Der zweite Brief an die Korinther

Kapitel 7

Der zweite Brief an die Korinther

„Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so lasst uns uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes, indem wir die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes“ (Vers 1).

Der Apostel fasst diese Ermahnungen zusammen, indem er die Heiligen in Korinth als „Geliebte“ anspricht und sie auffordert, in Übereinstimmung mit diesen Verheißungen zu leben und sich von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes zu reinigen. Wir können so sorgsam darauf achten, ein äußerlich tadelloses Leben zu führen und zugleich sehr nachlässig sein im Blick auf unsere Gedankenwelt. Wenn wir einen Lebenswandel führen, der äußerlich und innerlich vom Bösen getrennt ist, werden wir in der Heiligkeit wachsen, indem wir in der Furcht Gottes leben.

Das Herz von Paulus zugunsten der Korinthern

Paulus hatte gezeigt, dass er und seine Mitarbeiter ihr Leben in Übereinstimmung mit der Lehre des Wortes Gottes führten. Danach hatte der Apostel die Gläubigen der Versammlung in Korinth ermahnt, ihr Leben und ihre Verbindungen in Übereinstimmung mit der Gnade Gottes auszurichten. Nun möchte der Apostel jeden falschen Eindruck im Blick auf sich selbst ausräumen, der in den Herzen der Korinther aufgekommen sein mochte, sei es durch sein treues aber scharfes Handeln ihnen gegenüber oder durch böswillige Unterstellungen vonseiten derer, die ihn herabwürdigen bzw. sich selbst erhöhen wollten (vgl. 2. Kor 10). Er möchte den Gläubigen in Korinth zeigen, dass sein Motiv für das Verfassen der Briefe und sein treues Handeln ihnen gegenüber die Sorge vor Gott im Blick auf die Heiligen war (2. Kor 7,12).

„Nehmt uns auf; wir haben niemand unrecht getan, wir haben niemand zugrunde gerichtet, wir haben niemand übervorteilt“ (Vers 2).

Paulus wünschte, dass sie ihn ohne Verdächtigung oder Vorbehalt aufnahmen. Er hatte niemand von ihnen Unrecht getan, noch seine Stellung oder seinen Dienst dazu missbraucht, einen finanziellen Gewinn zu erzielen. So hatte er auch niemanden betrogen.

„Nicht zur Verurteilung rede ich; denn ich habe vorhin gesagt, dass ihr in unseren Herzen seid, um mit zu sterben und mit zu leben“ (Vers 3).

Seine Worte sollten deutlich machen, dass es ihm nicht darum ging, sie zu verurteilen. Vielmehr wollte er jedes Hindernis aus dem Weg räumen, damit die Liebe in vollem Maß fließen könnte, eine Liebe, die ihre volle Gemeinschaft sowohl im Tod als auch im Leben suchte.

„Groß ist meine Freimütigkeit euch gegenüber, groß mein Rühmen euretwegen; ich bin mit Trost erfüllt, ich bin ganz überströmend in der Freude bei all unserer Bedrängnis“ (Vers 4).

Paulus hatte nicht im Sinn, die Korinther zu verurteilen,. Vielmehr wollte er sich ihrer mit größter Freimütigkeit rühmen, denn er war durch sie getröstet worden. Sein Herz, das tatsächlich durch Traurigkeit verschlossen gewesen war, war nun in Freude aufgetan worden, um ohne Vorbehalt seine Zuneigungen ihnen gegenüber auszudrücken.

„Denn auch als wir nach Mazedonien kamen, hatte unser Fleisch keine Ruhe, sondern in allem waren wir bedrängt; von außen Kämpfe, von innen Befürchtungen. Der aber die Niedrigen tröstet, Gott, tröstete uns durch die Ankunft des Titus; nicht allein aber durch seine Ankunft, sondern auch durch den Trost, womit er bei euch getröstet worden war – als er uns kundtat eure Sehnsucht, euer Wehklagen, euren Eifer für mich, so dass ich mich umso mehr freute“ (Verse 5-7).

Paulus wollte die Korinther wissen lassen, dass die Quelle seiner Freude der Gott allen Trostes war. Dieser hatte ihn durch die Ankunft von Titus getröstet. Titus hatte von ihrem Wehklagen über das berichtet, was der Apostel in ihrer Mitte im ersten Brief hatte verurteilen müssen. Aber Titus sprach auch von ihrer sehnlichen Liebe, die sie ihm gegenüber zeigten. Der Apostel wollte als Antwort darauf ihre Gedanken und Zuneigungen nicht nur auf sich selbst ziehen, sondern auch auf Titus, der so gut von ihnen gesprochen hatte. Vor allem aber wollte er ihre Blicke auf die Quelle alles Segens lenken, den Gott allen Trostes.

Die Korinther hatten sich an der Sache als rein erwiesen

„Denn wenn ich euch auch durch den Brief betrübt habe, so reut es mich nicht, wenn es mich auch gereut hat; denn ich sehe, dass jener Brief, wenn auch nur für eine Zeit, euch betrübt hat. Jetzt freue ich mich, nicht, dass ihr betrübt worden seid, sondern dass ihr zur Buße betrübt worden seid; denn ihr seid Gott gemäß betrübt worden, damit ihr in nichts von uns Schaden erlittet. Denn die Betrübnis Gott gemäß bewirkt eine nie zu bereuende Buße zum Heil; die Betrübnis der Welt aber bewirkt den Tod. Denn siehe, eben dieses, dass ihr Gott gemäß betrübt worden seid, wie viel Fleiß hat es bei euch bewirkt! Sogar Verantwortung, sogar Unwillen, sogar Furcht, sogar Sehnsucht, sogar Eifer, sogar Vergeltung. Ihr habt in allem bewiesen, dass ihr an der Sache rein seid“ (Verse 8-11).

Der Apostel erkennt an, dass sein erster Brief die Korinther traurig gemacht hatte. Das hatte er sogar eine Zeitlang bereut. Aber als er von Titus die Wirkung hörte, die durch diesen Brief entstanden war, bereute er es nicht mehr länger. Denn er hatte nun gehört, dass es in ihren Herzen zu echter Buße gekommen war und dass ihre Betrübnis Gott gemäß war. Sie entsprach nicht der hoffnungslosen Trübsal der Welt, die zum Tod führt. Daher konnte sich Paulus freuen. Er freute sich nicht über Betrübnis, sondern über das Ergebnis dieser Betrübnis. Diese Trauer bestand nur für eine gewisse Zeit. Zudem war es eine Betrübnis Gott gemäß, so dass sie eine Buße zum Heil war, die nicht bereut werden musste.

Diese Buße brachte Früchte hervor, die in Übereinstimmung mit der Buße waren. Das wurde durch ihren Eifer offenbar, der sie beim Behandeln und Reinigen vom Bösen prägte (vgl. 1. Kor 5). Dadurch bewiesen sie, dass sie an der Sache rein waren. So hatten sie nicht nur mit dem tatsächlich vorliegenden Bösen gehandelt, sondern sich auch von ihrer eigenen Laschheit befreit. Wie anders ist die Betrübnis dieser Welt, wie wir sie im ernsten Fall von Judas sehen, dessen Trauer nicht Gott gemäß, sondern allein menschlicher Natur war. Sie führte nicht zu wirklicher Buße, sondern in den Tod.

Die Sorge von Paulus vor Gott um die Korinther

„Also, wenn ich euch auch geschrieben habe, dann nicht wegen des Unrecht Tuenden noch wegen des Unrecht Leidenden, sondern deswegen, dass euer Fleiß für uns bei euch offenbar werde vor Gott“ (Vers 12).

Der Apostel möchte den Korinthern weiter versichern, dass er seinen ersten Brief nicht in erster Linie im Blick auf den Unrecht Tuenden und nicht einmal wegen des Unrecht Leidenden geschrieben hatte, sondern wegen seiner Sorge vor Gott um die Gläubigen.

„Deswegen sind wir getröstet worden; noch viel mehr aber freuten wir uns bei unserem Trost über die Freude des Titus, weil sein Geist durch euch alle erquickt worden ist. Denn wenn ich ihm etwas über euch gerühmt habe, so bin ich nicht beschämt worden; sondern wie wir alles in Wahrheit zu euch geredet haben, so ist auch unser Rühmen Titus gegenüber Wahrheit geworden; und seine innerlichen Gefühle sind überströmend euch gegenüber, indem er sich an den Gehorsam von euch allen erinnert, wie ihr ihn mit Furcht und Zittern empfangen habt. Ich freue mich, dass ich in Bezug auf euch in allem zuversichtlich bin“ (Verse 13-16).

Paulus wurde dadurch getröstet, dass auch die Korinther selbst getröstet wurden. Er freute sich darüber, dass der Geist von Titus durch die Korinther erquickt worden war. Paulus musste sich seiner guten Worte über die Korinther, die er gegenüber Titus vor dessen Reise gesprochen hatte, nicht schämen. Denn alles, was er über sie gesagt hatte, stellte sich als wahr heraus.

Die Liebe des Titus floss den Korinthern gegenüber in überströmender Weise, da er sich an ihren Gehorsam erinnerte. So wurde das Vertrauen des Apostels in die Heiligen in Korinth bestätigt.

Wie schön ist es, diese Sorge vor Gott vonseiten eines Dieners für die Gläubigen anzuschauen. Sie zeigt sich

  • in der Treue im Blick auf das, was verkehrt ist;
  • in Liebe, die über die Betrübnis der Heiligen trauert und sich über ihre Freude mitfreut;
  • und sie wird durch das Vertrauen zu Gläubigen sichtbar, die den Anordnungen des Wortes Gottes gehorsam sind.

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