseins, einmal vor dem Richterstuhl des Christus zu stehen. Wenn auch Gläubige und Ungläubige vor diesem Richterstuhl stehen werden, wissen wir aus anderen Schriftstellen, dass dies zu ganz verschiedenen Zeitpunkten und mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen sein wird. Für Ungläubige wird der Tag der Offenbarwerdung ein Tag des Schreckens sein. Denn für sie geht es nicht nur darum, im Blick auf ihre Taten offenbar zu werden, sondern sie werden als Personen gerichtet werden. Da Paulus diese Konsequenz kannte, überredete er die Menschen, dem kommenden Zorn zu entfliehen.

Darüber hinaus bewirkt die Kenntnis dieses Offenbarwerdens, dass wir als Gläubige schon jetzt vor Gott offenbar sein wollen. Das bedeutet, dass wir in der Gegenwart dessen leben, der uns vollkommen kennt. Schließlich hoffte Paulus, dass er durch seinen Lebenswandel vor Gott auch gegenüber Gläubigen ein Leben offenbaren würde, das sie in ihren Gewissen billigen könnten.

„Wir empfehlen uns selbst euch nicht wiederum, sondern geben euch Anlass zum Ruhm unsertwegen, damit ihr ihn habt bei denen, die sich nach dem Ansehen rühmen und nicht nach dem Herzen“ (Vers 12).

Wenn sein Leben eine so deutliche Sprache sprechen würde, hätte er es nicht nötig, sich den Korinthern zu empfehlen. Er vertraute darauf, dass sein Leben für sie ein Anlass des Rühmens seinetwegen wäre. So hätten sie eine Antwort denen gegenüber, die sich ihrer äußeren Erscheinung wegen vor Menschen rühmten, während die reinen und verborgenen Beweggründe des Herzens vor Gott fehlten.

Die Liebe des Christus

„Denn sei es, dass wir außer uns sind, so sind wir es für Gott; sei es, dass wir vernünftig sind – für euch. Denn die Liebe des Christus drängt uns, indem wir so geurteilt haben, dass einer für alle gestorben ist und somit alle gestorben sind“ (Verse 13.14).

Im Gegensatz zu den herzlosen Angebern, die sich ihrer äußeren Erscheinung wegen rühmten, wurde der Apostel durch göttliche Zuneigungen angetrieben, die ihn außer sich brachten in der Freude alles dessen, was Gott ist. Zugleich machte ihn das äußerst nüchtern im Blick auf die Heiligen. Unabhängig jedoch davon, ob er außer sich war oder nüchtern, drängte ihn die Liebe des Christus. Diese Liebe ist in ihrer ganzen Fülle am Kreuz sichtbar geworden. Dort starb Christus für alle. Es ist das Zeugnis sowohl der Liebe Christi zu allen als auch des tiefen Bedürfnisses aller Menschen. So wurde Paulus in seiner Predigt der Welt gegenüber durch den Schrecken des Herrn und durch die Liebe des Christus gedrängt.

In diesen Herz erforschenden Versen kommen somit die praktischen Auswirkungen des Bewusstseins hervor, dass wir alle vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden müssen:

  1. Was diese Welt betrifft, wurde der Apostel dazu geführt, die Menschen zu überreden.
  2. Was sich selbst betrifft, führt ihn dieses Bewusstsein dazu, unter den Augen Gottes sein Leben zu führen, vor dem er offenbar war.
  3. Was die Heiligen betrifft, wurde der Apostel dazu geführt, in einer Weise sein Leben zu führen, das ihn ihren Gewissen empfahl.

Der Apostel dachte in seinem Lebenswandel und auf seinen Wegen somit an die Nöte der Welt, an die Gottesfurcht und an die Gewissen der Heiligen.

„Und er ist für alle gestorben, damit die, die leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist“ (Vers 15).

Der Apostel fährt nun fort, von der Liebe des Christus als der treibenden Kraft des neuen Lebens des Gläubigen zu sprechen. Wenn Christus in seiner großen Liebe für uns gestorben und dann wieder auferstanden ist, dann gehört es sich für uns nicht länger, uns selbst zu leben, sondern Ihm.

Die neue Schöpfung

„Daher kennen wir von nun an niemand dem Fleisch nach; und wenn wir Christus dem Fleisch nach gekannt haben, kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr so. Daher, wenn jemand in Christus ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Alles aber von dem Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat:“ (Verse 16–18).

Wenn aber Christus starb und wiederauferstand, dann ist Er jemand, den wir nicht mehr als auf der Erde lebend und dem Fleisch nach kennen, sondern als jemanden, der einen verherrlichten Körper an einem vollkommen neuen Platz in der Herrlichkeit besitzt. Das bringt den Apostel dazu, von der „neuen Schöpfung“ zu sprechen. Der Tod ist das Ende der alten Schöpfung, die Auferstehung ist der Anfang der neuen. In der alten Schöpfung wurde zuerst die materielle Welt geschaffen, dann Adam, das Haupt dieser Schöpfung. In der neuen Schöpfung kommt zuerst Christus, das Haupt, dann diejenigen, die des Christus sind (vgl. 1. Kor 15,23). Und schließlich wird es auch neue Himmel und eine neue Erde geben, in der „das Alte vergangen ist“: Sünde, Leiden, Schmerzen, Tränen und Tod. Dort sind alle Dinge neu – „alles aber von Gott“. Alle Dinge in dieser herrlichen Szene sind von Gott, alle Dinge werden passend für Gott sein. Es handelt sich somit um eine Szene, in der Gott mit vollkommener Freude wohnen kann.

In der Zwischenzeit hat Gott Gläubige durch Jesus Christus mit sich selbst versöhnt. Durch das Werk Christi sind wir

  • in Christus vor Gott gestellt,
  • frei von der Strafe der Sünde,
  • in aller Gunst, die auf Christus in der Herrlichkeit ruht,
  • mit der Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen.

Der Dienst der Versöhnung

„Nämlich dass Gott in Christus war, die Welt mit sich selbst versöhnend, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnend, und er hat in uns das Wort der Versöhnung niedergelegt. So sind wir nun Gesandte für Christus, als ob Gott durch uns ermahnte; wir bitten an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm“ (Verse 19–21).

Der Apostel fügt hinzu, dass uns, die wir versöhnt worden sind, der Dienst der Versöhnung gegeben worden ist, mit dem wir uns an die Welt wenden. Als Christus auf der Erde war, war Gott in Christus, die Liebe und Gnade Gottes verkündend. Aber Christus wurde verworfen und ist aus der Welt hinausgegangen. Aber auch in der Zeit seiner Abwesenheit sendet die Gnade Gottes seine Diener als Gesandte für Christus aus, die arme Welt anflehend an Christi statt, sich mit Gott versöhnen zu lassen.

Der Gläubige ist versöhnt und weiß, dass die Versöhnung durch den Tod Christi bewirkt worden ist. Er ist am Kreuz zu dem gemacht worden, was wir vor Gott waren, damit wir das werden könnten, was Er vor Gott in der Herrlichkeit heute ist. So sind wir vollkommen passend gemacht für Gott. Im Blick auf das kommende Gericht „überredet“ Paulus die Menschen. Im Blick auf die Gnade Gottes, die das Werk der Versöhnung verkündigt, „bittet“ er die Menschen. Wenn Menschen allerdings die versöhnende Gnade zurückweisen, bleibt ihnen nichts mehr als der Schrecken des Gerichts.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man über die großen Wahrheiten dieses Kapitels sagen:

  1. Das Haus, das wir in den Himmeln haben, rettet uns von der Furcht im Blick auf das, was auf die sterblichen Körper hier auf der Erde noch zukommen kann (Verse 1–8).
  2. Der Richterstuhl des Christus führt uns dazu, Christus zu gefallen und die Menschen zu überreden (Verse 9–12).
  3. Die Liebe des Christus drängt uns, für Ihn zu leben und nicht uns selbst (Verse 13–15).
  4. Die neue Schöpfung befreit uns davor, Menschen nach dem Fleisch zu kennen (Verse 16.17).
  5. Versöhnung führt uns dazu, andere zu bitten, sich mit Gott versöhnen zu lassen (Verse 18–21).
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